_Anmerkung 1_. Da ich meine mit der herrschenden Theorie Darwin's
im Widerspruch stehenden Ansichten in einem zoologischen Berichte
niedergelegt habe, welcher den meisten Naturforschern unbekannt
geblieben zu sein scheint, und da ich noch nicht in der Lage bin, bald
eine ausführlichere eingehendere Schilderung meiner Beobachtungen zu
geben, so erlaube ich mir hier einen Wiederabdruck des 1863 publicirten
Aufsatzes (Zeitschr. für wiss. Zool. Bd. 13, pag. 563-569):
"Die nördlichste Spitze der Gruppe der Pelew-Inseln oder Palaos
bilden ächte Atolle; die Hauptmasse, welche der ganzen Gruppe ihren
Namen übertragen hat, ist zum grössten Theil von Barrenriffen, im
Süden von Küstenriffen umgeben; und die südlichste Insel ist völlig
ohne eigentliches Riff. Der nördlichen Atolle sind drei: Aruangel,
Kreiangel und Cossol. Die nördlichste Spitze der Insel Babelthaub
setzt sich über in die hufeisenförmige Bank von Cossol, die in einer
Ausdehnung von 5-6 S.-M. ihr nördliches geschlossenes Ende, durch
einen 2 M. breiten Canal getrennt, dem Atoll von Kreiangel zukehrt. Ihr
südliches offenes Ende scheint aus einem tiefen Canal durch allmäliges
Verwachsen vereinzelter Korallenbänke seinen Ursprung zu nehmen,
und Arme dieses tiefen Canals vereinigen sich zu dem Lagunencanal
der eigentlichen atollförmigen Bank, welcher von dem bei niedriger
Ebbe fast ganz trocken gelegten erhöhten Rand des Riffes umschlossen
wird. Der Atoll Kreiangel ist vollkommen geschlossen, von 4-5 Meilen
Länge und etwa 2 S.-M. Breite. Die westliche Seite des Riffes, nur
schwachen Winden und seltenen aber heftigen Stürmen ausgesetzt, ist
breit, und sein erhöhter Rand niedriger als alle andern Stellen des
Riffes, und bezeichnet durch eine Reihe grosser, metamorphisirter
Korallenblöcke, die man mit Darwin als durch die mächtige Brandung
aufgeworfen betrachten, oder mit Wilkes (Un. St. exploring exped.) als
Reste eines gehobenen und in Zersetzung begriffenen Riffes ansehen
kann. Auf der östlichen, weniger breiten Seite des Riffes liegen vier
niedrige, kaum 5' sich über die Oberfläche des Meeres erhebende Inseln,
deren südlichste keine 20 Schritt von der Brandung entfernt ist,
während die andern sich mehr vom Aussenrande des Riffes entfernen,
je mehr sie gegen Norden liegen. Die eingeschlossene Lagune ist
schmal und an den tiefsten Stellen nur 7 Faden tief. Dieser Atoll
bezeichnet die nördlichste Spitze der Gruppe, da die Canäle die ihn
und die Bank von Cossol von den eigentlichen Inseln trennen, nur
eine Tiefe von 60-80 Faden haben. Ganz abgesondert scheint nach den
vorhandenen Karten, Aruangel zu sein, eine Bank, die 8 S.-M. weit
nordwestlich von Kreiangel liegt, und die mir von den Eingebornen
als Atoll beschrieben wurde. Früher bewohnt, wurde er zu Ende des
vorigen Jahrhunderts überschwemmt und gänzlich zerstört; die jetzigen
Bewohner von Kreiangel erzählen, die Stümpfe grosser Bäume und ein
altes Badebassin dort gesehen zu haben. Leider musste ich mich mit
diesen Nachrichten begnügen, denn die Freundlichkeit der Bewohner
von Kreiangel vermochte nicht, ihre Faulheit zu besiegen, da ich ihr
Interesse nicht durch Bezahlung erwecken konnte.
