Windhuk vor, darunter sechs Buren. Nunmehr ging v. Niewitecki am 26.
Januar mit einer Gesamtstärke von 27 Köpfen auf Seeis vor, traf 3 ~km~
diesseits der Station auf mehrere hundert Hereros und setzte sich
sofort im Galopp sowie mit Hurra in den Besitz der nächstgelegenen
Höhe, von wo aus die Hereros mit Feuer überschüttet wurden. Nach
etwa zweistündigem Gefecht zogen sich diese unter einem Verlust von
25 Toten zurück und sollen später in wilder Flucht die ganze Gegend
von Seeis geräumt haben, wenigstens wurde die Station seitdem nicht
wieder belästigt. Die Patrouille hatte in dem Gefecht nur einen
Schwerverwundeten. Nachdem sie am 27. Januar Kaisers Geburtstag
gefeiert hatte, traf sie am 28. Januar mit mehreren nach Seeis
geflüchtet gewesenen Familien wieder in Windhuk ein. Am 4. Februar
ritt v. Niewitecki mit neun Reitern eine weitere Patrouille, und zwar
nach Harris, südwestlich Windhuk. Auch sie war erfolgreich. Eine
Bande Hereros wurde beim Pferdestehlen überrascht und fast völlig
aufgerieben. Zum Teil war es hierbei zum Handgemenge gekommen.
Wie aus den Daten hervorgeht, fielen diese Patrouillenritte aus
Windhuk auf die Zeit _nach_ dem Durchpassieren der Kompagnie Franke
durch den Platz. Die Umgebung des letzteren war mithin durch den Zug
der genannten Kompagnie nicht in dem Maße vom Feinde befreit worden,
wie solches später in Okahandja und Omaruru geschehen ist. Dies war
nur natürlich, denn die mit zahlreichen Farmen besetzte Umgebung
der Hauptstadt, wie letztere selbst mit den dorthin geflüchteten
Viehherden boten den umherstreifenden Banden auch ferner eine zu große
Anziehungskraft, um sie lediglich wegen der damit verbundenen Gefahren
zu meiden. Die Viehdiebstähle haben bei Windhuk auch in den folgenden
Monaten bis zum Rückzug der Hereros nach Waterberg nie ganz aufgehört.
Eine Gefahr für den Platz selbst und seine Bewohner bestand jedoch
nicht mehr.
Gobabis.
In diesem Bezirk zeigte sich bereits Anfang Januar eine gewisse Gärung.
Viehdiebstähle waren immer vorgekommen, aber jetzt verweigerten
die Diebe, wenn ertappt, das Wiederherausgeben des gestohlenen
Viehs, und das war bisher nicht vorgekommen. Der Sohn des Kapitäns
Tjetjo, Traugott, versprach zwar am 6. Januar noch in Gobabis viel,
vermochte aber nichts davon zu halten. Nunmehr ritt der Distriktschef
Oberleutnant Streitwolf am 7. Januar mit neun Reitern persönlich nach
dem Schauplatz der Viehdiebstähle, bemerkte dort weitere verdächtige
Anzeichen, riet daher auf seinem Weiterritte allen Farmern die
Übersiedlung nach Gobabis an, setzte selbst mit seiner Patrouille den
Weg bis Epukiro fort und ließ diese Station in Verteidigungszustand
bringen. Querfeldein reitend, traf die Patrouille dann am 17.
Januar wieder in Gobabis ein, fand es bereits belagert, konnte
aber noch ohne Verluste hineinkommen. Die Feste war nunmehr von 27
waffenfähigen Männern besetzt. Ihre Umschließung hat dann bis zum 25.
Januar gedauert. Von diesem Tage an beschränkte sich der Gegner auf
Beobachtung, während seine Masse auf Kehoro am oberen Nosob abzog und
sich dort anscheinend verschanzte. Durch Überfall genommen worden war
die kleine Station Witvley. Oas hatte sich dagegen gehalten und wurde
später freiwillig geräumt. Desgleichen zog sich auch die Besatzung von
Epukiro nach Gobabis heran. Aminuis wurde ebenfalls geräumt, bald aber
wieder besetzt.
Outjo.
