Hinter Evas Stirn fieberten die Gedanken, wie einst --

„Wer hat das Recht zu verdammen? Niemand auf der ganzen Welt! Auch

die, welche sich schuldlos wähnen, nicht.“ Sie neigte sich und zog die

Kniende sanft zu sich empor. „Du armes, armes Kind.“

In ihren Augen glühte keine Verachtung. Ihr Gesicht verzog sich nicht

zu unnahbarem Stolz.

Es war eine alles begreifende und verzeihende Liebe darin!

Das müde, gepeinigte Mädchen erkannte, daß Eva von Ostried jenen Mann

niemals geliebt hatte und dennoch voll die Macht begriff, die er besaß!

[Illustration]

14.

Vor das Hohen-Klitziger Herrenhaus rollte ein Landauer! Die rassigen

Köpfe zweier Blauschimmel verdunkelten plötzlich das Küchenfenster,

hinter dem die Mamsell das Futter für die jungen Puten zurechtknetete.

Sie wandte sich nach der einzigen ihr zur Verfügung stehenden Hilfe um,

die damit beschäftigt war, von einem Paar langschäftiger Stiefel die

Kotspritzer mit einem Holzspahn herunter zu kratzen.

„Nee,“ dachte sie dabei, „die sieht kein bißchen proper aus,“ und

machte sich selbst zum Gehen bereit.

Sie pochte an die zweite Tür neben der Küche, hinter welcher der

Klitziger Herr zur Sicherheit noch einmal die Seiten zusammenrechnete,

deren Ergebnis sein Bruder bereits festgestellt hatte.

„Herr Amtsrat, die Waldesruher Schimmel halten vor der Treppe.“

Er sah flüchtig auf, ohne die Feder von den Zahlenreihen zu nehmen.

„Ist wohl ein neuer Kutscher, der noch nicht weiß, wo der Dorfschmied

wohnt.“

„Ich glaube nicht, daß es neuer Hufbeschlag sein soll, Herr Amtsrat.

Der Schloßherr sitzt im Wagen.“

„So,“ sagte der alte Wullenweber nicht sonderlich interessiert,

„dann fragen Sie ihn nur nach seinen Wünschen. Ich wäre hier und für

dringende Sachen auch zu sprechen.“

Er blieb ruhig sitzen; aber er verrechnete sich. Sein verwittertes

Gesicht nahm einen unwilligen Ausdruck an. Bisher hatte es der Nachbar

nicht der Mühe wert gehalten, sich ihm in seinem Hause vorzustellen. An

der Grenze freilich wollte er es verschiedentlich tun. Dazu zeigte der

Amtsrat keine Neigung.

Der Waldesruher Herr stand in dem Rufe, ein adelsstolzer, hochfahrender

Mann zu sein, der sich einsam hielt. Daneben war er aber auch

zweifelsfrei ein tüchtiger Landwirt und das nötigte dem Amtsrat einigen

Respekt ab. Es war keine Kleinigkeit gewesen, den zurückgekommenen

Acker und die verfallenen Katenhäuser in Ordnung zu bringen.

Horst Waldemar von Ostried maß sieben Fuß. Also nicht in allen Fällen

konnte er dafür, wenn er über die meisten Menschen und Dinge fortsah.

In erster Ehe war er mit einer Gräfin Aschaffenburg vermählt gewesen,

die ihm keinen Erben geschenkt hatte. Seit ihrem Tode, der ein Jahr vor

der Uebernahme des Majorats Waldesruh erfolgte, befürchteten die Eltern

des nächsten Anwärters die Mitteilung seiner zweiten Heirat.

Wie er sich jetzt vor dem Aelteren verneigte, bemühte er sich

augenscheinlich freundlich und herablassend zu sein.

„Ich hatte es mir schon lange vorgenommen, Herr Nachbar.“

„Ja, so’n Weg von einem Kilometer will überwunden und vorher überlegt

sein, Herr Nachbar,“ nickte der Amtsrat mit belustigtem Lächeln.

Der andere räusperte sich.

„Ich komme mit einer Bitte, Herr Amtsrat.“

„Das habe ich mir denken können, Herr von Ostried.“

„Es handelt sich nämlich um die Adresse von der Tochter meines

Vorgängers.“

„So, Sie möchten wissen, wo sich Ihre Base Eva zur Zeit aufhält?“

„Ganz recht; daran wäre mir viel gelegen.“

Ein prüfender Blick strich über die mächtige Gestalt des Schloßherrn

hin. Sollte diese Frage etwa die Vorbereitung zu einer zweiten Ehe

sein? Es war, als ahne der Riese ähnliche Gedanken. Fast hastig gab er

eine Erklärung ab.

