Um 8 Uhr 50 Minuten vormittags ritt ich vom Gesandtschaftsgebäude in

Peking bei Schneetreiben und starkem Winde aus Ostsüdost fort, passierte

um 9 Uhr 10 Minuten das südliche Osttor der Chinesenstadt und ritt nun,

mich nur nach dem Kompaß orientierend, nach Südosten auf Ho hsi wu zu.

Ein Zurechtfinden im Trabe mittels Kompaß ist nicht ganz einfach, daher

bin ich auch mehrfach von der Straße oder dem, was man hier darunter

versteht, abgeirrt. Eine eigentliche Straße gibt es nicht, dafür, wie

überall in der Provinz, eine größere Anzahl Wege, die sich mehr oder

minder alle gleich sehen. Gegen 12 Uhr kam die Sonne hervor, und von da

ab war ein Zurechtfinden sehr viel leichter. Um 1½ Uhr erreichte ich

Ho hsi wu, wo ich tränkte. Bis dorthin hatte ich abwechselnd getrabt und

galoppiert, zweimal je eine Viertelstunde im Laufschritt geführt. Das

Pferd war noch nicht müde, so daß ich im Tempo zulegte. Um 3 Uhr 35

Minuten war ich in Yangtsun, abwechselnd Trab und Galopp reitend. Leider

ließ ich mich hier durch die Liebenswürdigkeit der Kameraden verführen,

im Kasino einen kühlen Trunk zu nehmen, wodurch ich 30 Minuten verlor.

Nachdem ich das Pferd getränkt hatte, ritt ich von Yangtsun um 4 Uhr 5

Minuten ab. So lange es hell war, galoppierte ich; das Pferd war nicht

auffallend müde, nur zuerst etwas steif. Um 4½ Uhr war es dunkel, der

Mond schien nicht, und daher kam nun der unangenehmste Teil der Reise.

Ich trabte und verritt mich leider mehrfach in den winkeligen Dörfern am

Pei-ho. Um 6 Uhr 5 Minuten war ich in Tientsin und passierte die Pagode

am Palast des Vizekönigs. Um 7 Uhr 2 Minuten traf ich bei der Wache am

Artillerielager ein. Das Pferd war nicht müde und hatte kein nasses

Haar. Nachdem es abgewartet war, fraß es gut und legte sich um 11½

Uhr hin. Am nächsten Morgen war es frisch und auf allen vier Beinen in

Ordnung. Die Entfernung beträgt 130 Kilometer, ich hatte den Kilometer

in 4,07 Minuten zurückgelegt.

Schon am 14. Dezember führte mich zum zweiten Male mein Weg nach Peking.

Dieses Mal zusammen mit meinem Freunde, Graf Seyboltstorff von der

berittenen Infanterie, und zwar auf zwei Ponies aus meinem Stall. Der

eine war ein kleiner Schimmel, Conte mit Namen, der andere ein

Dunkel-Fuchs-Wallach, Dr. H., der bereits als vorzüglicher Springer

bekannt war und mir manchen schönen Ehrenpreis in Hindernisrennen

eingebracht hatte.

Wir starteten am 14. Dezember 8 Uhr 25 Minuten vormittags von Tientsin

am Palaste des Vizekönigs Yuan-shi-kai in der Chinesenstadt und ritten

auf dem Hauptwege nach Yangtsun, dem linken Pei-ho-Ufer folgend. Die

Ponton-Brücke im Orte Yangtsun passierten wir um 10 Uhr 18 Minuten

vormittags, saßen dort ab, und führten 10 Minuten im Laufschritt, dann

trabten wir weiter bis Ho hsi wu, unserm früheren Etappenort, woselbst

wir um 12 Uhr 23 Minuten mittags anlangten. Den Ponies merkte man die 60

Kilometer noch gar nicht an, sie waren völlig frisch und kaum etwas warm

geworden. Durch Ho hsi wu führten wir im Schritt und Laufschritt und

gaben den Tieren dann etwas zu saufen, sie waren wenig durstig. Von Ho

hsi wu ab ging es im schlanken Trabe weiter, einmal hatte ich hierbei

das Pech, an einem glitschigen Hange mit dem Pferde hinzufallen; das

Tier entlief mir, wir hatten es jedoch bald wieder. Nach einer Stunde

fiel der Schimmel Conte ganz plötzlich und eigentlich unerwartet ab und

konnte das Tempo mit Dr. H. nicht mehr halten. Wir ritten langsamer,

aber da der Schimmel sich nicht erholte, trabte ich allein weiter.

