III.

Das Klima und das organische Leben.

Im Allgemeinen lässt sich das _Klima_ des philippinischen

Archipels als ein tropisch insulares im vollsten Sinne des Wortes

bezeichnen. Vollständiger Mangel aller schroffen Gegensätze in

der Temperatur, hohe mittlere Jahreswärme, grosse Regenmenge und

Feuchtigkeit der Luft, sowie die in gewissen Perioden wechselnde

Windesrichtung werden durch die geographische Lage dieser Inseln

erklärt. Um uns ein möglichst scharf gezeichnetes Bild von diesen

einzelnen Momenten, die in ihrer Gesammtwirkung als Klima solchen

Einfluss auf alle Organismen und alles Leben gewinnen, zu bilden,

wollen wir den im Anhang [1] ausführlich mitgetheilten Resultaten

mehrjähriger Beobachtungen in Sta. Ana, einem Dorfe dicht bei Manila,

folgende Mittelwerthe entnehmen:

Temperatur in Graden Reaumur. | Regenmenge | Relative | Mittlerer

Mittlere | mittleres | mittleres | im Jahr. | Feuchtig- | Luftdruck.

des Jahres | Maximum | Minimum | | keit. |

| | | | |

+20,88 | +25,4 | +16,2 | 974,6 par. | 78,7 par. | 337,18

| | | Lin. = | Lin. |

| | | 81,2 Zoll. | |

Windesrichtung: October-April N 57° O

April-October S 28° W

Hier drückt sich zunächst in den 3 ersten Zahlen die hohe, aber sehr

gleichmässige Temperatur bestimmt aus; denn bei dem hohen Jahresmittel

von 21° R. ist die Differenz der mittleren Monatsextreme nur 9°,

während sie beispielsweise in Frankfurt über 19° beträgt bei der

niedrigen Jahrestemperatur von 9° R. Gegen eine nur 15,7 Zoll

betragende Regenmenge an demselben Orte in Deutschland fallen in

Manila, einem vergleichsweise für die Philippinen sehr trockenen Orte,

alljährlich mehr als 81 Zoll, im Nordosten von Mindanao dagegen in

Linao nach den Beobachtungen eines Jahres 142 Zoll. Eine so ungeheure

und dazu noch in ziemlich regelmässigem Wechsel niederfallende

jährliche Regenmenge muss nothwendig von grossem Einfluss auf die

Entwickelung des organischen Lebens sein, dem wir denn auch dort im

Verein mit anderen Einflüssen überall begegnen. In der letzten Rubrik

endlich spricht sich der scharfe Gegensatz der beiden wichtigsten

Jahresabschnitte aus, welche man die _kalte_ und die _warme_ oder

besser mit Bezug auf die herrschenden Winde, die Jahreszeiten des

_Nordost-_ und des _Südwest-Monsun's_ nennen kann.

Allerdings ist durch dieses Wort nicht Alles bezeichnet. Wie die

Monsune selbst nur entstanden sind durch local wirkende Ursachen,

die indischen nemlich durch die Erwärmung des asiatischen Continentes

in unserem Sommer; so muss es natürlich auch Grenzgebiete geben,

in welchen ein Uebergang stattfindet in den regelmässigen durch

allgemeiner wirkende Ursachen bestimmten Erscheinungen, wie es die

Passate sind. Und in der That scheinen wir uns auf den Philippinen

in einem solchen Grenzgebiete zu befinden: denn während in _Manila_

der abgelenkte SW.-Monsun schon zu Ende _April_, der Nordost-Monsun

im _October_ einsetzt, ist die Dauer des SW.-Monsuns in _Bohol_ um

reichlich 1 Monat kürzer, da er nur vom _Juli_ bis zum _November_

dauert. Aber durch diese allerdings interessanten Verschiebungen

in den Windrichtungen wird doch die im Wesentlichen in dem Worte

Monsun angedeutete _Periodicität_ nicht erheblich verändert, und für

das Ziel, welches wir hier im Auge haben, nemlich für den Einfluss

der periodischen Erscheinungen der Atmosphäre auf das organische

Leben, ist gerade diese Unregelmässigkeit viel weniger bestimmend,

als die periodischen Wechsel in der Temperatur und namentlich im

Feuchtigkeitsgehalte der Luft.

