Und ich en schöne Mäd:
Ich well nä däft’gen Halfen han
Med Oes un Köh un Päd.“
Un als dä Jan dä Kall gehoot,
Do trock hä en dä Kreeg,
Schlog immer düchtig en dä Feind,
Holf wennen manchen Seeg.
We widder hä no Köllen kom,
Sos hä op stolzem Päd,
Dä Jan dä wohr no Feldmarschall,
Dä große Jan vun Wäht.
We widder en de Poz hä kom,
Sos en der Poz dat Griet,
It sos vör einem Appelkrom,
Wo it Kruschteien briet.
Un als dä Jan dat Griet dät sin,
Leht stell sing Päd hä stonn.
Un größten it un säht zo im:
„Grieht! wer et hät gedonn!“
Un als dat Griet dä Jan dät sin
Su blänkig usgeroß,
Do größt it in un säht zo im:
„Jo! wär et hät gewoßt!“
Ehr kölsche Mädchen, merkt üch dat,
Un sit mer nit so friet,
Gar mäncher hät et leid gedonn,
Dat lehrt vum Jan un Griet.“
Vom Altmarkt nehmen wir den Weg nach Westen zum Rathause (Abb. 161),
einem interessanten, auf gewaltigem römischen Unterbau ruhenden
Bauwerk, an dem besonders die zierliche, im Renaissancestil erbaute
Vorhalle und der fünfstöckige Turm, der 1407 bis 1414 mit Strafgeldern
der Adelsgeschlechter erbaut wurde, gelobt werden. In der Nähe liegt
auch der Gürzenich, der alte Festsaal der Stadt Köln. Er wurde 1441
bis 1452 als „der Herren Tanzhaus“ errichtet. Sein Bau kostete damals
80000 Gulden. Viele große Feste wurden im Laufe der Jahrhunderte in
ihm gefeiert. In der Zeit des Niederganges Kölns, im siebzehnten und
achtzehnten Jahrhundert, geriet er so in Verfall, daß er nur noch
als Lagerraum benutzt werden konnte, bis ihn in unserer Zeit die neu
aufblühende alte Hansastadt nach gründlicher Wiederherstellung des
Inneren 1857 wieder seiner früheren Bestimmung übergab.
[Illustration: Abb. 176. Barmen.
Nach einer Photographie von W. Fülle in Barmen. (Zu Seite 178.)]
[Sidenote: Köln. Der Dom.]
Weiter westwärts wandernd, gelangen wir zur Hochstraße, der
Hauptgeschäftsstraße Kölns. Sie ist verhältnismäßig schmal, und um so
mehr tritt der lebhafte Verkehr, der sich zu jeder Tageszeit durch sie
bewegt und in den Mittags- und Abendstunden fast zu stocken droht,
in die Erscheinung. Mancher Fremde hat ein solches Verkehrsbild nie
gesehen und ist von ihm überrascht. Wir schließen uns der flutenden
Menge an und ziehen an den glänzenden Geschäftsläden vorüber, bis wir
auf dem Wallrafsplatz plötzlich gebannt stehen bleiben. Wir stehen fast
unmittelbar vor den gewaltigen Domtürmen (Abb. 162), die riesenhaft
sich recken, zugleich durch ihre reiche und kunstvolle Gliederung
überraschend. Nun stehen wir vor dem prächtigen West-, dem Hauptportal:
Links und rechts je ein Riesenturm, 156 ~m~ hoch. Es fehlen uns völlig
die Maßvergleiche, um solche Höhe richtig zu schätzen. Dort der 40 ~m~
hohe Uhrturm des Bahnhofes, welch ein Zwerg! Daneben die gewaltige, zu
24 ~m~ Höhe sich wölbende Bahnhofshalle, wie tief zur Erde gedrückt!
