II.

Die Riffe und das Leben im Meere.

Tief und senkrecht aus dem Meere heraus bauen die Polypen ihre Häuser

von Stein, und erst, indem sie durch eigne oder durch unterirdische

Kräfte gehoben, bis nahe an die Oberfläche des Meeres gelangen,

bildet sich das Riff aus. Die Brandung reisst an der senkrechten

Wand Korallentrümmer ab, die bei niedrigem Wasserstande über den Rand

des sich an die Küste anlehnenden Walles von Korallen hinaufgeworfen

werden; solche abgestorbene Trümmer vereinigen sich miteinander durch

Sand, und allmählig erhöht sich so der Rand des Riffes selbst über

die höchste Fluthlinie. Nun bezeichnet eine beständige Linie weisser

schäumender Wellen, sogenannter "Brecher", den Rand des Aussenriffes,

welches sich bald eng an die Küsten anschmiegt und mit völliger Treue

die Umrisse des Landes wiederholt, bald auch auf untermeerischen Rücken

fortlaufend weit in den Ocean vorspringende Riffzungen bildet. Solche

austretende Riffe finden sich vorzüglich an den Küsten, welche dem

offenen Meere zugewandt sind; denn hier hat die constante Wirkung der

herrschenden Winde und Meeresströmungen gar häufig Stücke des Landes

abgelöst und zerstört, deren untermeerische Grundfelsen dann den

günstigen Boden zur Ausbildung der Korallenriffe boten. Anders bilden

sich Riffe aus in stillen Buchten und in den engen Strassen zwischen

den Inseln. Die bald constanten, bald sehr wechselnden Strömungen der

Luft; die durch Ebbe und Fluth hervorgerufenen und die partiellen vom

nordpacifischen Aequatorialstrom abgeleiteten Ströme, wie sie zu den

Strassen von Surigao und S. Bernardino hereindringen; die wechselnde

Höhe der Fluth und der Sturmfluthen; Gestalt und geognostische

Beschaffenheit der Küsten; chemische Constitution des Meerwassers und

mechanisch beigemengte Sandtheilchen;--alle diese sind in Verbindung

mit der säcularen Hebung der Inseln eben so viele Einflüsse, denen

der zarte Organismus der Korallen gehorchen muss [1] und denen das von

diesen aufgeführte Gebäude, das Riff, seine Form verdankt. Ehe wir

uns aber diese in einem Beispiele etwas näher ansehen, wollen wir

die Thiere bei ihrem nie unterbrochenen Baue beobachten.

