I. Skizze.--Vulcane.

_Anmerkung_ 1. In Bezug auf diesen, sowie die philippinischen Vulcane

überhaupt herrscht in den Handbüchern und Atlanten noch bedeutende

Unsicherheit. Ich will versuchen, diese durch eine Zusammenstellung

der Angaben früherer Autoren und meiner eigenen Beobachtungen zu

zerstreuen, soweit dies überhaupt möglich ist.

Ich beginne mit den Vulcanen von Mindanao. Derjenige, über dessen

Vorhandensein und Lage sich gar kein Zweifel erheben kann, ist der

Vulcan von _Serangani_, welcher auf der am Meisten nach Süden hin

vorspringenden Halbinsel gleichen Namens liegt in 5° 45' N. Br. nach

der Karte von Morata. Die erste geographische Bestimmung ist allerdings

durch den P. Murillo geliefert (1749), er gibt auf der von D. Nicolas

de la Cruz Bagay gestochenen Karte--die ich im Original besitze--die

Lage desselben ziemlich genau an, aber _keinen Namen_. Berghaus sagt

(Geo-hydrograph. Memoir von den Philippinen 1832 pag. 62), dass dieser

Vulcan Sanguili heisse, ich weiss nicht, ob bloss auf die Autorität von

L. v. Buch gestützt (Canarische Inseln p. 376), den er dabei citirt,

oder weil er in dem Nachdruck der Murillo'schen Karte, deren Original

er selbst nicht gesehen (l. c. pag. 2), jenen Namen bemerkt hat. War

das Letztere der Fall, so muss von Moritz Lawitz, welcher die Copie

der Karte 1760 bei Homann's Erben in Nürnberg herausgab, der Name

"Sanguili" nach eigenen Quellenstudien hinzugefügt sein; denn er findet

sich nicht im Original. Auf dieser Karte ist nur der einzige Vulcan von

Serangani angegeben, die beiden andern fehlen. Die einzige Stelle in

dem Werke des P. Murillo, welche sich auf den Vulcan Sanguil bezieht,

findet sich pag. 124, wo er sagt: "_En Sanguil_, que esta en la parte

meridional de Mindanao, hay un Vulcan, de que los Mindanaos sacaban

azufre para hacer polvora". Nach der Karte nun diese Stelle zu deuten,

also den im Text angegebenen Namen auf den in der Karte gezeichneten

Vulcan zu beziehen, war damals wohl natürlich, aber doch wurde damit

wohl ein Irrthum begangen. Ich schliesse nemlich aus der Bemerkung,

dass die Mindanaos aus jenem Vulcan Schwefel holten, um Pulver zu

machen, dass von P. Murillo nicht der Serangani, sondern der Vulcan

von Pollok gemeint war, denn die Bewohner von Serangani werden nie als

_Mindanaos_, sondern immer nur als Moros von _Buhayen_ (Buajan, Bayan

etc.) bezeichnet. Vor Allem aber bestärkt mich in dieser Meinung die

Ueberzeugung, dass die Quelle, aus welcher wahrscheinlich wohl der

Jesuit Murillo 1749 geschöpft hat, das Werk des dem gleichen Orden

angehörenden P. Combes (Historia de las Islas de Mindanao, Jolo etc.,

Madrid 1667) war. Diesem war keine Karte beigegeben. Aber im Texte

spricht er ganz deutlich von 2 verschiedenen Vulcanen. Er sagt pag. 8:

"El antiguo de Sangil, _jurisdiccion del Mindanao_" und etwas weiter

ebenda: "Otro (vulcan) manifesto el horrendo estrago, que con pauor y

miedo de todo este Archipielago hizo una montana, en la _jurisdiccion

del Rey de Buhayen_". Diese Stelle ist beweisend. Murillo hat also

das Versehen gemacht, im Text nur von dem bei Mindanao d. h. bei

dem jetzigen _Pollok_ liegenden Vulcan zu sprechen, welcher auf

der Karte ausgelassen wurde; und er hat ferner die Geschichte des

Ausbruchs vom Januar 1640 (nach Combes) oder 1641 (nach Murillo),

die wegen der Gefahr, in welcher sich während desselben ein nach

Ternate segelndes spanisches Geschwader befand, für die Spanier

besonderes Interesse hatte, fälschlich auf den Sanguil bezogen,

während Combes ausdrücklich erwähnt, dass es der Vulcan im Gebiete

des Königs von _Buhayen_ gewesen sei. Der P. Chirino in seiner 1604

erschienenen Historia de Philipinas erwähnt die Vulcane gar nicht;

