»Bei dem _Aufstand_ im Ovamboland handelt es sich um die Ermordung

der deutschen Familie Paasch. Wer den Paasch gekannt hat, wird es

begreifen, daß er mit den Eingeborenen in Konflikt geraten und

schließlich ihr Opfer werden mußte. Ich habe mit Paasch jahrelang im

Otavigebiet zu tun gehabt. Paasch war übrigens Landsmann von mir, und

so war es natürlich, daß ich mich anfangs besonders freundlich seiner

annahm. Paasch vertrug sich aber mit niemand, und selbst seine eigene

Familie behandelte er so hart, daß sogar die Buren zu mir kamen und

vorstellig wurden, ob man nicht gegen ihn einschreiten könnte. Kein

Wunder, wenn ein solcher Mann oben am Okawango (dem nordöstlichsten

Grenzfluß unserer Kolonie), wo noch vollständig unabhängige

Eingeborenenstämme wohnen und wohin sich Paasch mit seiner Familie

zurückgezogen hatte, schließlich das Opfer seines Charakters wurde.

Auf das tiefste zu beklagen sind seine armen Angehörigen, die das

grausame Schicksal des Familienvaters teilen mußten. So beklagenswert

dieser Vorfall nun auch ist, so wäre es doch verkehrt, aus ihm eine

Haupt- und Staatsaktion zu machen und ihn als Anlaß zu einem großen

Ovambofeldzuge zu benutzen. Handelte es sich doch zunächst nur um ein

rein örtliches Vorkommnis in einem kleinen Distrikt am Okawango, der

mit dem eigentlichen Ovambolande absolut nichts zu tun hat.«

[Illustration: Ovambolandschaft.]

In dieser Darstellung habe ich nur das Wort »Aufstand« zu beanstanden.

Denn ein solcher lag nicht vor, sondern lediglich ein Mord, wie er bei

wilden Völkerschaften häufig vorkommt und immer vorkommen wird. Die

Bestrafung eines solchen kann in einer so abgelegenen Gegend der Tat

nicht unmittelbar folgen, muß vielmehr auf eine günstige Gelegenheit

vertagt werden, zumal wenn die Täter noch dazu Untertanen einer andern

Nation sind und daher diplomatische Verhandlungen vorhergehen müssen.

Und eine solche Gelegenheit würde sich ohne den Hereroaufstand im Jahre

1904 gegeben haben.

[Illustration: Ovambolandschaft.]

Ich kehre nunmehr zu den politischen Verhältnissen des Westovambolandes

zurück, das, wie gesagt, durch die deutsch-portugiesische Grenze

zwischen Kunene und Okawango in zwei ungleiche Teile zerschnitten ist.

Von dieser ihnen »völkerrechtlich« zugedachten Stellung an der Grenze

zweier europäischen Nationen haben die Ovambohäuptlinge naturgemäß

keine Ahnung. Sie fühlen sich durchaus unabhängig und denken nicht

daran, weder die eine noch die andere Oberherrschaft anzuerkennen. Von

portugiesischer Seite bereits unternommene Versuche, diese Anerkennung

mit Waffengewalt zu erzwingen, sind bis jetzt stets mißlungen, während

von deutscher Seite solche noch gar nicht begonnen haben. Ursprünglich

war bei Beginn des Hereroaufstandes fast allgemein die Rede davon,

seiner Beendigung unmittelbar einen Ovambofeldzug folgen zu lassen;[43]

doch ist jetzt die gegenteilige Parole ausgegeben. Abgesehen von

manchem anderen, halte ich es für dringend nötig, daß mit Rücksicht

auf die Nachschubsverhältnisse einer etwaigen Ovamboexpedition die

völlige Fertigstellung der im Bau begriffenen Otavibahn vorausgehe.

