Wer nur einfach hört, und er kann dabei sehr ergriffen sein, merkt

nicht einmal davon etwas, wie die Töne zusammengemischt sind, und

es besagt ihm nichts, es zu wissen. Allerdings beim Künstler blüht,

wenn nicht Festtag ist, der Handgriff. Er ist noch mehr als bloßer

Handgriff, und vieles, das sich scheinbar unbewußt gibt, stammt aus

einer äußerst kalten, mit bewährten Wirkungsmitteln arbeitenden

Erwägung. Deshalb pflegt sich auch das alles so kräftig aufzuspielen

und die Musiker nach alter Weise in Schüler und Lehrer zu teilen,

mit der ganzen kritischen Überlegenheit, die formelhafte Sprache und

technisches Wissen jederzeit verleihen. So kann man schon aus diesem

Grunde nicht theoretisch sprechen, ohne die eigne, von den Musikern

selbst ausgebildete Theoriewissenschaft zu beachten. Wäre hier nicht

zu hoffen, daß der Kopf, in dem sich die technischen und die logischen

Kenntnisse berührten, rein sachlich schon, durch Selbstanziehung

beider Gebiete, etwas Unerhörtes finden müßte? Es gibt in der Tat eine

gewisse unvermeidliche Art hochgezogener Augenbrauen, wo nicht gar der

geradlinig weiterdenkenden Hoffnung in philosophischen Kreisen (die

vielleicht noch aus dem alten Vertrauen auf mathematischen Scharfsinn

stammt), sobald Begriffe wie Terz oder neapolitanische Sext oder

Querstand, überhaupt die ganze, an sich schon so geistig abstrakt

scheinende Gestalt der Harmonielehre in den Gesichtskreis treten. Nun,

wir besitzen eine große Anzahl vortrefflicher Theoriebücher, und wenn

hier das von Schönberg zur praktischen Erledigung der Frage gewählt

wird, so geschieht es nicht -- so sehr es uns entgegenkommt -- deshalb,

weil es von einem schaffenden Musiker geschrieben wurde, der nur ein

System der Darstellung und keines der Natur angestrebt hat, sondern aus

dem tieferen Grund, weil es bezeichnend ist, daß hier, ähnlich wie bei

Poincaré und umgekehrt wie bei Hegel und in der Philosophie überhaupt,

gerade der arrivierteste Methodiker dafür sorgt, jede Beziehung

zwischen dem Verfahren und seinem Gegenstand aufzuheben.

Wer es kann, darf so schreiben, wie es ihm beliebt. Kräftig geht hier

alles auseinander zugunsten dessen, der innerlich muß. Für diesen aber

gibt es, wenn er handwerklich weiß, was er tut und persönlich weiß, was

er lassen kann, überhaupt nichts mehr, das häßlich oder dissonant wäre.

Er darf in freier, schwebender Zeiteinteilung komponieren, ja er darf

jeden Zusammenklang schreiben, wenn er auch scheinbar überhaupt nicht

harmonisch abzuleiten und lediglich durch die Stimmführung zu erklären

ist. Es bleibt so nicht einmal sprachlich erlaubt von harmoniefremden

Tönen zu reden. Jeder Zusammenklang ist möglich und darf deshalb schon

rein als Zusammenklang für Harmonie gesetzt werden.

