Die Vulcane der Philippinen.
Fast in gerader Linie von Nord nach Süd ziehen sich die philippinischen
Inseln von Formosa an hinunter bis nach Borneo und den Molucken. Von
der Südspitze Formosa's durch einen etwa 40 Seemeilen breiten Canal
getrennt schliessen sich die kleinen Inseln der Provincia de _Batanes_
an die schon zum Theil zu Luzon gehörenden und die Gestalt dieser Insel
in ihrer Gruppirung andeutenden _Babuyanes_ an. Von fast viereckiger
Form, mit parallelen, von Nord nach Süd streichenden östlichen und
westlichen Küsten zieht sich _Luzon_, die grösste Insel der Philippinen
(2000 geogr. Quadratmeilen), vom 19. bis zum 14. Breitengrade herunter
und biegt sich dann plötzlich in fast ganz östlicher Richtung
um. Durch Meeresarme und Buchten in zahlreiche schmale Halbinseln
und Landzungen zerspalten scheint dieser südlichere Theil von Luzon
aus einer Menge kleinerer Inseln zusammengesetzt zu sein und lehnt
sich so in natürlichster Weise an die zahlreichen Inseln an, welche
man gewöhnlich unter dem Namen der »Islas Visayas« oder der »Islas
de los Pintados« (der tättowirten Menschen) begreift. Unter diesen,
deren Zahl mit Einschluss der kleineren Inseln viele Hunderte beträgt,
fallen die beiden südlichsten leicht in die Augen: die langgestreckte
_Palawan_ oder _Paragua_ der Spanier, welche von Borneo's Nordspitze
(in 7° N. Breite) nur durch einen schmalen Meeresarm getrennt eine
enge Beziehung zwischen dieser und den philippinischen Inseln
anzudeuten scheint, und dann am Meisten gegen Osten vortretend
_Mindanao_ oder _Magindanao_, die grösste Insel der Philippinen nach
Luzon (1600 geogr. Quadratmeilen). Mit ihrer südwestlichen Spitze
(Zamboanga) lehnt sie sich durch die Inselkette von _Basilan_ und
den Sulu-Inseln ebenfalls an eine östlich vorspringende Landzunge
Borneo's an, während die südöstliche Spitze Mindanao's, die _Punta
Serangani_ in 5° 80' N. Br. durch die Inselkette, welche Sanguir,
Siao &c. angehören mit Celebes, durch die Salibabo-Inseln mit Gilolo
verbunden ist. So schliesst der Archipel der Philippinen den nördlichen
Theil des stillen Oceans mit seinen östlichen Strömungen von der durch
ihre Wirbelstürme berüchtigten chinesischen See ab und gestattet
eine Verbindung beider Meere unmittelbar nur durch den nördlichen
ziemlich breiten Canal zwischen Luzon und Formosa, mittelbar durch
die Strassen von _S. Bernardino_ und von _Surigao_, und die in
mehr als einer Beziehung wichtige Strasse von _Celebes_. Gänzlich
innerhalb des Tropengürtels und in einem Grenzgebiete zwischen den
Monsuns und dem NO. Passat des stillen Meeres gelegen, mit unendlich
reicher Küstenentfaltung, wie sie nur wenigen begünstigten Ländern der
Welt eigen ist; mit langgestreckten Bergketten von 3-4000' mittlerer
Kammhöhe und bis zu über 9000' ansteigenden Berggipfeln und isolirten
Feuerbergen; mit einer durchschnittlichen mittleren Jahrestemperatur
von 21° R. und mittleren Extremen von 19-23° R. und einem mehr als
70 % betragenden mittleren Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre; von
zahlreichen Flüssen und Bächen durchfurcht und mit grossen Landseen in
den ausgedehnten Ebenen oder tief versteckt zwischen den Bergen--so
besitzen die Philippinen alle Momente zur üppigsten Entfaltung
tropischer Vegetation und Scenerien. Und in der That reihen sich
diese Inseln in solcher Beziehung durchaus würdig den gefeiertsten
Gegenden tropischer Länder, wie Brasilien, Java und Ceylon an. Vom
dunklen Grün der tropischen Laubwälder stechen die Fichtenwaldungen der
hohen Berggipfel in ihrem düstern einförmigen Ton ab--hier vermählt
sich der Tannenbaum mit der Palme--und in den Thälern den Flüssen
entlang zieht sich ein schwarzer Streif, der Wald der Casuarinen
hin. Halb unter den Cocospalmenhainen versteckt liegen die Städte
und Dörfer zwischen dem heiteren lichten Grün der Reisfelder und der
Zuckerplantagen und alle die Bäume des Waldes und die Sträucher der
Gärten schmücken sich mit blendend gefärbten Blumen und Früchten. Die
Schönen des Landes scheinen diesen die Kunst abgelauscht zu haben,
sich in den grellsten, blendendsten Farben zu kleiden, ohne unseren
Augen wehe zu thun, und es steht der Reichthum der Farben, mit denen
sich die Pflanzen und Thiere, wie auch die Menschen schmücken, in
vollster Harmonie zu der Fülle des Lichtes, welche eine tropische
Sonne selbst durch Wolken hindurch ihrer geliebten Erde zusendet.