Mit Ausnahme obengenannter dreier Riffe und der Insel Ngaur (Angaur)
umzieht ein einziges zusammenhängendes Riff alle übrigen Inseln,
und nimmt je nach den Einflüssen der Strömungen, der vorherrschenden
Windesrichtung und geologischen Constitution der eingeschlossenen
Inseln, mannichfach wechselnde Bildungen an. Die Inseln des Norden,
Babelthaub, Coröre, Malacca und Naracabersa sind durchaus trachytisch,
während die südlicheren Inseln, unter denen ich nur Peleliu, Eimeliss
und Urulong nenne, gehobene Korallenriffe sind, deren einzelne, oft
senkrecht aufsteigende Klippen eine Höhe von 4-500' erreichen. Der
Trachyt der nördlichen Inseln, in seinen oberen Schichten zu einem
rothen Thon verwittert und häufig durch Basaltströme durchbrochen,
setzt nur geringen Widerstand dem zerstörenden Einflusse des
Wogenschlages und der Atmosphäre entgegen. Tiefe Buchten fressen weit
ins Land hinein, und selten sind kleine, von der Hauptinsel abgerissene
Inseln, als Marksteine ihrer früheren Ausdehnung zu finden. Westlich
liegt das Riff zwischen 3 und 6 M. entfernt von der Küste, und
die eingeschlossene Wasserfläche ist zu einem Labyrinth von tiefen
Canälen ausgefressen, welche meistens senkrecht gegen das Land auf die
Thäler zu führen, aus denen bei Ebbe ein mächtiger Strom brackigen
Wassers hervortritt, und dem Wachsthume der Korallen an dem Rande
des ausgewaschenen Canals hinderlich wird. Sie sammeln sich in einen
Hauptcanal, welcher in ziemlicher Breite dem äusseren Riffe parallel
läuft, und dasselbe hie und da mit kleineren Canälen durchbricht. Für
grössere Schiffe gangbare, das äussere Riff durchbrechende Canäle
finden sich auf der Westseite drei, auf der Ostseite einer, und an
der Nordspitze ebenfalls einer, doch entsprechen sie nicht, wie es
nach Darwin als allgemeine Regel erscheinen möchte, den Thälern der
Insel, vielmehr scheinen sie ihre Lage der Richtung der Strömungen zu
verdanken, welche durch den wechselnden Ein- und Ausfluss bei Fluth
und Ebbe gebildet werden.
Diese Strömungen nehmen immer ihre Richtung gegen den nächstgelegenen
Canal hin, und niemals erregt bei aufsteigender Fluth das durch
die Brandung über den Rand des Riffes geworfene Wasser einen Strom
nach innen.
Ganz verschieden von den eben geschilderten Verhältnissen zeigen
sich die Riffe der Ostseite, welche mit schwach erhöhtem Rand, dessen
mittlere Entfernung von der Küste höchstens 800-1000 Schritt beträgt,
einen kaum bei Fluth befahrbaren Canal zwischen sich und dem Lande
freilassen.
Auch hier ist das Riff von mehreren Kanälen durchbrochen, die aber,
wenn auch das Ein- und Austreten der durch Ebbe und Fluth erregten
Ströme durch sie geschieht, dennoch so flach sind, dass sie nur
bei hoher Fluth die Ueberfahrt den Böten erlauben. Der einzige
Tiefwassercanal an östlicher Seite findet sich nordöstlich von
Malacca, wo aber auch das durchbrochene Riff durch einen breiten
Tiefwassercanal von dem nächsten Lande getrennt ist. Malacca ist die
südlichste der trachytischen Inseln, und zwischen sie und die etwas
westlich liegenden Inseln Coröre und Naracabersa schiebt sich eine
Reihe hoher Kalkfelsen ein. Weithin gegen Süden bestehen alle Inseln
ohne Ausnahme aus demselben gehobenen Korallenkalk. Auffallend zeigt
sich hier die Verschiedenheit der Einwirkung gleicher Ursachen, je
nachdem diese auf den leicht zerstörbaren Trachyt des Nordens oder den
festen Korallenkalk des Südens einwirken. Während im Norden die vom
Hauptlande abgerissenen Inseln rasch unter der Oberfläche des Meeres
verschwinden, sind die Kalkfelsen des Südens durch die Einwirkung der
Strömungen und Brandung in eine Unzahl kleiner und dicht nebeneinander
stehenden Inseln zerrissen, und es ist durch gar viele derselben,
so z. B. in der Gruppe, welche Urulong angehört, der Zusammenhang
und die frühere Ausdehnung nachzuweisen. Alle diese Inseln sind
von Urulong an bis Pelelew durch eine ziemlich horizontale Fläche
verbunden, die nur wenig von tiefen Kanälen durchfurcht, wohl die
Tiefe anzeigt, bis zu welcher hin die abwaschende Wirkung der Brandung
gegangen ist. So lässt sich auf der ganzen Ausdehnung von Pelelew
bis Malacca hin das Meer bei tiefer Ebbe nicht mehr mit Sicherheit
befahren. Pelelew, die südlichste dieser Inseln, besteht aus einer,
nur etwa 10' über dem Meere erhabenen ganz aus metamorphosirtem
Korallenkalk gebildeten Fläche, in deren nördlichem Ende man noch
die vereinzelten Reste eines, einstmals gewiss zusammenhängenden
und jetzt bis auf 200-250' erhobenen Korallenriffes findet. Ziemlich
zusammenhängend ist dieses Riff noch auf der nordwestlichen Seite, wo
es seine grösste Höhe erreicht und sich auf einer schmalen Landzunge
in niedrigeren Klippen fortsetzt, und der östlichen, von ihr durch
eine breite Niederung getrennten, und in einzelne Inseln aufgelösten
Klippenreihe entgegentritt. So scheint diese Niederung, welche theils
von Sümpfen und Mangrovebüschen erfüllt ist, theils die Kukau-Felder
der Bewohner der Insel trägt, eine Laguna anzudeuten, welche einstmals
bestanden haben mochte. Diese hohen Klippen sowohl, wie die, welche
der Ebene der Insel angehören, sind reich an Petrefacten, welche,
so weit ich augenblicklich darüber aburtheilen kann, den Schichten
ein sehr junges Alter zuweisen. Vorherrschend sind in den tiefsten
Schichten der centralen Klippenreihe zwei oder drei Arten Tubiporen,
ferner ein Pecten, und verschiedene Astreiden. In den Klippen der
Ostküste, welche zwischen 5 und 10' über dem Meere erhoben sind, fand
ich eine Menge Maeandrinen und Astraeen. Aus der Reihe weniger häufig
vorkommender Petrefacten erwähne ich nur noch eines Haifischzahnes
von einer Insel bei Coröre, eines Reptilienzahnes, vermuthlich des
Crocodilus biporcatus und eines Dentalium von Pelelew.