Nicht anders als mit dem Mißklang steht es mit der ~Tonart~. Sie

ist scheinbar aus dem Notenbild überhaupt nicht fortzudenken, noch

ganz davon abgesehen, daß die ganze Dominantwirkung nur auf Grund der

bewahrten Tonalität gestaltet und begriffen worden ist. Trotzdem hat

Schönberg beispielsweise dem letzten Satz seines fis-moll-Quartetts

keine Vorzeichnung mehr gegeben, obwohl es der Hauptsache nach

fis-dur angehörig ist, wenn auch die ausdrucksvollsten Gebilde darin,

die alterierten Quartenakkorde, von jedem ~Klanggeschlecht~

gelöst worden sind. Der Ton, von dem das alles ausgeht, kann ja

ruhig in der Luft schweben. Es bleibt, wie Schönberg sagt, statt das

Stück im gleichen Ton zu schließen, immer noch die Möglichkeit, die

Beziehung das eine Mal auffälliger anzudeuten, das nächste Mal mehr zu

verwischen, und man dürfte sogar riskieren, diese Frage ganz offen zu

lassen, ohne darum der ästhetischen Wirkung des Stücks verlustig zu

gehen. Was dadurch entsteht, ist eine Art von unendlicher Harmonie, die

es nicht nötig hat, jedesmal Ausgangsland und Reiseziel mitzuteilen und

noch weniger die Entdeckungsreisen in den weiten Feldern des tonalen

Vakuums scheuen darf. Es steht übrigens schon seit langem so, daß

es nicht mehr die Kadenzen sind, die die harmonischen Entwicklungen

eines Satzes beherrschen. Deshalb ist es auch unnötig, andere Tonarten

aufzustellen, um der schwankenden Tonalität zu Hilfe zu kommen, also

neue, untergeordnete, hier und da gewiß überraschend brauchbare Mittel,

wie etwa die exotische Ganztonskala, zum System zu erhöhen. Es gibt

nichts, zu dem die chromatische Tonreihe nicht ausreichte, sobald

man nur aufgibt, alle möglichen Abweichungen von der alten Skala

gutzuheißen und trotzdem am Ende die Phrase von der Herrschaft der

Tonalität aufrecht zu halten. Soll das erzielt werden, dann müssen

sämtliche Leittöne ausbleiben, die nicht zu binden sind, und dann

müssen vor allem, wie es die Klassiker tatsächlich getan haben, gewisse

Proportionen in den Modulationen eingehalten werden. Aber es geht nicht

an, sich so zu verhalten, als ob man frei wäre und alle Möglichkeiten

dieses Zustands auszunützen, indes man die eigentlichen Gefahren und

Verpflichtungen des Freiseins nicht auf sich nehmen will. Das ist

von Schönberg nicht ganz übel so gedreht worden, daß es geradezu als

störende Unsymmetrie erscheint, wenn die Beziehung auf einen Grundton

aufrecht erhalten bleiben soll, nachdem die harmonischen Möglichkeiten

des übermäßigen Dreiklangs und vor allem der vagierenden Akkorde

nicht bloß vereinzelt, sondern fortdauernd, unter dem Druck eines

fortdauernden Ausdrucksgebots angewendet werden, das im Grund noch

über dem Axiom der Tonalität stehen dürfte. Das Lied schließt dann mit

Neu, Unendlich oder Unerfüllt; es geht ohne anzukommen, der Sinn liegt

im Weg, und das ehemals wirkende Zentrum des Grundtons, die liegende

Stimme, der ausgehaltene Orgelpunkt oder auch nur seine ideell gehörte

und erst in der Reprise wieder real gewordene Forderung, ist bei der

schwebenden oder aufgehobenen Tonalität mit verschwunden. Statt dessen

gibt es viele Gruppen von Toniken, ja jeder Akkord kann die harmonische

Definition durch seine eigene Tonika erlangen; es gibt intermittierende

Tonikabeziehungen oder eben wechselnde Zentren, und das Insgesamt, das

erlaubt, ein Werk zu schließen, um es notgedrungen aus dem Stand der

idealen Unendlichkeit auf reale Endlichkeit zurückzuführen, braucht

keine von innen her, harmonisch gegebene Beendigung zu sein, wenn es

auch die lebendige wie die künstlerische Form bisher nicht erlaubte,

anders als von sich aus, von dem eigenen Belieben, Wachstum und Apriori