das Werk des Oidor Morga (1609) habe ich bis jetzt noch nicht einsehen

können. Alle späteren spanischen Autoren haben von Combes oder Murillo

einfach abgeschrieben und nur selten eine, vielleicht noch dazu falsche

Notiz hinzugefügt. Wir finden in ihnen nur die zwei Vulcane erwähnt.

So wäre die Sache ziemlich klar. Nun kommen aber die späteren Reisenden

hinzu, nemlich Forrest (1779), Sonnerat (1770), Dampier (1686),

Carteret (1767) und endlich Compilatoren wie Le Gentil, Mallat und

L. v. Buch. Des Letzteren durchweg irrthümliche Angaben sind theilweise

schon von Berghaus in seinem trefflichen "Geo-hydrographischen Memoir"

berichtigt; und sie sind so unzuverlässig, so gänzlich ohne alle Kritik

und Quellenstudium gemacht worden, dass ich es in der That für völlig

überflüssig halte, hier weiter auf Buchs Angaben einzugehen. Wohl

aber handelt es sich noch um Feststellung der ersten Angaben über den

Vulcan von Davao. Dieser liegt nach meinen eigenen Beobachtungen auf

etwa 7° 0' N. Br., was mit der Angabe auf Morata's Karte vollkommen

stimmt. Die spanischen Geschichtsschreiber erwähnen ihn gar nicht,

wie schon angegeben. Forrest scheint ihn zuerst gesehen zu haben; denn

obgleich der Vulcan von Serangani ebensoweit westlich von Pundaguitan

oder Cap S. Agustin liegt, wie der Vulcan von Pollok, so ist doch

die weitere Angabe (Forrest, A Voyage to New Guinea pag. 286--nicht

pag. 271 wie Buch citirt--), der Vulcan liege im District von _Kalaga_

(Caraga) sicherlich nicht auf den von Buhayen zu beziehen, da das

Terrain des Königs von Buhayen niemals zum District Caraga gerechnet

worden ist. Ausserdem stimmt die in Buch's Werke für Forrest's Vulcan

angegebene Breite von 6° 45' N. viel besser mit dem von Davao, als

mit dem von Serangani, in 5° 45' N. Br. Den letzteren hat er gar

nicht gesehen, wohl aber den von Pollok, auf welchen schon Berghaus

(l. c. p. 62) mit Recht die meisten Angaben Forrest's bezieht. Carteret

hat nur den Serangani gesehen, welchen Berghaus fälschlich Sangil

nennt. Sonnerat spricht auch von einem Vulcan von Mindanao, den

Berghaus mit dem von Carteret gesehenen Vulcan, dem Serangani,

identificirt. Woher Buch die Breitenangabe von 5° 45' N. Br. nimmt,

welche er dem Sonnerat'schen Vulcan gibt, ist mir unklar; Sonnerat

selbst gibt gar keine Breitenbestimmungen an. Aus der Beschreibung

des letztgenannten Reisenden, welcher über das Ende seiner Reise

absichtlich ein romantisches Dunkel verbreitet, lässt sich vielleicht

mit einiger Sicherheit schliessen, das er gar nicht den Vulcan von

_Mindanao_, sondern den der Insel Sanguir im Süden der Serangani-Inseln

gesehen hat. Jedenfalls aber hat er den Vulcan von Davao nicht

gesehen. Nun finden sich aber in Mallat (Les Iles Philippines 1843)

