Nicht anders hat es sich wohl bei der Reservatsfrage verhalten. Die

Großleute waren hinreichend aufgeklärt worden, um auch der Masse

des Volkes sagen zu können, daß niemand zur Einpferchung in die

vorgesehenen Reservate gezwungen werden solle, daß vielmehr das

bisherige Weideland auch ferner unumschränktes Eigentum der Hereros

bleibe. Aber diese Aufklärung ist anscheinend nicht weitergegeben

worden. Vielmehr tauchten unmittelbar nach Rückkehr der Großleute von

der oben geschilderten Konferenz in Windhuk die Mißverständnisse in

Masse wieder auf. Die vorgesehenen Reservate wären zu klein, so wurde

behauptet, ferner zu abgelegen und die Weide zu schlecht. Es sollen

dann noch erneute Verhandlungen in Okahandja stattgefunden haben, die

ich nicht mehr verfolgen konnte, da mich bald darauf der Aufstand der

Bondelzwarts nach dem Süden des Schutzgebietes rief. Der Präses der

Hereromission, an den ich mich nach Ausbruch des Hereroaufstandes mit

der Bitte um Aufklärung gewendet habe, antwortete mir folgendes:

»Die nachdem erschienene Gouvernementsverordnung vom 15. Oktober 1903

über die vorläufige Festlegung des im Distrikt Okahandja zu schaffenden

Eingeborenenreservats ist zu wenig unter dem Volke bekannt oder mit

Vorurteil angehört worden. In derselben war ja darauf hingewiesen, daß

die Reservate weder eine Einpferchung der Eingeborenen in dieselben,

noch eine Änderung des jetzigen Besitzstandes bedeuteten, und daß die

Schaffung von genügendem Weideland im Umkreis der Gemeinden ebenfalls

baldigst angestrebt werden solle. Auf dies Schreiben hin haben wir es

nicht unterlassen, schriftlich wie mündlich die Leute über die bei

ihnen aufgetauchten schlimmen Befürchtungen, als wolle man sie durch

die Anlegung von Reservaten aus ihrem gegenwärtigen Besitz verdrängen,

eines Besseren zu belehren. Auch Herr Oberleutnant Zürn[70] hat sich in

dieser Beziehung rechte Mühe gegeben. Aber viel scheint es doch nicht

genutzt zu haben. Solcher Verdacht läßt sich schwer aus dem Herzen

verbannen, wenn man geneigt ist, immer das Schlimmste vorauszusetzen.

Es ist dem gerade nicht in öffentlicher Weise widersprochen worden,

so daß man annehmen durfte, die Gemüter hätten sich etwas beruhigt.

Darin haben wir uns jedoch getäuscht, wie über so manches, was der

Aufstand zutage gefördert hat. Einige Tage nach der Katastrophe von

Waterberg warf ein angesehener Herero von dort Missionar Eich vor,

die Deutschen hätten sie bis an den Omuramba verdrängen und jenseits

mit einem kleinen Stück Land abspeisen wollen. Das Feld, das sie bis

dahin innegehabt, wäre ihnen damit verloren gegangen. Vielleicht, daß

in dieser Leute Herzen auch noch ein gewisser Groll steckte, weil

sie überhaupt bei der Reservatsfrage nicht zu Worte gekommen waren.

Bekanntlich waren die Kambazembischen Großleute zu dem Zweck unterwegs

nach Okahandja, als ihnen am Omuramba der Bescheid zuging, sie möchten

wieder umkehren, die Sache sei erledigt.«

Das vorstehende Schreiben trifft den Kernpunkt der Sache. Das stets

rege Mißtrauen der Eingeborenen gegen den weißen Eindringling war nun

einmal wieder erweckt, und einer ganz besonders geschickten Hand hätte

es bedurft, es wieder einzuschläfern. Diese Hand scheint vorliegend

am Hauptplatze der Hereros gefehlt zu haben. So wurde die nur von

dem größten Wohlwollen gegen die Eingeborenen getragene Regelung der

Landfrage ganz unerwarteterweise ebenfalls zu einem Funken, der das

Pulverfaß mit zum Auffliegen bringen half. Den Ausschlag gab indessen,

daß gerade in diesem ungünstigen Augenblick der Bondelzwartsaufstand

ausgebrochen war. Ohne ihn würde die Reservatsfrage eine solche

Tragweite niemals gewonnen haben.

