Seitdem schliefen die Beziehungen zu den Ovambos so ziemlich

wieder ein, bis einer der Bezirksamtmänner von Outjo, Oberleutnant

Franke, im Jahre 1900 einen Besuch bei den Häuptlingen Kambonde

und Uejulu unternahm und ihn bis zu dem portugiesischen Fort Humbe

ausdehnte. Seine Aufnahme bei den beiden Häuptlingen war eine

durchaus freundliche, ebenso anscheinend auch bei dem portugiesischen

Kommandanten im Fort Humbe. Doch erfolgte später aus Anlaß dieses

Besuches eine Beschwerde in Berlin wegen Grenzverletzung durch deutsche

Soldaten. Infolgedessen wurde der Besuch portugiesischen Gebietes

den Angehörigen der Schutztruppe in Uniform von nun ab untersagt.

Die nächsten Besuche deutscher Offiziere im Ovambolande, und zwar

des Leutnants Schultze, des Hauptmanns Kliefoth und des Leutnants

Sixt von Armin, sämtlich im Nordbezirk stationiert, beschränkten sich

daher auf das deutsche Gebiet, soweit nicht schon ein Besuch bei dem

Häuptling Uejulu als ein Überschreiten der in jener Gegend noch nicht

festgelegten portugiesischen Grenze betrachtet werden muß. Das Land

dieses Häuptlings liegt zum Teil auf deutscher Seite, sein persönlicher

Wohnsitz indessen wohl auf portugiesischem Gebiet.

[Illustration:

⋁ ⋁

Miss. Rautanen Leutwein

Das 1900 in Outjo versammelte Offizierkorps der Truppe. Dabei Missionar

Rautanen.]

Besonders Bemerkenswertes bot der Zug des Hauptmanns Kliefoth Ende

1901, weil es dabei fast zu einem kriegerischen Zusammenstoß gekommen

wäre. Bei der Schilderung des im Jahre 1900 stattgehabten Zuges der

Truppe nach den Nordbezirken (Kapitel ~IV~) habe ich bereits einen

politischen Zwischenfall im Ovambolande erwähnt. Im Gebiete des

Häuptlings Negumbo der Uukuambis waren zwei deutsche Händler beraubt

worden und hatten ihr Leben nur durch eilige Flucht retten können. Sie

erreichten mühsam die damalige nächste Grenzstation Outjo, wo gerade

die Truppe eingetroffen war. Zufällig befand sich daselbst auf der

Durchreise auch der bei dem Häuptling Kambonde stationierte Missionar

Rautanen, so daß durch dessen und Kambondes Vermittlung Verbindung

mit dem Häuptling Negumbo hergestellt werden konnte. Dieser erhielt

die Aufforderung, bis zum 1. April 1902 eine Buße von bestimmter Höhe

zu entrichten, widrigenfalls der Kriegsfall als gegeben angenommen

würde. Der in meiner Begleitung befindliche Oberhäuptling Samuel wurde

gleichfalls kriegerisch gestimmt und schrieb an Negumbo folgenden Brief:

Outjo, den 15. November 1900.

Mein Freund Negumbo!

Ich schreibe Dir einige Worte. Ich und mein Freund, der Gouverneur

Leutwein, haben von Deinen Leuten und Deinem Stamm Böses gehört.

Und nun sage ich Dir, tue, was wir von Dir fordern, bezahle die 60

Ochsen für das Geschehene, 50 für die Händler und 10 für die Kleinen

von dem Getöteten. Sonst kommen wir, Dich zu schießen, sonst aber

werden wir Freunde bleiben. Genug.

Viele Grüße. Ich bin Samuel Maharero, Herr der Hereros.

[Illustration: Landschaft aus dem Ovambolande.]

Kambonde empfing für seine Vermittlung ein entsprechendes Geschenk.

Die Antwort Negumbos erhielt ich am 1. Januar 1901 in Windhuk. Sie

lautete dahin, daß er alles bezahlen wolle und daß ich daher nicht

zu ihm zu kommen brauche. Da jedoch in der Folge die rechtzeitig

eingegangene Buße dem Bezirksamtmann von Outjo, Hauptmann Kliefoth,

in bezug auf Qualität zur Beanstandung Veranlassung gab, so beschloß

dieser seinerseits im Monat Juni 1901 einen persönlichen Besuch bei

dem Häuptling Negumbo und nahm hierzu 25 Reiter und ein Geschütz mit.

