Infolgedessen trat die Westabteilung am 14. März ihren Vormarsch auf

Okahandja an. Am 16. wurde ihre Spitze im dichten Busch überrascht und

zwei Mann erschossen. Der führende Offizier,[139] den sein stürzendes

Pferd abgeworfen hatte, wurde nur durch den mit vier Reitern rasch

herbeieilenden Unteroffizier d. Res. Hümann (Landmesser) gerettet.

Schnell entwickelte sich die Westabteilung zum Gefecht und nahm die

feindliche Werft (Erindi Okaserandu) unter einem weiteren Verlust von

2 Verwundeten. Dazu kamen noch als Abgang die 9 Pferde der Spitze.

Infolge dieser Überraschung wurde von jetzt ab mit äußerster Vorsicht

durch den dichten Busch weitermarschiert, und am 24. März langte die

Westabteilung in Okahandja an. Sie hatte ihre Aufgabe glänzend gelöst.

Am 19. März war noch eine feindliche Werft (Otjinaua Naua) weggenommen

und eine Viehherde erbeutet worden.

Die Ostabteilung.

Von Beginn des Aufstandes ab war sowohl in der Heimat wie im

Schutzgebiete die öffentliche Meinung mehr durch die Furcht vor einer

Flucht der Hereros mit dem geraubten Vieh über die englische Grenze,

als vor einer etwaigen Schwierigkeit, sie zu besiegen, beherrscht. Bei

dem bisherigen geringen politischen Zusammenhalten der Hererostämme

unter sich erschien auch mir eine solche Fluchtmöglichkeit, wenigstens

seitens des im Osten wohnenden Stammes des Unterhäuptlings Tjetjo,

als naheliegend. Dieser Annahme trat der Distriktschef von Gobabis,

Oberleutnant Streitwolf, in einer Meldung vom 9. Februar gleichfalls

bei, die ich am 15. Februar in Karibib erhielt. Der genannte Offizier

empfahl in ihr dringend die Entsendung einer starken Truppe nach dem

Distrikt Gobabis, und zwar rasch, da andernfalls die Gefahr einer

Entweichung der Hereros vorliege. Es wurde daher zur Formierung einer

stärkeren Ostabteilung unter dem Kommando des Majors v. Glasenapp

geschritten. (Siehe S. 496.) Dieser erhielt Befehl, sich zur

Rücksprache bei mir in Karibib einzufinden, der bereits im Vormarsch

nach dem Osten befindlichen Marinekompagnie Fischel wurde dagegen

aufgegeben, zu halten, wo sie sich gerade befände. Die Abteilung von

Winkler war bereits im Distrikt Gobabis angelangt und daher wenigstens

der dringendste Bedarf an Verstärkung dortselbst gedeckt. Sie hatte

auf ihrem Vormarsch am 11. Februar eine feindliche Werft überfallen

und mit geringen eigenen Verlusten genommen. Nachzuholen ist noch,

daß die Kompagnie Fischel in der Nacht vom 14. auf den 15. in der

Nähe von Seeis einen Überfall auf ihre Sicherheitstruppen und hierbei

einen Verlust von 3 Toten und 2 Verwundeten erlitten hatte. Auch diese

Meldung war am 15. in Karibib eingetroffen.

Nach ihrer vollständigen Zusammensetzung war die Kriegsgliederung der

Ostabteilung folgende:

