Die Muhamedaner und der Anfang der christlichen Periode.
Die malaiische Race hatte sich längst über alle hinterindischen
und philippinischen Inseln ausgebreitet, ehe es den handeltreibenden
Bekennern des Islam, den Arabern, gelang, ihrem Glauben unter einzelnen
Stämmen derselben Eingang zu verschaffen. In dem ungefähr 1252 (von
den aus Singapore vertriebenen Malaien) gegründeten heidnischen Staat
Malacca bekehrte sich der Sultan Muhammed Shah 1276 zum Islam und
erwarb durch die Ausbreitung des neuen Glaubens grossen Ruhm während
seiner langjährigen Regierung. Mehr als ein Jahrhundert später,
im Jahre 1391, machten ein Fremder, Raja Charmen, und ein Araber,
Maulana Ibrahim, einen unglücklichen Versuch die Javanesen zum Islam
zu bekehren. Obgleich schon ein ähnliches Unternehmen 1328 erwähnt
wird, und die Einwanderung muhamedanischer Kaufleute vom Westen gewiss
schon lange vorher begonnen hatte, so scheiterten doch diese ersten
Versuche weniger an dem Gegensatz zwischen dem in Java herrschenden
buddhistischen Glauben und Mohamed's Religion, als an der Macht der
buddhistischen Staaten selbst. Erst als Raden Patah, ein Muhamedaner
aus königlichem Geblüt und mit Talent und ehrgeizigem Sinn begabt,
seine Glaubensgenossen um sich versammelt und durch Intriguen und den
Glanz seines Namens eine mächtige Partei gebildet hatte, gelang es ihm
nach der Zerstörung (1478) des bis dahin mächtigsten Reiches von Java,
des weitberühmten Majapahit, auch seinen Glauben zu dem herrschenden
des Landes zu machen. Früher schon waren Muhamedaner weit nach
Osten bis nach Ternate hin vorgedrungen und hatten hier, wie überall
neben dem Handel mit Gewürznelken und anderen ähnlichen Produkten des
Landes, auch die Bekehrung der Eingebornen betrieben. Auch hier fanden
sie einen blühenden Staat vor. Ursprünglich von Gilolo aus (1250)
colonisirt, hatte bald Ternate durch seinen Reichthum an Gewürzen
und seine günstige Lage für den Handel in den Molucken eine solche
Anziehungskraft gewonnen, dass Einwanderungen von Javanesen, Malaien
und Arabern in kurzen Zwischenräumen aufeinander folgten. Solche
Zuzüge werden aus den Jahren 1304, 1322, 1347, 1358 erwähnt. Dadurch
gewann allmälig dieser kleine Staat eine solche Macht, dass er in
der 1322 gebildeten Conföderation der 4 Könige der Molucken schon
im Jahre 1377 den bedeutendsten Rang einnahm. Dem König von Ternate
waren damals bereits die Xulla-Inseln, sowie auch Gilolo unterthan;
am Ende des 15. Jahrhunderts vereinigte Zainalabdin auch noch Boeroe,
Ceram und Amboina unter seinem Scepter. Als dann dieser Fürst 1495 zum
Islam übertrat, ward es nun den zahlreich eintreffenden muhamedanischen
Einwanderern von Java unter Anführung des Javanesen Husen leicht,
auch das Volk selbst zu bekehren, so dass auch hier schon bei der
Ankunft der Portugiesen die muhamedanische Religion herrschte. So
wussten sich überall die Islamiten die Gunst der Landesfürsten zu
gewinnen, durch deren Einfluss dann ihre Religion auch beim Volke
eingeführt wurde. Weiter nach Norden hin verlieren sich die Spuren
des Islam mehr und mehr. Als die Portugiesen 1512 in Celebes ankamen,
fanden sie hier nur noch wenige Bekenner dieser Religion vor; erst
ein Jahrhundert später zwangen die Macassaren auch die Bewohner
der übrigen Staaten dieser Insel, den muhamedanischen Glauben
anzunehmen. Ein gewisser Einfluss des Islam zeigt sich auch noch auf
den Philippinen, wo es allein den muselmännischen Fürsten gelang,
Reiche zu bilden, deren Macht sich weiterhin als auf den Umkreis der
nächsten Dörfer erstreckte. Als die Spanier im 16. Jahrhundert die
Philippinen eroberten, fanden sie ihren stärksten Widersacher in dem
Sultan von Manila, dessen Macht sich ziemlich weit über die Provinzen
des Centrum's von Luzon erstreckte; und die Sultane von Buhayen,
Mindanao und Joló haben bis auf den heutigen Tag ihre Unabhängigkeit
gegen die Eroberungszüge der Spanier zu bewahren gewusst.