Wir ziehen hier abermals zur leichteren Vergleichung eine kleine

Tabelle aus den vollständigen Resultaten aus, in welcher wir die

jährliche klimatische Bewegung nach den 4 hier bei uns angenommenen

Jahreszeiten für Manila in Zahlen darstellen.

| Winde. | Regen. | Gewitter. | Temperatur. | Luftdruck.

| | Lin. | | ° R. | par. Lin.

|

Winter | N 35° O | 74 | 0,8 | 19,6 | 337,66

Frühling | N 79° O | 73 | 14,7 | 21,6 | 337,40

Sommer | S 41° W | 492 | 35,9 | 21,7 | 336,94

Herbst | S 16° W | 334 | 19,5 | 20,7 | 336,71

Während der 3 Wintermonate December, Januar und Februar bringt der

sehr regelmässig wehende Nordostwind bei der niedrigsten Mittelwärme

von 19°,6 R. gar keinen oder fast gar keinen Regen nieder. Die Felder

trocknen nun aus und das Erdreich springt häufig in tiefen Rissen auf;

unerträglichen Staub wirbeln die offnen Wagen der Bewohner Manila's

auf und die Pflanzen sehen traurig und düster genug aus durch den

dichten Staub, der sie bedeckt. Der starke jeden Morgen fallende

Thau genügt nicht, um die verbrannten Blätter mit frischem Grün zu

schmücken. Dennoch aber gibt es nur selten völlig heitere Tage; denn

die grosse alltäglich mit aufsteigender Sonne in die Luft gehobene

Wassermenge formt sich rasch zu leichten Wölkchen, welche der starke

Nordostwind vor sich hin treibt. Wenn aber zum Anfang des Frühlings

die Sonne sich dem Zenith nähert, so mehren sich allmälig mit etwas

sinkendem Luftdruck die electrischen Entladungen der Atmosphäre, die

zuerst als Wetterleuchten in der Ferne, dann als immer näherkommende

und heftiger auftretende Gewitter das Herannahen des durch wechselnde

Winde und Calmen bezeichneten Frühlings anzeigen. Nun beeilt sich

jeder Bewohner Manila's, seinen Wagen repariren zu lassen, um während

der bald eintretenden heftigen Regen im geschlossenen Fuhrwerk

dem Unwetter trotzen und seinen Geschäften obliegen zu können. Zwar

erleuchtet die _aufgehende_ Sonne noch einen stets ungetrübten Himmel;

