_Anmerkung 1_. Es mag hierbei auf die Steinbeile hingewiesen
werden, welche, wie es scheint, nicht gerade selten in Java und der
Malaccahalbinsel gefunden werden (Siehe Journal of the East Indian
Archipelago Bd. 5 pag. 84). Die hier angezogene Notiz nimmt Bezug
auf einen Artikel in der »Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch
Indië«. Da ich aber den betreffenden Band derselben leider nicht
habe einsehen können, so kann ich auch nicht entscheiden, ob und
welcher von den dort abgebildeten Aexten die von mir im Centrum
Mindanao's aufgefundene entspricht. Logan, der gelehrte Herausgeber des
J. E. I. A., benutzt die Thatsache ihrer Auffindung zur Stütze seiner
Behauptung, "es seien die ältesten Bewohner Java's von afrikanischer
oder indo-afrikanischer Ableitung" (l. c.), zu welchem Schluss er
durch Aehnlichkeiten der Sprachbildungen gekommen sein will. Hierüber
kann ich nicht urtheilen. Wohl aber scheint festzustehen, dass diese
Steinbeile wirklich einem seit uralten Zeiten schon verschwundenen
Stamme angehört haben müssen; denn in Java und in Malacca werden
sie _Donnerkeil_, in Mindanao _Zähne_ des personificirt gedachten
Blitzes genannt, zum Beweise, dass bei allen diesen malaiischen Racen
sich die Erinnerung an eine frühere Steinperiode ihres eignen--oder
eines fremden--Stammes gänzlich verloren hat. Die Wahrscheinlichkeit
spricht dann allerdings dafür, dass diese Urrace des hinterindischen
Inselgebietes mit den jetzt lebenden Papua's nahe verwandt gewesen
sein müsse.
_Anmerkung 2_. Es mag mir hier vergönnt sein auf einige Irrthümer
hinzuweisen, welche sich in Häckel's neuestem Werk in das Capitel
über die Negerstämme eingeschlichen haben. Bei der grossen Bedeutung
seiner wissenschaftlichen Ansichten und der weiten Verbreitung, welche
das Buch "Natürliche Schöpfungsgeschichte" ohne Zweifel finden wird,
dürfte die Gefahr nahe liegen, dass falsche Ansichten und positive
Irrthümer, darin niedergelegt, auch leichten Eingang in die weitesten
Kreise finden möchten.
Zunächst ist es falsch, wenn Häckel die negerartigen Bewohner
der Philippinen und andrer Inseln des hinterindischen Gebietes in
eine Gruppe der glatthaarigen Neger, also in dieselbe Categorie
mit den Bewohnern Australien's stellt, aber von den kraushaarigen
Papuas abtrennt. Es scheint dieser Irrthum--der sich übrigens schon
früher in dem populären Werke von Dr. Friedrich Rolle »der Mensch,
seine Abstammung und Gesittung im Licht der Darwin'schen Lehre,
Frankfurt 1866«, pag. 238 findet--durch einen in Prichard's Werk
Bd. 4 pag. 231 übersetzten Bericht des Bernardo de la Fuente
entstanden zu sein. Dieser spricht sowohl von kraushaarigen, als
von glatthaarigen Negern Luzon's. Nun sind aber die als Agta oder
Negrito's bezeichneten Neger der Philippinen ausnahmslos kraushaarig,
wie die älteren spanischen Autoren sehr wohl wissen. Ich selbst kenne
sie aus eigner Anschauung von verschiedenen Orten. Es kann also über
die Anwesenheit solcher kraushaariger Neger kein Zweifel bestehen, und
ich kann hinzusetzen, dass sie in Lebensweise, Sitten und physischem
Verhalten sich den echten Papua's entschieden nähern.
