Gesagten noch folgendes anzuführen: Hartmäulige Pferde soll man
versuchen, mit leichterer Hand und leichterer Zäumung zu reiten und sich
dabei nicht vor dem Durchgehen fürchten. Ein kauendes, leicht an der
Hand stehendes Pferd wird nicht durchgehen, denn es ist gehorsam.
Das Zungenstrecken oder Bläken ist eine sehr häßlich aussehende
Angewohnheit, die wohl darin ihre Erklärung findet, daß die Muskeln
der Zunge durch zu starken Druck des Gebisses eine gewisse Nervenlähmung
erfahren haben, die bei erneutem Druck wieder eintritt. Man hat
verschiedene Versuche zur Hebung des Übels durch Anbringung von Platten
oder Spielwerken am Gebiß gemacht, doch dürften eine leichte Hand und
eine zweckmäßige Zäumung das sicherste Mittel dagegen sein. Für Pferde,
welche sehr tot im Maul sind, ist das v. Rueffsche galvanische Mundstück,
welches durch Säurebildung zum Kauen reizt, oder das v. Kleistsche
Porengebiß -- mit Salz gefüllt -- zu empfehlen.
Weichmäulige Pferde sind recht leicht zu zäumen. Man reite dieselben
mit dem Stahlrohrmundstück, das Verhältnis des Oberbaums zum Unterbaum,
höchstens 1 : 2. Bei Pferden, welche sich dem Gebiß entziehen, die Nase
sehr tief stellen und hinter die Zügel kriechen, nehme man den Oberbaum
ein wenig höher und den Unterbaum ein wenig kürzer, das zäumt hoch und
herbei. Pferde, die die Nase strecken und den Kopf hoch tragen, kann
man mit längerem Unterbaum tief zäumen, um dadurch die Nase herab zu
bekommen.
2. Das Kopfzeug.
Das Kopfzeug des Damenpferdes weicht in der Form nicht von dem
Zivilkopfzeug des Herrenpferdes ab. Es besteht aus dem ledernen
Hauptgestell, den Zügeln und den beiden Gebissen der Kandare und der
Unterlegetrense.
[Illustration:
Fig. 17.
Das Kopfzeug des Damenpferdes.]
Das an der Kandare befindliche Lederzeug (Hauptgestell, Fig. 17)
besteht aus dem Genickstück a, dem Stirnriemen b, den beiden
Kandarenbackenstücken c, den beiden Unterlegetrensenbackenstücken d,
dem Kehlriemen e, dem Nasenriemen f, dem Kandarenzügel h und dem
Trensenzügel l. An diesem Hauptgestell sind befestigt die Kandare g mit
der Kinnkette i und die Unterlegetrense k. Die Lage des Mundstücks im
Maul ist, es sei das hier noch einmal wiederholt, genau gegenüber der
tiefsten Stelle der Kinnkettengrube, bei Hengsten und Wallachen, die einen
Hakenzahn besitzen, etwa einen Daumen breit über demselben. Die Kinnkette,
richtig eingedreht und so befestigt, daß das Trensenmundstück von
derselben mit eingeschlossen wird, soll so lang eingehakt werden, daß man
bei paralleler Stellung der Stangen mit der Maulspalte drei Finger bequem
zwischen Kette und Unterkiefer hindurchstecken kann. Eine bessere Marke
dafür gibt der angezogene Zügel nach der Richtung der Reiterfaust.
Danach soll die Kandare mit der Maulspalte einen Winkel von 30-35° (vergl.
Fig. 12, a) und zum Zügel einen solchen von 90° (dies. Fig., b)
bilden, denn nur so kann die Kandare richtig auf den Unterkiefer einwirken,
das Pferd richtige Anlehnung darauf nehmen.
Ist der Oberbau der Kandare höher als die Ladengräte des Pferdes --
gewöhnlich beträgt diese Höhe 4½ cm -- so _steigt die Kinnkette_ aus
der Grube auf die höher gelegenen Knochenpartien und drückt dort. Der
Kehlriemen ist locker einzuschnallen, damit er nicht kneift und die Atmung
behindert. Der Nasenriemen, falls ein solcher überhaupt geführt wird,
soll so angezogen werden, daß man auf der Nase bei geschlossenem Maul
bequem drei Finger durchstecken kann.