Die Verhältnisse in diesem Bezirk lagen insofern günstiger, als in ihm
eine volle Feldkompagnie garnisonierte, der noch dazu eine geringere
Hererobevölkerung gegenüberstand. Der dort befehlende Hauptmann
Kliefoth beschränkte sich daher gleichfalls nicht auf eine passive
Verteidigung, sondern rückte auf die Nachricht von dem Falle der
Station Waterberg am 12. Januar mit allen verfügbaren Kräften, etwa
500 Gewehren und einem Geschütz, nach dort ab. Am 16. Januar stieß
die Abteilung etwa halbwegs Waterberg auf mehrere hundert Hereros
und wurde von diesen mit Feuer begrüßt. Nach 1½stündigem Gefecht
wurde die feindliche Stellung, unter einem diesseitigen Verlust von
einem Schwerverwundeten, erstürmt. Nunmehr kehrte die Kompagnie nach
Outjo zurück, um am 17. Januar mit 60 Gewehren und 2 Geschützen einen
zweiten Vorstoß, und zwar in der Richtung auf Omaruru, zu unternehmen.
Hierbei kam es am 29. Januar abermals zu einem Zusammenstoß mit einer
Hererobande, in dem der Hauptmann selbst verwundet, der Gegner aber
in die Flucht geschlagen wurde. Von jetzt ab beschränkte sich die
Kompagnie auf Sicherung des Platzes Outjo, wohin sich mittlerweile die
Masse der Farmer des Bezirks mit ihren Viehherden hatte retten können,
sowie auf Beobachtung der Ovambos und der Franzfonteiner Hottentotten.
Zu einem weit ausholenden Offensivstoß nach dem Hererolande waren
dagegen die Kräfte der Kompagnie zu schwach, es lag auch ein solcher
nicht in ihrer Aufgabe.
Grootfontein.
In der mit dem Bezirk Grootfontein in einem gewissen Zusammenhang
stehenden Station Waterberg hatte der Aufstand mit Niedermetzelung der
5 Mann starken Stationsbesatzung sowie 7 weißer Ansiedler begonnen.
Aus dem kürzlich erschienenen Buch einer deutschen Ansiedlersfrau
aus Waterberg[134] ist zu ersehen, daß unheilverkündende Anzeichen
am Platze bereits vom 4. Januar ab beobachtet worden sind. Nicht
nur kauften die Hereros sinnlos in den Stores, was sie nur erhalten
konnten, auf Kredit natürlich, sondern sie traten auch immer frecher
auf. Dann fielen sie am 14. plötzlich über die Weißen her und
ermordeten sie sämtlich. Eine rechtzeitige Versammlung der ermordeten
12 weißen Männer mit Waffen und Munition auf der Station würde diese
gerettet haben. Allerdings war es zweifelhaft, ob auf lange. Indessen
pflegt man in solchen Fällen nicht nach dem Morgen zu fragen, sondern
sich mit dem Heute zu begnügen. Der Stationschef Sergeant Rademacher,
ein besonders ausgewählter, tüchtiger Unteroffizier, hat jedoch
anscheinend bis zum letzten Moment an den Ernst der Lage nicht geglaubt.
Im übrigen erschien der Distrikt Grootfontein infolge seiner
abgeschnittenen Lage als der gefährdetste von allen. Er konnte auf
irgendwelche Hilfe von außen erst nach der vollständigen Niederlage
der Hereros rechnen. Lag doch das ganze Hereroland zwischen ihm
und der Basis der deutschen Macht, Okahandja-Windhuk. Trotzdem
habe ich für meine Person für den Distrikt eigentlich die wenigste
Sorge gehabt. Wußte ich doch dort einen Offizier, den Oberleutnant
Volkmann, auf den ich mich verlassen konnte. Er hatte bereits zehn
Jahre mit mir in Afrika gedient und ich daher genügend Zeit gehabt,
ihn kennen zu lernen. Und diese auf ihn gesetzte Erwartung hat er
auch nicht getäuscht. Dank seiner Umsicht und Tatkraft wurden die
im Bezirk wohnenden Farmer rechtzeitig benachrichtigt und nach
Grootfontein gerettet. Ermordet wurden nur zwei, von denen einer
seine Farm nicht verlassen wollte. Ferner wurde am 18. die Station
Otjituo mittels Überfalls nur deswegen genommen, weil die Besatzung
gegen den erhaltenen Befehl in völliger Sorglosigkeit verblieben
war. Hierbei wurden drei Reiter niedergemacht, drei entkamen nach
Grootfontein. Dagegen hielt sich die Station Otavi bis zum 19., an
welchem Tage sie durch eine starke Patrouille aus Grootfontein
entsetzt wurde; desgleichen hielt die Station Amutoni am 28.