Zum Theil lag gewiss die Schnelligkeit, mit welcher sich
die Mohamedaner solche Erfolge zu erringen verstanden, in dem
richtigen Tact begründet, mit welchem die vereinzelten Missionäre
die Vorschriften ihrer Religion den bestehenden socialen Zuständen
anzupassen wussten. Die natürliche Grausamkeit und Rachsucht der
früheren Heiden wurde in religiösen Fanatismus umgewandelt; die
vorgeschriebenen Waschungen fanden leicht Eingang in einem heissen
Lande, dessen Bewohner so schon halb im Wasser lebten; und das
ursprüngliche unabhängige Clan-Wesen wurde mit grossem Geschick in
eine von einer Centralgewalt abhängige Conföderation der einzelnen
Fürsten übergeführt. Hören wir, was hierüber der Padre Gainza sagt:
"Sie (die Muhamedaner) führten einige religiöse Gebräuche ein, nahmen
dafür ihre Sprache und manche ihrer Sitten an, verheiratheten sich
mit ihren Weibern, verschafften sich Sclaven, um ihre persönliche
Wichtigkeit zu erhöhen, und gelangten endlich dazu, sich mit der
vornehmen Classe der "Dato's" zu amalgamiren. Da sie mit grösserem
Geschick und grösserer Eintracht als die Eingebornen arbeiteten,
erhöhten sie allmälig, wie jene im Besitze zahlreicher Sclaven, mehr
und mehr ihre Macht, bildeten unter sich eine Art Bund und errichteten
eine Art Monarchie, die sie in einer Familie erblich erklärten. Aus
der Zahl der Mitglieder dieser Familie erwählten die Dato's ihren
Sultan. Und als sie bald das Missliche eines solchen Systemes
erkannten, beschlossen sie noch bei Lebzeiten des Sultan's zwei
Nachfolger zu erwählen, deren einer den Titel "Raja-Muda", der andere
den des "Guata-Mansa" erhielt. Obgleich nun solcher Bund ihnen grosse
Macht gab, so sahen sie sich doch genöthigt, mit den alten Datto's auf
Friedensfuss stehen zu bleiben, und den sogenannten "Taos-Marayaos"
ihre Freiheit zu lassen, deren Unterstützung sie nicht entbehren
konnten. So behielten diese ihre vollständige persönliche Freiheit
und die völlig freie Verfügung über ihre Sclaven, die sogenannten
"Sacop"....... So entstand endlich eine Conföderation, welche nur
schwach mit der höchsten Autorität in Verbindung steht, eine Art
aristocratischer Republik, deren Chef unter dem Titel eines Sultan's
erwählt wird, und deren Bürger natürlich sehr an ihrer persönlichen
Unabhängigkeit hängen und zu Streit und Zank beständig geneigt sind."
