ihrem Konzessionsgebiet liegenden und früher von den Eingeborenen
ausgebeuteten Otaviminen durch eine Minenexpedition aufgeschlossen
hatte, wurden im Jahre 1900/01 durch die Otavi Minen- und
Eisenbahn-Gesellschaft an der Tsumebmine, der reichsten der Otaviminen,
die Vorabeiten so weit ausgeführt, daß nicht nur ein regelrechter
bergmännischer Betrieb bis 1907 in Angriff genommen, sondern auch die
Eisenbahn von Swakopmund nach dem Minengebiet von Otavi auf Kosten der
Gesellschaft gebaut und in Betrieb genommen werden kann. Die Otavi-
(Tsumeb-) Mine ist deshalb von ganz besonderer Bedeutung, weil durch
sie die Möglichkeit, daß der Erzgehalt in recht bedeutender Tiefe
niedersetzen kann, erwiesen ist.
Eine im Jahre 1899 ins nördliche Gebiet der Rehobother Bastards,
das Konzessionsgebiet der Hanseatischen Land-, Minen- und
Handels-Gesellschaft, entsandte Expedition kehrte allerdings mit einem
endgültigen Urteil über die Abbauwürdigkeit der vielen aufgeschlossenen
Fundpunkte nicht zurück, doch war das Ergebnis immerhin ein solches,
daß die Ausführung weiterer Aufschlußarbeiten warm empfohlen werden
konnte.
[Illustration: Tunnel der Kupfermine Guchab.]
Neben den genannten Gebieten verdienen nach den bisherigen
Feststellungen noch besondere Aufmerksamkeit die Kupfererzvorkommen bei
Gorob und Otyosonjati,[105] beide im Konzessionsgebiet der Deutschen
Kolonial-Gesellschaft für Südwestafrika gelegen. Die Rehobother und
diese der Gneis-Granit-Formation angehörigen Vorkommen erwecken
in geologischer und wirtschaftlicher Beziehung ein besonderes
Interesse, und es wäre zu wünschen, daß die zur Beurteilung ihrer
Rentabilität unbedingt nötigen vollständigen Aufschlußarbeiten nach Art
der Otaviminen bald zum Abschluß gelangten.
Die folgende übersichtliche Darstellung der wichtigeren
Kupfererzlagerstätten Deutsch-Südwestafrikas möge ihre große
geologische Verbreitung veranschaulichen.
_Örtliches Vorkommen und Bemerkungen über geologischen Charakter des
Vorkommens von Kupfererzen und bisherige Aufschlußarbeiten._
~A.~ _Im nördlichen Schutzgebiete Otaviminen._
1. _Tsumeb_, 600 ~km~ von Swakopmund und 19 ~km~ östlich von der
Wasserstelle Otjikotosee: Typisches Lager in grauem bis schwarzem
Kalkstein mit Quarzadern. Das Ausgehende streicht Ostwest, Einfallen
gegen Süd, etwa 200 ~m~ lang, 22 ~m~ breit und 13 ~m~ hoch. Zwei
Lager getrennt durch Sandsteinschichten. Erze: Bleiglanz, Kupferglanz
und deren Karbonate. Durch Schächte, Strecken und Querschläge
aufgeschlossen. Erzvorrat bis zur zweiten Sohle auf 293330 ~t~ mit
12,61 vH. Kupfer und 25,29 vH. Blei und 190519 t mit 2,91 vH. Kupfer,
4,37 vH. Blei berechnet. Aussichten nach der Tiefe zu günstig, da
Mächtigkeit zunimmt und Zwischenmittel von Sandstein zwischen Ost-
und West-Erzkörper abnimmt. Für Betrieb ist Bahnverbindung erste
Voraussetzung. Empfehlenswert ist die Zugutemachung der Erze an Ort
und Stelle durch zweimalige Schmelzung auf metallisches Blei und 60
prozentigen Kupferstein. Bei täglicher Produktion von 200 ~t~ werden
42 ~t~ 60 prozentiger Kupferrohstein und 47,7 ~t~ metallisches Blei
ergeben. Bei 61000 ~t~ Roherz Jahresproduktion dauert der Minenbetrieb
nach bisherigen Aufschlüssen 4,7 Jahre, und da ein gleiches Quantum Erz
für die Tiefe vorauszusehen ist, würde die Mine 8½ Jahre aushalten.