Einige Male kurze Galopps einlegend, erreichte ich um 3 Uhr 20 Minuten

nachmittags die Brücke bei Hsin Ho. Ich saß ab und tränkte; Dr. H. nahm

einen Vierteleimer Wasser. Dann führte ich 10 Minuten im Laufschritt,

saß auf und trabte weiter, wiederum mehrfach galoppierend, wozu sich der

Pony stets von selbst anbot. Als die Sonne im Untergehen war, verritt

ich mich auf den schwierig zu findenden Wegen wiederholt. Letztere

wurden, je näher ich an Peking herankam, infolge des Schneefalls der

vergangenen Nacht immer schlechter, teilweise war sogar Glatteis. Um 5

Uhr 13 Minuten nachmittags war ich am Osttor der Chinesenstadt und fand

dasselbe bereits geschlossen (wird um 5 Uhr geschlossen). Nach längerem

Unterhandeln mit den Torwächtern, wodurch ich 35 Minuten verlor und

meine Geduld auf eine etwas harte Probe gestellt wurde, wurde das

Doppeltor geöffnet, und ich ritt auf dem noch ganz frisch gehenden

Fuchspony durch die mir wohlbekannten Straßen zum Hatamen, das ich um 6

Uhr erreichte und ebenso wie die Barrieren der vorbeigehenden Eisenbahn

geschlossen vorfand. Hier ging das Unterhandeln schneller, nach acht

Minuten konnte ich das geöffnete Tor mit seinen lebensgefährlichen

Löchern im Torwege im Galopp passieren und war um 6 Uhr 10 Minuten am

Offiziers-Kasino der Gesandtschafts-Schutzwache. Der Pony war in

überraschend guter Kondition, was Oberleutnant Leonhardi auf meine Bitte

hin feststellte. Beim Abwarten benutzte der etwas kitzliche Dr. H. die

Gelegenheit, um aus dem Stall fortzulaufen und draußen vergnügt

herumzuspringen. Er fraß dann mit auffallend gutem Appetit und legte

sich bald hin.

[Illustration: "Dr. H." 10j. mongolischer Fuchs-Wallach, Sieger vieler

Hindernisrennen]

Am 15. Dezember früh ergab sich bei der Besichtigung des Tieres, daß ihm

die gestrige Tour überhaupt nicht anzusehen war, im ganzen zeigte er

dieselbe famose Munterkeit wie stets zu Hause. -- Graf Seyboltstorff

hatte sich unterdessen in der Dunkelheit verritten; der Pony war ganz

abgefallen, und er kam erst am nächsten Tage gerade noch richtig vor

Abfahrt des Zuges nach Tientsin in Peking an.

Für beide Ponies ist die Leistung eine recht gute zu nennen. Dr. H. war

in besserer Kondition als Conte, ferner muß man bei ersterem in Betracht

ziehen, daß er vor erst fünf Wochen von der langen Tour durch Schansi

zurückgekehrt war; jedenfalls bin ich, der ich das Tier seit Jahr und

Tag ganz genau kenne, der festen Überzeugung, daß er mit einem

entsprechenden Training für derartige Ritte seinen eigenen Rekord um

mindestens noch eine Stunde wird drücken können. Der später im Monat

Februar des Jahres 1903 tatsächlich ausgeführte Distanzritt mit

internationaler Konkurrenz brachte denn auch das Ergebnis, daß die

Gesamtstrecke von etwa 130 Kilometer von dem Sieger in 7 Stunden und 33

Minuten zurückgelegt wurde; leider war es mir nicht mehr möglich, an

dieser hochinteressanten und ein so glänzendes Licht auf die

Leistungsfähigkeit der mongolischen Ponies werfenden Konkurrenz

teilzunehmen. Eine vergleichende Tabelle der von mir am 2. und 14.