Für Damen pflegt man das Zaumzeug, meist von hellem naturfarbigen Leder,
etwas schmaler zu nehmen, wie das der Herren ist. Es empfiehlt sich das
aber nicht, weil breitere Zügel gegen ev. Durchrutschen mehr Sicherheit
bieten wie Leder, welches nur 1 oder 1½ cm breit ist. Öfter nimmt
man auch statt des Leders einen aus farbiger Wollenschnur angefertigten,
sogenannten arabischen Zaum, oder auch einen solchen aus geflochtenem
Leder, -- jedenfalls bleibt der einfache englische Zaum immer der
vornehmste, wenn er folgendermaßen konstruiert ist: Die Farben des Sattels
und des Zaumes müssen möglichst übereinstimmen. Es kommt das auf eine
gute Pflege beider an. Die silbernen (ja nicht mit Leder überzogenen)
Schnallen des Kehlriemens und des Kandarenbackenstücks liegen auf der
_linken_ Seite des Kopfes, _rechts_ die des Kandarenbackenstücks und des
Trensenbackenstücks. Am vornehmsten sind die Kopfzeuge, bei denen die
Kandare nicht eingeschnallt, sondern in das (offene) Auge der Kandare
eingehakt wird, während die Trense eingenäht wird. Der Reinigung wegen
ist das letztere aber nicht besonders praktisch.
Bei dem sogenannten _Parkzaum_ fehlen die Unterlegetrense und die
Trensenzügel.
=Schoenbeck-Kandare.= Eine von mir konstruierte und bereits ziemlich
verbreitete Kandare (Fig. 18), welche für die meisten Pferde paßt, daher
ein angenehmes Reiten auch für im Maul sensible Pferde garantiert, oder
solche, welche hinter die Zügel kriechen, mit dem Kopf schlagen, mit der
Zunge bläken, dieselbe über das Gebiß nehmen usw., möchte ich
nicht unerwähnt lassen. Die Konstruktion dieser Kandare basiert auf
nachstehenden Erwägungen:
Die von mir beanstandeten Fehler der Kinnkettenzäumung sind folgende:
1. Druck- und Stützpunkt (Gebiß und Kinnkette) liegen sich gegenüber,
wodurch eine Eisenpresse schärfster Art hergestellt wird, welche geeignet
ist, die Laden zu zerbrechen und zu zerquetschen. 2. Diese Eigenschaft
macht sie für die Hände mittelmäßiger Reiter ungeeignet. 3. Die
Verpassung derselben bezw. das Suchen nach dem richtigen für Pferd und
Hand passenden Gebiß ist zu schwierig. 4. Der Oberbaum wird in seiner
reinen Wirkung als kurzer Hebelarm durch das Hauptgestell gehemmt, in
welches er eingeschnallt wird, wodurch wiederum die Lage des Mundstückes
im Maul eine unruhige wird. 5. Es ist für einen mittelmäßigen Reiter
bezw. Reiterin, auch für deren Stalldiener, schwer, die Kinnkette genau so
einzuhängen, daß die Kandare weder strotzt noch durchfällt, besonders
da diesem so wichtigen Punkt meist wenig Beachtung geschenkt wird. Um
die Konstruktionsfehler der Kinnkettenzäumung abzustellen, habe ich
die genannte Kandare konstruiert, welche vom Königlichen
Militär-Reitinstitut, sowie von einigen dazu bestimmten
Kavallerie-Regimentern eine längere Zeit in Probe genommen, lobende
Beurteilung erfahren hatte, und durch kriegsm. Verfügung bei der Armee in
Gebrauch genommen werden darf.
[Illustration:
Fig. 18.
Die Schoenbeck-Kandare.]