2. _Klein-Otavi_: Hier ist ein kleinerer Erzkörper von ausgezeichneter
Qualität der Kupfererze ohne Bleierze durch die Untersuchungsarbeiten
aufgeschlossen. Regelmäßiges Streichen und vertikales Einfallen.
Weitere Arbeiten sind aussichtsvoll und empfehlenswert.
3. _Guchab_ (Anrab): Am östlichen Ende und an der Nordseite
des Otavitales gelegen. Unvollkommen aufgeschlossen. Weitere
Aufschlußarbeiten durch Stollenbetrieb sind zu empfehlen, da
anscheinend auch keine Bleierze.
4. _Groß-Otavi._ Unregelmäßig geformte und nesterartige Ausfüllung von
guten Kupfererzen. Von den Eingeborenen ausgebeutet. Neue Arbeiten sind
nicht vorgenommen und weniger aussichtsvoll.
~B.~ Im mittleren Schutzgebiete.
_Gorob_ (auch Gorap genannt), 100 bis 120 ~km~ von der Küste im
Hinterlande von Walfischbai: Das Ausgehende ist durch eisenschüssige
quarzitische Ausbisse gekennzeichnet. Nebengestein bilden dunkel
gefärbte Schiefer mit Ausscheidungen von Granat, Staurolith, Hornblende
und Zyanit, die wiederum von grauen Gneisen, Glimmerschiefer und
Amphiboliten eingeschlossen sind. Streichen Nordost bis Südwest,
Einfallen unter 40 bis 50° gegen Nordwest. Die Schürfarbeiten,
kleinere Schächte und Gräben zeigen derbes Erz, bestehend aus dichtem
Gemenge von Kupfererz und Kupferkies, oder Erzadern in quarzitischer
Grundmasse. Der quarzitische »eiserne Hut« zeigt Malachit und derbes
Brauneisenerz. Vermutliche Ausfüllung nach der Tiefe derbes Erz
neben mit Erz durchsetztem Schiefer. Vorkommen kann als Lagerzug mit
großer Längserstreckung (5 ~km~) und mäßiger, aber für den Betrieb
ausreichender Mächtigkeit angesehen werden.
Die Analyse ergab günstige Resultate: bei typischen Erzmustern
31 vH. Kupfer, bei einem Haufen roher Erze 18,9 vH. Kupfer.
Durchschnittsgehalt kann durch Anreicherung mittels Handscheidung auf
30 vH. Kupfer ohne große Verluste an Quantität ermöglicht werden.
Weitere umfassende Untersuchungsarbeiten mit Aussicht auf günstige
Resultate sind zu empfehlen, auch wenn ärmere Erze in größerer Tiefe
angetroffen werden.
Auf demselben Gebiete sind noch zu erwähnen die Vorkommen der Hopemine
und der sog. Naramasmine, von denen die letztere in der Verlängerung
der Gorobminenlagerstätte liegt, die erste schon 1885, aber nicht
vollständig erschürft wurde.
_Rehobother Minen_ am großen und kleinen Spitzkopf: Fünf deutlich
ausgeprägte Gänge streichen von Osten nach Westen und fallen nach Süd
ein; enthalten als Gangart Quarz, Spateisenstein und Kalkspat, auch
metamorphisches Nebengestein.
Kupferglanz ist eingesprengt in Gangquarz, ferner in Erznieren und
Nestern von oft mehreren Kubikmetern Inhalt.
Quarz ist goldhaltig (siehe oben). Der reine Kupferglanz enthält kein
Gold, wohl aber 0,1 bis 0,3 vH. Silber. Das derbe Kupfererz ist durch
Handscheidung auf 50 vH. Kupfer zu bringen.
