Bemerkt sei noch, daß zur Signalisierung entfernter Dreiecks

Anmerkungen zur Transkription

Im Original gesperrter Text ist +so dargestellt+.

Im Original kursiver Text ist _so dargestellt_.

Im Original fetter Text ist =so dargestellt=.

Tiefgestellte Buchstaben sind durch vorangestellten Unterstrich

dargestellt, z. B. F_N.

Weitere Anmerkungen zur Transkription finden sich am Ende des

Buches.

[Illustration]

Mathematisch-Physikal. Bibliothek

Gemeinverständliche Darstellungen aus der Mathematik und Physik für

Schule und Leben. Unter Mitwirkung von Fachgenossen herausgegeben von

Dr. =W. Lietzmann=

Direktor an der Oberrealschule

zu Jena

und

Dr. =A. Witting=

Studienrat, Gymnasialprofessor

in Dresden

Fast alle Bändchen enthalten zahlreiche Figuren

In Kleinoktavbändchen kartoniert je M. --.80

Die Sammlung, die in einzeln käuflichen Bändchen in zwangloser Folge

herausgegeben wird, bezweckt, allen denen, die Interesse an den

mathematisch-physikalischen Wissenschaften haben, es in angenehmer

Form zu ermöglichen, sich über das gemeinhin in den Schulen Gebotene

hinaus zu belehren. Die Bändchen geben also teils eine Vertiefung

solcher elementaren Probleme, die allgemeinere kulturelle Bedeutung

oder besonderes wissenschaftliches Gewicht haben, teils sollen sie

Dinge behandeln, die den Leser, ohne zu große Anforderungen an seine

Kenntnisse zu stellen, in neue Gebiete der Mathematik und Physik

einführen.

Bisher sind erschienen (1912/17):

1. =Ziffern und Ziffernsysteme bei den Kulturvölkern in alter und

neuer Zeit.= Von +E. Löffler+.

2. =Der Begriff der Zahl in seiner logischen und historischen

Entwicklung.= Von +H. Wieleitner+.

3. =Der pythagoreische Lehrsatz mit einem Ausblick auf das

Fermatsche Problem.= Von +W. Lietzmann+.

4. =Wahrscheinlichkeitsrechnung nebst Anwendungen.= Von +O.

Meißner+.

5. =Die Fallgesetze.= Von +H. E. Timerding+.

6. =Einführung in die projektive Geometrie.= Von +M. Zacharias+.

7. =Die 7 Rechnungsarten mit allgemeinen Zahlen.= Von +H.

Wieleitner+.

8. =Theorie der Planetenbewegung.= Von +P. Meth+.

9. =Einführung in die Infinitesimalrechnung.= Von +A. Witting+.

10. =Wo steckt der Fehler?= Von +W. Lietzmann+ und +A. Trier+.

11. =Konstruktionen in begrenzter Ebene.= Von +P. Zühlke+.

12. =Die Quadratur des Kreises.= Von +E. Beutel+.

13. =Geheimnisse der Rechenkünstler.= Von +Ph. Maennchen+.

14. =Darstellende Geometrie des Geländes.= Von +R. Rothe+.

15. =Beispiele zur Geschichte der Mathematik.= Von +A. Witting+ und

+M. Gebhardt+.

16. =Die Anfertigung math. Modelle.= (Für Schüler mittl. Kl.) Von

+K. Giebel+.

17. =Dreht sich die Erde?= Von +W. Brunner+.

18. =Mathematiker-Anekdoten.= Von +W. Ahrens+.

19. =Vom periodischen Dezimalbruch zur Zahlentheorie.= Von +A.

Leman+.

20/21. =Mathematik und Malerei.= 2 Teile in 1 Bande. Von +G. Wolff+.

22. =Soldaten-Mathematik.= Von +A. Witting+.

23. =Theorie und Praxis des Rechenschiebers.= Von +A. Rohrberg+.

24. =Die mathemat. Grundlagen der Variations- u. Vererbungslehre.=

Von +P. Riebesell+.

25. =Riesen und Zwerge im Zahlenreiche.= Von +W. Lietzmann+.

26. =Methoden zur Lösung geometrischer Aufgaben.= Von +B. Kerst+.

27. =Karte und Kroki.= Von +H. Wolff+.

28. =Die Funktionsleiter.= Erster Teil einer Einführung in die

Nomographie. Von +P. Luckey+.

In Vorbereitung:

=A. Baruch=, Tag und Stunde. ∙ =W. Dieck=, Nichteuklidische Geometrie.

∙ =Pfeifer=, Photogrammetrie. ∙ =H. E. Timerding=, Der goldene Schnitt.

∙ =K. Doehlemann=, Mathematik und Architektur.

Verlag von B. G. Teubner in Leipzig und Berlin

MATHEMATISCH-PHYSIKALISCHE

BIBLIOTHEK

HERAUSGEGEBEN VON =W. LIETZMANN= UND =A. WITTING=

27

KARTE UND KROKI

VON

DR. H. WOLFF

STÄNDIGER ASSISTENT UND DOZENT

AN DER TECHNISCHEN HOCHSCHULE

BERLIN-CHARLOTTENBURG

MIT 47 FIGUREN

IM TEXT

[Illustration]

1917

LEIPZIG UND BERLIN

VERLAG UND DRUCK VON B. G. TEUBNER

SCHUTZFORMEL FÜR DIE VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA:

COPYRIGHT 1917 BY B. G. TEUBNER IN LEIPZIG.

[Illustration]

ALLE RECHTE,

EINSCHLIESSLICH DES ÜBERSETZUNGSRECHTS, VORBEHALTEN

VORWORT

Das vorliegende 27. Bändchen der mathematisch-physikalischen Bibliothek

soll, entsprechend seinem Titel, im ersten Teile einen Überblick über

alle Arbeiten geben, welche zur Herstellung einer Karte nötig sind.

Mit Rücksicht auf den Leserkreis, dem es zugedacht ist, wurden nur die

einfachsten vermessungstechnischen Methoden eingehender angegeben,

bei denen nur geringe mathematische Kenntnisse vorausgesetzt werden.

Auf schwierigere geodätische Messungen und die Hilfsmittel bei diesen

konnte nur kurz hingewiesen werden.