Die Grundsätze, welche bei der Konstruktion dieser Kandare in die
Erscheinung traten, sind folgende:
1. Eine genügend kräftige Hebelwirkung auf das Maul des Pferdes.
2. Beseitigung jeder unnötigen Belästigung bezw. Schmerzes im und am Maul
des Pferdes, wie es bei Anwendung eines scharfen Gebisses in Verbindung mit
der Kinnkette und besonders bei Führung durch eine schwere Faust meist
der Fall ist. Graf Münster war der erste, welcher den Mut hatte, es
auszusprechen, daß Kinnkette und Gebiß in Konkurrenz treten, um den
Unterkiefer in einer eisernen Presse zu zermalmen, demnach dem Pferde
innerhalb und außerhalb des Maules den wütendsten Schmerz zu bereiten, --
und daß hierin hauptsächlich der Grund des Widerstandes des Pferdes gegen
das Gebiß, vieler Unarten desselben und so vieler beschädigten Mäuler,
gedrückter und gebrochener Laden usw. zu suchen sein dürfte.
An der von mir zur Hebung der oben angeführten Mängel zusammengesetzten
Kandare ersetze ich vorerst die Kinnkette durch einen verschnallbaren
Lederriemen, welcher durch zwei an der Spitze des Oberbaumes befindliche
Stahlösen in annähernd rechtwinkliger Stellung zu der Stange erhalten
wird. Hierdurch wird 1. eine reinere Hebelwirkung auf den Unterkiefer
erzielt, 2. der Hauptstützpunkt des Hebels von der schwächsten Stelle,
der Kinnkettengrube, höher, auf eine kräftigere Knochenlage verlegt, die
ihm mehr Halt bietet, 3. die quetschende Wirkung der Kandare aufgehoben,
da nur die faktische Hebelwirkung in Kraft tritt, 4. ein Klemmen der
Lefzenwinkel, ein Durchscheuern unter dem Riemen, wie solches öfter bei
der Kinnkette in der Grube vorkommt, vermindert, 5. ein _Steigen_ der
Kinnkette, 6. ein _Durchfallen_ der Kandare unmöglich gemacht, 7. die
sogenannte falsche Wirkung der Kinnkette auf die Grube fortgeschafft,
8. endlich kann die Kandare, einmal richtig verpaßt, kaum falsch
aufgelegt werden, da weder beim Ab- noch beim Aufzäumen der Kinnriemen
gelöst zu werden braucht, weshalb das Aufzäumen so schnell und leicht wie
möglich erfolgen kann.
Des ferneren ist der Tragering des Oberbaumes an der Spitze desselben
fortgefallen und durch einen beweglichen Ring _an den Zapfenflächen des
Mundstücks_ ersetzt. Der Oberbaum dient daher nur als kurzer Arm des
Hebels, wodurch die Hebelwirkung in präzisester Weise zum Ausdruck
gelangt.
Als Mundstück habe ich das bereits beschriebene Stahlrohrgebiß ohne
Zungenfreiheit gewählt, weil bei demselben Zunge und Laden zum Tragen
desselben gleichmäßig in Aktion treten.
Der Oberbaum ist, dem leitenden Prinzip entsprechend, etwas länger
geworden und etwas auswärts gebogen, um nicht zu drücken.
Die Unterlegetrense, _welche außerhalb des Kinnriemens liegen muß_,
besteht nicht aus zwei, sondern aus drei Teilen, einem Zungenstück und
zwei Ballenstücken, welche letztere etwas gewinkelt sind. Eine solche
Trense kommt nicht unter das Kandarenmundstück, sie drückt und kneift
nicht, ist auch keiner Veränderung ausgesetzt, daher für den Gebrauch
_neben_ der Kandare praktischer als die zweiteilige Trense.
Das Verpassen der Kandare hat sich nur auf die Breite des Mundstücks, die
Länge der Scheren und das Einschnallen des Kinnriemens zu erstrecken, ist
also recht einfach. Die Brauchbarkeit dieser Kandare dürfte bei Pferden,
die noch nicht mit der Kinnkette gezäumt waren, hauptsächlich in die
Augen springen.
[Illustration:
Fig. 19.
Hauptgestell der Schoenbeck-Kandare.]
Über das zu wählende Verhältnis des Oberbaumes zum Unterbaum habe ich
noch anzuführen, daß der Oberbaum stets 8 cm lang ist und daß die
Kandare in dem Verhältnis von 2 : 3 und 4 : 5 angefertigt wird.