Was nun die andern von de la Fuente erwähnten Neger mit vollkommen
schwarzen langen Haaren betrifft, so ist sein Zusatz, "man halte
sie für Abkömmlinge der Malabaren" (Prichard Bd. 4) völlig genügend,
um ihnen das Bürgerrecht unter den echten Negern, selbst unter den
Verwandten der Australneger, völlig zu nehmen; ausserdem aber sagt
Prichard, man bezeichne die Neger auch als "Igalotes". Dies mag
von Prichard aus einem alten spanischen Buche oder aus de la Fuente
richtig citirt sein, ist aber nichtsdestoweniger vollkommen falsch,
denn die Igolotes oder Igorrotes haben nichts von Negern, sondern
sind dunkelbraune Stämme des Nordwestens von Luzon, die entschieden
malaiischen Ursprunges sind. Nun gibt es aber freilich einige Stämme
in Luzon und Mindanao, welche dunkler als die olivenfarbigen Malaien
sind und häufig neben dem hohen Schädel und dem runden Gesicht des
dortigen Negers braunschwarze glatte Haare besitzen, aber dies sind
entschiedene Mischlingsracen zwischen den Malaien und den eigentlichen
kraushaarigen Negritos. Man trifft unter ihnen sowohl kraushaarige
Individuen mit malaiischem Typus des Kopfes und der Gesichtsfarbe,
wie auch dunkelbraune negerartig aussehende mit glattem, bald duffem,
braunschwarzem, bald glänzend schwarzem Haar. Sie stehen ausnahmslos
mit den umwohnenden christlichen oder heidnischen Malaien im
Verkehr. So erzählten mir die Mamanua's, eine dieser Mischlingsracen,
an der Nordküste von Mindanao, nicht weit von Butuan, dass sie sich
selbst noch mit den Christen dort verheirathen, welche letzteren dann
immer zu ihnen kommen und die gleiche unstäte Lebensweise annehmen.
Ein andrer in Pangasinan in der Centralebene Luzon's lebender Stamm
wird von dem Padre Mozo (Misiones de Philipinas 1763 pag. 101)
als Negerstamm beschrieben, aber blos der dunklen Hautfarbe wegen:
dieser nennt sich "Baluga" d. h. nach der Bedeutung des Wortes im
Tagalischen "mestizo negro, schwarzer Mestize", also entweder ein
Mischling zwischen Neger und Malaien, oder ein Mestize--unbestimmt
gelassener Beimischung--mit schwarzer Hautfarbe. Ich habe auch diese
Balugas gesehen, und glaube versichern zu können, dass sie entschiedene
Mischlinge zwischen Tagalen und echten Negrito's sind. Nicht alle von
den Spaniern sogenannten Negrito's sind dies wirklich (s. Schetelig,
On the Natives of Formosa in Trans. Ethnogr. Society of London Vol. 7
pag. 12), und ich wiederhole, dass alle sogenannten glatthaarigen
Neger der Philippinen entweder Malaien mit etwas dunklerer Hautfarbe,
oder Mischlinge zwischen Malaien und echten Negrito's sind. Wer sich
über die Papuas und ihre weite Verbreitung über den hinterindischen
Archipel genaue Kenntniss verschaffen will, findet leichte Befriedigung
in dem trefflichen Buche von G. Windsor Earle "The Native Races of
the Indian Archipelago. Papuans. London 1853". Pritchard's Werk ist
in dieser Beziehung jedenfalls etwas veraltet.
Dann muss ich mich auf das Entschiedenste dagegen erklären, die
Bewohner Australien's nach der Andeutung Prichards (Bd. 4 pag. 270)
jetzt als Harafura's oder Alfuru-Neger zu bezeichnen (Häckel
l. c. p.). Einmal scheint Harafura oder Alfuru ein portugiesisches
Wort zu sein, i. e. "freigelassener Sclave". Mit diesem Namen
bezeichneten die Portugiesen in Amboina die freien Stämme des
Innern (G. Windsor Earle in Journ. East Ind. Archipl. Vol. IV. 1850
pag. 2). Selbst wenn er aber auch nicht portugiesischen, sondern
östlichen Ursprungs sein sollte, so würde er keinenfalls auf die
glatthaarigen Australier angewandt werden können, sondern höchstens auf
die kraushaarigen--also zu den Papuas gehörigen--Neger in der Nähe der
Molucken. Auch d'Urville beschreibt die Harfur's vom Arfak-Gebirge in
Neu-Guinea als kraushaarig. Durch die Naturforscher der verschiedenen
Regierungs-Expeditionen sowohl, wie durch confuse Berichte anderer
Seefahrer ist die Frage, was die Harafura's eigentlich für ein Stamm
sind, in eine so gründliche Confusion gebracht worden, dass man am
Besten thut, den gordischen Knoten zu zerhauen, indem man den Namen
einfach fallen lässt, oder ihn wenigstens so einschränkt, wie es
neuerdings Bastian in der Karte zu seinem Buche "Ueber das Beständige
in den Menschenracen, Berlin 1868" gethan hat. Dieser treffliche
Ethnologe deutet ferner auch durch die dort gebrauchte Bezeichnung
"Alfuru-Neger" und durch die Einordnung derselben in die Gruppe
"Austral-Neger mit Papuas" an, dass ihm (l. c. pag. 271) beide Formen
des Australnegers, die kraushaarige und die glatthaarige, sehr nahe mit
einander verwandt zu sein scheinen. Eine so weitgehende Trennung der
beiden Gruppen aber, wie sie Häckel vornimmt, wird durch keine aus dem
physischen wie geistigen Zustande der dahin gehörigen Völker bekannte
Thatsache gerechtfertigt werden können; und dies um so weniger, als
man es hier ebensowenig, wie irgendwo sonst, mit ethnologisch reinen,
von Beimischungen freigebliebenen Racen zu thun hat.
