»Ich lasse bitten.«
Der Kleine trat über die Schwelle. Sein Gesicht sah vergnügt aus wie
immer mit den großen Ohren und der keck in die Luft ragenden Hakennase.
Gaston atmete erleichtert auf.
»Na, lieber Gorski, was bringen Sie Gutes?«
Ein kaum merkliches Blinzeln mahnte zur Vorsicht.
»Ich hatte nur die Absicht, dem Herrn Rittmeister im Vorbeigehen
gehorsamst guten Tag zu sagen und, wenn möglich, einen Kognak zu
schinden.«
Gaston hatte verstanden, daß etwas Besonderes vorgefallen war.
»Charmant,« sagte er, »sollen Sie gleich kriegen.« Und zu dem Burschen
Wichotta, der nur zögernd zur Tür schritt, mit gespieltem Selbstvorwurf:
»Herrgott, das Wichtigste hätte ich beinahe vergessen! Sie müssen ja
sofort zum Herrn Oberst gehen mit meinem Urlaubsgesuch. Warten Sie einen
Augenblick!« Er warf einige Zeilen auf einen Bogen in vorschriftsmäßigem
Dienstformat, verschloß ihn in einen Umschlag und mahnte den Burschen
zur Eile. Karl von Gorski fragte respektvoll, aber nicht ohne leichte
Verwunderung: »Herr Rittmeister beabsichtigen, jetzt auf Urlaub zu
gehen?«
»Ja! Ich habe vor einer Stunde ungefähr eine Nachricht erhalten, die
mich nötigt, noch heute für ein paar Tage zu verreisen. Aber jetzt
erzählen Sie, was ist mit Ihnen los?«
»Ach Gott, nichts Besonderes. Ich bin eigentlich nur gekommen, um mich
vom Herrn Rittmeister zu verabschieden. Man wird mich wohl von morgen an
für längere Zeit einsperren. Wegen Nichtachtung einer ganzen Reihe von
Vorschriften, die der preußische Leutnant zu befolgen hat, wenn er
seinen hohen Vorgesetzten ein Wohlgefallen sein will.«
»Ach nee! Was haben Sie denn so Böses ausgefressen?«
»Ich habe mich soeben mit Herrn Hermann von Brinckenwurff ohne vorherige
Befragung des Ehrenrates im Beldahner Wald geschossen.«