Aber unter diesen Blumen ruht auch hier die Schlange, bereit zum
Sprunge und zum giftigen Bisse, und hier so wenig wie anderswo ist
dem Menschen ungestörter friedlicher Genuss gewährt. Schreckliche
Krankheiten, Pocken und die asiatische Cholera, diese Geissel der
modernen Menschheit, decimiren die bevölkerten Städte und Dörfer;
Wanderheuschrecken, welche wolkengleich den Himmel verfinstern,
verheeren die Saat und es folgt ihnen Theuerung und Hungersnoth
nach; beim Wechsel der Monsune überschwemmen die angeschwollenen
Giessbäche das Land und wenn der Indier sich in seinen Holzhütten
oder Steinhäusern von der verheerenden Fluth glücklich gerettet wähnt,
so sieht er sich unter den Trümmern seines Hauses durch ein Erdbeben
begraben oder in der Gluth der Aschenregen eines neu ausbrechenden
Vulcanes erstickt.
Wir wollen aus der Reihe der hier angedeuteten Phänomene den
Feuerbergen der Philippinen, wie der Eingeborne die Vulcane nicht
ganz richtig nennt, etwas mehr Aufmerksamkeit schenken.
Auf der südlichsten Landspitze von Mindanao, der schon genannten
Punta Serangani liegt der längst bekannte Vulcan _Serangani_ oder
_Sanguil_, [1] wie ihn einige der früheren Geschichtsschreiber und
Seefahrer nennen, denen er beim Einlaufen in die Strasse von Celebes
als fester Leuchtthurm gedient hat. Ihm schliessen sich auch den
allerdings vielfach sich widersprechenden Angaben der spanischen
und englischen Autoren zwei andere Vulcane an, deren einer, der
Vulcan von _Sujut_, nahe der Bahia de Illanos, etwa 8-10 Seemeilen
von dem Orte gleichen Namens liegen soll, während der dritte nur
von wenigen Seefahrern früherer Zeiten gesehene Vulcan dicht bei
dem Dorfe _Davao_, dem jetzt auf den spanischen Karten _Vergara_
genannten Orte in der Bucht gleichen Namens (_Tagloc_ der älteren
Karten) liegt. Von dem ersten, dem Sanguil oder besser Serangani--da
der erste Name wahrscheinlich auf einem Missverständniss beruht, und
jetzt gänzlich verloren gegangen ist--ist nur ein einziger historisch
beglaubigter Ausbruch bekannt; es ist der vom 4. Januar 1645 (oder
1641?). An demselben Tage sollen noch ein anderer Vulcan auf einer
kleinen Insel der Sulu-Gruppe und ein dritter auf Luzon selbst,
der auch auf Darwins bekannter Karte [2] angegebene Vulcan von Aringay
oder Mte. Sto. Tomas im Golf von Lingayen zum Ausbruch gekommen
sein. Beide sind jetzt jedenfalls als ruhende Vulcane zu bezeichnen,
während der Vulcan von Serangani auch noch auf den neuesten Karten
als activer Feuerberg bezeichnet wird. Nicht ganz genügend lassen
sich die widersprechenden Nachrichten über die beiden andern Vulcane
vereinigen. Während _dieser_ Reisende nur den Vulcan von Davao,
ein _anderer_ jenen von Sujut (oder Pollok) gesehen zu haben meint,
sprechen abermals Andere von einem feuerspeienden Berge, den sie zwar
vom Hafen von Pollok aus--also in der Nähe der Illanosbucht--gesehen
haben wollen, während sie ihm doch seine Lage in der schon oben
erwähnten Bahia de Tagloc [3]--dem Meerbusen von Davao--zuweisen. Wäre
die Meinung der letzteren richtig, so würden somit der Vulcan von Sujut
und von Davao in einen zusammenfallen. Aus eigener Anschauung kann
ich leider nur über den von Davao berichten: doch kann auch ich mich
nicht rühmen, meinen Fuss auf seinen Boden gesetzt zu haben; denn nur
aus grosser Entfernung konnte ich seinen Doppelkegel erblicken. Lange
schon hatte ich mich bemüht, genaue Nachrichten von den spanischen
Priestern und Beamten über Mindanao einzuziehen; im Jahr 1859 hatte ich
einen vergeblichen Versuch gemacht, von Zamboanga an der Südwestspitze
der Insel aus, tiefer in die ganz von Muhamedanern bewohnten Gegenden
der Südküste einzudringen, und auch im Jahr 1864, dem letzten meines
Aufenthaltes auf den Philippinen, war es mir unmöglich einen genaueren
Reiseplan über ein Vordringen vom Norden [4] her zu entwerfen, da alle
specielleren Anhaltspuncte zur Fixirung eines solchen fehlten. So
wurde ich denn auch durch die Schwierigkeit des Vordringens so lange
aufgehalten, und die entworfene Reiseroute zuerst durch die Cholera,
nachher an der Ostküste von Mindanao durch eine Expedition von Piraten
dergestalt verändert, dass ich wegen Mangels an Schuhen vom weiteren
Vordringen über die unwegsamen Wege des Innern abstehen musste, als
ich schon den nach der Messung eines spanischen Officiers etwa 8000'
hohen Berg in ungefähr 30-40 Seemeilen Entfernung vor mir liegen sah;
und ich musste mich mit dem Bewusstsein begnügen, seine geographische
Lage wenigstens annähernd soweit bestimmt zu haben, dass eine ähnliche
Bestimmung des von Pollok aus gesehenen Berges Aufschluss über die
oben geäusserten Zweifel geben würde.