_Anmerkung 3._ Es ist hiernach nicht mehr ganz richtig, wenn d'Urville
(s. Prichard Bd. 4 pag. 268) und jetzt auch noch Earle (Journal
E. I. Archipel. Bd. 3, 1849 pag. 686) angeben, dass die östlichen
Negerracen, Papuas oder Australier, sich nie tättowiren; denn in der
That ist, wie alle Reisende richtig und übereinstimmend bemerken, diese
letztere Weise des Schmückens des Körpers ganz verschieden von der
Erzeugung langgestreckter Narben durch schneidende Instrumente. Auch
die, sicherlich durch Papua's und Malaien hervorgebrachten
Mischlingsracen der Pelew-Inseln (Carolinen) tättowiren sich,
haben also viel früher jene Sitte der Papua's, als ihren Körperbau
und andere Merkmale verloren. Beide Gebräuche, im Aussehen der
hergestellten Muster und ihrer Anwendung so verschieden, verdanken
doch wohl ihren Ursprung dem gleichen psychologischen Bedürfnisse,
dem der Ausschmückung, der Verschönerung des eignen Körpers.
_Anmerkung 4._ Siehe meinen ausführlicheren Bericht über diese Stämme
in der Zeitschrift für die gesammte Erdkunde Bd. 10 p. 249-266.
_Anmerkung 5._ Es scheint jetzt allerdings eine Thatsache zu sein,
dass der eigentliche Dialect der philippinischen Neger verloren
gegangen ist, wie Prichard (l. c. pag. 232) auf die Autorität
verschiedener Autoren gestützt angibt. In einem kleinen Wortregister,
welches ich an der Ostküste von Luzon zu sammeln Gelegenheit hatte,
und das ich in meinem Reisewerke ausführlich zu publiciren gedenke,
finden sich trotz der grossen Uebereinstimmung mit dem Tagaloc und
einigen andern Dialecten doch einzelne abweichende Worte. Ich würde
dies kaum hervorgehoben haben, wenn ich nicht in dem schon erwähnten
spanischen Buche des Padre Mozo (Misiones de Philipinas p. 101)
die beachtenswerthe Notiz gefunden hätte, dass alle die Negerracen
der verschiedenen Inseln die gleiche Sprache sprächen, im Gegensatz
zu den malaiischen Stämmen mit ihren zahlreichen Dialecten. So
sehr interessant und wichtig es nun auch sein würde, etwaige Reste
der ursprünglichen philippinischen Negersprache vor dem gänzlichen
Untergange zu retten, so würde hiezu doch eine Opferfreudigkeit und
Entsagung gehören, wie ich sie mir so wenig, wie irgend einem andern
Menschen zutraue. Mehr als einige sparsame Worte dieser Sprache werden
wir durch Reisende nie erwarten können; und die spanischen Pfaffen
sind jetzt weniger als je geneigt, diesem verkommenen Menschenstamm
einige Aufmerksamkeit zuzuwenden.
_Anmerkung 6._ Die Ylungut oder Ylongotes, wie die Spanier schreiben,
sind Stämme malaiischen Ursprungs, welche in der östlichen Cordillere
zwischen Baler und Casiguran leben. Sie gehören mit zu den wildesten
Stämmen des Landes, und sie stehen mit den Christen sowohl, wie mit
den nahe wohnenden Negrito's in beständiger Fehde.
_Anmerkung 7._ Eine Schätzung der Zahl der Negrito's ist von Mallat
versucht worden, der sie auf 25000 angibt (Mallat, les Philippines
Bd. II p. 94). Dies wird jedenfalls sehr übertrieben sein. Zu
Legaspi's Zeiten (1570-1580) freilich muss die Zahl derselben noch
eine sehr grosse gewesen sein. Sie werden in dieser Zeit noch als
ausschliessliche Bewohner der Insel Negros erwähnt, und auch in Cebú
sowie in Panay lebten damals noch sehr zahlreiche Negrito's dicht
neben den von Malaien bewohnten grösseren Städten. Auf beiden Inseln
sind sie seit Langem spurlos verschwunden. S. Gaspar de S. Agustin
pag. 95; Chirino, Relacion etc. pag. 24.
