man leicht, wenn man auf der gräflichen Privatstraße nach
Hüttmesgrün vom Forsthaus etwa 1 ~km~ südöstlich ansteigt und
den gekennzeichneten Waldweg r. abgeht; der Wirt im Mauthaus
führt auf Ersuchen zum nördlichen Felsgipfel direkter auf einer
schmalen Waldschneise. Jedenfalls muß man beide Felszacken
erklettern, wenn man die sich bietende schöne Aussicht
vollständig genießen will. Mehr als 1 Stunde erfordert dieser
kleine Abstecher kaum an Zeit.
Vom Mauthaus auf der Straße weiter wandernd tritt man bald, an der
Grenze der Bezirkshauptmannschaften Kaaden und Joachimsthal, aus dem
Waldbestande heraus und genießt nun den Blick in das von Stolzenhain
nach Weipert und Bärenstein sich hinunterziehende Wiesental, in welchem
beiderseits der Grenze Böhm.-Wiesental und in Sachsen Unter- und
Oberwiesenthal gelegen sind, überragt von den beiden höchsten Kuppen
des Erzgebirges, dem Keilberge und Fichtelberge.
Die bequeme Straßenwanderung endet jedoch bald bei dem 2 ~km~
entfernten +Gasthause zum Hofberg+, wo unsere Bezirksstraße in die von
Joachimstal nach Weipert führende Kaiserstraße (~km~ 30,1) einmündet.
Während sich die Kaiserstraße r. nach Wiesental hinabsenkt, steigt
sie in gerader Richtung am Hang des Keilbergs aufwärts, muß aber vom
Kammwegwanderer schon nach etwa 100 ~m~ verlassen werden, denn weit hin
sichtbar kennzeichnet eine blaue Tafel und das bekannte Kammwegzeichen,
daß nach l. ein Fußsteig abzweigt, welcher den sogenannten bequemen
Aufstieg zum Keilberg bildet. (31 ~km~ nach Sebastiansberg). Dieser
Aufstieg zum Gipfel der höchsten Bergesspitze des Erzgebirges ist wohl
nicht zu verfehlen, da sich bisher schon zahlreiche Marken vorfanden,
welche die Erzgebirgsvereine Kupferberg und St. Joachimstal anbringen
ließen [ × schwarz/gelb ] in weißem Felde. Im oberen Teile fällt dieser
Fußweg zusammen mit der für Hörner- und Rodelschlittenfahrt sowie
Skilauf abgesteckten Fahrbahn, denn bei guten Schneeverhältnissen ist
der Verkehr in dem obersten Teile des Gebirges fast noch lebhafter als
im Sommer. Jedenfalls wird man erstaunt sein, auf den beiden höchsten
Bergspitzen, Bauten zu finden wie wir sie früher nur in bevorzugten
Gegenden deutscher Mittelgebirge antreffen konnten.
Der Kaiser Franz Josefs-Turm auf dem +Keilberge+ ehrt seinen
verdienstvollen Anreger, k. k. Bezirksschulinspektor Wenisch, früher in
Joachimstal jetzt in Teplitz. Die daneben aufgeführten Bauten bieten
reichlich Unterkunft und gute Verpflegung. Die weite Aussicht wird dem
Besucher in bester Weise durch vorhandene Schriften und Zeichnungen
(Panoramen) erläutert. (S. Berlet's Erzgebirgsführer).
6. Abschnitt.
Keilberg--Platten (21 ~km~).
+Zugangswege+: Zum Keilberg gelangt man von den
Eisenbahnstationen Schmiedeberg und St. Joachimsthal in Böhmen
oder von Oberwiesenthal in Sachsen. Von St. Joachimsthal
verkehrt eine Fahrpost nach Wiesenthal, die man benutzen kann
bis dahin, wo die Straße zum neuen Haus abzweigt. Im Sommer ist
für die Karlsbader Kurgäste ein täglicher Omnibusverkehr von
Bahnhof Joachimstal zum Keilberg eingerichtet.