Die Mission.

So ziemlich die ältesten deutschen »Eindringlinge« im

südwestafrikanischen Schutzgebiete waren die Missionare. Wurde doch

schon 1849 die erste Missionsstation in Otjimbingwe gegründet. Etwa

gleichzeitig mit den Missionaren kamen aber auch andere weiße Elemente,

wie Händler und Jäger. Manche von diesen brachten den Eingeborenen

gleichfalls »Errungenschaften der Zivilisation«, aber ganz anderer Art,

nämlich Branntwein, Hinterlader und Krankheiten geheimer Art. Um so

härter wurde der Kampf, den die Mission durchzufechten hatte. Den durch

den Waffen- und Munitionshandel beförderten Kriegen der Eingeborenen

unter sich fielen nur zu häufig auch blühende Missionsstationen zum

Opfer. Mancher Missionar erlag den Entbehrungen und Leiden einer

eiligen Flucht. Aber immer wieder kehrten die Überlebenden oder die

Nachfolger der Verstorbenen an die Stätte des früheren Wirkens zurück

und begannen ungebeugten Mutes ihre Arbeit von neuem. Und warum? wozu?

Lediglich zu dem idealen Zweck der Verbreitung des Christentums.

[Illustration: Keetmanshoop.

Neue, im Mai 1895 vollendete Missionskirche.]

Eine menschliche Einrichtung, die in bezug auf ihre Tätigkeit mit

Menschen rechnen muß, bleibt die Mission indessen gewiß gleichfalls.

Wie jeder menschlichen Einrichtung haften daher auch ihr Fehler

und Schwächen an. Aber diejenigen, die deswegen abfällig über sie

urteilen, bieten nach meiner Erfahrung dem alten Vaterlande weniger

günstige Kolonisationselemente als die, welche das Gute der Mission

herauszufinden und anzuerkennen wissen. Ein Hauptvorwurf gegen die

letztere ist das Betreiben eigenen Handels mit den Eingeborenen

gewesen. Gewiß war der Missionshandel seit dem Bestehen weltlicher

Handelsfirmen im Schutzgebiete nicht mehr zeitgemäß. In diesem Sinne

habe ich auch seinerzeit mit dem verstorbenen Missionsinspektor ~Dr.~

Schreiber die Sache besprochen und volles Verständnis gefunden. Von

da ab ist in neu besetzten wie auch neu gegründeten Missionsstationen

in der Tat auch kein Missionshandel mehr betrieben worden; in

den alten Missionsstationen ist er dagegen allmählich immer mehr

zusammengeschrumpft.

In jenen Zeiten dagegen, in denen im Schutzgebiet überhaupt noch

keinerlei Handelstätigkeit bestand, war die Mission zu einer solchen

geradezu gezwungen. Wollte sie den Eingeborenen neben dem Christentum

auch Kultur beibringen, so mußte sie dieselben mit Kleidern versehen,

wie ihnen auch sonst die Möglichkeit einer kultivierten Lebensweise

schaffen. In dieser Tatsache ist der Grund dafür zu finden, daß die

Mission sich überhaupt je mit Handelsgeschäften befaßt hat. Daß sie bei

ihren knappen Mitteln die aus den letzteren entspringenden Zuschüsse

auch wohl hat brauchen können, liegt auf der Hand. Das Einstellen

ihrer Tätigkeit auf diesem Gebiete hat ihr daher Opfer auferlegt. Die

Konkurrenz von weltlicher Seite hätte sie an sich nicht zu scheuen

brauchen, denn sie übervorteilte die Eingeborenen nie, und hat neben

den solideren, weltlichen Geschäften den Beweis geliefert, daß der

Handel mit den Eingeborenen auch bei nur legitimem Gewinn zu bestehen

vermag.

[Illustration: Missionskirche in Windhuk.

1902/03 erbaut.]

