1,4 m. _h_ = _d_ ∙ tg α wird aus Kotentafeln entnommen. Bei größeren
Entfernungen muß die Erdkrümmung berücksichtigt werden. Dieselbe
beträgt auf 1 km = 0,078 m, auf 100 m = 0,78 mm, allgemein _d²_/(2_R_),
wo _R_ = dem Erdradius zu 6400 km ist. Der Einfluß der Erdkrümmung
wird durch die Strahlenbrechung (Refraktion) etwas gemildert und
beträgt dann 0,068 m auf 1 km. Bemerkt sei noch, daß die Ablesungen
am Höhenkreis oder Gradbogen um den Indexfehler _i_ verbessert
werden müssen, da man eigentlich je nach der Lage des Nullpunktes am
Höhenkreis bei lotrechter oder horizontaler Sicht und einspielender
Libelle 0° ablesen müßte. Man liest aber nicht 0° ab, sondern _i_.
Erst nach Verbesserung der Ablesung um _i_ erhält man die richtige
Zenitdistanz _z_ oder den Höhenwinkel α. α = 90 -- _z_ (Fig. 21). Der
doppelte Indexfehler wird bestimmt, indem man _denselben_ Punkt in
beiden Fernrohrlagen (vor und nach dem Umsetzen der Kippregel) anzielt
und am Höhenkreis abliest.
Durch die trigonometrische Höhenmessung wird die Höhe der Punkte nur
auf Dezimeter genau bestimmt. Die Genauigkeit hängt von der Entfernung
ab. Gestattet der Nonius nur Ablesung auf Minuten, so beträgt der
Fehler bei einer Differenz von 1´ auf 2000 m schon 0,6 m. Man geht
höchstens bis zu 600 m.
Im unebenen Gelände wird auch von der barometrischen Höhenmessung
Gebrauch gemacht. Benutzt werden zur Messung des Luftdrucks
_Aneroidbarometer_ von Naudet, die gegen Temperaturwechsel kompensiert
von Bohne in Berlin geliefert werden. Die einfache barometrische
Höhenformel lautet:
_h_ = 18464 log _B_/_b_(1 + α ∙ t).
_h_ ist der Höhenunterschied zweier Punkte, 18464 die barometrische
Konstante für Mitteleuropa, _B_ der Barometerstand der unteren, _b_
der oberen Station, α der Ausdehnungskoeffizient der Luft 0,003665,
_t_ die mittlere Temperatur der Luft. Zur Berechnung benutzt man am
besten die barometrischen Höhentafeln von Jordan. Die barometrische
Höhenmessung bestimmt die Höhenpunkte auf 1 bis 2 m genau, ist
also ungenauer wie die trigonometrische Höhenmessung. Im Gebirge
verwendet die Landesaufnahme mit Vorteil die Photogrammetrie und
Stereophotogrammetrie.[4]
KAPITEL 3. DIE KARTOGRAPHISCHEN ARBEITEN
§ 12. =Ausarbeitung der Feldaufnahmen. Die Kartenschrift.= Im Winter
wird die Bleizeichnung auf der Meßtischplatte vollständig in Tusche
ausgezogen. Dabei wird jedes Minutenfeld mit den Aufzeichnungen im
Felde genau verglichen. Dann werden alle erforderlichen Höhenzahlen
eingetragen und die Stellen mit Punkten bezeichnet. Noch vor dem
Einzeichnen der Signaturen wird die Karte beschrieben. Die Größe der
Schrift richtet sich nach der Größe und Bedeutung der Ortschaften,
Waldungen, Gewässer. Sie ist stets nach Norden zu orientieren und nur
bei Flüssen, Bergen usw. schmiegt sie sich dem Verlauf derselben an.
Die Art der Ausführung ist den »Musterblättern für die topographischen
Arbeiten der Kgl. Preuß. Landesaufnahme« zu entnehmen, die von der
Plankammer der Landesaufnahme zum Preise von 12 M. zu beziehen sind.
Auch aus den Zeichenerklärungen für Meßtischblätter ist das Nötigste zu
entnehmen.