Vom Unterkunftshause auf dem +Keilberg+ benutzt man zunächst die
neue Bergstraße, welche uns zu der (bei Gasthof Hofberg) verlassenen
Reichsstraße (~km~ 27,38) führt. Auf dieser Straße vorbei bei den
+Sonnenwirbelhäusern+ (~km~ 26,9 und 26,7) dorthin, (~km~ 25,7), wo die
von Sachsen (Oberwiesenthal) kommende Straße rechtwinkelig einmündet.
Es hat sich notwendig gemacht, hier eine +Abzweigung des Kammweges+
einzuführen und zu bezeichnen. Diese einzige Ausnahme bedingt die über
300 ~m~ unter dem Gipfel des Keilberges liegende sächsische Stadt
+Oberwiesenthal+, die höchstgelegene Stadt Deutschlands, und das in
Böhmen benachbart gelegene Städtchen +Wiesental+.
Ein steiler Fußsteig führt vom Keilberg hinab zur Kaiserstraße, welche
man nahe dem Kilometerst. 29 überschreitet und auf steilem Fußsteige
dann hinab zur Mühle an der Reichsgrenze (Stein 424) gelangt.
Vom Keilberg kann man auch die Bergstraße benutzen bis zur Kaiserstraße
und auf dieser (von ~km~ 27,38) bis zu dem erwähnten Kilometerstein
29 auf bequeme Weise mit Umweg gelangen. Will man auch den weiteren
steilen Abstieg vermeiden, so folgt man der Kaiserstraße weiter bis
zum Gasthause zum Hofberg (siehe 5. Abschnitt) und kann auf der
Kaiserstraße hinab nach +Böhm.-Wiesental+ (900 ~m~, 1156 E.) gelangen.
Auf dem als Kammweg markierten Fußsteige oder auf der Straße erreicht
man in etwa 1 Stunde von der Höhe des Keilberges die nur durch den
hier die Reichsgrenze bildenden Bach getrennte sächsische Stadt
+Oberwiesenthal+ (Markt 918 ~m~, 1799 E.) mit anstoßendem Städtchen
+Unterwiesenthal+ (723 E.)
In Oberwiesenthal auf dem Markte ein sehenswertes Alpinum mit
Pflanzen des Erzgebirges und Alpengebietes; Posamenten- und
Handschuh-Erzeugung, Klöppelei.
Gasthäuser: Rathaus, Stadt Karlsbad mit einem Logierhaus und
Badehaus, Deutscher Kaiser.
Starker Besuch von Touristen im Sommer und Wintersportfreunden,
weshalb auf der Nebenbahn von Cranzahl auch Sonderzüge
abgelassen werden.
Die größte Zahl aller nach Oberwiesenthal kommenden Fremden
besucht beide höchsten Berggipfel des Erzgebirges (Keil- und
Fichtelberg) oder mindestens den Fichtelberg, der bequem auf
Fußweg beim Springbrunnen vorbei oder auf der steileren für
die Hörnerschlittenfahrt hergestellten Fahrbahn in 1 Stunde
erstiegen werden kann.
Der +Fichtelberg+ (1214 ~m~) ergänzt die Aussicht des Keilberges
nach Norden über das sächsische Erzgebirge, Mittelgebirge und
Nordrandgebirge hinweg. Aussichtsturm und Unterkunftshaus mit
Bewirtschaftung und vielen Schlafstätten (S. Berlet, Erzg. R. XII.)
Von Oberwiesenthal führt die Fahrstraße zum Gasthaus am Fichtelberg
(Neues Haus) und von hier auf dem Prinzenweg zum Fichtelberghaus.