Der zweite Teil beschäftigt sich mit der Anfertigung von Krokis und

Skizzen. Im wesentlichen handelt es sich dabei um die Messung und

Zeichnung von Entfernungen, Winkeln und Höhenunterschieden, wobei

wiederum nur die einfachsten Methoden in Betracht kommen können. Mit

Rücksicht auf den Umfang des Bändchens wurde nach Kürze, aber doch nach

Klarheit des Ausdrucks gestrebt, um Vollständigkeit der Angaben zu

erreichen.

Angeregt wurde ich zu dem kleinen Werk durch mehrmonatige Tätigkeit

als Vermessungsbeamter im Felde und durch Vorträge, die ich 1916 für

das Generalkommissariat Brandenburg und in einem vom preußischen

Kultusministerium für die Zeichenlehrer an höheren Schulen

veranstalteten Geländezeichenkursus gehalten habe.

Auch der ministerielle Erlaß, durch den der Unterricht im Kartenlesen,

Skizzieren und Krokieren auf den höheren Schulen eingeführt wird,

war maßgebend für den Entschluß zur Bearbeitung eines Bändchens, das

die in den bekannten »Richtlinien« für die Ausbildung der Jungmannen

angegebenen Kenntnisse über Karte und Kroki in leichtverständlicher

Form entwickelt.

+Berlin+, Januar 1917.

=H. Wolff.=

INHALT

Seite

Erster Teil

Die topographische Karte

Abschnitt 1. Grundbegriffe und Einteilung der Karten

§ 1. Begriff der Karte 1

§ 2. Einteilung der Karten nach dem Maßstab 3

§ 3. Einteilung der Karten nach dem Inhalt 4

Abschnitt 2. Arbeiten zur Herstellung der Karten

Kapitel 1. Die trigonometrischen Arbeiten

§ 4. Die Netzlegung 5

§ 5. Die Basismessung 6

§ 6. Die Winkelmessung 7

§ 7. Die Berechnung 10

§ 8. Die grundlegenden Höhenbestimmungen 13

Kapitel 2. Die topographischen Arbeiten

§ 9. Die vorbereitenden Arbeiten. Das Gradnetz 16

§ 10. Die Aufnahme der Lage (Situation) 19

§ 11. Die Aufnahme der Höhen des Geländes 22

Kapitel 3. Die kartographischen Arbeiten

§ 12. Ausarbeitung der Feldaufnahmen. Die Kartenschrift 24

§ 13. Die Signaturen für die Situation 24

§ 14. Die Arten der Geländedarstellung 25

§ 15. Vervielfältigung und Vertrieb der Karten 36

Zweiter Teil

Das Kroki

§ 16. Einleitung. Grundbegriffe 38

§ 17. Orientieren der Karte. Festlegen von Punkten und

Richtungen 39

§ 18. Messen von Entfernungen 41

§ 19. Messen von Horizontalwinkeln 43

§ 20. Messen von Böschungswinkeln. Berechnung von

Höhenunterschieden 44

§ 21. Krokieren im Zusammenhange 46

§ 22. Anfertigung von Krokis bei vorhandenen Karten 53

§ 23. Anfertigung von Skizzen 54

ERSTER TEIL

DIE TOPOGRAPHISCHE KARTE

ABSCHNITT 1. GRUNDBEGRIFFE UND EINTEILUNG DER KARTEN

§ 1. =Begriff der Karte.= Der Name »Karte« stammt von dem lateinischen

»charta« ab, das ursprünglich »Brief, Bericht, Urkunde« bedeutete.

Seit dem 14. Jahrhundert wird »charta« aber auch schon als Bezeichnung

für eine Landkarte verwendet. Seit dieser Zeit ist der Name »Charte«

geblieben, und nur die Schreibweise hat sich geändert.

Unter einer Karte versteht man die zeichnerische, verjüngte Darstellung

eines Teiles der physischen Erdoberfläche, die nach Lage (Situation)

und Höhe zum Ausdruck gebracht werden soll. Man erreicht dies,

indem man die einzelnen Punkte der physischen Erdoberfläche auf

eine Grundfläche, die mathematische Erdoberfläche oder den ideellen

Meeresspiegel, lotrecht projiziert. Dadurch würden also zunächst die

Punkte in der Projektion gegeneinander ihrem _Abstande_ nach und die

Flächen ihrer _Ausdehnung_ nach festgelegt sein. Es ist nun Aufgabe

der Kartographie, den Verlauf der Erdoberfläche auch der Höhe nach

darzustellen, und das geschieht, indem man die _Höhen_[1] (_Koten_)

der Punkte, d. h. ihre senkrechten Abstände von dem Meeresspiegel (der

Projektionsfläche) neben die Projektionen schreibt und dann weiter

das Erdrelief durch Höhenlinien und bestimmte Schraffiermethoden zur

Vorstellung zu bringen sucht. Eine weitere Aufgabe der Kartographie

ist es, die Figuren auf der gekrümmten, ellipsoid- oder kugelförmigen

mathematischen Erdoberfläche, in der Kartenblatt_ebene_ möglichst

längen-, flächen- und winkeltreu zur Abbildung zu bringen.

Eine Karte ist demnach der auf einer Kartenblattebene maßstäblich

verkleinert gezeichnete Grundriß mit Höhendarstellung eines auf

die mathematische Erdoberfläche projizierten Teiles der physischen

Erdoberfläche oder kürzer nach Rothe: »_Eine Karte mit Höhenangaben ist

eine geometrische Grundrißdarstellung eines Geländes durch kotierte

Projektionen._«

[Illustration: Fig. 1--8.]

Man teilt nun die Karten nach dem Maßstab und nach dem Inhalt ein.

_Maßstab_ ist das Maß der Verkleinerung oder Verjüngung der Karte im

Vergleich zur Natur.

Für _Längen_ _L_ gilt also:

_L_K_ : _L_N_ = 1 : _m_,

wobei _K_ Karte und _N_ Natur bedeutet; z. B. bei 1 : _m_ = 1 : 25000

sind 1000 m in der Natur auf der Karte nur 4 cm lang, denn

_L_K_ = 1000 m/25000 = 4 cm.

Ist umgekehrt _L_K_ = 2,5 cm, dann ist

_L_N_ = 2,5 cm ∙ 25000 = 625 m.

