Für den Wanderer, der das Rheintal als Reiseroute wählt und von ihm

aus die Eifel besuchen will, kommt zunächst die Vordereifel, auch

vulkanische Eifel genannt, in Betracht. Es ist ein eigenartiges Land,

voll von Wunderwerken der Natur, die unser Auge fesseln und unsern

Geist bannen. Wir schauen stolze Bergkuppen, deren Scheitel hoch

gewölbt ist, und echte Kraterberge, die einen vertieften Kraterschlund

umschließen. Wir stehen sinnend vor den kleinen Seen, den Maaren, deren

Wasser den früheren Feuerschlund ausgefüllt hat, und verfolgen den Lauf

des Lavastromes, der einst aus dem Krater als ein zäher Feuerschleim

hervorquoll und sich hinab in die Täler ergoß, so daß die Bäche

vielfach ihre Kraft mit dem harten Gestein messen müssen. Und nicht

nur in der Nähe der vulkanischen Ausbrüche schreitet unser Fuß über

vulkanische Asche, sondern oft auch in weiter Entfernung von diesen.

Alles deutet auf eine umfangreiche einstige vulkanische Tätigkeit

hin. Im Geiste hören wir das dumpfe Dröhnen des Erdbodens. Er zittert

von den Spannungen der Gase, die mit Gewalt einen Ausgang suchen. Die

Wellen der Erdbeben durchlaufen das Land. Wir sehen den Feuerschein

der Krater, der diese Höllenlandschaft einst beleuchtete, umdüstert

von dem qualmenden Rauch und farbig umspielt von den brennenden Gasen,

die dem Kraterschlund entstiegen. Wie Raketen fliegen durch den

Aschenregen glühende Felsbrocken höher empor, prasselnd fallen sie

nieder, und in der Aschenhülle finden wir sie wieder als rundliche,

schwärzlich gefärbte Steinkugeln, Bomben genannt, die bald die Größe

nur eines Taubeneies, bald die eines Menschenkopfes haben. Immer höher

wölbte sich der Aschenkegel. Die Jahrhunderte oder Jahrtausende trugen

ihn wieder zum Teil ab. Der Vulkan stellte seine Tätigkeit ein, sein

Feuerschlund erkaltete. Noch lange aber blieb seine Umgebung eine

Stätte des Todes, bis allmählich die Pflanzenwelt den schwarzen Boden

sich eroberte. Nun lacht überall, wo Totenstarre war, die grüne Farbe

des Lebens, üppige Wälder, Wiesen und Felder schmücken Berg und Tal,

und nur der sinnende Geist des Menschen lebt noch, beim Anblick des

vulkanischen Bodens, in der grauen Vorzeit, in der die Vulkane der

Eifel entstanden.

Es gibt in der Eifel zwei vulkanische Hauptlinien, eine westliche und

eine östliche, auf denen zahlreiche Vulkanberge, sowohl Vulkankuppen

als auch echte Kraterberge und Maare, geordnet sind. Manche Vulkanberge

liegen auch auf Querlinien. Die westliche vulkanische Hauptlinie

beginnt bei Bertrich in der Nähe der Mosel mit der Falkenlei. Sie

streicht in nordnordwestlicher Richtung über Daun und Hillesheim und

endet erst in der Schneifel (= Schnee-Eifel), wo noch der Goldberg

liegt. Zwei wichtige vulkanische Querlinien auf dieser Hauptlinie

sind die von Manderscheid und Gerolstein-Birresborn. In diesen

Gegenden erreicht das westliche Vulkangebiet eine bedeutende Breite.