Eine weiche Larve der Meeresoberfläche senkt sich auf den tiefen

Boden des Meeres nieder. Wie die Schnecke ihr Haus absondert, so

bildet sich der werdende Polyp das seinige, nachdem er zuvor sich

mit festem kalkigem Fusse auf dem Felsen angesetzt hat. Rasch in die

Höhe strebend, treibt er nun wie der Baum seine Aeste und Zweige,

Knospen, die sich zu neuen Polypen entwickeln und während der Urahne

weiter und weiter wächst, haben zahlreiche Generationen ihn von allen

Seiten umschlungen. So entsteht der Korallenstock, der in seiner

Form die ihm innewohnende allseitig sich ausbreitende Kraft des

Baumes offenbart, theils aber auch, wie dieser nur kurze Zweige an

der Windseite entwickelt und dem Sturmwinde durch Neigen zu entgehen

sucht, in der Richtung seines Wachsthumes und der vollendeten Gestalt

des Gebäudes die mannigfaltigen hindernden Einflüsse des Meeres zu

erkennen gibt. Wo an allseitig geschützten Stellen--so im Innern

vieler Atolle--keine Strömungen des Meeres störend einwirken und

der Wogenschlag keine Trümmer aufwirft, da wachsen die einzelnen

Korallen nach allen Richtungen hin gleichmässig weiter und bilden

so allseitig abgerundete Knollen. Wenn dann die sanft gebogene

Oberfläche des Riffes bei tiefer Ebbe dem Einfluss der Luft oder

gar des herabströmenden Regens ausgesetzt wird, so sterben die

oberflächlichsten Korallenthiere ab, ihre Häuser werden zerstört und es

verflacht sich allmälig die Oberfläche, auf der sich nun Korallensand

und in ihm allerlei grabende Thiere ansiedeln. Nun stürzt ein Theil

der Insel ein, welcher sich jene bunt durcheinander wachsenden Knollen

anlegten. Ein Meeresarm hat sich Bahn gebrochen und schwemmt nun in

raschem Laufe alle die Korallentrümmer fort, welche vorher an Ort und

Stelle liegen blieben; der mächtige Strom setzt den übrigbleibenden

lebenden Korallen unüberwindliche Schranken. Die mechanische Gewalt

desselben und die Intensität des Wachsthumes der einzelnen Knollen

setzen sich in Gleichgewicht. Ein treffliches Beispiel hierzu liefert

ein kleiner Krebs [2], ein Schmarotzer, der sich zwischen den Aesten

verschiedener Korallen ansiedelt. Seine Krallen reizen die Polypen zu

unregelmässigem Wachsthum; es bilden sich Auswüchse von zwei Seiten

her, die allmälig zu Gallen umgeformt jenen Eindringling umwachsen

und ihn gänzlich einschliessen. Fort und fort wachsen die Polypen,

bis endlich der Strom, welchen der unfreiwillige Einsiedler mit seinen

strudelnden Füssen nach bestimmter Richtung hin erregt, so stark

wird, dass er dem Wachsthum der Koralle Halt gebietet. In solchen

Gallen erkennt man immer zwei sich ziemlich genau gegenüberstehende

feine Spalten. So verhindert der Strom im Meeresarme das seitliche

Ausbreiten der Korallen, die nun alle ihre Triebkraft senkrecht nach

oben wenden, und es entstehen bald mehr bald weniger schroffe Abstürze

der Korallenwandung, je nachdem der seitlich vorbeifliessende Strom

stärker oder schwächer war. Nur da, wo wie im Kanal von Basilan der

Strom immer nach derselben Richtung mit grosser Stärke geht, wachsen

die Korallen absolut senkrecht in die Höhe. Hier aber kommen ganz

eigenthümliche Verhältnisse in's Spiel. Während in der nahe gelegenen

Strasse von Zamboanga die Strömung wechselt mit den Monsunen und

der Ebbe und Fluth, liegt der Kanal von Basilan so eigenthümlich,

dass der östliche Strom wohl durchtreten kann, der westliche dagegen

in einen östlichen verwandelt wird. Wo aber die Strömungen wechseln,

wie in allen weiteren Kanälen, da hebt sich die hindernde Wirkung

derselben theilweise auf und so entstehen hier senkrechte Wandungen der

Korallenstöcke nur dann, wenn bei hinreichender Stärke die wechselnden

Strömungen keinen Winkel miteinander machen. Ungehindert nach allen

Seiten breiten sich die Korallenstöcke in jenen Dreiecken aus, welche

durch das Aufeinandertreffen zweier Ströme oder durch die im Anprall

gegen eine Insel bewirkte Theilung eines einfachen Stromes gebildet

werden, und in denen mannigfach abgelenkte, in ihrer Richtung gänzlich

unbestimmbare und schwache Strömungen entstehen. Aus dem Innern des

Landes durch die Flüsse und Bäche herabgeführter Schlamm wird den

einzelnen Korallenstöcken ebenso verderblich, wie das reinste süsse

Wasser eines Bergstromes. Wo mächtig anschlagende Wogen immer in

gleicher Weise senkrecht gegen die Richtung des Landes, dem sich

die Riffe anschmiegen, einwirken, da entsteht dicht am Ufer ein

hochgethürmter Aussenwall des Riffes; aber von ihm ab gegen die Höhe

des Oceans zu vertieft sich das Riff ganz allmälig, bis es endlich

langsam und ohne schroffen Abfall in die Tiefe verschwindet.

Ein specielles Beispiel soll die schon angedeuteten Wirkungsweisen

verschiedener Momente, namentlich aber der Strömungen, näher erläutern.