Für _Flächen_ _F_ gilt:

_F_K_ : _F_N_ = 1 : _m²_;

z. B. die Fläche eines Waldes sei auf der Karte 1 : 25000 in

natürlichem Maßstab 4 qcm groß. Dann ist in Wirklichkeit

_F_N_ = _F_K_ ∙ _m²_

_F_N_ = 4 qcm ∙ 25000 ∙ 25000

d. h. _F_N_ = 2500000000 qcm = 0,25 qkm.

Auf jede Karte wird zur Vereinfachung der Maßstab gezeichnet bzw.

aufgedruckt. Man unterscheidet Längen- oder Linearmaßstäbe (Fig. 1--8)

und Transversalmaßstäbe (Fig. 9). Um den Maßstab einer Karte, d. h. das

Verhältnis 1 : _m_ festzustellen, braucht man nur eine Länge zwischen

zwei festen Punkten auf der Karte mit einem Millimeterstab abzugreifen

und mit der wirklich abgemessenen Länge zu vergleichen. Es mögen z. B.

4 cm einer Länge von 1000 m zwischen zwei Punkten entsprechen, dann ist

der Maßstab 4 cm : 100000 cm = 1 : 25000. Bei allen Umrechnungen ist es

zweckmäßig, von der Einheit auszugehen.

[Illustration: Fig. 9.]

§ 2. =Einteilung der Karten nach dem Maßstabe.= Hier unterscheidet man

1. topographische, 2. geographische Karten. Die topographischen Karten

sind in allen Einzelheiten das Erzeugnis der Geodäten und Topographen

und beruhen auf Aufnahmen an Ort und Stelle. Diese werden je nach

dem Zweck, dem sie dienen sollen, mit feineren oder mit einfacheren

Meßinstrumenten erfolgen, und auch der Maßstab der Karte wird diesem

Zweck entsprechend gewählt werden. Zu 1 gehören:

a) Detailkarten oder Pläne in 1 : 500 bis 1 : 10000; Katasterkarten,

Stadtpläne, Stromkarten, Pläne zu technischen Zwecken usw.

b) Topographische Spezialkarten von 1 : 10000 bis 1 : 200000; z.B.

Meßtischblätter 1 : 25000, Karte des Deutschen Reiches 1 : 100000,

Spezialkarte der österreichisch-ungarischen Monarchie 1 : 75000

in 832 Blatt, topographischer Atlas von Bayern 1 : 50000, Karte

von Frankreich 1 : 80000, von Italien 1 : 100000, von England 1 :

63360, von Rußland 1 : 126000.

c) Topographische Übersichtskarten 1 : 200000 bis 1 : 500000.

Reymannsche Karte von Mitteleuropa 1 : 200000, topographische

Übersichtskarte des Deutschen Reiches 1 : 200000, Übersichtskarte

von Mitteleuropa 1 : 300000, Vogels Karte des Deutschen Reiches 1 :

500000, österreichische Generalkarte von Mitteleuropa 1 : 200000,

französische Karte 1 : 320000.

2. Die geographischen Karten von dem kleinsten Maßstab bis 1 :

500000. Sie sollen von einzelnen Teilen der Erdoberfläche nur die

hauptsächlichsten Eigenschaften jeder Örtlichkeit hervorheben, so daß

ein Gesamtbild entsteht, bei dem es weniger auf die topographischen

Einzelheiten ankommt. Sie sind mehr das Ergebnis wissenschaftlicher,

kritischer Arbeit, die das Wesentliche von dem Unwesentlichen

unterscheiden soll und beruhen nicht durchweg auf _Aufnahmen_ an Ort

und Stelle. Man unterscheidet:

a) Geographische Spezialkarten 1 : 500000 bis 1 : 50000000.

Europäische Großstaaten 1 : 500000 bis 1 : 1000000,

außereuropäische Erdteile 1 : 10000000 bis 1 : 50000000.

b) Geographische Übersichtskarten 1 : 10000000 bis 1 : 50000000. Sie

stellen ganze Länder und Erdteile möglichst auf einem Blatt dar.

Asien 1 : 30000000, Afrika, Nord- und Südamerika 1 : 20000000,

Europa und _Australien_ 1 : 10000000.

Bisher sind nur die _Land_karten erwähnt worden. Bei den

_See_karten unterscheidet man Küstenkarten, Segel- oder Kurskarten,

Übersichtskarten.

§ 3. =Einteilung der Karten nach dem Inhalt.= Hier unterscheidet man:

geologische, hydrographische, orographische, ethnographische Karten,

Verkehrskarten, politische, administrative und historische Karten,

statistische Karten, meteorologische, erdmagnetische, klimatologische

Karten usw.

ABSCHNITT 2. ARBEITEN ZUR HERSTELLUNG DER KARTEN

KAPITEL 1. DIE TRIGONOMETRISCHEN ARBEITEN

§ 4. =Die Netzlegung.= Alle Generalstabskarten sind das Ergebnis einer

genauen Landesaufnahme, die zunächst wohl aus strategischen, dann aber

auch aus staatswirtschaftlichen, technischen und wissenschaftlichen

Gründen ausgeführt wird. Man kann bei jeder Landesaufnahme mehrere

Arbeitsabschnitte unterscheiden, nämlich die trigonometrischen,

topographischen und kartographischen Arbeiten. In Preußen werden

diese ausgeführt von der _Königl. Preußischen Landesaufnahme_ (1865

gegründet), welche dem Generalstab angegliedert ist und entsprechend

der genannten Einteilung in die trigonometrische, topographische und

kartographische Abteilung zerfällt.

Die Grundlage einer jeden Landesvermessung bildet ein Netz von

möglichst gleichseitigen Dreiecken, welches über das ganze Land

gelegt wird. Man nennt diese Arbeit _Triangulation_. Je nach der

Entfernung der Netzpunkte voneinander unterscheidet man Netze 1.,

2., 3. und 4. Ordnung. Bei der 1. Ordnung sind die Dreiecksseiten

über 20 km, bei der 2. Ordnung 10--20 km, bei der 3. Ordnung 3--10 km

und bei der 4. Ordnung unter 3 km lang. Um die Punkte bei den großen

Entfernungen gegenseitig sichtbar zu machen, ist es nötig, sie auf die

höchsten Erhebungen zu legen oder Kirchtürme als Punkte zu wählen.

