II.

Waterloo, Waterloo! still liegst du jetzt und träumend

Im weiten Kessel, dem die Woge überschäumend

Mit wildem Sprung entquoll! In diesem grünen Tal

Hielt der gefräßige Tod ein fürchterliches Mahl.

* * * * *

Gemetzel, ein verhängnisschwangrer Tag. Der Mann

Erkannte, daß der Sieg ihm in der Hand zerrann.

Noch stand als allerletzter Rückhalt seine alte

Erprobte Garde unberührt im Hinterhalte.

Vorwärts! rief er, zum Kampf, die ganze Garde vor!

Wie eine Springflut bäumte es sich wild empor.

Dragoner und Lanciers, die Helden aller Zonen,

Die Grenadiere, tapferer als Roms Legionen,

Der Donner und der Blitz im Rohr der Artillerie,

Die letzten Helden von Friedland und Rivoli,

Sie gingen in den Tod, ins sichere Verderben,

Und jubelnd grüßten sie noch ihren Gott vorm Sterben.

Ein einziger Ruf erscholl: Der Kaiser hoch! und dann

Marschierten sie in festem Tritt, Musik voran,

Die ganze Kaisergarde in den Höllenrachen,

Der englischen Kanonen spottete ihr Lachen.

* * * * *

Mit einem Mal durchlief Verzweiflung alle Glieder,

Das gräßliche Gespenst schlug Mut und Hoffnung nieder,

Die Bataillone wichen rückwärts, bleich, entsetzt,

Die Fahnen waren ihnen nur noch Lumpen jetzt.

Die blasse Furcht, das Riesenweib mit schwankem Schritte,

Hob das verzerrte Haupt empor in ihrer Mitte,

Die Männerherzen zwang sie plötzlich in den Bann,

Von links, von rechts ein Schrei nur: Rette sich, wer kann!

Zurück! schallt es aus tausend Kehlen. Alle wanken,

Kein Widerstand, kein Halt, es sinken alle Schranken,

Besinnungslos strömt alles hin, das Herz versagt ....

Verdorrte Blätter, die der rauhe Herbststurm jagt!

Im Graben liegen schon die Protzen und Lafetten,

Ein jeder rennt, ein jeder will das Leben retten.

Sie werfen ihre Adler fort, Helm und Gewehr,

Die Veteranen fliehn, die Preußen hinterher.

Verbranntes Stroh im Wind, was einst ein Heer gewesen,

Jetzt flattert es wie Spreu, gefegt von Gottes Besen.

* * * * *

Napoleon sah ihren Fall. Die Woge spülte

Geschütz und Roß und Mann und Banner fort. Da fühlte

Er des Gewissens Not, die Schande und die Schmach.

Er beugte sich: Ich bin besiegt, mein Schwert zerbrach,

Mein stolzes Heer entfloh wie vor dem Wolf die Schafe,

Gib Antwort, strenger Gott, ist dieses meine Strafe?

Da drang ein Laut wie Stahl ihm kalt durch Mark und Bein.

Im Donner der Geschütze rief die Stimme: Nein!

Französische Lyrik alter und neuer Zeit in deutschen Versen · 第 40 / 211 题