Und so werden sich die Ovambofürsten noch lange ihrer Freiheit

erfreuen dürfen. Diese Freiheit ist jedoch nur eine solche für die

Häuptlinge, nicht aber für deren Völker. Denn bei den Ovambos finden

wir noch die alte afrikanische Herrscherform der unumschränkten Macht

der Häuptlinge. Ihre Willkür und Launen sind allein Gesetz, Leben

und Besitz ihrer Untertanen sind ihr ausschließliches Eigentum. Dort

spielt daher die Person des Häuptlings eine weit größere Rolle als

bei den Hereros und den Hottentotten, welche Völkerschaften eine für

Eingeborene fast zu freie Regierungsform besitzen. Hier gilt es daher

für die kolonisierende Macht, die Autorität der Häuptlinge zu stärken,

dort dagegen, sie zu brechen. Ein Glück ist für jede das Ovamboland

erobernde Macht, daß die dort wohnenden bedeutenden Volksmassen --

etwa 300000 Seelen -- in 10 bis 11 Stämme gespalten sind, von denen

keiner die Autorität des andern anerkennt. Vielmehr liegen sie zum

Teil untereinander in bitterer Fehde. Immerhin steht einer gemeinsamen

Gefahr gegenüber ein Zusammenschluß einzelner Stämme nicht außer

Bereich der Möglichkeit.

Die Häuptlinge der für uns hauptsächlich in Betracht kommenden Stämme

der Uukuambis und der beiden Ondongastämme sind Negumbo, Kambonde und

Nechale. Negumbo ist ein alter Mann, der für seine Person den Frieden

wünscht, aber vollständig von seinen anders denkenden Söhnen beherrscht

wird. Weiter ist nichts über ihn bekannt geworden. Kambonde und Nechale

sind Brüder, von denen dem ersteren die eigentliche Häuptlingswürde

zusteht. Er setzte seinerzeit seinen Bruder Nechale als Unterkapitän

über die Ostondongas ein, worauf dieser sich baldmöglichst unabhängig

machte. Infolgedessen herrscht naturgemäß zwischen den beiden Brüdern

keine besondere Freundschaft.

Ich kenne den kriegerischen Wert der Ovambos nicht, der Hereroaufstand

hat jedoch gezeigt, wohin die Unterschätzung des Gegners führt,

namentlich aber, daß auch Bantuneger, wenn einmal in einzelne Banden

zersprengt, einen gefährlichen, jede Kolonisation hindernden Gegner

abgeben können. Dieser Gefahr gegenüber bietet ein Bundesgenosse

aus dem gegnerischen Volksstamm einen Kristallisationspunkt, an

den allmählich die kriegsmüden Elemente des geschlagenen Feindes

angegliedert werden können. In Ermanglung eines solchen ist es schwer,

Eingeborenen dasjenige Vertrauen beizubringen, das zur schließlichen

freiwilligen Gestellung und Ablieferung der Waffen gehört.

[Illustration: Ethnographische Karte des Ovambolandes.]

Der Häuptling Nechale genießt einen recht üblen Ruf. Es werden

ihm Grausamkeit gegen seine eigenen Leute wie auch der eine oder

andere an Weißen begangene Mord nachgesagt. Daß er den Beginn des

Hereroaufstandes im Februar 1904 zu einem Überfall unserer Station

Namutoni benutzt hat, um sich an dem Stationsgut zu bereichern, ist

bekannt. Ebenso ist bekannt, daß seine Leute, die anscheinend mit

großer Tapferkeit vorgegangen sind, unter schweren Verlusten abgewiesen

worden sind. Seitdem mag Nechale wohl von einem recht bösen Gewissen

geplagt sein. Etwa zwei Jahre vorher hatte ihn noch der Vertreter der

Otavi-Gesellschaft, ~Dr.~ Hartmann, besucht und über den Empfang in

seinem bereits genannten Vortrag folgende Schilderung gegeben:

»Interessant war unser Besuch bei dem Häuptling Nechale, einem der

gefürchtetsten Häuptlinge. Die Ovambohäuptlinge haben die Gewohnheit,

die Besucher, auch wenn es Weiße sind, recht lange warten zu lassen.