Am dichtesten drängen sich die Vulkanberge zwischen Daun (Abb. 148),

Gerolstein und Hillesheim zusammen, wo wir ein schönes Bergland vor

uns zu sehen glauben. Als die höchste Kuppe ragt dort der 700 ~m~ hohe

Ernstberg auf. Sehr zahlreich treffen wir die merkwürdigen Kraterseen,

in der Eifel Maare genannt, an. Man hält sie für Vulkane, die früh zur

Ruhe gekommen sind, ehe ihnen als ein feuriger Teig Lava entquoll, die

sich bei anderen Vulkanen entweder zur Kuppe aufwölbte, wenn sie in

der Aschenhülle stecken blieb, oder sich als ein Lavastrom hinabwälzte

in die Täler, ehe sie völlig erstarrte. Sehr verschieden ist das Bild

der Maare. Das Pulvermaar bei Gillenfeld ist von hohen Kraterwänden,

die mit schönen Buchen bewachsen sind, umgeben. Lieblich blinkt uns

der Seenspiegel aus dem Grün der Landschaft entgegen. Ein lachendes

Bild des Lebens dort, wo einst Feuersglut alles Leben auslöschte! Ein

völlig anderes Bild zeigt das Weinfelder Maar. Die düstern Schatten

des Todes gleiten über dasselbe. Kein Leben, kein Pflanzenschmuck,

kein Laut! Todesruhe! In der Nähe von Daun, wo das Weinfelder Maar

liegt, treffen wir noch das Schalkenmehrener (Abb. 149) und Gemündener

Maar an. Von anderen bekannten Maaren im westlichen Vulkangebiete der

Eifel sei noch das Meerfelder Maar bei Manderscheid genannt. Einige von

ihnen, wie das Pulver-, Weinfelder und Gemündener Maar, haben keinen,

wenigstens keinen sichtbaren Zu- und Abfluß. Auf den gleichen Ursprung

wie die Maare führt man auch zahlreiche Kesseltäler der Eifel zurück.

[Illustration: Abb. 170. Vom Kölner Karneval. Der Wagen „Kölner Bauer

mit Jungfrau“ (links) und „Wolkenwagen des Prinzen Karneval“ (rechts)

auf dem Festzuge des Jahres 1901. Nach einer Photographie von Ad.

Fischl jun. in Köln. (Zu Seite 174.)]

Die östliche vulkanische Hauptlinie, die ebenfalls in fast nördlicher

Richtung verläuft, läßt sich von Winningen an der Mosel bis in die

Ahrgegend südlich von Ahrweiler verfolgen. Den Rodderberg, einen

Vulkan mit schwacher Kratermulde, der bei Rolandseck unmittelbar am

Rhein aufsteigt, kann man schon zum Vulkangebiet des Siebengebirges

rechnen. Den Hauptherd der vulkanischen Tätigkeit bildet im östlichen

Vulkangebiete der Laacher See. An seiner Stelle befand sich einst

ein riesiger Kraterschlund. Etwa 40 Lavaströme nahmen von ihm ihren

Ausgang. Ungefähr ebenso groß ist die Zahl der Vulkanberge, die in

der Umgegend des Laacher Sees liegen. Dieser selbst ist von sechs

Kraterbergen malerisch umgeben, von denen der Laacher Roteberg (510

~m~), der Laacherkopf (460 ~m~) und der Krufter Ofen (453 ~m~) die

höchsten sind. Letzterer ist der bekannteste und besuchteste.

[Sidenote: Der Laacher See.]

Durch üppigen Wald steigen wir zum Krufter Ofen hinan. Auf seinem

Gipfel entfaltet sich uns ein prächtiger Rundblick auf die schöne

Landschaft. Hell blinkt der Wasserspiegel des Sees, dunkel umsäumen

ihn die waldigen Berge, und ihr Spiegelbild taucht tief hinab in die

Fluten. Am Südende des Sees, wo der hohe Rahmen der Berge sich etwas

verflacht, ergänzt ein herrliches Bauwerk, die prächtige Abteikirche

des Benediktinerklosters Laach (Abb. 150), die formenschöne Landschaft.