_Swartmodder_: Gang im Gneisgebiet, der durch Schächte und Strecken
aufgeschlossen ist. Ausfüllung besteht aus braunem, verwittertem
Gestein mit Einlagerungen von derben Kupfererzen und nachweisbarem
Goldgehalt (siehe oben). Pro Tonne 20 ~g~ Gold und 362,5 ~g~ Silber. Im
Durchschnitt 4,5 ~g~ Gold, 37,1 ~g~ Silber und 10 bis 12 vH. Kupfer.
_Areb_: Lagergänge im Tonschiefer, die mehrere hundert Meter zu
verfolgen sind, bei 2 bis 3 ~m~ Mächtigkeit. Die Kupfererze, bestehend
aus Kupferkies und Kupferglanz, kommen in Quarz in Nesterform von 1/4
~cbm~ Inhalt vor.
_Matchless-Mine_, 25 ~km~ westlich von Windhuk am nördlichen Rande
der Khomdo-Hochebene: Diese um die Mitte des vorigen Jahrhunderts mit
Erfolg ausgebeutete Mine ist im Jahre 1901 durch die Kapländische
Gesellschaft weiter aufgeschlossen, jedoch nicht in Betrieb genommen.
Hier treten zwei bis drei schwierig zu erkennende, von Kupfererzen
imprägnierte Glimmerschieferzonen auf, die Quarzitnester enthalten,
von Südwesten nach Nordosten streichen und unter einem Winkel von
45 bis 50 Grad einfallen. Dieser ganze Schichtenkomplex, der bei
seiner Erzführung an sog. Fahlbandvorkommen erinnert, ist von
Amphibolitgesteinen eingeschlossen. Die Erze bestehen aus Kupferkies,
Schwefelkies, Kupferglanz und Malachit. Beachtenswerte Kupfererzfunde
sind noch zu erwähnen von Nauas, Rehoboth, Oamites, Garis, Kamrivier,
Kuissorobis, Kabiras, Kamasis, Arrowvley, Kuddies und Slip.
_Otyosonjati-Minen_, 60 ~km~ östlich von Okahandja: Zone von parallel
zueinander laufenden Quarzgängen im Biotit und Hornblendegneis von
nord-südlichem Streichen und vertikalem Einfallen.
Da Granit (Pegmatit) in der Nähe auftritt, ist genetischer Zusammenhang
mit diesem nicht ausgeschlossen. Am Ausgehende erstaunlicher
Erzreichtum, zum Teil mit gediegenem Kupfer. Quarz und Kalkspat bilden
die Gangart mit Kupferglanz, Rotkupfererz und wenig Kupferkies, sowie
den Zersetzungsprodukten derselben, Malachit und Kupferlasur als Erze.
Analysen ergaben sehr gute Resultate, so daß sich bei anhaltender und
gleicher Ausfüllung der Gänge die Erze durch Handscheidung bis 40 vH.
Kupfer anreichern lassen.
Erze sind frei von schädlichen Bestandteilen und zeigen für ihre
Verhüttung gute Zusammensetzung, so daß außergewöhnliche Unkosten beim
Schmelzprozeß nicht entstehen.
Weiterer Betrieb verspricht gute Aussichten.
Fernere beachtenswerte Kupfererzfunde sind noch zu erwähnen aus
dem westlichen Hereroland bei der sogenannten Ebony-Mine, ferner
bei Kain-Kachas im Khanflußgebiet, aus dem Gebiete östlich von
Windhuk (Hohewarte, Witvley), nördlich von Karibib, Otjimakoka an
der Bahn Swakopmund-Windhuk, von der sogenannten Sinclair-Mine 150
~km~ östlich von Hottentott-Bai, ferner von der Küste südlich von
Lüderitzbucht (Prince of Wales-Bay) und vielen anderen Orten, wo jedoch
Schürfarbeiten in größerem Maßstabe noch nicht ausgeführt sind.