Auch sollen die Dreiecke eine möglichst günstige Form erhalten. Es

wird also der Netzlegung eine _Erkundung_ vorausgehen müssen. Sind

die Punkte ausgewählt, dann werden sie, wenn nötig, durch Signale

aus Holz bezeichnet. Bei 20 m hohen Signalen verwendet man seit 1898

Holzgerüste in der Form achtseitiger abgestumpfter Pyramiden beim

Unterbau (Sockelsignale), sonst einfache Gerüste (Fig. 10). Senkrecht

unter der Spitze wird ein quadratischer, etwa 1 m langer Stein mit

eingemeißeltem Kreuz so eingegraben, daß er noch 1--2 dcm aus dem

Boden herausragt. Der Mittelpunkt des Kreuzes ist dann der dauernd

festgelegte trigonometrische Punkt, der auch noch unter dem Stein durch

eine Platte mit Kreuz vermarkt wird.

[Illustration: Fig. 10.]

[Illustration: Fig. 11.]

§ 5. =Die Basismessung.= Zur Berechnung der Seiten eines Dreiecks

braucht man eine Ausgangsseite und zwei Winkel. Es müßte also bei einer

Triangulation zunächst eine Dreiecksseite gemessen werden. Diese selbst

zu messen, ist aber schwer möglich, und so begnügt man sich mit der

Messung einer kurzen Linie (_Basis_) von mehreren Kilometern (Berliner

Basis ca. 8 km), die man durch ein _Basisnetz_ mit der Hauptseite des

Dreiecks verbindet (Fig. 11). Diese (_AB_) wird dann aus der gemessenen

Basis (_CD_) berechnet. Die _Basismessung_ wird mit einem besonderen

Apparat ausgeführt. In Preußen verwendet man den Basisapparat von

Bessel (1789--1845). Er besteht aus vier Stangen und jede Stange aus

einem nahezu 4 m langen Eisenstabe mit darüber lagerndem Zinkstab,

die zum Schutze gegen äußere Einflüsse in einem Holzkasten ruhen.

Die genaue Länge der Stäbe bzw. ihre Gleichung für eine bestimmte

Temperatur wird vorher auf einem besonderen Vergleichapparat

(Komparator) mit Normalmetern bestimmt. Bei der Messung selbst werden

die Stangen nicht aneinander gelegt; es wird ein Zwischenraum gelassen

und dieser wird mit einem Keil gemessen. Auch werden die Stangen

nicht auf den Boden gelegt, sondern auf Böcke. Die Neigung gegen den

Horizont wird mit einer Libelle bestimmt. Auch die Temperatur muß

gemessen werden. Die Durchschnittsleistung am Tage beträgt etwa 2 km.

In den Kolonien hat man mit gutem Erfolge statt des Basisapparates

_Jäderin-_ oder _Invardrähte_ für Basismessungen verwendet. Diese sind

24 m lang und bestehen aus einer Nickelstahllegierung (64% Stahl, 36%

Nickel), die gegen Temperatureinflüsse nahezu invariabel ist. An den

Enden laufen die Drähte in eine in Millimeter geteilte Skala aus. Bei

der Messung werden sie auf Stative gelegt und durch ein 10 kg-Gewicht

gleichmäßig gespannt. Auch ihre Länge ist vorher mit Normalmetern genau

bestimmt (normiert). Nach der Messung werden sie auf Spulen aufgerollt.

Die Geschwindigkeit der Messung beträgt etwa 5 km am Tage. Die

Genauigkeit der Basismessung wird nach dem mittleren Fehler beurteilt.

Er beträgt auf den Kilometer noch nicht ± 1 mm.

[Illustration: Fig. 12.]

§ 6. =Die Winkelmessung= wird auf _jedem_ Dreieckspunkt ausgeführt,

um eine Probe im Dreieck zu haben; denn die Winkelsumme muß bei einem

Dreieck auf der Kugel 180° + sphärischem Exzeß, in der Ebene 180° sein.

Zur Messung benutzt man einen _Theodolit_, dessen einfachste Form in

Fig. 12 im Schnitt dargestellt ist. Der Dreifuß aus Metall mit den drei

Stell- oder Fußschrauben erweitert sich nach oben zu einer konisch

ausgebohrten Hohlachse oder Büchse. Die Mittellinie derselben nennt man

Stehachse. Rechtwinklig zu ihr ist der Horizontalkreis _l_ aus Metall

angebracht, der auf einem eingelegten silbernen Rand _s_ (Limbus) die

Teilung trägt. Der Limbus ist meistens in 360° (sexagesimal) eingeteilt

und ein Grad wieder in zwei oder drei Teile, jeder Teil zeigt also

30´ oder 20´ an. Bei feineren Instrumenten findet man auch vier und

sechs Unterteile, also 15´ und 10´. Je feiner die Unterteilung ist,

desto größer ist der Durchmesser des Kreises. Er schwankt zwischen 8

und 27 cm. In der Hohlachse steckt drehbar ein konischer Zapfen aus

Stahl mit einer Platte (Alhidade), die mit zwei gegenüber liegenden

Nonien _n_ versehen ist. Diese Nonien sollen die feinere Ablesung des

Limbus ermöglichen, also mindestens Minuten angeben. Bei größerem

Durchmesser des Limbus und bei feinerer Unterteilung desselben

beträgt die Angabe des Nonius 30´´, 20´´ und 10´´. Bei den besten

geodätischen Instrumenten verwendet man statt der Nonien Schätz- und

Schraubenmikroskope, die Ablesung auf Sekunden (´´) gestatten. Die

Unterteilung des Limbus geht dann bis auf ¹/₁₂°, d. h. 5´.