Wenden wir uns aber von diesem Bilde ab zur anderen Seite des Gipfels,

so blicken wir hinab in den früheren Kraterschlund des Krufter Ofen.

Aber kein Bild des Todes ist’s, das wir da schauen. Wald, üppigster

Wald hat die frühere Feuerstätte erobert, und wo einst das düstere

Grauen wohnte, dort lacht jetzt Pflanzengrün. Muntern Schritts eilen

wir hinab, wo der See uns winkt. Er ist kreisrund, 3,3 ~qkm~ groß

und in der Mitte 53 ~m~ tief. Sein Durchmesser beträgt 2732 ~m~, und

zwei Stunden müßten wir wandern, um ihn zu umkreisen. Das zweitgrößte

Eifelmaar, das Pulvermaar, ist nur ⅒ so groß. Wie stimmungsvoll paßt

die Benediktinerabtei Laach zu der Stille der Landschaft, zu der Ruhe

des Sees und dem Schweigen des Waldes! Die schöne Abteikirche, in edlem

romanischen Stile erbaut, stammt aus dem Jahre 1156. Sie ist mit einer

Kuppel und fünf Türmen geschmückt. Die zierliche Vorhalle wurde 1859

neu hergestellt. Die Ornamentik an den Säulenkapitälen ist überaus fein

und sorgfältig ausgeführt (Abb. 151). Der sehr schöne, in romanischem

Stile gehaltene Hochaltar wurde vom Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1899

geschenkt.

[Illustration: Abb. 171. Remscheid.

Nach einer Photographie im Verlag von Herm. Krumm in Remscheid. (Zu

Seite 175.)]

Nach kurzem Aufenthalt wandern wir weiter. Der Hohe Gänsehals ist unser

Ziel. Von der Waldespracht des Laacher Sees müssen wir bald Abschied

nehmen. Einförmig liegt das Land in seinem düstern, dunkelgrauen

Ton vor uns. Es ist Aschenboden, über den wir wandern. Hier und da

eine Halde, der die Bewohner von der schwärzlichen Asche entnehmen.

Von zahlreichen kleinen und größeren Bomben ist die Aschenmasse

durchsetzt. Mäßig hohe Berge, Vulkanberge, wölben sich aus der kahl und

daher so tot erscheinenden Landschaft heraus. Auch der Gänsehals, der

dort vor uns aufsteigt, hat nur eine geringe relative Höhe. Dennoch

bietet er als höchster Punkt der Gegend (591 ~m~ hoch) -- und besonders

der auf ihm errichtete Aussichtsturm -- einen umfassenden Rundblick

dar, nach Osten über das waldgeschmückte Gebiet des Laacher Sees,

dessen Spiegel hell aufblitzt, und nach Nordwesten über die stolzen

Basaltkuppen der Hohen Eifel.

[Illustration: Abb. 172. Kaiser Wilhelm-Brücke bei Müngsten.

Nach einer Photographie im Verlage von Herm. Krumm in Remscheid. (Zu

Seite 175.)]

[Sidenote: Gesteine der Eifel.]