Im Anschluß an diese Kupfererzvorkommen will ich nicht unerwähnt
lassen, daß auch noch Bleierze (Otavi, Hohewarte), Manganerze,
Wolframerze, Eisenerze, Wismut, Molybdän, ferner von nicht metallischen
Bodenschätzen Halbedelsteine (Korund, Zirkon, Spinell, Apatit, Topas)
in jenen Gebieten vorkommen, über deren bergbauliche Gewinnung jedoch
wegen zu geringer Aufschließung sich nichts sagen läßt.
Eine Ausnahme bildet der »_Marmor_«, der unweit der Regierungsbahn am
südlichen Rande des Geiassibgebirges, vor allem bei Etusis in einer
Längserstreckung von 6 bis 7 ~km~ in wirtschaftlich verwertbarer
Weise zutage tritt. Von hervorragenden Bildhauern ist er wegen seiner
vortrefflichen Eigenschaften sehr gerühmt, und wenn auch die größeren
Probesendungen noch einige Beimengungen (Tremolit) an der Oberfläche
zeigten, so ist zu hoffen, daß der Marmor aus größerer Tiefe kompakter
und reiner, dadurch seine Festigkeit größer und die Porosität geringer
wird. Schon jetzt zeigt dieser dolomitische Marmor eine große chemische
Reinheit, ist vor allem eisenfrei, daher fleckenlos, feinkörnig
kristallinisch, von lebhafter Farbe und kantendurchscheinend. Neben
diesem als Statuenmarmor in Betracht kommenden Material tritt auch noch
der für Architekturzwecke geeignete schwarzgeäderte Marmor auf, der
dem sehr geschätzten und nicht häufig vorkommenden Pavonazzamarmor von
Carrara ähnelt.
Während sich nach dem Gesagten der Bergbau vorwiegend in dem mittleren
Teile des Schutzgebietes bewegte, oder ein solcher mit Gewißheit
sich voraussehen läßt, entwickelte sich die Schürftätigkeit im
_Süden_ nur in geringem Maße. Es hängt dies in erster Linie mit der
geologischen Beschaffenheit des Landes zusammen, da der südliche Teil
des Schutzgebietes eine von dem nördlichen wesentlich verschiedene
geologische Ausbildung erfahren hat.
Das hervorragendste Interesse bietet das Gebiet von Gibeon und Bersaba,
wo bereits Ende der 80er Jahre die »Blaugrundlager« entdeckt und damals
von den Engländern erschürft wurden. Erst im Jahre 1896 dachte man
von deutscher Seite an ihre Nutzbarmachung, und im Jahre 1903 bildete
sich nach mancherlei Bemühungen die rein deutsche Gibeon-Schürf- und
Handels-Gesellschaft m. b. H., deren Zweck die Untersuchung der in dem
Gibeoner Konzessionsgebiet liegenden Blaugrundstellen auf Diamanten und
Edelsteine bildet.
Das Bersabaer Gebiet, südlich und südwestlich von Gibeon gelegen,
wurde im Hinblick auf das Vorkommen von Blaugrund im Jahre 1897 auf
Grund der Bergverordnung zum öffentlichen Schürfgebiet erklärt, und
es ist zur Zeit besonders in Mukorop und auf anderen Farmen eine rege
Schürftätigkeit entfaltet.
Bekanntlich ist der Blaugrund (englisch blueground) das Muttergestein
der in Südafrika (bei Kimberley, in der Orangefluß-Kolonie und in
Transvaal) vorkommenden Diamanten. Die Untersuchungen der von den
verschiedenen Fundpunkten entnommenen Proben haben ergeben, daß der
Blaugrund unserer Kolonie petrographisch identisch mit demjenigen
von Kimberley ist und auch in der gleichen Erscheinungsform (Krater)
auftritt wie dort.
