Gestalt sicher und voll Selbstvertrauen als Dame im Sattel sitzen und ihr
Pferd wirklich reiten und mit leichter Hand lenken zu sehen. Diese Dame hat
keine Veranlassung, an sich und den Eindruck zu denken, den sie auf das
ihr begegnende Publikum macht. Sie weiß, daß sie korrekt sitzt, denn sie
fühlt sich wohl auf ihrem Pferde, mit dem sie wie verwachsen ist. Sie hat
auch Liebe zu ihrem Pferde, dem sie die erfrischende Bewegung in freier
Luft, auch wohl manchen munteren Galopp querfeldein zu verdanken hat, der
das Blut in Wallung bringt und die Nerven stählt. Eine solche wirkliche
Reiterin wird auch die Winterzeit in der Bahn anwenden, sich selbst und ihr
Pferd in der Reiterei zu vervollkommnen oder zu befestigen. Für diese
in ihrer Reitkunst fortschreitende Dame wird bald ein ruhiges, tadellos
gerittenes Damenpferd nicht das genügende Interesse bieten. Sie verlangt
nach einem temperamentvollen, noch nicht ganz durchgerittenen Pferde, um
es selbst zu arbeiten. Sie kauft es am liebsten im Herbst, um es bis zum
Frühjahr für seinen Beruf zu schulen. Dennoch wird der Berater einer so
passionierten und sicheren Reiterin sein besonderes Augenmerk darauf
zu richten haben, daß das zu erstehende Pferd sich im allgemeinen als
Damenpferd eignet.
Wie schon erwähnt, steht obenan die absolute Sicherheit des Ganges. Manche
Pferde sind unsicher aus Ungeschick, obwohl sie gesunde, nicht struppierte
Beine haben. Das Pferd soll temperamentvoll, aber es darf nicht nervös
aufgeregt oder schreckhaft sein. Es darf kräftige Bewegungen haben, aber
sie müssen gleichmäßig und elastisch sein, nicht kurz und übereilt,
oder hart und stoßend. Das Gebäude des Pferdes muß möglichst normal,
der Hals darf nicht zu tief angesetzt, die Verbindung zwischen Hals und
Kopf muß ohne besondere Schwierigkeiten für eine richtige Stellung sein.
Die Hinterhand muß kräftig aber biegsam sein, kurz, das ganze Pferd darf
der Vollendung seiner Dressur voraussichtlich keine, in seinem Gebäude
begründete und deshalb schwer zu überwindende Hindernisse bieten. Sonst
würden der Reiterin statt der erhofften Freude an seiner erfolgreichen
Dressur nur Enttäuschungen bevorstehen.
Sonach bedarf die Auswahl eines Damenpferdes, auch für eine gute Reiterin,
doch immer noch größerer Vorsicht und Sorgfalt als der Ankauf eines
anderen Reitpferdes, zumal auch auf ein gefälliges edles Äußere hier
ganz besonderer Wert zu legen ist.
Sind hiermit einige der beachtenswertesten Anforderungen für das
Damenpferd skizziert, so ist doch notwendig, noch etwas _intimer auf
einige Punkte aufmerksam zu machen_, welche mit dem Sitz der Dame und der
Sattellage zusammenhängen.
Es wurde bereits darauf hingewiesen, daß das Damenpferd infolge des
Seitsitzes der Dame bezw. der mehr oder weniger praktischen Form des
Sattels leicht gedrückt werden könne, und daß diese Satteldrücke,
besonders am Widerrist, das Pferd nicht nur zeitweise unbrauchbar machen,
sondern demselben unter Umständen auch geradezu gefährlich werden
können. Es muß also alles geschehen, um dergleichen Satteldrücke zu
vermeiden, und in bezug darauf seien einige Gesichtspunkte angeführt,
welche bei der Wahl des Damenpferdes ebenfalls Beachtung zu finden haben.
Wenn schon die beste Reiterin es nicht wagen darf, jedes beliebige Pferd
zu reiten, weil zu verschiedene Umstände dabei mitsprechen, die bei
der Herrenreiterei nicht so schwer ins Gewicht fallen, so wird bei der
angehenden Reiterin die Auswahl des Pferdes immer schwieriger. Obgleich der
Damensattel einen sehr festen Sitz gestattet, so wird sich doch selbst die
beste Reiterin immer ein wenig nach vorn beugen und verfügt daher nicht
über die gleiche Bewegungsfähigkeit wie der Reiter.