Eine große Verbreitung haben in dem östlichen Vulkangebiet der Eifel

die Schlackentuffe. Drei Arten derselben sind zu unterscheiden,

nämlich basaltische, die in der Umgebung fast eines jeden Eifelvulkans

vorkommen, zweitens basaltartige, nämlich Leucitphonolithtuffe, die

eine große Verbreitung westlich vom Laacher See haben, und drittens

trachytische, die namentlich im Brohltal, wo die Traßgewinnung

ein wichtiger Industriezweig geworden ist, verbreitet sind. Als

Auswurfsmasse der Vulkane der östlichen Eifel ist ferner noch der

Bimssand zu nennen. Er ist eine leichte, durchlöcherte Asche von

weißlicher Farbe. Die Vulkanherde im Umkreise des Laacher Sees

bedeckten mit ihm, ehe sie völlig erloschen, meilenweit und viele Meter

hoch das Land. Bis Moselkern, Boppard, Mayen und Brohl lagern die

Bimssandsteinschichten, allein auf der linken Rheinseite ein Gebiet

von etwa 800 ~qkm~ bedeckend. Doch auch auf der rechten Rheinseite

sind sie noch weithin verbreitet. Sie bilden die Grundlage einer

wichtigen Industrie, der Bimssandsteinziegelei. Der Bimssandstein

wird zerkleinert und dann mit Kalkmilch angemengt. Aus dieser Masse

werden große Ziegelsteine geformt, die sich durch ihre Leichtigkeit und

eine geringe Beeinflussung durch den Witterungswechsel auszeichnen.

Namentlich zwischen Andernach und Coblenz, in der Nähe der Orte

Weißenturm und Urmitz, sind große Ziegeleien angelegt worden, die

man auf der Fahrt mit der Eisenbahn sehen kann. Ein schon älterer

Industriezweig ist die Lavagewinnung bei Niedermendig. Schon die

Römer brachen dort ihre Mühlsteine. Da die Lava von einer 15 bis 20

~m~ mächtigen Schicht Sand, Bimsstein und Löß bedeckt ist, mußten die

Steinbrüche unterirdisch angelegt werden. Auch die oberste Schicht der

Lavamasse mußte noch durchbrochen werden, weil sie ein minderwertiges

Gestein liefert. Das darunter anstehende Gestein bildet Pfeiler,

von den Arbeitern Stämme genannt, von 1½ bis 2 ~m~ Stärke. Durch

den jahrhundertelangen Betrieb der Steinbrüche sind große Hohlräume

entstanden. Labyrinthartig verzweigen diese sich im Innern der Erde.

Eine niedrige, fast das ganze Jahr sich gleich bleibende Temperatur

herrscht in ihnen. Viele werden wegen dieser wertvollen Eigenschaft als

Bierkeller benutzt, und ein blühendes Bierbrauereigewerbe, das diese

Gunst ausnutzt, hat sich in Niedermendig entwickelt.

[Illustration: Abb. 173. Solingen.

Nach einer Photographie im Verlag von Jul. Tückmantel & Söhne in

Solingen. (Zu Seite 175.)]

[Sidenote: Hohe Eifel.]

Von der eigentlichen vulkanischen Vordereifel wollen wir hiermit

Abschied nehmen. An sie schließt sich nach Norden die Hohe Eifel, nach

Nordwesten die Schneifel an, an die sich wieder als viertes Glied

das Hohe Venn (= Sumpfland) gliedert. Diese sind die höchstgelegenen

Gebiete des weiten Gebirgslandes, zu denen die Vordereifel gleichsam

nur das Vorland zum Rhein und zur Mosel hin bildet.

Die jetzigen höchsten Bodenwellen der Eifel entsprechen nicht mehr

ihren früheren Hauptgebirgszügen, die sich bei ihrer Auffaltung

gebildet hatten. Wie bei allen stark abgetragenen Gebirgen haben wir

in ihnen die härteren Reste des Gebirgsbodens zu erblicken. Wieder

war es, wie beim Hunsrück, der harte Quarzit, der der Verwitterung am

meisten widerstand. Aus ihm besteht z. B. der Rücken der Schneifel,

der früher zweifellos von der jetzt etwa 100 ~m~ tiefer gelegenen

Wasserscheide des Losheimer Waldes überragt wurde, ferner ein

Höhenzug, der sich südlich von Gerolstein nach Nordosten auf Kelberg

zu erstreckt, und der Kandelwald, dessen Rücken südlich von Bertrich

in der Nähe der Mosel aufsteigt. Die übrigen Gesteinsschichten, die

in der Eifel viel verbreitet sind, wie Schiefer, Grauwacke, Kalke,

Mergel und Buntsandstein, sind sehr gleichmäßig verwittert, woraus

sich das einförmige Oberflächenbild der meisten Eifelgegenden erklärt.