Bleibt man auf der Straße, so überschreitet man sehr bald die
Landesgrenze und erreicht (bei ~km~ 25,7) die von Weipert nach
St. Joachimstal führende Reichsstraße, welche der Kammweg von den
Sonnenwirbelhäusern benutzt hatte und in welche hier die über
Böhm.-Wiesental, Oberwiesenthal und den Fichtelberg (siehe vorstehend)
gelegte Kammweg-Abzweigung einmündet, wenn man vom Fichtelberghaus den
Fürstenweg hinab zum Neuen Haus geht. Die Reichs- oder Kaiserstraße
vereinigt die von Keil- und Fichtelberge kommenden Wege (bei ~km~ 25,7)
und bringt uns bald auf dem Kammwege nach:
+Gottesgab+ (1017 ~m~, 2610 E.), ist der höchstgelegene Ort
Mitteleuropas; er hat ansehnliche Spitzenindustrie und starken
Weinschank, da viele Touristen, besonders von Sachsen her, hier gern
Einkehr halten.
Gasthäuser: Grünes Haus, Hotel Wien, Tiroler (Anton Günther.)
Weinstuben: Oppl mit Logierhaus und Kranl.
Wer nicht von St. Joachimstal aus zum Keilberg gekommen ist,
wird entweder vom Keilberg direkt (z. B. über die Pfarrwiese)
oder über Gottesgab hinabsteigen nach der interessanten
alten Bergstadt +St. Joachimstal+, welche in historischer,
bergbaulicher und naturwissenschaftlicher Hinsicht sicher jedem
Besucher lohnende Ausbeute zu gewähren vermag, auch als Fundort
der radiumhaltigen Uranerze in neuester Zeit vielfach erwähnt
wurde.
Als Kammweg dient auch von hier aus noch die Kaiserstraße weiter bis
~km~ 22,0, wo sie sich scharf l. und hinab nach St. Joachimstal wendet,
während die Kammwegmarke nun die hier r. abzweigende Bezirksstraße
(nach Abertham und Bärringen) verfolgt, auf welcher man in etwa 10 Min.
wiederum eine Straßenteilung erreicht, da r. eine Nebenstraße zu den
Försterhäusern und weiter nach Seiffen führt. Dem Telegraphengestänge
nachgehend führt die Kammwegmarke in ½ Stunde bei den r. liegenden
Einzelhäusern von Werlsberg vorbei und verläßt bei Telegraphenstange
132 (etwa 1 Stunde von der Kaiserstraßenecke) die Bezirksstraße,
da ein Waldweg (auch Marke, grünes schief gestelltes Kreuz in
quadratischem weißen Felde) bei Forsthaus »Weite Wiese« vorbei uns
hinauf zum +Pleßberg+ (1027 ~m~) geleitet. (17,5 ~km~ vom Keilberg.)
Die Wegteilungen vorher können kaum irre führen, denn die Warte auf
dem oben kahlen Berge ist meist sichtbar und deshalb bieten sich auch
schon im Anstiege schöne Rückblicke, besonders auf den Keilberg, den
Fichtelberg und die Umgebung von St. Joachimstal.
Die Warte, vom Verein der Naturfreunde in Abertham errichtet, bietet
weite Ausschau, doch empfiehlt es sich auch den angebauten Turm zu
besteigen, um die ganze Rundsicht voll genießen zu können. Der bisher
kahle Berggipfel ist mit vielem Fleiß bepflanzt worden, sodaß später
der steile Anstieg vielleicht in schattigem Hochwald wird zurückgelegt
werden können.
Hinab zur Stadt +Abertham+ führt ein Weg, an dessen unterem Teile zu
beiden Seiten Bäume angepflanzt sind und welcher auf die (am Forsthaus
Weite Wiese) von uns verlassene Bezirksstraße einmündet. Diese
durchzieht das ganze Städtchen, welches durch schwunghaft betriebene
Handschuhindustrie bekannt ist und wo ein Photograph in interessanter
Weise Mikrophotographien herstellt. Zum Hotel Stadt Wien (oberhalb
der Kirche), wo der Kammweg von der weiter nach Bärringen führenden
Straße r. abzweigt und durch Wiesen, am Waldrand entlang über Auslauf
des Wistritzbachtales zu der von Lichtenstadt nach Johanngeorgenstadt
führenden Hauptstraße 1 ~km~ vor der Stadt +Platten+ (23 ~km~ vom
Keilberg) gelangt.