einem Angriff von 500 Ovambos gegenüber stand. Nach mehrfachen
Sturmversuchen zogen diese unter schweren Verlusten -- man schätzte
bis zu hundert Toten -- wieder ab. Aber auch die kleine fünf Mann
starke Besatzung unter dem Sergeanten Großmann mußte aus Mangel an
Munition die Station räumen und wurde von einer ihr aus Grootfontein
entgegenkommenden Entsatzpatrouille aufgenommen. Nunmehr waren
die ganze Distriktsmannschaft sowie sämtliche geretteten Farmer
in Grootfontein vereinigt. Bezeichnenderweise waren auch die zehn
Hereropolizisten des Distrikts treu geblieben, obwohl sie angesehenen
Hererofamilien angehörten. Auch die Bergdamaraniederlassung in Gaub
unter Kapitän Krüger (Kap. ~II~, S. 87) blieb treu und leistete
gute Dienste; später zog auch sie sich nach Grootfontein heran. An
weißen waffenfähigen Männern waren schließlich in Grootfontein über
hundert vereinigt. Der Platz selbst wurde durch Befestigungsanlagen
in verteidigungsfähigen Zustand versetzt und demnächst die
Verbindung mit Outjo aufgenommen sowie dauernd erhalten. Auf diesem
Umwege erhielt die Station wenigstens zeitweise die wichtigsten
Nachrichten über den Verlauf der Ereignisse im übrigen Schutzgebiet.
Die Proviantbestände wurden durch Abernten der umliegenden Farmen
ergänzt, denn auf eine Zufuhr, die selbstverständlich nur unter
einer besonders starken Bedeckung möglich war, konnte zunächst nicht
gerechnet werden.
Indessen beschränkte sich der Distriktschef bei allen Abwehrmaßnahmen
keineswegs auf eine passive Verteidigung des Platzes. Fortgesetzt
wurden Patrouillen geritten und die Gegend von umherstreifendem
Diebesgesindel gesäubert. Das hiernach von Anfang an hervortretende
moralische Übergewicht der Besatzungstruppe über den zahlenmäßig so
sehr überlegenen Feind hatte Oberleutnant Volkmann durch eine kühne
Offensive gegen die erste gemeldete feindliche Angriffsbewegung
erreicht, und zwar mittels des Gefechts bei Uitkomst am 18. Januar.
An dem genannten Platze wohnte ein Bur Namens Joubert, der vorläufig
auf seiner Farm geblieben war. Auf die Nachricht, daß auf den Bergen
in der Nähe der Farm sich eine starke Hererobande (etwa 170 Köpfe)
unter dem Unterhäuptling Batona sammle, sandte Oberleutnant Volkmann
am 17. abends eine Patrouille von 18 Mann, um die Familie Joubert
zu holen, und folgte den andern Morgen mit 12 Mann, um die Hereros
anzugreifen, falls sie wirklich auf Grootfontein marschieren sollten.