Angaben, freilich ohne zu sagen, woher er diese nimmt, welche wieder

einigen Zweifel darüber aufkommen lassen, ob der Vulcan von _Pollok_

und der von _Davao_ nicht vielleicht ein und derselbe Berg sind. Er

spricht auch, aber so bestimmt, von dem in Sugud Bayan-Serangani,

dass wir diesen ganz vernachlässigen können. Er gibt nemlich (pag. 93)

dem Vulcan von Pollok, dessen Lage er durch verschiedene wohlbekannte

Ortschaften, wie Brass, Ibus, Bunwut etc. bestimmt, an, dass er im

District Kalagan liege, "qu'on aperçoit de l'île Bunwut placée dans

la baie de _Tagloc_". Diese letztere ist aber die Bucht von _Davao_,

und wenn Mallat, für seine Angabe noch einen andern Gewährsmann,

als Forrest hatte--welcher Letztere auch die Insel _Bunwut_ in der

Bucht von _Tagloc_ beschreibt--, so wäre daraufhin einiger Zweifel

an der Verschiedenheit der beiden Vulcane gestattet. Doch muss ich

gestehen, dass ich eher an ein Versehen dieses Compilator's glaube,

der selbst nicht in Mindanao gewesen zu sein scheint.

Gänzlich apokryph ist der Vulcan _Ambil_ bei Luzon. Berghaus gibt in

seinem Memoir nur 3 Citate hierfür, Buch's Canarische Inseln, Plant's

Polynesien und Allgem. Historie der Reisen zu Wasser und zu Lande

XI, 406. Die beiden ersten Werke haben mich auf keine frühere Angabe

zurückgeführt; das dritte konnte ich nicht zu Rathe ziehen. Uebrigens

bezweifle ich die Richtigkeit; denn in _keinem der alten spanischen

Autoren_, die ich bis jetzt habe einsehen können, findet sich auch nur

die geringste Andeutung, dass der Berg von Ambil in geschichtlicher

Zeit eine Eruption gehabt habe. Bei der Lage so nahe am Eingange des

Hafens von Manila hätten Murillo, Juan de la Concepcion, Martinez de

Zuniga und Andere gewiss nicht versäumt denselben anzugeben.

In Bezug auf die ebenfalls apokryphen Vulcane von Siquijor und Aringay,

sowie auf den gänzlich in Vergessenheit gerathenen von Joló verweise

ich auf den Text und die weiteren Zusätze.

_Anmerkung 2_. S. Darwin, Geological Observations on Coral Reefs

Volcanic Islands and on South America. London 1851--mit der vor dem

Titelblatt eingehefteten Karte.