Dass in der That der muhamedanisch religiöse Charakter dieser Staaten
ursprünglich wenig ausgeprägt war, beweist das Verhältniss, in welchem
sie zu den ersten christlichen Eroberern, den Portugiesen sowohl wie
den Spaniern, standen. Antonio de Britto wurde in dem muhamedanischen
Ternate 1521 auf die freundlichste Weise aufgenommen, und als er und
seine Nachfolger durch ihre grausame Behandlung der Bewohner allmälig
einen Bund der malaiischen Fürsten hervorgerufen hatten und die
Portugiesen sich schon nahe daran sahen, ihre Festung dem andrängenden
Feinde übergeben zu müssen, da rettete Antonio Galvan 1636 zuerst seine
Landsleute von einer sicheren Niederlage. Im Laufe weniger Jahre aber
wusste dieser Mann nicht bloss den Bund der Fürsten aufzulösen, sondern
sich auch unter den Mohamedanern so beliebt zu machen, dass sie ihm die
Krone anboten. Durch ihn wurde das Christenthum rasch auf den Molucken
und in Celebes eingeführt. Auch die spanischen Geschichtsschreiber [1]
bemerken ausdrücklich, dass sie mit den "Moro's" von Manila in
freundschaftlichem Handelsverkehr gestanden hätten. Legapsi bediente
sich 1565 in seinem Verkehre mit Tupas, dem Fürsten von Cebú, eines
Mohamedaner's von Borneo mit Namen "Cid-Hamal". Es sprach sich nirgends
ein scharfer religiöser Gegensatz aus; vielmehr bildete sich dieser
erst allmälig im Laufe der Zeiten, als die neu angekommenen Eroberer
auch die Oberherrschaft über die schon bestehenden mohamedanischen
Staaten zu beanspruchen anfingen. Gegenseitig belästigten sie sich nun,
so viel sie konnten, mit Raubzügen und Niederbrennen der Ortschaften,
und auch die Spanier verfolgten eine Art und Weise der Kriegführung,
welche ganz dem dortigen Boden entwachsen zu sein schien. Hier,
wie überall, trat das persönliche Interesse oder die Bequemlichkeit
hindernd in den Weg. Lassen wir hier den Padre Zuñiga [2] sprechen:
"Diejenigen, welche gingen, um sie (die Moro's) zu unterjochen,
verfolgten andere Ziele, als die ersten Eroberer. Diese strebten
nur nach einer "encomienda", einem Lehen, das ihnen genug zu leben
gab. Aber seitdem der Handel von Manila so gewinnbringend geworden,
suchte man in kurzer Zeit grossen Reichthum zu häufen, so dass
diejenigen, welche solche Expeditionen unternehmen, nur an ihren
Erwerb denken und an die Rückkehr nach Manila, um dort möglichst
ihren Handel vermehren zu können." Die unterjochten Feinde wurden von
beiden Parteien als Sclaven davongeführt, die eingenommenen Dörfer
geplündert und nachher verbrannt. Allmälig erst bildete sich auch
der religiöse Fanatismus aus. Die unter dem Namen "amok" in allen
malaiischen Ländern bekannten Wuthanfälle, nehmen in den Grenzgebieten
der Christen und Muhamedaner, in Zamboanga und Basilan immer einen
religiösen Charakter an; obgleich ihr Hass gegen die Christen sich
meistens nur gegen die Spanier richtet. In Jolo selbst sind die
Engländer gern gesehene Gäste, da sie ihnen europäische Waffen und
Pulver bringen, die sie sehr im Kampfe gegen die "cachila's"--so
heissen die Spanier hier--benöthigen. Dem Reisenden fallen überall,
namentlich aber im Süden, die meistens hoch auf Pfählen gebauten,
sogenannten "atalaya's" auf, an deren Seite gewöhnlich ein Telegraph
steht. Es sind dies Wachtthürme, welche von Dorf zu Dorf die Nachricht
weitertragen, wenn sich irgendwo eine Flotille der leichten Fahrzeuge
aus Joló, der sogenannten "panco's", gezeigt hat. Selten aber leisten
die einzelnen Dörfer sich Hülfe, jedes vertheidigt sich, so gut es
kann; die Regierungsböte liegen im sichern Hafen, und erhalten die
Nachricht meistens so spät, dass es ihnen selten gelingt, die Moro's
noch auf ihrem Zuge zu treffen. Haben diese einige Raubzüge glücklich
beendet, so beschliesst die spanische Regierung in Manila einen
Zug zur Ausrottung der Piraten. Es wird hier oder dort eine Festung
in Joló, Tavi-tavi oder in Mindanao eingenommen und zerstört, dann
zieht man froh über den errungenen Sieg heim und im nächsten Jahre
beginnen die Moro's abermals ihre Raubzüge. So wird dieser kleine
Krieg ferner dauern, wie er bisher schon Jahrhunderte gedauert, wenn
nicht die Spanier die von Moro's bewohnten Inseln faktisch in Besitz
nehmen oder durch grössere Wachsamkeit, als sie bisher entwickelten,
die Piratenzüge derselben nach andern Richtungen ablenken.