Dezember ausgeführten Ritte, einmal zu Pferde, einmal zu Pony, ergibt

folgendes. In Betracht bleibt zu ziehen, daß derselbe Weg -- Brücke am

Yuan-shi-kai Palast-Osttor der Chinesenstadt -- mit dem Pferde von

Peking nach Tientsin, mit dem Pony von Tientsin nach Peking zurückgelegt

wurde und daß der Ritt mit dem Pony in der ausgesprochenen Absicht

ausgeführt wurde, die Leistungsfähigkeit der Ponies auf diese Distanz

festzustellen.

Distanz 130 Kilometer:

Pferd Pony

Pekingtor bis Ho shi wu 4 Stunden 20 Min. 4 Stunden 50 Min.

Ho hsi wu bis Yangtsun (Brücke) 2 " 5 " 2 " 5 "

Yangtsun (Brücke) bis Tientsin

(Brücke) 2 " 30 " 1 " 53 "

Ho shi wu bis Tientsin 4 " 35 " 3 " 58 "

Ganze Strecke 8 " 55 " 8 " 48 "

Nun einiges über die Ponies, die wohl jedem, der längere Zeit in China

geweilt hat, sehr ans Herz gewachsen sind.

Es gehört zu den typischen Erscheinungen eines jeden neu aus Europa

Ankommenden, daß er zuerst, ungewohnt des Anblicks des hier allgemein

als Fortbewegungsmittel dienenden Ponys, über diesen lächelt. Ist man

erst längere Zeit im Lande, so lernt man den Pony immer mehr schätzen,

und für uns Soldaten ist die nähere Kenntnis des Ponys insofern noch von

ganz besonderer Wichtigkeit, als unser hiesiger prädestinierter Gegner,

der Chinese, seine gesamte Kavallerie und Artillerie mit Ponies beritten

gemacht bezw. bespannt hat. Auch wir werden infolge der gemachten

Erfahrungen vielleicht im nächsten Kriege nicht mehr auf das teure und

nach der langen Seereise mehr öder minder erholungsbedürftige Pferde-

und Maultiermaterial Amerikas und Australiens zurückgreifen, sondern das

landesübliche Tier, den mongolischen Pony und das Maultier benutzen. Daß

man übrigens mit diesem Punkte schon lange rechnet, beweist die

Bespannung sämtlicher Fahrzeuge in Kiautschou und die Bildung berittener

Kompanien in der Besatzungsbrigade der Provinz Chili. An der Hand der

Erfahrungen im Herbst 1900 halte ich es für erwiesen, daß im Ernstfalle

die Beschaffung genügender Massen von Tieren keine Schwierigkeiten

bieten würde. Dem Chinesen mangelt bekanntlich jedes nationale

Empfinden, und gegen klingende Münze würden chinesische Unternehmer, mit

denen man ja schon im Frieden akkordieren könnte, jede gewünschte Menge

von Ponies und Maultieren zur Stelle schaffen. Ich möchte hier noch

erwähnen, daß ich den mongolischen Pony auch zum Export nach unsern

afrikanischen Kolonien für sehr geeignet halte, und eine recht

interessante Frage wäre es, ob nicht der nach Afrika, gleichviel Ost

oder West, importierte chinesische Pony dem berühmten Kap-Pony durchaus

gleichwertig zur Seite gestellt werden konnte und einschließlich aller

Überfahrtskosten doch noch billiger zu stehen käme als letzterer.

[Illustration: "Teja" 8j. schwarzer mongolischer Pony-Wallach]

Hierbei will ich gleich einem weitverbreiteten Irrtum entgegentreten.

Man hört stets einen Unterschied zwischen mongolischen und chinesischen

Ponies machen, indem das schlechtere Material als chinesischen Ursprungs

d. h. in den Ebenen diesseits des Gebirges geboren, bezeichnet wird.