Unterwegs begegnete er der bereits zurückkehrenden Wagenkolonne mit
der Familie Joubert. Oberleutnant Volkmann verstärkte sich aus deren
Begleitmannschaft auf 20 Reiter, worunter 14 Kriegsfreiwillige und
Buren, und setzte seinen Marsch fort. Unvermutet stieß die Abteilung
auf eine dichte Masse Hereros, an der Spitze die Reiter, dahinter
eine breite Kolonne Fußvolk, und zwar nach Hereroart in ziemlicher
Sorglosigkeit.[135] Diese günstige Gelegenheit benutzte der deutsche
Führer, ließ aufmarschieren und in scharfem Galopp mit Hurra auf den
Feind einreiten. Erschreckt flüchteten die Hereros in den nächsten
Busch; was sich nicht retten konnte, wurde niedergemacht. Doch sammelte
sich der Gegner bald wieder und überschüttete hierauf die Reiter mit
Schnellfeuer. Deshalb ließ nun Oberleutnant Volkmann zum Gefecht zu
Fuß absitzen und begegnete einer drohenden Überflügelung, zu der die
Hereros vermöge ihrer Übermacht befähigt waren, mittels Durchstoßes
durch deren Mitte. Diese wich zurück, und nunmehr wurde rechts und
links eingeschwenkt und der Feuerkampf gegen die beiden Flügel der
Hereros wieder eröffnet. Nachdem aber hierbei Kapitän Batona[136]
und sechs Großleute gefallen waren, wandten sich jetzt die Hereros
in völliger Auflösung zur Flucht. Die Abteilung Volkmann hatte einen
Verlust von einem Toten und vier Verwundeten, außerdem von 7 Pferden,
die bei der Attacke erschossen worden waren. Es war kein Wunder, wenn
nach diesem Gefecht die Angriffslust der Nordhereros erlahmte. Sie
räumten den Distrikt vollständig, um sich mit den Waterberghereros zu
vereinigen.
[Illustration: Oberleutnant Volkmann.]
Von der ferneren Tätigkeit des unermüdlichen Offiziers interessieren
uns hier noch zwei Ereignisse. Das eine ist die am 7. April erfolgte
Einrichtung der Station Coblenz mit 30 Mann Besatzung auf den
erhaltenen Befehl, den Omuramba-u-Omatako zu sperren. Eine damit
verbundene Erkundung vom 10. bis 14. April stellte fest, daß die
Gegend beinahe bis Waterberg und südlich bis in das Sandfeld auf
mehrere Tagemärsche von den Hereros frei sei. Erst Ende Mai fingen
sie an, sich dort wieder zu sammeln. Die Station Coblenz wurde
dann am 22. Mai wegen ihrer ungesunden Lage wieder aufgegeben. Die
Absperrung des Omuramba übernahm von da ab die gegen Waterberg sich
sammelnde Feldtruppe selbst. Das zweite Ereignis ist das Gefecht bei
Okangundi am 28. April, d. h. ein Überfall auf die dortige, einer der
berüchtigtsten Räuberbanden als Schlupfwinkel dienende Werft. Es gelang
die unvermutete Umstellung und fast völlige Vernichtung der Bande, von
der 31 Tote gefunden wurden, bei einem eigenen Verlust von nur einem
Toten.
Im Monat Mai wurde dann mit Hilfe der inzwischen von Deutschland
eingetroffenen Verstärkungen eine Nordabteilung in der Stärke von 1
Kompagnie, 2 Maschinengewehren und 2 Feldgeschützen formiert und diese
dem Oberleutnant Volkmann unterstellt. Auf dem Marsche nach dem Norden
führte sie Oberleutnant v. Zülow, welcher mittlerweile von Okahandja
wieder nach Swakopmund zurückgekehrt war. Von ihm übernahm sie
Oberleutnant Volkmann am 8. Juni in Otavi und führte sie dann in den
Gefechten von Waterberg wie auf der anschließenden Verfolgung in das
Sandfeld. Die Episode der Verteidigung von Grootfontein war mit ihrem
Eintreffen abgeschlossen.
Die Kompagnie Franke.
Wie oben erwähnt, war die Kompagnie Franke auf ihrem Marsche nach
dem südlichen Kriegsschauplatze bereits in Gibeon angelangt, als sie
von der Nachricht über den Ausbruch des Hereroaufstandes erreicht
wurde. Der Kompagnieführer erbat und erhielt am 15. Januar von mir auf
heliographischem Wege die Erlaubnis zur Umkehr. Die erste hervorragende
unter den vielen Leistungen der Kompagnie war dann die Zurücklegung der
380 km bis Windhuk in 4½ Tagen, und zwar -- was das Wesentlichste
war -- ohne daß nach diesem Marsche die Leistungsfähigkeit der Pferde
beeinträchtigt war. Es war dies das Ergebnis einer vorzüglichen
Ausbildung im Frieden wie der strengen Anwendung des Gelernten jetzt
im Kriege. Nach einem kurzen Gefecht bei Arris traf die Kompagnie am
19. nachmittags in Windhuk ein. Nach einem Ruhetage setzte sie am 21.