Während die _muhamedanischen_ Sendlinge zur Ausbreitung ihres Glaubens
nur auf sich und die Macht ihres Wortes angewiesen, dies hauptsächlich
durch den Einfluss zu erringen suchten, den sie auf die Fürsten und
Vornehmen des Landes gewonnen, so zeigt sich bei der Einführung des
_Christenthum_'s durch die Spanier die auffallende Erscheinung, dass
gewisse Einrichtungen in der Organisation ihrer Eroberungszüge die
günstigsten Mittel waren, um die erstaunlich raschen Erfolge ihrer
Unternehmungen hervorzubringen.
Die berühmte Demarcationslinie den Jahres 1493, welche die Erde in eine
spanische und eine portugiesische Hälfte theilen sollte, hatte jeder
Nation die Richtung ihrer Entdeckungsreisen vorgezeichnet. Während
die Portugiesen, dem Wege Vasco de Gama's folgend, von Westen her
in Malacca 1511, auf den Molucken 1512 anlangten, kamen ihnen die
Spanier, welche von Magellan's unglücklicher Expedition (1519-1521)
übrig geblieben waren, von Osten her entgegen. Auch die zweite
Expedition von Loaisa (1525-1526) und die dritte von Saavedra (1528)
nahmen ein unglückliches Ende, und immer trafen die Spanier auf
den Molucken mit ihren alten Feinden, den Portugiesen zusammen,
welchen sie gerne den Besitz dieser kostbaren Inseln streitig
gemacht hätten. Sie gründeten ihre Ansprüche an diese Inseln auf die
Verlegung des ersten Meridian's von Ferro nach Terceira, wodurch
die Portugiesen Brasilien gewannen, und wodurch die Gewürzinseln
nach Magellan's Meinung mit in die spanische Erdhälfte hineingezogen
worden waren. Dem kleinen zwischen den spanischen und portugiesischen
Abenteurern entbrannten Krieg auf Ternate und den umliegenden Inseln
wäre fast ein grösserer Kampf im Mutterlande gefolgt. Als aber Carl
V. 1539 einen Tractat mit Portugal schloss, wonach er alle seine
Ansprüche auf die Molucken für 350,000 Ducaten an die Krone Portugal
verkaufte, war der spanischen Eroberungslust im fernen Osten ein neuer
Weg vorgezeichnet. Während die früheren Expeditionen zur Eroberung der
_Molucken_ bestimmt waren, sollte nun Villalobos die _Philippinen_
unter spanische Herrschaft zwingen und durch die ihn begleitenden
Augustinermönche den Eingebornen den christlichen Glauben bringen. Aber
auch diese Unternehmung verunglückte gänzlich. Glücklicher als Carl
war Philipp II., welcher 1564 eine Expedition unter Legaspi auslaufen
liess. Diesem schloss sich als Mönch der Augustiner Padre Urdaneta an,
ein kühner und gelehrter Seemann, der, unter Loaisa Capitain eines der
Schiffe, bereits die Philippinen aus eigner Anschauung kennen gelernt
hatte. Noch wichtiger als dieser Priester war dem Befehlshaber sein
eigner Neffe, Don Juan Salcedo; denn seiner rastlosen Thätigkeit und
grosser Thatkraft allein verdankte diese Expedition ihren glücklichen,
überraschend schnellen Erfolg. Am 27. April ankerten die Schiffe
in Cebú, bald darauf waren Panay, Leyte, Masbate, Bohol und andere
Inseln--die Islas de los Pintados--entdeckt und eingenommen und am
5. Mai 1571 schon wurde Manila zur Hauptstadt der neugewonnenen Inseln
erklärt und in Besitz genommen. Die Missionäre breiteten sich [3], durch
Soldaten unterstützt, über die Visaya's aus und Juan de Salcedo nahm es
auf sich, den Norden Luzon's der Krone Spanien zu unterwerfen. Wenige