Gänzlich von dem Dreiecke, welches so die activen Vulcane Mindanao's
bilden, getrennt, liegt ein anderer Vulcan auf der zu den Visaya's
gehörenden Insel _Negros_, von dessen Vorhandensein kein Reisender
und keine Karte [5] etwas weiss. Den Nachrichten, welche ich über ihn
von einem gebildeten in _Iloilo_ auf _Panay_, einer gerade Negros
gegenüberliegenden Insel, residirenden Engländer erhielt, würde
ich kaum, trotz der hohen Glaubwürdigkeit des Mannes, Beachtung
geschenkt haben, wenn ich mich nicht selbst von der Wahrheit seiner
Angaben überzeugt hätte. Leider konnte ich auch diesen Vulcan nur
aus der Ferne sehen. Sein stark rauchender hoher Kegel ragt weit
über die niedrigen Kalkberge der benachbarten Insel Cebú empor, so
dass er bei günstiger Witterung in dem weiten Canal zwischen _Bohol_
und _Cebú_ zu erblicken ist. Nach Schätzung muss er eine Meereshöhe
von mindestens 5000' erreichen.
In weiter Entfernung von den bisher behandelten Vulcanen tritt
nun auf dem langgestreckten südlichen Theile von Luzon eine Kette
von Feuerbergen auf, deren südlichster der Vulcan von _Bulusan_
die äusserste südöstliche Spitze von Luzon bezeichnet. Auch von
ihm weiss man kaum mehr, als dass er zu den activen Vulcanen
gerechnet werden muss; denn er sowohl, wie der etwas nördlicher
liegende Vulcan von _Albay_ haben den sich von Osten her nahenden
Seefahrern von jeher als Leuchtthurm bei der Einfahrt in die Strasse
von S. Bernardino gedient. Beide sind von beträchtlicher Höhe, der
erste von etwa 5000, der Vulcan von Albay oder der _Mayon_ von über
7000' Meereshöhe. Zahlreiche heftige Ausbrüche haben diesen letzteren,
welcher in seiner äusserst regelmässigen conischen Gestalt als ein
wahres Muster feuerspeiender Kegelberge dienen kaun, verrufen und
gefürchtet gemacht. Unter den 7 in den Geschichtsbüchern registrirten
Ausbrüchen [6] sind es die beiden vom 24. October 1767 und vom 1.
Januar 1814, welche durch ihre Schlammausbrüche oder Lavaströme und die
vorausgehenden Erdbeben viele Dörfer rings um den Fuss des Berges
zerstörten und Hunderten von Menschen das Leben raubten. Das Geräusch
der Detonationen hörte man in Manila wie nahen Kanonendonner, und
die Asche fiel hier so dicht, dass sie eine Schicht von 18 Linien
Dicke auf dem Erdboden bildete. Aber der Mensch gewöhnt sich hier,
wie überall, leicht an die Schrecken der ihn umgebenden Natur; und
über die Trümmer seines Hauses schlägt der Bewohner sein leichtes
aus Palmblättern gewebtes Dach und lebt in ihnen sorglos und rasch
beruhigt sein friedliches Leben weiter.
Ganz anders, als die bisher betrachteten Vulcane, die alle bis zu
bedeutender Höhe in regelmässigster Kegelform aufsteigen, entzieht
sich der dritte der Vulcanenreihe Süd-Luzon's, der berüchtigte _Taal_
ganz den Wirken der Reisenden. Mag man auf dem Seewege von Manila her
mit einem kleinen regelmässig fahrenden Küstendampfer um die Provinz
_Cavite_ herum am Dorfe _Taal_ in der Provinz _Batangas_ landen, oder
sich ihm auf dem Landwege durch den _Rio de Pasig_ und die herrliche
_Laguna de Bay_ über _Los Baños_ und _Tanauan_ zu nähern versuchen,
immer erblickt man ihn erst, wenn man schon am Ufer des Sees gleichen
Namens [auch genannt Laguna de Bombon [7]] steht. Mitten in diesem
sehr tiefen See--der nur ein durch die schwache Erhebung eines aus
vulcanischem Tuff gebildeten Dammes abgesperrter Meerbusen [8] zu sein
scheint--liegt in dreieckiger Gestalt eine Insel mit ihrer breiten
Nordseite dem Dorfe _Talisay_ zugekehrt, und ungefähr in ihrer Mitte
der jetzt active beständig rauchende Krater mit seinen kaum mehr als
600' sich über dem See erhebenden Kraterrändern. Vor ihm zeigt die
Nordostspitze der Insel eine Anzahl steil ansteigender, mit hohem
Grase und krüppelhaften Bäumen bewachsener stark gefurchter Hügel,
welche den nördlichen Fuss des Vulcan's so verdecken, dass man die
Lage des Kraters nur an der Ausdehnung der zwischen den Kraterwänden
aufsteigenden Rauchsäule erkennt. Die nordwestliche etwas vorspringende
Spitze wird von einem jetzt gänzlich erloschenen regelmässig
kegelförmigen Vulcane, dem _Binintiang grande_ gebildet, während der
auch in den Geschichtsbüchern erwähnte _Binintiang chiquito_ (der
kleine Binintiang) die nach dem Süden hindeutende dritte Spitze der
Insel bezeichnet. Ausbrüche dieses Vulcanes finden sich 11 verzeichnet,
die aber nicht alle aus demselben Krater stattfanden. Zwei zweifelhafte
Ausbrüche werden in den Jahren 1634 und 1645 erwähnt ohne Angabe des
Kraternamens, von 1707-1733 wechselten die beiden Binintiang's mit
einander ab, bis endlich 1749 der mittlere Krater zum Ausbruch kam,
der jene beiden zum Schweigen bringend von nun an bis in neuere Zeit
hinein die Rolle übernahm, in der erstickenden Asche den Bewohnern der
nahen Dörfer Tod und Segen [9] zugleich zu bringen. Sein furchtbarster
Ausbruch geschah am 2. December 1754; Erdbeben kündigten ihn an. Am
nächsten Tage erfolgte die Eruption mit entsetzlichen weit hin in allen
Provinzen gehörten Explosionen und einem Aschenregen, der viele Stunden
lang anhaltend bis in die nördlichsten Gegenden Luzon's hingetragen
wurde, während er die 4 bevölkerten Dörfer _Taal_, _Lipa_, _Tanauan_
und _Sala_ vollständig zerstörte. Nur die Ruinen der steinernen
Gebäude, der Kirchen und Convente dieser Orte ragen noch zwischen
neu aufgewachsenen Palmen- und Bambushainen am Ufer des See's aus der
festgewordenen Asche hervor. Zahlreiche Erdbeben, welche seitdem die
Bewohner der Hauptstadt Manila aus ihrer Ruhe schreckten und deren
stärkstes am 9. Juni 1863 viele Privathäuser und die meisten der
öffentlichen Gebäude in Ruinen legte, lassen sich wohl mit Sicherheit
auf diese nah gelegene Quelle unterirdischer Wühlereien zurückführen.