ihren Vormarsch auf Okahandja fort. Die Kompagnie war durch Zuwachs
aus der Besatzung Windhuks auf einen Stand von 6 Offizieren, 137
Mann und 2 Geschützen gebracht worden. Am 22. Januar kam es zu einem
Zusammenstoß bei der Station Teufelsbach, in dem die Hereros nach
kurzem Feuergefecht mit aufgepflanztem Seitengewehr in die Flucht
gejagt wurden.
[Illustration:
Phot. H. Noack, Berlin.
Hauptmann Franke]
Bedauerlicherweise kam der Vormarsch an dem Swakoprevier bei Osona
zum Stocken. Aus dem sonst trockenen Swakop war ein reißender Strom
mit etwa der Wassermasse des Rheins bei Schaffhausen geworden. In
Südwestafrika pflegt man unter solchen Umständen einfach zu warten,
bis das Wasser wieder verschwunden ist, andere Mittel zum Übergang
gibt es nicht. In dem vorliegenden Falle befand sich zwar nahebei die
Eisenbahnbrücke über den Swakop, aber sie war zerstört. Das war nun
eine unangenehme Lage, die das Ergebnis des bisher so gut gelungenen
Gewaltmarsches wieder in Frage zu stellen drohte.
[Illustration: Militärstation Okahandja nach der Belagerung.
Im Hintergrunde der Kaiser Wilhelms-Berg.]
Man sah damals die Gefährdung Okahandjas für schlimmer an, als sie
war. Wie wir jetzt wissen, bestand für den Platz seit Eintreffen der
Abteilung Zülow eine eigentliche Gefahr nicht mehr. Indessen Hauptmann
Franke wußte dies nicht, er trug sich daher mit keinem anderen
Gedanken, als rasch nach Okahandja durchzustoßen. Ein Versuch, den
Fluß zu Pferde zu durchqueren, hatte lediglich den Erfolg, daß einige
Tiere ertranken und beinahe ein Offizier, der Leutnant v. Wöllwarth,
dieses Schicksal geteilt haben würde, wenn ihn nicht der Hauptmann
selbst noch rechtzeitig dem Wasser entrissen hätte. Mißmutig ritt
daher die Kompagnie am 24. Januar nach Teufelsbach zurück. Eine am 26.
vorgenommene Erkundung ergab jedoch, daß das Wasser wieder abzunehmen
anfing, und am 27., an Kaisers Geburtstage, gelang der Übergang in
der Tat. Ohne Widerstand zu finden, ging es eilends nach Okahandja,
wo die Kompagnie von der gerade zum Appell versammelten Besatzung
jubelnd begrüßt wurde. Von feindlicher Seite war nur schwaches, seitens
der Kompagnie rasch zum Schweigen gebrachtes Gewehrfeuer erfolgt.
Infolgedessen glaubte Hauptmann Franke die Berge um den Platz lediglich
noch von der feindlichen Nachhut besetzt und beschloß daher, am 28.
Januar den anscheinend nach Otjosasu geflohenen Hereros zu folgen.
Wie sich später ergab, war diese Annahme unrichtig. Als die Kompagnie
am 28. früh unter den erforderlichen Sicherheitsmaßregeln an dem
dicht beim Platze gelegenen, 1670 ~m~ hohen Kaiser Wilhelms-Berg
vorbeimarschieren wollte, erhielt sie von dem Bergabhang starkes
Feuer. Hauptmann Franke entwickelte rasch die Kompagnie nach rechts
und erstürmte in einem sechsstündigen Gefecht den Berg, den die
Hereros unter Zurücklassung zahlreicher Toter und Verwundeter sowie
vielen Hausrates in eiliger Flucht räumten. Die Kompagnie hatte
selbst nur drei Verwundete. Diese geringen Verluste verdankt sie
den am Bergabhange befindlichen toten Winkeln sowie dem Umstande,
daß letztere in der vorzüglichsten Weise ausgenutzt wurden. Auch
schoß der Gegner meist zu hoch. Die Besatzung von Okahandja (v.