Führer: Major v. Glasenapp,

Stab: Hauptmann a. D. v. François,

Adjutant: Leutnant Schäfer,

Ordonnanzoffizier: Oberleutnant Graf v. Brockdorff,

Artillerieoffizier: Oberleutnant z. S. Manshold,

Stabsarzt Graf,

Marineinfanterie-Oberassistenzarzt ~Dr.~ Velten,

Marine-Kompagnien Fischel, Lieber,

Schutztruppen-Feldkompagnie von Winkler,

Kavallerie-Abteilung Oberleutnant d. L. Köhler[140],

Oberleutnant Eggers,

2 Maschinengewehre,

6 Geschütze verschiedenen Kalibers,

in Summa rund 400 Gewehre, darunter 80 Berittene. An landeskundigen

Offizieren befanden sich bei der Abteilung der Kriegsfreiwillige

Hauptmann a. D. v. François und die Oberleutnants v. Winkler

und Eggers. Aber auch zahlreiche Landeskundige, sei es als

Kriegsfreiwillige, sei es als Reserve und Landwehr, waren bei der

Schutztruppenkompagnie. Sie haben bei der durchweg aus Neulingen

bestehenden Ostabteilung nach dem Zeugnisse des Führers die

wertvollsten Dienste geleistet, trotzdem empfand der letztere immer

noch unliebsam den Mangel an wegekundigen Eingeborenen.

Wenn die Ostabteilung bei ihren Operationen auch nicht so durchweg

vom Glück begünstigt gewesen ist wie die Westabteilung, so verdienen

ihre Leistungen doch die höchste Anerkennung. Die Marschdisziplin

der zum Teil noch aus Rekruten bestehenden Marineinfanterie war

bewundernswert. Sie hat den weiten Weg von Windhuk nach Gobabis und

von da, stets den Spuren des Feindes folgend, gegen Westen bis in die

Nähe der Onjati-Berge ohne nennenswerte Verluste an Marschunfähigen

zurückgelegt.[141] Zu einem Gefecht gegen den noch isolierten Feind,

wie wir dies bei der Westabteilung gesehen haben, ist es dagegen bei

der Ostabteilung nicht gekommen. Die Kriegslust des Tjetjostammes

scheint diejenige der Omaruru-Hereros nicht erreicht zu haben. Er blieb

vielmehr beim Anrücken der Ostabteilung in ununterbrochenem Rückzuge

und fand erst nach gewonnener Fühlung mit der Hauptmasse seiner

Landsleute in der Nähe der Onjati-Berge den Mut zum Widerstande.

Zunächst hatte daher die Ostabteilung lediglich Marschleistungen

aufzuweisen.[142] Deren Ziel war Kehoro am oberen Nosob, wo der

Tjetjostamm gemeldet war. Indem sowohl die Abteilung von Winkler wie

die von Major v. Glasenapp selbst geführten beiden Marinekompagnien

diesem Ziel zustrebten, gewannen sie am 24. Februar in der Nähe von

Groß-Owikango Fühlung miteinander. Der Platz Kehoro aber fand sich

bereits vom Feinde geräumt. Gemeinsam wurde jetzt die Verfolgung

aufgenommen, und zwar in zwei Kolonnen, die eine den Epukiro, die

andere den Schwarzen Nosob auswärts. Die breite Front war gewählt

worden, um eine Rückkehr des Gegners um die Flanken des Verfolgers

herum nach Osten tunlichst zu erschweren. Wo die Hauptmasse der

Hereros geblieben war, ob bei Waterberg oder in den Onjati-Bergen,

war damals beim Oberkommando der Truppe wohl bekannt, aber noch nicht

bis zur Ostabteilung durchgedrungen. Die Spuren des zurückziehenden

Tjetjostammes führten dagegen stets nach Westen, bis Onjatu, welcher

Platz seitens der linken Kolonne am 12. März erreicht wurde. Hier aber

verloren sie sich. Da das zweckmäßigste Erkundungsmittel, nämlich

Eingeborene als Späher, hier versagte und kleinere Patrouillen in

Südwestafrika überhaupt unzweckmäßig sind, in dem dortigen dichten

Buschgelände aber erst recht keinen Erfolg versprechen, so wurde eine

größere Erkundungsabteilung zusammengesetzt und zu ihr alle in Onjatu

entbehrlichen Offiziere herangezogen, um bei dem Pferdemangel die Zahl

der Berittenen tunlichst zu erhöhen. Auch der Stab schloß sich an. In

Summa betrug die Stärke der Erkundungsabteilung 11 Offiziere, 46 Reiter

und 3 Eingeborene, von welchen 36 Gewehre am Gefecht teilgenommen haben.