aber gegen Mittag schon, wenn sie am höchsten steht, decken dichte

Wolken den Himmel und thürmen sich, meistens an einem der benachbarten

Berggipfel hängend, schwere dunkle Gewitterwolken auf. Dabei erhöht

sich die Temperatur rasch um 2 volle Grade; aber noch immer harren

Pflanzen, Thiere und Menschen vergebens auf den erfrischenden Regen,

der zuerst im Mai mit einzelnen schweren Tropfen sich ankündigt,

dann aber plötzlich in heftigen Gewitterregen losbricht. Zugleich

damit tritt ein Wechsel der Winde ein. Nicht ohne Zagen und doch mit

Freude sieht der Bewohner diesem Wechsel des Monsun's entgegen. Wenn im

Mai oder Juni der von Süden her andringende Südwestwind dem Nordost

die Herrschaft über das Land zu entringen sucht, so sind heftige

Stürme, sogenannte "colla's", welche einige Tage lang andauern,

die Folge dieses Kampfes der Winde. Häufig erzeugt sich dabei ein

"baguio", ein Wirbelsturm; doch seltener, als in dem Uebergang des

SW.-Monsun's in den NO.-Monsun im September oder October. Ist die

"colla" vorüber, während welcher fast unausgesetzt fallender Regen

die durstige Erde tränkt, so tritt nun die eigentliche Regenzeit mit

ihren täglich sich wiederholenden äusserst heftigen, aber meistens

nur wenige Stunden dauernden Gewitterregen ein. Mit dem Südwestwinde

hat der Barometerstand fast sein Minimum erreicht, während die Zahl

der Gewitter sich enorm gesteigert und die herabfallende Regenmenge

ihr Maximum erreicht hat. Die mittlere Wärme ist kaum gestiegen; aber

die häufigen Windstillen zur Zeit des Mittags und die eigenthümliche

Schwüle, welche dort wie hier den Gewittern voranzugehen pflegt,

lassen die Hitze grösser erscheinen, als sie wirklich ist; denn

nie steigt die Temperatur im Schatten auf mehr als 27 oder 28°

R. zur Zeit des täglichen Maximum's. Gegen Ende des Sommers sinkt

die Temperatur etwas, ebenso auch die Regenmenge, obgleich nun erst

die relative Feuchtigkeit ihr Maximum erreicht. Zum zweiten Male

wiederholt sich dann im September oder October der Streit zwischen

den Luftströmungen. Unerwartet und rasch, nicht durch das Fallen

des Barometers oder die sich mehrende Zahl der Gewitter angekündigt,

bricht nun die "colla" des Herbstes über Stadt und Land herein. Wehe

den Pflanzen und Thieren, den Menschen in ihren Hütten und an

Bord der im Hafen ankernden Schiffe, wenn mit ihr der gefürchtete

"baguio" eintritt, der nun viel heftiger, als sein Genosse im Frühling

einherschreitet. Im heftigsten Anlauf reisst der Wind in den Bergen

ganze Waldungen nieder; Wolkenbrüche, die ihn begleiten, schwellen die

Giessbäche und die Ströme des Landes in rasender Schnelle zu enormer

Höhe; Brücken und Häuser werden fortgeschwemmt und ausgedehnte Ebenen

überfluthet und die Schiffe im Hafen reisst der heftige rasch sich

durch alle Richtungen der Windrose drehende Sturmwind von ihren

Ankern ab und auf die Untiefen oder gegen die Klippen an. Zum

Glück dauern diese Stürme selten lange. Einer der heftigsten und

längsten Wirbelstürme, welcher Manila in neuerer Zeit heimsuchte,

war der vom September 1865; er begann am 26. Mittags und endete am

28. Morgens. Während dieser 40 Stunden fiel unaufhörlicher Regen in

solchen Mengen, dass der Rio Pasig weit über seine Ufer hinaustrat

und die Stadt Manila mit allen ihren Vorstädten überschwemmte, so

dass der Verkehr auf den Strassen durch Boote unterhalten werden

musste. Hat dann endlich der Nordost, mitunter in mehrfach erneutem

Kampfe, im October seinen Rivalen aus dem Süden besiegt, so gehen

dann allmälig die wechselnden Winde in den stetigen Nordostwind des

Winters oder der _trocknen_ Jahreszeit über, während zugleich die

Temperatur sich in dem Masse erniedrigt, als die Sonne sich mehr und

mehr ihrer südlichen Culmination unterhalb des Aequators nähert.

Wie wir aber schon zwischen Manila und Bohol eine grosse Verschiebung

in der Periode der Monsune bemerkt haben, so gilt auch die hier

näher geschilderte Periodicität in den übrigen atmosphärischen

Erscheinungen nicht für die ganze Inselgruppe, oder selbst für alle

Orte derselben Insel. Wir erinnern uns, dass Luzon mit seinen hohen

von Nord nach Süd streichenden Bergketten gegen die herrschenden

mittleren Windrichtungen dieselbe Stellung einnimmt, wie Ceylon

im indischen Ocean und wir verstehen nun, warum die östliche und

westliche Hälfte der Insel in Bezug auf die Vertheilung des Regens

so gänzlich von einander verschieden sein müssen. Denn während der

nordöstliche Wind alle Feuchtigkeit, die er auf seinem Wege durch

den stillen Ocean angesammelt hat, an der Ostküste und in den hohen

Bergen des Ostens und Nordens vollständig absetzt, gelangt er nun

an die Westseite der Insel als trockner Wind; und der Südwestwind

schlägt seinen Regen an der westlichen Seite der Insel nieder. So

kann man leicht, indem man von einem Ort zum andern reist, sich aus

der _nassen_ in die _trockne_ Jahreszeit versetzen. Als ich mich

im November 1860 in _Aparri_ an Bord eines Dampfers einschiffte,

um nach Manila zu reisen, hatten wir dort an der Nordküste Luzon's

fast täglich fallende heftige Regen, die von starken Nordoststürmen

gebracht wurden; und schon nach wenigen Stunden waren wir hart an

der Küste von Ylocos gänzlich gegen den stürmischen Nordost durch

die hohe Bergkette geschützt und fuhren nun bei beständig heiterem

Wetter bis nach Manila hinunter. Wo sich in den _Visaya's_ zwischen

den vielen kleinen und grösseren Inseln zahlreiche Einschnitte bilden,

da sind hier den Winden ebensoviele Canäle vorgezeichnet, in welchen

sie nun theilweise abgelenkt werden, so dass hier die Vertheilung

des Regens eine lange nicht so regelmässige sein kann, wie in Luzon,

und auch die Regenwinde selbst nur selten in ihrer ursprünglichen

Richtung auftreten können. So war in _Bohol_ die Vertheilung des Regens

während zweier Beobachtungsjahre eine viel weniger schroffe, wie in

Manila. Im Winter fiel hier das Maximum des Regens mit 209 Linien,

im Frühling das Minimum mit 50 Linien; der Sommer zeigte 199 und der

Herbst 123 Lin. Regen. Während also in Manila die kalte Jahreszeit

auch die trockne war, erfreute sich der Winter in Bohol (mit 20°,1

R. mittlerer Temp.) starken Niederschlags; dagegen zeigten Sommer und

Herbst auf dieser Insel eine verhältnissmässig grosse Regenmenge, so

dass hier eigentlich nur von einer trocknen Jahreszeit im Frühlinge,

aber nicht von einer nassen gesprochen werden kann. _Linao_ im

Innern des östlichen Mindanao's liegt in einem gegen Nordwesten

hin sehr weiten offenen Thal, das gegen Osten durch eine 2-3000'