Hier legten mir zum Glücke weder Piraten, noch meine Schuhe
irgendwelche Hindernisse in den Weg, so dass ich nach hinreichender
Ausrüstung mit Lebensmitteln, Aexten und Tauen den lange beabsichtigten
Besuch der Insel ausführen konnte. Am Nordrande der Insel gelandet, an
welchem eine kleine Fischerhütte mich mit meinen zahlreichen Begleitern
aufnehmen musste, bestieg ich am Nachmittag desselben Tages noch den
nördlichen Kraterrand, welcher in etwa 400' mittlerer Höhe steil in den
etwas ovalen und von Süden her durch einen vorspringenden Berg in zwei
Hälften getheilten Krater abfällt. Ein günstiger Nordwind trieb den aus
dem Schlot des vielfach zerrissenen Eruptionskegels [10] aufsteigenden
Rauch nach Süden. Ueberall durchzogen Spalten das Erdreich, das
aus loser nur an der Oberfläche zusammengebackener Asche bestand,
und aus vielen derselben drang ein nach schwefliger Säure riechender
Dampf aus den Fumarolen hervor. Da ich in wenig Tagen hier den Besuch
von Freunden und ihren Damen erwartete, so recognoscirte ich nur mit
dem Fernrohr die Kraterwand, ohne weiter ein Hinabsteigen an dieser
nördlichen hohen Seite zu versuchen. Obgleich ich mich dabei immer
hart am Rande des Kraters bewegte, so hatte ich doch mehr Glück als
ein Spanier von Manila, welcher wie so manche Andere an dieser Stelle
heraufgestiegen war, um sich einmal das »purgatorio« mehr aus der Nähe
anzusehen. Diese Neugier aber kam ihm theuer zu stehen. Das Erdreich
am Rande des Kraters hielt ihn nicht--ich weiss nicht, ob seine
Corpulenz oder seine Sünden ihn so schwer wiegen liessen--es gab nach,
und auf einem Aschenblock reitend kam er nach blitzesschneller Fahrt
im Grunde des Kraters an und blieb hier dicht vor einem rauchenden
und von Gyps, Schwefel, Alaun und anderen Stoffen angefüllten Sumpf
liegen, welcher die ganze nördliche und nordwestliche tiefste Seite
des Kraters ausfüllt. Der weiche Boden hatte ihn etwas warm, aber
doch weich gebettet, so dass er nur schwefeldurchräuchert, aber mit
heilen Gliedern davon kam. Nach mehrstündigem Aufenthalt im Krater
wurde er von seinen Begleitern mit Stricken wieder hervorgeholt. Die
Geschichte schweigt darüber, ob er je wieder den Versuch gemacht hat,
sich während seines Lebens dem Fegefeuer zu nähern.
Dort wo der südliche Kraterrand zu der höchsten, etwa 600' über dem
See liegenden und etwas in den Krater vorspringenden Spitze ansteigt,
bemerkte ich gegen Westen einen tiefen Einschnitt in die geschichteten
trachytischen Wände des Berges, in welchem die Einfahrt am leichtesten
möglich zu sein schien. Nach Berathung mit meinen Leuten gingen wir am
nächsten Morgen um den _Binintiang grande_ herum an die südwestliche
Küste, wo ebenfalls am flachen und von hohem Grase (cogon) und einzeln
stehenden Bäumen bewachsenen Ufer eine Hütte stand. Ein nicht ganz eine
Stunde dauernder Marsch brachte mich zunächst auf dem Rücken eines
Höhenzuges entlang an tiefen Spalten und einigen grossen conischen
Löchern vorbei, dann über ein weites Aschenfeld hin, in welchem das
Gehen im höchsten Grade beschwerlich war und endlich über einen kleinen
Hügel hinweg an den Südwestrand des Kraters. Mein Führer hatte den Weg
vortrefflich ausgesucht, denn wir kamen genau an der Stelle an, die ich
ihm am Tage vorher bezeichnet hatte, am Anfange des Spaltes, welcher
mir von dem zur Regenzeit herabfallenden Regen in die Wand des Kraters
eingeschnitten zu sein schien. Das jetzt gänzlich trockene Bette des
Baches führte uns ziemlich steil, an zahlreichen Fumarolen vorbei, dem
Krater zu. Leider setzte ein senkrechter Absturz und die einbrechende
Nacht meinem Weiterdringen für diesmal ein Ziel. Am nächsten Morgen
wurden nun aus rasch geschlagenen Bambusrohren Leitern zusammengebunden
und mit diesen ausgerüstet, machten wir Nachmittags einen zweiten
Versuch in den Krater zu gelangen. Der erste Absturz von etwa 30' wurde
glücklich überwunden, aber bald sahen wir uns, immer in dem erwähnten
Bachbette niedersteigend, vor einem zweiten ebenso hohen Abhang und
nachdem wir auch hier eine zweite der Leitern aufgestellt hatten,
sahen wir uns nun zum dritten Male durch die senkrecht abstürzende
Wand aufgehalten. Es stand uns noch eine dritte Leiter zu Gebote,
die mittels eines Taues herabgelassen wurde, aber sie reichte kaum
bis zur Hälfte zu uns herauf. Wir hatten sie durch ein Loch, welches
von dem niederstürzenden Regen in den Boden der Schlucht eingefressen,
direct in den Krater führte, herabgelassen. Mein Diener Mariano, ein
munterer und zu allen gewagten Unternehmungen bereitwilliger Tagale,
liess sich am Taue durch das Loch hinunter; als ich ihm aber folgen
wollte, konnte ich wegen der grösseren Breite meiner Schultern nicht
hindurch. So musste ich ihm die Freude gönnen, mir am Abend von ihm
als einzigem Besucher des Kraterbodens genaue Berichte geben zu lassen
über seine Beobachtungen in dem »Purgatorio«. Leid thaten ihm dabei
nur seine blossen Füsse, die ziemlich versengt waren; doch tröstete
er sich leicht in der Ansicht, dass er nun doch vor allen Anderen
hoch begünstigt sei, da er auf seinem Wege zum Himmel die Qualen des
Fegefeuers noch bei Lebzeiten durchgemacht habe.