Ein entschiedenes Verdienst hat sich dagegen die Mission in

Südwestafrika um die Aufrichtung der deutschen Schutzherrschaft

erworben. War es doch überhaupt schon ein günstiger Umstand, daß wir

im Lande gerade eine deutsche Mission vorgefunden haben. Als die

Frage, ob englische oder deutsche Schutzherrschaft an die Eingeborenen

herantrat, waren es im wesentlichen die Missionare, die durch ihr

Eingreifen die Entscheidung für Deutschland herbeigeführt haben.

Auch später, als es galt, mit den zur Verfügung stehenden geringen

Mitteln unsere nominelle Schutzherrschaft in eine tatsächliche

umzuwandeln, waren es wieder die Missionare, die als Dolmetscher und

Vermittler diese Frage in friedlichem Sinne lösen halfen. Ohne deren

vermittelnde Aufklärung würde es vielleicht während des Zuges des

Majors v. François und von mir im Jahre 1894 durch das Namaland an

manchem Platze lediglich aus Mißtrauen und Mißverständnis auf seiten

der Eingeborenen zum Schießen gekommen sein. Eine nichtdeutsche

Mission würde diese überaus wertvolle politische Mitarbeit nicht haben

leisten können. Als Gegenwert hat die Mission in dem bisher durch

Kriege zerrütteten Lande Ruhe und Frieden eingetauscht, aber auch

das Zuströmen zweifelhafter weißer Elemente, die durch ihr bloßes

Vorhandensein ihre Arbeit unter den Eingeborenen zu erschweren geeignet

waren. Überhaupt ist eine starke weiße Einwanderung angesichts der

ohnehin auf lockeren Füßen stehenden Moralbegriffe der Eingeborenen

der Missionsarbeit nicht förderlich. Da aber die Regierung für

die weiße Rasse gleichfalls »Ellbogenfreiheit« zu schaffen hatte,

kam es dem oft allzu starken Eintreten der Missionare für ihre

Pflegebefohlenen gegenüber in der Folge auch zwischen diesen und der

Verwaltung zu mancher Meinungsverschiedenheit, so in der Reservats-

wie in der Landverkaufsfrage. Meist aber wurden bei der auf beiden

Seiten vorhandenen Neigung zum Entgegenkommen solche leicht wieder

ausgeglichen.

Die erste in das Land gekommene Mission war die evangelische von der

Rheinischen Missionsgesellschaft. Bezeichnenderweise hat in der Folge

das Christentum bei den Hottentotten mehr Anklang gefunden als bei

den Hereros. Bei letzteren konnte man die Christen leichter zählen,

bei ersteren die heidnisch Gebliebenen. Die von Weißen abstammenden

Bastards sind dagegen durchweg Christen. Das »mein Reich ist nicht von

dieser Welt« hatte bei den Hottentotten mehr Verständnis gefunden als

bei den Vieh und Frauen besitzenden Hereros. Zudem huldigen letztere

dem Ahnenkultus, d. h. für sie ist der Geist des verstorbenen Vaters

der Gott. War der Vater als Heide gestorben, konnte er im Jenseits

dem Sohne das Abweichen von der väterlichen Religion übelnehmen und

ahnden. Hierin mag der Grund liegen, daß wir häufig sämtliche Söhne

angesehener, aber noch lebender Hereros als Christen finden, während

die Väter selbst bis zum Tode Heiden bleiben. Denn nur sie haben

den Geist des verstorbenen Vaters zu fürchten, während die eigenen

Söhne durch die von dem noch lebenden Vater erhaltene Erlaubnis zum

Übertritt gedeckt sind. In diese Kategorie zählen z. B. Kambazembi,

Riarua und Tjetjo, sämtlich Heiden, aber mit christlichen Söhnen.

Zweifelsohne spielt aber auch die Frauenfrage hierbei ihre Rolle. Das

Christentum verlangt kurz und bündig _eine_ Frau, mithin Trennung von

dem bisherigen Harem, und dies leuchtet den Großleuten nicht ein.