„Wir müssen einen Familientag einberufen, zu dem -- unserm Hausgesetze

gemäß -- sämtliche Ostrieds gerader Linie eingeladen werden müssen.“

„Ich glaube, auf diesen Anspruch wird Eva von Ostried keinen besonderen

Wert legen.“

„Darauf kommt es nicht an. Es ist eine reine Formsache. Ich kann Ihnen

übrigens gern den Grund nennen, wenn es Sie interessieren sollte.“

„Bemühen Sie sich nicht. Ich mache mir nicht viel aus solchen

Geschichten.“

„Erlauben Sie mir, daß ich es trotzdem tue, um nicht für meine Person

in irgend einen unbegründeten Verdacht zu kommen.“

Der Amtsrat mußte wieder lächeln. Schlau war der Kerl entschieden.

„Daß Sie sich daraus etwas machen, Herr von Ostried.“

„Die Tochter meines Vorgängers steht bei unserer ganzen Familie in

nicht sonderlicher Hochachtung.“

„Solange ich ihr Vormund gewesen bin, war nichts, auch nicht das

Geringste an ihrer Aufführung zu mäkeln.“

„Sie wollte doch -- äh -- zur Bühne.“

„Das meinen Sie damit? Ach so! Na ja, das beabsichtigte sie freilich

stark. Im Prinzip war ich auch dagegen, wie das ja die Verweigerung

meiner Erlaubnis bis zu ihrer Volljährigkeit bewiesen hat.“

„Darf ich also kurz referieren, Herr Amtsrat.“

„Wenn Sie es durchaus nicht anders tun. Bitte schön.“

„Ein Ostried-Javelingen hat kürzlich eine Eingabe um Verleihung

des seit fünfzehn Jahren nicht mehr zur Verteilung gelangten

Stiftungsgeldes für bedürftige Familienmitglieder gestellt. Zum

rechtswirksamen Gewähren ist nicht nur die schriftliche Zustimmung

sämtlicher stimmfähiger Ostrieds -- auch der weiblichen --

erforderlich, sondern ihr Zusammenkommen an gemeinsamer Stelle zwecks

vertraulicher mündlicher Aussprache.“

„Jetzt fange ich an, die Notwendigkeit zu begreifen, Herr von Ostried.

Das muß sein, weil zu erwarten ist, daß dieser oder jener ein bißchen

Dampf vor einer Beleidigung oder Ablehnung mit Tinte hat.“

„Es gibt doch Sachen, die zu empfindlich sind, um sie

niederzuschreiben.“

„Gerade das habe ich gemeint. Da fliegt ein Wort in der Luft rum, die

Frauen flüstern es vielleicht bloß. Aber gehört und bewertet wird’s

jedenfalls. Und das mag schon genügen.“

„War Ihre Frau Mutter vielleicht --“

Der Amtsrat unterbrach ihn kurz. „Nein, durchaus nicht! Sie war

eine geborene Hafermatz aus Kölpin, Tochter des derzeitigen

Wirtschaftsbeamten. Meine Weisheit hat einen andern Ursprung. Ich

weiß das von einer, die auch mal um dieses Geld eingekommen ist,

weil damit ihr schwacher Körper wohl noch auszuheilen gewesen wäre.

Eva von Ostrieds Mutter hatte sich nämlich nach vielen und harten

Gewissensnöten zu diesem Ersuchen entschlossen. Sie tat’s ihrem Kinde

zu Liebe. Die Antwort war eine Woche später eine bestimmt verneinende.“

„Dann haben also bereits bei der Vorberatung, die schriftlich erledigt

werden kann, die Mehrzahl der Familienmitglieder den Antrag abgelehnt.“

„Jedenfalls wird es so gewesen sein.“

„Wir brauchen nicht Verstecken mit einander zu spielen, Herr Amtsrat.

Mein Vorgänger war kein Mann, dem man solche Zuwendungen machen durfte.

Unser Hausgesetz verlangt ausdrücklich einen tadellosen Charakter

oder um mit seinen Worten aus dem Jahre 1800 zu sprechen: Es muß eine

feine und ritterliche Familie sein, der früher und auch jetzo nichts

anzuhängen gewesen ist.“

„Sie sprechen da plötzlich von dem Manne. Ich habe nie gehört, daß dem

damaligen schönen Ostried irgend ein Organ schwach geworden wäre. Hier

handelte es sich um die Frau, die über jedem Zweifel erhaben stand.“

„Was der Mann tut, darstellt oder unterläßt, fällt in der Ehe allemal

auf die Frau zurück. Auch darüber gibt es natürlich Bestimmungen.“

„Ein schönes Familiengesetz, das so was vorschreibt.“

„Darüber wollen wir nicht streiten, Herr Amtsrat.“

„Sie haben Recht. Einem Gaul, der ein Kleber ist, bringt ja auch kein

Schenkeldruck von der Stelle, wenn er nicht schließlich selbst will.“

Das hochmütige Gesicht verlor nichts von seiner kühlen Freundlichkeit.