_Anmerkung 3_. Auf den neueren spanischen Karten wird diese Bahia

de Tagloc immer nur Meerbusen von _Davao_, nach der Hauptstadt des

jetzigen Districtes Vergara genannt. Es schneidet diese Bucht viel

weiter nach Norden in das Land ein, als auf den meisten Karten,

selbst auf der von Morate-Coello, angegeben wird. Ich erreichte im

Jahre 1864 im Thal des Flusses Agusan die Breite von 7° 40' und konnte

von hier aus deutlich die im Meerbusen von Davao liegende Insel Samal

in ungefähr 30 Seemeilen Entfernung sehen, so dass das nördliche Ufer

der Bucht kaum 20 Seemeilen von mir entfernt liegen konnte. Dies gibt

der Ausdehnung derselben von Nord nach Süd die Länge von 1° 20',

da das Cap S. Agustin ungefähr auf 6° N. Br. liegt. Dies erklärt

einen Irrthum, von dem ich nicht weiss, ob er durch die Geographen

schon aufgeklärt wurde. Dampier spricht von einer Insel S. Juan,

welche Berghaus auf der seinem "Geo-hydrographischen Memoir von

den Philippinen 1832" beigegebenen Karte auch zeichnet. Diese

Insel existirt in der That gar nicht, und es ist die Deutung,

welche James Burney (s. Berghaus l. c. pag. 94) der Beschreibung

Dampier's gegeben hat, völlig richtig. Bei der grossen Breite und

Länge der Bucht von Davao muss diese allerdings dem Seefahrer, der

um das Cap S. Agustin herumfährt, wie eine jenen östlichen Theil von

dem eigentlichen Mindanao abtrennende Meerenge oder Canal erschienen

sein. Doch ist wahrscheinlich wohl der Irrthum blos durch ein falsches

Quellenstudium von Seiten Valentyn's entstanden. Die älteren spanischen

Autoren sprechen nemlich nicht blos von einer "Isla S. Juan", sondern

auch von einer "Isla de _Butuan_, de _Caraga_" u. s. w., ohne dass

sie selbst jedoch die Isolirung der genannten Punkte durch das Wort

isla = Insel andeuten wollen. Endlich wird von den Eingebornen noch

heutigen Tages nicht die ganze Insel mit dem Namen Mindanao bezeichnet,

sondern nur der centrale die beiden grossen Seen enthaltende Theil

derselben, welcher von dem Rio Grande durchströmt wird und in dessen

weitausgedehnter Ebene der Sultan von Mindanao sein Reich gegründet

hatte. Bei allen alten Schriftstellern sind Mindanao, Buhayen, Caraga,

Zamboanga u. s. w. schroffe Gegensätze; und es ist leicht denkbar,

dass Dampier, Valentyn u. A., die des Spanischen nicht mächtig waren,

sich durch die etwas unklare Ausdrucksweise der Eingebornen wie der

alten spanischen Schriftsteller täuschen liessen. Auf der Karte des

P. Murillo Velarde fehlt die Insel S. Juan gänzlich. (Historia de la

Compania de Jesus, 1749.)

_Anmerkung 4_. Da ich wünsche, dass meine so mühsam gesammelten

Erfahrungen bald anderen Reisenden zu Gute kommen mögen, so erlaube

ich mir hier darauf aufmerksam zu machen, dass eine erfolgreiche

Untersuchung Mindanao's nur am Besten von Butuan aus vorgenommen

werden könnte. In diesem christlichen Dorfe, oder noch besser in dem

schon ganz im Sumpfgebiete des Agusan liegenden Dorfe Linao würde der

Naturforscher seine Hauptstation zu nehmen haben. Von hier aus würde er

nach allen Richtungen in das Innere von Mindanao ungehindert--soweit

ihn eben seine eigne Klugheit und Energie tragen--vordringen können

bis an jenen schmalen von Muhamedanern eingenommenen Küstengürtel

heran, welchen man von dem Meere aus nur sehr schwer durchbricht. Der

Vulcan von Davao würde zwar bequemer von Davao selbst, dem Sitze eines

Militair-Gouverneurs, zu erreichen sein; aber dennoch eignet sich

meiner Erfahrung nach das Land der Manobo's vom Agusan--oder Linao

und Butuan--besser zum Ausgangspunkt, da dem Reisenden von hier aus

das Vordringen nach allen Radien hin ermöglicht wird, während ihm von

Davao aus eine ganz bestimmte Route vorgeschrieben wäre. Ausserdem

ist eine Communication von Davao aus mit Manila, Cebú oder selbst

Zamboanga nur sehr schwer möglich; während der Reisende in Butuan

immer Gelegenheit in kleinen Booten findet, die ihn ohne alle Gefahr

nach Cebú in wenig Tagen bringen können.

_Anmerkung 5_. Man findet auf allen Karten einen Vulcan auf

Siquijor--oder Isla de Fuegos--angegeben, der entschieden nicht

vorhanden ist. Sollte vielleicht der Vulcan von Negros Grund zu

solchem Irrthum gegeben haben?

_Anmerkung 6_. In Bezug auf die Angaben über die Ausbrüche der

verschiedenen Vulcane der Philippinen finden sich einige Widersprüche

in älteren Werken. Auf diese werde ich vielleicht in meinem Reisewerke

zurückkommen. Ganz unerklärlich bleibt mir aber die Auslassung des

Ausbruches eines Vulcanes dicht bei Joló, obgleich die beiden Berge,

welche mit jenem zugleich zum Ausbruch gekommen sein sollen, nemlich

der Aringay und der Serangani, in Buch's Werk über die canarischen

Inseln, in den Atlanten und Handbüchern ausnahmslos aufgenommen worden

sind. Alle Angaben der späteren Schriftsteller, von Mallat, Chamisso,

Juan de la Concepcion etc. lassen sich zunächst auf die eine Quelle

des P. Murillo Velarde, dessen Geschichte der Philippinen 1749 edirt

wurde, zurückführen. Dieser Autor sagt pag. 124 "Todo nacio de aver

rebentado à un mismo tiempo tres Vulcanes, uno en Sanguil, otro en

_Joló_, y otro en los Ygolotes de Ylocos". In dem 1604 erschienenen

Werke des Padre Chirino "Historia de las Islas Philipinas" finden sich

gar keine Angaben über die Vulcane, und P. Combes erwähnt (1667) wohl

den Vulcan Sangil und den von Buhayen oder Serangani, aber nicht den

von Joló. Will man aber den späteren Angaben des P. Murillo keinen

Glauben schenken, bloss desshalb, weil die älteren uns zu Gebote

stehenden Autoren nichts darüber sagen, so muss man vor Allem auch

den Vulcan von Aringay gänzlich streichen. Das Werk des D. Antonio de

Morga, welches vielleicht noch einige Nachrichten enthalten könnte,

habe ich mir bis jetzt nicht zu verschaffen vermocht.