Dagegen ist dies bei den Hottentotten, deren Besitzlosigkeit ihnen

das Halten mehrerer Frauen ohnehin nicht gestattet, weit weniger von

Bedeutung. Durch ihr Drängen auf Einehe ist aber die Mission ebensogut

zu einem Eingangstor für die europäische Kultur geworden, wie durch die

Gewöhnung der Eingeborenen an europäische Lebensweise.

[Illustration:

⋁

Missionar Wandres

Eingeborenen-Schule in Windhuk.]

Als Kirchensprache hatte die Mission ursprünglich das durch die Buren

in ganz Südafrika verbreitete Holländisch angenommen, diese Sprache

aber nach Aufrichtung der deutschen Schutzherrschaft allmählich durch

die deutsche ersetzt. Auch in dieser Beziehung kam es daher vorteilhaft

zur Geltung, daß wir in Südwestafrika mit einer deutschen Mission

hatten rechnen können. Im ganzen war nach Ansicht der Mehrzahl der

Missionare die Schule der erfreulichere Teil der missionarischen

Arbeit, aber auch sie litt sehr unter der nomadisierenden Lebensweise

der Eingeborenen.

Nach einer von der Mission aufgestellten Statistik ergab die

_Herero_mission für 1903, also vor dem Aufstande, folgendes Bild:[71]

15 Hauptstationen, 32 Filialen, 48 Schulen, 1985 Schüler, 7508

Gemeindemitglieder. Da sich die Zahl der Hereros insgesamt auf etwa

60000 bis 70000 veranschlagen läßt, hatte mithin etwa der zwölfte

Teil des ganzen Volkes das Christentum angenommen. Dabei ist indessen

zu beachten, daß auch die Bastards in Rehoboth sowie die zur Station

Windhuk zählenden Hottentotten, endlich auch die im Kaokofeld wohnenden

Hottentottenstämme der Swartboois und der Topnaars auf Grund ihrer

geographischen Lage statistisch zur Hereromission gerechnet werden.

Bezüglich der _Nama_mission ergibt die Statistik für dieselbe Zeit

folgendes Bild: 8 Hauptstationen, 1 Filiale, 5 Schulen, 472 Schüler,

5111 Gemeindemitglieder. Obwohl die Gesamtzahl der hier in Betracht

kommenden Hottentotten höchstens 10000 bis 12000 erreicht, ist so mit

die Zahl der von diesen getauften doch nicht weit von derjenigen des

soviel stärkeren Hererovolkes entfernt. Im übrigen aber erscheinen

äußerlich die Hottentotten sämtlich als Christen, da bei diesen auch

die Heiden in europäischer Kleidung gehen, während bei den Hereros

die Heiden -- zum Teil auch die reichsten -- durchweg bei der alten

Hererotracht verblieben sind. Als ich z. B. 1895 meinen ersten Besuch

bei dem Unterhäuptling Kambazembi in Waterberg machte, erhielt

ich von diesem auf die Frage, warum er bei seinem Reichtum nicht

europäische Tracht trage, die Antwort: »Ich habe dies einmal versucht,

aber da haben mich meine Ochsen nicht mehr erkannt und sind vor mir

weggelaufen, als ich sie zählen wollte. Seitdem tue ich es nicht

wieder«. Tatsächlich starb Kambazembi 1903 noch als Heide, während

seine Söhne und Nachfolger David und Salatiel Christen sind.

[Illustration: Missionskarte.

Hauptstationen der:

Rheinischen (evangelischen) Mission.

Finnischen (evangelischen) Mission.

Katholischen Mission der Oblaten der unbefleckten Jungfrau Maria.

Katholischen Mission der Oblaten des heiligen Franz von Sales. #/ ]