Die stolzen Bergkuppen, die die Hohe Eifel trägt, sind vulkanischen

Ursprungs, wie die Basaltkuppen der Hohen Acht (760 ~m~), die die

höchste Erhebung der Eifel bildet, des Steinberg (670 ~m~), des

zweigipfligen Kelberg (670 ~m~), des Aremberg (623 ~m~), dessen

mächtige Gestalt an der oberen Ahr aufsteigt, und des Michelsberg

(556 ~m~) bei Münstereifel, der als die bedeutendste Erhebung am

nördlichen Eifelrande einen prächtigen Rundblick über das Vorland,

über die vorgelagerte reiche Ebene bis hin zu den stolzen Kuppen des

Siebengebirges und zu den hohen Türmen des Kölner Doms darbietet.

In der ganzen Eifel beträgt die Zahl der Basaltkuppen 210. Ohne sie

und die Kraterberge würde das Eifelland überall so einförmig wie die

Hochflächen der Schneifel und des Hohen Venn sein, und nur in den

Tälern könnten wir landschaftliche Schönheit suchen. Nur stellenweise

ist das auf weiten Strecken also recht eintönige Oberflächenbild der

Eifel durch Waldesschmuck, der Wechsel und Leben in die Landschaft

bringt, verschönert. Einst war sie fast in allen ihren Teilen

waldreich. Durch törichte Waldverwüstung wurde sie wie so viele Länder

ihres schönen Waldkleides größtenteils beraubt. Größere Reste desselben

sind noch der Losheimer Wald, die Wälder der Schneifel, der herrliche

Kermeter bei Schleiden in der nördlichen Eifel, sowie die Wälder des

Laacher See-Gebiets und am Mittellauf der Kyll. In den höher gelegenen

Gegenden der Eifel hatte die Waldverwüstung eine schlimme Wirkung zur

Folge. Da das Klima für den Anbau zu ungünstig ist, verfielen weite

Strecken Landes dem Zustande der öden Heide. In manchen Eifelkreisen

nimmt das Ödland drei Viertel der Bodenfläche ein.

[Sidenote: Eifellandschaft.]

In trauriger Öde liegt das Land vor uns. Heide, soweit das Auge

reicht! Nur der Naturfreund findet, daß auch dieses Land seine

Schönheit und seinen Zauber hat. Im Spätsommer kleidet sich die

düstere Heide mit ihrem Purpurmantel. Das Heidekraut bildet dann

einen großen Blütenteppich. Dazwischen erscheinen hie und da auch

wohl eine verkrüppelte Kiefer, Fichte, Lärche, Birke oder niedriges

Wacholdergesträuch. Die Ruhe erzählt vom Gottesfrieden in der Natur.

Bunte Falter flattern von Blume zu Blume, das Geräusch von Tausenden

von Bienen summt an unser Ohr, und über den Boden eilen geschäftig

zahlreiche Käfer. Nach dem Menschen suchen und fragen wir nicht in

dieser Einsamkeit. Doch dort steigt ein leichter Rauch auf. Er verrät

eine menschliche Hütte, ein ärmliches Heim, worin die Entbehrung wohnt.

Die Heide vermag nur die Bienen, keine Menschen zu ernähren. Nur für

den Schäfer, der einsam mit seiner Herde dahinzieht, die die wenigen

Grasbüschel sucht, blieb hier noch Raum. Auch er ist inmitten seiner

folgsamen und schweigsamen Herde ein Bild des Friedens und der Ruhe.

Tagaus, tagein zieht er hinaus auf die braune Eifelheide. Doch wenn der

Winter kommt, wenn wild der eisige Schneesturm heult, dann wagt auch er

sich nicht mehr hinaus. Wehe dem Wanderer, der dann den verschneiten

Weg verfehlt und verlassen umherirrt auf der Heide! Mit fahlem Glanze

bricht der Mond durch die schwarzen Wolken durch und bescheint ein

Leichentuch, das den verirrten Wanderer unter sich begrub. Ein Grab im

Schnee!