Da sich die bisherigen Aufschlüsse nur in verhältnismäßig geringer
Tiefe bewegten, Diamanten auch anstehend, d. h. im Blaugrund selbst
noch nicht gefunden wurden, so wird es die Aufgabe der genannten
Gesellschaft sein, durch weitgehende Aufschlußarbeiten den Nachweis
von Diamanten in abbauwürdiger Menge zu liefern. Charakteristisch
für das Vorkommen der Diamanten ist auch in Südafrika, daß neben
diamantführenden Blaugrundlagerstätten auch solche ohne Diamanten
auftreten, daß ferner dasselbe Muttergestein z. B. in Transvaal
(Premier-Mine) unter gänzlich verschiedenen geologischen Verhältnissen
mit Diamanten auftritt, mithin das Nebengestein keinen Einfluß auf die
Diamantführung zeigt.
Für die richtige Beurteilung des Wertes der zu hebenden Bodenschätze
ist nun noch die Frage zu beantworten, unter welchen Verhältnissen und
Vorbedingungen die Gruben einen gewinnbringenden Betrieb gestatten.
Eine längst bekannte Tatsache ist, daß die Entwicklungsfähigkeit des
Erzbergbaues eine reine Transportfrage bildet, d. h., daß die Eröffnung
eines Bergbaubetriebes auch die Notwendigkeit des Eisenbahnbaues
einschließt. Die bislang gezahlten Preise für Landtransporte mittels
der schwerfälligen Ochsenwagen, die gegen früher in den letzten
Jahren infolge der Rinderpest und der kriegerischen Unruhen eine
außergewöhnliche Höhe erreicht haben (z. B. 2 Mark pro Zentner
von Otyosonjati nach Okahandja, 60 km), lassen erkennen, daß ohne
Eisenbahnverbindung der Gruben mit der Küste auch der ordnungsmäßigste
Grubenbetrieb aussichtslos ist.
Es wird die schon im Interesse des Verkehrs und der Landwirtschaft
immer wieder und allgemein betonte Ansicht mehr und mehr Boden
gewinnen, auch für Grubenbetriebe die atmosphärischen Niederschläge
großer Geländeflächen durch Dämme anzusammeln, sowie mittels
Tiefbohrungen und Brunnen Wasser im umliegenden Gelände zu
erschließen. Wird es nun auch in einigen Fällen gelingen, bei
sparsamstem Betriebe ausreichende Wassermengen zu gewinnen, so fürchte
ich dennoch, daß diese Bemühungen, in den regenlosen Küstenstrecken und
in Jahren großer Dürre, selbst für den Wirtschaftsbetrieb sämtlicher
Haushaltungen und für ein Aufbereitungswerk Wasser zu finden, nicht
von befriedigendem Erfolg sein werden. Da es zur Zeit auch noch an
billigem Brennmaterial im Schutzgebiete mangelt, die Zugutemachung der
Erze mittels Schmelzverfahrens nicht möglich ist, so ergibt sich als
notwendige Folge, nur durch eine tunlichst sorgfältige Handscheidung
und die damit verbundene Anreicherung der Erze einen ökonomischen
Transport zur Küste zu ermöglichen.
Mit dem weiteren Ausbau der Eisenbahnen, der billigeren Zufuhr der
Lebensmittel und der Entstehung geordneter Gemeinwesen werden auch die
bislang noch beträchtlich hohen Tarifsätze für Eisenbahnfrachten und
Löhne für europäische Arbeitskräfte in dem unentwickelten Lande wie
in der englischen Nachbarkolonie sich einem Minimum nähern, so daß es
später möglich sein wird, auch die ärmeren Erze aus dem weiteren Innern
zur Küste zu versenden.
Die bisher mit eingeborenen Arbeitern gemachten Erfahrungen sind
sehr gute gewesen, und es ist wohl kein Zweifel, daß sich bei
ihrer gerechten und geschickten Behandlung ein guter Arbeiterstand
herausbilden wird. Sowohl der Herero wie auch der Ovambo eignet sich,
wie dies beim Eisenbahnbau und Minenbetrieb wiederholt erprobt,
vorzüglich zu bergmännischen Handfertigkeiten über und unter Tage,
zum Unterschied von dem indolenten Bastard und Hottentotten. Auch die
Hereroweiber haben sich bereits als brauchbare Arbeitskräfte bei den
Erzsortierungsarbeiten erwiesen, so daß sich die Lohnverhältnisse als
billige und für den Betrieb günstige gestalten werden.