Ich hatte Nechale mitteilen lassen, daß ich nicht warten, sondern

sofort wieder meiner Wege gehen würde. In der Tat wurden wir auch

sofort empfangen. Winkler[44] hatte für alle Fälle seinen geladenen

Revolver in der Tasche, Nechale saß auf einem Stuhl, er hatte

europäische Kleidung an. Neben ihm kniete sein Ratgeber, ein dicker,

großer Ovambo mit einem schlauen Bauerngesicht. Für uns standen zwei

Stühle dem Häuptling gegenüber bereit.

»Ich habe selten ein so häßliches Gesicht gesehen wie das von Nechale.

Er blickte unausgesetzt vor sich hin, nur selten streifte uns ein

scheuer Blick. Nach dem Austausch einiger Begrüßungsworte entstand

eine Verlegenheitspause, die ich absichtlich etwas lang werden ließ,

weil ich merkte, daß Nechale etwas verlegen und nervös wurde. Endlich

sagte ich, daß wir sehr durstig seien und daß wir gern etwas Bier

trinken möchten. Fast unmerklich glitt ein Lächeln über seine Züge.

Ganz leise sprach er einige Worte. Plötzlich erschien eine Ovambofrau,

ließ sich auf die Kniee vor ihm nieder, erhielt mit gesenktem Blick

ihren Auftrag, wobei wir nur hörten: »~I ongeama omuhona~« (ja Herr und

Löwe). Dann erhob sie sich, ging, den Blick auf den Boden, rückwärts

bis zur Tür und verschwand eiligst. Sie brachte zwei Becher Bier, wir

leerten dieselben und verabschiedeten uns auf das freundlichste von

Nechale.«

Eine weit sympathischere Erscheinung ist der ältere Bruder Nechales,

Kambonde, dem die äußerste Gutmütigkeit und Friedfertigkeit nachgesagt

wird. Nur beeinträchtigt seine Würde eine unüberwindliche Neigung

zum Alkohol. Von morgens 10 Uhr ab soll er in der Regel nicht mehr

zu sprechen sein. Des etwas unliebenswürdigen Briefes, den mir

Kambonde im Jahre 1895 schrieb, habe ich bereits gedacht. Seitdem

aber sind wir bis zu meiner Abreise aus dem Schutzgebiet fortgesetzt

in freundschaftlichem Briefwechsel geblieben. Namentlich während des

Konfliktes mit Negumbo 1901/02 hat uns Kambonde durch seine Vermittlung

gute Dienste geleistet. Ein vom Beginn des Hereroaufstandes ab

meinerseits mit ihm gepflogener Briefwechsel hatte zum Zweck die

Verhinderung einer etwaigen Verbindung seinerseits mit den Hereros.

Denn wenn die Eingeborenen nicht über unsere Absichten unterrichtet

sind, betrachten sie diese stets mit Mißtrauen und spielen schließlich

aus lauter Angst das Präveniere. Sehr gesteigert wird dieses Mißtrauen

durch die bereits mehrfach gekennzeichneten Storie-Eigentümlichkeiten

des Schutzgebietes.

[Illustration: Häuptling Nechale.]

Einen Brief Kambondes aus der Zeit des Hereroaufstandes nebst einem

erläuternden Anschreiben des bei ihm stationierten Missionars Rautanen

lasse ich hier folgen:

Okoloko, den 2. Juni 1904.

Mein lieber Freund!

Die Worte, die Du meinem Missionar Rautanen geschrieben hast, habe

ich gehört. Die Hereros, von welchen Du sprichst, sind nicht zu mir

gekommen, und ich weiß überhaupt nicht, wo sie sich aufhalten. Ich

denke aber, wenn die Hereros hierher kommen sollten, so werden sie zu

meinem Bruder Nechale gehen, wodurch viel Unruhe entstehen wird. Sage

mir, was ich zu tun habe, wenn die Hereros kommen sollten.

Ich grüße Dich vielmals

Dein Freund gez. Kambonde, Häuptling.