Als +Seitentour+ von Abertham ist zu empfehlen: Besuch der
Stadt +Bärringen+ unter Benutzung der Bezirksstraße, welche
von Gottesgab aus begangen wurde: Spitzen- und Tüllfabriken,
Mustersammlung von A. Meinl. Von hier zum +Wölfling+ oder (auch
mit Benutzung der Eisenbahn bis Saifenhäusl) zum +Peindlberg+
mit Aussichtsturm.
Als +Nebentour+ des +Kammweges+ könnte auch die von +Gottesgab+
über die +Försterhäuser+ beim +Spitzberg+ (1111 ~m~) vorbei,
über +Seiffen+ und +Irrgang+ am gr. +Plattenberg+ (1040 ~m~)
vorbei führende Bezirksstraße nach +Platten+ in Frage kommen,
doch bietet der Pleßberg eine so ausgezeichnete Rundschau, daß
über ihn, obschon er etwas niedriger ist, die Kammwegroute
gelegt wurde.
7. Abschnitt.
Platten--Gr. Kranichsee (25 ~km~).
+Zugangswege+: Von +Sachsen+ und +Böhmen+ aus: Eisenbahnlinie
Karlsbad--Johanngeorgenstadt mit Station Platten.
Die Kgl. Bergstadt +Platten+ (868 ~m~, 2770 E.) hat den
Niedergang des Bergbaues ebenso schwer empfunden, als ehemals
die teilweise Auswanderung seiner Bewohner nach Sachsen, welche
zur Gründung der Stadt Johanngeorgenstadt Veranlassung gab. Die
Erbauung der Eisenbahn von Karlsbad nach Johanngeorgenstadt hat
zunächst der Stadt vielfachen Verkehr durch Touristen gebracht,
was hoffentlich auch zur Besserung der industriellen und
wirtschaftlichen Verhältnisse beitragen wird.
Einen bequemen und lohnenden Spaziergang von der Stadt bildet
der Besuch des +großen Plattenberges+, welcher eine schmale
tiefe, jedenfalls durch Einsturz von Bergwerksbauten gebildete
Binge besitzt, die in ihrer Tiefe fast in allen Sommerzeiten
noch Eis und Schnee erkennen läßt.
Als +Abstecher+ von Platten aus ist zu empfehlen der Besuch der
Stadt +Bärringen+ und von Eisenbahnstation Saifenhäusl aus die
Besteigung des +Peindl-Berges+ mit hohem Aussichtsturm. Die
Aussicht von hier ist höchst lohnend; über Neuhammer gelangt
man nach Platten zurück.
Der Kammweg führt von der Stadt Platten aus unter der Eisenbahn hinweg
und entlang der Häuser weiter auf der Breitenbacher Bezirksstraße,
welche sich an der Eisenbahnbrücke (Wegweiser) von der über Neuhammer
nach Hirschenstand und Neudeck führenden Straße getrennt hat. An der
Holzstopfen- und Holzwoll-Fabrik verlassen wir die Bezirksstraße und
betreten den l. nach der bewaldeten Talwand sich wendenden Waldweg.