Ein Pferd mit kurzem Hals und schlechter Sattellage -- d. h. wenn
der Sattel zu sehr nach vorn liegt oder rutscht -- ist für eine Dame
ungeeignet. Ein Damenpferd muß schräge, lang abfallende Schultern,
also eine gute Vorhand haben, und sich gut bezäumen. Ein Mann kann einen
Sterngucker reiten, eine Dame kommt fast ausnahmslos früher oder später
damit zu Schaden. Da die Damen sehr hoch im Sattel sitzen, können sie die
Arme nicht in rechten Winkel gegen den Widerrist bringen wie die Herren.
Pferde mit sehr hohem, magerem Widerrist werden unfehlbar vom Sattel
durchgedrückt. Manche Pferde drücken sich im Damensattel durch, soviel
Mühe man sich auch geben mag, während sie im Herrensattel ohne jede
Verletzung gehen. Ein _überbautes_ Pferd, bei welchem also die Kruppe
höher liegt als der Widerrist, taugt ebenfalls nicht für die Dame, weil
der Sattel nach vorn rutscht -- eine Eigenschaft, die an und für sich
sehr schwer abgestellt werden kann, da das Gewicht der Reiterin mehr oder
weniger -- je nach der Reitkunst der Dame -- mehr nach jener Seite hin
neigt, an welcher sich die Beine befinden. Wie gesagt, ein Gegenmittel
dagegen gibt es nicht, denn der Herr hält -- korrekten Sitz vorausgesetzt
-- den Sattel durch den Kniedruck einigermaßen im Gleichgewicht. Man kann
sich auch davon überzeugen, daß ein lose gegurteter Damensattel sogar
bis zum Bauche herumrutscht, während ein Herrensattel immer nur etwas
seitwärts gleitet. Bei einem Damensattel liegt der Baum nicht so dicht
auf dem Rücken wie beim Herrensattel. Dazu steht der Sattelknopf beim
Damensattel höher, und wenn die Dame mit dem rechten Knie über dem Horn
sitzt, befindet sie sich eben viel höher über dem Rücken des Pferdes wie
beim Herrensattel. Es ist daher nötig, daß das Damenpferd einen breiten
Rücken hat, denn auf einem flach gerippten Pferde wird der Sattel hin- und
herrutschen. Der Rücken des Damenpferdes muß aber auch lang sein, weil
es der Hörner wegen wünschenswert ist, den Baum recht lang zu haben. Ein
kurzer Sattel wird der Reiterin zur Qual, und ein langer Baum erfordert
einen langen Pferderücken. Näheres über den Sattel siehe in dem
betreffenden Kapitel.
Wenn man alle diese Gesichtspunkte bei der Wahl eines Damenpferdes
berücksichtigen will, so wird man die Erfahrung machen, daß das geeignete
Pferd nicht in jedem Stalle zu finden ist, und daß der Auftrag, ein
Damenpferd zu besorgen, zwar sehr ehrenvoll, aber recht verantwortungsreich
sein dürfte.
III. Abschnitt.
Vom Reitajustement des Damenpferdes.
1. Von der technischen Wirkung der Zäumung.
Ich würde es bedauern, wenn eine Dame, welche es mit der Reiterei ernst
nimmt, dieses Kapitel überschlagen würde. Wie ein Pferd unter dem Sattel
geht, ob es leicht an der Hand steht, ob es unartig ist, ob es sich auf die
Zügel lehnt oder gar Neigung zum Durchgehen zeigt, hängt vielfach auch
von richtiger oder falscher Zäumung ab. Und eine wirkliche Reiterin sollte
sich in dieser Beziehung, d. h. ob ihr Pferd richtig gezäumt ist, nicht
von dem Urteil anderer abhängig machen, sondern selbst in der Lage sein,
das beurteilen zu können.
Ich will versuchen, mich bei den dafür notwendigen Erklärungen möglichst
kurz zu fassen, um die Leserin nicht zu ermüden.