Am 3. Tage, dem 30. April 1859, endlich gelang es mir mit Hülfe
einer nahe an 70' langen Leiter, die ich am äusseren Rande der
Spalte, jenseits jenes Loches, welches mich den Tag zuvor am
Hinabsteigen gehindert, aufgestellt hatte, in den Krater selbst zu
kommen. Vereinzelte Grasbüschel wuchsen auf dem völlig schwarzen
Erdboden--an der Südwestseite des Kratergrundes,--der gänzlich aus
Asche und zahlreichen Schlackenstücken zu bestehen schien. Gegen
Norden sich schwach senkend, veränderte der Boden mehr und mehr
seine dunkle Farbe in Braun und Gelb, zugleich wurde er weicher
und es trat bald eine Kruste von gelbgefärbten Gypskrystallen auf,
die man mit einer etwas festeren grauen Masse von Thon von dem
darunter liegenden graulich gefärbten dicklichen Thonbrei abheben
konnte. Weiter gegen den erwähnten rauchenden Schwefelpfuhl zu, nur
noch etwa 50 Schritte von ihm entfernt, wurde der Boden so schlammig
und zugleich dabei so heiss, dass ich von weiterem Vordringen abstehen
musste. Mariano tanzte dabei mit seinen blossen Füssen hin und her,
wie ein kleiner hier einheimischer Teufel, da er wegen des heissen
Bodens nie länger als einige Secunden auf demselben Flecke stehen
bleiben konnte. Nun wandte ich mich der Südseite des Kraters zu, wo
die weisse aus festem trachytischen Gestein bestehende Kraterwand, von
zahllosen Fumarolen durchbrochen, dem Südfusse des aus mehreren halb
isolirten Hügeln bestehenden Eruptionskegels entgegen tritt. Ueberall
brach heisser Wasserdampf hervor, bald in continuirlichen Strömen
bald in regelmässig sich folgenden Stössen, wie der Dampf einer
Hochdruckmaschine entweicht. Ueberall wo solcher Dampf hervorbrach,
waren die Wände weiss und gelblich gefärbt. Weiter gegen Osten zu
traten zwei Sandhügel in die Ebene des Kraters hinein, die sich
durch das Abwaschen der Kraterwände gebildet hatten; hier war die
Dampfentwicklung noch stärker und hier traten auch an einzelnen Stellen
kleine Bäche kochenden Wassers aus. Nun bogen wir nach Nordosten um,
dem Eruptionskegel zu. Zwischen ausgetrockneten Wasserpfützen, in
deren Mitte sich immer eine kleine Erhöhung befand und deren Umkreis
durch weisse Färbung ausgezeichnet war; durch Rinnsale hindurch kam
ich nach Zurücklegung von einigen Hundert Schritten an eine kleine
Erhöhung, die ein tiefes von rauchendem Schlamm angefülltes Loch
enthielt, mit senkrecht abfallenden weiss und gelb gefärbten inneren
Wänden. Hier trat mir schon der Schwefeldampf, den mir der Wind gerade
in's Gesicht trieb, hindernd in den Weg, doch ging ich weiter dem Rande
des eigentlichen Schlotes zu, der nur noch einige Hundert Schritte vor
mir lag. Ein erster Versuch, ihn zu erreichen, schlug fehl; heftiger
Schwefeldampf zwang mich zur schleunigen Umkehr. Meine tagalischen
Begleiter schienen es besser vertragen zu können, sie schritten
hustend weiter und langten schon oben am Rande an, als ich noch unten
schnaufend stand, mich zu einem zweiten Versuch zu erholen. Nun ging es
laufend den Abhang hinauf, und die Risse und Spalten überspringend dem
Rande zu, den ich auch glücklich erreichte; aber nur einen flüchtigen
Blick konnte ich in den von kochendem milchweiss gefärbtem Wasser
erfüllten Schlot werfen. Die Oberfläche der kochenden dampfenden Masse
mochte etwa 30-40' tief unter meinen Füssen liegen, niedriger, wie es
schien, als die heissen kochenden Quellen, welche an der Südseite des
Kratergrundes ausbrachen. Links gegen Südwesten von diesem Loch lag
noch ein kleineres, dessen Wände ziemlich viel höher waren, als der
Kegel auf dem ich stand. Leider konnte ich diesen wegen des heftigen
dort hingetriebenen Schwefeldampfes nicht erreichen.