Von ziemlich compacter Gestalt, mit nur geringer Küstenentwickelung

liegt die Insel _Bohol_ (siehe Karte II) so zwischen Cebú, Leyte

und Mindanao eingekeilt, dass sie den von Norden kommenden Kanal

zwischen Leyte und Cebú in 2 Arme theilt, denen sie ihre westliche

und östliche Seite zuwendet, während die südliche und südöstliche

von der Nordküste Mindanao's durch einen sehr viel breiteren Kanal

getrennt ist. In diesem letzteren verbinden sich die Strömungen,

welche aus den Strassen von Surigao mit einer Geschwindigkeit von

4-6 Seemeilen in der Stunde herauskommen mit den weniger starken

zwischen Leyte und Bohol. Je nach Ebbe und Fluth wechseln diese

Strömungen in entgegengesetzter Richtung ab, oder wirken mit

wechselnder Stärke, aber dann immer in gleicher Richtung, wenn der

Nordost- oder Südwest-Monsun ihre volle Kraft erreicht haben. So

treten die Meeresströme--gegen welche mitunter sogar die spanischen

Regierungsdampfer der Marine vergebens ankämpfen--tangirend nahe an

die östliche und südliche Küste Bohols heran, an welchen demzufolge

nur eine sehr geringe Breitenausdehnung des bei Ebbe trocken gelegten

Riffes zu bemerken ist. Aber in wenigen Schiffslängen Entfernung vom

Rande des Riffes schon findet das Senkblei erst Grund in mehr als

100 Faden Tiefe--ein Beweis des jähen Absturzes der Korallenwand,

wie er hier nach Richtung und Stärke des Stromes wohl zu erwarten

war. Das Südwestmeer der Insel wird durch die von ihr nur durch einen

Seichtwasserkanal getrennte Insel _Panglao_ bezeichnet, welche aus

gehobenem Korallenkalk besteht. Sie ist langgestreckt und liegt in

dem Winkel zwischen dem östlichen Strome des Südrandes von Bohol und

dem von Norden herkommenden Strom des Canals zwischen Cebú und Bohol,

und als eine in demselben Winkel liegende untermeerische Fortsetzung

derselben findet sich hier ein weit vortretendes, mit seinem breiten

Aussenrande bei tiefer Ebbe gänzlich trocken gelegtes Riff. Von der

südwestlichen Spitze desselben durch einen schmalen Canal getrennt,

liegt eine sehr kleine ringsum von Riffen umgebene Insel, abgerissen

offenbar durch die hier schon stark wirkenden fressenden Ströme des

Meeres. Das Keilriff der Insel Panglao hat im Osten wie Westen,

den beiden Wetterseiten einen etwas erhöhten Rand, und mitten in

der bis zu 4 Faden Tiefe ausgehöhlten innern Fläche mehrere aus Sand

und Korallentrümmern bestehende Inseln. An der Westküste Bohols wird

das zuerst wegen des nahe herantretenden Stromes sehr schmale Riff

allmälig gegen Norden hin breiter und nimmt endlich an der Nordküste

der Insel ganz den Character eines Barrenriffes an. Parallel der Küste

gestreckte, bei tiefer Ebbe fast gänzlich trocken gelegte Riffe ziehen

sich in meilenweiter Ausdehnung hin, und sind von der Insel selbst

durch einen bis zu 10 Faden tiefen Canal getrennt, welcher nach Westen

in den sehr tiefen Canal zwischen Cebú und Bohol, nach Osten hin in

den zwischen Bohol und Leyte liegenden Meeresarm übergeht. Zahlreiche

meist sehr niedrige, nur von Pandanusgebüschen oder Mangrovehainen

bewachsene Inseln machen die Schifffahrt in den Canälen innerhalb

des Riffes gefährlich und mühselig. Dieses ganze Labyrinth von Inseln

und Canälen und Riffen liegt aber, wie ein Blick auf die Karte lehrt,

abermals in einem vergleichsweise stillen Dreieck zwischen den beiden

Strömen, in welche sich der einfache Strom des Canals zwischen Leyte

und Cebú bei seinem Anprall gegen die Insel Bohol theilen musste. So

sehen wir hier im Grossen sich ganz dasselbe wiederholen, was wir im

Kleinen an den Wachsthumserscheinungen der einzelnen Korallenstücke

bemerkten. Ueberall wo Wirbel oder gänzlich stille Flecken im Meere

gefunden werden, lösen sich das Riff und die auf ihm entstehenden

Inseln in eine grosse Menge verschieden gebildeter Inselchen auf,

ganz wie unter ähnlichen Verhältnissen die einzelnen Korallenknollen

sich zu keiner zusammenhängenden Masse, zu keinem eigentlichen Riffe

verbinden. Wo aber constante Strömungen in immer gleicher Richtung

auf ein Riff oder einen einzelnen Korallenstock treffen, da deutet

die Form beider das Gleichgewicht der entgegenwirkenden Kräfte an.

So sind sämmtliche Inseln der Philippinen von einem Kranz von

Korallen umsäumt, welche sich bald an das Ufer anlehnen, ohne

ein eigentliches durch den aufgeworfenen Aussenrand bezeichnetes

Riff zu bilden, bald aber zu echten Riffen werden, die nun als

Küstenriffe oder als Barrenriffe--letzteres allerdings in den

seltensten Fällen--die zahllosen Meeresarme zwischen den Inseln

noch mehr einengen. Zwischen ihren Aesten siedeln sich eine Unzahl

von Thierchen an; auf den abgestorbenen Flächen der gehobenen Riffe

oder im Sande der tieferen Canäle liegen die kostbaren Perlenmuscheln

und die essbaren Holothurien; am Ufer der sandigen Inseln der Riffe

legt die Karettschildkröte ihre Eier ab und auf den von Seepflanzen

dicht bewachsenen schlammigen und versandeten Riffen grast nächtlich

der Dujong, während sich in den Canälen derselben, wie im hohen

Meere zahllose essbare Fische tummeln. Ueberall bietet sich dem

küstenbewohnenden Malaien eine reiche und leichte Erndte in der

Ausbeutung der werthvollen Producte des tropischen Meeres.