Dies ist insofern unrichtig, als in der großen Ebene, welche durch

Gebirge und chinesische Mauer von der Mongolei getrennt ist, sehr wenig

Pferdezucht getrieben wird. Der Pony, wie wir ihn hier sehen, kommt mit

sehr vereinzelten Ausnahmen aus der Mongolei. Diese ist in Anbetracht

ihrer ungeheuren steppenartigen Ebenen ganz vorzüglich zur Pferdezucht

geeignet und muß infolge ihrer heißen Sommer und kalten Winter ein sehr

hartes, widerstandsfähiges Material hervorbringen. Die Ponies leben dort

in großen Herden, die manchmal nach Tausenden zählen; ihre Besitzer

sind Mongolen, besonders die Fürsten jener Stämme. Sie haben unendlich

große Ponyherden, die ihr Vermögen und ihren Reichtum darstellen. Dieser

Herden gibt es naturgemäß sehr viele, und auch nur einen ungefähren

Anhalt durch Zahlen zu geben, wäre schon deshalb unmöglich, weil sie

sich unter der Obhut ihrer Hirten meist auf der Wanderschaft von einem

Weideplatz zum andern befinden.

Im Winter beziehen die reicheren Besitzer meist ein ständiges

Winterquartier; ein solches kennen zu lernen hatte ich später in

Turkestan bei Karaschar Gelegenheit. Der betreffende Prinz hat sich dort

einen großen Yamen vollkommen im chinesischen Stil erbaut, in dem er den

Winter über lebt; im Frühjahr zieht er dann mit seinen Herden nach den

großen Weideplätzen und wohnt, genau wie seine Untertanen, in einer

Filzjurte, dem runden mongolischen Zelt, das ich später in den

Schneebergen zwischen Chinesisch- und Russisch-Turkestan bei den

Kirgisen kennen und schätzen lernte.

Auch die großen Weidegebiete sind natürlich nicht nach Belieben

benutzbar, sondern sie haben ihre Grenzen, die durch alte Überlieferung

und Gewohnheit geheiligt sind. Die Fortpflanzung der Tiere geschieht

durch Zuchtwahl; natürlich sieht der Mongole schon dem ganz jungen Tiere

an, ob einmal etwas aus ihm werden wird oder nicht. Hengste mit

schlechten Linien werden jung gelegt und gehen dann an die Händler,

Stuten werden fast nie verkauft und noch weniger zum Reiten benutzt, sie

sind nur zu Zuchtzwecken da. Sowohl der Mongole wie auch der Chinese

finden es unbegreiflich, wie man eine Stute reiten kann, und als ich auf

meinem langen Ritt eine solche australischen Ursprungs mitbenutzte, die

als Pferd oftmals bewundert wurde, kam jedesmal, beim Entdecken des

Geschlechts des Tieres, die erstaunte Frage: "Du reitest eine Stute?"

Immer im Ton mit dem Beigeschmack, "nein, so eine Tierquälerei!"