Das lebende Riff, welches diese Insel umfasst, ist im Westen ungefähr
400-600 Schritte entfernt und von ihm durch keinen Tiefwasserkanal
getrennt; je mehr es sich gegen Süden zieht, tritt es näher an die
Küste heran, und ist im Osten an manchen Stellen kaum 30 Schritt von
den gehobenen Klippen entfernt. Diese sind, durch die hier mächtige
Brandung in eine Anzahl kleinerer Inseln und einzeln stehender
Blöcke aufgelöst, welche da, wo sie unter dem aufgeworfenen Sande
verschwinden, leicht zu der Annahme verführen könnten, als dankten sie
ihre Entstehung den durch die Brandung aufgeworfenen Korallenblöcken
im Sande.
Das Ende des Archipels sowie den Abschluss dieser verschiedenen
Entwickelungsstufen der Korallenriffe bildet die Insel Ngaur,
welche von Pelelew durch einen 4 Meilen breiten Tiefwasserkanal
getrennt, gänzlich frei von umgebenden Riffen ist. Sie besteht nach
der Schilderung der Bewohner von Pelelew aus demselben Korallenkalk
wie diese letztere, welcher ebenfalls von niedrigem Vorlande umgeben,
in schmaler Klippenreihe zu 100-150' Höhe ansteigen mag.
_Darwin_'s Theorie von Bildung der Korallenriffe nimmt bekanntlich
überall dort eine Senkung an, wo sich Barrenriffe und Atolle befinden,
eine Hebung dort, wo Küstenriffe entstehen. Hier aber finden wir auf
kleinem Raume (denn die ganze Ausdehnung von Nord nach Süd zwischen
Ngaur und Kreiangel beträgt nur etwa 60 Seemeilen) sämmtliche Formen
zusammen und die Bildung der innern Riffe des südlichen Theiles der
Gruppe deutet auf eine lange Epoche völliger Ruhe, oder sehr geringer
Hebung oder Senkung. Könnte nur eine Senkung die Bildung der Atolle
des Nordens erklären, so müsste entweder die Insel Ngaur so gut
von Riffen umgeben sein, wie alle übrigen, oder stationär geblieben
sein, Pelelew nur wenig, die nördlichen Inseln sich bedeutend gesenkt
haben. Aber diess bliebe nur eine Annahme, die nicht besser und nicht
schlechter als jede andere wäre. Ist meine vorläufige Bestimmung
der in den gehobenen Korallenriffen der südlichen Inseln gefundenen
Petrefacten richtig, so würde die Zeit der Hebung derselben, die
wohl durch den letzten trachytischen Ausbruch bezeichnet sein mag,
in eine sehr junge geologische Epoche fallen. Gerade aber auf das
Nichtvorkommen solcher Hebungen in der jüngsten Epoche legt Darwin bei
der Begründung seiner Hypothese das grösste Gewicht, und die definitive
Bestimmung des geologischen Alters jener gehobenen Koralleninseln
könnte einen wesentlichen Einwand gegen dieselbe abgeben. Aber auch
hiervon abgesehen, scheint mir das gemeinschaftliche Auftreten der
Riffe in den verschiedensten Gestalten, die grosse nur in geringer
Tiefe unter dem Meere liegende Fläche der südlicheren Insel von Pelelew
bis Coröre, ja selbst die Verschiedenheit der westlichen und östlichen
Riffe des Nordens hinreichender Grund zur Annahme, dass die Bildung der
Riffe _dieser_ Inselgruppe wenigstens von keiner Senkung begleitet war.