Wir steigen die Stufen hinan, und nun stehen wir im Inneren des
Domes (Abb. 163). Wie gewaltig sind die Säulen, und doch wie schlank
erscheinen sie, mißt das Auge sie mit der Riesenhöhe! In einen Wald
von Säulen, einem herrlichen Buchenwalde vergleichbar, schauen wir
hinein. Nicht jeder Besucher des Gotteshauses mag das Gefühl, das zum
Himmel reißt, in diesem gotischen Stil empfinden. Aber jener Schweizer,
der beim Anblick des Kölner Domes das Bild seiner Heimatberge
wiedererstehen sah, hat es tief empfunden. „Der Dom ist,“ so schrieb
er in seinen Reisebildern[C], „das Märchen vom versteinerten Wald, so
wunderbar, daß man davor wie ein Stein stillstehen und ganz tiefsinnig
werden könnte ... Wie ein Gebirge erschien mir der Dom, wie ein Gebirge
aus Menschenhand und nach den Gesetzen der Kunst. Eine Zacke trägt und
stützt die andere, jede will höher als die andere ... alles strebt
weltflüchtig empor in die Sonne.“
[Illustration: Abb. 177. Die Schwebebahn in Barmen-Elberfeld.
Nach einer Aufnahme von Gebr. Kremer in Barmen. (Zu Seite 178.)]
[Sidenote: Der Kölner Dom.]
Der Grundstein zu diesem herrlichen Bauwerke, zu dem die Nationen der
Erde hinpilgern, um es staunend zu bewundern, wurde am 14. August 1248
durch den Erzbischof Konrad von Hochstaden gelegt. Erst 632 Jahre
später, im Jahre 1880, konnte das Fest seiner Vollendung gefeiert
werden. So sind Jahrhunderte an dem unvollendeten Bau, der wie ein
Trümmerbild einer vergangenen Glanzzeit Kölns und des deutschen Volkes
dastand, ohnmächtig vorübergegangen. Sie hätten nie gewagt, ein
solches Bauwerk zu beginnen, und waren darum auch außerstande, es zu
vollenden. Als der wirtschaftliche Niedergang der einst so blühenden
Hansastadt an seinem Tiefpunkte angelangt, als Deutschlands politische
Ohnmacht am größten und der Rhein abgerissen war vom deutschen Lande,
da war auch die Herrlichkeit des Kölner Domes am tiefsten gesunken,
damals konnte, in der Zeit der Fremdherrschaft, ein französischer
Bischof sogar Napoleon den Vorschlag machen, die Steinmasse, die nur
noch als Heumagazin diente, doch abtragen zu lassen. Dem deutschen
Volke ist diese Schmach erspart geblieben. Als Köln mit dem übrigen
Teil der Rheinprovinz unter preußische Herrschaft kam, da brach
mit der Zugehörigkeit zu einem großen, gut geleiteten Staatswesen,
mit der Entwicklung des Rheinstroms zu einer großen, einheitlichen
Verkehrsstraße auch wieder, erst langsam, dann schneller, eine neue
Zeit der Blüte an. Mit dem neu erwachenden deutschen Volksgefühl
regte sich auch das Gewissen, die großen Aufgaben, die die Väter
hinterlassen hatten, wieder aufzunehmen. Mahnend ragte der Domkran,
der zum Wahrzeichen der Stadt geworden war, auf, und in den Herzen
kunstbegeisterter Männer begann es sich zu regen. Besonders Sulpiz
Boisserée weckte den schlafenden Volksgeist, und er hatte das Glück,
den König Friedrich Wilhelm ~III.~ und mehr noch den damaligen, für
die Kunst begeisterten Kronprinzen für seine Pläne zu gewinnen. 1824
begann man mit Restaurationsarbeiten in bescheidenem Umfange. Der
Baumeister Zwirner war es, der zuerst mit dem kühnen Gedanken eines
völligen Ausbaues in die Öffentlichkeit trat. Seine Begeisterung
hallte in den Herzen aller Kölner, aller Rheinländer, aller Deutschen
mächtig wider. Ein glücklicher Zufall hatte über dem Kölner Dom
gewaltet. 1814 war in Darmstadt der eine, 1816 in Paris der andere
Teil des Originalaufrisses der Westfassade mit den Türmen aufgefunden
worden, desgleichen im selben Jahre in Paris der Originalgrundriß des
südwestlichen Domturmes nebst der östlichen Ansicht. Die Möglichkeit,
den stolzen Bau so auszuführen, wie er vom ersten Baumeister, man
glaubt vom Meister Gerard von Rile, ersonnen war, stärkte den Mut. Am
4. September 1842 wurde im Beisein des Königs Friedrich Wilhelm ~IV.~
feierlichst der Grundstein zum Weiterbau gelegt, für den im ganzen bis
1880 achtzehnundeinhalb Millionen Mark verausgabt wurden. In diesem
Jahre konnte endlich am 15. Oktober, in Anwesenheit des Kaisers Wilhelm
~I.~ und fast sämtlicher deutscher Fürsten, das Fest der Vollendung
gefeiert werden. Es waren zwei Festtage, der Tag der Einweihung und
der folgende Tag des Festzuges, weihevoller Stimmung, die wie ein
Jugendtraum unauslöschlich im Erinnern ruhen.