Der Pony erscheint auf den Weiden unserm Auge natürlich lange nicht so

schön, wie er sich später im Besitz des Europäers nach intensiver

Stallpflege und einem sachgemäßen Training darstellt. Da draußen hat er

Schweif- und Mähnenhaare bis auf die Erde reichend. Auch die sonstige

Behaarung ist stark und sehr dicht, er braucht sie gegen die Winterkälte

und die alles durchdringenden Staubstürme. Der Kopf ist meist unschön,

und im Vergleich zu dem sonstigen Körper erscheint er zu groß und

häßlich geformt. Dagegen hat der Pony ein großes lebhaftes Auge, das

manchmal etwas böse aussieht. Auch der Hals ist sehr stark, und die

Ganaschen zeigen schon in Freiheit, daß dort später einmal von

Durcharbeiten, wie man es mit unseren Pferden macht, keine Rede sein

wird. Mit andern Worten, der Pony erlangt unter dem Reiter selten

dieselbe Wendigkeit, die ein gut durchgerittenes Pferd besitzen muß; er

trägt den Kopf hoch, der Hals ist ziemlich lang und zeigt oft viel

Aufsatz. Merkwürdig stark ist meist der Kamm. Die Schulterlinie ist fast

stets schräg und lang, und dementsprechend besitzt der Pony meist ein

schönes freies Gangwerk und bringt die Vorderbeine beim Galoppieren

gestreckt heraus. Der Rücken ist kurz und kräftig und eignet sich zum

Tragen auch schwerer Lasten; ich habe gefunden, daß den Packponies stets

Lasten aufgepackt werden, wie sie ein Pferd nicht schwerer fortbringen

könnte. Ebenso kann der Durchschnitts-Pony auch schwerere Reiter sehr

gut und ohne besondere Schwierigkeiten tragen. Hauptsächlich schön und

kräftig sind Kruppe und Hinterhand, und hier wieder besonders die

Sprung-Gelenke. Wer in Tientsin und Peking die schweren und langen

Jagden in dem sich so wundervoll zum Jagdreiten eignenden Gelände mit

geritten hat, weiß, was die Ponies springen können, und noch jetzt

erinnere ich mich mit Freuden des Tages, als ich zusammen mit Leutnant

Brandt von der Jäger-Eskadron infolge einer Wette zum Staunen aller

Zuschauer mit der größten Leichtigkeit über für die Australier gebauten,

ganz anständigen Hindernisse unseres Tientsiner Rennplatzes wegging.

[Illustration: "Flieger", 9j. brauner mongolischer Pony-Wallach]

Langgefesselte Tiere findet man verhältnismäßig selten, dagegen sind

Bockhufe ziemlich häufig, wahrscheinlich stammen solche Tiere aus

besonders steinigen oder felsigen Gegenden, in denen sie viel auf harten

Steinen klettern müssen. Diese Ponies eignen sich naturgemäß weniger für

den Gebrauch in der Ebene, da auch ihre Aktion nicht so schön ist. Mein

guter Schorsch, der bis Kaschgar treu ausgehalten hat, besaß solche

Hufe. Der Schmied der Schwadron, bei der sein Vorbesitzer stand, hatte

im Laufe der Zeit durch sehr geschickten Beschlag diesen Fehler fast

gänzlich verschwinden lassen. Auf meinem Ritt hatte ich mit den

chinesischen Schmieden dann immer zu kämpfen, da sie stets zu viel an

der Zehe wegschneiden und so allmählich die steilen Hufe, die sie sehr

lieben, erzielen. Im allgemeinen hat der mongolische Pony einen kleinen,

hübschen und sehr harten Huf; ich habe gefunden, daß sich unser Beschlag

nicht für diese Hufe eignet und bin mit meinen Tieren reumütig zu dem

übrigens auch viel billigeren chinesischen Schmied zurückgekehrt. Später

im Innern gab ich für Beschlag, rundum eines Tieres, ungefähr 40 Pfennig

unseres Geldes.

Die Größe des Ponies differiert zwischen 12 hands und 14 hands -- hands

(4 Zoll) und inches (1 Zoll) sind englische Maße, nach denen stets der

Verkauf an Europäer stattfindet, z. B. bedeuten 13 hands 1 inch 53 Zoll

4 Fuß 5 Zoll deutsch. -- Die Ausnahme bestätigt die Regel und man findet

selbstredend zuweilen sehr kleine und, allerdings seltener, größere

Ponies als die angegebenen Maße. Sehr große finden Abnehmer in den

Mandarinen, die für einen solchen Pony, der womöglich bis auf die Erde

reichenden Schweif und Mähne hat und Paßgänger (Tsouma) ist, recht

annehmbare Preise zahlen. Wir Europäer nehmen solche sehr großen Ponies

weniger gern, da wir aus Erfahrung wissen, daß sie nicht so

leistungsfähig sind, wie ein Pony mittlerer Größe, und ferner erhält ein

solcher bei Rennen nach der Gewichtskala ein derartig hohes Gewicht

aufgepackt, daß seine Chancen damit erledigt wären.

An Farben findet man das denkbar Mögliche bei den Ponies. Außer den bei

uns bekannten Farben, wie man sie gewöhnlich bei Pferden antrifft, sieht

man Tigerschimmel mit schwarzen Flecken, und gelb und braun geschippte,

"spotted" -- wie der Engländer sagt -- sind häufig; auch gelblich-weiße

findet man sehr oft. Schecken und Schimmel gibt es in Mengen, Rappen

verhältnismäßig selten; diese sind darum sehr geschätzt und höher im

Preise. Wie gesagt, kann ein Liebhaber bunter Tiere beim mongolischen

Pony voll auf seine Rechnung kommen. Der Charakter der Ponies ist im

allgemeinen ein guter zu nennen, wenn man sich auch nie so recht auf

einen Pony verlassen kann. Mir ist es z. B. bei sonst ganz ruhigen

Tieren öfters in der Box oder im Stande passiert, daß sie ohne jede

Veranlassung nach mir keilten.