her die innere Grenze als die eigentliche Gestalt der Form diktiert zu

bekommen. Daher muß hier das Begrenzende von etwas anderem genommen

werden als von der Tonika des Ganzen und es unterliegt keinem Zweifel,

daß dieses Andere überhaupt kein voreiliges Abbrechen sein kann, da

es keinem endlich erreichbaren Ziel zutreibt, sondern daß es seinen

höchsten Punkt und möglichen Schlußpunkt in dem stärksten, echtesten

Ausdruck einer inneren Gewalt, Maßlosigkeit, Unendlichkeit, mithin in

einer keineswegs mehr harmonisch, eher noch rhythmisch diskutierbaren

Tonika gewinnt. Überhaupt schlägt bei Schönberg das Harmonische, wo es

auf eine tiefere Begründung ankäme, allermeistens ins Kontrapunktische

über. Was fast von selber entstehen mag, akkordisch ungesucht,

obwohl beständig als solches in die Stimmen eingestreut, kann auch

nicht harmonisch gerechtfertigt oder begründet werden. Wenn man

etwa zwei Stimmen in der c-dur-Skala über einer liegenden Harmonie

c-e-g Gegenbewegungen ausführen läßt, so entsteht daraus eine Fülle

der herrlichsten und interessantesten Dissonanzen, ohne daß dieser

plötzliche und phantastische Akkordreichtum eine andere Quelle als

den Kontrapunkt der einfachsten Fingerübung besäße. Bei diesem selbst

aber kann alles für alles gesetzt werden und deshalb läßt sich,

so selbstverständlich auch die rein handwerklich kontrapunktische

Tüchtigkeit vorausgesetzt bleibt, im weiteren erst recht nur vom

ganzen Menschen, vom Moralischen des Künstlers aus entscheiden, ob

an einer harmonisch-kontrapunktisch schwer verständlichen Stelle

ein»Fehler«gemacht wurde oder ob eine nutzlose Grübelei vorliegt

oder aber ob eine unbekannte Regel, das heißt ein einmaliges,

nur dafür notwendiges, an sich leeres und unübertragbares Abbild

jeweiliger innerer Bewegung, Fülle und Klangdichtigkeit zu akzeptieren

ist. Es wäre also nicht minder verfehlt, wenn man für den leeren

kombinatorischen Reichtum, für die prinzipiell endlosen akkordischen

Durchkombinierungen der Harmonie einen besonders geisthaltigen Anlaß im

Kontrapunktischen, als Unterwegs des Kontrapunkts aufsuchen wollte.

Damit stimmt auch aufs Glücklichste die endgültige Betonung des inneren

Müssens überein, wie es außer Dissonanz und Tonart gleichzeitig jede

selbständige harmonische ~Ausdrucksrelation~ sprengt. Je einfacher

freilich ein Lied gestimmt ist, desto deutlicher läßt sich auch sein

trauriger oder fröhlicher Zug anzeigen. Das gilt gewiß für Zelter,

nicht aber für Schubert und etwa das Dur seines schicksalsvollen

Heidenrösleins. Denn was sind das für Gefühle, die sich ohne weiteres

durch das dunklere Moll als Unlust und durch das hellere Dur als Lust

bezeichnen lassen, und welch eine ungeheure Oberflächlichkeit macht

diese Schwarz-Weiß-Taktik aus Schmerz und Freude und aus dem Tieferen,

das weder das eine noch das andere ist; oder wie wiederum Schubert

fragte: gibt es überhaupt»heitere«Musik? Schon bisher hat das, was

uns hier als Weichheit oder Energie ins Gefühl eintritt und in der

geringeren oder größeren Verschmelzung der Teiltöne, vielleicht auch

in dem sich nach unten entwickelnden Charakter des Moll-Dreiklangs als

dem Fall von einem oberen Grundton nach der Tiefe seinen theoretischen

Grund besitzt, -- schon bisher hat diese Trennung stimmungsmäßiger Art

in zahlreichen Werken ihre Bedeutung verloren. Wahrscheinlich würde

überhaupt niemand aus Moll und Dur auf Trauer und Freude raten, wenn

sich nicht die onomatopoetischen Namen von der runden oder eckigen

Form der Zeichen ♭ und ♮ (unseres b und h) als dem

B-molle und B-durum der mittelalterlichen Notenschrift herleiteten.

