Des Mönches Tod

Des alten Mönches Stündlein schlägt. O Herr, erbarm

Dich seiner Seele, nimm sie gnädig in den Arm,

Wenn Mühsal endlich ihn erkennen läßt und ahnen,

Daß er nicht länger sich den steilen Pfad kann bahnen;

Wenn starr und gläsern schon sein mattes Auge blickt,

Ein letztes Lebewohl dem Sternenhimmel schickt;

Wenn seine bleichen Lippen, die im Fieber brennen,

Noch einmal Deinen heiligen Namen leise nennen;

Wenn kalter Schauer Not das schwache Fleisch ergreift

Im Augenblicke, da der Todeshauch es streift;

Wenn schwere Finsternis schon auf dem Geiste lastet

Und zitternd noch einmal die Hand zum Kreuze tastet;

Wenn man ihm, da des letzten Kampfes Schrecken dräut,

Die Arme kreuzt und Asche auf die Stirne streut;

Wenn sie zum Abschied Deinen Leib dem Müden reichen

Als Zehrung für den Weg und der Erlösung Zeichen;

Wenn bitterer Todesschweiß, der aus den Poren bricht,

Das blasse Antlitz wäscht beim Kerzenflackerlicht;

Wenn sich die Brüder betend zu der Leiche bücken,

Für alle Ewigkeit die Augen zuzudrücken;

Wenn dieser abgezehrte Leib, im Tod erstarrt,

Den Keim des Wurmes trägt, der seines Mahles harrt;

Wenn er, bevor die Sonne noch zur Rüste schreitet,

Zur Ruhe bei den andern draußen wird geleitet;

Wenn gleich darauf sein Grab Vergessenheit verschließt,

Ein Schloß auf einem Buch, das keiner kennt noch liest;

O Herr, empfange Deinen Diener dann in Gnaden,

Laß seine Seele sich in Deinem Lichte baden.

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 172 / 211 题