Wir hatten uns jetzt schon 3 Stunden lang im Krater herumgetrieben,
uns Allen that die Brust heftig weh und den zwei Dienern, die mir
gefolgt waren, waren die Füsse halbversengt; dazu brannte jetzt die
Mittagssonne senkrecht auf unsern Scheitel und der Wind brachte
uns statt Kühlung nur heisse Schwefeldämpfe; so enteilten wir,
so schnell wir konnten, diesem heissen Aufenthalte, und kletterten
auf unserer Leiter dem Lagerplatz in der Schlucht zu, wo die übrigen
Leute zurückgeblieben waren. Diese waren verschwunden, alles Wasser
hatten sie uns ausgetrunken und ebensowenig Essen für uns bereitet. Wir
lagerten uns und schützten uns durch ein Segeltuch, so gut wir konnten,
gegen die brennende Sonne; wir warteten eine halbe Stunde, und noch
eine, aber Niemand kam; endlich machte ich mich in Verzweiflung auf,
die Schlucht emporzuklettern und fand denn auch hier ausserhalb
des Kraters meine Leute in süssem Schlaf versunken. Ich schickte sie
scheltend hinunter, und als ich nach Vollendung einiger Skizzen wieder
hinabstieg, fand ich endlich mein Essen zubereitet.
Nun packten wir die gesammelten Steine und übrigen Sachen zusammen,
um unsern Rückmarsch anzutreten, und ich hatte eben noch die letzten
Anordnungen gegeben, wie am nächsten Tage neben den Leitern auch
Bambusrohre angebracht werden sollten als Stützen für zarte Hände;
da brachten mir, während ich noch in der Kraterschlucht war, Leute,
die ich gestern nach Tananau beordert hatte, einige Briefe, welche mir
anzeigten, dass die erwarteten Freunde und mit ihnen auch die Damen
nicht kommen konnten, die ich doch so gerne im Krater des Vulcanes
bewirthet hätte. Traurig über dies gestörte Vergnügen wanderte ich
heim. Und als ich dann am nächsten Tage, ehe ich die Insel verliess,
noch einmal dem Gipfel des Binintiang grande und seinem Krater einen
flüchtigen Besuch abgestattet hatte, knickte mir mein Fuss beim raschen
Heruntersteigen am steilen Abhang so heftig um, dass ich eine starke
Entzündung davon trug, die mich in einem Häuschen am Ufer des See's
3 Tage hindurch an das Bett fesselte. Es war, als wollte mir der
in seinem Heiligthum gestörte Geist des Vulcan's noch zuletzt eine
leichte Strafe für mein vermessenes Beginnen geben.
Gänzlich von der Reihe dieser lebenden Vulcane Süd-Luzon's getrennt
treten nun im äussersten Norden der Inselgruppe auf kleinen Raum
zusammengedrängt 4 Vulcane auf, von denen zwei schon seit alter Zeit
her bekannt sind und wie der Serangani im Canal von Celebes, so hier
im Bashee-Canal jenen vom Süden kommenden Schiffen als Signal gedient
haben, welche auf ihrem Wege nach China gegen den Nordost-Monsun an die
östliche Passage durch den stillen Ocean zu nehmen pflegten. Es sind
dies der, wie es scheint in beständiger Eruption befindliche Vulcan auf
_Babuyan Claro_, und der jetzt schon im Solfataren-Zustande ruhende
Vulcan von Camiguin, der südöstlichen Insel der _Babuyanes_. Ihm
gegenüber liegt ein anderer feuerspeiender Berg dicht unter dem Cabo
Engaño in _Cagayan_, der nördlichsten Provinz Luzon's. Es ist der
auf den neuesten spanischen Karten [11] als M.-Cagua bezeichnete Berg,
aus dessen nach einer Messung des D. Claudio Montero 2489 par. Fuss
hohem Gipfel ich selbst im October 1860 eine Rauchwolke aufsteigen
sah, als ich in _Aparri_, dem Hafenorte des _Rio Grande de Cagayan_,
auf eine Reisegelegenheit nach Manila wartete. Die beiden schon
genannten Vulcane mögen nach roher Schätzung etwa 3000' hoch sein. Dem
vierten endlich habe ich einen Namen geben zu müssen geglaubt, der
den Seefahrern nicht unbekannt ist; es ist die auf der beiliegenden
Karte als _Vulcan Didica_ bezeichnete Insel, welche zwischen den
längst bekannten und sehr gefürchteten Didica-Klippen [12] (_escollos
Didica_) in den letzten Jahren neu entstanden ist. Als ich im Herbste
1860 nach Camiguin überfuhr, mit der Absicht hier zu überwintern und
zootomische Studien an Thieren des Meeres und des Landes zu machen, um
dann im nächsten Jahre mit den im Mai eintretenden Windstillen meine
Reise über Babuyan Claro nach den kleinen Batanes oder Bashee-Inseln
fortzusetzen, erhielt ich von einem spanisch sprechenden Bewohner
der Insel genauen Bericht über einen Vulcan, der sich gegen Ende des
Jahres 1856 im Meere erhoben haben sollte. Ich citire genau hier die
Worte meines Tagebuches. "1856 etwa im September oder October sahen
sie (die Eingebornen) Morgens früh zwischen 2 Klippen, die ihnen lange
bekannt, hoch und schroff aus dem Wasser emporragten, Rauch aufsteigen,
den sie zuerst für ein Schiff hielten. Er schwamm als leichte Wolke
dicht über dem Wasser, allmälig erhob sich diese mehr und mehr und
schliesslich trat eine dichte Rauchwolke senkrecht empor. Es schien,
als ob ein grosser Theil nach allen Richtungen sich ausbreitend wie ein
Schirm dicht dabei wieder niederfiele und eine kleine Insel bildete,
die sich allmälig durch solches Aufschütten vergrösserte. In der Nacht
zuvor hatten sie nur ein heftiges Gewitter mit Windstössen bemerkt,
aber kein Erdbeben. Im Jahre 1857 fand ein sehr heftiger Ausbruch
statt mit heftigem Erdbeben. An demselben Tage, an welchem sich 1856