Dieser Erkundungsritt führte am 13. März zu dem Gefecht von

Owikokorero. Nach den Aussagen einer unterwegs eingefangenen Hererofrau

sollte der Gegner im Abzug begriffen sein und sich an dem Platze nur

noch seine Nachhut sowie eine Viehherde befinden. Dies schien sich zu

bestätigen, als die ersten entdeckten Schwarzen vor der in breiter

Front und rascher Gangart vorreitenden Patrouille davonliefen. Sogar

die Viehherde konnte anstandslos weggenommen werden. Aber bald wurde

die Patrouille von Schüssen begrüßt, worauf sie zum Fußgefecht absaß.

Das anfänglich nur schwache feindliche Feuer verstärkte sich zusehends,

und bald war kein Zweifel mehr möglich, daß man nicht die Nachhut des

Tjetjostammes, sondern diesen selbst vor sich habe. Mit Recht ließ

Major v. Glasenapp jetzt das Gefecht abbrechen, doch war man bereits

zu sehr mit dem Feinde handgemein geworden, als daß dies noch ohne

schwere Verluste möglich gewesen wäre. Sogar das Maschinengewehr ging,

nachdem dessen Bedienungsmannschaft in mehrfachem Wechsel außer Gefecht

gesetzt worden war, verloren. Es war daher fast ein Wunder, wenn dem

übermächtigen sowie heftig nachdrängenden Gegner gegenüber überhaupt

noch eine teilweise Rettung der Patrouille gelang. Die Mehrzahl der

Kämpfer jedoch, und zwar 7 Offiziere und 19 Mann, war gefallen. Zwei

schwer verwundete Offiziere konnten noch gerettet werden. Im Verhältnis

zu der im Gefecht gewesenen Kopfzahl betrugen die Verluste somit

etwa 70 vH. Wenn daher in diesem Gefecht für die deutschen Waffen

manches verloren gegangen ist, so war eins nicht verloren, nämlich die

Waffenehre. Auch die beiden alten Afrikaner, deren Rat bei Durchführung

dieses Patrouillenrittes wesentlich mitgewirkt hat, waren gefallen.[143]

Nunmehr blieb die Ostabteilung vom 14. bis 28. März im Lager von

Onjatu, das Eingreifen der zur Zeit noch nicht operationsfähigen

Hauptabteilung erwartend. Denn was die Abteilung zu wissen nötig hatte,

wußte sie jetzt, nämlich, daß ihr ein starker Feind in einem für diesen

günstigen, für die deutschen Waffen aber höchst ungünstigen Gelände

gegenüberstände.

Erst der nächste von Windhuk kommende Befehl vom 11. März --

eingegangen am 17. März -- brachte Aufschluß über die Gesamtlage beim

Feinde. Er lautete auszüglich:

1. Samuel mit den Okahandjaleuten sitzt in der Linie Otjosasu-Okatumba

(am Swakop) -- Katjapia und südlich (etwa 1000 Gewehre).

Der Tjetjostamm ist im Rückzuge von Kehoro, den Schwarzen Nosob

aufwärts nach den Onjati-Bergen (etwa 500 Gewehre).

Michael mit den Leuten von Omaruru geht vom Etjo-Gebirge in östlicher

Richtung zurück (etwa 1000 Gewehre).

Im Bezirk Otjimbingwe, bei Sneyrivier und am Liewenberge und südlich

sitzen weitere Hereros (etwa 1000 Gewehre).

Aus dem Nordosten keine Nachricht.

2. Ich beabsichtige, nach Formation der Hauptabteilung die

Okahandjaleute und Tjetjo von Westen und Osten her gleichzeitig

anzugreifen.

3. bis 8. usw.

9. Ich treffe Ende März in Okahandja ein und begleite den Vormarsch der

Hauptabteilung.

Notizen: 1. usw.

2. Die Formation der Hauptabteilung kann Anfang April beendet sein.

Der Tag des Angriffs wird noch befohlen werden.