Ersteres wird für die größere Anzahl von Pferden ohne besondere
Eigentümlichkeiten genügen, letzteres wird bei sehr leicht am Zügel
stehenden bezw. bei solchen Pferden, die hinter die Zügel kriechen und
dabei den Kopf tief nehmen, seine Anwendung finden müssen. Das zu dieser
Kandare besonders konstruierte Hauptgestell (Fig. 19) weicht in einzelnen
Teilen etwas von dem gebräuchlichen ab. Es ist gleichzeitig mit einer
Halfter in Verbindung gesetzt, in deren Ringen die Trense eingehakt ist.
Wenn man die Knöpfe des Stirnriemens löst, so kann man die Kandare vom
Kopfe herunternehmen, so daß nur die Halfter oben bleibt. Beim Aufzäumen
hat man zu beachten, daß die Unterlegetrense außerhalb des Kinnriemens
zu liegen kommt. Das Zeug ist komplett oder in einzelnen Teilen durch den
»Offizier-Pferde-Verein«, Charlottenburg, Fasanenstraße 24, oder
auch von August Loh Söhne, A.-G. für Militärausrüstungen, Berlin,
Wilhelmstraße 22, zu beziehen.
[Illustration:
Fig. 20.
Schoenbeck'scher Maulregenerator.]
Da ich fand, daß diese Kandare oft die Unterlegetrense ganz entbehrlich
machte, so habe ich auch ein Gebiß konstruiert, welches ohne eine solche
zu benutzen ist, statt dessen aber à la Pelham Ringe zur Aufnahme der
Trensenzügel führt. Auch dieses Gebiß, _Maulregenerator_ genannt, hat
sich bewährt und wird bei gut gerittenen Pferden besonders zu Jagd und bei
Damenpferden verwendet (Fig. 20). Das Kopfgestell desselben ist das der
einfachen Trense, also mit einem Backenstück.
Endlich möchte ich mir noch die Bemerkung gestatten, daß diese Kandare
auch nicht Wunder zu wirken vermag. Wenn man sie einem Pferde mit
verrissenem, vernarbtem Maule auflegt, welches stets unter schärfster
Zäumung gemartert ist, so verlange man nicht, daß dasselbe vom ersten
Tage an nun wie umgewandelt gehen soll, obwohl selbst bei solchen Tieren
gute Resultate erzielt worden sind. Wenn man aber junge Pferde von
vornherein daran gewöhnt, so werden sie ein frisches Maul behalten und
überhaupt nicht in Untugenden verfallen, deren Grund in falscher und
zu scharfer Zäumung zu suchen und deren Behebung meist so sehr schwer
ist. --
3. Der Damensattel.
Es ist schon mehrfach darauf hingewiesen worden, welche besonders wichtige
Rolle der _Sattel_ bei der Damenreiterei spielt. Nur der vorzüglichst
konstruierte ist gerade gut genug, wenn Beschädigungen des Rückens
der Pferde vermieden werden sollen. Es wird deshalb sich als nützlich
erweisen, auf die maßgebenden Gesichtspunkte bei der Wahl des Damensattels
etwas näher einzugehen.
[Illustration:
Fig. 21.
Fig. 22.
Fig. 23.
Fig. 24.
Fig. 25.
Fig. 26.
Alte Damensättel.]
Um zu zeigen, welche Veränderungen der Damensattel im Laufe der
Jahrhunderte durchgemacht hat, bringe ich in Abbildungen einige alte
Modelle (Fig. 21-26) nach Zeichnungen vom Maler M. Veit, welche in ihrer
Deutlichkeit einen Vergleich ermöglichen, während Fig. 27 einen modernen
Damensattel zeigt. Die größte Veränderung, welcher der Damensattel vor
etwa 50 Jahren unterzogen wurde, ist die Anbringung eines an der linken
Seite befindlichen, nach unten gedrehten sog. Jagdhorns, welches über dem
linken Knie liegt, und dessen Erfindung Baucher zugeschrieben wird. Zuerst
nur als Sicherheitsfaktor für Jagdreiten gebraucht, hat es sich nun
gänzlich eingebürgert und den Fortfall des früher an der rechten Seite
befindlichen, für die Dame unbequemen Hornes veranlaßt, welches mit dem
an der linken Seite befindlichen, nach oben gerichteten Horne die »Gabel«
bildete, in welcher das rechte Bein der Reiterin ruhte und die einzige
Stütze der Reiterin auf dem Sattel bildete. Wie unsicher aber dieser Sitz
war, habe ich einst an meiner Frau gesehen, die eine recht gute Reiterin
war. Bei einer unvermuteten Lançade des Pferdes stand sie einfach neben
demselben. Hier konnte also die Reiterin mit Leichtigkeit aus dem Sattel
geschleudert werden. Seitdem das Jagdhorn angebracht ist, kann sich
die Reiterin mit den Beinen -- richtig eingeschnallter Steigbügel
vorausgesetzt -- an den beiden linken Hörnern durchaus festklammern. Aus
diesem Grunde wurde das rechte Horn der »Gabel« überflüssig und konnte
fortfallen, an dem sich die Reiterin bei der Zügelführung mit zwei
Händen und auch sonst oft genug stieß.