Hinsichtlich der Ertragsfähigkeit des zukünftigen Bergbaues sind jedoch
noch andere sehr wesentliche Gesichtspunkte in Betracht zu ziehen, die
ich hier nicht unerwähnt lassen darf. Es beruhen diese auf speziell
afrikanischen Beobachtungen, die aber längst in anderen fremdländischen
Kolonien ähnlichen Charakters gemacht sind und sich dort wiederholt
haben. Zunächst fragt es sich, ob die zur Zeit aufgeschlossenen
Kupfererzlagerstätten, denn diese kommen in erster Linie in Betracht,
sich als nachhaltig erweisen werden.
Nur gar zu oft hört man die pessimistische Ansicht, daß es sich
in Südwestafrika ausschließlich um nesterartige und somit nicht
abbauwürdige Vorkommen handelt, sobald die am Ausgehenden gefundenen,
meist überraschend reichen Erze nach der Tiefe zu sehr schnell
verschwinden. Wie überall auf der Erde, besonders in der archäischen
und paläozoischen Formation, treten erzhaltige Nester und Gangtrümmer
auch in Südwestafrika auf, ebenso verstärken und verschwächen sich hier
die Quarzgänge im Streichen und Fallen, letzteres bis zu vollständigem
Auskeilen, und nur allzuoft kommt es vor, daß die reichen Anbrüche in
geringwertige Erze übergehen. Selbstverständlich würde es direkt falsch
und nicht sachgemäß sein, die ganze Erzlagerstätte nach dem reichen
Ausgehenden zu beurteilen, weil dadurch nur übertriebene Anschauungen
von dem Werte des Bergbaues entstehen.
[Illustration: Minenarbeiter.]
Anderseits ist aber auch erfahrungsmäßig festgestellt, daß mancherlei
Erschwerungen, die sich besonders bei gangartig vorkommendem Bergbau
in den Weg stellen, nämlich die baldige Verminderung der zersetzten
und angereicherten Erze des Ausgehenden, Sprünge, Verwerfungen und
andere Störungen der Lagerstätten, ferner die Ansicht, daß sie nur
bis in ganz geringe Tiefe erzhaltig seien, das Vertrauen in die
Zukunft des Bergbaues erschütterten. Später wieder aufgenommene und
mit zäher Beharrlichkeit durchgeführte Arbeiten lieferten den Beweis,
daß man sich durch derartige Schwierigkeiten nicht abschrecken lassen
soll. Durch weiteres Abteufen der Schächte, durch Untersuchung des
Hängenden und Liegenden, durch glückliches Ausrichten der verworfenen
Teile der Erzlagerstätte fanden sich in der Tiefe neue Erzmittel,
und es erwiesen sich die gehegten Befürchtungen als haltloses
Vorurteil. Obwohl nun die in Südwestafrika vorgenommenen geologischen
und bergbaulichen Untersuchungsarbeiten mit nur einer Ausnahme
nicht so weit gediehen sind, um Parallelen zu stellen und bestimmte
Angaben über das voraussichtliche Verhalten und die wirtschaftliche
Verwertbarkeit einzelner Lagerstätten zu machen, so liegt doch auch
kein Grund vor, nicht darauf Wert zu legen, daß solche notwendigen
Untersuchungsarbeiten zur genaueren bergbaulichen Erforschung
ausgeführt werden.
Die erwähnte Ausnahme bildet Otavi. Nachdem, wie aus obiger Übersicht
ersichtlich, in dem unzersetzten Teile des lagerartigen Erzkörpers
von Tsumeb (Otavi) ebenso vorzügliche Erze aufgeschlossen sind wie im
Ausgehenden, ist die Möglichkeit des Niedersetzens der reichen Erze
erwiesen. Außerdem trage ich nach Maßgabe der von fachmännischer Seite
gemachten Beobachtungen keine Bedenken, anzunehmen, daß Vorkommen wie
Gorob, das geologisch demjenigen von Otavi ähnelt, und ebenso die Gänge
von Otyosonjati und Rehoboth einen genügenden Erzgehalt nach der Fall-
wie nach der Streichrichtung behalten werden, sobald auch hier größere
Tiefen im unzersetzten Zustande erreicht sein werden.