Auf der Alhidade erheben sich die Fernrohrträger, in deren Lagern

das Fernrohr mit der Kippachse ruht. Forderung bei der Winkelmessung

ist, daß das Fernrohr beim Kippen vertikale Ebenen beschreibt. Dazu

muß zunächst die Stehachse lotrecht stehen und dann die Kippachse

wagerecht und ferner die Zielachse oder Kollimationsachse rechtwinklig

zur Kippachse sein. Die Stehachse wird nahezu lotrecht gestellt,

indem man eine auf der Alhidade angebrachte justierte Dosenlibelle

(Fig. 12) mit den Fußschrauben zum Einspielen bringt. Die Kippachse

wird wagerecht gestellt, indem man bei lotrechter Stehachse eine

auf ihr ruhende justierte Reiterlibelle durch Heben oder Senken der

Kippachse zum Einspielen bringt. Die Zielachse wird rechtwinklig zur

Kippachse gestellt durch Anzielen eines Fernpunktes vor und nach dem

Durchschlagen des Fernrohrs und Ablesen am Kreis. Unter Zielachse

versteht man die Verbindung von optischem Mittelpunkt des Objektivs und

Kreuzungspunkt der Fäden, die am »Diaphragma« angebracht sind.

Im einzelnen soll hier auf diese und andere Justiermethoden nicht

eingegangen werden. Bemerkt sei nur noch, daß diese »Achsenfehler«

auch durch die _Anordnung_ der Winkelmessung (_Kompensation_) ohne

Justierung unschädlich gemacht werden können, indem man jedes Ziel

bei lotrechter Stehachse in zwei »Fernrohrlagen«, vor und nach dem

Durchschlagen des Fernrohrs, beobachtet und aus den jedesmaligen

Ablesungen das Mittel bildet. Zu diesen Fehlern gehört auch eine

etwaige seitliche Stellung (Exzentrizität) der Zielachse gegen die

Mitte der Alhidade. Zu den kompensierbaren Fehlern gehört ferner die

Exzentrizität der Alhidadenachse, wenn die Mittellinie des Zapfens

der Alhidade nicht mit der Mitte des Limbus zusammenfällt. Sie wird

getilgt durch Mitteln der Ablesungen an den beiden um 180° voneinander

abstehenden Nonien.

Die Feineinstellung der Zielachse auf den Zielpunkt erfolgt durch die

Mikrometerschraube, nachdem vorher durch die Klemmschraube die Alhidade

an den Limbus geklemmt wurde. Auch am Fernrohrträger ist eine ähnliche

Vorrichtung für die Kippbewegung angebracht. Das Instrument wird beim

Beobachten auf ein Stativ gesetzt, mit dessen Teller es durch einen

»Stengelhaken« verbunden wird. Die zentrische Aufstellung über dem

Punkt erfolgt durch ein Lot.

Außer dem »einfachen Theodolit« unterscheidet man noch den

»_Doppelachsen-_« oder »_Repetitionstheodolit_«, bei welchem auch der

Horizontalkreis um eine besondere Achse drehbar ist. Durch besondere

Klemm- und Feinschrauben können dann sowohl Limbus und Alhidade

vereint in der Dreifußbüchse, als auch die Alhidade für sich in der

»Limbustülle« gedreht werden, so daß es möglich ist, einen Winkel durch

Aneinanderlegen öfter zu messen, zu repetieren bzw. das Vielfache

desselben zu erhalten. Wegen der geringen Zahl der Ablesungen, die

nur bei der ersten und letzten Einstellung nötig sind, wird diese

»_Repetitionsmethode_« bei Instrumenten mit grober Nonienangabe (etwa

1´ und 30´´), also geringer Ablesegenauigkeit, angewendet. Außer dieser

Methode wird namentlich bei einer größeren Anzahl von stets sichtbaren

Zielen und bei bequemen und festen Standpunkten, gleicher Ablese- und

Zielgenauigkeit, die Methode der _Richtungsmessung_ verwendet, bei der

die einzelnen Ziele der _Reihe nach_ in beiden Lagen des Fernrohrs

(in einem _Satz_) angezielt und bei _jeder_ Einstellung Ablesungen

an beiden Nonien gemacht werden. Zur Erhöhung der Genauigkeit werden

mehrere Sätze angeordnet und zur Herabminderung des Einflusses der

_Kreisteilungsfehler_ wird dann bei Beginn eines neuen Satzes der Kreis

um 180°/Anzahl der Sätze verstellt. Ferner werden die Ziele nach dem

Durchschlagen in umgekehrter Reihenfolge anvisiert, um die Wirkung

etwaiger durch die Sonnenwärme verursachter _Drehungen des Stativs_

zu beseitigen. Trotz dieser Umkehr der Zielfolge wird doch stets

rechtsläufige Drehung der Alhidade beibehalten, um den Einfluß eines

_Mitschleppens_ des Limbus zu tilgen.

Als Beispiel sei eine einfache Winkelmessung angegeben.

Standpunkt 2

+------+-----------+-----------+-----------+-----------+------------+

| | Nonius I | Nonius II | Mittel | Richtung | Richtungs- |

| Ziel | | | | | mittel |

| | | | | | |

| | ° ´ ´´ | ° ´ ´´ | ° ´ ´´ | ° ´ ´´ | ° ´ ´´ |

+------+-----------+-----------+-----------+-----------+------------+

| 1 | 15 16 30 | 195 16 00 | 15 16 15 | 0 00 00 | 0 00 00 |

| 3 | 176 20 00 | 356 20 30 | 176 20 15 | 161 04 00 | 161 04 30 |

| | + + + + |

| | Fernrohr durchgeschlagen | |

| | + + + + |

| 3 | 356 20 30 | 176 21 00 | 356 20 45 | 161 05 00 | |

| 1 | 195 15 30 | 15 16 00 | 195 15 45 | 0 00 00 | |

+------+-----------+-----------+-----------+-----------+------------+

Der Winkel 1--2--3 ist demnach gleich 161° 04´ 30´´. Die Genauigkeit

der Winkelmessung bei der Landesaufnahme beträgt ± 0,5´´.

Bemerkt sei noch, daß zur Signalisierung entfernter Dreieckspunkte

das »Heliotrop« verwendet wird, bei dem das Sonnenlicht durch einen

drehbaren Spiegel nach dem Punkt reflektiert wird, auf dem der

Beobachter mit dem Instrument steht. Dasselbe wurde 1821 von Gauß

erfunden. Die Landesaufnahme benutzt heute das Heliotrop von Bertram,

das einfacher und leichter zu handhaben ist wie das von Gauß.