Olukonda, den 2. Juni 1904.

An den Kaiserlichen Gouverneur usw.

Das Schreiben Ew. Hochwohlgeboren vom 4. 5. 04 habe ich die Ehre

gehabt, gestern zu empfangen und habe dasselbe dem Häuptling Kambonde

genau übersetzt.

Schon vor langer Zeit haben wir dem Häuptling Kambonde klarzumachen

versucht, daß er die Feindschaft der Deutschen auf sich zieht,

wenn er den Hereros irgendwie behilflich ist oder Flüchtlinge in

Schutz nimmt. Dieses weiß er ganz genau und sieht es auch ein. Ob er

aber, falls größere Horden hierher kommen sollten, gegen dieselben

aufzutreten imstande ist, ist eine andere Frage. Ich denke, solange

er nicht weiß, daß Truppen in der Nähe sind, wird er es kaum tun;

denn er fürchtet, von den anderen Stämmen überfallen zu werden. Ob

diese seine Befürchtung irgendwie begründet ist, kann ich leider

nicht sagen. Die Häuptlinge von Uukuanjama und Uukuambi haben sich ja

bis jetzt noch ruhig verhalten und sollen Nechales Auftreten gegen

die Weißen getadelt haben. Soweit ich beurteilen kann, fühlt er sich

zu schwach, um ihnen beizustimmen.

Dem Nechale das zu sagen, was Sie schrieben, wäre ein Wagnis, welches

unser aller Tod sein könnte. Es sei mir und den anderen Missionaren

nicht übel genommen, wenn wir es unterlassen haben.

gez. Rautanen.

Das, was vorstehend Herr Rautanen sich weigert, an Nechale

weiterzugeben, war eine Warnung auch für diesen.

[Illustration: Häuptling Uejulu.]

Schließlich wäre unter den Ovambohäuptlingen, zu denen wir in

Beziehungen getreten sind, noch der Häuptling Uejulu von den

Uukuanjamas zu nennen, dessen Werft Onjiva jedoch, wie erwähnt, auf

portugiesischem Gebiete liegt. Die beim Gouvernement einlaufenden

Meldungen betonten stets dessen deutsch-freundliche Gesinnung, bis

im Jahre 1902 auf dem Umwege über das Deutsche Konsulat in Loanda

gegenteilige Nachrichten kamen, die dann durch ~Dr.~ Gerber bestätigt

worden sind. Die bisherigen Nachrichten stammten im wesentlichen

von den bei Uejulu stationierten deutschen Missionaren, bei denen

vielleicht der Wunsch der Vater des Gedankens gewesen ist. Wohl mag

ferner auch die deutsch-freundliche Gesinnung Uejulus durch das

plötzlich erfolgte Auftreten einer französischen Mission erschüttert

worden sein, von deren Anwesenheit wir gleichfalls auf dem Wege

über Loanda Kenntnis erhielten. Der Vorsteher dieser Mission, Pater

Lecomte, hat sich 1902 auch dem Hauptmann Kliefoth während dessen

Besuches bei Uejulu vorgestellt.

Inzwischen sind in der neueren Zeit aus dem Gebiete der Uukuanjamas

Nachrichten zu uns gelangt, nach denen sich die Lage daselbst

vollständig geändert haben muß. Anscheinend hat bei den Uukuanjamas

eine Staatsumwälzung stattgefunden, gelegentlich welcher der Häuptling

Uejulu bei Verteidigung seiner Werft nach heftigem Kampfe den Tod

gefunden haben soll.[45] Auch die Ermordung des Paters Lecomte wurde

gemeldet, nichts Bestimmtes dagegen über den Verbleib der übrigen

Missionare. Ferner wissen wir von einer großen Niederlage, die Anfang

1904 eine portugiesische Expedition am Kunene erlitten haben soll. Ob

dieses Ereignis mit den Umwälzungen bei den Uukuanjamas in irgend einer

Verbindung steht, ist nicht bekannt geworden.