„Für so eigensinnig hätte ich Sie nicht gehalten, Herr Amtsrat.“

„Das soll wohl eine Beleidigung sein,“ dachte der alte Wullenweber und

lachte vergnügt in sich hinein. „Mein Jungeken, damit hast du bei mir

kein Glück.“

Laut sagte er:

„Ich bin sogar so eigensinnig, daß ich Eva von Ostrieds Vater nicht

mehr in mein Haus reingelassen habe, seitdem es mir keine Ehre mehr

sein konnte, mit ihm umzugehen.“

Der Hieb saß.

„Aber seiner Tochter scheinen Sie erfreulicherweise die alte Zuneigung

erhalten zu haben,“ meinte der Schloßherr mit glatter Höflichkeit.

„Zu der Tochter stand und stehe ich weiter in gar keinem Verhältnis.

Sie ist mir fremd geblieben. Was ich übernahm, tat ich lediglich für

ihre Mutter. Uebrigens weiß ich seit ihrer Volljährigkeit nur das eine,

daß sie seit dem Tode ihrer mütterlichen Freundin, irgendwo in Berlin

untergetaucht ist.“

„Auch die Adresse ist Ihnen unbekannt geblieben, Herr Amtsrat?“

„Noch gestern hätte ich das glatt verneinen müssen. Heute allerdings.“

Es klang zögernd. Aber der Schloßherr hat bereits das Notizbuch

hervorgesucht und netzte den Stift behutsam an den Lippen.

„Ich war vorher noch nicht zu Ende gekommen, Herr Amtsrat. Ich lege

aus zweierlei Gründen großes Gewicht gerade auf diese Adresse. Erstens

ist anzunehmen, daß Fräulein von Ostried, wenn auch nur, um sich für

die Teilnahmslosigkeit unserer Familie zu rächen, widersprechen würde,

sobald sie etwas von dem ohne sie gefaßten Beschluß erführe.“

„Mein Gott, wie sollte sie davon hören.“

„Es könnte immerhin möglich sein. -- Der zweite Grund betrifft

sie selbst. Ich halte mich noch nicht befugt darüber zu sprechen.

Jedenfalls -- -- Also, wenn ich Sie jetzt bemühen darf, Herr Amtsrat.“

„So schnell geht das nicht. Sie denken wohl, ich brauchte sie ihnen so

ganz einfach bloß zudiktieren.“

„Etwas anderes zog ich allerdings nicht in Betracht.“

„Bedaure! Sie müssen sich noch selbst darum bemühen. Ich besitze

seit gestern nämlich lediglich die Möglichkeit, näheres über sie zu

erfahren. Mein Neffe, Rechtsanwalt Wullenweber, berichtet mir, daß sie

in einer geschäftlichen Angelegenheit seinen juristischen Beistand in

Anspruch genommen hätte. Seine Adresse ist zu Ihrer Verfügung.“ -- Der

Amtsrat nannte sie.

„Haben Sie eine Ahnung, verehrter Herr Amtsrat, ob Ihr Herr Neffe ein

tüchtiger Anwalt ist?“

„Ich bin ebenso wenig Jurist, wie Sie, Herr von Ostried und unser

zuständiges Amtsgericht kenne ich, Gottlob, bisher nur von außen. So

viel weiß ich aber, daß der Justizrat, dessen Teilhaber er ist, einen

guten Namen und ungeheuren Zuspruch hat.“

„Das genügt mir völlig. Anläßlich des Familientages muß ich nämlich

einen Anwalt für bestimmte Zusätze und kleine Abänderungen in unseren

Statuten gewinnen.“

Er empfand es als angenehm, dies bei seiner Bitte um Eva von Ostrieds

Adresse nunmehr in den Vordergrund stellen zu können.

„Wenn ich recht unterrichtet bin, haben Sie, Herr Amtsrat, als

einstiger Vormund und Bevollmächtigter von Eva von Ostrieds Vermögen

auch sehr wertvolle alte Möbelstücke aus dem Waldesruher Schloß zur

Aufbewahrung übernommen?“

Der Amtsrat lächelte grimmig.

„Vermögen! Das klingt außerordentlich stolz. Wissen Sie zufällig, wie

hoch sich die Summe bezifferte?“

„Wie käme ich zu einer genauen Kenntnis. Wir mit dem gleichen Namen

hofften damals, daß sie jedenfalls zu einem standesgemäßen Unterhalt

ausreichen würde.“

„Nett von Ihnen! Sie hofften, leider, vorbei. Eintausend Mark waren’s!“

„Wie könnte sie sich damit durchgefunden haben?“

„Die Frage kann ich Ihnen nicht beantworten. Ich hatte die Ehre, eine

vortreffliche Frau, die ihr eine zweite Mutter geworden war, kurz vor

ihrem unerwartet eingetretenen Tode kennen zu lernen, und ging mit dem

berechtigten Gefühl von ihr, daß sie fraglos einen Teil ihres soliden

Reichtums meinem verflossenen Mündel überschriebe. Erst gestern teilte

mir mein Neffe mit, der übrigens diese Wissenschaft wiederum von dem

Notar und Freund der Toten, dem schon erwähnten tüchtigen Justizrat,

schöpfte, daß der plötzliche Tod sie daran gehindert haben müsse.