Die _Trense_ ist das einfachste, aus zwei Ballenstücken, die beweglich
miteinander verbunden sind, und den beiden zur Aufnahme der Ballenstücke
und der Zügel dienenden _Trensenringen_ bestehende Gebiß. Die Trense
wirkt _direkt_ auf die Laden des Pferdes, während die Kandare indirekt,
d. h. hebelartig auf dieselben wirkt. Die einfache Trense dient zur
Dressur des Pferdes und wird von der Dame nur als _Unterlegetrense_
zusammen mit der Kandare angewendet. Im allgemeinen wird die
Unterlegetrense von der Dame nur gebraucht, um das Maul des Pferdes
aufzufrischen, wenn es lange und fest am Kandarenzügel gestanden hat.
[Illustration:
Fig. 7.
Fig. 8.
Kandare von vorn und von der Seite gesehen.]
Zum Verständnis der technischen Ausdrücke in dem nachstehenden Abschnitt
gebe ich, bevor ich fortfahre, die Zeichnung einer Kandare mit ihren
Benennungen, von vorn und von der Seite gesehen (Fig. 7 und 8).
a) Die Oberbäume }
} zusammen die Stangen oder Scheren genannt.
b) Die Unterbäume }
c) Das Mundstück.
d) Die Ballen.
e) Der Galgen.
f) Das Stuhlloch oder Auge (für das Kopfgestell).
g) Die Zügelringe.
h) Die Zungenfreiheit.
Wir gehen von dem Hauptgrundsatz aus, daß ein Pferd, je weniger es im
Maule belästigt wird, um so angenehmer geht, und daß ein großer Teil
seiner Fehler und Unarten, sei es unter dem Reiter oder der Reiterin, aus
der Anwendung einer falschen Zäumung entsteht, und aus diesem Grunde ist
besonders für Anfänger die Anwendung einer _leichten, relativ schmerzfrei
wirkenden Zäumung_ nur zu empfehlen.
Man spricht von _weichem_ und von _hartem_ Maul, es bedarf dies der
Erklärung. Das eine oder das andere hängt vormalerst von der
führenden Hand ab, indem in weicher Hand von vornherein fast jedes Pferd
weichmäulig, wenn auch in fester Hand nicht jedes Pferd hartmäulig sein
wird. Des ferneren ist ein weiches oder ein hartes Maul vom Bau der Zunge
und der Laden abhängig. Wenn ein Pferd eine dünne Zunge und sehr
scharfe, mit wenig Fleisch bedeckte Laden hat, so wird jeder Druck darauf
naturgemäß schärfer wirken, als bei einem Pferde, bei dem eine dickere
Zunge den Druck des Zügelanzugs teilweise auffängt und dessen Laden
außerdem stumpfer, flacher oder mit mehr Fleisch bedeckt sind oder dessen
Lefzen in das Maul hineinragen und die Laden mit bedecken helfen. In die
Praxis übertragen, wäre also jedes Pferd, welches geringster Zügelhilfe
willig nachgibt, _weichmäulig_, jedes andere, bei dem man mehr
Kraftaufwand braucht, _hartmäulig_, -- ein Umstand, zu welchem auch die
Dressur, welche das Pferd empfangen hat, sowie sein mehr oder weniger
fehlerhafter Bau wesentlich mit beitragen.
Die Faktoren, welche bei Beschaffung der Zäumung für ein Pferd zur
Sprache kommen, sind demnach:
1. die Hand der Reiterin,
2. der Bau des Pferdemaules bezw. seine Sensibilität,
3. der Bau und die Dressur des Pferdes.
Von dem Bau des Pferdemaules kann man sich leicht überzeugen, wenn man dem
Pferde das Maul öffnen läßt, die Zunge betrachtet und den Bau der Laden
befühlt. Ist die Dame nicht sicher genug, um diese Untersuchung selbst
vorzunehmen, so frage sie ihren Instruktor.
Auch pflegen Pferde, welche entweder mit schwacher Hinterhand behaftet
sind oder nicht im Gleichgewicht stehen, ihr Gewicht auf die Vorderhand
zu verlegen und gleichsam ihren Stützpunkt auf das Gebiß bezw. die
Zügelfaust zu nehmen. Daß derartige Pferde hartmäulig erscheinen, liegt
auf der Hand.