Tage nach dem plötzlichen Tode Legaspi's am 20. August 1572 kam er
in Manila wieder an von einer Reise, die ihn rings um den Norden
Luzon's herumgeführt und auf welcher er die Mehrzahl der Bewohner
sich unterworfen hatte. Einige Jahre später waren bereits die
Augustinermönche über den ganzen Norden verbreitet. So waren in
weniger als 10 Jahren die Mehrzahl der philippinischen Inseln der
spanischen Krone unterworfen, schon 1570 wurde der erste Tribut [4] von
den Einwohnern von Mindanao erhoben und wenn auch seitdem mehrfache
Empörungen gegen die neue Ordnung versucht wurden, so brachen doch bald
derartige Unternehmungen der Eingebornen unter der Macht der Spanier
wieder zusammen. Mit den Augustinern theilten sich die bald nachher
ankommenden Jesuiten, Dominikaner und Franziskaner in die Aufgabe,
den zahlreichen neuen Christen die gewünschten Priester zu geben und
durch die Missionen den christlichen Glauben auch unter die Stämme
des Innern zu tragen.
Der Handel, welcher nach einigen Autoren schon lange vor der
christlich-spanischen Zeit zwischen China, Japan, den Philippinen
und Borneo getrieben worden war, nahm rasch in bedeutendem Maasse
zu. Im Anfang des Jahres 1572 schon kam eine Flotille aus China an,
welche den handeltreibenden Soldaten eine reiche Ladung Seidenzeuge,
Porzellan und andere Erzeugnisse chinesischer Industrie brachte, und
in wenig Jahren war Manila der Mittelpunkt für den Handel Spanien's
mit dem Orient geworden.
Es war der Anfang des 17. Jahrhunderts fast die blühendste Zeit
des Handels von Acapulco. Dieser Periode verdankt Manila ihren
hochtrabenden Namen der "Perle des Orients".
Ein ganz anderes Bild liefert uns die Geschichte der Eroberung der
Molucken durch die Portugiesen. Trotzdem sie 1511 unter Antonio
de Abreu und Francisco Serrano die freundlichste Aufnahme in
Amboina und Celebes finden, und sie aus den zwischen Tidor und
Ternate angestifteten Kriegen als Sieger hervorgehen, folgen sich
ununterbrochen Empörungen der einheimischen Fürsten und Streitigkeiten
dieser oder selbst der Portugiesen untereinander. 1531 sehen sie sich
sogar gänzlich auf ihre Festung in Ternate beschränkt, die durch
das Heer der verbündeten Könige der Molucken durch Jahre hindurch
belagert wird. Antonio Galvan befreit seine Landsleute, schlägt die
Fürsten in Tidore, und schliesst mit ihnen Frieden. Ihm gelingt es
bald durch freundliche Behandlung der Eingebornen und Schonung der
angestammten Fürsten, die er vorher hat seine Macht fühlen lassen,
sich eine solche Popularität zu erwerben, dass ihm bald nachher
die Krone sämmtlicher Molucken angeboten wird. Nun wird ihm das
Gouvernement dieser Inseln genommen, und die nachfolgenden Gouverneure
beginnen von Neuem das alte Spiel der Intriguen und kleinen Kriege,
bis endlich 1581 Baber, König von Ternate, die portugiesische Festung
einnimmt und der Fremdherrschaft ein Ende macht. Dann folgen einige
vergebliche Versuche der Spanier, sich die Molucken zu unterwerfen,
bis es endlich im Anfang des 17. Jahrhunderts den Holländern gelingt,
die mit den einheimischen Fürsten abgeschlossenen Verträge gegen die
Spanier siegreich zu vertheidigen und die Portugiesen auf Timor und
Solor einzuschränken.