Zu der evangelischen Mission kam 1896 auch die katholische, und zwar

für den Norden des Schutzgebietes die Oblaten von der unbefleckten

Jungfrau Maria, für den Süden die Oblaten vom Heiligen Franz von

Sales. Die erstere bildet für Südwestafrika in ihrem Seminar Hünfeld

nur deutsche Missionare aus, der letzteren, einer ursprünglich rein

französischen Gesellschaft, ist für Gestattung ihrer Wirksamkeit im

Schutzgebiete die Bedingung der Sendung nur deutscher oder wenigstens

deutsch sprechender Brüder und Schwestern auferlegt worden. Da

bei dem Erscheinen der katholischen Mission bereits fast das ganze

Schutzgebiet in den Händen der evangelischen Mission war, so schien

die Gefahr nicht ausgeschlossen, daß bei dem Nebeneinanderwirken

der beiden Missionen unter den Eingeborenen die unter diesen schon

zahlreich genug vorhandenen Keime der Zwietracht noch um einen weiteren

vermehrt würden. Ferner konnten auch beide Missionen in den Augen der

Eingeborenen durch die Wiedergabe verschiedener Lehren nicht gewinnen,

in so friedfertiger und auf gegenseitiger Achtung gegründeter Weise

dies auch geschehen mochte. Die unwissenden Eingeborenen mußten auf

alle Fälle stutzig werden, wenn ihnen Sendboten desselben europäischen

Volkes verschiedene Lehren brachten. Es wurde daher beiden Missionen

zur Pflicht gemacht, sich jede von dem bereits gewonnenen Wirkungsfeld

der anderen fernzuhalten, was sie verständigerweise auch taten. Den

schwereren Stand hatte hierbei naturgemäß die katholische Mission,

als die später gekommene. Indessen verstand sie diese Schwierigkeit

mit Klugheit zu überwinden und so ohne Störung des friedlichen

Nebeneinanderwirkens zu einem weiteren, dem Gouvernement sehr

willkommenen Kulturfaktor zu werden. Sie erreichte dies, indem sie

nicht die Eingeborenen aufsuchte, sondern sich von diesen aufsuchen

ließ, d. h., sie erwarb Farmen und missionierte hier diejenigen

Eingeborenen, die sich behufs bleibender Niederlassung freiwillig

bei ihr eingefunden hatten. Auf diese Weise sind im Norden des

Schutzgebietes die Missionsstationen Epukiro und Kaukurus entstanden,

im Süden die Station Heirachabis. An den behufs seelsorgerischer

Tätigkeit unter den Weißen eingerichteten Stationen Windhuk und

Swakopmund sind dagegen für die sich freiwillig meldenden eingeborenen

Kinder Pensionate eingerichtet.

[Illustration: Christliche Herero-Schule.]

Später ging die Station Kaukurus wieder ein, da dieser Platz zu dem

Gebiet der Siedlungsgesellschaft gehört und die Mission den von

der letzteren geforderten Landverkaufspreis nicht zu bewilligen in

der Lage war. An deren Stelle trat die etwas südlicher gelegene

Station Aminuis. Diese bildet insofern von der übrigen Art der

katholischen Missionsarbeit eine Ausnahme, als es sich dort um deren

Angliederung an einen bereits vorhandenen Eingeborenenstamm handelt,

und zwar an einen aus dem englischen Südafrika eingewanderten

Betschuanenstamm, den wir bereits im Kapitel ~II~ gelegentlich des dort

geschilderten Zusammenstoßes der deutschen Regierungsgewalt mit den

Khauas-Hottentotten begegnet sind. Seine Stärke betrug etwa 400 bis 500

Seelen.

[Illustration: Heidnisches Eingeborenen-Begräbnis (durch Gefangene).]