[Illustration: Abb. 178. Elberfeld.
Nach einer Photographie von W. Fülle in Barmen. (Zu Seite 179.)]
[Illustration: Abb. 179. Die Ruhmeshalle in Barmen.
Nach einer Photographie von W. Disselhoff in Elberfeld. (Zu Seite 180.)]
Der Dom ist ein fünfschiffiges Langhaus, an den sich ein dreischiffiges
Querhaus setzt. An die äußeren Seitenschiffe des Langhauses schließt
sich ein Halbkreis von sieben Kapellen an, während die inneren
Seitenschiffe um den Hochaltar laufen. Der Flächeninhalt des Domes
beträgt 6166 ~qm~ (des St. Peter in Rom 15160 ~qm~). Im südlichen Turme
hängt die aus französischem Geschützmetall gegossene Kaiserglocke, die
500 Zentner wiegt. In der Michaelskapelle bewundern wir das berühmte,
dreiteilige Dombild (Abb. 2), das die Anbetung der heiligen drei Könige
darstellt; es wurde vor 1450 von Stephan Buchener gemalt. Die Reliquien
der heiligen drei Könige werden in der reichen Schatzkammer des Domes
in einem goldenen Reliquienschrein aufbewahrt. Dieser, ein kostbares
Werk romanischer Goldschmiedekunst, das aus der Zeit zwischen 1190 und
1200 stammt, wurde leider 1794 bei der Flucht vor den Franzosen stark
beschädigt und 1807 ungeschickt wiederhergestellt.
Der Kölner Dom stellt die höchste Vollendung der Richtung des gotischen
Baustils dar, die ihre Entwicklung auf französischem Boden fand und
dort besonders in der herrlichen Kirche zu Reims triumphierte. In
Deutschland gibt es drei rheinische Dome, die die französische Gotik
zum Ausdruck bringen, der Freiburger Dom, dessen Turm der schönste
von allen gotischen Türmen ist, der Straßburger Dom, an dem die
Baugrundsätze der Gotik einheitlicher durchgeführt sind, und dessen
Inneres einen reicheren bildhauerischen Schmuck zeigt, und endlich der
Kölner Dom, mit dessen Plan die Gotik unvermittelt in Köln auftritt, da
die ein Jahr früher begonnene Kirche St. Kunibert noch keine Züge des
Kölner Domes zeigt.
[Sidenote: Alt-Köln.]
Noch viele herrliche Kirchen besitzt Köln, deren Kunstbedeutung
ich hier des Raummangels wegen nicht näher darlegen kann. Ein
hervorragender Kunstkenner äußerte sich einmal, daß er sich nicht recht
entscheiden könne, ob er in bezug auf kirchliche Baukunst Rom oder Köln
den Vorzug geben solle. Das ist ein Urteil, das wohl an die Stelle
einer langen Beweisführung treten darf. Als hervorragende Kirchenbauten
Kölns seien deshalb bloß noch die 1172 geweihte Kirche Groß-St. Martin,
die 1049 von Papst Leo ~IX.~ geweihte Kirche St. Maria im Kapitol,
die Kirche St. Pantaleon, die an Stelle eines älteren Gotteshauses
964 bis 980, angeblich mit Benutzung von Resten der Konstantinschen
Rheinbrücke, erbaut wurde, die sehr interessante Kirche St. Gereon, in
deren Krypta man sehr alte Baureste entdeckt hat, und die stattliche,
im dreizehnten Jahrhundert erbaute Apostelkirche, die sich am Neumarkt,
dem größten Platze Kölns, so prächtig mit ihrem schönen Chorbau erhebt.
