Und heute --

Im Frühjahr schon war ein Huschen und Raunen, ein Bücken und Tragen und

Graben und Pflanzen gewesen.

Und nun stand alles in maiensüßer Schöne erschlossen, was Hände und

Wünsche, Freude und Erwarten in die Erde gelegt und in die Sonne gebreitet

hatten.

Über dem Garten lag ein Schleier von Glück.

Im Rasen glühte es von heißen Farben. Weite Beete lagen wie kostbar

gestickte Kissen im grüngoldenen Sammetteppich. Lange Reihen flatternder

Frührosen standen wie helle Linien gegen die dunklen moosbewachsenen

Mauern. Die Zweige der Bäume waren verschnitten, daß auch ihr Düster

einen helleren Ton fand. Auf den Wegen glänzte feiner, weicher Kies in

spritzenden Goldflimmern auf.

Im Weiher gurrte ein klares lachendes Wässerlein, und silberflossige

Fische blinkten auf. Der schlafende Triton war erwacht und hielt ein neues

Muschelhorn an seinen alten Mund und hatte wieder so viel Atem in seinem

alten Herzen, daß er einen lustigen Wasserstrahl zur Höhe blies, der mit

schelmischem Kichern zu den lustigen Silberfischlein hinunter sprang.

Das Haus stand plötzlich nicht mehr wie ein Blinder da, es hatte neue

grüne Augen bekommen, zwischen denen ein weißes, zartes Spitzengeriesel

hervorleuchtete, und das neue, helle Gewand, das es trug, zog Sonne und

Licht zu sich heran, daß der ganze Garten ein Jubeln und Lachen und Freuen

war.

Der alte Gärtner trug schwer an blühendem Gezweig und verschwand damit im

Hause, ein seltsames Lächeln lag auf seinem Gesicht, er war um Jahre jünger

geworden.

Die Magd hantierte im grünen Nutzwinkel, kam mit einer Handvoll Kräuter

herbei, strich sich über die blendend weiße Schürze und blickte fröhlich in

all den bunten, blühenden Blust hinein. --

Und auf der fernen Landstraße zog in frohlockender Sieghaftigkeit die

blühende Jugend heran, die diesem Garten ein neues Gesicht gegeben und alle

Möglichkeiten seiner Schönheit geweckt hatte. --

Der Wagen hält vor dem Tor.

Der ernste Mann steigt leicht und behende heraus. Das blühende Weib ihm zur

Seite ergreift seinen Arm und eng zu einander gewendet, treten sie in den

Garten.

-- Dein Reich -- sagt der Mann.

-- Der junge Garten, wie er lacht und leuchtet -- ruft die junge Frau.

-- Für dich ist er jung geworden, -- alles hier ist jung geworden für

dich. --

Und die junge Frau schaut mit Augen, die warm strahlen von jenem seligen

Glück, das aus den tiefsten Brunnen des Lebens strömt -- schaut mit diesen

seligen Augen zum Garten hin und nimmt ihn in Besitz, und sie wird ihn sehr

lieben.

Und er wird fortan jung bleiben, wie die beiden es sind.

Jung aus der Jugend, die aus der Liebe blüht.

Von den Gärten der Erde: Ein Buch der tiefen Stille · 第 11 / 111 题