der Ausbruch (der vulcanischen Masse) über die Wasserfläche erhob,
stürzte die obere Hälfte der beiden Klippen Didica ein, zwischen
denen jener Ausbruch stattgefunden hatte. Seitdem ist der Vulcan
in beständigem Arbeiten, und er hat sich nach Aussage der Leute zu
einer bedeutenden Höhe erhoben, die sie mit derjenigen des Berges von
Camiguin verglichen." Angespornt durch diese Erzählung, begab ich mich
an die Ostküste der Insel, um zu sehen, ob es mir nicht, trotz der
vorgerückten Jahreszeit--im September--und der mit dem Wechsel der
Monsune eintretenden Stürme gelingen möchte, diesem jungfräulichen
schaumgebornen Vulcane einen ersten Besuch abzustatten. Leider fand
ich mich, wie in Mindanao durch den Mangel der Schuhe, so hier durch
den stürmischen Seegang verhindert, mich der Gefahr auszusetzen in
der Umgebung des Vulcans gebraten zu werden. Die Eingebornen waren
auf keine Weise zu einem solchen Wagestück zu bewegen. So musste
ich mich mit einem sehnsüchtigen Blick auf den Vulcan und einer
Messung des Elevationswinkels des aufgeworfenen Berges begnügen,
dessen Berechnung bei Annahme der auf einer Karte des schon genannten
D. Claudio Montero angegebenen Distanz die Höhe des Gipfels über dem
Meere auf wenigstens 700' ergiebt, welche derselbe vom September 1856
bis zum October 1860 schon erreicht hatte. Es dürfte nicht viele im
Meere in historischer Zeit entstandene Vulcane geben, welche eine so
rasche Erhebung über dem Meere durch Aufschüttung aufzuweisen hätten.
Es scheinen diese verschiedenen Gruppen lebender Vulcane der jetzigen
Epoche ziemlich unabhängig von einander zu sein. Aber schon der
gleichzeitige Ausbruch dreier von einander getrennter Vulcane deutet
auf einen Zusammenhang hin. Nach dem Padre Juan de la Concepcion
fand am 4. Januar 1645 gleichzeitig eine Eruption des Vulcan von
_Serangani_, eines jetzt gänzlich zur Ruhe gekommenen Vulcans
aus der _Sulugruppe_ und des unter dem Namen _Vulcan de Aringay_
auch auf Darwin's Karte angegebenen Berges statt. Allerdings ist
die Vulcan-Natur des letzteren nicht über allen Zweifel erhaben;
denn die Beschreibung des genannten Historiker's der Philippinen
lässt völlig im Unklaren, ob aus dem Berg, den er zwar einen Vulcan
nennt, wirklich damals ein Ausbruch stattgefunden habe oder ob er
nicht vielleicht bloss durch die Erschütterung in einem heftigen
Erdbeben zusammengestürzt sei. Aber abgesehen hiervon gibt es
zwei wichtige Gründe, welche die Zusammengehörigkeit aller dieser
Vulcane beweisen. Zeichnet man die vielen durch ihre ausgesprochen
kegelförmige Gestalt, das Vorhandensein eines verschütteten Kraters,
zahlreiche heisse Quellen und deutlich erkennbare alte Aschenauswürfe
gekennzeichneten Vulcane zwischen jene lebenden ein, so schliesst
sich dadurch eine ganz zusammenhängende Kette von Bergen. Und es
schliesst sich diese Vulcanenkette, wie schon von Buch und Berghaus
hervorgehoben wurde, direct an die Reihe an, welche in gleicher
Richtung über Sanguir, Siao, Ternate, Celebes und Gilolo bis südlich
vom Aequator hinunterzieht, wo sie senkrecht auf die Vulcanenreihe
der Sundainseln trifft. Solcher erloschener Vulcane finden sich viele
auf allen Inseln mit einziger Ausnahme von Cebú und Bohol, welche
gänzlich aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten
gebildet zu sein scheinen. In der westlichen wie östlichen Cordillere
des Nordens und im Süden von Luzon, in der isolirten Bergkette von
_Zambales_ und auf _Leyte_ und _Samar_, im westlichen Gebirgslande
des Nordens von _Mindanao_ und in dem Höhenzuge von _Palawan_ erheben
sich solche erloschene Vulcane hoch über die mittlere Kammhöhe des
Gebirgszuges, dem sie angehören. Dahin gehört der Berg von _Majaijai_
oder der _M. Banajao_ von 7030 span. Fuss Meereshöhe, dessen Fuss die
vielgerühmte Laguna de Bay badet; dahin der _M. Datá_ im Distrikte
der Kupferminen bei Mancayan (Nordwest-Luzon) und der Subig in der
Bergkette von Zambales; dahin gehören die vielen als activ bezeichneten
Vulcane, welche in Berghaus bekannter Karte den Vulcan von Bulusan mit
dem von Majaijai durch die beiden Provinzen _Camarines Sur y Norte_
hindurch verbinden. Abweichend durch ihre gänzliche Isolirung von
allen Bergketten fallen 4 kleine vulcanische Berge im Norden der
centralen Ebene Luzon's auf, unter denen ich nur den _M. Cujaput_ in
der Provinz _N. Ecija_ nennen will; noch auffallender aber erscheint
der trachytische Doppelkegel des _M. Arayat_, der aus einer kaum 90
Fuss über dem Meere erhabenen Ebene steil und schroff bis zu 3150 Fuss
Meereshöhe aufsteigt. Alle diese Berge aber und die sie verbindenden
Bergketten zeigen durchaus die gleiche mineralogische Beschaffenheit,
denn sie gehören alle im Süden wie im Norden der Reihe moderner
trachytischer Ausbrüche an. Abgesehen von einigen zweifelhaften
Stellen im Norden Luzon's und in Cebú, wo eigenthümliche Petrefacten
ein etwas höheres Alter anzudeuten scheinen, gehört somit die ganze
Gebirgsmasse, das Skelett der Philippinen, der Reihe trachytischer
Gesteine an, welche in der jüngsten geologischen Periode zum Vorschein
kamen.