[Illustration: Abb. 180. Das Rittershaus-Denkmal in Barmen.
Nach einer Photographie von W. Fülle in Barmen. (Zu Seite 180.)]
[Sidenote: Kölns Geschichte.]
Das malerische Bild des mittelalterlichen Köln (Abb. 164) erstand beim
Anblick der schönen Gotteshäuser in unserem Geiste. Viel unbedeutendere
Spuren hat dagegen das römische Köln, die stolze ~Colonia Claudia
Augusta Agrippinensis~, die mit nur wenigen anderen Kolonien das ~ius
italicum~, das römische Recht der Vollbürger besaß, hinterlassen. Im
Jahre 38 v. Chr. war Köln gegründet worden, als der deutsche Volksstamm
der Ubier vom rechten auf das linke Rheinufer übersiedelte. Der Ort
erhielt durch die Errichtung der ~Ara Ubiorum~ (Altar der Ubier) eine
hohe religiöse Bedeutung. Die Gründung der römischen Kolonie, die eine
sogenannte Veteranenkolonie war, erfolgte 51 n. Chr. Wenn auch keine
bedeutenden Baureste von jenem römischen Köln mehr vorhanden sind,
so haben doch die Ausgrabungen genügenden Aufschluß über dasselbe
gegeben. Die römische Stadtmauer lief in etwa rechteckiger Form vom
Domplatze über die Burgmauer, die St. Apern- und Gertrudenstraße, den
Mauritiussteinweg, die Alte Mauer am Bach, Blaubach, die Hochpforte und
die Hochstraße. Sie war in bestimmten Abständen von Türmen nach Art des
erhaltenen Römerturmes flankiert und von Toren durchbrochen, von denen
die Porta Paphia, deren Reste an der Westseite des Domes festgestellt
wurden, wohl das stattlichste war. Es fehlte nicht an monumentalen
Bauten, Verwaltungsgebäuden, Termen und Tempeln, wie zahlreiche, im
Wallraf-Richartz-Museum aufgestellte Überbleibsel aus dem bildsamen
Jurakalkstein beweisen. Ein Jupiter- und ein Merkurtempel sind durch
Inschriften bezeugt. Auch ansehnliche Privatbauten waren vorhanden, wie
sich aus Resten kunstreicher Mosaiken und Wandmalereien und aus Funden
von Zentralheizungen und Badeeinrichtungen ergibt. Eine großartige
Wasserleitung führte klares Gebirgswasser aus der Eifel herbei. Der
sogenannte Römergang, den man noch heute besichtigen kann, war eine
aus Tuffstein sauber ausgeführte Kloake zur Wegführung der Abwässer.
Die meisten Privathäuser hat man sich als Fachwerkbauten zu denken.
Von römischer Kultur zeugt auch die Art der Götterverehrung und der
Ehrung der Toten. An den Hauptstraßen vor den alten Toren sind große
Gräberfelder aufgedeckt worden. Dort reihte sich zu beiden Seiten der
Straße Grab an Grab. In den beiden ersten Jahrhunderten der römischen
Herrschaft wog die Verbrennung, in den beiden letzten die Bestattung
vor. Schöne Erbbegräbnisse sind in Weiden und jüngst in Effern
aufgedeckt worden. In der Regierungszeit Konstantins des Großen erhielt
Köln auch eine feste Rheinbrücke, die später von den Normannen zerstört
wurde.