_Was versteht man nun unter scharfer und leichter Zäumung?_ Die leichteste
Zäumung stellt, wie schon angeführt, die Trense dar, weil die Wirkung
des Zügels ohne Hilfe eines Hebels direkt auf die Lade geht; da die Trense
aber für den Gebrauch der Dame nicht handlich genug ist, weil sie sich mit
der linken Hand allein nur unbequem führen läßt, so bedient man sich der
Kandare, welche einen beizäumend wirkenden, einarmigen Hebel darstellt.
Ein richtig im Halse gestelltes und gezäumtes Pferd pariert auf die Hilfe
des Reiters demnach in beigezäumter Stellung, d. h. mit aufgerichtetem
Halse, die Stirn annähernd senkrecht zu Boden.
[Illustration:
Fig. 9.
Zur Kandarenwirkung.]
Die Kandare hat nachstehend beschriebene mechanische Wirkung (Fig. 9): Den
Ruhepunkt des Hebels bildet das Auge (b), welcher durch die Kinnkette (d b)
fixiert wird, weshalb man die letztere den Fixator der Kandare nennt.
Das Mundstück (a) ist der Druckpunkt, der die Last anhebt, und in c liegt
die Kraft, welche dorthin durch die Zügel von der Faust des Reiters aus
geleitet wird. Der Oberbaum (a b) ist der kurze, der Unterbaum (a c) der
lange Hebelarm. Der Unterkiefer (f) ist die zu bewegende Last, und in d
liegt der Stützpunkt. Die größere oder geringere Wirkung liegt demnach
in dem Verhältnis des Unterbaumes zum Oberbaum, also in der größeren
oder geringeren Länge des ersteren, soweit nur die Hebelwirkung in
Betracht gezogen werden kann. Eine fernere Verschärfung der Wirkung liegt
nämlich in der Form des Mundstücks und der Kinnkette, weil dieselben
nicht nur Druck- und Stützpunkt bilden, sondern schmerzhaft auf die sehr
empfindungsreichen Teile des Pferdemauls, auf denen sie ruhen, wirken. Wir
werden später noch einmal auf diesen Punkt zurückzukommen haben.
Wenn beide Hebelarme gleich lang gemacht werden, so hat man nur eine
indirekte Trensenwirkung. Wenn man den oberen Hebelarm ganz kurz macht
und den unteren unverhältnismäßig lang, so entsteht ebenfalls ein
Mißverhältnis. Der _obere_ Hebelarm gibt demnach immer das Verhältnis
für die Länge des unteren, welcher ersterer wieder die Höhe des
Unterkiefers haben muß, wenn die Kandare nicht durchfallen soll, und da
dieser gewöhnlich 5 cm hoch ist, so wird die Länge des Oberbaumes --
bis zum Kinnkettenhaken gerechnet -- ebensoviel betragen müssen. Bei
den meisten Kandaren (z. B. bei der Kavallerie) ist das Verhältnis des
Oberbaumes zum Unterbaum 1 : 2, was schon ziemlich scharf wirkt.
[Illustration:
Fig. 10.
Strotzende
Fig. 11.
Durchfallende
Fig. 12.
Richtig liegende Kandare.]
Das _unrichtige Einlegen der Kinnkette_ in bezug auf ihre Länge gibt
Veranlassung zu zwei Hauptfehlern, nämlich dem _Strotzen_ und dem
_Durchfallen_ der Kandare. In ersterem Falle, wo die Kinnkette zu fest
eingelegt ist, bleibt die Kandare beim Zügelanzug parallel mit der
Maulspalte stehen, wodurch ihre Wirkung zu scharf und unvermittelt
das Pferdemaul beeinflußt und daher das Pferd schwer belästigt wird
(Fig. 10). Der Zügelwinkel (b) wird sehr spitz und um so spitzer, je
höher das Pferd die Nase nimmt. Eine ebenfalls falsche Wirkung findet im
anderen Falle statt, wenn die Kandare _durchfällt_ (Fig. 11). Dies tritt
ein, wenn entweder die Kinnkette zu locker eingelegt ist oder der Oberbaum
nicht im richtigen Verhältnis zur Höhe der Laden steht, -- zu kurz ist.