Colonien einer Porites-Art deuten auf ein Moment, dem ich jetzt bei der
Bildung von Korallenriffen den wichtigsten Einfluss zuschreiben muss,
welches aber von den Reisenden, welche dieser Frage ihre Aufmerksamkeit
zugewandt, bisher gänzlich ausser Acht gelassen zu sein scheint. Dies
sind die constanten, hauptsächlich durch Ebbe und Fluth hervorgerufenen
und durch das Wachsthum der Korallenriffe sowie durch physikalische
Einflüsse des Meeres beinflussten Strömungen. Die erwähnte Porites
bildet Colonien von Faustgrösse bis zu der Oberfläche von 6-8 und mehr
Fuss im Durchmesser. Diese verschiedenen Stadien der Grösse zeigen,
wie auf der Oberfläche allmälig die mittleren Individuen absterben
und den Mittelpunkt einer mehr und mehr sich vergrössernden todten
Fläche bilden. Auf dieser treten schon bei kleinen Colonien Furchen
auf, die, ursprünglich wohl Resultat des ungleichen Wachsthums der
verschiedenen die Colonie bildenden Individuen, sich bald zu Rinnen
gestalten, in denen bei tiefen Ebben das auf der Oberfläche stehen
bleibende Wasser seinen Abfluss findet. Der erhöhte Rand dieser bald
kreisrunden, bald länglichen Colonien trägt nach aussen lebhaft
vegetirende Individuen, die mehr und mehr nach innen krankhafter
werden, bis sie zuletzt absterben und durch den Einfluss des auf der
mittleren etwas niedrigeren Fläche stehenden Wassers bald abgetragen
und auf das Niveau derselben übergeführt werden. Oft bleibt der
äussere erhöhte Rand völlig undurchbrochen, aber gewöhnlich wird
er durchsetzt durch eine oder mehrere Wasserrinnen. Je nach den
verschiedenen Zufälligkeiten der Gestalt, welche die ersten Anfänge
dieser Polypenkolonien zeigen, und dem dadurch bedingten Spiele der
Strömungen bilden sich die mannigfachsten Formen aus, die von dem
ganz geschlossenen oder in einzelne Wülste aufgelösten Ringe (dem
Atoll) in Kolonien übergehen, welche Korallenblöcke anderer Art so
umsäumen, dass sie bald sich einem Barrenriffe, bald einem Küstenriffe
vergleichen liessen, je nachdem sie mehr oder minder alt, in grösserer
oder geringerer Entfernung von dem sie umwachsenden Block stehen.
Eine kleine Porcellana gibt ein anderes interessantes Beispiel
der Wirkung constanter Ströme auf das Wachsthum der Korallen. Je
ein Individuum dieser Krabbe lebt an dem Stamme einer Koralle
eingeschlossen in einer krankhaften Wucherung derselben. Sie lebt
darin, ein unfreiwilliger Einsiedler, denn zwei, und sich gerade
gegenüberstehende schmale Spalten, das Resultat des constanten von
den Thieren erregten Stromes, erlauben zwar die Zuführung frischen
Wassers und mikroskopischer Thierchen, aber ihm nicht die Auswanderung,
einer Lebensgefährtin nicht den Eintritt. In früher Jugend klammert
sich das Junge an den Stamm an, und durch den Reiz hervorgerufen,
wuchert die Korallenmasse mehr und mehr um dasselbe herum, bis endlich
in dem späteren Lebensalter der Krabbe, der durch die Bewegung ihrer
Beine erregte constante Strom hinreichende Kraft erlangt hat, das
Verschliessen der Oeffnungen durch das fortgesetzte Wachsthum der
Korallen zu verhindern.
Aehnliche Verhältnisse wiederholen sich im Grossen. Dort, wo sich bei
günstiger Beschaffenheit die horizontale Kuppe eines untermeerischen
Berges gleichmässig mit einer Schicht Korallen überzieht, bilden
sich dennoch von Anfang an solche Verschiedenheiten hervor, dass im
Laufe der Zeit bei Hinzutreten des Einflusses der Strömungen grosse
Unregelmässigkeiten des Riffes hervortreten können.