Die Abnehmer der Mongolen-Ponies sind die chinesischen Händler und die

Kavallerie, letztere wird es wohl in Zukunft noch mehr ohne

Zwischenhändler werden, nachdem Yuan-schi-kai, Vizekönig von Chili, den

Anfang damit gemacht hat, seine Kavallerie auf Dienstpferden beritten zu

machen und mit dem alten Prinzip zu brechen, daß der Kavallerist sein

Pferd selbst mitbringt. Daß letzterer natürlich nur sein Pferd schonte

und dickmästete, ist klar. Nach europäischem Vorbilde stellt

Yuan-schi-kai Schimmel nicht mehr in die Truppe ein, so daß diese Farbe

später wohl sehr billig werden wird.

Natürlich kaufen auch nur die Kavallerie-Truppenteile direkt vom

Mongolen, die mit letzteren infolge ihrer Standorte zusammenkommen

können. Eine Remontierung der Truppe in den von der Mongolei oder den

Pferdezucht treibenden Teilen des Reiches entfernten Provinzen findet

nicht etwa so wie bei uns statt, sondern das Zwischengeschäft liegt in

den Händen chinesischer Händler. Fast zu jeder Jahreszeit kann man

Herden von Ponies aus der Mongolei durch den Nankau-Paß heruntertreiben

sehen. Sie gehen nach Peking, Tientsin, oder auch weiter nach Schantung,

Honan, Schansi usw. Die Händler kaufen meist eine ganze Herde, wobei sie

nicht mehr als 10 Taels (30 Mark) für den Kopf geben; wenn sie einzelne

Tiere herauskaufen wollten, müßten sie unverhältnismäßig viel mehr

bezahlen. Die Mehrzahl der Tiere ist meist ganz roh und geht an die

Karrentreiber für höchstens 15 Taels weg, ihnen blüht kein schönes Los,

denn harte Arbeit wartet ihrer.

Besser hat es die Auslese einer solchen Herde, die von Mandarinen oder

Europäern gekauft wird; die erste Frage eines Chinesen beim Pferdehandel

lautet: "Paßgänger oder nicht?" Ist letzteres der Fall, so ist der Pony

schon erheblich billiger, zumal die meisten Mandarinen ein Pferd,

welches keinen Paß geht, überhaupt nicht kaufen. Die Mongolen wissen das

natürlich ganz genau und bringen den Tieren frühzeitig das Paßgehen bei,

indem sie ihnen beim Reiten ein Vorder- und Hinterbein (gleichseitig)

zusammenfesseln. Bei diesen Paßgängern fällt der Wurf im Trabe

vollkommen fort, und je schneller solche Tiere traben, um so höher sind

sie im Preise. Ich habe späterhin Paßtraber gesehen, bei denen ein

Mittelgalopp gehendes Pferd sicher Not gehabt hätte, mitzukommen. Wenn

ein solches Tier dann noch die vorher erwähnten Eigenschaften betreffs

Größe, Farbe usw. hat, so zahlt der reiche Mandarin sicher bis 1000

Taels, um mit seinem "tsouma" auch auf den Pekinger Straßen Aufsehen zu

erregen. Diese Tiere haben Galoppieren meist ganz verlernt. Spricht man

z. B. mit einem Mandarin über schnelle Ponies und er proponiert

vielleicht ein Wettrennen, so meint er selbstredend ein Trabrennen und

keins in unserm Sinne.