§ 13. =Die Signaturen für die Situation.= Nach Fertigstellung der
Schrift werden die Signaturen für die Situation nach den Vorschriften
der Musterblätter vollständig in die einzelnen Flächen eingezeichnet.
Man unterscheidet Signaturen für Wege und Eisenbahnen, Boden und Wald,
Gewässer, Wohnstätten und deren Umgebungen, kleine Signaturen und
Abkürzungen, Truppen. Dabei ist zu bemerken, daß die _Grundrißtreue_
nicht immer gewahrt werden kann. Denn ein 5 m breiter Weg würde in 1 :
25000 auf der Karte ja nur 0,2 mm breit sein. Man zeichnet ihn aber
4--5mal so breit.
Aus den Fig. 22--26 sind die einzelnen Signaturen zu ersehen. Für das
Kartenlesen und Kartenzeichnen, Skizzieren, Krokieren müssen sie dem
Gedächtnis eingeprägt werden.
Für das Anlegen werden stets die photographischen Farben benutzt, die
von der Firma G. Bormann in Berlin zu beziehen sind. Die Vorschriften
der Farbentabelle der Musterblätter sind einzuhalten. Hier sei nur
erwähnt, daß angelegt werden mit 1. Preußischblau: Gewässer und
Landesgrenzen; 2. Karmin: öffentliche Gebäude, massive Stadtviertel, in
hellerem Ton: Buhnen, Feldwege, im Mittelton: Chausseen, Kreisgrenzen;
3. Gelb: veränderliche Feld-, Forst- und Wirtschaftswege, Weinberge,
Regierungsbezirksgrenzen; 4. Wegebraun: alle bleibenden Landstraßen,
Fußwege; 5. Magenta: Eisenbahnen und größere Eisenbauten. -- Für Wald,
Garten und Wiesen gibt es besondere Farben: Laubwald, Nadelwald,
Mischwald, Gartengrün, Wiesengrün.
[Illustration: Fig. 22. +Eisenbahnen, Straßen und Wege.+]
[Illustration: Fig. 23.
Gewässer.
Die Tiefenlinien geben Stufen von 2, 4, 6 und 10 m an, die rückwärts
liegenden Zahlen im Meere und die stehenden Zahlen in den Watten
beziehen sich auf das Mittelwasser der Ostsee bzw. auf das mittlere
Springniedrigwasser der Nordsee.]
[Illustration: Fig. 24. +Boden und Bodenbewachsung.+]
[Illustration: Fig. 25. +Wohnplätze.+]
[Illustration: Fig. 26. +Topographische Zeichen und Abkürzungen.+*]
§ 14. =Die Arten der Geländedarstellung.= Aufgabe der Kartographie
ist es, wie schon erwähnt wurde, auf der Kartenblattebene, d. h. in
der Projektion, den Verlauf der Erdoberfläche auch der _Höhe_ nach,
d. h. also die _Unebenheiten_ des Bodens, zur Darstellung zu bringen.
Aus der Karte soll man nicht nur die Form der Unebenheiten, sondern
auch ihre Neigung gegen den Horizont (ihre Gradation) und ihre Höhe
über NN herauslesen, d. h. sich vorstellen können. Dies erreicht die
Landesaufnahme
1. _durch äquidistante Höhenlinien_;
2. _durch Bergstriche_.
1. Die _äquidistanten Höhenlinien_. Denkt man sich durch eine Erhebung
in _gleichen_ Vertikalabständen (äquidistante) Parallelflächen
(Niveauflächen) zur ideellen Meeresfläche gezogen, dann werden
dieselben das Gelände in Linien (Kurven) _gleicher_ Höhe (Isohypsen)
schneiden. Für kleinere Flächen fallen diese Niveauflächen mit den
entsprechenden Horizontalebenen zusammen, man nennt die Kurven deshalb
auch _Horizontalkurven_. Der lotrechte Abstand der Niveauflächen
heißt _Schichthöhe_. Die Landesaufnahme hat Schichthöhen, von 20, 10,
5, 2,5 und 1,25 m festgesetzt und bezeichnet die Schichthöhen von 20 m
durch mittelstarke, schwarze _Haupt_höhenlinien, die von 10 m durch
feine ununterbrochene _Zwischen_höhenlinien, die von 5 m durch feine
lang gerissene _Normal_höhenlinien, die von 2,5 und 1,25 m durch feine
kurz gerissene _Hilfs_höhenlinien. Die Zählung beginnt bei Normal-Null.