3. bis 5. usw.

Ergänzt wurde dieser Befehl durch einen zweiten vom 18. März, der die

Aufgabe der Ostabteilung, wie folgt, genauer bestimmt:

»Wenn über den Tjetjostamm nunmehr andere Nachrichten dort eingegangen

sind, so liegt die Sache für die Ostabteilung natürlich anders und

würde dieselbe freie Hand zu jeder anderen Operation gegen diesen

haben. Die Hauptoperationsaufgabe der Ostabteilung ist und bleibt der

Tjetjostamm und die Sperrung der Ostgrenze.«

Gleichzeitig mit diesem Befehl trafen am 21. März aus Windhuk als

Ersatz für die Gefallenen vier andere Offiziere ein, darunter drei

Reserveoffiziere, von denen der eine (Nörr) bereits 12 Tage später bei

Okaharui fiel.

Die weiteren Ereignisse zeigten dann von neuem, wie schwer in Afrika

ein einheitliches Zusammenwirken getrennt operierender Abteilungen

herzustellen ist. Die Hauptabteilung war nicht am 1. April, sondern

infolge eingetretener Hemmnisse erst am 7. operationsfähig. Die

Nachricht von dieser Verschiebung traf jedoch die Ostabteilung erst am

3. April, aber auch jetzt konnte noch nicht bestimmt gesagt werden,

an welchem Tage der Angriff der Hauptabteilung auf die feindliche

Stellung zu erwarten sei. Es hieß nur »um den 6. herum«.[144] Am

3. mußte jedoch, wie wir noch sehen werden, die Ostabteilung sich

eines feindlichen Angriffs bei Okaharui erwehren, da sie sich in

ihren Operationen an den ersten Befehl gehalten hatte, nach dem die

Hauptabteilung Anfang April marschbereit sein sollte. Ein solch

mangelhaftes Zusammenwirken wird erklärlich, wenn wir die Art der

Verbindung zwischen beiden Abteilungen betrachten. Diese ging mittels

Heliographenlinie von Okahandja über Windhuk nach Seeis und von da

mittels Reiter oder Fußboten zum Lager der Ostabteilung. Auch bei

der größten Beschleunigung bedurften die Befehle und Meldungen zum

Zurücklegen dieses Weges eines Zeitraumes von 5 bis 8 Tagen. Beide

Abteilungen mußten daher auch isoliert sowie nach den Umständen

handeln. Indessen lag hierin keine besondere Gefahr, da jede ihren

eigenen Gegner hatte, und ihre bloße Anwesenheit genügte, um diesen

festzuhalten. Wenigstens hat der Tjetjostamm bei den Gefechten der

Hauptabteilung nicht mitgewirkt. Ebenso unwahrscheinlich war eine

Teilnahme der bei Onganjira stehenden Hauptmacht der Hereros an dem

Gefecht bei Okaharui. Denn die Eingeborenen pflegen über die Maßnahmen

des Feindes stets völlig unterrichtet zu sein. Und so konnte auch dem

bei Onganjira stehenden Oberhäuptling Samuel die immer stärker werdende

Ansammlung von Truppen in Okahandja unmöglich entgangen sein.

In der Annahme, daß die Hauptabteilung ihren Vormarsch Anfang April

beginnen werde, stieß die Ostabteilung am 1. April bis Ojikuoko vor.