Jedenfalls ging Eva von Ostried leer aus. Aber Sie fragten auch nach

den alten Möbeln. Einen Augenblick! Bitte, hier ist das Verzeichnis.

Es sind Stücke von großer Schönheit darunter. Das Sterbezimmer ihrer

Mutter besitzt Eva bereits. Deren kleines Wohnzimmer -- übrigens

eingebrachtes und daher nicht zur Masse gehöriges Gut, wie auch jene

Sachen, die sich schon in Eva von Ostrieds Besitz befinden -- stellt

dies dar.“

„Ein offenes Wort, Herr Amtsrat! Sind diese kostbaren alten Stücke

verkäuflich? Ich weiß nicht, ob Sie ahnen, daß ich leidenschaftlicher

Sammler von altertümlichen Möbeln bin. Einen ebenso hohen Preis wie

jeder andere fremde Liebhaber würde ich natürlich auch anlegen.“

„Ich bin so ungebildet in diesen Sachen, daß ich nicht mal sagen kann,

ob das wirklich Altertümer in Ihrem Sinne sind. Nur das eine weiß

ich aus dem Mund von Evas Mutter, daß sie schon im Heim von deren

Großeltern gewesen sind.“

„Darf ich wissen, wie Sie über einen Verkauf denken, Herr Amtsrat?“

„Darüber habe ich nichts mehr zu bestimmen, Herr von Ostried. Als ihr

Vormund hätte ich einen besonders günstigen Verkauf, mit Rücksicht auf

die bestehende Vermögenslosigkeit, zweifelsfrei verantworten können.

Jetzt stehe ich kaum anders wie jeder Fremde zu der Besitzerin.“

„Könnten Sie mir wenigstens die Möbel zeigen, Herr Amtsrat?“

„Dazu wäre meine alte Klidderten nötiger als ich. Ich habe mich nur

bis zu dem Augenblick ihrer sicheren Unterstellung darum gekümmert.

Das Zudecken und Abstauben ist der Klidderten ihre Sache. Die wird

aber gerade mit dem Kochen zu tun haben. Eine Sache könnten Sie indes

ansehen. Evas Mutter machte sie mir zum Geschenk. Stil und Holzart

sind hier wie dort gleich. Sehen Sie dort, der Schreibtisch aus

italienischem Nußbaum.“

Es war ein wundervolles Stück mit reicher künstlerischer

Tiefschnitzerei. In Form und Art an die alten Zylinderbüros erinnernd,

die in keiner Großvaterstube zu fehlen pflegten. Nur, daß die Einlagen

über den reich geschnitzten Holzrändern aus Mosaikstückchen bestanden,

die sich zu kleinen, wirkungsvollen Bildern einten. Das runde große

Medaillon des Aufsatzes, das ein halbes Jahrhundert später, als Ersatz

des zerschlagenen Mosaikbildes eingefügt war, zeigte ein Pastellbild.

Ein namhafter Maler aus jener verzweifelten Zeit, in der Eva von

Ostrieds Mutter auf den Gedanken gekommen war, einen Teil des Schlosses

und des wundervollen Parkes erholungsbedürftigen Künstlern gegen

Entgelt zur Verfügung zu stellen, hatte es geschaffen.

Der Schloßherr warf mit einer geschickten Bewegung das Monokle

in das kurzsichtige rechte Auge. Sein müder Blick belebte sich

auffallend. Der tiefe Durchzieher, mit der einst auf dem Heidelburger

Fechtboden erhaltenen blutroten Belehrung, daß auch nicht sonderlich

hochgewachsene Leute eine gute Klinge führen können, begann zu glühen.

Das Hochmütige in seinen Zügen verschwand.

Als er nach langem aufmerksamen Betrachten den Kopf hob und die Hände

von der Schnitzerei nahm, war er ein ganz anderer wie zuvor. Es

bedurfte also nur des Aufflammens einer leidenschaftlichen Neigung, um

die oft genug abstoßend wirkende Tünche herunter zu bröckeln.

„Ich würde Ihnen zehntausend Mark geben, wenn Sie mir dies Stück

überlassen könnten, Herr Amtsrat.“

„Es wäre mir auch nicht um das Doppelte feil, Herr von Ostried.“

„Soviel allerdings. -- Immerhin fordern Sie getrost. Wir werden uns

bestimmt verständigen.“

„Es ist unverkäuflich,“ entschied der alte Wullenweber kurz und zornig.

„Sie sind doch aber gar nicht Sammler solcher Dinge! Was kann dies für

Sie für einen Wert haben?“

„Den da,“ sagte der Amtsrat einsilbig und legte den Zeigefinger

behutsam auf das Pastellbild.

„Sehen Sie,“ frohlockte der andere, „damit wären wir uns schon

bedeutend näher gekommen. Dieses Bildnis würde ich sofort für Sie

entfernen lassen. Für meine Zwecke entstellt es das Ganze und

verringert seinen Wert erheblich.“

„S--o, das wäre also Ihre Ansicht?“

Der Schloßherr neigte sich zu dem Bild herab und schenkte ihm zum

ersten mal einige Aufmerksamkeit.

