Josepha.«

Unwillkürlich regte sich in Gastons Brust etwas von dem Gefühl, das er

in der vergangenen Nacht empfunden hatte, als er die schöne Frau im

Wagen heimgeleitete. In dem Briefe da war etwas, das ihn seltsam ans

Herz rührte ... Und daß er sich mit Skrupeln plagte, wo andere, die das

Leben leichter nahmen, mit beiden Händen zugegriffen hätten, lag

vielleicht nur an seiner übergroßen Gewissenhaftigkeit. An einer schier

schulmeisterlichen Strenge, mit der er noch immer sich selbst erzog. Der

Landsberger Husar, Herr von Wodersen, war gewiß ein Offizier und

Edelmann von untadeliger Gesinnung. Der aber würde ohne ein Wimperzucken

sein Seelenheil verpfänden, wenn er in diesem Augenblick an seiner

Stelle stehen dürfte! Und die Befürchtung, er müßte seine Karriere

aufgeben, wenn er eine gewesene Schauspielerin heiratete, hielt bei

näherem Ueberlegen nicht stand. Da ließ sich mit einigem guten Willen

zu einer kleinen Vertuschung ein Ausweg finden. In dem kleinen

ostpreußischen Städtchen da oben an der Grenze gab es wohl keinen

Menschen, der Josepha auf der Bühne gesehen hatte. Da war sie nichts

anderes als die geborene Baronesse Nadanyi, die nach schuldlos

geschiedener Ehe den Rittmeister von Foucar heiratete. Wenn er sich aber

in dem Regiment erst die gesellschaftliche und dienstliche Stellung

geschaffen hatte, die ihm bei seinen Fähigkeiten sicher war, sollte wohl

niemand auf den Gedanken kommen, daß bei seiner Verheiratung irgend

etwas zu bemäkeln wäre. Na, und nachher richtete man sich miteinander

ein, so gut es eben ging. Und was heute wie eine Art von Zwang aussah

nach dem gegebenen Wort, wurde vielleicht eine ehrliche Zuneigung, auf

der man sein Leben aufbauen konnte. Ein fester Entschluß aber mußte

endlich gefaßt werden.

Er griff nach der Klingel, sein Bursche betrat das Zimmer.

»Herr Hauptmann befehle?«

»Sagen Sie der Alten draußen, ich laß mich ihrer gnädigen Frau bestens

empfehlen. Ich werde heute nachmittag um fünf meine Aufwartung machen.«

Der Bursche schüttelte den Kopf.

»Sell geht nit, Herr Hauptmann! Das alt Weible will partout den Herrn

Hauptmann persönlich schpreche.«

»Na, dann soll sie gefälligst warten, bis ich mich angezogen habe!«

»Befehl, Herr Hauptmann!«

Gaston sprang mit beiden Füßen aus dem Bett, wusch und kleidete sich

rascher an als sonst. Als er aber den Rock zuknöpfte, überfiel ihn eine

eigentümliche Beklommenheit. Als ginge er einem hochnotpeinlichen Examen

entgegen, so war ihm plötzlich zumut.

Sturmzeichen · 第 8 / 18 题