_Anmerkung 7_. In der zu Manila 1859-60 herausgegebenen Ilustracion

Filipina liest man 1860 Nr. 11 pag. 121 die Bemerkung, es rühre

der Name Bonbon von einem Negerdorfe gleichen Namens her, welches

am Ufer des Sees gewesen sein soll. Woher diese Notiz stammt, ist

mir unbekannt.

_Anmerkung 8_. Dieser nach der Karte von Coello sehr tiefe

See--an einigen Stellen werden mehr als 100 Faden (600 Fuss) Tiefe

angegeben--ist vom Meere nur durch eine sehr schmale kaum 2 Meilen

breite niedrige und ganz aus trachytischem Tuff bestehende Landenge

getrennt, welche von dem aus dem See Taal kommenden Fluss Pansipit

durchströmt wird. Jetzt führt dieser letztere völlig oder fast ganz

süsses Wasser; doch gehen allerdings die characteristischen Thiere

und Pflanzen des brackigen Wassers weit höher hinauf, als es z. B. in

dem Flusse Pasig der Fall ist. Auch das Wasser des Sees selbst ist, in

einiger Entfernung von der Insel, auf welcher sich der Vulcan findet,

fast ganz süss; aber die älteren spanischen Autoren sprechen geradezu

von einer "laguna de agua salada" (Gaspar de S. Agustin, Conquistas

de las Islas Filipinas 1698 pag. 253) und erwähnen ausdrücklich,

dass es in ihnen gute Thunfische gäbe, obgleich sie doch nicht so gut

sein sollten wie die von Spanien. In der "Mapa General de las Almas

que administran los PP. Agustinos", Manila 1845, werden ausdrücklich

Meerfische als in ihr vorkommend erwähnt, nemlich "moros" (diesen

Fischnamen finde ich in meinen spanischen Wörterbüchern nicht)

