Kato

Den weiten Faltenrock bis hoch ans Knie gerafft

Hat sie das rote Maul gewaschen ihren Kühen,

Die Streu zurecht gemacht, den Dung hinaus geschafft,

Die Luken aufgesperrt beim ersten Morgenglühen.

Jetzt darf die Kato, die grobknochige, dicke Magd,

Sich auf den alten wackeligen Schemel setzen;

Die Schatten drücken schwer, die Stalllaterne blakt,

Den Nacken deckt ihr ein zerschlissenes Tuch, ein Fetzen.

Im Holzschuh stecken ihre Füße nackt und bloß,

Ein grober, harter Lederschurz bedeckt die Lenden,

Die Beine breit gespreizt hält sie auf ihrem Schoß

Den Eimer, und den Euter streicht mit beiden Händen

Sie auf und nieder flink, ein Strahl spritzt blendend weiß

Ins zinnerne Gefäß, und Blase perlt an Blase,

Wie von Ranunkeln steigt der Duft berauschend heiß

Empor, behaglich schlürft ihn Katos breite Nase.

Beim ersten Dämmerschein und wenn der Tag verglimmt,

Wenn er im Mittag steht, sitzt Kato bei den Kühen,

Das ist ihr Amt, sie melkt. Ihr leerer Blick verschwimmt,

Sie träumt von ihrem Schatz, die roten Wangen glühen.

Der Müllerbursche ist's, ein Junge, der's versteht,

Ein derber, großer Kerl, so einer von den dreisten,

Er paßt ihr immer auf, wenn sie zur Mühle geht,

Und schmatzt sie gründlich ab, sie weiß, er kann was leisten.

Doch ihre Kühe halten sie zurück im Stall,

Zehn, zwanzig, dreißig, die im Fette alle glänzen,

Sie recken ihre breiten Kruppen, straff und prall,

Die glatten Flanken peitschen sie mit langen Schwänzen.

Sind sie gepflegt? nichts leuchtet heller, als ihr Fell!

Und stark? an denen geht das Futter nicht verloren!

Das Wasser peitscht im Trog ihr Hauch, wie Sturm den Quell,

Mit ihren Hörnern können sie ein Brett durchbohren.

Und jeder Bissen wird zermalmt, das Maul verschlingt

Den Klee, die Esparsette, Rüben, Kleie, Möhren,

Der Hals ist langgestreckt, ein lautes Schnaufen dringt

Zufrieden aus der Brust, behaglich anzuhören.

Wenn Kato mit den Schwielenhänden Rüben schabt,

Dann stoßen sie den Korb, wie um die Magd zu necken;

Das trockne Heu, das auf dem Boden lagert, labt

Sie schon, wenn durch das Loch dort oben sie's entdecken.

Aus Fachwerk ist der Stall. Gar seltsam drollig reckt

Auf seinem hohen Stuhl das alte Dach die Glieder,

Schwer sitzt es da, mit Stroh und Binsen eingedeckt,

Tief hangen die zerzausten Flügel seitwärts nieder.

Die Sonne fällt von oben durch das Bodenloch,

Sie wärmt das Vieh im Stand mit ihren Feuerduschen,

Die letzten Strahlen hauchen auf die Riste noch

Den leisen Rosaton, wenn sie vorüber huschen.

Doch drin im Stalle steigt ein Nebel feucht und warm

Vom Dung und von der Streu empor und von den Raufen,

Es qualmt der Mist, im heißen Dampfe summt ein Schwarm

Von großen Fliegen um den hochgetürmten Haufen.

Das ist das Reich, wo die vierschrötige Kato haust,

Fern von des Bauern Zorn und von des Pfarrers Predigt,

Wo auf dem Heu der Müllerbursch sie zwackt und zaust,

Wo er sie herzt, nachdem das Tagewerk erledigt.

Verschlafen träumt der Stall, geschlossen ist das Tor,

Der Nacht, die schweigend sie umgibt, gebührt Vertrauen;

Kein Laut schlägt jetzt an des verliebten Pärchens Ohr,

Als einer wachen Kuh Geschmatz beim Wiederkauen.

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 171 / 211 题