Dieser Betschuanenstamm steht mit den übrigen Eingeborenen des

Schutzgebietes in keinerlei Zusammenhang. Die Betschuanen sind weder

Bantus noch Hottentotten, nähern sich aber dem ausgesprochenen

Negertypus und ähneln daher äußerlich den Hereros. Sie unterscheiden

sich indessen durch ihre Charakteranlagen sehr von diesen. Sie sind

harmlos und weniger kriegerisch, überragen sie aber an Fleiß und

infolgedessen auch an höherer Kultur. Bei großer Geschicklichkeit

in Handarbeiten sind sie fleißige Gartenbauer und wohnen nicht in

den bienenkorbähnlichen primitiven Pontoks der übrigen Eingeborenen,

sondern in selbsterbauten sauberen Häusern. Der Religion nach waren

die bei uns eingewanderten Betschuanen durchweg Anglikaner, jedoch

schon jahrelang ohne Missionar, so daß ihnen der Begriff Christentum

allmählich wieder abhandengekommen war, während die Jugend völlig

im Heidentum aufwuchs. Sie wurden daher der katholischen Mission

überlassen, die sich klugerweise auf die Erziehung der heranwachsenden

Jugend beschränkt, und die bereits anglikanisch getauften Erwachsenen,

soweit diese nicht selbst eine Änderung wünschten, unbehelligt gelassen

hat. Aminuis ist eine der wenigen Missionsstationen des Schutzgebietes,

die in der Folge während des großen Aufstandes erhalten blieben, da die

Betschuanen sich unter weißer Herrschaft wohl fühlten und gar nicht

daran dachten, sich den Aufständischen anzuschließen. Indessen hat doch

nicht verhindert werden können, daß einer der in Aminuis stationierten

Missionare, Pater Jäger, im Jahre 1904 während eines Ausflugs nicht

allzu weit vom Platze als Opfer herumstreifender Aufständischer

gefallen ist.

Der Einrichtung der Missionsstation war in Aminuis die einer

Militärstation bereits vorausgegangen, aber keineswegs um etwa

kriegerische Neigungen der Betschuanen im Zaume zu halten, sondern,

um deren Handelstätigkeit zu überwachen. Bei ihrem Erwerbssinn

betreiben die Betschuanen mit Vorliebe Munitionsschmuggel, den

allerertragsreichsten aller Schmuggel, und sind infolge ihrer

Beziehungen zu den Stammesgenossen jenseits der Grenze dazu wohl in der

Lage.

Neben Kirche und Schule legte die katholische Mission ein besonderes

Gewicht auf Ausbildung der eingeborenen Kinder in Handwerken aller

Art, wozu das Vorhandensein von dem Handwerkerstande angehörigen

Laienbrüdern sie auch befähigte. Ferner trat sie im Anlegen von Gärten

auf allen ihren Farmen mit der evangelischen Mission in rühmliche

Konkurrenz. In ihren Gärten in Klein-Windhuk leistete sie im Weinbau

sogar derartig Gutes, daß sie auf der letzten landwirtschaftlichen

Ausstellung in Groß-Windhuk 1902 sämtliche drei Preise erhielt. Nicht

unerwähnt will ich endlich lassen, daß ich bei Gelegenheit einer

Schulrevision in Groß-Windhuk die kleinen Missionsschüler unter Leitung

eines Soldat gewesenen Laienbruders auch recht flott habe exerzieren

sehen.

Die katholische Mission im Norden des Schutzgebietes steht zur Zeit

unter Leitung des Präfekten Nachtwey. Die diesem unterstellte Präfektur

trägt den Namen »Nieder-Zimbabesien« und schließt das Schutzgebiet vom

Wendekreis des Krebses nördlich, noch über die deutsch-portugiesische

Grenze übergreifend, in sich ein. Nach der zuletzt im Jahre 1903

eingereichten Statistik zählte die Präfektur 11 Priester, 13

Laienbrüder und 5 Stationen. In den letzteren unterhält sie eine

Handwerkerschule, sowie eine Schule für weiße Kinder in Windhuk (diese

ohne Unterschied der Konfession; sie ist jedoch 1903 mit Rücksicht

auf die gut geleitete Regierungsschule wieder aufgegeben worden), ein

Waisenhaus für Bastardkinder in Klein-Windhuk. In den Schulen befanden

sich 83 Schulkinder und 12 in Handwerken auszubildende Knaben.

[Illustration: Flußübergang eines Frachtwagens.

(Omarurufluß.)]