So ist schon Bach sehr häufig vollkommen gleichgültig gegen den

angenommenen Stimmungsausdruck der Tongeschlechter, ja man findet bei

ihm zuweilen sogar Moll für Entschlossenheit und Dur, vor allem wenn

die Terz vorherrscht, für Milde und Wehmut gesetzt. Überdies, wie

sich die sieben alten Kirchentonarten aufgelöst haben, so werden auch

die zwei aus ihnen übrig gebliebenen Moll- und Dur-Skalen irgendwann

einmal, vielleicht in der neuen Leittonaffinität der chromatischen

Skala, ihre Auflösung finden. Schon der übermäßige Dreiklang, der sich

auf der dritten Stufe der leitereigenen Dreiklänge in Moll ergibt, ist

nicht einfach stimmungsmäßig als Mollakkord weiter zu halten. Er läßt

sich nicht nur beliebig in Moll oder Dur fortführen, sondern besitzt

auch gleich den von Schönberg so genannten vagierenden, das heißt

tonartfremden, an den Grenzen der Tonart schweifenden Akkorden eine

keineswegs eindeutige Zuordnung zu irgend einem in Moll oder auch in

Dur inkarnierten Stimmungscharakter. Man findet zwar bei Wolf, auch

bei Puccini den übermäßigen Dreiklang als den Akkord des Brütens;

aber schon Wagners völlig gegensätzliche Verwendung im Schlafmotiv

und dann aufgelöst im Walkürenruf oder akkordisch im Nothungmotiv

zeigt, daß gerade diesem wichtigen und für die neuere, ausdrucksreiche

Harmonik so sehr bezeichnenden Akkord eine weitgehende Beliebigkeit

seines Charakterbildes, und nach der Moll- oder Durseite hin ein

gewisser Hermaphroditismus anhaftet. Es ist daher vollkommen richtig,

wenn auch Schönberg dort, wo ein Akkord sehr ausdrucksvoll klingt,

in nichts anderem als der Neuheit die Ursache dieses Ausdrucks zu

erblicken wünscht. Deshalb ist beispielsweise der glänzende und harte

verminderte Septakkord, der einstmals neu war, neu wirkte und so bei

den Klassikern für alles, für Schmerz, Zorn, Erregung und jedes heftige

Gefühl stehen konnte, jetzt, nachdem der Radikalismus verschwunden

ist, unrettbar in die bloße Unterhaltungsmusik als sentimentaler

Ausdruck sentimentaler Angelegenheiten gesunken. Mithin wird der neue

Klang nur dann geschrieben, wenn es dem Tondichter darauf ankommt,

ein Neues und Unerhörtes, das ihn bewegt, auszudrücken. Das kann

auch ein neuer Akkord sein, aber Schönberg glaubt vielmehr, daß der

ungewohnte Akkord nur deshalb an einen exponierten Posten hingestellt

wird, damit er das Äußerste leiste, damit er neu sage, was neu ist,

nämlich einen neuen Menschen, damit also der neue Zusammenklang einer

neuen Gefühlswelt zum symbolischen Ausdruck verhelfe. So wenig es

möglich ist, das Neue in der Wirkung, in der rezeptiven Zuordnung eines

Akkords anders zu begreifen, als daß er ungewöhnlich ist und allein

schon deshalb, oder besser gesagt, nur deshalb befähigt wird, auch das

Bewegteste und Kräftigste auszudrücken, so wenig ist es denkbar, das

Notwendige in der Wahl, in der formal-kausalen Zuordnung, das heißt

in der harmonischen Ausdrucksrelation eines solchen Akkords außerhalb

dieser seiner bloßen symbolischen Zweckmäßigkeit irgendwie sachlich

hinterhältig, hinterweltlich zu deduzieren. Was könnte es also sein,

dieses sonderbar Identische des inneren und des tonalen Trieblebens,

dieser Zusammenfall von Ausdruckswahrheit und Konstruktionswahrheit,

dieses durch Psychologie gemilderte oder erlaubte »natürliche«System

der Akkordphysik, wenn es nicht die unbeirrte Fortsetzung des»tonalen«,

das heißt des menschlich entliehenen Trieblebens, der menschlich

entliehenen Tonvitalität in einer konventionell gar nicht weiter

absteckbaren harmonischen ~Expressionslogik~ wäre?