Aehnlich wie die Porites-Colonien ganz geschlossene oder stark
durchbrochene Ringe bilden, die einen mittleren, etwas niedrigeren
von Wasser bedeckten Raum umschliessen; ebenso mag auf jener Fläche
das Riff bei ruhiger, nicht von Strömen durchfurchter See einen
geschlossenen Ring bilden oder bei starken und wechselnden Strömungen
sich in eine im Ringe gestellte Reihe von Flecken auflösen. In beiden
Fällen dient das Ein- und Ausströmen des Wassers bei Fluth und Ebbe zur
Austiefung des inneren Raumes; denn während der aus lebenden Korallen
bestehende äussere Theil des Riffes dem Andrang des Wassers starken
Widerstand entgegensetzt und durch zufällig entstandene Riffe oder
Spalten den Fluthen bestimmte Bahnen vorschreibt, weicht die innere
Masse, welche meist nur aus losen Blöcken und leicht aufgehäuftem
Sande besteht, rasch den kräftig eintretenden Strömen der Fluthen
und Ebben. Oder es bilden sich eine Anzahl vereinzelter Riffe,
welche ursprünglich klein, den Strömen freien Spielraum lassen,
aber allmälig wachsend und sich vereinigend zu zusammenhängenden
Riffen die vorhandenen schwächeren und unbestimmteren Ströme in engere
Bahnen einschränken und zugleich damit so ihre Kraft verstärken, dass
das völlige Zusammenwachsen der einzelnen Riffe mehr oder weniger
verhindert wird. Mit der Mannichfaltigkeit der Grundlagen, auf denen
sich die Riffe bilden, wechseln so die Formen, welche die letztere
annehmen. Untermeerische Rücken werden die Träger der Atolle; aus
Küstenriffen, welche die Inseln umsäumten, werden durch den Einfluss
jener Strömungen Barrenriffe, die um so weiter von dem umgebenden
Lande entfernt sind, je schwächer die Neigung ihrer Abhänge oder je
grösser das umgebende Vorland war. Bei sehr steilen Küsten bilden sich
selten nur eigentliche Küstenriffe, niemals wirkliche Barrenriffe. So
wachsen die Korallen an der kleinen Insel Ngaur so dicht an der Küste,
dass bei hoher See die Brandung ihre Felsen bespült. Die ganze Ostküste
des nördlichen Theiles von Mindanao, ebenso die Ostküste des nördlichen
Theiles von Luzon zeigen nur in den Buchten grössere Flecken lebender
Korallen; aber niemals bildet sich, weder in dieser, noch an der
steil abfallenden, dem Meer ausgesetzten Küste ein eigentliches Riff,
und an den meisten Stellen würden sich die grössten Schiffe denselben
bis auf Kabellänge nähern können. Dort aber, wo sich eine Landzunge
untermeerisch fortsetzt, überzieht sie sich mit Korallen und bildet
weithin sich erstreckende Riffe, wie z. B. an Luzons's Ostküste,
am Eingange des Hafens von Palanan.
Wesentlich abhängig ist die Bildung der Atolle und Barrenriffe von
der Festigkeit der Grundlagen oder der Inseln, an die sie sich
anlehnten. So bot die West- und Südseite der Insel Babelthaub
dem Abwaschen durch die Brandung nur wenig Widerstand, und die
untermeerischen Strömungen innerhalb des Aussenriffes vermochten
leicht tiefe Canäle in den Boden einzugraben, die sich im Norden
zu dem zwischen 40 und 60 Faden tiefen Lagunencanal vereinigten,
im Westen von Coröre einen grossen tiefen See bildeten, der sowohl
mit dem nördlichen, als dem östlich von Coröre einführenden Canale
in Verbindung steht. Wesentlich anders war die Wirkung der gleichen
Strömungen auf dem südlichen Theil des Archipels; hier konnte die
Brandung wohl den Fuss der Inseln stark aushöhlen, tiefe Höhlen und
schmale Thore einfressen, aber viel langsamer verschwanden die so
abgerissenen Theile unter dem Meere. Die tiefen und breiten Canäle
des Nordens nehmen ab in Zahl und Breite, und manche derselben
verlieren sich allmälig in jene, nur wenige Faden unter dem Meere
liegende Fläche, welche in ihren ausgedehnten Korallenfeldern den
günstigsten Boden zur Betreibung der Balate-Fischerei bieten. Ein
gleicher relativer Unterschied zeigt sich in den östlichen Küstenriffen
des Nordens und des Südens. Während dort die Brandung, weniger zwar
als auf der Westseite, die theilweise basaltische Küste befressen,
und die Bildung eines inneren flachen Bootcanals zwischen jener,
und dem höchstens 1000 Schritt abstehenden Aussenrand des Riffes
ermöglichen konnte, setzten die Ostküsten der Kalkinseln des Südens
solchen Widerstand dem Einflusse des Meeres entgegen, dass sich
nirgends die mindeste Spur eines Canales zwischen dem Aussenriff und
der Insel findet. Die grosse Verschiedenheit, welche die Ost- und
Westriffe in der Entfernung von ihren angrenzenden Küsten zeigen,
erklärt sich durch den Einfluss des beständig von Osten mächtigen
Seegangs, der in seiner stetig fortgesetzten Wirkung den einzelnen
Korallenindividuen das rasche Wachsthum nach aussen unmöglich machte,
während die Korallen des Westens in den langen Perioden der Ruhe sich
nach allen Seiten frei und kräftig ausbreiten konnten. Doch kann diese
Vergrösserung, welche das Riff nach Westen hin erfahren haben mag,
weniger bedeutend gewesen sein, als das Hindrängen der östlichen Riffe
an die Inseln: und wie hier die zurückdrängende Wirkung des Seeganges
das Aussenriff immer der Küste dicht folgen lässt, und seine Neigung
nach aussen sanfter macht, als die der westlichen Seite, so muss das
westliche Riff so ziemlich immer die Ausdehnung des früher bestandenen
Landes oder des untermeerischen Rückens bezeichnen.