Das römische Köln sank nach vierhundertjähriger Dauer in Trümmer, und
ein fränkisches trat an seine Stelle. Die Ausbreitung des Christentums
gab diesem sein politisches und, durch die große Zahl der Kirchen,
auch sein äußeres Gepräge; auf Handel und Gewerbe aber stützte sich
seine Machtstellung. Trotz der steten Streitigkeiten zwischen der
Stadt und den Erzbischöfen, die später ihre Residenz nach Brühl und
bald nach Bonn verlegten, sowie zwischen den Adelsgeschlechtern und
den Zünften blühte Köln immer mehr auf. Es war eins der angesehensten
Mitglieder des Hansabundes und machte eine Zeitlang Lübeck den ersten
Rang streitig. Dem Umstande, daß sich in ihm die westöstlichen Wege des
Landverkehrs mit der Schiffahrtslinie des Stromes kreuzten, verdankte
es hauptsächlich sein mächtiges Emporblühen im Mittelalter, einem
Umstande, der auch die neue Blüte in unserer Zeit wieder hauptsächlich
bedingt.
Der Niedergang Kölns begann mit dem sechzehnten Jahrhundert und wurde
vorwiegend durch die Verschiebung der Welthandelswege hervorgerufen.
Es war ein tiefes Herabsteigen von der stolzen Höhe des Reichtums und
des Ansehens. Es leerte sich die Stadt von Menschen, und ihr äußeres
Gepräge wurde ärmlich. Von 150000 sank die Einwohnerzahl auf 40000.
Ein Viertel der inneren Stadt war in Weinberge umgewandelt worden.
Von dem Weine, der in diesen gezogen wurde, sagt ein Bericht, daß er
„weder geeignet zum Verführen (= Verhandeln) noch zum Aufbewahren“ war.
Scharen von Bettlern umlagerten den ruinenhaft aufragenden Dom. In den
Straßen wuchs lustig das Gras. Das war nicht mehr die Stadt, von der es
im Mittelalter hieß:
~Coellen eyn kroin,
Boven allen stedden schoin.~
[Sidenote: Neu-Köln. Kölner Karneval.]
Im Vergleich hierzu das glanzvolle Bild des heutigen Köln: Die
Wandlung ist fast nicht zu begreifen. Die Einwohnerzahl ist auf
über 450000 gestiegen. Überall treten uns die Zeichen einer
kraftvollen Entwicklung entgegen. Die Altstadt hat ihr Bild völlig
verändert und verändert es täglich noch mehr. Die Stadterweiterung
schuf die prächtige Neustadt. Die Ringstraße (Abb. 165), auf der
das Reiterstandbild Kaiser Wilhelms ~I.~ (Abb. 166) aufgestellt
wurde, gehört zu den schönsten Straßenanlagen der Welt. Von anderen
Sehenswürdigkeiten Kölns seien noch das Wallraf-Richartz-Museum, wo
man unter den Werken der Altkölnischen Malerschule besonders auf das
aus dem fünfzehnten Jahrhundert stammende Bild Madonna im Rosenhag
(Abb. 167) achten möge, das in Knackfuß’ Deutscher Kunstgeschichte „das
lieblichste Werk dieser Zeit“ genannt wird, ferner die alten Torburgen
(Abb. 168), die ebenfalls Museumszwecken dienen, das Bismarck- und das
Moltkedenkmal, das neue Hauptpostgebäude (Abb. 169), der Zoologische
Garten, die Flora, der Volksgarten und der große Stadtwald zu nennen.
[Illustration: Abb. 181. Rathaus und Jan Wellem-Denkmal in Düsseldorf.
Nach einer Photographie von C. Heise in Düsseldorf. (Zu Seite 182.)]
Wir können die Erörterung über Köln nicht gut ohne ein Erinnern an den
Kölner Karneval schließen. Lange Zeit hatte dieses alte Volksfest,
bei dem der rheinische Frohsinn am ungestümsten hervorbricht, infolge
der Ungunst wirtschaftlicher und politischer Verhältnisse geschlafen.