Infolge dieses durch das Jagdhorn geschaffenen, von vornherein _sicheren_
Reitsitzes, welcher kaum erlernt, nur geübt zu werden braucht, hat
also die Dame einen bedeutenden Vorsprung vor dem Herrensitz, zu dessen
Erlernung -- wenn er allen Anforderungen genügen und für jede Bewegung
des Pferdes sicher sein soll -- Jahre erforderlich sind.
Bei der Konstruktion des Damensattels ist zuerst die Lage des rechten
Beines in Betracht zu ziehen, welches niemals _höher_, besser sogar etwas
tiefer als der Sitz liegen darf, was für die Zügelführung sowohl wie
für die gerade Haltung von besonderer Wichtigkeit ist. Ebenso wichtig ist
die Anbringung des Jagdhorns sowohl wie die Form desselben. Es darf
weder zu lang, noch zu kurz, am wenigsten aber zu geschweift sein und
den Schenkel der Dame _umfassen_. Es würde sie das hauptsächlich im
englischen Trabe, bei welchem sie mit dem Gesäß nicht auf dem Sattel
bleibt, stark behindern, bei eventueller Trennung vom Pferde aber unter
Umständen schwere Verletzungen herbeiführen; auch darf es weder _zu
tief_ noch _zu weit rückwärts_ angebracht sein. Ist dann der Bügel so
verpaßt, daß beide Kniee möglichst eng aneinander liegen, so ruhen beide
Beine flach an der Seite, wodurch einer Verdrehung der Wirbelsäule sowohl
wie dem »Hängen« an der linken Seite vorgebeugt wird. Dieser Sattel
unterscheidet sich von dem älteren dadurch, daß er einen _flachen_ Sitz
hat (vergl. Fig. 27), während jener einen ausgearbeiteten Sitz hatte,
in welchem die Dame tief saß, und demnach auch mit der Wirbelsäule eine
größere Drehung zu machen hatte. Fig. 28 zeigt ein Pferd im Stalle
unter dem flachen Damensattel, den Sitz der Dame auf einem solchen zeigte
Fig. 4, während Fig. 3 den Sitz der Dame auf dem älteren Damensattel
mit tiefem Sitz veranschaulichte. Man sieht daraus, daß die soviel
angegriffene Drehung der Wirbelsäule bei dem flachen Sattel eigentlich
ganz fortfällt.
[Illustration:
Fig. 27.
Moderner englischer Damensattel.]
Ferner sollte das Jagdhorn stets _beweglich_ angebracht sein. Man kann es
so für jede Dame am leichtesten verpassen, und die Reiterin kann sich bei
längeren Ritten die Lage selbst ändern, wenn ihr etwas unbequem
werden sollte. Bei kleinen Damen muß das Knie näher an das obere Horn
herankommen als bei einer großen, die das Horn etwas niedriger braucht,
weil sie es sonst nicht in der Gewalt hat. Sind bei einer kleinen Reiterin
nämlich die Hörner zu weit auseinander, so hat das linke Bein nicht
den richtigen Druck einige Zoll oberhalb des Knies, wodurch der Sitz
sehr unsicher wird. Bei vielen Damen wird mit Rücksicht auf das elegante
Aussehen das verstellbare Horn _zu kurz_ gearbeitet, so daß es keinen
Schenkeldruck hergibt. Oft wird die Schraube zu klein und zu fein gemacht.