Die _Holothurien_ [3] oder der im Handel so genannte _Trepang_,

_balate_, gehören jener bekannten Gruppe von Lebensmitteln an, welche

wie die essbaren Vogelnester und die Haifischflossen ausschliesslich

von den üppig lebenden Chinesen genossen werden. Für den Zoologen

aber vereinigen sie sich durch ihre gesammte Organisation mit den

wohlbekannten Seesternen und Seeigeln zu dem Kreise der Echinodermen

oder Stachelhäuter. Wie sie im Bau ihrer Organe eine wunderbare

Vollkommenheit und Mannichfaltigkeit zeigen, so sind sie auch in ihren

Sitten und Gebräuchen durch zahlreiche auffallende Eigenthümlichkeiten

ausgezeichnet. Hier zerfliesst eine Holothurie in wenig Minuten

in formlosen Schleim, wenn man sie der Luft aussetzt; ja nur ein

leiser Windhauch, der sie berührte, macht es dem Malaien unmöglich,

sie durch Kochen so zu erhärten, dass sie nachher der trocknenden

Sonnenwärme ausgesetzt werden kann. Mit dem Seewasser muss sie gleich

in der grossen Kochschale aus dem Meer gehoben werden, wenn sie nicht

ein Lüftchen in Schleim verwandeln soll. Fasst man diese Thiere an,

so vergehen sie unter den Händen. Andere Formen zeigen Eigenschaften,

um die sie mancher Mensch beneiden möchte. Die Synapta ärgert der

hintere Theil ihres Körpers; so wirft sie denselben von sich und

lebt auch ohne ihn ruhig weiter, oder bildet ihn in kurzer Zeit neu

wieder aus. Eine andere Holothurie vereinigt alle Specialitäten

des ärztlichen Standes in sich. Eine selbst gemachte Wunde ihrer

Haut heilt sie in wenig Stunden, ohne eine Nath anzulegen; ihre

krankhaften Organe stösst sie von sich ab und macht sich in wenig

Tagen vollständig neue; wenn sie keine Lungen mehr zum Athmen hat,

so athmet sie das Wasser in die Leibeshöhle ein.

Wie oft habe ich nicht auf meinen Reisen diese Thiere beneidet. Wenn

ich unter den Wilden nur Wurzeln und Krebse zu essen fand, oder ein

schlecht besetzter Mittagstisch eines Wirthshauses mir alle Freude am

Genusse verdarb, so musste ich jedesmal an meine Holothurien denken,

die gefangen in kleinen Schalen mit reinem Seewasser, ohne ihre

beliebte Speise, den Korallensand, bald ihren Darmcanal mit Lungen

und allen andern Organen, die daran hingen, zum After hinausstiessen,

da sie ja unter den Umständen nicht mehr nöthig waren. Liess ich

dann diese Thiere nur lange genug leben,--etwa mindestens 9 Tage--so

hatten sie sich unterdessen ganz neue Gedärme gemacht und Lungen, mit

denen sie das reine Seewasser ebenso ruhig frassen und einathmeten,

als früher den Sand und das weniger reine Wasser. Wie oft hört man

nicht einen Menschen im Zorne ausrufen: Möchte ich doch aus der

Haut fahren! Was aber Euch nicht gelingt, das macht Euch eine andre

Holothurie in wenig Minuten vor, wenn Ihr sie mit Nadeln und Messern

zu quälen anfangt. Sie dreht und windet sich nach allen Richtungen

und schleudert ihren Körper hin und her, wie es mitunter die Blutegel

thun, hie und da reisst die Haut ein, und bald seht Ihr statt des mit

Warzen und Knoten besetzten kantigen Körpers einen rundlichen Sack

vor Euch liegen, der die völlig unversehrten Eingeweide enthält. Die

daneben liegende geborstene Haut löst sich bald in Schleim auf.

Mannichfaltig gestaltete Arten derjenigen Gruppe, welche im System

als Aspidochirotae aufgeführt werden, dienen zur Bereitung des

Trepang. Mehrfach gedämpft und zuerst mit Seewasser, dann mit süssem

Wasser gekocht, nachher lange Zeit an der Sonne oder im Rauch über

Feuer getrocknet,--so kommen diese nun schwärzlich und geschrumpft

aussehenden Thiere in verschiedenen Sorten in den Handel. Da dieser

in Manila wenigstens ausschliesslich in den Händen von Chinesen

liegt, so sind nur schwer sichere Angaben über den durch den Trepang

hervorgebrachten Werthumsatz zu erhalten. Ueber einige der letzten

Jahre liegen mir Angaben vor. Im Jahr 1864 wurden 2089 Picul (zu

130 Pfd.), 1865 dagegen 3920 Picul ausgeführt. Der Werth derselben

schwankte 1866 zwischen 23-60 Thlr. per Picul.

Den kopflosen Weichthieren gehören einige andere commerciell wichtige

Thiere an, nemlich die echte Meeresperlenmuschel (_Meleagrina

margaritifera L._) und die Temblegam-Perlenmuschel (_Placuna placenta

L._). Beide sind auf den Philippinen weniger wegen der in ihnen

erzeugten Perlen, als wegen ihrer Schalen selbst wichtig. Die grossen

Schalen der Meleagrina zeigen auf ihrer inneren glänzenden Fläche,

sowohl an der Ansatzstelle des Schliessmuskels, wie an der übrigen dem

Mantel sich anlegenden Fläche, gar häufig unregelmässige aber schön

glänzende Tröpfchen von Perlmuttersubstanz, welche abgeschnitten als

Halbperlen verwandt werden. Viel weniger häufig sind aber die echten

völlig glatten und freien Perlen, die sogenannten "Wasserperlen"