[Illustration: Abb. 174. Schloß Burg an der Wupper. (Zu Seite 178.)]

[Sidenote: Eifelbilder. Das Vorgebirge.]

Noch manche Schönheiten zeigt uns die Eifel, wenn wir von den

Hochflächen des Landes hinabsteigen in die Täler, die nach allen

Seiten, zum Rhein, zur Mosel und zur Maas hin rinnen. In neuester

Zeit ist besonders der durch den Bau der Urft-Talsperre (Abb. 152)

geschaffene künstliche See bei Gemünd ein beliebtes Reiseziel geworden.

Viel gepriesen wird auch das waldgeschmückte Kylltal, dem auf weiter

Strecke die Eifelbahn folgt. Gerolstein (Abb. 153) und Kyllburg (Abb.

154) gelten als Glanzpunkte der Eifel. Manderscheid (Abb. 155) mit

seinen beiden schöngelegenen Burgen und seinem steil aufragenden

Mosenberg möchte ihnen im Liesertal den Rang streitig machen. Alle drei

Orte werden im Sommer viel besucht. In den großen Gasthöfen, die dort

entstanden sind, nehmen zahlreiche Familien längeren Aufenthalt. Noch

größer ist die Zahl der durchreisenden Touristen, die nur in flüchtiger

Reisestunde die Schönheiten dieser Punkte würdigen können. Locken sie

doch noch so viele andere Schönheiten des Landes. Versteckt im Eltztale

liegt die Burg Eltz (Abb. 156 u. 157), eine der wenigen rheinischen

Burgen, die bei den Raubkriegen der Franzosen der Zerstörung entgingen.

Das Nettetal prangt in der Schönheit seiner Wälder, es grüßt sein

munteres Flüßchen die schön gelegene Stadt Mayen, und weiter unterhalb

mißt dasselbe seine Kraft, wo die viel besuchte Rauscher Mühle liegt,

an einem mächtigen Lavastrom, der in sein Bett hinabgeflossen ist, und

über dessen Felsmassen es in Wasserstürzen hinabrauscht. Freundliche

Bilder entfaltet auch das Brohltal, durch das uns auf der Rückwanderung

vom Laacher See der Weg führt, und Eigenartiges bietet es zugleich.

Wir grüßen die Ruine Olbrück, uns begleiten die hohen Tuffwände,

in denen schon die Römer wühlten, um wertvollen Mörtel für ihre

Bauten, besonders für Wasserbauten, zu gewinnen, und in dem Örtchen

Burgbrohl sehen wir Kohlensäure dem vulkanischen Boden entsteigen,

deren Gewinnung eine neue Industrie ins Leben gerufen hat. Endlich das

Ahrtal! Dort weht schon Rheinluft. Darum folgten wir ihm schon auf

einer früheren Wanderung.

IX. Die Kölner Bucht und das Bergische Land.

Wer von Bonn aus die Rheinfahrt nach Köln fortsetzt, bemerkt, wie die

Höhen, die bis dahin so malerisch die Ufer schmückten, sich immer mehr

von diesen entfernen. Zwischen niedrigen, doch nicht völlig flachen

Ufern wälzt der Strom, der schon oberhalb Bonn zu einer stattlichen

Breite angewachsen war, seine Fluten dahin. Vom obersten Deck des

Dampfers können wir über das Land frei hinwegschauen. Eine schöne

Ebene, die geographisch gewöhnlich als Kölner Bucht bezeichnet wird,

dehnt sich zu beiden Seiten des Stromes aus, begrenzt im Westen und

Osten von niedrigen Höhen, die anfangs von ihm etwa 5, weiter nach

Norden etwa 10 ~km~ entfernt sind.