Hierbei geht der Unterbaum beim Zügelanzug so weit zurück, daß der
Zügelwinkel (b) sehr stumpf wird, wodurch die Hebelwirkung ganz verloren
geht, da der Druck des Mundstücks nicht mehr gegen den Unterkiefer,
sondern gegen den Maulwinkel wirkt, infolgedessen das Pferd nur gebremst
und ihm das Kinn einfach abgequetscht wird. _Richtig gezäumt_ ist das
Pferd, wenn beim Zügelanzug die Kandare mit der Maulspalte einen Winkel
von 30 bis 35 Grad bildet, denn nur dadurch wird die Kandare in das rechte
Verhältnis zur Faust gesetzt, daß der entstehende Zügelwinkel (b)
ein rechter Winkel ist, der als Norm für eine korrekte Zäumung dient
(Fig. 12). Beim Nachgeben fällt die Kandare wieder in ihre ursprüngliche
Lage, parallel zur Maulspalte, zurück. Der Hauptfehler der Zäumung
mit der Kinnkette ist der, daß sich Druck- und Stützpunkt des Hebels
_gegenüberliegen_, wodurch sie für das Pferd zu einer Eisenpresse der
stärksten Art wird, welcher es, nicht auf Grund der oben angeführten
mangelhaften Hebelwirkung, sondern infolge des unerträglichen Schmerzes,
der ihm durch das Einklemmen des Kinnes zwischen Mundstück und Kinnkette
bereitet wird, schließlich gehorcht, -- manchmal aber auch nicht.
Es beruht danach der Unterschied zwischen einer scharfen oder leichten
Zäumung:
1. In dem Verhältnis des Oberbaumes zum Unterbaum.
2. In der Konstruktion des Mundstücks.
3. In der Wirkung der länger oder kürzer eingelegten, breiteren oder
schmaleren Kinnkette. Je schmaler diese ist, um so mehr schneidet sie in
die Kinnkettengrube ein, dieselbe wund machend, so daß zu dem Schmerz im
Maul des Pferdes auch noch dieser äußere kommt, der ihm unbeabsichtigt
bereitet wird und den man deshalb mit der »falschen Wirkung der
Kinnkette« bezeichnet. Je kürzer diese liegt, um so direkter wird jeder
Anzug der Zügel auf die Laden wirken. Es ist deshalb anzuraten, eine
breite doppelte Panzerkette zu wählen, solche eventuell auch noch mit
Leder oder Gummi auszupolstern und darauf zu achten, daß dieselbe, _gut
eingedreht_, so locker liegt, daß man bei nicht angezogenen Zügeln drei
Finger hinter dieselbe durchstecken kann, ohne daß dabei der Oberbaum
zurückgezogen wird. -- Ich habe die Kinnkette zuerst besprochen, um ein
für allemal damit fertig zu sein. Mich befriedigt ihre Wirkung nicht, sie
ist und bleibt in der Hand nicht firmer Reiter oder Reiterinnen, besonders
solcher, welche sich am Zügel festhalten wollen, ein Marterinstrument.
Die _Form des Unterbaums_ ist ganz gleichgültig in bezug auf die Wirkung,
sei derselbe nun gerade, nach vorwärts oder rückwärts gebogen, sobald
der Endpunkt, also der Zügelring, wieder in die Richtung des Oberbaums, in
die Perpendikularlinie fällt.
Ein Richten des Unterbaums vor oder hinter die Perpendikularlinie würde
nur bei gewissen Halsbildungen die Dressur unterstützen können, doch
würde es zu weit führen, dies hier ausführlich zu erörtern.
[Illustration:
Fig. 13. Richtig auf dem Unterkiefer ruhende Kandare.
Fig. 14. Unterkiefer-Durchschnitt mit Kandare.]