_Anmerkung 8._ Siehe meinen Bericht in der Zeitschrift für die gesammte
Erdkunde Bd. 13 pag. 81-97 und das Tagebuch des D. G. Galvey, welches
in dem Werke des D. Sinibaldo de Mas Band I, Artikel Poblacion pag. 43
sqq. abgedruckt ist "Informe sobre el Estado de las Islas Filipinas
en 1842".
_Anmerkung 9._ Im Visaya-Dialect heisst busauang "Strom von Wasser,
_Blut_ etc.; die Partikel tag wird vor Substantivwurzeln gesetzt, um
die Herrschaft über dasselbe anzudeuten; hiernach wäre die Bedeutung
des Wortes wohl so zu geben »der Gott (Herr) des Blutstromes"
d. h. Gott des Krieges. Ihm ist die _rothe_ Farbe geheiligt, die der
muthige Krieger nur dann anlegen darf, wenn er eine bestimmte Zahl von
Feinden erschlagen hat. (Padre Combes, Historia de Mindanao pag. 54.)
_Anmerkung 10._ Es ist oben in Anmerkung 5 die Quelle angegeben,
der ich diese interessante Notiz entnommen habe.
_Anmerkung 11._ Man hört auf den Philippinen jetzt häufig sagen,
die Priester hätten den Eingebornen nicht blos Kunst und Industrie,
sondern auch sogar den Reisbau gebracht. Es ist eine von allen älteren
spanischen Autoren anerkannte Thatsache, dass die Bewohner Luzon's
sowohl wie der Visaya's bei der Ankunft von Magellanes nicht blos
den Reis zu eignem Bedarf bauten, sondern auch als Handelsartikel
benutzten. _S. Martinez de Zuniga_, Hist. de Philip. Bd. I pag. 12;
_Combes_, Historia de Mindanao p. 6 etc. Wenn man die einzelnen,
in den verschiedenen Autoren zerstreut liegenden Bemerkungen über
den Zustand des Handels vor Ankunft der Spanier zusammenfasst,
so gewinnt man ein ganz anderes Bild von dem Verkehr der dortigen
Völker, als man es nach den Darstellungen der neueren Autoren sich
bildet. Pigafetta erzählt--ich citire nach der französischen Ausgabe
des Jahres 1801 von Charles Amoretti--, dass alljährlich 6 oder 7
Dschonken aus dem Lande der Lequii nach Luzon kamen (pag. 134). In
Borneo trifft Pigafetta (pag. 146) den Sohn des Königs von Luzon,
der als Feldherr des Königs von Borneo die Bewohner von Laoe an der
Westküste Borneo's bekriegt hatte, weil sie lieber die Oberherrschaft
eines Königs von Java, als die des Sultan's von Borneo anerkennen
wollten. Die von ihm pag. 150 aus Borneo mitgetheilten Bemerkungen
über Gewichte und Geld deuten auf einen sehr regen Verkehr mit den
Chinesen hin; und der P. Gaspar de S. Agustin erzählt in seiner
"Conquista de las Islas Filipinas", dass chinesische Schiffe in den
grossen Fluss von Mindanao--d. h. den bei Cota Batto an der Südküste
mündenden Fluss--zum Handeltreiben einliefen. Die bedeutendste Stelle
ist die auf pag. 96 des letztgenannten Werkes, woraus hervorgeht, dass
nur die grösseren chinesischen Dschonken nach Manila kamen, von hier
aus aber die mitgebrachten chinesischen Waaren in kleineren Schiffen
nach Borneo und den philippinischen Inseln gebracht wurden. Auf dem
Rückwege nahmen sie dann die von den Chinesen und Siamesen gesuchten
Waaren mit, nemlich Sclaven, Gold, Wachs und Kaurisschnecken, sowie
weisse Tücher--wohl solche, wie sie noch heutzutage aus den Fasern der
Musa textilis gewoben werden--, die nun mittels der grösseren Schiffe
nach China hingebracht wurden. Also schon lange vor der christlichen
Periode war Manila ein Stapelplatz für chinesische Waaren, ein Emporium
des chinesisch-malaiischen Handels.