Als anfangs der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts eine Wendung
zum Bessern sich fühlbar machte, da erwachte es von neuem, um sich
bis heute zu behaupten. Im Jahre 1823 wurde der Kölner Karneval in
seiner heutigen Form ins Leben gerufen. Es bildete sich die Große
Karnevalsgesellschaft, und die Veranstaltung eines Festzuges am Montag
wurde ins Programm aufgenommen. Viele kleinere Karnevalsgesellschaften
entstanden noch später und entstehen noch jedes Jahr; aber die „Große“
steht doch im Mittelpunkt des ganzen Festes. Schon mit Neujahr beginnen
die karnevalistischen Sitzungen. Es gilt, den größten Menschenfeind,
den Griesgram, der sich während des Jahres überall eingenistet hat, im
Herzen aufzuspüren und mit den Waffen des Witzes und ulkigen Spottes
zu bekämpfen. Die besten Redner werden in „de Bütt“ geschickt. Gelingt
ihnen ein treffender Witz über irgendein Ereignis des Jahres oder des
Lebens überhaupt, so lohnt tosender Beifall die Rede. Von Mund zu
Mund pflanzt sich das neue Schlagwort fort, das bald auf allen Lippen
ist, mit dem man jeden Bekannten begrüßt. Im ganzen öffentlichen
Leben und ebenso im Familienleben ist zu erkennen, daß Köln unter dem
Zeichen des Karnevals steht. Auch der bunte Schaufensterschmuck vieler
Geschäfte sagt es uns. Allmählich rückt die Zeit des eigentlichen
Karnevals heran. Drei Tage, Sonntag, Montag und Dienstag vor Beginn der
Fastenzeit, dauert der Festestrubel. Alle Leute, jung und alt, reich
und arm, geben sich einer tollen Freude hin. Schon Donnerstag vorher
ist die sogenannte Weiberfastnacht, besonders von den Marktfrauen
des Altenmarkt, gefeiert worden. Der große Festzug, der am Montage
durch die Stadt zieht, lockt viele Tausende von auswärts an. Auf dem
Neumarkt, von wo er ausgeht, und in den Straßen, die er passiert, wogt
eine ungeheure Menschenmenge, die in den späteren Tagesstunden einen
ohrenbetäubenden Lärm macht. In dem Zuge kehren einzelne, historisch
gewordene Gruppen alljährlich wieder, so der Köllsche Boor (Abb. 170),
Till Eulenspiegel, die Kölner Funken, Alaaf Köln und Prinz Karneval,
dessen Wagen sich gewöhnlich durch seine reiche Pracht auszeichnet.
Die übrigen Wagen stellen gewöhnlich irgendeinen leitenden Gedanken,
die große Idee des Fastnachtszuges dar. Fremde, die zum erstenmal den
wilden Fastnachtstrubel sehen, können sich eine solche Volksstimmung
anfangs gar nicht erklären. Dieselbe setzt eben rheinischen Frohsinn
und einen dem echten Kölner angeborenen Mutterwitz voraus. Am besten
hat den Kölner Karneval Goethe begriffen, der dem Großen Rat mit den
Verschen antwortete:
Auch dem Weisen fügt behäglich
Sich die Torheit wohl zur Hand,
Und so ist es ganz verträglich,
Wenn er sich mit euch verband ...
Löblich wird ein tolles Streben,
Wenn es kurz ist und mit Sinn;
Heiterkeit zum Erdenleben
Sei dem flücht’gen Rausch Gewinn!
* * * * *
[Sidenote: Das Bergische Land.]
Wir scheiden von Köln, um noch in dem schönen Bergischen Lande
kurze Umschau zu halten. Nicht bloß die Schönheit der Natur und
Erinnerungsstätten der Vergangenheiten locken uns dorthin. Fast mehr
noch treibt es uns, die Wunderbauten zu schauen, die ein tüchtiges
Geschlecht in jüngster Zeit dort errichtet hat.
Unter dem Bergischen Land versteht man das Gebiet, das von der
Wupper, die etwa 12 ~km~ unterhalb Köln rechts in den Rhein mündet,
bewässert wird. Nach Südosten geht dasselbe in das Oberbergische, das
seine Bäche zur Sieg sendet, und nach Osten in das Sauerland über.