Bewaffnet sind die Ovambos nach Angabe aller vorstehend genannten

amtlichen Reisenden sehr gut, bedauerlicherweise auch vielfach mit

Modell 88. Letzteres beziehen sie durch portugiesische Händler, die

ihrerseits sich wieder über Mossamedes des deutschen Handels bedienen.

Die diplomatischen Reklamationen wegen dieses Waffenhandels, die auf

Anregung des Gouvernements in Windhuk zwischen Berlin und Lissabon

gepflogen worden sind, rissen gar nicht ab. Erfolg hatten sie jedoch

weiter nicht, als fortgesetzte Versicherungen der portugiesischen

Regierung, daß »zur Unterdrückung dieses Waffenschmuggels alles

mögliche geschehen solle«. Die Macht, diesen Versicherungen Nachdruck

zu geben, besaß und besitzt Portugal jedoch zur Zeit im Ovambolande so

wenig wie wir.

Wirtschaftliches.

Indem ich mir die Schilderung der wirtschaftlichen Verhältnisse in dem

übrigen Schutzgebiete in einem besonderen Kapitel vorbehalte, will ich

diejenige des Ovambolandes des Zusammenhanges halber hier vorwegnehmen

und dann mit diesem Lande abschließen.

Das Ovamboland ist, soweit wir es kennen, ein flachgewelltes Sandfeld,

in dem die Erhöhungen in der Regel mit Wald, die Einsenkungen mit

Gras bestanden sind. In den Senkungen pflegen sich das ganze Jahr

mit Wasser gefüllte Vleys zu befinden. Das Land ist derart eben, daß

das Wasser schwer Abfluß findet. Die Folge ist, daß während der

Regenperiode (Dezember bis April) das ganze Land einen See bildet,

aus dem die Erhöhungen wie Inseln hervorragen. In dieser Zeit ist das

Reisen im Ovambolande so gut wie ausgeschlossen. Hat das Wasser sich

verlaufen, so bleibt es noch monatelang in Vleys und Omurambas stehen,

welch letztere, wie ein Blick auf die Karte ergibt, zwischen Kunene

und der Etoschapfanne, mit einem im allgemeinen sanften Abfall nach

Süden sich in zahlreichen Ästen verzweigen. Solange daher der Kunene

Hochwasser führt, gibt er seinen Überfluß an die Etoschapfanne ab. Was

den wirtschaftlichen Wert des Landes betrifft, so gibt über ihn ~Dr.~

Gerber folgendes Urteil:[46]

[Illustration: Partie aus dem portugiesischen Ovambolande.

(Fluß bei Humbe.)]

»Es ist das geborene Land für Baumwolle, Tabak, Feigen und Datteln;

es gaben dies selbst Missionar Petnien in Omandangua für Baumwolle,

Missionar Wulfhorst für Tabak und Feigen zu; nur sind wir alle der

Meinung, daß nur große Plantagen rentieren können. Und nun kommt

für mich noch ein Hauptgrund, wir haben hier ein arbeitskräftiges,

gesundes und zahlreiches Volk. Ich sah hier einzelne Familienwerften,

wo von einer Familie 15 bis 20 ~ha~ große Äcker von Hirse, Korn usw.

angepflanzt sind, und dies ohne Pflug, mit den primitivsten Werkzeugen.

Das ganze Land ist ein Acker, Werft an Werft, um jede Werft größere

Äcker, nie unter 4 bis 5 ~ha~.

[Illustration: Durchquerung des Kunene.]

Wie schon mitgeteilt, ist das Land für Tabak, Baumwolle, Feigen und

Datteln vorzüglich, doch alles dies nur in großen Anlagen, die ein

großes Anlagekapital verlangen, jedenfalls müßte das Land vollkommenes

Regierungsland und somit unter günstigen Bedingungen feilgeboten

sein. Mein größtes Bedenken für seine weiße Ansiedlung liegt in den

ungesunden klimatischen Verhältnissen, die eine größere Ansiedlung

von Weißen in Frage stellen, und das ist auch ein Grund, warum ich

von großem Plantagenbau in wenigen weißen Händen spreche; Baumwolle

wächst hier allerorten wie Unkraut, Tabak wurde von Missionar Wulfhorst

und vielen Eingeborenen in großen Mengen gepflanzt und erreicht eine

vorzügliche Güte mit festem natürlichen Aroma. Das Land wird stets

seinen Bedarf an Korn decken und viel noch abgeben können. Wasser

findet sich beim Graben im ganzen Land.