Hiermit soll indess keineswegs die Möglichkeit geläugnet werden,
dass manche Atolle oder Barrenriffe sich bildeten zur Zeit, als die
untermeerische Höhe, auf der sie standen, sich senkte; oder dass
selbst in manchen Fällen die Senkung wirklich den Anstoss zur Bildung
derselben abgab. So würde z. B. die Insel Ngaur sich senken müssen,
ehe sich um sie herum ein Barrenriff bildete. Zur Entscheidung
der Frage kommt es also zunächst auf das möglichst genaue Studium
aller einzelnen Fälle an. Schwieriger, als bei Barrenriffen, wo
die ihre Form bedingenden Ursachen dem Forscher noch zugänglich
sind, ist die Untersuchung, _welche_ jener Ursachen wirksam waren,
bei Atollen, und hier dürfte die Entscheidung wohl nur durch die
grössere Natürlichkeit herbeigeführt werden, welche die eine oder die
andere Annahme zu besitzen schiene. Subjectiver Auffassung ist hier
ein reiches Feld geöffnet; denn selbst in solchen Fällen, wo, wie in
der grossen Chagos-Bank, eine Senkung neuerdings stattgefunden haben
muss, bleibt dennoch die Frage offen, ob der Bildung der lebenden
Bank ebenfalls eine Senkung zu Grunde lag. Die Annahme aber, dass
nur oder hauptsächlich das wechselnde Spiel der Strömungen bei der
Bildung der Korallenriffe wirksam sei, könnte manche Fälle erklären,
die für die Senkungstheorie jetzt noch eine Ausnahme bilden. Ich
meine das Vorkommen von ächten Atollen in Erhebungsflächen (areas
of elevation), von den mir näher liegenden erwähne ich nur das Bajo
de Apo an der Westküste von Mindoro, dann die Islas Amantes und die
Islas Cagayan cillos, welche nach den mir vorliegenden Plänen echte
Atolle zu sein scheinen. Die West- und Nordküste von Bohol sind von
weit abstehenden Riffen umsäumt, welche mannigfach durch kleine Canäle
durchbrochen, vom Lande durch einen Tiefwassercanal getrennt sind,
in welchem selbst ziemlich grosse Schiffe sich dicht dem Lande nähern
können. Alle diese Punkte liegen eingeschlossen in dem jetzt in Hebung
begriffenen Archipel der Philippinen. Hier würde die Annahme, dass
Strömungen sie gebildet, nicht derselben Schwierigkeit unterliegen,
wie die Voraussetzung einer Senkung; und in der That sind auch an
andern Stellen dieses Archipels Fälle nicht selten, in welchen die
Bildung von Atoll-geformten Riffen oder solchen, die mit der Zeit
dazu werden können, deutlich auf die Einwirkung constanter Strömung
zurückgeführt werden kann.
Die Insel Tigtauan, in zwei Meilen Entfernung von der Ostküste der
Südwestspitze von Mindanao liegend, zeigt an ihrer Westseite, auf
welche der Fluss von Masinloc zuströmt, einen schmalen Canal, welcher
den höheren Rand der niedrigen, ganz aus Korallen bestehenden Insel
durchbricht und in einen inneren von Mangrove-Büschen bewachsenen
Raum führt, welcher bei Fluth völlig vom Wasser bedeckt, bei
Ebbe grösstentheils trocken gelegt wird. In den stehenbleibenden
Lachen leben schwächlich einige Astraeenknollen. Eine ähnliche
Bildung zeigt die Insel S. Cruz vor Zamboanga. Wie verschieden
das Wachsthum der Korallenknoten ist, je nachdem ein Strom trüben
oder klaren, salzigen oder brackigen, in der einen oder andern
Richtung fliessenden Wassers sie trifft, konnte ich mit wenig
Mühe in der Silangan de Basilan erkennen. Hier sind die beiden
Seiten des Canals, welcher die Insel Malaunavi von Basilan trennt,
ganz von üppig lebenden Korallen bewachsen; aber der heftige Strom,
welcher sowohl bei Ebbe als bei Fluth immer von Ost nach West geht,
bedingt durch die eigenthümlichen topographischen Verhältnisse,
verhindert das Wachsthum der Korallen nach aussen, und zwingt sie,
statt in die Breite sich nur in die Länge nach oben auszudehnen. So
sind die Wände des Canals vollkommen senkrecht. Dort, wo sich durch
die Gegenströmungen des austretenden Baches von Isabela Wirbel und
Stillen bilden, häuft sich Sand und Schlamm an, auf dem ziemlich
zahlreiche isolirte Korallenknollen wachsen, die aber statt in die
Höhe sich mehr in die Breite ausdehnen. Am Westende des Canals theilt
eine kleine Insel die Strömung in zwei Arme. An der Spitze der Insel,
welche diese Theilung bewirkt, finden sich üppig vegetirende Korallen,
welchen das hier ruhige Wasser Wachsthum, sowie in die Breite auch
in die Höhe erlaubt; aber dort wo beiderseits die Ströme die Insel
tangiren, wachsen die Korallen wie vorher in die Höhe, ohne sich in
die Breite auszudehnen."