Er führt am nördlichen Hange des 996 ~m~ hohen Rammelsberges durch
den Waldteil: Am tiefen Graben, nachdem wir den Zienerwiesbach
überschritten haben. Auf diesem sogenannten +Kuhbrückenweg+ erreichen
wir in etwa 1 Stunde die Reichs- und Landesgrenze dort, wo sie am
Grenzstein ~V~ eine scharfe Spitze nach Süden bildet und die Grenze der
Bezirke St. Joachimstal und Graslitz daran antrifft in einer Höhe von
956 m. Wenn auch von hier Waldwege weiter nach Hirschenstand führen,
so verlassen wir doch an dieser Stelle auf längere Zeit das Böhmerland
und überschreiten die Grenze, um nun eine Wanderung auf +sächsischem
Gebiete+ anzutreten.
Die nun folgende Tour über den Auersberg zum Kranichsee ist die
einzige Hauptstrecke des Kammweges im Bereiche des sächsischen
Erzgebirges, wo Gelegenheit ist, die vom Gesamtvorstande des
sächsischen Erzgebirgsvereins angeregte und durchgeführte
farbige +einheitliche Wegmarkierung+ kennen zu lernen. Es sei
hier nur darauf hingewiesen, daß diese Markierung ausgeführt
wurde in den vier Farben: rot, blau, gelb und weiß, und aus
parallelen, aufrecht oder wagrecht gestellten Strichen oder
aus mehrfarbigen, schräg gestellten Kreuzen gebildet wird.
Am Anfange und Ende, sowie bei Hauptkreuzungsstellen sind
Wegetafeln zur Orientierung über Entfernungen und Farbenmarken
aufgestellt. Dargestellt ist das Netz dieser Markierung auf der
offiziellen »Wanderkarte« des Erzgebirgsvereins -- Graser'sche
Buchhandlung (R. Liesche), Annaberg Komm.-Verlag = 40 Pfennig.
Zur Zeit, da dieser Führer in Druck gelangt, ist die
+Markierung des Kammweges+ auf dieser sächsischen Strecke +bis+
zum +Kranichsee+ nur vorgesehen, weil sie erst im Herbst 1906
beschlossen wurde und deshalb noch +nicht ausgeführt+. Die
Begehung dieser Strecke geschah vor der Markierung, in welcher
jedoch voraussichtlich wenig von der nachstehenden Beschreibung
wird abgewichen werden.
Nach Ueberschreitung der Landesgrenze wendet man sich nach l.
(nordwestlich) und folgt den Grenzsteinen (27) 114 (26) 113 und
so fort auf einem Waldwege; man gelangt am Ausgange des Tales, in
welchem der Pechhofer Bach nach Breitenbach und Johanngeorgenstadt
hinabfließt, am Grenzstein 111 zu einer Weggabelung, bei welcher
man sich immer l. (geradeaus) hält und in Weiterverfolgung des
Grenzweges bald bei Grenzstein IV zu einer breiten Schneise gelangt,
auf welche der [ = rot/gelb ] markierte Weg von Hirschenstand nach
Oberjugel verläuft. Wir überkreuzen denselben, bleiben in der Nähe
der Landesgrenze und treffen zwischen Stein 90 und 89 auf einen
gleichfalls von Hirschenstand kommenden [ || rot/gelb ] markierten
Weg, der uns nunmehr von dem Grenzzuge ab zu einigen einzelnen
Häusern (Waldwärter, Wirtschaft), +Henneberg+ (920 ~m~) genannt,
bringt. In nächster Nähe derselben hat der Erzgebirgs-Zweigverein
Johanngeorgenstadt ein hölzernes +Gerüst+ errichten lassen, welches
einen interessanten Ueberblick bietet über den +kleinen Kranichsee+,
ein Hochmoor mit eigenartiger Flora und Fauna. Folgen wir diesem
Waldwege noch ein kurzes Stück, so gelangen wir an die Wegetafel Nr.