»In bezug auf Viehzucht läßt sich sagen, daß durch die schlechten

Futterverhältnisse und Inzucht das Vieh klein und unansehnlich, durch

Zuchtwahl aber sich viel bessern läßt. Es ist eben hier ein Mißstand,

der die wirtschaftliche Entwicklung und Lage oft brach legt: das ganze

Land gehört dem Häuptling, er verteilt die Äcker und Werften und kann

jeden von heute auf morgen wegjagen, deshalb pflanzen die Leute oft

nur ihren notwendigsten Bedarf, weil sie fürchten, daß ihre Arbeit oft

vergeblich ist; dann verfügt der Häuptling willkürlich über das Vieh

seiner Leute; ferner ist das ganze Jahr gegenseitiger Krieg, d. h.

mit anderen Worten gegenseitiges Viehstehlen, nicht nur unter den

verschiedenen Stämmen, sondern oft unter benachbarten Werften. Solche

Verhältnisse legen natürlich jede Viehzucht lahm, trotzdem kann der

Viehbestand im allgemeinen noch als gut genannt werden.«

[Illustration: ~Dr.~ Hartmann auf dem Kunene.]

Schließlich erklärt sich ~Dr.~ Gerber durch seine Erfahrungen im

Ovambolande zu einer Anlage großer Dattelkulturen im Damaralande längs

des Swakopflusses angeregt.

Noch günstiger wie über das Westovamboland äußern sich die bisherigen

Besucher über den wirtschaftlichen Wert des Ostovambolandes, als

welches für uns lediglich das Okawangotal in Betracht kommt.

Hier verbindet sich ein reicher Boden mit den günstigsten

Wasserverhältnissen. Die Eingeborenen bauen mit ihren geringen

Hilfsmitteln dort jetzt schon zahlreich Korn, Mais, Hirse,

Hülsenfrüchte und Tabak. Diese günstigen Verhältnisse gelten in

dem deutschen Gebiet jedoch nur für das Flußtal selbst, da mit den

südlichen Talrändern die weite südwestafrikanische Grassteppe wieder

beginnt. Eine Ausnahme innerhalb dieser Steppe scheinen die Omurambas

zu machen, über die ~Dr.~ Jodtka, wie folgt,[47] urteilt:

»Bevor ich den Charakter des Okawangotales selbst bespreche, möchte

ich vorweg gleich wegen vielfacher Ähnlichkeiten das Gebiet, das

durch die Betten des Fontein-Omuramba, Blockfontein-Omuramba und

Großomuramba gebildet wird, beschreiben. Die Umgebung dieser Flußbetten

zeigt dasselbe Bild wie das Sandfeld. Hohe Dünen begleiten dieselben

beiderseits. Prächtiger Wald mit alten Stämmen von zum Teil mächtigem

Umfang und bedeutender Höhe, wenn auch nur licht, wächst hier wie

dort. Die Tierwelt ist dieselbe, und auch die sie bewohnenden Menschen

sind desselben Stammes und derselben Sprache. Aber die in vielen

Pützen enthaltenen bedeutenden Mengen Wassers geben den Flußbetten

selbst ein anderes Gepräge. Namentlich im Fontein-Omuramba ist die

tiefste Stelle der Bettmulden ein zusammenhängendes Gewässer, in dem

man eine langsame Strömung -- dem Okawango zu -- beobachten kann. 2

bis 3 ~m~ hohes Riedgras und -rohr wächst in demselben und bildet den

beliebten Aufenthaltsort und sicheren Schlupfwinkel für eine unserem

Reh an Gestalt, Farbe und Größe ähnliche Antilopenart, den Ried- oder

Wasserbock. Der Boden ist infolge der alljährlichen Grasbrände und

durch gelegentlich von Regenwasser mitgeführten Schlamm fruchtbar, da

eine aus einer Vermischung von Sand mit Asche, Schlamm usw. entstandene

Ackerkrume von 1/2 bis 1 Fuß Stärke den Boden bedeckt. Diesen Charakter

zeigt das gesamte Flußbett des Fontein-Omuramba südlich bis Karakuwisu.