In Negumbos Werft Omukuju angekommen, begegnete Hauptmann Kliefoth

einer mächtigen Aufregung. Wie ein aufgerührter Ameisenhaufen wimmelten

die Bewohner durcheinander und empfingen die Truppen mit drohenden

Gebärden und mit Geschrei. Alle Versuche des Hauptmanns Kliefoth, sich

Gehör zu verschaffen, mißlangen. Das Vergebliche weiterer Bemühungen

einsehend, zog er in der Nacht wieder ab, da er mit Recht glaubte,

die Verantwortung für die Entfesselung eines Ovambokrieges nicht

auf sich nehmen zu sollen. Ein Telegramm meinerseits, das seinen

Zug überhaupt untersagte, hatte ihn nicht mehr erreicht. Will man

unzivilisierten Völkerschaften einen Besuch abstatten, so muß man

entweder mit möglichst wenig Begleitern kommen, so daß die Wilden von

dessen friedlichem Zweck im voraus überzeugt sind, oder man muß mit

einer so starken Macht kommen, daß ihr gegenüber die Eingeborenen

Feindseligkeiten überhaupt nicht wagen. Dies ist die Lehre, die auch

dieser Zug wieder gegeben hat. 25 Mann und ein Geschütz waren zu einem

friedlichen Zug zu viel, zu einem kriegerischen zu wenig. Im übrigen

wurde später der Verdacht, daß die Unterhändler, die das Vieh bei

Negumbo hatten in Empfang nehmen sollen, in gewinnsüchtiger Absicht

Unterschlagungen und Umtausch vorgenommen hätten, infolge von deren

Flucht über den Kunene als gerechtfertigt anerkannt. Hauptmann Kliefoth

wurde daher angewiesen, die Sache auf sich beruhen zu lassen.

[Illustration: Oberleutnant v. Winkler mit seinem erlegten Elefanten.]

Der nächste Besuch bei den Ovambos erfolgte 1901, mithin kurze

Zeit später, seitens des ~Dr.~ Hartmann, der als Vertreter der

neugegründeten Otavi-Gesellschaft eine Eisenbahntrace durch das

Ovamboland nach dem portugiesischen Hafen Port Alexander festlegen

sollte. Auf seinen Wunsch hatte ich ihm den Adjutanten der Truppe,

Oberleutnant v. Winkler, beigegeben, was ich um so lieber tat, als

dadurch auch eine Bereicherung der Landeskenntnisse der Truppe zu

erwarten war. Die Expedition ging von Otavi über die Werft der

Häuptlinge Nechale, Kambonde und Uejulu über den Kunene nach Humbe und

Port Alexander und von da nach Mossamedes. Der Oberleutnant v. Winkler

kehrte jedoch bereits an den Kunenekatarakten wieder nach Windhuk

zurück.

[Illustration: Vieh im Ovambolande.]

Als Nachwehen des Besuches durch Hauptmann Kliefoth bei Negumbo glaubte

~Dr.~ Hartmann noch Mißtrauen und Unruhe bei den Ovambo-Häuptlingen

feststellen zu können, ein Umstand, der ihn bewog, das Gebiet des

Häuptlings Negumbo zu meiden und für seine Eisenbahntrace lieber einen

Umweg nach Norden in den Kauf zu nehmen. ~Dr.~ Hartmann hat seine

Erlebnisse in einem interessanten Vortrag niedergelegt, auf den hiermit

verwiesen sei.[39]