Sie muß aber genügend groß sein, weil sie sich sonst leicht losarbeitet.
Ist das obere Horn zu hoch, so fällt das Reitkleid nicht hübsch darüber,
ist es zu niedrig, so sitzt die Reiterin nicht fest.
Fast alle Damensättel haben einen zurückgeputzten Baum, über welchen die
Sattelklappe fällt, um den Sitz eben zu machen. Die Kammer darf nicht zu
hoch sein, um das Herumrutschen des Sattels nicht zu befördern und damit
das rechte Knie der Dame nicht zu hoch kommt. Wie schon angeführt, darf
dasselbe keinesfalls höher als der Sitz liegen, besser noch etwas tiefer,
wenn die Dame bequem und angenehm reiten will. Jedenfalls aber muß die
Kammer _breit_ genug sein, um nicht bei dem meist nach links überfallenden
Seitgewicht den Widerrist zu drücken.
Im allgemeinen bedarf der _Sitz_ des Sattels des Maßnehmens, damit er
weder zu lang noch zu kurz, auch nicht zu breit, jedenfalls aber _flach_
und _niedrig_ sei. Die Länge des Sattels wird sich demnach nach der Länge
der Oberschenkel der Dame zu richten haben. Ruht das rechte Bein richtig
-- nicht allzu fest -- an dem oberen Horn, so muß der Sattel so lang sein,
daß der After desselben etwa 2½ cm hinter der Dame liegt. Ist das nicht
der Fall, ist der Sattel kürzer, so kommt die Dame auf den Sattelkranz zu
sitzen, was sie sehr unangenehm empfinden wird. Ist der Sattel zu lang, so
leidet dadurch die Sicherheit des Sitzes, ebenso als wenn derselbe zu breit
ist. Auch in diesem Falle kann die Dame keinen festen, anschmiegenden Sitz
gewinnen, dieser wird im Gegenteil stets unruhig, daher für das Pferd sehr
belästigend sein. Es soll allerdings nicht unerwähnt bleiben, daß viele
gute und erfahrene Reiterinnen den modernen flachen Sitz nicht lieben,
sondern einen leicht geschrägten vorziehen, weil sie sich behaglicher
darauf fühlen. Das muß den Damen überlassen bleiben, jedenfalls wird
es immer unangenehm sein, eine alte, liebgewordene Gewohnheit plötzlich
aufgeben zu sollen, ohne daß ein triftiger Grund dafür vorhanden ist.
[Illustration:
Fig. 28.
Damenpferd unter modernem Damensattel.]
Der Sattel soll möglichst wenig gepolstert sein, damit die Reiterin das
Pferd besser umfaßt und weniger Gefahr läuft, hin und her zu rücken oder
aus dem Sitz zu kommen, hauptsächlich aber, daß sie dem Pferderücken
möglichst nahe sitzt, d. h. nicht zu hoch über demselben. Die _Trachten_
müssen in bezug auf die Polsterung recht oft inspiziert werden, um beim
Nachlassen derselben nicht Druckflecke zu erzeugen. Am praktischsten
wird es sein, die Polsterung mit _Leder_ überziehen zu lassen und ohne
_Unterlegedecke_ zu reiten. Zweifellos liegt der Damensattel _ohne_
Unterlegedecke viel besser und fester dem Pferderücken an, als mit einer
solchen, daher wird auch ein Verrutschen des Sattels nicht so leicht
eintreten. Des Ferneren macht die Unterlegedecke -- es kann doch nur von
einer solchen von Filz die Rede sein, da eine ganz dünne leicht Falten
werfen und dann erst recht drücken würde -- den an und für sich schon
hohen Sitz der Dame noch höher, und es kommt doch, wie schon angeführt,
darauf an, den Sitz möglichst nahe dem Pferderücken zu haben.