Hier tauchten ihr Zweifel auf, ob die Hauptabteilung ihren Vormarsch in

der Tat angetreten hätte, da von dort weder Nachrichten eingetroffen,

noch Signalzeichen zu sehen waren. Major v. Glasenapp beschloß daher

den Rückmarsch auf Onjati, da ihm die Lage seiner Abteilung dicht vor

dem starken Feinde doch zu gefährdet erschien. Nachdem die berittene

Abteilung unter Oberleutnant v. Winkler zur Erkundung bereits vorher

zurückgesendet worden war, lagerte die Ostabteilung selbst in der

Nacht vom 2. bis 3. April bei Okaharui mit der Absicht, am andern Tage

den Rückmarsch auf Otjikuara fortzusetzen. Auf diesem Rückmarsch traf

am 3. April -- mithin noch ungewöhnlich schnell -- der Befehl des

Truppenkommandos vom 29. März ein, wonach die Hauptabteilung erst etwa

am 6. marschbereit wäre und daß zwei Geschütze nebst Munition sowie

Proviant unter Hauptmann a. D. Fromm im Anmarsch seien. Nun hatte Major

v. Glasenapp selbstverständlich erst recht keine Veranlassung zum

Bleiben; doch erwies sich bald, daß eine ungestörte Fortsetzung des

Rückmarsches nicht mehr in seiner Hand lag. Denn anscheinend übermütig

geworden durch den mit erdrückender Übermacht errungenen Erfolg bei

Owikokorero, war der Gegner der Abteilung in dichten Massen gefolgt und

hatte am 3. vormittags die Nachspitze angegriffen. Hieraus entwickelte

sich nunmehr das Gefecht von Okaharui.

Der Angriff der Hereros traf die Ostabteilung in einer recht

schwierigen Lage. Mit einem Train von 22 Ochsenwagen belastet,

war sie in dem ganz unübersichtlichen Gebüsch auf 2½ ~km~

auseinandergezogen. Die Arrieregardenkompagnie (Fischel) machte sofort

Kehrt, um ihrer hart bedrängten Nachspitze Unterstützung zu bringen.

Die in der Mitte der Marschkolonne befindliche Schutztruppenkompagnie

-- jetzt von Oberleutnant Graf v. Brockdorff geführt -- sowie die

Artillerie erhielten Befehl, gleichfalls wieder Front zu machen und

behufs Aufnahme der Arrieregardenkompagnie sich bei einer Lichtung

zu entwickeln. Auch die auf dem Rückmarsch am weitesten vorn

befindliche Kompagnie (Lieber) bekam Weisung, sich an diese Stellung

heranzuziehen. Letzteres konnte jedoch nicht zur Ausführung gebracht

werden, da inzwischen die Kompagnie selbst angegriffen worden war.

Es entwickelte sich daher ein räumlich getrenntes Gefecht nach zwei

Fronten, bei dem der Gegner bald entdecken sollte, daß er es nicht

mehr mit der schwachen Abteilung von Owikokorero zu tun hätte. Er wich

unter schweren Verlusten, noch bevor der auf beiden Gefechtsfeldern

beschlossene Sturmangriff zur Ausführung gekommen war. Aber auch die

diesseitigen Verluste waren groß. Sie betrugen 1 Offizier, 31 Mann tot,

davon 1 Offizier, 18 Mann allein von der Nachspitze, und 2 Offiziere,

15 Mann verwundet. Nachdem der geschlagene Feind noch 7 ~km~ verfolgt

war, wurde in der Nacht zum 4. April auf dem Gefechtsfelde biwakiert

und am anderen Tag der Rückmarsch nach Onjatu fortgesetzt. Hier erhielt

die Ostabteilung erst am 20. die Nachrichten von den Ereignissen bei

der Hauptabteilung, aus denen zu ersehen war, daß bei dieser die

Operationen vorläufig zum Stillstand gekommen waren. Das fernere

Verhalten der Ostabteilung sollte daher bis auf weiteres rein defensiv

bleiben, zu welchem Zweck ihr die Aufstellung überlassen blieb. Auch

wurde ihr ein etwaiger Linksabmarsch nach Otjihangwe, jedoch unter

Aufrechterhaltung der Beobachtung des Gegners, freigestellt.

Inzwischen hatte sich bei der Abteilung ein neuer Feind eingestellt,

der noch mehr Opfer fordern sollte als die Hereros, nämlich der

Typhus. Am 16. April hatte die Abteilung bereits 66 Typhuskranke,

und täglich kamen neue Erkrankungen hinzu. Es war daher ein ganz

richtiger Entschluß, wenn die Ostabteilung die auf dem Kriegsschauplatz

eingetretene Ruhepause benutzte, um die verseuchte Gegend zu räumen.