Den letzten friedlichen Zug bei den Westovambos unternahm ein

Jahr später, d. i. Ende 1902, der Referent für Forst- und

Landwirtschaft beim Gouvernement, ~Dr.~ Gerber, in Begleitung des

Regierungsbaumeisters Laubschat aus Swakopmund. Die Ausbeute dieser

Expedition lag, wie bei der Stellung des Expeditionsleiters naturgemäß,

vorzüglich auf landwirtschaftlichem Gebiete, das in einem besonderen

Abschnitt behandelt werden wird. Sie ging über die Werften von Nechale,

Kambonde nach der des Häuptlings Uejulu, zugleich Missionsstation

Ondjiva. Hier wurde ~Dr.~ Gerber zuerst als Privatmann freundlich

empfangen, welche Freundlichkeit in das Gegenteil umzuschlagen

drohte, als er in den -- ja begründeten -- Verdacht geriet, ein

Regierungsvertreter, mithin ein »Spion« zu sein, da er als solcher

nicht offen aufgetreten war. Ebensowenig Freundlichkeit brachte ihm

später ein Besuch in Humbe ein. Nur der Anschluß an zwei zufällig

getroffene portugiesische Offiziere ließ die Stimmung für ihn wieder

etwas günstiger werden. Aus dieser Tatsache schloß ~Dr.~ Gerber

mit Recht, daß der bisher als deutschfreundlich bekannte Häuptling

Uejulu wieder in portugiesisches Fahrwasser geraten sei, was übrigens

dem Gouvernement auch schon von anderer Seite gemeldet worden war.

Die beiden portugiesischen Offiziere waren nichts anderes als eine

Gesandtschaft an den Häuptling Uejulu, der sich angeblich bereit

erklärt hatte, die portugiesische Flagge zu hissen und den Bau eines

Forts in seinem Gebiet zu gestatten.

Von der Werft Uejulus durchquerte ~Dr.~ Gerber den Raum zwischen Kunene

und Okawango, zog am Nordufer des letzteren Flusses abwärts und kehrte

dann auf einem bereits von Oberleutnant Volkmann hergestellten Wege

über Grootfontein nach Windhuk zurück. Sehr unterstützt wurde er auf

seiner Reise durch einen ihm seitens der Truppe -- als Zivilist --

beigegebenen Unteroffizier Gaß.[40] Mit dem mächtigsten der auf dem

Nordufer des Okawango lebenden Häuptlinge, dem alten Himarua, schloß

~Dr.~ Gerber aus eigenem Entschluß einen anscheinend vorteilhaften

Vertrag wegen Aufnahme einer deutschen katholischen Mission, der jedoch

für diese, wie wir noch sehen werden, sich in der Folge nicht als

haltbar erwiesen hat.

Damit sind wir zu den Ostovambos gelangt, von denen kein Stamm auf

deutschem Gebiet wohnt. Nur vereinzelte Werften finden wir in der

Nähe der Mündungen des Ombungo- und des Löwen-Omuramba auf diesem.

Indessen betrachten die Eingeborenen durchweg auch das südliche

Flußufer als ihr Eigentum. Beziehungen zu diesen Ovambos hatten die

Chefs des mittlerweile vom Nordbezirk losgelösten selbständigen

Distrikts Grootfontein angeknüpft und aufrechterhalten. Es waren

dies nacheinander Leutnant Eggers, Assistenzarzt ~Dr.~ Jodtka und

hauptsächlich Oberleutnant Volkmann. Der erste Distriktschef von

Grootfontein, Stabsarzt ~Dr.~ Kuhn, hatte mit Recht von einer

so weitgreifenden Unternehmung abgesehen und sich besonders der

Verbesserung der Gesundheitsverhältnisse des Platzes Grootfontein,

um die er sich auch ein bleibendes Verdienst erworben hat, gewidmet.

Der früher malariareiche Platz ist jetzt einer der gesundesten des

Schutzgebietes geworden.

[Illustration: Reise des Oberleutnants Volkmann von Mai bis Juli 1902.]

Die interessanteste Ausbeute von allen diesen verdienstvollen Reisen

bot diejenige des Oberleutnants Volkmann von Ende Mai bis Anfang Juli

1902. Sie ging von Grootfontein auf bisher fast noch nicht begangenem

Wege direkt nördlich über Tsintsabis, die Oberläufe des Löwen- und

des Ombungo-Omuramba, nach dem Okawango, in dessen Tal die Expedition

gegenüber der Werft des Häuptlings Himarua anlangte. Der Weg war

mittels mühsamen Durchschlagens durch Wälder und dichtes Buschwerk

hergestellt worden. Viel Hilfe hatten hierbei Buschmänner geleistet,

jenes scheue Volk, dem bereits der Leutnant Eggers[41] Zutrauen zu der

deutschen Regierung einzuflößen verstanden hatte. Der letztere, einer

der sprachgewandtesten Offiziere, die ich je kennen gelernt habe, hatte

sich sogar das Idiom dieser Buschmänner zu eigen gemacht. Letztere, als

einzige Bewohner dieser Gegend, beschreibt Oberleutnant Volkmann in

seinem Tagebuche folgendermaßen:

»Die Buschmänner, die fast unbekleidet sind, sind sehr empfindlich

gegen Kälte usw. Morgens hat jeder Buschmann ein brennendes Holzscheit

in der Hand, das dicht vor die Brust gehalten wird, die andere Hand

liegt mit dicht an den Leib gepreßtem Oberarm auf der Schulter.