Unter Umständen könnte -- besonders bei alten, nicht gut passenden
Damensätteln --, _eine_ Unterlage als nützlich in Betracht kommen,
nämlich die _Schwammdecke_, welche allerdings größerer Haltbarkeit wegen
und zur Schonung der Polsterung des Sattels auf der oberen Seite mit einem
leichten Lederüberzug versehen sein muß. Trotz allen guten Willens wird
bei vielen Reiterinnen der nicht symmetrische Sitz zur Mittelachse des
Pferdes und die daraus entstehende ungleiche Gewichtsverteilung bei
ev. noch dazu kommender vorwärts geneigter Haltung die Gefahr eines
Widerristdruckes ziemlich nahe rücken, besonders in der heißen Jahreszeit
und bei längeren Ritten. Hier dürfte die angefeuchtete Schwammdecke
sich doch vielleicht als eine große Wohltat erweisen. Man bedenke nur
die schweren Widerristschäden, welche unter Damensätteln besonders am
Widerrist der Pferde entstehen, die nachweislich dann bis zu eines Jahres
Länge zu ihrer Verheilung bedürfen. Wenn man die furchtbaren Eiterungen,
die große operative Eingriffe und Einlage von Kanülen notwendig machen,
gesehen hat, so kann man sich mitunter nicht genug über den Langmut der
Pferde wundern, daß sie nicht bei solchen Qualen die peinigende Last der
Reiterin mit einem radikalen Bocksatze in den Sand schleudern. --
Über das zulässige Gewicht des Damensattels ist viel gesprochen worden,
doch dürfte sich dasselbe nicht unter 8½-9 Kilo herunterdrücken lassen.
Immerhin -- je leichter der Sattel, um so besser!
Leider ist es, wieder der ungleichen Gewichtsverteilung wegen, nötig, den
Damensattel fester gurten zu müssen, als dies beim Herrensattel der Fall
ist. Der leidigen Angewohnheit der Stalldiener, den Damensattel meist zu
weit nach vorn aufzulegen, wäre energisch entgegenzutreten. Nach alledem
kann man ersehen, wie notwendig es ist, daß das Damenpferd einen nicht
mageren, aber hohen Widerrist und einen schlanken Rippenbau, also eine
vorzügliche Sattellage besitzt. Ist das Gegenteil der Fall, der Widerrist
gering und der Bauch stark gewölbt, so wird der Sattel stets nach vorn
rutschen und damit locker werden. Er wird dann das Pferd drücken ev. mit
der Reiterin herumrutschen. Dem Gegenteil, dem Zurückrutschen des Sattels,
welches bei rundleibigen, flach gerippten Pferden vorkommt und fast
unangenehmer wie das Vorrutschen ist, kann man am besten durch Anlegung
eines _Vorderzeuges_ begegnen, welches nebenbei auch, aus weißer Bandgurte
angefertigt, das Pferd hübsch dekoriert. --
Demnächst hätten wir uns mit der Anbringung des Bügels und mit der
Form desselben zu beschäftigen. Darüber läßt sich Herr B. A. D., ein
bekannter, tüchtiger Fachmann in einer Fachzeitschrift folgendermaßen
aus:
»Da das Damenreiten, besonders das Jagdreiten, in England eine ganz andere
Rolle spielt als hier, so ist es begreiflich, daß dort die Konstruktion
der Damensättel auf einer ganz anderen Stufe steht. Gewiß sind die
hiesigen Sättel vom besten Leder und oft mit den schönsten Stickereien
(ganze Eichenwaldungen) verziert, aber unpraktisch im Gebrauch, weil man
hier noch zu wenig kennt, _worauf es wirklich ankommt_. Ist es doch z. B.
nicht zu glauben, _daß heute noch Damensättel gebaut und -- empfohlen
werden, deren Bügelriemen um das ganze Pferd herumlaufen und auf der
rechten Seite befestigt werden! Etwas Sinnloseres gibt es überhaupt
nicht._ Wollte man etwas erfinden, was _möglichst drückt_, so könnte
man es nicht besser machen als durch diesen Flaschenzug. Man bildet sich
allgemein ein (vergl. Fig. 29), der bei a über eine Rolle laufende
Bügelriemen zöge auch bei c nach abwärts. Da liegt der große Irrtum.
Die Nachteile dieses Umlaufbügels sind:
1. Der durch den Flaschenzug hervorgebrachte ungeheure Druck auf die
_rechte_ Seite des Widerristes.