„Ich könnte nichts anderes sagen -- -- im Augenblicke.“
„Soll das heißen, daß ich später -- -- morgen, übermorgen -- --“
„Nein,“ wehrte sie erschrocken ab. „Es soll heißen, daß ich niemals
wieder -- --“
„Wen? Den Andern?“
„Nein, dich,“ sagte sie, immer noch wie im Traum.
„Eva, ich flehe dich an. Denke daran, daß es das letzte Mal sein kann.“
„Das wäre gut! Ich will ruhig werden und sühnen. Gönne mir diese Ruhe.“
„Du hast hundertmal gut gemacht. Ich danke dir -- --“
Sie ließ ihn nicht zu Ende kommen.
„Nur an mein Glück hat sie gedacht, deine kleine Schwester. Das sieht
ihr ähnlich. Ich habe sie sehr lieb gehabt. Vielleicht -- --“
„Sei barmherzig. Vergib mir meine Härte und Ungerechtigkeit.“
„Steh auf -- -- ich allein bleibe die Schuldige. Es hilft nichts,
ich -- -- habe gestohlen. Siehst du, jetzt zum ersten Mal geht das
fürchterliche Wort aus meinem Munde. Das Gespenst läßt sich nicht
vertreiben. Die Präsidentin hatte mir nichts zugedacht und ich habe es
nicht glauben wollen. Ich habe dir nie von meinem Verhältnis zu ihr
gesprochen. Jede ihrer Handlungen bewies mir, daß sie mich lieb hatte.
Selbst, wenn sie unzufrieden mit mir war, wurde sie nicht hart. Ich
merkte vielmehr, daß sie darunter litt. Und sie -- -- hat es mir auch
versprochen. Klipp und klar. Da ist es mir unfaßbar gewesen, daß sie,
die nie ein gegebenes Versprechen brach, nicht an mich gedacht haben
sollte. Bei Gott! Mein Gefühl hat unablässig dagegen geeifert, immer
noch, bis vor ganz kurzem. Nicht wahr, wenn sich schließlich doch ein
Nachsatz, der mich bedacht hätte, vorfand, dann -- ja dann -- --. Das
wirst du gewiß auch nicht verstehen. Wirst meinen, an meiner Schuld
ändere das nichts. Mich hätte es losgesprochen. Ich hätte mir einbilden
können, ich wäre nun nicht länger schuldig! So aber, wenn ich vergessen
wollte -- wie damals -- in deinen Armen -- nachher kam es doch wieder.
Ein Satz nur, aber ein fürchterlicher, strenger noch wie du -- -- „Der
Uebel größtes... aber ist die Schuld...““
„Wir werden gemeinsam arbeiten und sparen, damit wir alles
zurückerstatten,“ flehte er erschüttert. „Denn so grausam, daß du mich
nun zu deinem Schuldner auf Lebenszeit machst, der nicht abtragen darf,
was du seiner Schwester gegeben, kannst du nicht sein.“
„Das Geld -- -- das schreckliche Geld -- --“ klagte sie. „Wie es dich
schon drückt, daß du es schuldest -- --“
„Nein, das andere ist mir die Hauptsache. Deine Liebe, die
selbstverständliche Güte, dein Verstehen und Vergeben, mit dem du meine
Schwester überschüttet hast -- --“
„Sollte ich, die schuldig Gewordene, sie verurteilen?“
„Ich war auch schuldig an ihr und habe dich doch gepeinigt.“
„Das tust du erst jetzt und ich kann es nicht länger ertragen. Laß uns
das Nötige ruhig mit einander besprechen. Ich überlasse dir natürlich
die Bestimmung über alles, was sie angeht. Willst du es lieber allein
besorgen, weil doch auch wohl dein Vater kommen wird... so begebe
ich mich für diese kurze Zeit in eine Pension. Wirklich, es macht
mir nichts. Du denkst, daß dies hier die Heimstätte deiner kleinen
Schwester sei, aus der, hinweggetragen zu werden, ihr gutes Recht ist.
Wenn alles vorüber ist, kehre ich schon zurück. Wohl kaum mehr für
lange... Ich weiß das alles noch nicht.“
Er stand hoch und stark neben ihr, als habe er die Last, die ihn zu
ihren Füßen niederzwang, endlich abgeworfen.
„Noch einmal. Ich liebe dich! Sei barmherzig. Stoße mich nicht zurück.“
„Weil ich es sein muß, sage ich: mache ein Ende! Glaubst du, daß du mir
dankbar zu sein hast, dann habe ich ja auch die Erfüllung einer Bitte
gut.“
„Sprich sie aus. Was du willst, soll geschehen!“
„Ich danke dir. Vergiß mich, Walter!“
„Kannst du dir das wirklich erbitten?“
„Ja, das kann ich!“
Er griff an die Stirn. Sein Gesicht wurde von einer schmerzhaften Angst
verzerrt.
„Eine Erklärung verlange ich wenigstens...“