hohe Bergkette geschützt ist. Dennoch ist auch hier der Winter die

eigentlich nasse Jahreszeit; aber der Nordostwind, welcher diesen

Gegenden den Regen bringt, dringt hier zur Strasse von _Surigao_ und

in dem Canal zwischen _Leyte_, _Bohol_ und _Cebú_ durch und tritt nun

bei Butuan als NW.- oder NNW.-Wind herein in das Land der Manobo's. Je

nach der verschiedenen Richtung der Zuflüsse des _Agusan_, welche bald

mehr aus dem Südwesten, bald aus dem Norden oder Nordwesten kommen,

schwellen dieselben durch den fallenden Regen in verschiedenster Weise

an. Als ich im Jahre 1864 dieses Land im August und September, also

gegen Ende des Südwest-Monsuns bereiste, waren die südwestlichen

Zuflüsse alle voll von Wasser, während in dem östlichen Theile

und in dem eigentlichen Agusan selbst der niedrigste Wasserstand

herrschte. Nach einjährigen Beobachtungen des P. Juan Ruiz in Linao2

fielen dort im Jahre 1865 im Winter 826 Linien, im Frühling 302 L.,

im Sommer 265 L. und im Herbst 312 L. Unter sich verglichen fällt

also hier die trockene Jahreszeit in den Sommer; aber trotzdem ist

die während dieses trockenen Sommers fallende Regenmenge grösser als

das Maximum in Bohol und mehr als die Hälfte des Sommermaximum's in

Manila. Das ganz im Westen und auf 6° 50' N. B. liegende _Zamboanga_

endlich nähert sich in der Vertheilung des hier fallenden Regens noch

mehr den Verhältnissen, wie sie der Aequitorialzone der Calmen eigen

zu sein pflegen, denn trotzdem das Land hier gegen den Nordostwind

geschützt, dem Südwestwinde offen liegt, so bringen beide Winde hier

doch so ziemlich die gleiche Zahl von Regentagen.

Die Sonne ist der Quell alles Lebens. Wie ohne ihre erwärmenden

Strahlen die Blätter der Bäume und Sträucher nicht ergrünen, so

ist sie es auch, welche die Bewegung unserer Atmosphäre, die Winde

erzeugt und das Athmen des Meeres, den aufsteigenden Wasserdunst,

hervorbringt, der nun als Regen wieder vom Himmel den durstigen

Pflanzen zugesandt wird. So hängt von der verschiedenen Vertheilung

der Wärme, der Winde und der Feuchtigkeit in Zeit und Raum auch das

Leben der Organismen ab. Wir wollen den Einfluss des _Klima_'s zunächst

auf die _vegetabilischen Producte_ des Landes näher untersuchen.

Grosse Ueppigkeit des Pflanzenwuchses ist hier die Folge des

gleichmässig warmen und sehr feuchten Klimas. Undurchdringlicher

tropischer Wald bedeckt bis auf die höchsten Spitzen der Berge hinauf

das Land; und in den Ebenen und Thälern, um die Dörfer der Eingeborenen

herum, erzeugen sich die bekannten tropischen Nutzpflanzen. Cacao

und Indigo, Caffe, Baumwolle, im Süden selbst Canehl [3]--welcher

in Mindanao wild zu wachsen scheint--dazu die Mangabäume, die

Cocospalmen und Bananen und viele andere Fruchtbäume gedeihen in

üppigster Fülle. Bald halten sie sich--wie die Manga, Caffe, Indigo

und Cacao--an besondere Jahreszeiten zur Reifung ihrer Früchte; oder

sie geben, wie die Cocospalmen und die Bananen, dem Eingeborenen

eine nie versiegende Quelle schmackhafter Nahrung. Schärfer fast,

als die einheimischen Pflanzen und Bäume, drückt sich in dem

Anbau der eingeführten Nutzpflanzen der Einfluss des Klima's und

seiner periodischen Erscheinungen aus. Das _Zuckerrohr_ wird in

den nächsten Provinzen um Manila herum, welche alle ein ziemlich

gleichartiges Klima besitzen, im März oder April, also kurz vor

Eintritt der Regenzeit gepflanzt; während sich die Manobo's in

Mindanao dabei an gar keine bestimmte Jahreszeit halten, da selbst

in der trockensten Periode hinreichender Regen fällt, um die jungen

Pflanzungen gegen Vertrocknen zu schützen. Der Anbau des _Taback_'s

wird ebenfalls durch die Jahreszeiten geregelt. Im Norden von Luzon,

in den Provinzen _Cagayan_ und _Nueva Isabela_, welcher letzteren das

auf der Karte bezeichnete Land der Catalanganes zugehört, wird auf

erhöhtem, fern von den Bächen und dem Hauptfluss der Provinz, dem Rio

Grande de Cagayan, liegenden Lande der Taback im _August_ ausgesäet;