„Wen stellt es dar, wenn ich fragen darf?“

„Frau von Ostried und ihre Tochter Eva.“

Noch einmal glitt sein Blick prüfend darüber hin. „Ich kannte die Frau

meines Vorgängers nicht persönlich,“ meinte er endlich und es klang wie

eine Entschuldigung. „Sie muß sehr schön gewesen sein.“

„Vielleicht befragen Sie deswegen die paar alten Leute, die sich ihrer

gewiß noch erinnern.“

Das klang eiskalt und schnitt eigentlich jede weitere Frage ab. Der

Schloßherr wollte es nicht empfinden. Er blickte immer noch, von

dem unvergleichlichen Reiz der beiden aneinandergeschmiegten Köpfe

gefesselt, auf das Bild von Mutter und Tochter.

„Sie sind scheinbar ein Frauenverächter, Herr Amtsrat.“

„Wieso? Weil ich mich im ersten Augenblick von Ihrer Frage abgestoßen

fühlte? Sie sollen sich nichts falsches vorstellen. Für mich ist Frau

von Ostried die Schönste auf der ganzen Welt gewesen und geblieben.“

Er mußte dies sagen, weil er kein anderes Mittel kannte, um die ihm

zudringlich und lästig werdenden Fragen abzuwehren. Der Schloßherr

begriff. Es war alles durchaus verständlich. Der leichtsinnige

Schloßherr, der sich nicht um die Seinen bekümmert hatte, auf der einen

Seite. Dieser biedere, brave Mann, der gewiß nur seine Augen und Ohren

für die kränkelnde, vom eigenen Gatten vernachlässigte Frau bereit

gehalten, auf der andern! Dazu diese strenge Abgeschlossenheit von Welt

und Leben.

Unangenehm blieb einzig, daß die Schönheit auf dem Pastellbild

den alten Namen trug wie er und der Kummersbacher, das Mitglied

des Herrenhauses auf Lebenszeit, und die Vettern Exzellenz, der

Generalleutnant und der Wirkliche Geheime Rat, sowie die andern

der Familie. Schließlich hätte man sich auch damit im Lauf der

Jahre abgefunden, wenn dies verblüffend reizende Gesicht neben der

großäugigen Frau, das irgendwo in Berlin herumlief, nicht immer noch

weiter zur Familie gehörte. Die Tatsache, daß Eva bei dem Einladen zum

Familientag unmöglich übergangen werden durfte, bewies es deutlich. Ein

Gesicht wie dieses, selbst wenn es den kindlichen Zauber eingebüßt,

machte es der Trägerin doppelt und dreifach schwer, ohne Aufsehen durch

die Welt zu kommen.

„Wann haben Sie Eva von Ostried zum letzten mal gesehen, Herr Amtsrat,“

forschte er aus diesen Gedanken heraus.

Der alte Wullenweber fuhr erschrocken zusammen. So tief hatte er sich

mit der heraufbeschworenen Vergangenheit beschäftigt.

„Bei ihres Vaters Begräbnis ist es gewesen. Hätte ich gefehlt, wäre sie

ganz allein neben dem Seelsorger hinter dem Sarg, hergeschritten. Denn

die Tagelöhner blieben aus Bescheidenheit eine halbe Meile zurück. Und

von den Nachbarn oder seiner Familie war niemand dabei.“

„Die Anzeigen von seinem Tod müssen sich verspätet haben. Vielleicht

sind überhaupt keine verschickt. Ich jedenfalls erhielt die Nachricht

erst durch meine Berufung zu seinem Nachfolger.“

„Also doch rechtzeitig,“ meinte der Amtsrat bitter und sah nach der

Uhr, die mit behaglichem Pendelschlag die kleine Pause belebte.

„Ich habe nur einer Leidenschaft im Leben bisher nachgegeben,“ begann

er von neuem und diesmal leiser und weicher wie zuvor. „Ich verriet sie

Ihnen bereits. Schon in frühster Jugend war die Vorliebe für alte,

wirklich schöne Sachen so groß, daß ich mir jedes Vergnügen versagte,

um mich endlich in den Besitz eines ersehnten Gegenstandes zu bringen.“

„Verrückt,“ mußte der alte Wullenweber denken, aber es söhnte ihn etwas

mit diesem scheinbar kalten, wesenlosen Menschen aus.

„Vielleicht sprechen Sie persönlich mit Ihrer Base, wenn Sie zu dem

hochwichtigen Familientage in Berlin sind,“ schlug er vor.

„Vorläufig geht es mir um dies Stück.“ Und er fuhr, wie liebkosend,

über das edle, alte Holz.