Südlich dieser reichen, von Buschleuten bewohnten Wasserstelle

allerdings wird die Vegetation ärmlich. Erst spärlich, dann immer

stärker tritt der Dornbusch wieder in seine Rechte. Tiefer Triebsand

bedeckt das Flußbett, und jegliches Wasser versiegt hier zur kalten

Zeit. Gelänge es jedoch, auf dieser Strecke -- von Eriksonspütz bis

Karakuwisu 124 ~km~ -- Wasser zu eröffnen, so wäre damit ein weites

Gebiet für die Ansiedlung erschlossen. Ich habe mich bemüht, für solche

Bohrungen geeignete Stellen auf dieser Wegestrecke ausfindig zu machen,

und glaube auch mehrere Punkte gefunden zu haben, wo gewisse dort

wachsende Bäume und Gräser mir den Versuch einer solchen Bohrung nicht

aussichtslos erscheinen lassen.

»Das Flußbett der oben genannten fruchtbaren Partie ist überall so

breit, daß es die Anlage großer Felder zuläßt. Die Flüsse kommen nicht

mehr ab, so daß die Gefahr der Vernichtung der Saaten bei plötzlichen

Regengüssen nicht besteht, anderseits ist aber so reichlich Wasser

vorhanden, daß dasselbe für Mensch und Vieh und zur Bewässerung von

Gartenanlagen vollkommen ausreichen würde. Futter für das Vieh bieten

die reichen Grasbestände in den lichten Wäldern und den kleineren oder

größeren Savannen. Die dortigen Buschleute sind sehr dienstwillig,

dabei sehr genügsam, so daß sie gute und billige Arbeitskräfte abgeben

würden. Soweit ich es beurteilen kann, würde man in diesem Gebiet

dieselben Nutzpflanzen anbauen können wie am Okawango, und müßte aus

dem jungfräulichen Boden dieselben großen Erträge erzielen können wie

dort. Zum Hausbau liefern die Wälder ein dauerhaftes, festes Material.«

[Illustration: Erster Katarakt des Kunene.]

Aber auch das Tal des Okawango für sich allein würde Raum für eine

zahlreiche weiße Besiedlung bieten. Über dessen wirtschaftlichen Wert

sei hier ein Urteil des Oberleutnants Volkmann[48] wiedergegeben:

»Kommt man zum Okawango, so beginnt mit einem Male ein anderes Bild.

Werft reiht sich an Werft, am ganzen Talrande entlang sind ausgedehnte

Kornfelder. Der leichte, mit rotem Lehm vermischte Boden ist sehr

fruchtbar; ohne daß gedüngt wird, werden jährlich zwei gute Ernten

erzielt. Ist ein Feld jahrelang bewirtschaftet, bleibt es brach liegen,

und die Eingeborenen machen ein neues Stück Land urbar. Dabei wird das

Flußtal, das als enger, aber auch bis zu 6 ~km~ breiter Streifen den

Okawango begleitet, nicht ausgenutzt, da es alljährlich überschwemmt

ist und dann lange feucht und ungesund bleibt; die Felder liegen meist

an dem Talrand oder auf demselben. In dem Flußtale selbst könnten

Hunderttausende von Hektaren ohne weiteres beackert werden, wenn man

sich auf eine Ernte beschränken oder sich durch Dünen gegen ein Übermaß

von Wasser schützen wollte.

Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika · 第 14 / 50 段