Im engsten Zusammenhange mit diesen Erörterungen steht nun
die Kapitalisierung derjenigen Unternehmungen, die zum Zwecke
der Erschließung und Ausbeutung der von mir ins Auge gefaßten
Erzlagerstätten gegründet werden.
Ist schon von vornherein eine Überspekulation und außerordentliche
Preissteigerung des Verkaufsobjektes ausgeschlossen, so muß auch vor
einem allzu beträchtlichen Anlagekapital dringend gewarnt werden, da
eine solche Kapitalisierung eine Ertragsfähigkeit in den meisten Fällen
ausschließt und nicht nur der Zusammenbruch der überkapitalisierten
Bergwerks-Gesellschaft unausbleiblich ist, sondern auch die
Bereitwilligkeit der Kapitalisten, Mittel zur weiteren Erforschung
der Minen beizusteuern, einen harten Stoß erleidet. Wird jedoch die
Finanzierung in die richtigen Bahnen gelenkt, und werden zunächst
die genaueren Untersuchungsarbeiten vorgenommen, so vermag bei
ihrem günstigen Ausfall der zunächst darauffolgende Kleinbetrieb bei
sparsamer Bewirtschaftung eine Rente abzuwerfen.
Bedingt schon der Bergbau im allgemeinen ein größeres Risiko als fast
alle anderen Gebiete der Industrie, so stehen dem Kupfererzbergbau
selbst beim sachgemäßen Vorgehen durch die Werte der gewonnenen
Produkte, die fast täglichen Schwankungen unterliegen, bedeutende
Schwierigkeiten entgegen.
Die Frage endlich, ob im Laufe der Zeit auch noch andere Lagerstätten
als die oben erwähnten gefunden werden, muß wohl zustimmend beantwortet
werden.
Ein Blick auf die geographische Lage der bisher in Betracht kommenden
Funde genügt, um zu sehen, daß noch große Ländergebiete wegen der
Unwirtlichkeit und Schwierigkeit der Wasserversorgung der Erforschung
durch Bergleute und Geologen harren.
[Illustration: Schacht der Kupfermine Ussis. Wassertransport.]
Die außerordentliche Verbreitung nutzbarer Fossilien, z. B. in
den nördlichen und östlichen Nachbargebieten, vor allem auch der
Steinkohlen in Rhodesia, läßt daher fast mit Gewißheit voraussehen, daß
nach Erschließung der seither noch unbekannten Gebiete im Norden und
Osten der Kolonie manche Überraschungen bereitet werden.
Zum Schluß möge noch erwähnt sein, daß die neue Bergverordnung vom 8.
August 1905, die sich auf dem Boden der allgemeinen Bergbaufreiheit,
aber der Trennung von Bergwerks- und Grundeigentum aufbaut, vorteilhaft
auf die Untersuchung der Kolonie auf ihre Bodenschätze einwirken wird
und die freie Entfaltung der bergbaulichen Tätigkeit gewährleistet.
Fassen wir das Gesagte zusammen, so glaube ich ersichtlich gemacht
zu haben, daß unser südwestafrikanisches Schutzgebiet bei Anwendung
gebührender Vorsicht die besten Hoffnungen für einen lohnenden
Betrieb, für deutsches Kapital ein gutes Anlagegebiet und ein großes
Feld gewinnbringendster Tätigkeit bietet. Verwirklichen sich diese
Hoffnungen, so wird der Bergbau der Ausgangspunkt einer weiteren
Seßhaftmachung deutschen Elements bilden, dem auch die Hebung der so
sehr geprüften Kolonie in landwirtschaftlicher Beziehung bald folgen
wird.
gez. _Duft_.
[Illustration]
[Illustration]
Kapitel ~XI.~
Die wirtschaftliche Erschließung des Schutzgebietes.
Die Konzessionsgesellschaften.