Am Halteplatz wird das Holzscheit dann gleich zum Feueranmachen

benutzt. Die Ausrüstung der Buschmänner ist recht ärmlich. Ein

kleiner Lederschurz vorn und hinten ist die einzige Kleidung, an der

Seite tragen sie ein Ledertäschchen, in dem sich bei wohlhabenden

Buschmännern ein Messer, eine Tabakspfeife und eine Zündeldose

befinden. Die in der Erde befindlichen Feldfrüchte werden mit einem

zugespitzten Stock herausgeholt. Geht ein Buschmann als Führer

vor dem Pferd, so springt er mit unglaublicher Schnelligkeit bald

hierhin, bald dorthin, irgend eine Knolle oder Wurzel aus der Erde

zu holen. Sehr beliebt sind auch verschiedene Beerenfrüchte, die an

niedrigen Sträuchern wachsen. Von Baumfrüchten sind am beliebtesten

die des Marulabaumes, des sogenannten Mandelbaumes, und zweitens

Strychnosarten. Als Tabakspfeife wird alles mögliche benutzt:

Kuduhörner, Kalebassen, ausgehöhlte Früchte des Strychnos, alte

Patronenhülsen aus Metall usw. Am liebsten rauchen sie durch Wasser,

das nie erneuert wird. Geht der Tabak aus, und das ist häufig der

Fall, kochen sie Rinde eines Baumes in dem dickflüssigen Tabakswasser,

trocknen dann die Rinde, die etwas Tabakgeschmack annimmt, und rauchen

sie dann. Sehr gern rauchen sie Hanf.

Waffen hat auf dieser Reise kein Buschmann mit, wohl als Zeichen ihrer

friedlichen Gesinnung, sonst führen sie Pfeil und Bogen, erstere aus

Holz mit Eisenspitzen, die sie aus dem Ovamboland bekommen.«

[Illustration: Gruppe Ovambofrauen.]

[Illustration: Gruppe Ovambomänner.]

[Illustration: Ovambowerft.]

Über die ethnographischen Verhältnisse unter den Ovambos am nördlichen

Ufer des Okawango sagt Oberleutnant Volkmann, daß bis zur Einmündung

des Fontein-Omuramba zwei größere Stämme zu unterscheiden seien. Der

eine unter dem Häuptling Himarua habe seine Werften im Okawangotal

bis unterhalb der Mündung des Ombuno-Omuramba, von da ab beginne die

Machtsphäre des ehemaligen weiblichen Häuptlings Kapongo, der etwa

vor zwei Jahren gestorben sei. An ihre Stelle traten dann deren drei

Söhne, Karupu, Haussika und Nambaze, von denen der mittlere, Haussika,

von seiner eigenen Werft Oschane aus eine Art Oberherrschaft über

die andern auszuüben scheint, eine Herrschaft, die bis in die Gegend

der Einmündung des Fontein-Omuramba anerkannt wird. Dann folgen

nach Osten noch drei weitere Stämme, und zwar die Bomogandas, die

Njangamas und die Diêbes (früher Andaras). Die Stärke der Stämme

wird auf je 7000 bis 8000 Seelen geschätzt. Reiner Ovambostamm ist

nur derjenige des Himarua, eines Eindringlings aus dem Ovamboland,

von da ab sind die Stämme sehr mit Betschuanenblut gemischt, bis wir

bei Andaras Werft einen fast reinen Betschuanenstamm finden. Die

von Himarua und den Söhnen Kapongos beherrschten beiden westlichen

Stämme werden Owakwangaris genannt. Die Werft Haussikas, die für

sämtliche Ovambowerften typisch ist, beschreibt Oberleutnant Volkmann

folgendermaßen:

»Die Werft mit einem Durchmesser von etwa 50 ~m~ ist von 3 ~m~ hohen,

in die Erde gerammten Bäumen umgeben, innerhalb der Werft sind wieder

eine Menge einzelner Abteilungen durch kreisförmig eingerammte

Baumstämme gebildet, die aber knapp 2 ~m~ hoch sind und nicht dicht

beieinander stehen. Um die Bäume jeder Abteilung sind etwa 1,60 ~m~

hohe Riedmatten gezogen, die dem Ganzen ein nettes, sauberes Ansehen

geben. Innerhalb der Abteilungen, deren jede einem besonderen Zweck

dient, stehen die Pontoks, runde Hütten mit spitzem Dach, alles sauber

mit Matten bekleidet.«

Von dem Volke der Ostovambos im allgemeinen gibt Oberleutnant Volkmann

folgende Beschreibung:

»Wir stehen unmittelbar gegenüber Ossone, das direkt über dem

nördlichen steilen Flußufer gebaut ist. Die Owakwangaris sind durchweg

sehr gut gebaut, Kleider sieht man nicht, die meisten tragen einen

Ledergürtel, an dem vorn und hinten lange, schmale Lederstreifen

hängen; viele tragen hinten statt des Leders das Fell eines Leoparden

oder einer Ginsterkatze. Das Haar wird in allerlei Formen getragen,

meist ist es so weit kurz geschoren, daß ein Streifen oder ein Kranz

von Haaren übrig bleibt. Um den Hals tragen sie mit Vorliebe Ketten

aus bunten Perlen oder Eisenstückchen, die dünn geklopft und gerollt

sind, an den Füßen sind sie unbekleidet oder tragen einfache Sandalen

aus Wildfell. Die meisten Männer führen sogenannte Ovambomesser, die

von Oukuanjamas stammen, wo das Schmiedehandwerk stark entwickelt

ist, ab und zu sieht man Speere, die für sehr wertvoll gelten, und

Vorderladeflinten. Auch einige Henry-Martini-Gewehre findet man,

und ein Großmann von Himarua hatte von einem Portugiesen eine 8

~mm~-Büchse mit 3/4 Mantelgeschossen gekauft. Bogen und Pfeile habe

ich eigentlich nur bei Kindern als Spielzeug gesehen, dagegen sind

viele arme Leute mit Kirris bewaffnet. Die Owakwangaris rauchen fast

gar nicht, schnupfen aber durchgängig und haben den Tabak in Dosen

von Steinbock- oder Deukerhorn mit Lederdeckel. Sie sind keine großen

Jäger, und so findet man viel Wild nahe den Dörfern, Kaffee kennen sie

kaum, sie trinken morgens ein aus Mehl bereitetes, wenig schmackhaftes

Getränk, dagegen brauen sie ganz gutes Bier aus Korn, das sie aber der

Ernte wegen nur wenig herstellen. Töpfe werden aus Ton gefertigt, der

überall am Flusse vorkommt, sie werden gebrannt und sind ganz haltbar.

Ganz hübsche Arbeiten werden aus Stroh oder Binsen gefertigt: Körbe,

Teller, Matten, Fischreusen usw. Die Kanoes zeichnen sich nicht durch

Schönheit aus, sie sind grob und vielfach aus ganz krummen Stämmen

gearbeitet, die kleinsten Kanoes fassen einen, die größeren vier bis

sechs Mann. Es wird im Stehen oder Sitzen gerudert. Die Ruder haben nur

auf einer Seite eine Schaufel, sogenannte Paddeln sind unbekannt.«

Sowohl bei Himarua wie bei Haussika gelang die Herstellung eines

freundlichen Verkehrs mit den Eingeborenen. Wie überall, wurden seitens

der Eingeborenen Geschenke gebracht, große Gegengeschenke erwartet und

sehr viel gebettelt. Oberleutnant Volkmann zog von da den Fluß abwärts

bis zur Mündung des Fontein-Omuramba, dann letzteren aufwärts bis zum

Omuramba-u-Omatako, und diesen entlang über Otjituo nach Grootfontein

zurück.

[Illustration: Palmen im Ovambolande.]

Etwa ein Jahr später mußte Oberleutnant Volkmann wider Erwarten seinen

Zug infolge eines noch zu schildernden politischen Zwischenfalls

wiederholen. Gelegentlich dieses Marsches dehnte er dann seine

Erforschung des Okawangotales bis zu dem Punkte aus, bei dem der Fluß

mit einer plötzlichen Wendung nach Süden zum Ngamisee abbiegt. Dort

liegt die Residenz des früheren Häuptlings Andara, jetzt im Besitz von

dessen Sohne Diêbe, mitten im Fluß auf einer Insel. Der Fluß teilt sich

an dieser Stelle in viele Arme, die von Stromschnellen durchsetzt sind,

und schließt sich erst weiter unterhalb wieder in einem gemeinsamen

Bett zusammen.