Von der Fruchtfülle, den wogenden Getreidefluren des Kölner Landes

erhalten wir ein besseres Bild, wenn wir die Reise von Bonn nach Köln

statt zu Schiff mit der Eisenbahn machen. In unmittelbarer Nähe des

Vorgebirges fahren wir vorbei. Ein Kranz von blühenden Ortschaften

säumt dessen Fuß, deren Bewohner einen ausgedehnten Gartenbau, Obst-,

Gemüse- und Blumenzucht betreiben. Wenn im Frühjahr die Obstblüte

beginnt, dann entfaltet dieser östliche Abhang des Vorgebirges, den

man den großen Küchengarten von Köln und Bonn nennen könnte, ein

Bild seltener Pracht und Anmut. Die sanftgeneigten Abhänge sind mit

Tausenden von großen Blütensträußen geschmückt, die bald dichter

stehen und zu einem weißen Blütenmeer verschmelzen, an anderen Stellen

mehr einzeln sich aus dem jungen Grün herausheben. Das ist die Zeit,

wo die Bonner, die Kölner in Scharen besonders nach dem in einer

Einbuchtung des Höhenzuges so sonnig gelegenen Alfter strömen, teils

um sich an der Blütenpracht zu ergötzen, teils auch -- und manche soll

das mehr noch locken -- um den ersten Spargel zu kosten. Auch das

Städtchen Brühl, wo sich ein Kaiserliches Schloß, das 1725 bis 1728

durch den Kölner Kurfürsten Clemens August erbaut wurde, mit großem,

schattigem Park befindet, die von schönen Anlagen umgebene Bahnstation

Kierberg, sowie die Waldpartien der Kranzmaar und von Königsdorf,

westlich von Köln, locken während des ganzen Sommers viele Ausflügler

an, die dem Stadtgewühl entfliehen wollen. So bieten sich auch in

diesem Teile Rheinlands, den Bewohnern der Ebene, noch manche schöne

Punkte, die eines Besuches wert sind, wenn auch der Zauber fehlt, den

rebengeschmückte Berge, sagenumwobene alte Burgen und der stete Anblick

des von Schiffen belebten Stromes dem engen Rheintal verleihen.

[Sidenote: Rheinfahrt von Bonn nach Köln.]

Auf der Fahrt mit dem Dampfschiff von Bonn nach Köln zeigt uns das

ebene Land nur wenige Merkwürdigkeiten. Gleich nach der Abfahrt wird

rechts die Doppelkirche von Schwarzrheindorf (Abb. 158) sichtbar, die

bei den Kunstkennern besonders wegen ihres reizenden Chorrundganges und

ihrer altkölnischen Malereien als ein Baudenkmal von hervorragendem

künstlerischen Werte gilt. Sie wurde 1149 bis 1151 als Grabkirche für

den Erzbischof Arnold ~II.~ von Wied errichtet. Die untere Kirche

war für die Gemeinde, die obere für die Nonnen bestimmt. Leider ist

die Kirche, die zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts nur noch als

Pferdestall und Scheune zu benutzen war, trotz zweimaliger, gründlicher

Restaurierung stark in Verfall geraten, so daß Kunstkenner sich über

ihren heutigen Zustand sehr besorgt äußern.

[Illustration: Abb. 175. Der Altenberger Dom. (Zu Seite 178.)]

Etwa eine Stunde unterhalb Bonn erfolgt die Einmündung der Sieg in den

Rhein. Wir können die Mündungsstelle, die durch Weidengebüsch verdeckt

wird, vom Schiffe aus nicht sehen; aber ein schwärzlicher Streifen in

dem grünen Rheinwasser verrät sie am rechten Ufer. Wenig unterhalb

der Siegmündung liegt der Ort Mondorf. Die zahlreichen, am Rheinufer

zum Trocknen aufgestellten Netze verraten uns schon die Beschäftigung

vieler seiner Bewohner. Ohne auffälligen Wechsel der Uferbilder geht

die Fahrt weiter, an dem langen Dorfe Hersel, das hinter den Nußbäumen

einer Rheininsel hervorlugt, und an dem Fabrikorte Wesseling vorbei.