Wir kommen damit zur Besprechung der _Konstruktion des Mundstücks_. Unter
Zugrundelegung meines Grundsatzes, daß die Laden des Pferdes bei
nicht ganz tadelloser Zügelführung möglichst vor unmotivierter
Schmerzerzeugung zu schützen sind, bildet die Zunge selbst ein Mittel,
dieselben vor zu heftigem Druck der Kandare zu schützen. Fleischig,
knochenlos, nicht zu empfindlich, ruht die Zunge in dem durch die Laden
gebildeten Zungenkanal, denselben zu beiden Seiten überragend, und kann
sich infolge ihrer Beweglichkeit beim Nachlassen der Zügel leicht von
der Impression des Gebisses und der teilweise gehemmten Blutzirkulation
erholen; sie bildet somit gleichsam ein Polster für die Laden gegen den
Druck des Mundstücks. Man kann sich die Verschiedenheit der Wirkung auf
Laden oder Zunge leicht dadurch zur Anschauung bringen, daß man sich
z. B. mit einem Stock fest auf den Oberschenkel und dann auf das
Schienbein drückt. Die Knochen, die den Unterkiefer bilden, haben eine
ebenso scharfe obere Kante, wie das Schienbein, weshalb sich die Reiterin
den Schmerz des Pferdes daselbst bei starkem Zügelanzug einigermaßen
vergegenwärtigen kann. Das erste Erfordernis für das Mundstück wäre
demnach der Fortfall der Zungenfreiheit. In diese soll sich der Theorie
nach beim Zügelanzug die Zunge hineinpressen, damit der Druck der Ballen
direkt auf die Laden geht. Daß dies aber unmöglich ist und außerdem auch
noch zu anderen Unzuträglichkeiten führt, werden wir gleich sehen. Der
Zungenkanal des Reitpferdes ist 2-2½ cm breit, die Zunge 4-5 cm. Wie wir
an den Fig. 13 und 14 sehen können, welche erstere eine richtig im Maul
auf dem Unterkiefer liegende Kandare darstellt (die innere punktierte Linie
ist die Zunge), die andere den Durchschnitt eines Unterkiefers mit darauf
ruhender Kandare darstellt, würde dieselbe nur richtig im Maul liegen,
wenn die Ballen auf den Kanten der Laden ruhen. Die Zungenfreiheit darf
daher nicht so breit sein, daß sie über die Laden hinübergreift, wie es
in Wirklichkeit so oft vorkommt, da dadurch ein sehr schmerzhafter meist
einseitiger Druck durch die Winkel der Zungenfreiheit auf die Laden erzeugt
wird; die Zungenfreiheit muß demnach mindestens 1 cm schmäler sein, als
der Zungenkanal, nach den angegebenen Maßen also 1-1½ cm betragen. Wie
soll sich nun die 4-5 cm breite Zunge da hineinpressen können? Das wird
als Beweis genügen, daß die Zungenfreiheit ein Unding und zu beseitigen
ist, abgesehen davon, daß sie, wie bereits angeführt, bei den so oft
vorkommenden Verschiebungen einseitig drückt, also erst recht falsch
wirkt. Das Mundstück wird nur richtig wirken, wenn es dem Bau des Maules
gemäß eine geringe Biegung nach oben und vorwärts und in der Mitte eine
Einsenkung für die Zunge hat (Fig. 15). Die Ballen müssen dabei recht
stark und inwendig hohl sein, damit sie, gleichzeitig spezifisch leicht,
möglichst viel Fläche auf die Laden bringen. Das Gegenteil davon, ein
dünnes Mundstück mit Zungenfreiheit, eventuell noch mit einer scharfen
Kante versehen, würde eine _sehr scharfe_ Zäumung darstellen. Ist es
nötig, die Zäumung zu verschärfen, so geschehe es durch Vermehrung der
Hebelwirkung, also durch Verlängerung der Unterbäume, aber nicht durch
eine Steigerung des Schmerzes im Maul. Ein schmerzhaft gezäumtes Pferd
kann nur durch eine vortreffliche Reiterin geritten werden.
[Illustration:
Fig. 15.
Kandare mit Stahlrohr-Mundstück.
Fig. 16.
Der Pelham.]
Das Mundstück muß so breit sein, daß es von jeder Seite des Maules ca.
½ cm heraustritt und die Lefzen nicht zusammendrückt.