Bei sehr großen Entfernungen reicht selbst Heliotroplicht nicht

aus; man verwendet dann elektrische Signale (z. B. bei der

Verbindungstriangulation Europa--Afrika).

§ 7. =Die Berechnung.= Zunächst wird die schräg gemessene Basislänge

auf den Messungshorizont und dann auf den Meeresspiegel reduziert.

Mit dieser Basis wird weiter aus dem Basisnetz die Länge einer

Dreiecksseite berechnet. Ferner werden in den einzelnen Dreiecken

die Winkel auf 180° + _E_ abgestimmt (ausgeglichen), wobei _E_ den

sphärischen Exzeß bezeichnet. Durch Berechnungen, die im wesentlichen

auf dem Sinussatz beruhen, werden dann die einzelnen Längen der

Dreiecksseiten berechnet. Es ist nun zunächst die Aufgabe der

Triangulation, der auf sie folgenden topographischen Meßtischaufnahme

als _Unterlage_ die _geographischen Koordinaten_ (Länge und Breite)

der trigonometrischen Punkte zu geben. Dazu braucht man aber die

Länge und Breite eines Anfangspunktes und weiter die Neigung (das

Azimut) einer Anfangsseite gegen die astronomische Nordrichtung. Die

Bestimmung geschieht in beiden Fällen auf astronomischem Wege. Als

Anfangspunkt galt bisher für Preußen der Punkt _Rauenberg_ bei Berlin

und als Anfangsneigung die der Seite _Rauenberg_--_Marienkirche_. Für

den Rauenberg soll der _Telegraphenberg_ bei Potsdam eintreten. Mit

diesen Elementen werden dann durch »_geodätische Übertragung_« die

geographischen Koordinaten der anderen Punkte des Netzes berechnet. Ein

einfaches Beispiel aus der Geometrie der Ebene möge die Berechnungen

andeuten (Fig. 13).

[Illustration: Fig. 13.]

Es sei _A_ Nullpunkt (Anfangspunkt) des rechtwinkligen ebenen

Achsensystems, die + _X_-Achse (Abszissenachse) sei nach Norden, die

+ _Y_-Achse (Ordinatenachse) sei nach Osten gerichtet. Dann sind die

ebenen Koordinaten von _B_:

_y_b_ = _s_ ∙ sin α, _x_b_ = _s_ ∙ cos α.

Die Strecke _s_ und die Neigung α mögen gegeben sein. Bei der

Triangulation sind die Seiten _s_ aus der Berechnung der Dreiecke

bekannt, α als Anfangsneigung wird astronomisch bestimmt, ebenso sind

die geographischen Koordinaten von _A_ astronomisch bestimmt. Die

Neigungen der folgenden Seiten werden mit Hilfe der gemessenen Winkel

berechnet. Die geographischen Koordinaten der Punkte werden von der

Landesaufnahme auf drei und vier Stellen nach dem Komma in der Sekunde,

also auf 1/1000´´ und 1/10000´´, angegeben, d. h. auf einige Zentimeter

genau; denn 1´´ entspricht einer Länge von 31 m, z. B. Sternwarte

Berlin:

Breite 52° 30´ 16,6813´´

Länge 31° 03´ 41,2489´´ östl. von Ferro.

Greenwich liegt 17° 39´ 57,6´´ östl. von Ferro.

Seit 1865 sind von der trigonometrischen Abteilung rund 69000

trigonometrische Punkte bestimmt worden. Auf 100 qkm entfallen rund 20

Punkte.

[Illustration: Fig. 14.]

Für die Wissenschaft hat die Triangulation den Zweck, die Figur und

Größe der mathematischen Erdoberfläche zu bestimmen. Wir wissen heute,

daß die Erdfigur, dargestellt durch die Meeresoberfläche, ein an den

Polen abgeplattetes Rotationsellipsoid ist (Fig. 14). Die Punkte

1 und 2 mögen in der Nähe des Äquators, die Punkte 3 und 4 nahe am

Pol liegen. Die Polhöhenunterschiede Δφ und Δψ betragen rund 1°.

Dann müssen bei einer _Ellipse_ (Ellipsoidschnitt im Meridian) die

zugehörigen Bogen _M_ und _m_ ungleich sein: _M_ > _m_, denn bei _W_

ist die Krümmung der Kurve stärker wie bei _N_. Der Krümmungsradius

_r_ ist demnach < als _R_. Für den Krümmungsradius gibt es bestimmte

Formeln, in denen die Halbachse _a_ und die numerische Exzentrizität

_e_ = √((_a²_ – _b²_)/_a²_) vorkommen. _b_ ist dabei die kleine

Halbachse der Ellipse. Drückt man _r_ und _R_ durch _m_ und _M_ und

die Winkel Δφ und Δψ aus, dann erhält man zwei Gleichungen mit den

Unbekannten _a_ und _e_, die man also berechnen kann, denn _M_ und _m_

sind aus Triangulationen als Längen zwischen zwei Punkten im Meridian

bekannt, die um 1° in _Breite_ auseinanderliegen. Man nennt derartige

Messungen deshalb auch Breitengradmessungen. Um die Streitfrage über

die Erdgestalt einwandfrei zu lösen, wurde 1735--41 unter Bougner

eine Expedition nach Peru und 1736--37 eine andere unter Celsius und

Clairaut nach Lappland ausgerüstet, die feststellten, daß in Peru

in – 1° 31´ mittlerer Breite ein Gradbogen 56736 Toisen (1 Toise =

1,949 m), in Lappland unter + 66° 20´ mittlerer Breite 57438 Toisen

lang sei. Damit war die Ellipsoidgestalt der Erde erwiesen und auch

Übereinstimmung erzielt mit der Gravitationstheorie von Newton und

Huygens. Es ist klar, daß die Bestimmung von _a_, _e_ und _b_, d. h.

der grundlegenden Dimensionen des Erdellipsoids, um so genauer wird,

je mehr Gradmessungen an verschiedenen Punkten der Erdoberfläche

ausgeführt werden. Als solche sind noch zu nennen: die Gradmessungen

in Ostindien (1790, 1802), in Frankreich 1792--1808 zur Einführung

des metrischen Maßsystems, in England 1783, in Hannover durch Gauß

1821--23, in Dänemark 1816 durch Schumacher, in Ostpreußen 1831--38

durch Bessel und Baeyer, in Rußland durch Struve 1821--31. Alle diese

Messungen vereinigte Bessel, um seine _Dimensionen_ zu berechnen. Nach

ihm ist:

_a_ = 6377397 m.

