Betrachtung

Beglückt, o Herr, wer ruhig in Dir wohnt und still!

Des Tages Qual wird niemals ihm den Frieden rauben,

Der Tod erschreckt ihn nicht, nie frißt an seinem Glauben

Der finstere Wahn der Zeit, die Dich nicht kennen will.

Der Ruhm ist eitel, Menschenwerk zählt nur nach Tagen,

Was ward aus jenen Spöttern, die sich frech gebläht?

Ihr alle, die Ihr an der Gruft vorüber geht,

Fragt nur die Würmer, die an ihrem Fleische nagen.

Die Tage folgen sich in ruheloser Hast,

Kurz währt die Freude nur, ob Ihr auch klagt und jammert;

Dieweil Ihr Euch an Euer Glück, das hohle, klammert,

Fühlt Eure Hand den Moder nicht, den sie umfaßt.

Kein Wissen, das den Zweifel nicht im Innern trüge

Gleich einer Frucht, erstorben schon im Mutterschoß!

Zieht Eures Weges nur und dünkt Euch frei und groß,

An dieser Schranke enden Eures Geistes Flüge.

Das Fleisch vergeht, ach, seine Stunde naht gar schnell,

Von Anbeginn setzt sich der Fluch auf seine Fährte,

Zerrissen ward noch jede Brust, die Hochmut nährte -- --

Denkt an die Hunde jener stolzen Jezebel!

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 173 / 211 题