Die Höhenlinien werden konstruiert durch Interpolationen zwischen den
Punkten, die im Felde aufgenommen wurden. Es seien z. B.: in Fig. 27
62,2 m und 68,7 m die Höhen zweier solcher Punkte, deren horizontale
Entfernung _s_ also auf dem Meßtischblatt gegeben (abgegriffen) sei.
Die Lage des Punktes für die Höhenkurve 65,0 ist gesucht, d. h. die
Entfernung _X_.
Es ist
_X_ = _s_ ∙ 2,8/6,5.
Es sei _s_ = 26,5 mm, dann ist
_X_ = 26,5/6,5 m ∙ 2,8 m = 11,4 mm.
_s_ braucht dabei _nicht_ im Maßstab des Planes ermittelt zu werden.
Die Fig. 27 stellt ein Profil (Schnitt) durch die Punkte dar. 6,5
und 2,8 sind die Schichthöhen in bezug auf 62,2 als Nullhöhe. Die
Berechnung von _X_ bzw. das Einschalten von Kurvenpunkten wird durch
Anwendung des Rechenschiebers und graphischer Methoden erleichtert.
Umgekehrt kann man zwischen zwei gegebenen Höhen eine Höhe zu gegebener
Entfernung einrechnen.
[Illustration: Fig. 27.]
Aus dem Verlauf der Höhenkurven kann man zunächst die _Form_ der
Erhebungen erkennen (vgl. Fig. 28): _Rücken_ (_r_, _d_), _Vorsprünge_
(_d_, _e_, _f_, _g_, _h_), _Nasen_ an den Ausbiegungen der Kurven,
_Mulden_ (_i_, _k_) an den schwachen, _Schluchten_ (_l_) an den
stärkeren Einbiegungen derselben. _Kuppen_ (_a_) sind kleinere
Erhebungen, die Kurven kehren in sich selbst zurück. Ebenso ist es
beim _Kessel_ (_b_, _c_); er liegt aber in der Vertiefung und wird
zum Unterschied von der Kuppe mit einem Pfeil in der Fallrichtung
bezeichnet. Bei einem _Sattel_ (_m_, _n_) biegen die Kurven auf allen
vier Seiten nach innen ein. Sie liegen als Einsenkungen zwischen zwei
Kuppen oder als Erhebungen zwischen zwei Mulden. Bei einer _senkrechten
Wand_ laufen die Kurven an einer Stelle ineinander, bei einer
_überhängenden_ Wand ragt die höhere Schichtlinie über eine niedrigere
hinaus.
[Illustration: Fig. 28.]
Die _Neigung_ (Gradation) der Böschungen kann man aus dem Abstand der
Höhenlinien in der Karte erkennen. Bei _steileren_ Böschungen ist der
Zwischenraum der Kurven geringer, bei _flachen_ größer. Den _Grad_ der
Neigung oder den _Böschungswinkel_ α kann man aus der Entfernung _s_
der Kurven und der Schichthöhe _h_ leicht berechnen. Es ist:
tg α = _h_/_s_.
Wir wollen eine Tabelle aufstellen (siehe S. 32).