(perlas de agua), welche nur zwischen den Schichten der Mantelblätter

erzeugt werden und in fadenartigen Verlängerungen derselben hängen,

wie in einem Sacke. Hunderte von Schalen können vom Grunde der tiefen

Canäle heraufgeholt worden, ehe eine einzige solche Wasserperle von

erheblichem Werthe die unsägliche Mühe des Tauchers belohnt. Es wird

der Perlenfang hauptsächlich nur noch im Meere um die Sulu-lnseln,

um Palawan und Mindanao herum betrieben und zwar von Sclaven, welche

die muhamedanischen Fürsten im Süden der Philippinen auf ihren

alljährlich sich wiederholenden Menschenjagden einfangen. So finden

sich auf den zum Perlenfang ausgesandten Böten katholische Christen

von Luzon und den übrigen philippinischen Inseln neben heidnischen

Bewohnern von Celebes, Gilolo und den Dajak's von Borneo auf derselben

Bank gebunden, dem blutigen und lebensgefährlichen Geschäft des

Tauchens zum Opfer. In immer grössere Tiefen ziehen sich die grossen

Perlmuscheln--denn nur diese geben Hoffnung auf gute Beute--zurück,

so dass in den Meeren um Sulú herum die Taucher bereits bis auf 15

und selbst mehr Faden Tiefe zu tauchen haben. Der heftige Druck der

grossen Wassermasse treibt dem Taucher, während er mit einem Messer

rasch die festsitzenden Muscheln abzuschneiden sucht, das Blut aus

Ohren, Nasen und Augen. Mit zerschnittenen Händen und Fingern, mit

blutendem Gesichte kommen diese Unseligen an die Oberfläche, und

empfangen als Belohnung für die kostbare Perle, die sie dem Meere

entrissen, nur kärgliche elende Nahrung; oft auch ist gänzliche

Taubheit, ja selbst ein rascher plötzlicher Tod ihr Lohn. Fast sind

sie dann glücklich zu schätzen. Denn die gewaltige Anstrengung des

raschen Tauchens zerstört langsam, aber sicher auch die kräftigste

Brust, bis sie endlich nach langdauernden Leiden der langsame Tod

dem grausigen Geschäfte entreisst. Tausende von Blutstropfen hängen

so an jeder Perle, welche das Ohrgehänge oder die Brustnadel unserer

Schönen zieren.

Auch der Handel mit Perlen ist in Manila gänzlich in Händen der

Chinesen, sodass sich auch hier keine sicheren Angaben über den Werth

der jährlich nach China gesandten Perlenmengen machen lassen. Dagegen

findet sich die Schale der Meleagrina als sogenannte "concha nacar" in

allen Exporttabellen aufgeführt. Das Jahr 1867 hat mit 3095 Picul die

grösste je ausgeführte Menge von Perlmutterschalen aufzuweisen. 1865

betrug der Preis per Picul 19 Dollar (57 Gulden) und durchschnittlich

sollen ungefähr 30 einfache Schalen auf ein Picul gehen.

Die zweite Muschel (Placuna placenta) [4] wird hier nie, wie in Ceylon,

der kleinen oft in ihr gebildeten Perlen wegen gesucht. Sie lebt im

Schlamme am Ausgange der Flüsse mit anderen Thieren des brakigen

Wassers, ohne Befestigung und in grossen Mengen beisammen. Es

ist bekannt, dass aus den flachen und dünnen sehr durchscheinenden

Schalen viereckige Scheiben geschnitten werden, welche in China, auf

den Philippinen und den Inseln des hinterindischen Ocean's statt der

Glasscheiben in die Fensterrahmen eingesetzt werden. Gegenüber dem

Glase haben sie jedenfalls den in den lichthellen tropischen Ländern

hoch zu schätzenden Vortheil, dass sie das directe Sonnenlicht fast

ganz ausschliessen, das diffuse Tageslicht dagegen mit hinreichender

Intensität durchlassen. Ueber die Masse und den Werth der etwa

ausgeführten Schalen dieser Muschel fehlen alle statistischen Angaben.

Eine ganz kurze Erwähnung nur verdienen die hier in Manila "_Sigay_"

genannten _Kaurischnecken_, Arten der Gattung _Cypraea_. Sie finden

sich wie überall in den tropisch östlichen Meeren, so auch auf den

Riffen der Philippinen und werden alljährlich in grossen Quantitäten

ausgeführt. Da aber der Werth derselben neuerdings sehr gesunken

ist--man bezahlt jetzt in Manila etwas mehr als einen Thaler für das

Picul--so ist der Werth des Umsatzes von jährlich etwa 1500 Picul ein

sehr geringer. Ebensowenig beansprucht die Ausfuhr des _Schildpatts_

bedeutendes Interesse; denn trotz des ziemlich hohen Preises, der

auch jetzt noch für das Picul Schildpatt--von den Spaniern _carey_

genannt--, nemlich 4-500 Dollars, bezahlt wird, beträgt der ganze

Umsatz im Mittel kaum 15000 Gulden, da selbst in den günstigsten

Jahren nicht mehr als 20 Picul ausgeführt werden.