Schließlich gibt es noch _gebrochene_ und _doppelt gebrochene
Mundstücke_, welche die Schärfe der festen Mundstücke aufheben oder
wenigstens mildern sollen. Ich liebe sie nicht, weil der Druckpunkt, auf
welchem der ganze Mechanismus basiert, erschüttert ist. Des ferneren
soll die Zunge dadurch entlastet werden, dafür kneifen aber die Ballen
im Verein mit der Kinnkette um so mehr um das Kinn herum, und schließlich
wollen wir die Zunge ja gar nicht entlasten. Man nennt ein solches
Mundstück, an dem sich gewöhnliche Stangen befinden, eine _gebrochene_
Kandare; befindet sich an demselben in der Höhe des Mundstückes noch
ein großer Ring zum Einschnallen des Trensenzügels, einen _Pelham_
(Fig. 16), welcher ohne Unterlegetrense geritten wird.
Bei einer Kandare, die für die meisten Pferdemäuler und die meisten
Fäuste passen soll, ist die Starrheit der Zäumung zu vermeiden, damit das
Pferd möglichst viel Freiheit genießt und mit dem Gebiß spielen kann,
weil es dadurch ein frisches Maul behält. Diesem Zwecke dient ein
locker sitzender Ring statt des Stuhlloches, wie ihn z. B. die
_Schreckensteinsche_ Kandare führt.
Zum Einhängen der Kinnkette bediene man sich der von _Troschkeschen_
Kinnkettenhaken, die so gerichtet sind, daß die Unterlegetrense sich nicht
in dieselben einhaken kann, was bei den sogenannten Federhaken öfters
vorkommt.
Das _Maßnehmen für die Kandare_ geschieht folgendermaßen:
Man hält ein etwa 15 Zoll langes Stäbchen an den Punkten, wo das
Mundstück aufliegen muß, über die Zunge, faßt die Enden desselben
mit den geschlossenen Fäusten und aufwärts gestreckten Zeigefingern und
rückt mit beiden Händen auf demselben bis an die Lefzen des Pferdes,
dieselben leicht berührend, vor. Dann nimmt man das Stäbchen aus dem Maul
und läßt die so mit den Fingern markierte _Maulbreite_ an demselben durch
Einschnitte bezeichnen.
Zur Messung der _Ladenhöhe_ stellt man sich, das Stäbchen mit der linken
Faust haltend, an die linke Seite des Pferdes, gibt den Zeigefinger der
Kinnkettengrube gegenüber unter die Zunge auf die Laden und bringt den
gestreckten rechten Zeigefinger parallel zum linken in die Kinnkettengrube.
Ihre Entfernung ergibt genau die Ladenhöhe, welche gleichfalls auf dem
Stäbchen zu bezeichnen ist. Nach diesen beiden Maßen werden alle Teile
der Kandare bemessen; die Breite des Maules gibt die Weite der Kandare oder
Breite des Mundstückes, die Ladenhöhe die Höhe des Oberbaumes.
Endlich ist noch anzuführen, daß die Tiefe der Spaltöffnung des
Pferdemaules auch verschieden zu sein pflegt, was mit bezug auf die Lage
der Kandare im Pferdemaul zu berücksichtigen ist.
Die _Unterlegetrense_ kann zwar die Lefzenwinkel berühren, soll sie aber
nicht in die Höhe ziehen und muß ebenfalls eine der Breite des Mauls
angepaßte Länge haben. Die Kandare liegt im allgemeinen _einen Daumen
breit über dem Hakenzahn_, oder besser, da Stuten einen solchen nicht
besitzen, der _tiefsten Einsenkung der Kinnkettengrube gegenüber_. Da
nun die Trensenringe dicht über dem Mundstück aus dem Maul heraustreten
sollen, hat man dadurch auch einen gewissen Anhalt für höhere oder
tiefere Zäumung. Wenn ein Pferd eine kurze Maulspalte besitzt, so wird
die Kandare ungefähr 2-2½ cm über den Hakenzahn zu liegen kommen, bei
Pferden mit tiefer Maulspalte bis 3 cm -- doch kann man diese auch tiefer
zäumen. Pferde, welche mit der Nase sehr tief gehen, zäumt man
höher, solche, welche mit derselben sehr hoch oder herausgehen, tiefer.
Oberbäume, welche länger als 4½ cm sind, müssen etwas nach außen
gerichtet sein, damit sie das Pferd seitlich nicht drücken.