Das Belieben wird gewiß durch die Zucht und Regel überlieferter

Gewohnheiten erzogen. Aber ist dieses geschehen, dann bleibt

allein noch das Ausdrucksgebot der genialen Natur, ihre Stärke,

Blüte und Wahrhaftigkeit als regelgebend, im kompositorischen wie

gegenstandstheoretischen Sinn bestehen. Dann wird letzthin alles

belanglos: was zuerst wie lauter Verbot und Gesetz aussah, wird zur

bloßen Sperre für den Unbegabten und zur Erziehung für den Begabten,

der sich bald genug selber zu sagen hat, wie weit er gehen darf

und wie jenes subjektiv Irrationale beschaffen sein soll, das sich

über Regeln, letzthin auch über Taktstrich, Dissonanz, Harmonie und

Tonalität hinwegsetzen darf. Daß einer etwas ist, daß er diese oder

jene Form wahrhaft braucht, daß er diese oder jene unverwechselbare

Urfarbe und persönliche Aura um sich hat, daß er als der, der er

ist, geschichtsphilosophisch fällig ist, das bleibt im Grund jenes

einzig wesentlich Angebbare, das Kaulbach von Michelangelo oder

Bungert von Wagner unterscheidet, das überhaupt die Kopie vom Original

trennen läßt; und nicht die kleinen Unterschiede eines bloßen

Regelwesens vermittelnder, agitatorischer Art, die es tatsächlich

unmöglich machen, Kaulbach durch Begriffe wie dekorative Pose oder

Historienmalerei zu widerlegen, ohne scheinbar auch Michelangelo mit

zu treffen und zu verurteilen. Das bloße, jeweils geeignetste Mittel

ist nicht einmal unbedingt persönlich vielsagend; es ist erst recht

keine überpersönliche Chiffre, und selbst wenn es diese wäre, so wäre

es sie lediglich in einer epochal begrenzten Geltung und nicht in der

Weise, daß das bisher Geeignetste zum Ausdruck, also das überliefert

Historische, unter Absehung seiner damaligen expressiv-symbolischen

Bindung und Notwendigkeit, in Theorie, in eine vom Wahlgebot absehende

harmonische Gegenstandsbeziehung oder transzendentale Harmonielehre

übergehen könnte.

* * * * *

[Sidenote: Beziehungen des Rhythmus.]

Nun scheint jedoch der Taktschlag nicht ganz vom Abspiegeln frei zu

sein.

Es ist nicht nur, daß wir uns darin irgendwie mitatmend wiederfinden.

Dieses innerlich Leere könnte höchstens für den erleichternden,

ausscheidenden, gehobenen Stimmungswert des Verses gelten. Sondern

es ist fühlbar ein tieferes Leben, das in der musikalischen Zeit

wirkt. Nicht nur, daß es anders abläuft als die äußere Zeit, in der

es geschieht, sondern auch in der Art, als es ohne weiteres gehend,

gewinnend, geschichtlich wirkt.

So wird etwa in einem bestimmten Taktteil, scharf geschlagen, ein

Paukenschlag fällig. Daß er nicht kommt oder daß er an einer anderen

Stelle kommt, kann das Gesicht des Ganzen zerstören. Wenig ist

hier schon alles: man kann den einfachsten Gassenhauer hymnisch

verlangsamen und umgekehrt den Wagnerschen Pilgerchor durch bloße

Tempobeschleunigung zu einem unsäglich spießbürgerlichen Walzer

verwandeln, ja sogar die Erinnerung an ein altes studentisches

Trinklied nahelegen. Oder es wird versucht, das, was über den Zeilen

zu lesen ist, zu ignorieren und etwa den 21. Takt der Beethovenschen

d-moll-Sonate an den Anfang zu setzen, um derart das Jetzt und Endlich

dieses Taktes, den ganzen vortrefflich gestellten Triumph der in ihm

erreichten d-moll-Tonika auszustreichen. Dann zeigt sich, sollen nicht

alle Farben zerfließen, wie unendlich Vieles bei Beethoven auf das

Gespannte, auf das zur rechten Zeit Geschehende angewiesen ist.

Geist der Utopie · 第 16 / 39 段