Dagegen ist der _Dujong_ (Halicore Dugong L.) ein Thier, welches in

mehr als einer Beziehung interessant ist, da es sich in eigenthümlicher

Weise mit der Geschichte des Trepanghandels auf den Philippinen

verknüpft. Als im Anfang dieses Jahrhunderts einige Spanier von

Manila nach den westlichsten Inseln der Carolinen, den Pelew-Inseln

oder den Islas Palaos, gingen, um hier für Tabak, Eisenwaaren und

baumwollene Tücher den Trepang einzuhandeln, erkannten sie in einem

Armband, [5] welches das Handgelenk der Fürsten des Landes zierte,

den ersten Halswirbel des ihnen sehr gut bekannten und auf den

Philippinen wegen seines wohlschmeckenden Fleisches häufig gejagten

"pez mulier" [6] wieder. Sie nahmen den hohen Werth desselben wahr und

wussten sich während der nachfolgenden Jahre auf den Philippinen

mit einer tüchtigen Ladung solcher Wirbel zu versehen, die den

glücklichen Speculanten denn auch rasch eine volle Schiffsladung

fast umsonst verschafften. Aber der Dujong ist sehr schwer zu jagen,

und seine Menge, wie es scheint, nicht beträchtlich. Er zog sich

nach den am schwersten zugänglichen Schlupfwinkeln an den Ostküsten

des Archipels zurück, so dass sich bald die auf Trepang fahrenden

Mestizen und Spanier von Manila wieder genöthigt sahen, sich der

europäischen Waaren zu ihrem Tauschhandel zu bedienen. Nie wieder

sind solche Geschäfte in diesem Handelszweige gemacht worden, wie

in der kurzen Periode jenes Handels mit dem Atlas des Dujong. Er

giebt uns auch ein Beispiel, wie leicht der Mensch geneigt ist,

seiner Eitelkeit schmerzliche Opfer zu bringen. Obgleich derselbe

selbst im Verkehr der Bewohner untereinander Geldwerth besitzt,

so hat er doch auch den wirklichen Werth eines nationalen Ordens;

denn nur den ausgezeichneten Männern des Landes kann er vom König oder

dem Fürstencongress zuertheilt, aber auch entzogen werden. Es ist ein

Fest, wenn einem Vornehmen des Landes ein solches zuerkannt wird. Aber

die Anlage des Ordens selbst ist eine schmerzhafte Operation. Das

allerdings durch Abfeilen der Kanten und Vorsprünge etwas erweiterte

Loch, durch welches das Rückenmark hindurchtritt, ist so eng, dass

selbst die zarten und in ihren Gelenken so ausnehmend biegsamen

Hände der Eingebornen nicht ohne grosse Mühe hindurchkommen. Die

Finger des Beglückten werden fest zusammengebunden, so dass sich die

Breite des gebogenen Handrückens möglichst vermindert, und dann wird

die Hand durch den Wirbel hindurchgezwängt, indem einige Männer an

dem Taue, welches die Finger hält, aus Leibeskräften ziehen, während

Andere von entgegengesetzter Seite her den Wirbel und den Decorirten

festhalten. Oft sieht man die Vornehmen des Landes mit Stolz die Hand

zeigen, von welcher sie bei solcher Standeserhöhung einen Finger,

meistens den Daumen, durch die Operation des Durchziehens verloren

haben. Bei uns Europäern möchte ein solcher Orden, der nie ohne

grosse Schmerzen angelegt werden kann, wohl als ein Mittel gegen die

zu grosse Zahl der Ehrendiener angewandt werden können.

Die vergleichsweise grosse Wichtigkeit der genannten Thiere, welche

wesentlich auf den Korallenriffen und durch sie leben, lässt sich

kurz in einigen Zahlen ausdrücken.--Es erreichte der Export der

4 wichtigeren Artikel im Jahre 1864 die Summe von 97,683 Dollars,

1865 die viel grössere von 135,295 Dollars. Für die einzelnen Artikel

stellt sich das Verhältniss so:

| Perlmutter- | Schildpatt. | Kauris. | Trepang. | Summa.

| schalen. | | | |

| | | | |

1864 | 52,972 | 931 | 2000 | 41,780 | 97,683 D.

1865 | 47,215 | 3172 | 1792 | 78,400 | 135,295 D.

Man sieht, dass der so bedeutend höhere Export im Jahre 1865

hauptsächlich durch die Zunahme des Trepanghandels bewirkt wurde.