99, auf welcher zu finden ist die Bezeichnung [ ||| blau/weiß/blau ]
(lt. Karte weiß-blau-weiß) für einen nordwärts verlaufenden Waldweg,
welcher zur Höhe des »schwarzen Bär«, 936 ~m~ ansteigt, dann aber sich
senkt und geradlinig hinab führt zu der Hauptstraße (Chaussee) von
Johanngeorgenstadt über Wildenthal nach Eibenstock. Wir treffen auf
diese bei einigen Gebäuden (ehemals Pochwerk) eines Bergwerks (Wilder
Mann) -- Wegetafel Nr. 98.
Der Kammweg folgt dieser [ = blau/rot ] markierten Straße vom
Kilometerstein 29,3 bis Kilometerstein 28,2 durch das Dorf +Steinbach+
(840 ~m~, 216 E.). In seiner Umgebung erblicken wir neben einigen
Torfstichen zahlreiche Halden als Ueberreste des früher in der Umgebung
von Eibenstock rege betriebenen Saifenbergbaues auf Zinn, welcher die
Zersetzungsprodukte der zinnhaltigen Erzgänge des Granites erschloß.
Von hier verläßt der Kammweg die Straße, um einem blau-rot markierten
Waldweg zu folgen, der zwischen den Torfstichen r. abzweigt und bei
einigen einzelstehenden Häusern -- +Sauschwemme+ genannt -- an der
Wegetafel 107 vorbei zu dem [ × blau/weiß ] markierten Hauptflügel 31
führt, einem Wirtschaftsstreifen, der von Norden nach Süden über den
1018 ~m~ hohen +Auersberg+ gelegt ist. In bequemem Anstieg und nach
einer etwa 10 ~km~ langen Wanderung auf sächsischem Gebiete gelangen
wir bei Wegetafel 112 zu dem alten Aussichtsturme auf den dritthöchsten
Gipfel des Erzgebirges -- Unterkunftshaus daneben in Errichtung. --
Betr. Aussicht siehe Berlet's Erzg. R. VIII.
Nicht zu verfehlen ist der Abstieg auf dem (überdies [ × blau/rot ]
markierten) Zickzackweg nach +Wildenthal+ (720 ~m~, 397 E.) eine
sehr beliebte Sommerfrische, auch viel besucht von den Bewohnern
des wohl eines Besuches werten Städtchens +Eibenstock+. Nach
etwaigem Aufenthalt in dem viel besuchten Gasthof zu Wildenthal
setzt man die Kammwegwanderung fort und folgt (der Angabe auf der
großen dort aufgestellten Orientierungstafel gemäß) zunächst der
Johanngeorgenstädter Straße aufwärts bis dahin (unterhalb des
stattlichen Forstgehöftes), wo wieder eine Wegetafel anzeigt, daß die
r. abzweigende Straße nach Frühbuß und Sauersack eingeschlagen werden
muß. Sie bildet zugleich, als [ || gelb/weiß ] markiert, den die
Straße abkürzenden, bei Kilometerstein 1,6 l. abzweigenden Weg nach
Weiters Glashütte (und Weiters Wiese), sowie den Kommunikationsweg nach
Carlsfeld, welcher ([ = rot/gelb ] markiert) bei Kilometerstein 2,9
von unserer Hauptstraße r. abbiegt. Bei Kilometerstein 3,8 erreicht
die Straße +Weiters Glashütte+ (eine alte Glashütte) mit Zollhaus,
doch verlassen wir dieselbe bei Kilometerstein 4,0, um dem gelb weiß
markierten Wege nach +Weiters Wiese+ zu folgen; dies sind einige
Waldwärterwohnungen an der [ || blau/weiß ] markierten Waldstraße,
welche von Carlsfeld kommt.
+Carlsfeld+ (1781 E.) mit interessanter kleiner Rundkirche,
Glashütte etc. ist Endstation der von Wilkau über Wilzschhaus
kommenden Flügelbahn.