denn ein heftiger Regen, welcher die Bäche zum Austreten bringen

könnte, würde den zarten Pflänzchen durch den in den sogenannten

"avenida's" mitgeführten Schlamm verderblich werden. Aber wenn dann im

September oder October die "colla" des Herbstes vorüber ist und in den

damit immer verbundenen Ueberschwemmungen des tiefliegenden Landes

der Boden durch den aus den tertiären Kalkgebirgen herabgeführten

Schlamm gedüngt worden ist; so haben nun die jungen Tabackspflanzen,

in die Niederungen versetzt, hinreichende Kraft und Höhe erlangt, um

nicht in kleineren Ueberschwemmungen zu Grunde zu gehen, oder durch

heftigen Regen ausgewaschen zu werden. Dieses Umsetzen, wobei jede

Pflanze etwa 1 1/2 Fuss von den anderen entfernt gesetzt werden muss,

geschieht Ende October oder Anfang November. Damit ist aber nicht alle

Arbeit gethan. Unausgesetzte Pflege verlangt nun die Tabackspflanze,

um sie vor Untergang zu bewahren und die Blätter einer günstigen

Reife entgegen zu führen. Bei zu grosser Dürre müssen die einzelnen

Stämme begossen werden; fällt zu viel Regen, so hat der Arbeiter

beständig Sorge zu tragen, dass durch den heftigen Tropfenfall

nicht die Wurzeln gelockert werden. Einzeln müssen die Raupen eines

Schmetterlings, welche in wenig Tagen aus den massenhaft gelegten

Eiern desselben auskriechen, vom Stamm und den Blättern abgesucht

werden, da das kleinste Loch, das in den jungen Keim eines Blattes

gefressen wird, diesem allen Werth raubt. Nur der geringste Theil der

Pflanzen wird benutzt, um Samen für die nächste Aussaat zu ziehen;

und jede kleine Blüthenknospe muss, sowie sie sich zeigt, von dem

Zweige entfernt werden. Endlich naht im Mai und Juni die trockenste

Zeit, und wenn dann in den letzten Wochen kein Regen gefallen ist,

welcher das eigenthümliche Gummi des Blattes wieder abwusch, so wird

im Juli mit der Erndte begonnen. Diese wird möglichst rasch vollendet,

und in der kurzen Periode die nun bis zur nächsten Umpflanzung übrig

bleibt, wird der Mais, das einzige [4] selbstgebaute Nahrungsmittel der

Bewohner der Provinz, gesät und geerndtet. In 2 Monaten vollendet

hier die Maispflanze ihren Lebenslauf.

Noch schärfer aber drückt der _Reisbau_ den nach den verschiedenen

Orten wechselnden Einfluss der klimatischen Verhältnisse aus, indem

er zugleich mehr als irgend eine andere Beschäftigung des täglichen

Verkehrs bestimmend auf das Leben der Eingeborenen einwirkt. Im

Allgemeinen braucht auf den Philippinen der Reis 5-6 Monate höchstens,

von der Aussaat bis zur Vollendung der Erndte, so dass hier bei

sonst günstigen Verhältnissen die Möglichkeit zweier Erndten im

Jahre gegeben wäre. In der That aber wird dies scheinbar so günstige

Verhältniss gestört durch eine Menge verschiedenartiger Einflüsse,

welche _einestheils_ in der Qualität des gebauten Reis selbst und dem

dabei angewandten System, _anderntheils_ in dem schon geschilderten

mannigfach wechselnden Klima begründet liegen. Man zählt auf den

Philippinen über 60 Reisvarietäten, welche aber nach dem Boden,

dessen sie bedürfen, in zwei scharf getrennte Kategorieen geschieden

werden, nemlich in die des _Bergreis_ und des _Wasserreis_. Erstere

Gruppe wird, wie schon der Name andeutet, nur auf den hohen, weder

den periodisch wiederkehrenden, noch den durch die Hand des Menschen

künstlich hervorgebrachten Ueberschwemmungen ausgesetzten Gegenden

gebaut. Sie bedarf zu ihrer Cultur sehr viel geringerer Sorgfalt,

als die zweite Sorte, welche nur in feuchtem oder ganz unter

Wasser gesetztem Boden gut gedeiht; aber zugleich ist sie auch den

Unregelmässigkeiten des Wetters viel mehr unterworfen und während bei

dem Wasserreis die Periode seines Lebenslaufes so ziemlich immer in

denselben Gränzen gehalten wird, ist es bei dem Bergreis nicht selten,

eine Verzögerung seiner Reife um mehr als einen Monat eintreten zu

sehen. Auch die Methode des Reisbaues ist von einigem Einfluss;

da diese Einwirkung aber sehr gegen die des Klimas zurücktritt,

so wollen wir die Schilderung der Felderbewirthschaftung in jenes

Capitel zurücksetzen, in welchem wir in dem eigenthümlichen socialen

Zustande einiger philippinischer Völkerschaften bessere Anknüpfung

finden werden.