Ehe noch der Amtsrat die scharfe Erwiderung, die ihm dies taktlose

Festhalten auf die Lippen zwang, aussprechen konnte, fuhr er fort:

„Ich würde Ihnen sehr gern durch einen Berliner Sachverständigen das

Pastellbild entfernen und in einen durchaus würdigen Rahmen bringen

lassen. Derselbe könnte mir auch den Ersatz für das Mosaikrund

besorgen. Ihnen ginge nach Ihren eigenen Worten durch die Hingabe des

alten Stückes selbst nicht allzu viel verloren. Mir aber täten Sie

einen großen Gefallen. Wollen Sie nicht wenigstens die Güte haben, sich

meinen Vorschlag zu überlegen?“

„Eine Gegenfrage,“ sagte der Amtsrat und seine Stimme klang stahlhart.

„Was würden Sie sagen, läge die Geschichte umgekehrt? Sie wollten aus

einem für Sie wichtigen Grunde nicht und der andere -- nun -- der hörte

eben nicht auf zu drängen. Sie würden mich aufrichtig verbinden, wenn

ich das wissen dürfte, Herr von Ostried!“

Mit einem Schlage verwandelte sich das Gesicht des Majoratsherrn

wiederum in das unbeweglich hochmütige. Das Monokle hüpfte mit feinem

Klingen gegen einen Kopf des tadellos sitzenden Besuchsrockes. Die

blassen, kühlen Augen schauten von neuem wie aus einer Maske. Er nahm

die Hacken zusammen und verneigte sich leicht.

„Verzeihung, wenn ich aufdringlich erschienen bin. Sie haben natürlich

recht. Ich würde mir das ebenfalls verbeten haben. Nun, mein Agent in

Berlin wird ja wohl ein ähnliches Stück auftreiben können.“

Er reichte dem Amtsrat die Hand hin.

„Ich habe Sie ungebührlich lange aufgehalten, Herr Amtsrat!“

Seine Bewegungen waren wieder gemessen und herablassend. Eine jede

schien das aufrichtige Bedauern auszudrücken, daß er sich mit dem

ungefälligen Nachbar überhaupt eingelassen hatte.

-- Der Abschied war schließlich fast hastig.

Wenn es einmal und zwar schüchtern gegen die Küchentür stieß, dann war

es Filax, der alte Stubenhund, den ein beständiger Hunger plagte. Wenn

es zweimal und zwar mit einem donnerähnlichen Geräusch dagegen krachte,

war es der Major a. D. Wullenweber, der die alte Klidderten anschnauzen

wollte.

Auguste, die fahrige blutjunge Deern, duckte sich jedesmal bei

Beginn des Polterns ängstlich zusammen. Die Mamsell jedoch öffnete

unerschrocken, wenn auch voller Behutsamkeit, damit der Draußenstehende

nicht etwa von einem heftigen Anprall umgeworfen würde und sagte

freundlich:

„Ja, Herr Major, heute wird’s zehn Minuten später mit den frischen

Kartoffeln. Der Waldesruher Herr war bei uns.“

„Wenn Sie „frische Kartoffeln“ sagen, klingt das noch großartiger als

wenn seiner Zeit der Oberkellner in Esplanade meinetwegen „frische

Austern“ lispelte,“ höhnte er poltrig und unzufrieden.

„Ich kenne bloß Dabersche und denn magnum bonum und die kleine blaue

frühe, denn von der weißen halt’ ich nichts. Austern bauen wir hier gar

nich.“

„Sie sind ein Kamel, Klidderten.“

„Denn müßt ich ja wohl in die Wüste, Herr Major. So ist mir das von

meiner Jugend her erinnerlich. Und denn kriegten Sie alle überhaupt

nichts warmes auf den Tisch.“

„Nun schweigen Sie endlich still. Wenn man schon nichts zu essen

bekommt, muß man wenigstens einen ordentlichen Tropfen trinken.

Nehmen Sie mal Vernunft an, Fräulein Kliddert. Eine einzige Flasche,

Mamsellchen. Na los.“ Sie kam ein wenig näher. Aber doch nicht

mehr, wie auf fünf Schritt Distanz. Dann ließ sie die angeborene

Bescheidenheit halt machen.

„Begucken Sie sich bloß mal im Spiegel, Herr Major. Ist das nicht eine

wahre Freude mit Ihnen? Sehen Sie vielleicht aus wie einer, der in

die Sechzig will? Wirklich nicht. Von der dummen Krankheit, als Sie

gerade angekommen waren, ist keine Spur mehr zu merken. „Klidderten,“

hat neulich der Waldesruher Gärtner zu mir gesagt, denn er kommt jeden

Donnerstag aus alter Gewohnheit auf einen Schwatz in die Küche. „Was

ist das für ein Kavalier mit dem feinen Spitzbart --“

„Hören Sie schon damit auf,“ murrte der Major, aber in seiner Eitelkeit

freute er sich kindisch darüber.

Die alte Klidderten schielte nach der andern Seite des Hauses hin, von

welcher ihr der Amtsrat zu Hilfe kommen sollte, denn die Blauschimmel

waren schon angetrabt. Dann war für diesmal wieder alles ausgestanden.