Hier ist die Episode des Antonio Galvan besonders lehrreich. Sie
zeigt, dass es bei Verfolgung einer humanen Politik und Schonung
der Landessitten den Portugiesen hatte leicht werden müssen, ihrer
Herrschaft über die Molucken grössere Sicherheit und längere Dauer
zu geben, als es wirklich der Fall war. Den Spaniern trat auf den
Philippinen allerdings nie eine so geschlossene Macht gegenüber,
wie den Portugiesen auf den Molucken im dortigen Fürstenbund,
so dass es ihnen leichter werden musste, die einzelnen gänzlich
von einander unabhängigen Clan's von Luzon und den Visaya's sich
zu unterwerfen. Aber die Geschichtsbücher des Landes bewahren uns
mehrere Fälle von Empörungen auf, welche zeigen, dass durch die
allgemeine Sehnsucht nach Befreiung vom spanischen Joche mitunter eine
Vereinigung der sonst getrennt lebenden Stämme zu Stande kam, deren
Macht allerdings derjenigen der Spanier nie gewachsen war. Gerade die
ersten Jahrzehente der Eroberung sind aber verhältnissmässig frei
von solchen Empörungen. So mochte wohl die geringe Macht, welcher
sich die Spanier in ihren Zügen bald in diesem, bald in jenem Dorfe
gegenübersahen, der Mangel aller gemeinsamen Opposition gegen die
Fremden mit eine der Hauptursachen gewesen sein, welche den Spaniern
das Spiel erleichterten; aber doch würde wohl kaum der Eroberung so
schnell die Ausbreitung des Christenthums und eine vergleichsweise
lange ruhige Periode des Handels gefolgt sein, wenn nicht noch andere
Momente, ausser der geringen Thatkraft und politischen Zersplitterung
der Eingebornen, mit wirksam gewesen wären.
Hierüber gibt uns die Organisation der früheren Expeditionen einigen
Aufschluss. Der Befehlshaber der Expedition erhielt mit dem Titel
"Adelantado" auch die allerausgedehntesten Vollmachten und die
Autorität als General-Gouverneur aller der Länder, welche er im
Namen des Königs erobern würde. Es wurde ihm gestattet, Waaren
im Werth von 1000 Ducaten einzuschiffen und ebenso wurde ihm ein
gewisser Prozentsatz vom Einkommen der Inseln zugesichert. Von ihm
hing aber vor Allem die Ernennung der sogenannten "Encomendero's"
ab. Unter "encomienda" verstanden die Spanier ein Lehen, welches an
Land und Leuten den bei der Eroberung besonders sich auszeichnenden
Soldaten gegeben wurde. Der von ihnen erhobene Tribut, von welchem
sie einen gewissen Theil an die Regierung abgeben mussten, sollte zum
Unterhalt ihres Lebens dienen. So wurde z. B. dem Juan de Salcedo nach
der schon erwähnten Entdeckungsreise zuerst Camarines, nachher aber
die Provinz Ylocos als solches Lehen gegeben. Anfänglich herrschten
sie hier, im Besitz der Macht, unumschränkt über Land und Leute,
die sich leicht dem Eroberer unterwarfen; denn in der That war für
sie nur der Name ihres Fürsten, nicht aber ihr Verhältniss zu diesem
geändert. Ueberall wo Salcedo zuerst hinkam in Luzon, wie in Panay und
Mindoro, musste er erst mit den Einwohnern um die Herrschaft kämpfen;
und wenn diese sich durch eine blutige Niederlage von der grösseren
Macht der Spanier überzeugt hatten, so unterwarfen sie sich ziemlich
willig dem Joche des Lehnsherren, welcher lediglich an die Stelle
des früheren einheimischen Fürsten getreten war. Statt der früheren
"baganis" oder "Datto's" hatten sie nun spanische Capitaine sowohl
als Anführer im Kriege, wie auch als Herren [5], denen sie Gehorsam
und Tribut schuldig waren. Sonst aber wurde die sociale Ordnung nicht
