„Ja, Ihre Frau Mutter ist heute mittag gegen zwei Uhr sanft
eingeschlafen. Wenn es Ihnen ein Trost ist, mit Ihrem Namen auf den
Lippen. Vorne an der Freitreppe erklang die Glocke, und da richtete sie
sich freudig auf: Horch, Brigitte, die Nachricht. Er hat’s bestanden,
der Heino ...“
„Ah, pfui Teufel über mich!“
Der lange Heino griff in die leere Luft, schwankte einen Augenblick
und stürzte wie ein gefällter Baumstamm zu Boden. Eine Weile lag er
regungslos, dann schrie er auf und stoßweises Schluchzen erschütterte
seinen mächtigen Körper. „Ich Lump, ich Vieh, und speit mich an, alle,
die Ihr herumsteht, ich habe meine Mutter gemordet. Wie ein brünstiges
Tier rannte ich hinter meiner Leidenschaft her, ihr aber brach langsam
das Herz ...“
Wie von Sinnen gebärdete er sich, riß die Haare und krallte die Nägel
in den Teppich. Peter Brenitz aber kniete ratlos daneben, streichelte
ihm den Kopf und sprach allerhand Worte, von denen er annahm, daß sie
dem andern ein Trost sein könnten. Er trocknete ihm die Augen, wischte
ihm den Schaum vom Munde, tröstete und barmte, bis er den Verzweifelten
allmählich vom Boden in einen Stuhl brachte. Dann aber rüttelte er ihn
an der Schulter.
„Jetzt nehmen Sie sich zusammen, Heino, in anderthalb Stunden geht Ihr
Zug. Ihre Schwester steht ganz allein da und hat außer Ihnen keine
Hilfe!“