Vor dem Bruder schwieg der Herr Major davon!

Aber der Hohenklitziger Herr stand versonnen und sah dem davonrollenden

Gefährt mit gefurchter Stirn nach.

Die Gedanken schossen ihm wild durch den Kopf.

„Wenn der das Mädel in Berlin kennen lernen sollte und sie gefällt

ihm und er kriegt doch vielleicht nicht von seinem Agenten den

ähnlichen alten Schreibtisch und er denkt dann so nebenbei dran, daß es

vielleicht hübscher und angenehmer wäre, der jetzige Anwärter erbte das

Majorat nicht, sondern sein eigenes Fleisch und Blut und sie sagt „ja“,

denn wie sollte ein armes Ding wohl den Mut zu einem „nein“ finden.“

Aergerlich wandte er sich herum. Was ging ihn dies alles an? Hatte er

sich die letzten Jahre überhaupt um das Mädel -- die Eva -- gekümmert?

Trotzdem sie die Tochter der geliebten Frau war. Dumme Ausrede, daß

er an die Erbschaft durch die Präsidentin und ihr gutes Auskommen

felsenfest geglaubt hatte.

Ein Mann in seinen Jahren glaubt nur das, wovon er sich auch überzeugt

halten darf. Erst der Junge, der Walter, mußte sie ausfindig machen,

ehe er an sie dachte.

Gedankenlos war er weiter gegangen und stand nun vor der alten

Klidderten, die ihm heftig zublinkte. Diese Sprache begriff er

ausgezeichnet. Seitdem sich sein Bruder damals nach dem glücklich

überstandenen Schlaganfall zum Hierbleiben entschlossen hatte, stand

sie ihm auch hierin getreulich zur Seite. Es kamen immer wieder Tage,

in denen der Major ein unbändiges Verlangen nach den Dingen trug,

durch die er sich bis jetzt seine Vergnügungen verschaffte. In dieser

Abgeschlossenheit wäre ihm höchstens ein guter, alter Tropfen aus dem

Keller mit der lebensgefährlichen Treppe erreichbar gewesen. Er selbst

war aber nicht imstande, die schwindelnde Stiege hinabzuklimmen und die

alte blödsinnige Gans, wie er sie soeben bei sich nannte, tat ihm nicht

den heimlichen Gefallen.

Da sprach ihn der Amtsrat an: „Du hattest heute früh einen Brief von

Walter, nicht wahr?“

Der Major brummte eine Erwiderung die unverständlich blieb.

„Sonderbar,“ wunderte sich der Amtsrat, „weil er doch gerade erst

gestern an mich geschrieben hatte.“

„Wieso sonderbar? Kann er nicht auch mal ausnahmsweise was mit seinem

Vater zu bereden haben?“

„Natürlich. Er betonte aber gerade zu mir, wie knapp seine Zeit

geworden sei.“

„Wenn dich die Neugier sticht, kannst du den Brief nachher lesen.“

„Du weißt genau, daß es etwas anderes ist!“

„Meinetwegen. Du hör’ mal,“ und er zog den Amtsrat bei Seite wie ein

Kind, das etwas Heimliches zu sagen hat, vor dem es sich im Grunde

genommen, ein wenig schämt, „befiehl doch mal deiner verehrten

Scharteke da, daß sie uns eine von dem herben Ungar raufholt. Frage

nichts. Gib auch keine Lehren. Tu mir mal ausnahmsweise den kleinen

Gefallen.“

Der Amtsrat hatte eine heftige Ablehnung bereit. Als er aber das alte,

bittende Gesicht sah, überkam ihn eine eigentümliche Weichheit.

Schließlich war es keine Kleinigkeit, daß der Bruder Leichtfuß seinen

tiefgewurzelten Widerwillen gegen die ländliche Stille überwunden und

-- seinem Ehrenwort getreu -- ohne neue Schulden zu machen, bei ihm

ausharrte. Er tuschelte mit der Klidderten.

„Schön, holen Sie eine rauf. Wir haben ja ohnehin noch fünfzig von der

Sorte.“

„Aber, ihn bloß nichts davon merken lassen, Herr Amtsrat.“

„Wenn Sie sich nicht verplappern, Klidderten.“

„Wo werd’ ich denn. Ich bleibe dabei, daß es im Ganzen überhaupt bloß

noch zwei waren. Eine wurde ausgetrunken, als Herr Walter das letzte

mal bei uns war. Nu is denn keine einzige mehr da. Bloß noch der

Säuerling, den ich für’s Wildragut gebrauche.“

Mit verständnisvollem Lächeln verschwand sie hinter der schweren

Küchentür. -- Der Amtsrat trank kaum ein halbes Glas von dem

goldklaren, alten, schweren Sorgenbrecher. Daß er ihm Bescheid

tun sollte, verlangte der Major auch gar nicht. Er selbst sog mit

geschlossenen Augen in kleinen, schmatzenden Zügen.