Politisches.

Des Vertrages, den Forstassessor ~Dr.~ Gerber auf seiner Durchreise

wegen Aufnahme einer katholischen Mission mit dem Häuptling Himarua

geschlossen hatte, habe ich bereits gedacht. Wie es bei Verträgen mit

Eingeborenen infolge der beiderseits mangelhaften Sprachkenntnisse

manchmal zu gehen pflegt, so haben sich auch hier beide Teile

anscheinend nicht richtig verstanden, vielmehr jede Partei den Vertrag

mehr zu ihren Gunsten ausgelegt, als der andere Teil bewilligt zu

haben glaubte. Außerdem ist wohl auch als sicher anzunehmen, daß auf

seiten des als räuberisch bekannten Häuptlings Himarua böser Wille

seine Rolle mitgespielt hat. Hatte Himarua doch erst vor einigen Jahren

Hereros, die zu ihm geflüchtet waren, um den Regierungsmaßnahmen gegen

die Rinderpest zu entgehen, zuerst freundlich aufgenommen und dann zu

seiner Bereicherung meuchlings ermorden lassen.

Dieser üble Ruf konnte jedoch den tatkräftigen Präfekten der

katholischen Mission in Windhuk, Herrn Nachtwey, nicht abhalten,

seine Wirkungssphäre bis zum Okawango auszudehnen, sobald er Kenntnis

von dem Vertrage des ~Dr.~ Gerber erhalten hatte. Er entsandte eine

Expedition, bestehend aus drei Patres (Biegner, Filliung, Hermandung)

und zwei Laienbrüdern (Bast, Reinhart), die am 16. März 1903 am

Okawango anlangte und sich Himaruas Werft gegenüber auf dem deutschen

Ufer niederließ. Nach kurzer Zeit jedoch entstanden Mißhelligkeiten

zwischen beiden Parteien. Himarua sah sich in seiner Erwartung auf

große Geschenke seitens der Missionare, namentlich an Gewehren und

Munition, wie er solches von portugiesischer Seite gewohnt war,

getäuscht. Er behauptete sodann, trotz seiner gegebenen Unterschrift,

von einem Vertrage mit ~Dr.~ Gerber nichts zu wissen. Der Hinweis

eines der Missionare, sie seien auf deutschem Boden und daher an die

Wünsche Himaruas gar nicht gebunden, schlug dem Faß den Boden vollends

aus. Denn von einer solchen Beschränkung seiner Herrschaft wollte der

Häuptling erst recht nichts wissen. Die Missionare beschlossen nun,

dieser ungastlichen Stelle den Rücken zu kehren, und suchten Fühlung

mit dem nächsten Häuptling, flußabwärts, Nambaze. Dieser sicherte ihnen

freundliche Aufnahme zu, wagte aber aus Furcht vor Himarua zunächst

noch kein offenes Hervortreten. Die Patres kehrten daher vorläufig auf

den alten Lagerplatz zurück, wo die bald darauf erfolgende Ankunft

des inzwischen mittels Eilboten benachrichtigten Distriktchefs von

Grootfontein im April 1903 und dessen ernstes Zureden Himarua äußerlich

wieder zur Vernunft brachten. Doch hielt diese nicht lange vor. Nach

der Abreise des Oberleutnants Volkmann begann das Schikanieren von

neuem, es artete bald zu Räubereien aus, so daß die Mission es vorzog,

das Feld ganz zu räumen, zumal beinahe sämtliche Mitglieder von der

Malaria befallen waren. Die Expedition traf Ende Mai nach Überwindung

ungemeiner Schwierigkeiten wieder in Grootfontein ein. Einer der

Missionare, Pater Biegner, war noch am Okawango als Opfer seines Berufs

der Malaria erlegen. Ein Laienbruder, Reinhart, nahm den Keim zu dieser

Krankheit nach Windhuk mit sich und fiel ihr später dort zum Opfer.

[Illustration: Antilope, über eine Werftpalisade setzend.]