Wir treffen die Waldstraße bei Wegetafel 109 ~a~ und folgen ihr etwa 10
Min., wo wir bei Wegtafel 109 ~b~ einen l. abgehenden Fußweg erreichen,
der direkt hinein führt in den +Großen Kranichsee+, das größte Hochmoor
des Erzgebirges. Für die Besichtigung empfiehlt sich Vorsicht; bei
trockener Jahreszeit kann man bis zu den Landesgrenzsteinen, die sich
mitten durch den See ziehen, gelangen.
8. Abschnitt.
Gr. Kranichsee--Zwota (29 ~km~).
+Zugangswege+: ~a~) von +Sachsen+: Bahnlinie
Wilzschhaus--Carlsfeld; Endstation nach dem Kranichsee 3 ~km~.
~b~) von +Böhmen+: Bahnlinie Karlsbad--Johanngeorgenstadt.
Von Station Hochofen über Frühbuß oder von Neuhammer über
Hirschenstand 13 ~km~.
Der von der böhmisch-sächsischen Landes- bezw. Reichsgrenze
durchschnittene +Große Kranichsee+ ist das größte Hochmoor im Gebiete
des Erzgebirges, in einer Höhe von 920 ~m~ gelegen und zwei Stunden
Gehweges im Umfang; er enthält ein ansehnliches Wasserquantum, welches
die Zuflüsse der Zwickauer Mulde und der Zwodau (Zwota) speist.
Sumpfkiefern, Moosbeersträucher und Riedgräser ragen über das dichte
Moosbett heraus, dazwischen einzelne offene Wassertümpel. Vorsicht beim
Durchwandern ist geboten. -- Berlet, Erzg. R. XVIII.
Der Kammwegwanderer verläßt auf dem Fußweg das Moorgebiet und betritt
bei der Wegetafel 109 ~b~ die als Kommunikationsweg von Weiters
Glashütte nach Obersachsenberg ausgebaute Waldstraße, welche auch
als +Schwerdterstraße+ bezeichnet wird. Sie tritt sofort am Ende der
Waldabteilung 76 des Glashütter Reviers in das Gebiet des ehemaligen
Vogtländischen Kreises ein. Der Grenzflügel läßt l. eine scharfe
Ecke der Landesgrenze mit Grenzstein I ~K. B.~/~K. S.~ erkennen, die
Straße selbst trägt neben der Kammwegmarke die Zeichen [ = weiß/gelb ]
und [ || blau/weiß ]. Die erstere Marke gilt dem Kommunikationsweg
nach Sachsengrund, welcher nach etwa 1 ~km~ bei Wegetafel 110 ~a~ am
Brücken- oder schwarzen Teich r. abzweigt in das Tal der großen Pyra
sich hinabziehend. Wir folgen der Schwerdter Straße (blau weiß) weiter
und gelangen bald an die Landesgrenze, der wir nun auf eine lange
Strecke folgen.
Hierbei ersteigen wir eine Höhe von 945 ~m~, zwischen dem 956 ~m~
hohen +großen Rammelsberg+ und dem großen Hirschberg; von hier senkt
sich unser Weg wieder abwärts bis zu einer manneshohen Grenzsäule,
die »weiße Frau« genannt, nahe einer scharfen Ecke des Grenzzuges bei
Grenzstein 628.
Wir folgen zunächst der jetzt südwestlich verlaufenden Grenze
bis zu Stein 620 und ersteigen auf einem l. abzweigenden
Waldwege (in Böhmen) den 935 ~m~ hohen +Aschberg+, der eine
Ausschau über zahlreiche Ortschaften hinweg weit nach Böhmen
und Sachsen hinein ermöglicht -- siehe Metzner, das obere
Vogtland, 29. Partie. -- Der Aschberg bildet den Markstein des
nördlichen Gehänges vom Zwotatal, das zwischen Klingenthal
und Graslitz von der Landesgrenze durchschnitten wird. Auf
der südlichen Seite liegt als entsprechende Höhe, allerdings
niedriger, dicht am Grenzzuge die Höhe der Dreirainsteine
(siehe nächsten Abschnitt).