[Illustration: Blick von der großen Tribüne auf den Platz vor derselben]

Nun noch einiges vom Rennpony; ich meine denjenigen Pony in europäischen

Händen, der zu Rennzwecken, wie in Europa ein Rennpferd, ausgenutzt

wird. Die Tauglichkeit zum Rennpony trägt jeder einzelne in sich, er muß

nur genügend schnell sein. Eine eigentliche Zucht solcher Tiere gibt es

nicht oder vielmehr noch nicht; denn wer weiß, ob nicht einmal ein

schlauer Mongole dahinter kommt, daß der und der Hengst in seiner Herde

besonders schnelle Kinder zeugt, und daß er diesen dann als Vaterpferd

bevorzugt, womit dann bald eine freie Zuchtwahl beendigt wäre und der

Anfang einer richtigen Zucht nach bestimmten Prinzipien gemacht würde.

So weit ist es noch nicht und wird es wohl vor der Hand auch noch nicht

kommen. Ich kenne viele Ponies, denen ein anderer Ruf geblüht hat, bevor

sie sich auf der Rennbahn einen berühmten Namen machten. Ich erinnere

nur an den jedem Shanghaier wohlbekannten "Charger", der bekanntlich

direkt aus der Karre herausgekauft wurde. Aber sogar "Lippspringe alias

Rotation", deutsche Siegerin im Distanzritt Berlin -- Wien, soll ja

seinerzeit einmal in einer Karre gegangen sein. In jedem Jahre zweimal,

und zwar in den Monaten Januar, Februar und auch noch März, dann im

Juli, August und Anfang September, kommen die neuen Ponies, die

sogenannten "Griffins", in die Rennponies haltenden Ställe.

Ich will an diesem Fleck speziell von den Tientsiner Ställen sprechen,

deren Gepflogenheiten ich Gelegenheit hatte näher kennen zu lernen. Die

Tiere werden auf die verschiedenartigste Weise gekauft. Jeder

Stallbesitzer macht es natürlich anders. Die wenigsten gehen selbst in

die Mongolei oder auch nur bis Kalgan, der Sammelstelle für Ponies und

dem Sitze vieler Händler, hinauf, um selbst zu kaufen; die Reise ist zu

beschwerlich. Für den Herrn geht der erste Mafu des Stalles und kauft,

oder der betreffende Besitzer hat eine Abmachung mit einem der vielen

Händler, der ihm die Ponies dann als erstem anbietet und vorstellt.

Einige kaufen auch eine ganze Herde und heben dann das brauchbare aus

den 35 - 40 Köpfen einer solchen aus, manchmal bleibt gar nichts

ordentliches übrig, nachdem schon das von vornherein ausgeschiedene

Material für ein Spottgeld weggegangen ist.

Einige wenige Ponies haben schon in der Mongolei wegen ihrer

Schnelligkeit einen bedeutenden Ruf. Dieser dringt dann stets bis

Tientsin, wahrscheinlich nur durch geschickte Mache der interessierten

Besitzer. Natürlich ist letzterer immer irgend ein mongolischer Prinz

oder sowas, das macht sich besser. Erzählt man einem der Sportsmen

vielleicht bei der Morgenarbeit von diesem Tier, so weiß er natürlich

schon längst ganz genau Bescheid, weiß auch, daß der und der

Shanghaier Sportsman schon so und soviel geboten hat -- natürlich bietet

ein Shanghaier stets mehr als ein Tientsiner --, das ist

selbstverständlich, denn die Shanghaier Races sind größer, also müssen

die Tiere auch teurer bezahlt sein. Hinter dem Rücken handeln dann die

Mafus schon längst um das Tier, und sie verstehen es fast immer

meisterhaft, ihrem Herrn die Vorzüge des betreffenden Tieres ins hellste

Licht zu stellen, so daß der betreffende Besitzer eine anständige Summe

anlegt. Wieviel davon der Mafu einsteckt, bleibt natürlich

Geschäftsgeheimnis. Kommt das Tier nachher zum ersten Mal auf die

Rennbahn und soll mal auf der letzten Viertelmeile (400 Meter) zeigen,

was es kann, so staunt natürlich alles, während man später in den

wirklichen Rennen sehr oft gar nichts mehr von ihm hört. Es war wieder

einmal eine der vielen Enttäuschungen, die dem Rennmanne hier genau so

wie in Europa blühen.

Im Sattel durch Zentralasien: 6000 Kilometer in 176 Tagen · 第 5 / 26 段