im Mindesten verändert. Lange Zeit hindurch wurden die im Kriege
gemachten Gefangenen auch von diesen christlichen Lehensherren als
Sclaven, als "sacopes" behandelt, deren Arbeit und Körper ihnen
gänzlich angehörte. Aus dieser Classe der Sclaven bildete sich
allmälig die tributzahlende niedrige Bevölkerung aus, während die
Classe der Freien als sogenannte "cabeza's de barangay" von jeher
gänzlich frei von der Pflicht des Tributzahlens war. Die Dattos
aber oder die ursprünglichen Vornehmen erhielten die Ehrenämter des
Dorfes, welche wie jene Freien gänzlich von allem Tribute und allen
Zwangsarbeiten befreit wurden. Der Lehnsherr hatte die Macht, welche
die Eingebornen als erstes Requisit für ihre Datto's verlangten, und
die ihm unterworfenen Vornehmen befriedigten leicht ihren Ehrgeiz
in der bevorzugten Stellung, welche sie im Dorfe einnahmen, da sie
nie gewohnt gewesen waren, über die natürlichen Grenzen desselben
hinaus zu greifen. Da die Sclaven oder Tributantes von jeher sich
selbst als Eigenthum ihrer Herren zu betrachten pflegten, so liessen
sie sich gerne den verhältnissmässig geringen Tribut von etwa 4
fl. jährlich gefallen, den sie in Silber oder in Landesprodukten
bezahlen mussten. Manche harte Bedrückung selbst mochte ihnen von
Seiten dieser neuen Herren erträglich scheinen. Bald aber gingen die
Erpressungen der meisten Lehnsherren so weit, dass sich das Volk gegen
sie auflehnte, und zu gleicher Zeit gewannen die zur Ausbreitung der
christlichen Religion angekommenen Geistlichen verschiedener Orden
einen solchen Einfluss auf Philipp's Regierung, dass ihnen im Streite
gegen jene grosse Prärogativen gegeben wurden. Mit der Vermehrung der
Dörfer ging die wiederholte Sendung eifriger Missionaire Hand in Hand,
so dass die Oberen der Mönchsorden sich bald im Stande sahen, jedem
grösseren Dorf einen eignen Seelenhirten zu geben. Indem diese nun im
Streite des Tribut zahlenden Volkes sich immer gegen die Lehnsherrn
und die aus diesen hervorgegangenen Gouverneure aussprachen, erlangten
sie bald in den einzelnen Dörfern dieselbe Stellung, welche vor ihnen
der Lehnsherr, noch früher aber der "Datto" eingenommen hatte. Auch
hinter ihnen stand immer die militairische Macht der Regierung, um
deren Politik sich der Eingeborne wenig kümmerte, deren Strenge aber
manches Dorf kennen lernte, wenn es sich gegen die zu harte Bedrückung
von Seiten seiner neuen Herren in Kutte und Talar auflehnte. Auch die
altgewohnte rein persönliche Seite des Verkehres zwischen dem Herrn
und Diener fehlte nicht. Den Bau eines Conventes oder einer Kirche,
oder selbst jede im Dorfe vorgenommene Arbeit sahen die Bewohner
wie einen persönlich dem Priester geleisteten Dienst an; und sie
arbeiteten willig für ihn, da der Glanz, welcher sich durch die Zahl
seiner Diener, die Pracht seiner Wohnung und seiner Messgewänder,
den Luxus seiner Gelage über ihr Dorf verbreitete, ihren Ehrgeiz
vollständig befriedigte. Nicht selten sind die Fälle, in denen ein
Priester seinen "sacopes" im Kampf wirklich voranging. Wie früher den
"bagani" im kriegerischen Kleide, so liessen sich nun die Bewohner den
"Datto" im farbigen Messgewand gerne gefallen. So wurde, unbewusst
oder bewusst, jedenfalls in glücklicher Weise das alte einheimische
Clanwesen der Heiden zur Basis der jetzt herrschenden christlichen
bürgerlichen Ordnung gemacht.