Zülow) hatte an diesem Gefecht nicht teilgenommen, sondern, da die
Möglichkeit zu einem solchen gar nicht vorhergesehen war, sich
mit Wiederherstellungsarbeiten an der Eisenbahn südlich Okahandja
beschäftigt. Sie wurde hier gleichfalls in ein kleines Gefecht
verwickelt. Von diesem Tage ab war dann die Umgebung Okahandjas erst
völlig vom Feinde befreit. Einzelne kleine Hererobanden trieben sich
jedoch bis zum Gefecht von Onganjira noch auf dem Kaiser Wilhelms-Berg
herum und wurden von Zeit zu Zeit mittels eines Streifzuges vertrieben.
Am 30. Januar folgte dann Hauptmann Franke den Hereros nach Otjosasu,
fand jedoch auch diesen Ort bereits verlassen und kehrte daher noch an
demselben Tage nach Okahandja zurück.
[Illustration: Gefechtsfeld von Omaruru.]
Nunmehr galt es die Befreiung des anscheinend gleichfalls hart
bedrängten Omaruru. Die Kompagnie brach bereits am 31. dorthin auf und
traf am 2. Februar in Karibib ein. Hier wurde abermals ein Umtausch mit
Mannschaften der Besatzung vorgenommen. Besonders erwähnenswert ist der
Eintritt eines schweizer Offiziers, der bis jetzt als Ingenieur beim
Bau der Otavibahn beschäftigt gewesen war, des Leutnants Leutenegger,
als Artillerieführer. Er hat, wie ich vorausschicken will, in der Folge
für seine militärischen Leistungen alle Anerkennung gefunden. Der
bisherige Artillerieoffizier Oberleutnant Techow, Adjutant der Truppe,
der die Expedition bis jetzt freiwillig mitgemacht hatte, verfügte sich
dagegen zum Empfang des vom südlichen Kriegsschauplatz zurückerwarteten
Gouverneurs nach Swakopmund. Die übrigen der Kompagnie zugeteilten
Offiziere waren: Oberleutnant Grießbach, Leutnant der Reserve v.
Nathusius, Leutnant Freiherr v. Wöllwarth, Leutnant Leutwein. Zu diesen
trat dann noch in Karibib der Leutnant der Reserve Hauber. Die Stärke
der Kompagnie betrug jetzt im ganzen 7 Offiziere, 2 Ärzte, 126 Mann, 2
Geschütze.
Am 3. Februar nachmittags wurde der Vormarsch von Karibib auf
Omaruru fortgesetzt und am 4. vormittags gegen 9 Uhr die Gegend des
letztgenannten Platzes erreicht. Hauptmann Franke hoffte nunmehr, wie
schon erwähnt, durch sein bloßes Erscheinen die Hereros zum Einstellen
der Feindseligkeiten bewegen zu können. Er legte daher eine weiße
Korduniform an und setzte sich auf seinen im ganzen Bezirk bekannten
Schimmel. Indessen ließen sich die Hereros hierdurch keineswegs
abschrecken, feuerten vielmehr erst recht auf das sich ihnen bietende
günstige Ziel. Anfangs erschienen sie jedoch durch das Erscheinen der
Kompagnie überrascht und räumten daher nach wenigen Schüssen die als
vorgeschobene Stellung besetzte Werft (vgl. die Skizze S. 487) des
früheren Kapitäns Manasse, wobei auch eine Viehherde in die Hände der
Deutschen fiel. Die Kompagnie setzte sich nunmehr bei Manasses Werft
fest und ließ die Artillerie auffahren. Es entspann sich hier ein
längeres Feuergefecht, das aber gegen den sehr gut gedeckten Gegner
wenig Erfolg zu haben schien. Hauptmann Franke beschloß daher, dem
Feinde näher auf den Leib zu rücken, und befahl sprungweises Vorgehen,
das schließlich zur Wegnahme der feindlichen Stellung führte, leider
aber unter Verlust des tapferen Leutnants v. Wöllwarth. Nunmehr setzte
sich der Gegner in einer zweiten Stellung fest, gegen die sich die
Kompagnie zunächst wieder zu einem längeren Feuergefecht entwickelte.