Zu der Zeit, als sich noch nicht übersehen ließ, ob ein einträchtiges

Zusammenwirken der beiden Missionen im Nama- und im Hererolande zu

ermöglichen sein würde, war der katholischen Mission die Beschränkung

auf die noch von keiner Mission in Angriff genommene Nordostecke des

Schutzgebietes, d. h. auf die Gegend am Okawango und den sogenannten

Caprivizipfel, auferlegt worden. Eine leichte Aufgabe war ihr damit

nicht zugedacht. In jenen weltentlegenen, damals noch fast ganz

unbekannten Gebieten konnte eine einsame Missionsstation auf die

Dauer nicht bestehen. Die Erreichung wie die Behauptung jener Gegend

ist nur mittels Vorrückens von Etappe zu Etappe, also mitten durch

das Hereroland hindurch, über Grootfontein möglich, ähnlich wie

die Staatsgewalt bisher bei der tatsächlichen Besitzergreifung des

Schutzgebietes nach und nach vorgegangen ist. Ohne die Besetzung des

Distrikts Grootfontein würde auch eine Militärstation am Okawango nicht

lebensfähig bleiben. Ich sage ausdrücklich Distrikt Grootfontein,

dessen Bereich bis zum Okawango geht. Denn die Station Grootfontein

selbst liegt gleichfalls immer noch zu weit vom Okawango ab, ganz

abgesehen von der zwischen ihr und dem Okawango befindlichen 160

~km~ langen Durststrecke. Mit dieser Tatsache erledigt sich auch der

seinerzeit von sonst unterrichteter Seite ausgegangene Vorschlag, im

Okawangotale eine Sträflingskolonie anzulegen.

Trotz dieser Schwierigkeiten machte die katholische Mission im

Jahre 1899 und 1900 den Versuch, bis zum Okawangotale vorzudringen.

Er scheiterte beide Male, allerdings ein Mal auch infolge

hinzugetretener Rinderpest. _Zum dritten Male_ wurde der Versuch im

Jahre 1903 unternommen. Die damalige Expedition erreichte zwar ihren

Bestimmungsort, mißlang aber dann gleichfalls infolge des illoyalen

Verhaltens der Eingeborenen. Das Nähere ist im Kapitel ~VI~ »Unsere

Beziehungen zu den Ovambos« geschildert. Eine weitere Entsendung

hat infolge des mittlerweile ausgebrochenen Hereroaufstandes nicht

mehr stattgefunden, ohne daß jedoch die Mission etwa die Sache ganz

aus dem Auge verloren hätte. Bei ihrer tatkräftigen Leitung unter

Präfekt Nachtwey ist auch bestimmt zu erwarten, daß sie nach völliger

Beendigung der Feindseligkeiten im Hererolande ihr Ziel doch noch

erreichen wird.

Die südlich vom Wendekreis des Krebses wirkende katholische Mission

der Oblaten vom Heiligen Franz von Sales, deren Präfektur sich in

Pella (Kapkolonie) befindet, hat bisher nur die eine Missionsstation

Heirachabis gegründet, nachdem sie den Platz nebst 100000 ~ha~

Weideland käuflich erworben hatte. Auf der Station befanden sich 1903

zwei Patres und vier Schwestern, daneben 50 Weiße und 200 Eingeborene,

von denen 130 getauft waren. Zur Abhaltung des Gottesdienstes ist eine

Kapelle erbaut neben einer von 45 Kindern besuchten Schule. Die Lehr-

und Kirchensprache ist durchweg die deutsche. Wie die Tätigkeit der

Mission während des allgemeinen Aufstandes ergab, hat sie sich auch

außerhalb ihres engeren Stationskreises eines gewissen politischen

Einflusses unter den nicht direkt zu einer evangelischen Mission

gehörigen Eingeborenen zu erfreuen.

In diese friedliche Arbeit beider Missionen fiel 1904 als Folge des

Bondelzwartsaufstandes wie der Blitz aus heiterem Himmel der allen

unerwartet kommende allgemeine Aufstand der Hereros. Wie es bei allen

Katastrophen zu gehen pflegt, wurde auch hier nach deren Ursache

geforscht und unter anderem solche auch bei der anscheinend nur nach

idealen Zielen strebenden Hereromission gefunden. Indessen liegt

hier nur eine Erscheinung vor, der wir auch sonst begegnet sind.

Professor Warneck sagt in seiner kürzlich erschienenen Broschüre, »Die

gegenwärtige Lage der deutsch-evangelischen Mission«, hierüber:

[Illustration: Durch einen eingeborenen Evangelisten abgehaltener

Gottesdienst.]

Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika · 第 21 / 50 段