und "tiburones" oder Haifische; ferner auch "salmonetes" (Mullus

sp.). Ich selbst habe keinen dieser Fische darin gefunden; doch will

ich kein Gewicht weiter darauf legen, da es mir nicht vergönnt war,

trotz meines ziemlich langen Aufenthaltes in der Nähe des Sees und

auf der Insel, die Fischfauna genauer zu untersuchen. In meinem

Tagebuche angemerkt finden sich nur: Gobius 3-4 sp., verschiedene

Percoiden, Toxotes jaculator und ein grosser Hemiramphus, welcher

sich durch seinen Habitus sehr von den kleinen und schmächtigen

hoch in den Süsswasserbächen der Insel bis über 800 Fuss Meereshöhe

aufsteigenden Arten der Gattung unterscheidet, und vielleicht mit

einer der dortigen meerbewohnenden Species identisch ist. Einer

meiner Begleiter zeichnete mir in mein Tagebuch eine rohe Skizze des

grossen Fisches, den sie "tiburon", Haifisch nennen, doch lässt sich

aus ihr nichts Sicheres entnehmen; obgleich ich kaum zweifle, dass

die Eingebornen mit ihrer Bezeichnung Recht haben, ich sah nemlich

eines Tages mitten im See zwei grosse nicht weit von einander stehende

Flossen von der charakteristischen Gestalt der Haifischflossen über

dem Wasser emporragen, wie es bei den Haien zu sein pflegt, die sich

an der Oberfläche des Wassers treiben lassen. Ausserdem soll, wie die

Eingebornen sagen, ein Sägehai in diesem See--wie auch in der rein

süsses Wasser enthaltenden Laguna de Bay--vorkommen. Es dürften diese

Angaben jetzt um so weniger angezweifelt werden, als Peters in seiner

trefflichen Arbeit über die Flussfische (Reise nach Mossambique IV,

1868 pag. 7-9) sowohl eine Pristis wie eine Carcharias-Art in dem

Fluss Zambeze bei Titte, etwa 120 Meilen von der Küste entfernt,

gefangen hat. Ausser solchen Meerthieren finden sich nun auch noch

Ampullarien, Melanien, Cyrenen, sowie auch eine Planorbis und ein

Lymnaeus, und zwar alle am Ufer der Insel, an deren Umkreis zahlreiche

heisse Schwefelquellen ausbrechen, welche bis auf weiten Umfang hin das

Wasser erwärmen und trübe machen. Die Melanien gehen, wie es scheint,

am Nächsten an diese heissen Quellen heran.

_Anmerkung 9_. Der Erdboden der bevölkertsten und am Meisten angebauten

Provinzen Luzon's--Batangas, Bulacan, Pampanga, Cavite, Manila--besteht

durchweg aus trachytischem Tuff. Man schreibt diesem Umstande allgemein

den reichen Ertrag der genannten Provinzen an Zuckerrohr und Reis zu.

_Anmerkung 10_. Es existirt in der schon angezogenen, in Manila 1859

edirten Ilustracion filipina eine recht gute Abbildung des Vulcanes,

von Talisay gesehen, und eine andere des Kraters. Die erstere ist in

das bekannte oberflächliche Touristenbuch von Sir John Bowring (A Visit

to the Philippine Islands London, 1859) übergegangen, beide waren auch

in der London Illustrated News abgedruckt. Die Abbildung von Choris

in dem Voyage pittoresque ist von einer ganz anderen Seite aufgenommen.

_Anmerkung 11_. Die Ehre der Entdeckung dieses Vulcanes gebührt meinem

Freunde D. Claudio Montero, dem ebenso kenntnissreichen wie energischen

Chef der jetzigen philippinischen Comision hidrografica. Wir verdanken

ihm eine Reihe trefflicher nautischer Karten und Spezialpläne der

philippinischen Inseln. Durch ihn auf den Vulcan aufmerksam gemacht,

wurde es mir leicht, von Aparri aus an der bezeichneten Stelle die

Rauchsäule desselben aufsteigen zu sehen. Obgleich die Entfernung

dieses Dorfes von dem Vulcan keine sehr grosse ist, so schienen die

Einwohner denselben doch gar nicht zu kennen; wenigstens konnte ich

von ihnen gar keine genaueren Nachrichten über ihn erhalten. Mein

Diener Antonio gelangte auf einer von ihm allein unternommenen Reise

im Jahre 1861 bis an den Fuss desselben; und er erzählte mir, dass

die dortigen Negritos diesen feuerspeienden Berg sehr wohl kennen, so

dass an eine Täuschung durch ein von den Eingebornen etwa angezündetes

Feuer nicht mehr gedacht werden kann.

_Anmerkung 12_. Schon auf der Karte in dem Geschichtswerke des

P. Murillo Velarde, die im Jahre 1749 erschien, finden sich diese

"escollos Didica" (Didica-Klippen) der späteren spanischen Karten als

"Farallones" d. h. spitze kleine Inseln, angegeben. Nirgends aber

habe ich bis jetzt irgend eine Andeutung gefunden von geschichtlich

stattgehabten Ausbrüchen eines Vulcanes an dieser Stelle. Diese Klippen

sind wohl nichts anderes, als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines

früheren Vulcans. Ganz ähnliche stehen jetzt noch etwas südlicher,

sie sind auf den Karten bezeichnet als "escollos Guinapag". Das Wort

"Guinapag" ist ein Compositum der Wurzel "gapag" d. h. ein trockener

Fisch mit der Partikel "in".

_Anmerkung 13_. Wie mir Herr Dr. Jagor, welcher ziemlich zu gleicher

Zeit mit mir die südlichen Provinzen von Luzon, dann Samar und

Leyte bereiste, versichert hat, finden sich in den von ihm besuchten

Gegenden in der That unter den trachytischen Laven und Gesteinen auch

Granit und Gneissfelsen. Ich will nun sicherlich nicht behaupten,

dass an den von mir besuchten Orten durchaus keine primitiven

Gesteine vorkommen, da ich als Laie in der Geologie zu einer solchen

Behauptung kein Recht hätte; wohl aber scheint mir festzustehen,

dass die weitaus grösste Masse der Gebirge auf den Philippinen ihre

Bildung einer vergleichsweise jungen Eruptionsperiode verdankt. Unter

den mehr als 600 Nummern betragenden Gesteinsstücken, die ich von den

verschiedensten Fundorten mitgebracht habe, ist kaum _ein_ Stück,

welches den älteren Perioden der Bildung der Erdrinde anzugehören

scheint.