Wenn man nun bedenkt, dass der bedürfnisslose Bewohner tropischer

Gegenden kaum mehr arbeitet, als gerade für die Beschaffung seiner

unentbehrlichsten Lebensbedürfnisse nothwendig ist; wenn man erwägt,

wie gering die Kosten eines solchen einfachen Lebens sind inmitten der

überreichen primitiven Nahrungsmittel solcher Länder; so bevölkert der

aus obigen Thatsachen rückschliessende Blick die Meere und Strassen

zwischen jenen Inseln mit einer grossen Menge kleinerer und grösserer

Fahrzeuge, welche alle bei dem Fang und Transport der genannten Thiere

beschäftigt sind. Hier ziehen bei tiefer Ebbe Schaaren kleiner offener

Böte an den Rändern der Riffe entlang und holen die grossen Holothurien

aus der Tiefe durch Tauchen oder allerlei Instrumente empor; dort

treiben die Aufseher des Sultans von Sulú die im grossen halbgedeckten

Boot (Panco) dichtstehenden Sclaven zum Tauchen nach den kostbaren

Perlenmuscheln im tiefen Meeresgrunde an; Kinder und Frauen sammeln

ausser Muscheln und anderen Seethieren für ihr bescheidenes Mittagsmahl

die Kauris und auf den Fischfang bei Nacht ausziehende Männer kehren

heim mit einer grossen Schildkröte beladen, die sie im Sande einer

Insel beim Eierlegen überraschten. Hunderte von kleinen gedeckten

Schiffen bringen die gesammelten und von einem Zwischenhändler,

meistens Chinesen, aufgekauften Gegenstände in kleineren Parthien in

die wenigen dem transatlantischen Verkehr freistehenden Häfen ein. Aber

noch grösseren Einfluss auf die Belebtheit der philippinischen Meere

haben die Fische, welche der täglichen Nahrung geopfert werden; denn

sie bilden neben Reis die hauptsächlichste Nahrung der Bewohner. Die

grosse Mehrzahl der philippinischen Dörfer und Städte liegen hart am

Meere. Da ziehen dann bei tiefer Ebbe sämmtliche Bewohner hinaus auf

die Riffe, harpuniren hier einen Meeraal, dort betäuben sie durch

giftige Wurzeln alle Fische, welche sich in dem Wasser unter einem

grossen Korallenblock verborgen haben und werfen dann alle Arten mit

Ausnahme einiger weniger giftiger Sorten in ihren Korb. Häufig ziehen

Nachts ganze Schaaren von Böten mit brennenden Fackeln am Rande der

Riffe entlang, um die durch den Glanz des Feuers angelockten grossen

Fische zu harpuniren. Diese Sitte des Fischfangens bei Licht hat

vielleicht zu einem sonderbaren Irrthum Anlass gegeben. Die Insel

Siquijor, südlich von Bohol gelegen, wurde schon auf den älteren

Karten Isla de Fuegos genannt, weil die Spanier an ihr in einer

Nacht vorüberfuhren, in welcher sämmtliche Bewohner gerade mit dem

Fischfang bei Fackellicht beschäftigt waren. Dieser Name wurde dann,

ich weiss nicht von wem zuerst, auf einen Vulcan bezogen, der dort

sein sollte. In der That aber hatte Niemand einen solchen je gesehen,

nirgends findet sich eine Angabe über einen früheren Ausbruch auf

dieser Insel und die Priester, welche sie aus eigner Anschauung

kennen, versichern einstimmig, dass keine Spur eines Vulcanes dort

in heissen Quellen oder in der Form der Berge zu finden sei. Auch auf

Darwin's Karte findet sich Siquijor als Vulcan angegeben. Ich selbst

habe auf meinen Fahrten zwischen den bisayischen Inseln gar häufig

jene romantische Art des Fischfanges beobachtet.--Nur in der Nähe der

grösseren Städte, wie in Manila, Yloilo, Cebú und anderen mehr bildet

sich ein eigentliches Fischergewerbe aus. Während sonst jeder Bewohner

sowohl Seemann wie Landbauer ist und zunächst nur an die Befriedigung

seiner eignen Bedürfnisse und derjenigen seiner Verwandten denkt,

so dass er heute Fische fängt und morgen seine Kleider flickt, bald

die Wildschweine, Rehe und Büffel jagt oder seinen Acker bestellt,

den Bienen im Walde den süssen Honig abjagt, oder sein jüngstes Kind

in den Armen schaukelt, kurz alle Geschäfte des menschlichen Lebens

der Reihe nach durchmacht; haben sich in den volkreicheren Districten

schon die Gewerbe mehr von einander getrennt. So findet man denn auch

auf den Fischmärkten der grossen Städte das eigentliche Fischervolk

beisammen, das sich in seinem Wesen hier wie überall so sehr von den

übrigen Ständen unterscheidet. Von diesen wird die Fischerei theils

auf den Riffen, theils auch im hohen Meere mit ganz anderen Mitteln

betrieben. Von ihnen werden Arten von Fischreusen so gut, wie die

kleinen und grossen Angeln benutzt; am Ausfluss [7] der Ströme sieht

man mächtige durch einen Baum auf- und abgesenkte flache Netze die

kleinen im Sonnenschein sich tummelnden Fische fangen, während in