Wie sehr nun endlich durch die wechselnden klimatischen Bedingungen

der verschiedenen Provinzen der Reisbau, und damit auch das Leben

des Menschen, beeinflusst werden muss, geht aus der einfachen

Thatsache hervor, dass der Reis--mag es nun Bergreis oder Sumpfreis

sein--eine bestimmte Quantität Feuchtigkeit neben hinreichender

Wärme und Nahrungebestandtheilen des Bodens braucht, die also weder

zu gross, noch auch zu klein sein darf. Hier kommt es vor Allem auf

die _wechselnden_ Feuchtigkeitsverhältnisse an. Während in Manila und

den umliegenden Provinzen, welche dem Südwestwinde ausgesetzt sind,

die Zeit der Aussaat im _Juni_, also nach dem Ende der trocknen

Jahreszeit, ist, da nun erst der Boden hinreichend durch Regen

befruchtet und durchfeuchtet ist, um den Samen aufnehmen zu können,

wird bei den Iraya's im Nordosten von Luzon der Bergreis im _Dezember_

und _Januar_ nach Eintritt des Nordostwindes, also hier abermals

nach Beginn der eigentlichen Regenzeit, ausgesät. Es fällt somit

in diesem Lande die Zeit der Reiserndte mit derjenigen des Tabacks

und der Aussaat in Manila zusammen. Der ganz gleiche Gegensatz ist

schon den ältesten spanischen Schriftstellern auch auf den Visaya's

aufgefallen. So sagt der Padre Chirino (1604) von der Insel Leyte

"wenn in der nördlichen Hälfte der Insel Winter herrscht, was in

denselben Monaten wie in Spanien zu geschehen pflegt, so ist es in

der südlichen Sommer; und umgekehrt in der andern Hälfte des Jahres;

so dass wenn die eine Hälfte der Insel sät, die andere ihre Erndten

einbringt". Wieder anders stellt sich das Verhältniss in _Bontoc_

dar, einem vom Mte. _Data_ ausgehenden und in nördlicher Richtung

streichenden Thal, in welchem der Südwestwind meistens den Regen

bringt; aber doch säen die Eingebornen den Sumpfreis erst viel später

im December, weil hier die eigentlich trockne, die Erndte gestattende

Periode erst sehr spät, nemlich im Mai bis Juli einzutreten pflegt. Die

Zeit vom Juli bis October und November benutzen die Eingebornen

zur Anpflanzung des camote (convolvulus batata). Nur in Butuan in

Mindanao scheint die Vertheilung des Regens eine so günstige zu sein,

dass zwei Erndten stattfinden; die eine Aussaat erfolgt im Januar

und Februar nach Beendigung der Regenzeit (des Nordost-Monsuns),

die andere im August oder September mit Beginn derselben. Dagegen

verhalten sich die _Manobo_'s im Sumpfgebiete des Agusan gerade so,

wie die Bewohner von Bontoc, da sie ihren Bergreis nur einmal im Jahr

und zwar im März mit Beendigung der heftigsten Regenzeit aussäen. Es

mögen diese wenigen Beispiele hier genügen, da sie hinreichend den

Satz feststellen, dass es auf den Philippinen ausschliesslich die

Regenzeit und die im Laufe der Monate fallende Regenmenge ist, welche

die Zeit der Aussaat und der Erndte bestimmen.

Wir gehen zur Beobachtung der _Thierwelt_ über, die wir, wie die

Pflanzen, ebenfalls in einigen besonders auffallenden Beziehungen in

den klimatischen Verhältnissen kennen lernen wollen, wodurch dann

abermals ein Zusammenhang der letzteren mit dem Leben der Bewohner

angedeutet wäre, welchem wir wohl in den nächsten Skizzen wieder

begegnen werden. Theilweise war dieser Gegenstand schon weiter oben

angedeutet, nemlich am Schluss der zweiten Skizze, in welcher wir

sahen, dass der Fang der zahlreichen _Seethiere_, die für den Menschen

wichtig sind als Nahrungsmittel oder Handelsartikel, nicht zu allen

Jahreszeiten geschehen kann. Zur Zeit des Nordost-Monsun's sind die

östlichen steilen, nur an wenigen Stellen tiefe Buchten aufweisenden

Küsten gänzlich allem Verkehr entzogen, und der Fischfang beschränkt

sich auf die wenigen essbaren Arten, welche die Eingeborenen bei

tiefer Ebbe unter den trockengelegten Korallenblöcken finden;