+---------------------------+---------------------------+
| 20 m Schichthöhe | 5 m Schichthöhe |
+--------------------+------+--------------------+------+
| Abstand der Kurven | Grad | Abstand der Kurven | Grad |
| in Metern | | in Metern | |
+====================+======+====================+======+
| 20 | 45 | 28 | 10 |
| 24 | 40 | 32 | 9 |
| 29 | 35 | 36 | 8 |
| 35 | 30 | 41 | 7 |
| 43 | 25 | 48 | 6 |
| 55 | 20 | 57 | 5 |
| 75 | 15 | 72 | 4 |
| 114 | 10 | 96 | 3 |
| 228 | 5 | 143 | 2 |
| | | 286 | 1 |
+--------------------+------+--------------------+------+
Durch Interpolation kann man leicht den Böschungswinkel für andere
Entfernungen ermitteln. Auf graphischem Wege geschieht dies durch einen
_Böschungsmaßstab_, der die Neigung auch wirklich zur Anschauung bringt
(Fig. 29). Man nimmt die Entfernung der Kurven in den Zirkel und setzt
sie an der Schichtlinie _BD_ des Maßstabes von der Senkrechten ab. Die
andere Zirkelspitze fällt dann entweder auf einen schon gezeichneten
oder leicht zu interpolierenden Gradstrich. Auch die Neigung eines
Weges zwischen zwei Punkten läßt sich auf diese Weise leicht ermitteln.
Im allgemeinen liegt ein Weg _horizontal_, wenn er parallel den Kurven
verläuft; seine Steigung nimmt um so mehr zu, je größer der Winkel ist,
den er mit der tieferen Kurve bildet.
[Illustration: Fig. 29.]
Ein anderes wichtiges Mittel zum Verständnis des Verlaufs der
Erdoberfläche auch hinsichtlich der Neigung bildet die Zeichnung
von _Profilen_.[5] Man legt eine Vertikalebene in der Richtung
des stärksten Gefälles durch das Gelände, dann schneidet diese
die Kartenebene in einer geraden Linie. Errichtet man nun in den
Schnittpunkten dieser Geraden mit den Kurven Senkrechte gleich den
Höhen, die die Kurven angeben, dann erhält man das verlangte Profil
(Fig. 30--32). Zweckmäßig ist es dabei, die Höhen in einem 10fach
so großen Maßstab (10fach überhöht) aufzutragen wie die Längen,
weil erstere gegen letztere sonst zu sehr zurücktreten würden. In
der Technik bezeichnet man derartige Profile als Längsprofile, die
für den Entwurf von Bahn- und Wegebauten usw. äußerst wichtig sind.
Bei der Zeichnung der Höhen geht man selten von der Normalnullfläche
(Meeresniveau) aus, sondern von einem beliebigen Horizont. Für
das Verständnis des Geländes ist dies gleichgültig. Wie beim
Böschungsmaßstab bekommt man auch beim Profil eine _Anschauung_ von der
Größe des Böschungswinkels. -- Die Niveaukurven wurden zum ersten Male
1752 von dem Geographen Buache zur Darstellung der Bodengestalt für
Bauzwecke, 1771 von Ducarla für Landkarten verwendet.
[Illustration: Fig. 30--32.]
2. Die _Bergstriche_. Denkt man sich ein Gelände durch eine Lichtquelle
senkrecht über demselben beleuchtet, dann werden die horizontalen
Flächen ganz hell erscheinen, weil sie die meisten der unter sich
parallelen Lichtstrahlen empfangen. Jede geneigte Fläche wird um so
dunkler werden, je größer der Winkel ist, den sie mit dem Horizont
bildet. Auf dieser Tatsache beruht die Theorie der Bergstrichzeichnung,
welche zuerst der sächsische Major J. G. Lehmann (1765--1811) für
das Kartenzeichnen in Anwendung brachte. Durch eine Strichskala mit
abgestuften Schattierungen wollte er die Steigung des Geländes, also
das Relief desselben, auf der Kartenblattebene zur Darstellung bringen.