Sie marschierte am 21. April ab und erreichte am 24. Otjihaenena,

wo Missionshaus und Kirche die Möglichkeit zur Einrichtung eines

Lazaretts boten. Auf die Nachricht von dem Geschehenen wurde dort

die Abteilung unter dem 3. Mai in Quarantäne gesetzt. Die berittene

Abteilung war infolge ihrer Entsendung bereits vor dem Gefecht von

Okaharui glücklicherweise nicht infiziert worden und konnte daher

auch ferner außerhalb des Verbandes der Abteilung verbleiben. Sie

wurde zunächst in Seeis stationiert. Mit diesen Maßnahmen hatte die

Ostabteilung zu bestehen aufgehört. Ihre Aufgabe, den Ostdistrikt zu

säubern und einen etwaigen Übertritt feindlicher Banden mit Viehherden

nach dem britischen Gebiet zu verhindern, hat sie vollauf gelöst und

in zwei schweren Gefechten dem Gegner Achtung vor den deutschen Waffen

beigebracht. Die stets ungebeugte Energie und frische Initiative des

Führers, des Majors v. Glasenapp, verdient alle Anerkennung.

Von den Aufgaben, die bisher der Ostabteilung obgelegen hatten und

deren Erfüllung infolge ihres Ausscheidens gefährdet erschien,

konnte die eine auch ferner nicht unberücksichtigt bleiben, nämlich

Verhinderung eines etwaigen Abmarsches der Hereros über die englische

Grenze. Glücklicherweise gibt es vom Hererolande aus über diese

eigentlich nur zwei für große Massen brauchbare Übergänge, nämlich

längs des Omuramba-u-Omatako sowie längs des Epukiroriviers. Diese

beiden Riviere mußten daher gesperrt werden. Die Sperrung des ersteren

erfolgte durch Besetzung der Wasserstelle Coblenz seitens des Distrikts

Grootfontein,[145] diejenige des letzteren durch Stationierung einer

neu zusammengestellten Abteilung von etwa 100 Reitern und 2 Geschützen

unter Oberleutnant v. Winkler bei Epukiro. Mannschaften und Geschütze

waren zum Teil der Ostabteilung (Reitertruppe) entnommen, zum Teil der

Station Windhuk. Außerdem hatte die Ostabteilung bereits im Monat März

den Leutnant Eymael mit 30 Reitern nach Rietfontein entsendet. Einzelne

Banden, anscheinend mit der Absicht, die Grenze zu überschreiten,

hatten sich in der Nähe dieses Platzes bereits gezeigt.

Schließlich erscheint noch die Tatsache erwähnenswert, daß nach dem

Gefecht von Onganjira eine Meldung des bei Okaharui kommandierenden

Hereroführers über das dortige Gefecht in dem Pontok des Oberhäuptlings

gefunden worden ist. Diese Meldung war jedoch nicht von Tjetjo

unterzeichnet, sondern von Oanja, einem der Großleute Samuels, den

dieser in anscheinendem Mißtrauen gegen Tjetjo über letzteren gesetzt

hatte. Der Inhalt des Briefes war ungefähr: »Wir haben gestern

gefochten und wollten die Wagen der Deutschen nehmen, doch diese

hielten stand, wir auch; und dann haben wir eine große Sache gemacht,

nämlich zwei große Rohre weggenommen. Die Deutschen verloren 31 Tote.«

Wie wir jetzt wissen, war die Meldung von der Wegnahme zweier Geschütze

eine Flunkerei seitens des Hereroführers.

Die Hauptabteilung.[146]

Während die beiden deutschen Flügelabteilungen ihre weiten

Umfassungsbewegungen vollendeten, benutzte die in Okahandja sich

sammelnde Hauptabteilung die so gegebene Zeit zu ihrer Formation.