Der Angriff auf diese Stellung wurde dann aber durch eine völlig
unerwartete, jedoch um so willkommenere Unterstützung erleichtert. Als
der in Omaruru kommandierende Stabsarzt ~Dr.~ Kuhn das Näherrücken
des Feuergefechtes vernommen hatte, ließ er mit allen entbehrlichen
Leuten unter dem Feldwebel Müller einen Ausfall gegen den Rücken des
Feindes machen. In ununterbrochenem Anlauf überrannte die kleine Schar
eine rasch nach rückwärts Front machende Hereroabteilung, wobei leider
ihr tapferer Führer fiel. Dagegen ließ der Feind an dieser Stelle 17
Tote zurück. Den hierdurch gebotenen günstigen Augenblick benutzte
Hauptmann Franke, um nun die zweite feindliche Stellung zu nehmen,
worauf die Ausfallabteilung sich mit der Kompagnie vereinigte.
Aber noch war der Sieg nicht errungen, denn abermals setzte sich
der zähe Gegner in einer dritten Stellung fest, und zwar in der
Nähe der alten Station, der früheren Wohnung des Hauptmanns Franke.
Der Widerstand, den der Feind in dieser seiner letzten Stellung
leistete, war ganz besonders hartnäckig. Er versuchte sogar einen
Vorstoß gegen die rechte Flanke des Angreifers, bei dessen Abwehr der
Oberleutnant Grießbach schwer verwundet wurde. Außerdem entwickelte
sich nun auch im Rücken der Kompagnie ein heftiges Gefecht gegen die
Bedeckung der Bagage unter Leutnant der Reserve v. Nathusius. Hierbei
wurde der Führer verwundet, so daß das Kommando an den Leutnant
der Reserve Hauber überging. Jetzt wurde die Lage sehr kritisch,
zumal der Artillerie die Munition ausging. Als bestes Mittel, aus
dieser Lage herauszukommen, erschien dem Hauptmann Franke ein
abermaliger Sturmangriff. Dieser wurde wiederum durch Eingreifen der
Besatzungstruppe erleichtert; Stabsarzt ~Dr.~ Kuhn hatte die schwierige
Lage der Kompagnie erkannt und war persönlich an der Spitze von
weiteren 12 Mann zum zweiten Male dem Feind in den Rücken gefallen.
Nachdem ein kräftiges dreifaches Hurra das Nahen dieser Hilfe der
Kompagnie bekannt gegeben hatte, setzte sich Hauptmann Franke auf
seinen Schimmel und sprengte vor die Front, damit das Signal zum Beginn
des Sturmes gebend. Dieses Beispiel zündete, mit lautem Hurra wurde
nunmehr auch die letzte Stellung des Gegners genommen und in dieser ein
fröhliches Wiedersehen mit der Ausfalltruppe gefeiert.
[Illustration: Leutnant Frhr. v. Wöllwarth.]
Die Hereros räumten infolge des Gefechts die Umgebung Omarurus
vollständig, und damit war auch für diesen Platz von jetzt ab alle
Gefahr beseitigt. Der diesseitige Verlust betrug 7 Mann tot, 3
Offiziere und 12 Mann meist schwer verwundet, somit etwa 40 vH. der
Offiziere, etwa 15 vH. der Mannschaften. Von den drei verwundeten
Offizieren starben der Leutnant v. Wöllwarth bereits nach wenigen
Tagen, der Oberleutnant Grießbach erst nach langem Leiden in der
Heimat. Auf die Ausfallabteilung entfielen von den Verlusten zwei Tote
und zwei Verwundete. Vom Feinde wurden dagegen etwa 100 Tote gefunden.
Aber trotz dieser schweren Verluste werden wir ihm bereits einige
Wochen später bei Otjihinamaparero begegnen und ihn dort einen ebenso
hartnäckigen Widerstand leisten sehen.