Vom militärischen Standpunkte aus werden Flächen von mehr als 45°
Steigung als nicht mehr ersteigbar angesehen, und deshalb werden sie
nach Lehmann schwarz dargestellt. Die Schattierung beginnt erst bei 45°
und wird von 5 zu 5° abgestuft, weil erst bei diesen Unterschieden die
Steigungen militärische Bewegungen beeinflussen. Die Schattierung wird
durch das Verhältnis der Stärke des Striches zum weißen Zwischenraum
oder noch besser der Schraffe zum Zwischenraum ausgedrückt, und zwar
soll das Verhältnis dasselbe sein wie das des Böschungswinkels α zu 45°
– α. Demnach verhält sich Schraffe zu Zwischenraum:
bei 0° Böschung wie 0 : 45 = 0 : 9,
" 5° " " 5 : 40 = 1 : 8,
" 10° " " 10 : 35 = 2 : 7,
" 15° " " 15 : 30 = 3 : 6,
" 20° " " 20 : 25 = 4 : 5,
" 25° " " 25 : 20 = 5 : 4,
" 30° " " 30 : 15 = 6 : 3,
" 35° " " 35 : 10 = 7 : 2,
" 40° " " 40 : 5 = 8 : 1,
" 45° " " 45 : 0 = 9 : 0.
Um das angegebene Verhältnis zu erreichen, wird festgesetzt, wieviel
Striche auf 1 cm nebeneinander zu ziehen sind. Bei 1° kommen 10 Striche
auf 1 cm, bei 2° 13 Striche usw., vgl. auch Fig. 33. Die Bergstriche
werden in der Richtung des stärksten Gefälles gezeichnet, folgen also
dem Lauf einer den Abhang hinabrollenden Kugel oder dem Lauf des
Wassers. Sie stehen demnach senkrecht auf den Niveaukurven, die also
vorhanden sein müssen, wenn sie auch _nach_ der Zeichnung der Striche
überflüssig sind. Die _Bodenformen_ sind aus der Richtung und Lage
der Striche zueinander zu erkennen und erscheinen plastisch (Fig.
34). Bei einer _Kuppe_ (1) gehen die eine weiße Fläche umschließenden
Bergstriche von oben gesehen von dieser auseinander. Bei einem _Kessel_
laufen sie zur weißen Fläche zusammen. Bei einem _Rücken_ (4) laufen
die Bergstriche an den Abhängen von oben gesehen von der Mittellinie
(Geripplinie, Wasserscheide) aus nach zwei Seiten auseinander. Bei
einer _Mulde_ (5) laufen die Striche gegen die Mittellinie abwärts,
d. h. nach dem Gefälle zu, zusammen. Bei einer _Schlucht_ (6) treffen
sie gegen diese Mittellinie unter einem Winkel zusammen; je größer
derselbe ist, desto stärker ist der Einschnitt des Geländes. Bei einem
_Sattel_ (2) umschließen die Striche eine weiße Fläche mit eingebogenen
Seiten. Besonders ist die Darstellung der Dünen und Steilränder zu
beachten, bei der man je nach den Erhebungen Schraffen von bestimmter
Länge verwendet (Fig. 35).[6] Ein Weg ist _horizontal_, wenn er die
Bergstriche rechtwinklig schneidet und um so steiler, je mehr sich
seine Richtung derjenigen der Bergstriche nähert.
[Illustration: Fig. 33.]
General v. Müffling versuchte, die einzelnen Steigungen noch deutlicher
zu machen, indem er zur Unterscheidung des Böschungsgrades punktierte,
geschlängelte und abwechselnd dicke und dünne Striche einführte.
Seine Manier findet bei der Karte des Deutschen Reiches 1 : 100000
Verwendung, und zwar nur bis 10° Steigung, von da ab aufwärts wird nach
Lehmannscher Manier gezeichnet.
[Illustration: Fig. 34.]
[Illustration: Fig. 35.]
Die Bergstriche stellen im Gegensatz zu den Höhenlinien das Gelände
plastisch dar, was für die Anschauung wichtig ist. Andere Mittel,
dies zu erreichen, bestehen in der Verbindung von Höhenlinien und
Flächentönen unter Annahme senkrechter oder schiefer Beleuchtung
(sog. Schummerung) und in der Darstellung von Höhenschichten durch
verschiedene Farben.
§ 15. =Vervielfältigung und Vertrieb der Karten.= Nachdem das
Meßtischblatt vollständig fertig gestellt und geprüft ist, werden
mehrere photographische Kopien von ihm angefertigt. Zwei von ihnen
werden für den Lithographen und Kupferstecher mit topographischen
Farben angelegt und auf Leinwand aufgezogen, auf zwei anderen werden
die politischen Grenzen angelegt. Nach Erledigung dieser Arbeiten sowie
nach Aufstellung verschiedener Verzeichnisse wird die Originalzeichnung
auf Leinwand aufgezogen und im Kartenarchiv niedergelegt.