_b_ = 6356079 m.

Exzentrizität _e_ = 0,081697.

Abplattung _p_ = ¹/₂₉₉ = (_a_ – _b_)/_a_.

Meridianquadrant = 10000856 m.

Ein Äquatorgradbogen = 111307 m.

Eine geographische Meile = ¹/₁₅ Äquatorgrad = 7420 m.

Radius der Erde = 6370 km.

Nach den neuesten Forschungen von Helmert (Potsdam) und Hayford

(Nordamerika) ergeben sich unter Benutzung von Schweremessungen

_p_ = 1/297, _a_ = 6378388 m, _b_ = 6356909 m

als _zurzeit beste Werte_.

§ 8. =Die grundlegenden Höhenbestimmungen.= Die trigonometrische

Abteilung der Landesaufnahme hat außer der Triangulation auch noch

die grundlegende Höhenmessung auszuführen. Über das ganze Land

wird ein Haupthöhennetz gelegt, bestehend aus einer Anzahl von

geschlossenen _Schleifen_ von je 300--400 km Umfang. Die einzelnen

Höhen- oder Nivellierzüge folgen Straßen und Eisenbahnen. Innerhalb

der Züge sowie in den Knotenpunkten sind in Entfernungen von 2 km

Höhenfestpunkte angebracht und durch besondere Marken (eiserne Bolzen)

auf Säulen und an Gebäuden dauernd bezeichnet. Ihre Höhen über dem

Meereshorizont, über NN (Normal-Null), sind durch geometrisches

Nivellement bestimmt. Diese Normal-Nullfläche oder der Landeshorizont

wurde 1879 dauernd festgelegt durch einen an der Sternwarte in

Berlin angebrachten _Normalhöhenpunkt_, dessen Höhe zu 37 m über dem

Nullpunkt des Amsterdamer Pegels bestimmt wurde. Nach Abbruch der

Sternwarte wurde der Normalhöhenpunkt 1912 durch fünf Punkte auf der

Chaussee Berlin--Manschnow ersetzt. Die Normal-Nullfläche würde also

37 m unter dem Normalhöhenpunkt liegen, sehr angenähert durch den

Amsterdamer Pegel gehen und allgemein übereinstimmen mit dem Spiegel

der norddeutschen Meere.

[Illustration: Fig. 15 a.]

[Illustration: Fig. 15 b.]

Zur Ausführung der geometrischen Nivellements wird ein

Nivellierinstrument benutzt, dessen Grundform Fig. 15 a und b in

Schnitt und Ansicht zeigen.[2] In der Büchse des Dreifußes _c_ steckt

mit einem Zapfen _f_ der Oberbau mit dem Fernrohrträger _f₁_, dem

Fernrohr und der Libelle _l_, die entweder mit dem Fernrohr oder mit

dem Träger verbunden oder vom Fernrohr abnehmbar ist. Man unterscheidet

Instrumente 1. mit festem Fernrohr, d. h. dieses ist mitsamt der

Libelle fest mit dem Zapfen verbunden; 2. mit festem, aber kippbarem

Fernrohr, d. h. es läßt sich samt Libelle mit einer Kippschraube um

eine horizontale Achse bewegen; 3. mit in den Lagern um seine Achse

drehbarem oder umlegbarem Fernrohr mit oder ohne Kippschraube mit

Wendelibelle (doppelseitig geschliffen) oder abnehmbarer Aufsatzlibelle

(Reiterlibelle).

Die Hauptbedingung für die Justierung des Instruments ist: bei

einspielender Libelle soll die Zielachse _Z_--_Z₁_ horizontal sein.

Bei der ersten Form würde noch hinzutreten, daß bei einspielender

Libelle, also horizontaler Libellenachse, der Zapfen (die Stehachse)

_V_--_V₁_ nahezu lotrecht sein muß. Dazu bringt man das Fernrohr mit

Libelle über eine Fußschraube, läßt mit derselben die Luftblase

einspielen, dreht das Fernrohr um 180° und beseitigt den sich

zeigenden Ausschlag zur Hälfte mit der Fußschraube, zur anderen

Hälfte mit den Justierschräubchen der Libelle. Dann stellt man das

Fernrohr parallel zu den beiden anderen Fußschrauben und bringt mit

denselben die Luftblase zum Einspielen. Um nun die Zielachse parallel

der Libellenachse, also horizontal zu stellen, bestimmt man bei

einspielender Libelle den Höhenunterschied Δ_h_ zweier Punkte (Pfähle)

_A_ und _B_ von der _Mitte_ (_M_) aus, also fehlerfrei, durch die

Differenz der Ablesungen _a_m_ und _b_m_ an einer in diesen Punkten

jedesmal lotrecht aufgestellten Nivellierlatte. Dann geht man mit dem

Instrument möglichst nahe an den Punkt _B_ heran und macht an der

eingeteilten Nivellierlatte in _B_ die Ablesung _b₁_ bei einspielender

Libelle; _b₁_ gilt für horizontale Zielachse, weil der Einfluß einer

Neigung derselben wegen der kurzen Entfernung unbedeutend ist. Dann ist

die _Sollablesung_ _a₁_ für den Punkt _A_ bei horizontaler Zielachse

_a₁_ = _a_m_ – _b_m_ + _b₁_,

denn es soll sein

_a₁_ – _b₁_ = _a_m_ – _b_m_ = Δ_h_.

Auf die aus dieser Gleichung errechnete Ablesung _a₁_ an der Latte in

_A_ wird nun der horizontale Faden des Fadenkreuzes durch vertikales

Verschieben des Diaphragmas mit den Diaphragmaschräubchen eingestellt.

Die Justierung der anderen Formen läuft auf die Hauptbedingung hinaus

und soll hier nicht erörtert werden.[3] Es ist wichtig hervorzuheben,

daß durch Nivellieren aus der Mitte, also durch Einhalten gleicher

Zielweiten, der Fehler des Nichtparallelismus von Ziel- und

Libellenachse aufgehoben wird, ebenso wie der Einfluß der Erdkrümmung.