Dieser letztere Name, der soviel als Süderland heißt und wohl von den
nördlicher wohnenden Münsterländern stammt, wird in den geographischen
Lehrbüchern meist zur Bezeichnung des ganzen Gebietes, das im Süden
von der Sieg, im Nordosten und Norden von der Ruhr und im Westen von
der Rheinebene umgrenzt wird, gebraucht. Die Bewohner des Bergischen
Landes aber spotten über eine Verallgemeinerung des Namens Sauerland
und sagen sehr richtig, das Sauerland wäre eine ganz andere Gegend als
ihr schönes Bergisches Land. Wer im Wuppergebiet von Sauerland spricht,
wird ausgelacht. Ich meine, man müsse sich darüber freuen, daß das Volk
den Namen der Heimat hoch hält und nicht in der Eifel, im Hunsrück, im
Sauerland wohnen will, selbst wenn es gedruckt so in geographischen
Lehrbüchern steht.
[Sidenote: Remscheid. Solingen.]
Der Name „Bergisches Land“ ist eine wirklich zutreffende Bezeichnung.
Der stete Wechsel zwischen Berg und Tal gibt dem Gebiete sein
eigenartiges Gepräge. Die zahlreichen Täler und Tälchen sind meist
tief, viele schluchtenartig eingeschnitten. Wald, Wiese und Äcker
wechseln miteinander ab, und überall liegen Gruppen von Häusern, bald
in die Talmulden gebettet, bald die luftige Höhe erkletternd. Aus dem
steten Wechsel der Bodenform, des Pflanzenkleides und der reichen
Besiedelung entsteht das eigenartige Gesamtbild des Bergischen Landes,
das so völlig verschieden ist von den eintönigen und menschenleeren
Hochflächen des Hunsrück und der Eifel. Es kehrt überall wieder,
gleichviel in welchem Teile wir das Bergische Land durchstreifen,
aber niemals wirkt es ermüdend, immer überraschen die Einzelheiten,
die Wendungen der Tälchen, die Staffage der Höhen, besonders die
malerischen Gruppierungen der zierlichen und freundlichen Häuschen, die
meist mit Schiefer gedeckt und auf der Wetterseite auch mit Schiefer
bekleidet sind. Für eine der schönsten Aussichten, von manchen für
die schönste im ganzen Bergischen Lande wird der Rundblick gehalten,
den man von den Anlagen in Remscheid (Abb. 171), das in dem von der
Wupper auf drei Seiten umflossenen Viereck liegt, genießt: „Nach
Norden[D] umgibt uns ein reicher Kranz von Ortschaften. Überall lugen
die Häusergruppen und die Kirchtürme aus Berg und Tal, zwischen den
dunkleren Waldflecken und den helleren Acker- und Wiesenflächen hervor.
Nach Nordosten schauen wir hinab in das Moosbach- und das Wuppertal,
die wie dunkle Schluchten erscheinen. Hoch ragt der Bogen der berühmten
Kaiser Wilhelm-Brücke bei Müngsten (Abb. 172), die mit 170 ~m~
Spannung, bei einer Länge von 500 ~m~ und einer Höhe von 107 ~m~, sich
hoch über die Schlucht des Wuppertales wölbt, der Bahn von Remscheid
nach Solingen einen Weg bietend. In der Ferne tauchen die zerstreuten
Häusergruppen von Solingen (Abb. 173) auf. Über die westlichen und
südwestlichen Höhen öffnet sich der Blick auf die Rheinebene. Von
Düsseldorf bis Köln, dessen Domtürme deutlich hervortreten, können
wir diese überblicken, und fern im Süden tauchen gar die Kuppen des
Siebengebirges und der Eifel empor. Nach Osten endlich breitet sich das
ausgedehnte, von dem Wasserturm hoch überragte Häuserbild von Remscheid
vor uns aus.“
[Illustration: Abb. 182. Städtische Kunsthalle und Bismarck-Denkmal in
Düsseldorf.
Nach einer Photographie von C. Heise in Düsseldorf. (Zu Seite 182.)]
[Sidenote: Remscheid und Solingen.]