den Süsswasserseen oder am seichten Ufer der Meeresbuchten und der

Canäle grosse von einem dichten Geflecht aus Bambusrohren umzäunte

labyrinthische Irrwege oft der Schifffahrt am Ufer hinderlich

werden. Sie werden so gegen die Strömung gestellt, dass die Fische

mit ihr hineingelangen. Hier werden sie dann mit Stöcken bis in den

innersten Raum getrieben, wo sie völlig abgeschlossen vom Fischer

mit Handnetzen herausgefischt werden. Auf diesen hoch in die Luft

emporragenden Staketen sieht man häufig die Fischer unbeweglich

zwischen ebenso steinern aussehenden Reihern sitzen, welche gleich

ihnen auf die Ankunft eines Fischschwarmes warten. So werden

ungeheure Fischmassen täglich von den Bewohnern des Landes gefangen

und gegessen. Selten nur nimmt man sich die Mühe, die Fische und die

schmackhaften Süsswasserkrebse zu trocknen oder einzusalzen; aber

die wenigen so behandelten Arten bilden dann einen nicht unwichtigen

Handelsartikel im Verkehre der Bewohner untereinander. Leider fehlen

hierüber alle genaueren statistischen Angaben.

Wenn man so schon das Recht hätte, das Volk ein wesentlich maritimes

zu nennen, so springt die Richtigkeit dieser Bezeichnung noch mehr

in die Augen, wenn nun zum Schluss noch die Verkehrswege des grossen

Handels aufgesucht werden. Zwischen der Hauptstadt und den zahlreichen

kleinen Inseln des Südens, so wie zwischen diesen untereinander kann

natürlich der Verkehr nur zu Wasser stattfinden. Aber selbst zwischen

Orten auf Luzon die sich so nahe liegen, wie _Mauban_ an der Ostküste

und Manila westlich, zieht der Handel den langen Umweg um die Südspitze

der Insel herum dem kurzen Landweg über die niedrige Bergkette nach

der Laguna de Bay vor. Eine Folge für diese ausgesprochene Vorliebe

für den Seeverkehr ist natürlich eine gründliche Vernachlässigung

aller Landstrassen. Dass nun in der That fast aller Handel die Seewege

aufsucht, beweist die kleine hier mitgetheilte Tabelle über die Zahl

der im Jahre 1862 in Manila ausgelaufenen und eingelaufenen Schiffe.

| Provinzschiffe. | Spanische Schiffe. |Fremde Schiffe.

| Zahl. | Tonnen- | Zahl. | Tonnen- | Zahl. | Tonnen-

| | gehalt. | | gehalt. | | gehalt.

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Eingelaufene | 2253 | 138,000 | 127 | 23,000 | 160 | 98,000

Ausgelaufene | 2298 | 135,000 | 137 | 25,000 | 157 | 98,000

Die grosse Zahl der Provinzschiffe gegenüber den wenigen über den

Ocean fahrenden Schiffen--den sogenannten buques de travesia--zeigt,

wie im inneren Verkehr der Inseln untereinander vor Allem die kleinsten

Schiffe bevorzugt werden. Nimmt man an, dass alle Schiffe eine volle

Ladung hatten--was natürlich nur annähernd richtig ist--und vergleicht

man die Tonnenzahl der in Manila eingelaufenen Provinzschiffe mit

derjenigen der von hier nach Europa, Australien etc. ausgelaufenen

grossen Seeschiffe, so sieht man, dass höchstens _15,000_ Tonnen der

Landesprodukte in Manila selbst geblieben sein können. Wahrscheinlich

aber waren es viel weniger, denn die Seeschiffe verlassen nie den Hafen

ohne eine volle Ladung, während viele der Provinzschiffe auch ohne

vollständig gefüllt zu sein, die Reise nach Manila unternehmen. Die

analoge Differenz von 14,000 Tonnen zwischen den eingelaufenen

Seeschiffen und den ausgelaufenen Provinzschiffen beweist, dass

auch die eingeführten europäischen Producte auf dem Seewege nach den

übrigen Provinzen übergeführt werden müssen.

Auch in diesen Zahlen tritt uns also ein bedeutender Verkehr

zur See entgegen. Mit grossen Schwierigkeiten hat derselbe in den

philippinischen Meeren zu kämpfen. Die bis in die neuere Zeit hinein

sehr schlechten Karten, die heftigen und mannichfaltig wechselnden

Strömungen, die Häufigkeit der Riffe und Untiefen und die schweren

beim Wechsel der Monsune so oft eintretenden Stürme; der Mangel aller

nautisch durchgebildeten Capitaine und die angeborne Sorglosigkeit

der Mannschaften--alles dies sind ebensoviele Hindernisse, aber auch

zugleich bestimmende Momente für die Form des Verkehrs und die von ihm

aufgesuchten Wege. Ganz besonders aber drückt der periodische Wechsel

der vorherrschenden Windrichtungen mit den übrigen klimatologischen

Erscheinungen dem Verkehr zur See, wie überhaupt dem ganzen organischen

Leben auf den Philippinen seinen Stempel auf. Diesen Einfluss des

Klima's auf Land und Leute zu untersuchen, soll die Aufgabe der

nächsten Skizze sein.

Die Philippinen und ihre Bewohner Sechs Skizzen · 第 8 / 28 题