Zur _Vervielfältigung_ der Meßtischblätter wird der Steindruck,
die Lithographie, benutzt. Der Steindruck ist billiger wie der
Kupferdruck, läßt aber schwerer Korrekturen zu. Auch ist es unbequem,
die zahlreichen schweren Steine und Umdrucksteine aufzubewahren. Man
verwendet ausschließlich Solenhofer Schiefersteine, die 30 M. das
Stück kosten. Die Zeichnung wird mit Gelatinepausen auf den Stein
übertragen; der Lithograph ritzt dann mit einem Stichel das Kartenbild
sauber ein. Um den Originalstein zu schonen, wird von ihm auf sog.
chinesischem Papier ein fetter Druck hergestellt und auf einen anderen
Stein mittels einer Druckpresse aufgedrückt. Durch Ätzen mit einer
Säure wird nun der nicht bedruckte Teil des Steines vertieft, der
bedruckte bleibt dann erhaben. Diese erhabenen Teile nehmen die Farbe
von der Druckwalze leichter an und übertragen sie auf das Papier, das
durch die Walze der Maschine geht. Preußen verwendet Schwarzdruck für
seine Meßtischblätter, deshalb hat der Lithograph nur eine Platte
herzustellen; Farben werden mit der Hand aufgetragen.
Für die Vervielfältigung der Karte des Deutschen Reiches 1 :
100000 wird der Kupferdruck verwendet. Er ist zwar teurer wie der
Steindruck, aber die einzelnen Platten sind leichter, handlicher,
widerstandsfähiger und gestatten leichter Nachträge und Verbesserungen
zu machen. Die Originalzeichnung wird zunächst verkleinert und dann
durch eine Pause auf die Kupferplatte übertragen und auf dieser als
Spiegelbild eingraviert. Von dieser Originalkupferplatte werden
die Abzüge hergestellt. Die Gravierung dauert beim Steindruck und
Kupferdruck mindestens ein Jahr. Bemerkt sei noch, daß die Bodenformen
auf der Karte des Deutschen Reiches durch Bergstriche, auf den
Meßtischblättern durch Höhenkurven dargestellt werden.
Der Vertrieb der Karten erfolgt durch die Plankammer der Landesaufnahme
Berlin NW 40, Moltkestr. 4, oder durch besondere Kartenvertriebsstellen
(der Landesaufnahme oder von Eisenschmidt, Berlin NW 7, Dorotheenstr.
60, oder von Simon Schropp, Dorotheenstr. 53). Bei der Bestellung
sind Namen und Nummer des Blattes anzugeben, die aus besonderen
_Übersichtskarten_ zu entnehmen sind (Verzeichnisse und Übersichten
sämtlicher von der Kgl. Preuß. Landesaufnahme veröffentlichten
Generalstabskarten). Auch diese kann man bei obigen Stellen, und zwar
unentgeltlich beziehen; sie sollten in keiner Schule fehlen.
Ein Meßtischblatt kostet 0,80 M. (0,25 M.), mit Handkolorit 1,40 M.,
Karte des Deutschen Reiches: Ausgabe A (Grenzen, größere Gewässer
farbig) unaufgezogen 2 M. (1 M.); Ausgabe B Buntdruck 2 M. (1 M.);
Ausgabe C Umdruck, farbig, 1 M. (0,50 M.). Die Preise in Klammern
gelten für den Dienstgebrauch bzw. für Lehrzwecke bei Bezug durch
die amtlichen Vertriebsstellen, die nicht eingeklammerten Preise
gelten für den Buchhandel.
Die _Kosten_ einer Landesaufnahme sind nicht unbedeutend. Ein
Meßtischblatt kostet etwa 10000 Mark. Jährlich werden ungefähr 100
Blätter aufgenommen, die zusammen fast eine Million Mark Kosten
verursachen. Ein zahlreiches, gut eingearbeitetes Personal ist nötig.