In der Mitte des Tisches dampften die frischen Kartoffeln mit einer

reichlichen Beigabe grüner Petersilie. Neben jedem der beiden Gedecke

duftete eine kräftige Scheibe Bratspeck. Dazu stand -- wie gewöhnlich

-- ein Topf mit köstlicher Buttermilch bereit. Der alte Offizier wurde

wieder jung, leichtsinnig und prahlerisch.

„Als ich bei den Kürassieren in Dernburg stand, kriegte ich von zarter

Hand ganze Körbe voll Champus. Bedankt habe ich mich nie. Bei wem denn?

Man ahnte natürlich. Das Nest war ja klein. Aber die Eifersucht unter

der edlen Weiblichkeit war zu groß geworden. So war’s schlauer, ich

stellte mich unwissend.“

Der junge Kürassierleutnant hatte sich dann in die Infanterie stecken

lassen müssen. Wegen Schulden natürlich.

„Zuerst dachte ich mir das gräßlich. Hatte Selbstmordgedanken.

Schließlich machte sich’s ganz nett. Mädelchen waren da noch viel

aufmerksamer und verliebter.“

Als Hauptmann der Infanterie kam er auf der Treibjagd zu dem, was er

sein Unglück nannte.

„Alles vorbei. Es war zum Rasendwerden. Man war niemand mehr.“ Seine

Ehe hatte er vergessen. Sie war ja auch nur kurz gewesen. -- In der

Flasche schimmerte der Boden mit dem Rest des Goldenen. --

„Doch -- die Kinder! Vater spielen will gelernt sein. Mir lag’s nicht.

Der Junge war mir zuweilen direkt peinlich mit seiner unbequemen Art zu

gucken und Fragen zu stellen. Aber -- das Mädchen.“

Der letzte Tropfen hing schwer an seinem grauen Bart, den der

Haarkünstler nun nicht mehr ausbesserte. Ihn stieß das Elend.

„Daß du’s weißt, ich bleibe nicht länger hier. Morgen früh geht’s

weg. Kannst du mir das verdenken? Zwei reichliche Jahre immer bloß

Buttermilch und die Faltenschnute von deiner Klidderten. Daß man das

überhaupt geschafft hat. Nie raus aus der Bude. Immer hinter den

Rechenbüchern und dabei noch das Gefühl, als mache der erste beste

Quartaner die Geschichte besser. -- Jetzt geht in Berlin nach dem

toten Sommer das Leben wieder los. Auf der Tauentzienstraße, weißt du!

Mädelchen gibt’s da. Einfach süß. Wenn ich im Wagen oder wo am Fenster

sitze, mache ich immer noch eine gute Figur. Und die kleine Weinstube

beim Anstermeier. Piekfein. Und anständig. Niemals mahnen die. Bloß

einmal im Jahre, wenn’s einem natürlich am wenigsten paßt, erinnern sie

bescheiden. -- Uebermorgen kann ich schon drin sitzen. Gleich nachher

will ich dem Jungen telegraphieren. Du läßt’s zur Post besorgen. Das

werd’ ich ja wohl noch verlangen können.“

Der Amtsrat hatte zugehört, ohne einmal den Schwall der Worte zu hemmen.

„Du wolltest mir Walter’s Brief geben,“ sagte er nur, als der Major

endlich verstummt war.

„Den Brief? Richtig. Hier ist er!“

„Ich werde ihn dir noch einmal vorlesen.“

„Nicht nötig. Habe mich bereits selbst genügend von seinem Inhalt

unterrichtet.“

Der Amtsrat bedachte den Einwand nicht. Er wußte, daß die Erinnerung an

das gegebene Wort auftauchen und zurückreißen würde. Halblaut begann er:

„Lieber Vater! Soeben habe ich die letzte Rate deiner Schulden

getilgt. Es ließ sich also, wider Erwarten, schnell erledigen.

Justizrat Weißgerber zahlte mir, als auch in letzter Instanz der

Millionenprozeß, von dem ich das letzte mal erzählte, zu unsern

Gunsten entschieden wurde, zwei Drittel des in diesem Falle von

unserem Klienten versprochenen Extrahonorars aus, weil ich die

ganze Mühe damit gehabt.

Freilich bin ich zur Zeit selbst völlig blank. Ich habe mein halbes

Vierteljahrsgehalt noch dazu gelegt, um endlich frei zu sein. Nun

mache ich dir einen Vorschlag. Willst Du durchaus wieder nach

Berlin, sollst Du wissen, das Du mir willkommen bist. Es kann jetzt

in jeder Beziehung besser, wie früher, für Dich gesorgt werden. Nur

mußt Du mit Deiner Reise bis zum nächsten Quartal warten, damit ich

Dir genügend Geld schicken kann. Hast Du noch selbst von Deiner

Pension zur Verfügung, teile mir das mit. In diesem Falle stände

Deiner früheren Rückkehr, wenn sie Dir wünschenswert erscheinen

sollte, nichts mehr im Wege.

Der Uebel grösstes ... · 第 15 / 25 题