_Späterer Zusatz_. Eine grosse Schwierigkeit für alle früheren
Theorien über Bildung der Korallen war die Unmöglichkeit zu erklären,
wie sie aus den grossen Tiefen der tropischen Meere heraufbauen
konnten. Diese schien durch Darwin's Ansicht gehoben zu sein, da die
Tiefe, welche die Koralleninseln umgibt, erst ein Product der Senkung
sein sollte. Nach meiner Ansicht würde sie dagegen wieder in ihr Recht
eintreten--wenn nicht seitdem andere Beobachtungen über das Leben der
Thiere in grossen Tiefen hinzugekommen wären. Ich erinnere hier nur an
die Entdeckungen der Neuzeit durch das Schleppnetz in den nordischen
Meeren, an des jüngeren M. Edwards Angaben über Thiere im Mittelmeere,
an die Mittheilungen von Carpenter, Pourtales etc. Hier kommen mir für
meine Meinung hauptsächlich des Letzteren Beobachtungen erwünscht,
weil er nachwies, dass weit ab von den Florida-Riffen eine Zone mit
der Tiefe von 90-300 Faden gefunden wird, in welcher zahllose Massen
von Korallen und Schalentrümmern zu einem Kalkconglomerat verbunden
werden, welches dem der gehobenen Florida-Riffe sehr ähnlich sieht,
und bei fortgesetzter Hebung jener Gegenden einen trefflichen
Boden für die Ansiedlung der eigentlich riffbildenden Madreporen
und Milleporen abgeben kann. Auf das Factum, dass letztere nur in
geringen Tiefen leben, ist absolut kein Gewicht zu legen; denn es
kommt eben nur darauf an, dass in der Zone, in welcher sie leben,
ein hinreichend fester Boden zu ihrer Ansiedlung vorhanden ist. Dies
aber kann, wie die Beobachtung von Pourtales lehrt, auf die leichteste
Weise durch allmälige Hebung irgend eines Kalkconglomerates--oder
eines vorgebildeten festen Gesteines--geschehen. Eine scheinbare
Schwierigkeit für meine Ansicht, dass die Korallenriffe sehr wohl
während einer Periode _der Hebung_ sich gebildet haben können, liegt
in der Behauptung, dass die echten Barrenriffe sich wie die Atolle nur
bis an die Oberfläche des Meeres oder nur wenig über dieselbe erheben
sollen. Einmal ist dies nicht durchgehends richtig; aber selbst wenn
es der Fall wäre, so gäbe ein solches Factum noch durchaus keinen
Grund ab gegen die Annahme, dass die abschleifende und auflösende
Wirkung des Wogenschlages, der Strömungen und der athmosphärischen
Einflüsse _stärker_ sei, als die erhebende Kraft. Dass letztere,
die vulcanische Kraft, wenn ich so sagen darf, mitunter stärker ist,
als die an der Oberfläche entgegenwirkende, beweisen die gehobenen
Korallenriffe auf den Pelew-Inseln, den Philippinen etc.; ist sie
aber schwächer, so ist eben allen jenen Einwirkungen der Elemente
freies Spiel gelassen, auf deren Complex ich die Bildung der echten
Korallenriffe eher zurückführen möchte, als auf die einzige Ursache
der Senkung ganzer Regionen, wie es Darwin thut.
_Anmerkung 2_. Für die Zoologen füge ich über diesen interessanten
Krebs noch einige Bemerkungen hinzu. Der jüngere M. Edwards
beschreibt (Maillard, Notes sur l'isle de la Réunion) einen solchen
Krebs, der in einem Loche einer Maeandrina leben soll, unter dem
Gattungsnamen Lithoscaptus. Dass dieser M. Edward'sche Krebs, dessen
Beschreibung sehr sorgfältig ist, wirklich mit dem von mir in _Gallen_
verschiedener Korallen gefundenen generisch übereinstimmt, beweist
mir eine philippinische in dem Loch einer Astraea lebende Art,
welche sich nur specifisch von den 2 philippinischen in _Gallen_
lebenden Species trennen lässt. Dann sehe ich aus einer Notiz von
Verrill "Remarkable Instances of Crustacean Parasitism" in Silliman's
American Journal July 1867, dass schon Stimpson dieselbe Gattung aus
Gallen der Pocillopora cespitosa unter dem Namen _Hapalocarcinus_
beschrieben hat. Dieser letztere Name hat also die Priorität vor dem
von M. Edwards. Ob in neuerer Zeit, seit 1865, irgend ein Autor noch
Beobachtungen über diese Krebse mitgetheilt hat, kann ich nicht sagen,
da ich in Bezug auf Literatur hier in Würzburg sehr beschränkt bin,
und die entomologischen Jahresberichte von Gerstäcker so unregelmässig
erscheinen, dass ich bis jetzt immer noch nicht den zweiten Theil
des für 1865-66 herausgegebenen Berichtes erhalten habe, welcher die
Crustaceen enthält.