Sie sollte sich aus der vom Süden zurückzuerwartenden Feldtruppe und

aus den von Deutschland bereits angekündigten weiteren Verstärkungen

in der Höhe von 500 Köpfen, endlich aus der in Okahandja

zurückgebliebenen Marinekompagnie (Schering) zusammensetzen, die ganze

Abteilung unter dem Befehl des inzwischen eingetroffenen Führers des

Marine-Expeditionskorps, des Obersten Dürr. Leider aber machte sich

bei dem genannten Offizier bald die Wirkung des südwestafrikanischen

Höhenklimas geltend. Ein schweres Herzleiden zwang ihn, das

Schutzgebiet bereits nach vier Wochen wieder zu verlassen. Ich

bedauerte dies tief, da ich mir bewußt war, bei meiner schweren Aufgabe

die Unterstützung seitens eines so erfahrenen und tüchtigen Offiziers

wohl brauchen zu können.[147] Infolge seines Ausscheidens trat der Stab

des Obersten Dürr zum Kommando der Schutztruppe über (die Hauptleute

Salzer und Bayer als Generalstabsoffiziere, Oberleutnant v. Bosse als

Adjutant, deren Unterstützung mir um so wertvoller war, als ich bis

jetzt hatte froh sein müssen, wenn ich überhaupt nur einen einzigen

Adjutanten besaß).

[Illustration: Oberst Dürr.]

Bis Ende Februar hatte die Hauptabteilung lediglich aus der

Marinekompagnie bestanden. Am 28. traten zwei aus den eingetroffenen

Verstärkungen mittlerweile neuformierte Kompagnien der Schutztruppe,

und zwar die 5. unter Hauptmann Puder, die 6. unter Hauptmann v.

Bagenski,[148] hinzu, zwei gleichfalls neu gekommene Batterien

befanden sich noch in der Formation begriffen im Bezirk Swakopmund.

Da der im Bezirk Otjimbingwe stehende, seinerzeit durch die Abteilung

Gygas geschlagene Gegner anfing, sich wieder lästig zu machen, wurde

beschlossen, die noch fortdauernde Ruhepause vor der Front zu einer

abermaligen Expedition gegen ihn auszunutzen. Es wurden hierzu bestimmt:

Kompagnie Puder,

Marinekompagnie Schering,

23 Mann vom Landungskorps S. M. S. »Habicht«,

1 Feldgeschütz ~C.~ 73 }

2 Maschinenkanonen } unter Leutnant z. S. Rümann.

1 Revolverkanone }

Außerdem wurde zur Aufklärung eine besondere berittene Patrouille von

30 landeskundigen Reitern unter Oberleutnant Ritter vorausgeschickt.

Diese meldete am 3. März frische feindliche Spuren in der Richtung von

Groß-Barmen nach Klein-Barmen.

Die Abteilung selbst unter Kommando des Hauptmanns Puder trat ihren

Vormarsch am 2. März an. Am 4. früh stieß die Spitze in der Nähe

von Klein-Barmen auf eine geschickt gewählte feindliche Stellung.

Spitze und Reiterabteilung waren hierbei unvermutet in das feindliche

Feuer geraten und hatten mehrere Reiter und Pferde verloren. Rasch

entwickelte Hauptmann Puder die Kompagnie Schering gegen die Front

des Feindes, seine eigene gegen dessen rechte Flanke. Mittels

dieser Umfassungsbewegung wurde nach vierstündigem Gefecht, bei dem

schließlich ein seitens des Leutnants v. Rosenberg[149] mit seinem

Zug ausgeführter Sturmangriff den Ausschlag gab, der Gegner mit einem

diesseitigen Verlust von 5 Toten und 1 Verwundeten aus seiner Stellung

geworfen. Eine weit ausholende Verfolgung lag nicht in der Aufgabe der

Abteilung Puder, da sie sich von dem Schwerpunkt unserer Operationen,

Okahandja, nicht allzusehr entfernen durfte. Sie kehrte daher am 8.

März an diesen Platz zurück.

Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika · 第 40 / 50 段