Die preußische Landesaufnahme zählt nahezu 300 Offiziere und Beamte.
Jedes Jahr sollen rund 10000 qkm aufgenommen werden, mithin würde
die Aufnahme Preußens nahezu 35 Jahre dauern. Im ganzen sind 3699
Meßtischblätter zu bearbeiten.
Zum Vergleich sei angeführt, daß die Spezialvermessung der Stadt
Berlin, ausgeführt von dem städtischen Vermessungsamt, 22½ Jahre
gedauert und etwa 1½ Millionen Mark gekostet hat. Die Fläche der Stadt
Berlin beträgt rund 6000 ha.
ZWEITER TEIL
DAS KROKI
§ 16. =Einleitung. Grundbegriffe.= Unter einem _Kroki_ versteht man die
in beschränkter Zeit mit den einfachsten Meß- und Zeichenvorrichtungen
aufgenommene, ungefähr maßstäblich hergestellte Zeichnung eines
Geländestückes. Das Kroki nimmt demnach eine Mittelstellung
zwischen Karte und Skizze ein. Die _Karte_ ist das Ergebnis genauer
wissenschaftlicher Aufnahmen und Zeichnungen, die _Skizze_ beruht auf
_flüchtigen_, oft nur einem einzigen Zweck dienenden unmaßstäblichen
_Handzeichnungen_ nach _Augenmaß_, bei denen ein _Genauigkeitsgrad_
nicht angegeben werden kann, während dies bei einem Kroki immerhin
möglich ist. Bei dem heutigen Stande des Kartenwesens wird es meistens
darauf ankommen, ein Kroki unter Benutzung vorhandener Karten
anzufertigen, um neue Stellungen, Batterien, neue Wege, Brücken und
andere Veränderungen einzutragen. Sehr oft wird es dann auch möglich
sein, auf Grund dieser Krokis die Karten auf ihre Genauigkeit hin
zu prüfen, wenn bei den Messungen von festen, in den Karten bereits
vorhandenen Punkten, ausgegangen wurde. Dies dürfte namentlich im
Kriege gelten, wo die oft schlechten Karten der Feinde benutzt werden
müssen. Bevor nun die Arbeiten beim Krokieren im Zusammenhange
behandelt werden, dürfte es angebracht sein, die Methoden zur
Bestimmung von _Entfernungen_, _Winkeln_ und _Höhen_, auf die es hier
ankommt, im einzelnen anzugeben.
§ 17. =Orientieren der Karte. Festlegen von Punkten und Richtungen.=
Sämtliche Karten der Landesaufnahme sind so »orientiert«, daß ihre
Ränder mit den Himmelsrichtungen zusammenfallen. Es würde demnach
der Rand, welcher die Zahlen für die Breitenminuten enthält,
nach _astronomisch_ Nord zeigen. Die Kartenschrift würde die
West-Ost-Richtung angeben. Im _Gelände_ würde man zunächst den
Standpunkt auf der Karte aufsuchen und sie dann so weit drehen,
bis die Richtung nach einem deutlich sichtbaren Punkt in der Natur
(Kirchturm usw.) mit der Richtung nach demselben Punkt auf der Karte
zusammenfällt. Liegt der Standpunkt an einem Wege, dann wird die
Wegrichtung selbst in Übereinstimmung zu bringen sein. Befindet man
sich in einer unbekannten Gegend oder kennt man nur den Standpunkt,
dann benutzt man zur Orientierung einen _Taschenkompaß_. Diesen legt
man auf den Punkt oder an den Rand der Karte so, daß die Nord-Süd-Linie
des Kompasses mit der der Karte übereinstimmt. Dann dreht man die Karte
so lange, bis das Nordende der Magnetnadel über dem Deklinationsstrich
des Kompasses einspielt.
Für Mitteleuropa ist die Deklination eine westliche, d. h. die
astronomische Nordrichtung liegt östlich der magnetischen, und zwar um
etwa 10°. Für Berlin beträgt die Deklination 1917 etwa 8°.