_Anmerkung 14_. Es sind diese Spuren moderner Hebung auf den

philippinischen Inseln ausserordentlich zahlreich. Die Wasserscheide,

welche in Mindanao die Quellen des Agusan von den nach Süden in

den Meerbusen von Davao fliessenden Bächen trennt, kann nach der

Beschreibung der Eingebornen und meinen eigenen Beobachtungen

kaum 2-300 Fuss über dem Meere erhaben sein. Wie ein tiefer Spalt

zieht sich das Thal des Agusan zwischen Central-Mindanao und den

Bergen der Ostküste hin, und äusserst zahlreich sind hier die

Petrefacten in Thonschichten, welche theils im tiefen Meer, theils

in den Mangrovesümpfen mit brackigem Wasser gelebt haben müssen, fast

ausnahmslos aber noch jetzt lebende Species sind. Der direkte Uebergang

der zu ziemlicher Höhe über dem Meere erhobenen Korallenriffe in die

noch lebenden ist schon im Texte hervorgehoben. Dies war fast überall

zu erkennen; aber am Auffallendsten war es auf Camiguin de Luzon

und auf der kleinen Insel Lampinigan bei Basilan zu beobachten. Ich

citire einige Stellen aus meinem Tagebuche: "Ueberall wo (auf

Lampinigan) der freie Trachytfels vom Meere bespült wird, sind

die Korallen in alle Löcher und Spalten hineingedrungen und haben

selbst lose Blöcke und kleine Rollsteine fest mit dem anstehenden

Gestein verkittet, so dass eine Art rohen Puddingsteines gebildet

wird. Diese Korallenincrustationen treten jetzt schon _über die Linie

der gewöhnlichen Fluthen hinaus_ und sind alle ohne Ausnahme todt

bis in eine ziemliche Tiefe in's Meer hinein (nach Schätzung etwa

bis zu 8-10'). Es sind die Korallenmassen in den verschiedensten

Stadien der Umwandlung." Noch deutlichere Spuren modernster Hebung

fand ich ebenda in der trachytischen Lava selbst. An der Nordostseite

der Insel fand ich eine kleine mannshohe Höhle, nach Schätzung etwa

20-35 Fuss über der höchsten Fluthlinie; sie war offenbar durch die

Einwirkung der Wellen und der Brandung gebildet und zeigte überall

eine Menge abgeschliffener Stellen. Nicht weit davon fand sich etwa

15' über dem Meere ein trichterförmiges tiefes Loch, und in seinem

Grunde noch der Stein, welcher durch die Wirbelbewegung des Wassers

dasselbe in das Gestein hineingebohrt hatte. In der im höchsten Puncte

kaum 150' über dem Meere erhobenen Centralebene Luzon's findet sich

an vielen Stellen nach den Beobachtungen des Padre Llanos unter der

oberflächlichen thonigen sehr dünnen Lage ein Meeressediment; und an

einzelnen Orten in der Provinz Pangasinam, nördlich vom Arayat, sollen

sich Salzwasserseen befinden, in welchen wie in manchen süsses oder

brackiges Wasser führenden Flüssen derselben Provinz, nach Aussage

der Priester noch jetzt Bohrmuscheln leben sollen. Ich habe leider

diese Seen selbst nicht besuchen können, zweifle aber nicht an der

Richtigkeit der Beobachtung, da die philippinischen "almejas" den

europäischen Lithodomusarten (dactylus etc.) so völlig ähnlich sehen,

dass die Priester, welche sie dort essen sollen, ihnen den spanischen

wohlbekannten Namen gegeben haben. In Spanien wird die Lithodomus

dactylus als ein trefflicher Leckerbissen geschätzt.

Die Philippinen und ihre Bewohner Sechs Skizzen · 第 13 / 28 题