Nach Rückkehr vom Aschberg verfolgen wir von Wegetafel 111 ~a~ ab
den von Obersachsenberg kommenden und nach Morgenröthe führenden
Kommunikationsweg (Waldstraße [ = blau/weiß ] markiert). Auf derselben
erreichen wir nach etwa 800 ~m~ den obersten Lauf des ostwärts
zum Herolds-Teich hinabfließenden Heroldsbaches und verlassen
hier die Straße, um auf dem l. abzweigenden [ × blau/rot ] und
[ ||| weiß/blau/weiß ] markierten Waldwege zunächst die 894 ~m~ hohe
Wasserscheide der über Morgenröthe nach Rautenkranz zur Zwickauer Mulde
fließenden großen Pyra und der über Tannenbergstal nach Jägersgrün
ebendahin fließenden kleinen Pyra zu ersteigen. Der Weg führt weiter
vorbei auf einer Waldlichtung, in deren Wiesenfläche eingestreut
die wenigen Häuser des Dorfes +Mühlleithen+ (169 E.) liegen. Bald
erreichen wir an der Wegetafel 137 ~a~ die von Auerbach über Bahnhof
Jägersgrün nach Klingenthal führende Landstraße an ihrem höchsten
Punkte (»Abspann« oder »Köppe« genannt) und verfolgen sie etwa 800
~m~ weit abwärts bis zur Gastwirtschaft »Buschhaus« (11 ~km~) bei dem
Stein 15,9, wo wir in bescheidener Weise uns zum Weitermarsch stärken
können. Der Kammweg führt von der erwähnten »Köppe« der Straße ab zur
Höhe des +Kiel+ (941 ~m~), doch halten wir uns r. vom Gipfel, folgen
der Marke [ × blau/rot ] und kommen hierbei an die 5 Häuser des Dorfes
+Winselburg+ (35 E.), in deren Nähe zahlreiche Halden ehemaligen
Bergbau (auf Zinn) andeuten. Auch der vom Gebirgsverein Klingenthal mit
10 bezeichnete Weg vereinigt sich mit dem unserigen und gelangen wir
den Wegmarken [ × blau/rot ] bezw. 11 und 3 folgend bald zum (14 ~km~)
+Schneckenstein+. Die 890 ~m~ hohe Felsenkuppe ist nicht nur bekannt
als ein Aussichtspunkt über ein weites Waldgebiet, sondern weit berühmt
infolge ihrer geologischen Beschaffenheit. Die ziemlich haushohen
Felsen bestehen aus weichem turmalin- und glimmerreichen Schiefer,
in welchem sich weingelbe +Topase+ eingebettet finden, welche früher
bergmännisch ausgebeutet wurden; siehe Metzner: das obere Vogtland,
16. Partie.
Vom Schneckenstein folgt zunächst der Kammweg noch der Marke 3 des
Gebirgsvereins Klingenthal im Hochwald und am +Affenstein+ vorbei,
bis er in einer Höhe von 723 ~m~ eine Hauptwegekreuzung erreicht, von
der wir bald aus dem Wald heraus auf die vom obersten Muldenlaufe
durchflossene Talmulde gelangen, in welchem der Ort +Muldenberg+ (680
~m~, 361 E.) gelegen ist. Auch zwei kleine Gräben überschreiten wir auf
Holzbrückchen; sie dienten früher der Holzflöße.
Nahe derselben liegen die +Muldenhäuser+ beiderseits der von Aue herauf
nach Schöneck führenden Eisenbahn, welche wir (19 ~km~) überschreiten,
um die Kammwegwanderung wieder in Hochwald (allerdings keine schönen
Bestände) fortzusetzen bis zur Eisenbahnstation Schöneck (770 ~m~
hoch), von welcher wir durch Kammwegzeichen hinab geleitet werden nach
der Stadt +Schöneck+ (24 ~km~ vom Kranichsee).