Vor uns, in der Fahrtrichtung, werden die hohen Türme des Kölner Domes

immer deutlicher sichtbar. Zuerst erschienen sie über dem rechten

Ufer. Plötzlich schauen wir sie zur Linken, dann tauchen sie wieder

rechts auf. Wir haben während der Fahrt die Biegungen des Rheines nicht

verfolgt und sind fast irre geworden, auf welcher Seite des Stromes

eigentlich Köln liege, bis endlich auch das übrige Bild der großen

Stadt links vor uns auftaucht. Wie ein Wächter, den frühere Zeiten

abzulösen vergaßen, reckt sich am Ufer der hohe Bayenturm heraus, die

frühere Zollstelle bezeichnend. Über die neuen Werft- und Hafenanlagen,

die von 1892 bis 1898 angelegt wurden, gleitet dann der Blick. Immer

großartiger gestaltet sich das Gesamtbild (Abb. 159). Links und rechts

fassen hohe Gebäudereihen den breiten Strom ein, über den eine niedrige

Schiffbrücke und eine hohe Gitterbrücke (Abb. 160) hinüberführen nach

Deutz, dem früheren Brückenkopf von Köln. Besonders das linksseitige

Stadtbild, das eigentliche Köln, fesselt den Blick. Aus dem Häusermeer

tauchen zahlreiche Kirchen auf; aber alle überragt riesenhaft der

majestätische Dom, so daß selbst die hohe Gitterbrücke mit ihren

stolzen Türmen zwerghaft in die Tiefe versinkt. Die feste Rheinbrücke

wird zurzeit durch eine breitere, die an der nämlichen Stelle, neben

der alten, errichtet wird, ersetzt, und außer ihr ist noch eine zweite

feste Brücke, die Südbrücke, im Bau begriffen.

[Sidenote: Köln.]

Von der Landestelle des Dampfers, neben der stets belebten

Schiffbrücke, gelangen wir unmittelbar in das alte Köln, zuerst

auf den Heumarkt, auf dem das Denkmal des Königs Friedrich Wilhelm

~III.~ steht, dann auf den Altenmarkt, den ein Denkmal des berühmten

Reitergenerals Jan von Werth aus dem Dreißigjährigen Krieg, der 1651

starb, in Gestalt eines Monumentalbrunnens schmückt. Wie eine heitere

Sage erzählt, soll Jan früher Knecht gewesen und wegen verschmähter

Liebe Kriegsmann geworden sein. Er wurde ein Reitergeneral, die

Bauersmagd aber saß, als er seinen Einzug in Köln hielt, als Apfelweib

am Stadttor. Zwei Figuren am Brunnen, einen kölnischen Bauer und ein

kölnisches Mädchen aus jener Zeit darstellend, deuten auf diese Sage

hin. Ein plattkölnisches Gedicht, von Kramer verfaßt, aus dem der Leser

die Kölner Mundart kennen lernen möge, erzählt sie in folgender Weise:

„Zo Köln em ahlen Kümpchens-Hof

Wunt ens nä Boersmann,

Dä hat en Mäd, de nannt sich Griet,

Nä Knäch, dä nannt sich Jan.

Dat Griet, dat wohr en fresche Mäd,

Grat we vun Milch un Bloot,

Dä Jan, dat wohr nä starke Boorsch,

Dem Griet vun Häzen good.

Ens säht hä: „Sag,“ esu säht hä:

„Sag, Griet, bin ich derr räch?

Nemm mich zom Mann, do bes en Mäd,

Un ich, ich den nä Knäch.“

Am Rhein · 第 12 / 17 段