Der Garten der jungen Frau

All die Jahre her lag er ernst und schweigsam durch Sommer und Herbst im

grünen Licht seiner hohen Bäume und weiter Rasenflächen. Nur die Nuancen

seines Grüns brachten etwas Abwechslung in die feierliche Stille umher.

Das Haus mit seinem altersdunklen Anstrich, mit den dunkelgrünen

altmodischen Fensterläden, die oft monatelang fest verschlossen blieben,

stand wie ein Blinder mitten im grünen Meere dieses ernsten Gartens. Eine

schwerfällige Mauer, von grüngrauen Moosen umflochten schloß ihn zur Straße

hin ab, kein neugieriger Blick, kein fröhliches Lachen der Vorübergehenden

brachte Schall und Laune in diese webende Einsamkeit.

Ein alter Gärtner schor den Rasen, daß er leuchtend und üppig im

Sonnenschein prangte und seine goldgrüne Herrlichkeit wie ein sammtener

Teppich den hochragenden Bäumen zu Füßen lag. Dunkle Cypressen standen wie

eine Wand gegen das Licht, ohne es anzunehmen und weiterzugeben.

Die schweren Zweige der Edeltannen ließen ihr blaugrünes Gehänge in stolzer

Formvollendung um sich kreisen. Buchen und Ahorn gaben den stillen Wegen

ein wenig Spiel mit ihren beweglichen Schattenwellen.

Im Hintergrunde leuchtete der silberweiße Stamm einer Birke und

brachte eine geheimnisvolle Helle in die grüne Dunkelheit umher. In

der Blumenschale vor dem Hause stand das Wasser trübe grün und moorig

überwachsen, der alte Triton hatte ein zerbrochenes Muschelhorn am

Munde und war vor Langweile eingeschlafen und mit ihm der plätschernde

Wasserstrahl, der ihm einst zu froheren Zeiten aus der Muschel in die

Sommerluft gesprungen war.

Sonst war alles still ringsum, wie im Ernst erstarrt. Keine Blume blühte,

kein Unkraut wagte sich hervor.

Kaum, daß ein verlorener Schmetterling sein schwingendes Flügelspiel für

eine kurze Minute über den Rasen trug.

Eine alte Magd hantierte manchmal im fernsten Winkel, wo hundert allerlei

grüne Nützlichkeiten ihre Stätte hatten.

Und zuweilen sah man am Fenster einen Mann, der für Augenblicke in diese

tiefe Stille hineinschaute mit Blicken, die aus weiten Fernen kamen und wie

suchend über die Wirklichkeit umher hintasteten und da nichts Lockendes und

Haltendes ihnen aus dieser starren Einsamkeit entgegenkam, gingen sie müde

zur Ferne zurück, aus der sie kamen.

Und immer öfter blieben die Augen des Hauses verschlossen, daß es wie ein

Blinder mitten in der ernsten Schweigsamkeit des Gartens stand.

So war es all die Jahre her gewesen.

Von den Gärten der Erde: Ein Buch der tiefen Stille · 第 10 / 111 题