An diesen trachytischen Kern nun lehnen sich in sehr verschiedener
Meereshöhe zahlreiche sedimentäre versteinerungsreiche Sandstein-
und Thonschichten an, deren Muscheln und Schnecken theilweise noch
heute lebend in den umgebenden Meeren gefunden werden. Sie gehören
also wohl alle einer sehr jungen Periode an. Und wie an den Ufern
der Inseln und in den Canälen zwischen diesen und weit in's Meer
hinein sich Korallenriffe in den mannigfaltigsten Formen finden,
so sieht man auch in den trachytischen Bergen des Nordens von
Luzon und des Ostens von Mindanao und auf den Visaya's zahlreiche
Ueberbleibsel früherer Korallenriffe, deren Wände in den bizarrsten
Formen aufsteigend meistens in sehr harten dichten Korallenkalk
umgewandelt sind. An diesen lassen sich nun mit Leichtigkeit zwei
verschiedene Altersstufen unterscheiden. Die ältesten Korallenriffe,
welche aber doch noch der tertiären Periode anzugehören scheinen,
sind theilweise zu einer bedeutenden Meereshöhe emporgehoben worden,
so namentlich in dem durch sein gleichmässig mildes Klima und die
landschaftliche Schönheit der umgebenden Berge so berühmt gewordenen
Thal von _Benguet_. Nur uneigentlich wird es in Manila ein Thal
genannt. Es ist ein fast genau kreisförmiger Kessel von ungefähr 1/2
deutschen Meile Durchmesser, dessen Sohle nahezu horizontal fast
4000' über dem Meere hoch liegt. In seinem Grunde findet sich ein
weitausgedehnter mit hohem Schilf umwachsener See. Ein etwa 450'
hoch über dem See aufsteigender Ringwall aus gänzlich massivem
Korallenkalk umgibt steil anstrebend und an manchen Stellen wegen
seiner mannigfachen Zerklüftung gänzlich unersteigbar den Kessel. Um
aber die Aehnlichkeit mit einem Atoll noch deutlicher hervorzuheben,
finden sich an zwei Stellen tief und scharf wie mit einem Messer
eingeschnittene Spalten in dem Wall, durch welche sich mühsam jetzt
ein Bach hindurchdrängt. An der südwestlichen Seite endlich erniedrigt
sich der Ringwall etwas, und löst sich hier in eine Reihe kleiner
unregelmässig gestalteter und von trachytischem Thone bedeckter Hügel
auf, zwischen denen hindurch sich der Weg nach S. Fernando windet. Hier
fanden sich in dem trachytisch aussehenden röthlichen weichen Gestein
nicht selten, aber schlecht erhaltene Petrefacten und hier endlich
liess sich an vielen Stellen eine durch allerlei Geröll und völlig gut
erhaltene ausnahmslos gerollte Korallenfragmente eine alte Strandlinie
nachweisen. Von diesem Atoll-ähnlichen Riffe an liess sich eine ganze
Kette mehr oder weniger getrennter Korallenbildungen bis hoch in den
Norden hinauf in ungefähr gleicher Meereshöhe verfolgen.
Während nun die älteren Korallenbildungen wenigstens theilweise
von Trachyt überlagert zu sein scheinen, schliesst sich die zweite
Reihe der gehobenen Riffe ganz an die jetzt lebenden an. Ueberall
an den Küsten der Inseln, auf Camiguin im Norden von Luzon und auf
Basilan bei Zamboanga, an der Ostküste Luzon's und Mindanao's, wie
auf Bohol und--nach Hörensagen--den Calamianes und Palawan finden
sich bald länger zusammenhängende, bald isolirte Fetzen gehobenen
Korallenkalkes, die durch ihren von der Brandung ausgewaschenen Fuss
deutlich mit den bei Ebbezeit entblössten oberen Theilen der jetzt in
Hebung begriffenen lebenden Riffe in Verbindung stehen. So liefert
uns die ununterbrochene Reihe vulcanischer Ausbrüche, älterer und
neuerer Korallenbildungen den klarsten Beweis stetig fortschreitender
säcularer Hebung der Philippinen.