Dieses üble Verhalten Himaruas verlangte Sühne. Eigentlich hätte eine

solche auf diesseitige Reklamation von portugiesischer Seite erfolgen

sollen. Da jedoch die portugiesische Regierung in jener Gegend keine

Machtmittel besitzt, so mußte die Bestrafung des Schuldigen von

unserer Seite, so gut dies ohne Verletzung portugiesischen Gebietes

möglich war, erfolgen. Dieses erforderlichenfalls betreten zu dürfen,

wurde jedoch gleichzeitig in Berlin beantragt. Mit der Ausführung der

Bestrafung wurde der Distriktschef von Grootfontein, Oberleutnant

Volkmann, beauftragt, der die Initiative hierzu bereits selbst

ergriffen hatte. Seine Mannschaft war allerdings gering, dafür aber

der Führer einer der energischsten Offiziere der Schutztruppe. Eine

stärkere Truppenmacht konnte in der jetzigen Jahreszeit die bis zu

160 ~km~ lange Durststrecke zwischen Grootfontein und Okawango ohne

besondere Vorbereitungen ohnehin nicht überwinden. Eine Expedition

größeren Stiles wurde daher für die Zeit unmittelbar nach der

Regenperiode 1904 in Aussicht genommen. Sie kam jedoch infolge des

Hereroaufstandes nicht zur Ausführung und Himarua daher mit der

Bestrafung davon, die ihm die schwache Truppe des Oberleutnants

Volkmann angedeihen lassen konnte. Diese langte, etwa 22 Köpfe

stark, Mitte Juli vor der Werft Himaruas an. Ihr hatten sich der

Chef des Vermessungwesens, Oberlandmesser Görgens, wie auch Präfekt

Nachtwey selbst angeschlossen. Am 16. Juli kam es zum Gefecht gegen

Himarua, dessen Werft von dem diesseitigen Ufer aus -- mithin aus

etwa 200 ~m~ -- mit Schnellfeuer überschüttet wurde. Himarua war

auf den Angriff vorbereitet gewesen und hatte etwa 150 waffenfähige

Männer zusammengezogen, die, gedeckt durch die Palisaden der Werft,

das Feuer erwiderten. Ein Versuch des Gegners, den Fluß stromab zu

überschreiten, um in den Rücken des Angreifers zu gelangen, wurde

durch eine der von Oberleutnant Volkmann vorsichtigerweise seitwärts

geschobenen Patrouillen vereitelt. Erst die Dunkelheit setzte dem

Gefecht ein Ende. Die Truppe hatte keine Verluste, während der Gegner,

wie Oberleutnant Volkmann glaubt, vermöge des ruhig abgegebenen

diesseitigen Feuers solche zahlreich erlitten hatte. Namentlich war

die Wirkung des Salvenfeuers gegen die Palisaden nicht zu verkennen.

Diese Annahme findet ihre Bestätigung in dem Umstande, daß während der

Nacht der Gegner den jetzt aussichtsvoller gewordenen Versuch zu einer

Flußüberschreitung nicht wiederholte und auch den Abmarsch der kleinen

Truppe am nächsten Tage in keiner Weise störte. Auch fand Oberleutnant

Volkmann auf seinem Weitermarsch flußabwärts die Ovambowerften sämtlich

von großem Schrecken erfüllt. Sein Marsch erstreckte sich dieses

Mal, wie im vorigen Abschnitt erwähnt ist, bis zu Andaras Werft, wo

mit dem neuen Häuptling Diêbe freundschaftlicher Verkehr, verbunden

mit Austausch von Geschenken, stattfand. Auch diesem Zuge hatten

sich die beiden freiwilligen Kriegsteilnehmer, Präfekt Nachtwey und

Oberlandmesser Görgens, angeschlossen.

[Illustration: Lager im Ovambolande.]

Ein weiterer Zwischenfall von politischer Bedeutung hatte sich etwa

in derselben Zeit weiter abwärts am Okawango zugetragen. Dort war ein

deutscher Händler und Farmer Namens Paasch nebst Familie ermordet

worden. Im Gegensatz zu verschiedenen Stimmen, die glaubten, die

Unterlassung eines Kriegszuges behufs Bestrafung dieser Tat dem

Gouvernement zum Vorwurf anrechnen zu sollen, urteilt ein Landeskenner,

der mehrfach genannte ~Dr.~ Hartmann, in einer Broschüre,[42] wie folgt:

Elf Jahre Gouverneur in Deutsch-Südwestafrika · 第 13 / 50 段