_Anmerkung 3_. Ich verweise in Bezug auf die Lebensweise und
Organisation der Holothurien auf mein Werk über diese Thiergruppe,
das als 1. Band des wissenschaftlichen Theiles meines Reisewerkes
erschienen ist.
_Anmerkung 4_. Ich verweise den Leser, der sich spezieller über die
Tamblegam Perlenmuschel unterrichten will, auf einen Aufsatz in den
Annals of Natural History 1858 Vol. I. pag. 88-91.
_Anmerkung 5_. Ich kann die Angaben, welche Wilson in dem einst
solches Aufsehen erregenden Buche von Keate "An Account of the
Pelew Islands etc. London 1788" pag. 234-236 über diesen Orden
und die bei seiner Verleihung beobachteten Gebräuche gemacht hat,
durchaus bestätigen. Ueberhaupt möchte ich hier ein Wort für die oft
angezweifelte Glaubwürdigkeit des englischen Seemannes einlegen. Ich
für meinen Theil habe seine Angaben durchweg bestätigt gefunden,
und ich finde in seinen Schilderungen eine solche Wahrheitsliebe,
verbunden mit guter Beobachtungsgabe und Kritik, dass ich wünschen
möchte, die gleichen Eigenschaften in demselben Masse bei allen
späteren Reisenden wiederzufinden. Leider ist dies durchaus nicht der
Fall, und während ich geneigt bin, die schlichten Erzählungen des gut
beobachtenden einfachen Seemannes durchaus als glaubwürdig und richtig
anzunehmen, hat mich auf anderem Boden die eigene Erfahrung gelehrt,
wie oberflächlich und falsch oft die Bemerkungen berühmter Gelehrter
und Reisender sind. Es scheint in der That keine leichte Kunst zu sein,
neben der Gelehrsamkeit sich auch die, ich möchte sagen, unschuldige
Naivität und Beobachtungsgabe zu bewahren, wie sie oft ungelehrten,
aber desswegen auch nicht von grossartigen Theoremen beeinflussten
Reisenden eigen zu sein pflegt. Wilson beschreibt die an ihm selbst
vollführte Ceremonie des Anlegens des Knochenordens, und fügt dann
eine kurze Ermahnung des Königs hinzu, "dass der Knochen täglich
von ihm blank gerieben und als ein Zeichen seines nun angenommenen
Ranges behalten werden müsse; dass dieses Zeichen seiner Würde von
ihm tapfer zu vertheidigen sei und er eher den Tod erdulden müsse,
als zu gestatten, dass man ihm dasselbe abnehme."
_Anmerkung 6_. Unter diesem Namen findet man in den älteren spanischen
Schriftstellern den dujong häufig erwähnt; leider aber sind die
über ihn mitgetheilten Notizen so dürftig--theilweise auch ganz
abentheuerlich--, dass eigentlich daraus nur die frühere bedeutende
Häufigkeit des Thieres zu ersehen ist. Ob die zweifellose Abnahme
der Zahl derselben lediglich auf Rechnung der Verfolgung durch den
Menschen zu setzen ist, wird kaum zu entscheiden sein. Wenn ich den
Angaben der Bewohner der Pelew-Inseln Glauben schenken darf, so muss
der dujong im stillen Ocean früher nicht gerade selten gewesen, jetzt
dagegen gänzlich ausgestorben sein. Das gleiche Schicksal theilt,
wie es scheint, das Krokodil (Crocodilus biporcatus Cav.). Es ist
dies, das Meer wie die Seen und Flüsse gleichzeitig, bewohnende
Krokodil ungemein weit verbreitet, nemlich von den Mascarenen
an bis nach Nord-Australien und den Fidji-Inseln (S. Strauch,
Synopsis der gegenwärtig lebenden Crocodiliden pag. 53). Kotzebue
fand es auf seiner Reise um die Welt (Bd. III. pag. 189) auch auf
den Pelew-Inseln. Während meines zehnmonatlichen Aufenthaltes dort im
Jahr 1862 hörte ich weder von einem Unglück, noch von dem Fang eines
solchen Thieres; ein halb zerschlagener Schädel war das Einzige,
was ich dort fand. Auch sagten mir die Eingebornen auf Befragen,
dass das Thier jetzt sehr selten geworden sei.
_Anmerkung 7_. Bei der Einfahrt in den Fluss Pasig ziehen diese
mächtigen Netze mit den hochgestellten Hebelbäumen, an denen sie sich
bewegen, gleich die Aufmerksamkeit des Reisenden auf sich. Sie bilden
hier in der That eines der am meisten charakteristischen Momente. Der
ganze Hebelapparat steht auf einem grossen von Bambusrohren gebauten
Floss, auf welchem sich der Fischer mit seiner Familie häuslich für
Tage und Wochen niederlässt. Eine leichtgebaute Hütte gewährt ihnen
Schutz gegen Regen und Sonne, und seine Fischmahlzeit mit Reis kocht
er sich dicht daneben in freier Luft.