wenn aber dann der Südwest-Monsun die westlichen Meere aufregt und

hier dem Fischfang und der Schifffahrt enge Gränzen zieht, so ist

jetzt an den östlichen Küsten die Zeit des Lebens gekommen. Nun

bevölkern sich hier die Buchten und Strassen zwischen den Inseln

mit Fischerböten oder kleineren Schiffen, welche die Producte des

Landes nach Cebú oder Manila führen; handeltreibende Chinesen bringen

die Manufacturwaaren von China, um sie gegen Gold, Abaca, Reis, den

balate und Kaurischnecken einzutauschen. Zu dem Fang der letzteren

ziehen jetzt zahlreiche kleine meist nur 3-4 Mann enthaltende Bote

aus. Und nun ist auch, wenigstens für den Südosten des Archipels,

die für den christlichen Bewohner gefährlichste Zeit gekommen; denn

jetzt erscheinen die muhamedanischen Piraten in ihren leichten und

60-70 Männer haltenden "panco's", die mit der grössten Verwegenheit

ihre Raubzüge bis nahe an die Hauptstädte der spanischen Provinzen

heran ausdehnen.

Wie bei uns, so zeigen auch auf den Philippinen manche _Thiere des

Landes_ eine Periodicität ihrer Lebenserscheinungen, welche dann

abermals, wie bei den Pflanzen, durch das relative Verhältniss zwischen

Wärme und Feuchtigkeit mehr oder weniger beeinflusst werden. Obgleich

die Mehrzahl der Insecten hier, wie wohl in den meisten aequatorialen

Ländern auch, an keine Jahreszeit [5] so scharf gebunden zu sein scheint,

als dies bei uns in Europa durch die Kälte des Winters geschieht,

so fällt doch gerade die Ausbildung der grössten Individuenzahl in

die Monate Mai bis Juli, in welchen bei zunehmender Feuchtigkeit und

steigender Sonnenwärme die günstigsten Bedingungen für eine massenhafte

Entwicklung derselben gegeben sind. Dann auch haben die Bienen

des Waldes ihre Waben mit süssem Honig gefüllt, der aber statt den

auskriechenden Larven den nach Süssigkeit lüsternen Negern und Malaien

zur Beute fällt. Zu gewissen Zeiten steigen grosse Fischschwärme in die

Mündungen der Flüsse hinauf, die nun auf ihrem Wege von den Malaien

mittels einer Unzahl verschiedener Instrumente zu Millionen gefangen

werden. Schon die ältesten Schriftsteller erwähnen die unglaublichen

Mengen der kleinen kaum fingerlangen Fischchen, die nun in grossen

irdenen Krügen--den tinaja's--eingesalzen werden, um dann mit nächster

Gelegenheit nach Manila übergeführt zu werden; denn nicht in allen

Provinzen soll dieser Fisch gefangen werden, so dass der "bagon"--so

heisst der eingesalzene Fisch--im inneren Handel und Verkehr eine

nicht unbedeutende, aber leider nicht in Zahlen auszudrückende Rolle

spielt. In jeder Beziehung aber eigenthümlich und charakteristisch für

die grosse Verschiedenheit der klimatischen Verhältnisse von _Luzon_

und _Mindanao_, ist ein Fisch des süssen Wassers, welcher über den

ganzen hinterindischen Archipel und Indien selbst verbreitet ist. Es

ist die Gattung _Ophiocephalus_ [6], welche jener eigenthümlichen

Gruppe von Fischen angehört, die durch besondere Wasserreservoire an

den Seiten des Kopfes ausgezeichnet sind, so dass sie auf ihren Zügen

über Land oder beim Erklettern der Palmenbäume auf lange Zeit Wasser

genug zur Befeuchtung ihrer Kiemen und damit zu ihrer Athmung bei sich

führen können. Es ist die Zahl dieser Labyrinthfische eine ziemlich

grosse; aber es sind fast ausschliesslich die Arten der genannten

Gattung, welche als beliebte Speise von den Eingebornen zu Tausenden

gefangen und verzehrt werden. Ihr Fang nun wird in Luzon ganz anders

betrieben, als in Mindanao. Während der trocknen Jahreszeit versiegen

auf Luzon zahlreiche kleinere Bäche, und die Sümpfe und Reisfelder

trocknen aus, in denen jene Fische lebten.--Diese ziehen sich in die

wenigen Seen zurück, aber zum grössten Theile wohl bohren sie sich

tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie nun bis zum Anfang der

nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen

die Nachstellungen der Menschen geschützt, im Winterschlaf versunken

zubringen. Thatsache ist es, dass während dieser Zeit nur sehr geringe

Mengen des "dalag"--so heisst dieser Fisch auf den Philippinen--auf

den Markt von Manila kommen. Wenn aber dann nach den ersten heftigen

Regentagen im Monat Mai die harte Erde sich zu erweichen beginnt,

und der Regen die Reisfelder wieder mit frischem Wasser zu füllen

anfängt, so brechen jetzt die im Schlamme vorsteckten Fische hervor

und tummeln sich in grosser Menge in den Pfützen und auf den nassen

Feldern im Schlamme umher. Dann auch scheint die Zeit des Laichens

und des Auskriechens der Jungen gekommen zu sein, denn zahllose

Mengen werden nun von den Fischern oder den Landbauern, welche ihre

Reisfelder bestellen wollen, gefangen und zu Markte gebracht. Letztere

schlagen die Fische einfach mit Knitteln todt; denn ihre Zahl in den

Reisfeldern ist so gross, und das Wasser so seicht, dass die Bewohner

hier, statt sie mit Netzen zu fangen, nur auf's Geradewohl in den

Sumpf hineinzuschlagen brauchen. Es gibt eine tagalische Redensart,

etwa unserem "blind darauf losschlagen" zu vergleichen, die von diesem

eigenthümlichen Fang des dalag hergenommen ist (magpapalo maudin naun

dalag d. h. schlagen wie auf einen dalag). Es ist vor Allem die grosse

Centralebene Luzon's, in welcher alljährlich Hunderttausende auf

solche Weise gefangen werden. Ganz anders wird der Fang in Mindanao

im Sumpfgebiet des Agusan betrieben. Die Zahl der in diesem Gebiete

lebenden Christen ist eine sehr geringe; die ziemlich zahlreichen

Manobo's und Mandayas haben ihre Wohnsitze rund um das Sumpfgebiet

herum und treiben keine eigentliche Felderwirthschaft, wie es die

christlichen Bewohner thun. Sie bauen immer nur in trocknen Gegenden

den Bergreis. So kommt es, dass jetzt wenigstens [7] die ausgedehnten

bei den Ueberschwemmungen des Agusan unter Wasser gesetzten Flächen

nach allen Richtungen hin von Canälen durchschnitten und weder durch

Dämme eingeschlossen, noch überhaupt durch den regulirten Lauf der

Flüsse, wie in Luzon, bestimmt abgegränzt sind. Den Fischen bleibt

also, wenn mit Eintreten der trocknen Jahreszeit die Wasser zu sinken

beginnen, der Ausweg in die Flüsse und die grösseren Teiche oder Seen

nach allen Seiten hin offen. Aber auch so können sie den Nachstellungen

der Menschen nicht entgehen. Denn nun ziehen die Heiden hinunter in das

Sumpfgebiet und bauen sich hier zeitweilig ihre elenden Hütten auf,

um in den Winkeln der Flüsse zahlreiche Fischreusen oder grosse gegen

den Strom gerichtete Netze aufzustellen, in welchen dann die mit der

Strömung immer tiefer hinab ziehenden Fische gefangen werden. Leider

kam ich im Jahre 1864 zu spät--da mein ursprünglicher Reiseplan durch

ungünstige Momente gänzlich verändert wurde--, um noch das nach den

Schilderungen der Eingebornen äusserst interessante Leben der mit dem

Fang des dalag beschäftigten Manobo's beobachten zu können. Nur ein

schon halbverfallenes, aus den elendesten Hütten auf Pfählen rasch

aufgeschlagenes Dorf sah ich noch. Eine Frau mit einigen kleinen

Kindern war beschäftigt, die letzten noch vor einigen Tagen gefangenen

Fische über dem Feuer zu dörren.

Indem wir so überall im Leben der Thiere wie der Pflanzen den

entscheidenden Einfluss der umgebenden Natur, vor Allem der

klimatischen Verhältnisse in ihrer grossen Mannichfaltigkeit kennen

lernten, so wurden wir durch sie auch schon auf die Einwirkung mehr

oder weniger deutlich hingewiesen, welche das Klima und der Boden,

die Pflanzen und Thiere in ihrem periodischen Auftreten auch auf

den Menschen haben mussten. Wir wollen in den nächsten Skizzen

sehen, ob und wie sich der philippinische Mensch allmälig in seiner

geschichtlichen Entwicklung von den Fesseln, welche ihm die Natur

geschlagen, zu befreien vermocht hat.

Die Philippinen und ihre Bewohner Sechs Skizzen · 第 9 / 28 题