Damit ist nun auch der Zweck des Nivellierens gegeben: es handelt

sich darum, durch fortlaufende Bestimmung von Höhenunterschieden

im Anschluß an einen gegebenen Ausgangspunkt (Festpunkt) die Höhe

von Punkten über NN durch ein _Festpunktnivellement_ oder auch die

Lage von Punkten durch ein _Längennivellement_ zu finden. Durch

besondere Nivelliermethoden und Instrumente wird die Genauigkeit der

Nivellements erhöht und z. B. von der Landesaufnahme ein _mittlerer_

Fehler von weniger als ± 1 mm für 1 km erreicht.

KAPITEL 2. DIE TOPOGRAPHISCHEN ARBEITEN

[Illustration: Fig. 16.]

§ 9. =Die vorbereitenden Arbeiten.= =Das Gradnetz.= Im Anschluß an

die Punkte des trigonometrischen Netzes wird die topographische

Aufnahme ausgeführt. Sie erfolgt mit dem Meßtisch. Derselbe wurde

1590 von Praetorius aus Altdorf bei Nürnberg erfunden und besteht

im wesentlichen aus dem Stativ mit Dreifuß, der Meßtischplatte und

der Kippregel, d. h. einem Lineal mit Fernrohr und Gradbogen nebst

Röhrenlibelle. Als Hilfsinstrumente kommen hinzu: eine Dosenlibelle

und eine Bussole in Form eines länglichen Kästchens (Fig. 16). Der

Dreifuß des Stativs trägt eine Scheibe, auf der die Meßtischplatte

mit drei Schrauben befestigt wird. Der Bogen des Meßtischblattes wird

auf der Unterseite mit geschlagenem Eiweiß gleichmäßig angefeuchtet

und mit seinen überstehenden Rändern an den Seitenflächen der Platte

durch Leim befestigt, nachdem er vorher mit einem Tuch glatt gestrichen

wurde. Das Aufspannen geschieht bereits ein bis zwei Monate vor Beginn

der Feldarbeit. Jedes Blatt umfaßt in 1 : 25000 10 Längenminuten

in Breite und 6 Breitenminuten in Höhe. Mithin entfallen auf einen

Grad 60 Blätter (Gradabteilungskarten). Ein Blatt hat etwa 48 cm

Seitenlänge und etwa 124 qkm Inhalt in 52½° nördl. Breite. Die Zahl

der Meßtischblätter für Preußen beträgt 3699. Bei 1 : 100000 hat

jedes Blatt 15 Breitenminuten Höhe und 30 Längenminuten Breite.

Zu einem Gradfeld gehören also 8 Blätter. Die Fläche zwischen den

Randlinien eines Blattes kann als eben angesehen werden (preußische

Polyederprojektion) und dementsprechend werden die Rand- und

Minutenlinien als gerade Linien aufgetragen. Mit dem Auftragen des

_Gradnetzes_ beginnt man erst nach einigen Wochen, nachdem das Papier

vollkommen ausgetrocknet ist. In dieses Netz von geraden Linien werden

die trigonometrischen Punkte (20 auf 100 qkm) nach Länge und Breite

mit Berücksichtigung des Unterschiedes zwischen Bogen und Sehne

aufgetragen, und zwar als Schnitt zweier scharfer Bleilinien. Außer den

trigonometrischen Punkten werden auch bereits bestimmte Höhenpunkte

eingetragen.

[Illustration: Fig. 17.]

Vor den Feldarbeiten werden ferner die in das Aufnahmegebiet fallenden

Katasterkarten mit dem _Pantographen_ auf 1 : 25000 verkleinert. Der

Pantograph oder Storchschnabel wurde vom Pater Scheiner († 1650)

erfunden. Er besteht aus einem Parallelogramm von Holz- oder

Metallschienen mit Gelenken in den Eckpunkten (Fig. 17). In dem

Parallelogramm _PCFE_ sei _AB_||_PC_. In _A_ und _B_ seien ebenfalls

Gelenke vorhanden. Es ist △_PZB_ ~ _AZF_ und demnach verhält sich

_PZ_ : _ZF_ = _PB_ : _AF_. Weil nun _PB_ : _AF_ fest bleibt, so

sind auch die Verhältnisse _PZ_ : _ZF_, _PF_ : _PZ_ und _PF_ : _ZF_

unveränderlich. Die Punkte _PZF_ liegen in einer Geraden. Sei _P_

fest, dann beschreiben _Z_ und _F_ stets ähnliche und ähnlich liegende

Figuren. Denkt man sich also in _Z_ einen Zeichenstift und in _F_ einen

Fahrstift, dann werden die vom Fahrstift umfahrenen Figuren verkleinert

im Verhältnis _PZ_ : _PF_ oder _CA_ : _CF_ (denn _PB_ = _CA_). Bei

der Landesaufnahme finden die freischwebenden Präzisionspantographen

Verwendung (Fig. 18). Der Drehpunkt _P_ liegt in einem kranartigen

Gestell _K_. Von _P_ gehen zwei Messingschienen _PC_ und _PE_ aus. Die

Schiene _CF_ läuft parallel _PE_. Die Schiene _AB_ kann auf _PE_ und

_CF_ verschoben werden, um ein bestimmtes Verhältnis einzustellen. Das

Instrument muß genau horizontiert sein. Dazu wird zunächst das Gestell

mit Hilfe einer Dosenlibelle horizontal gestellt. Der Pantograph wird

dann durch Drähte horizontal gehalten.

[Illustration: Fig. 18.]

Außer mit dem Pantographen kann man die Karten auch mittels

_Quadratnetz_ verkleinern. Dieses Verfahren wird namentlich im Felde in

Betracht kommen, wenn es sich darum handelt, in eine bereits vorhandene

Karte durch _Krokiaufnahmen_ Veränderungen einzutragen und für diese

Aufnahmen vorher eine Vergrößerung anzufertigen.

Man überzieht die Karte oder noch besser ein Stück Pauspapier mit

einem Quadratnetz von 200 m Seitenlänge in dem Maßstabe der Karte und

ein Stück Zeichenpapier mit einem Quadratnetz von ebenfalls 200 m in

dem verlangten größeren oder kleineren Maßstab. Dann legt man das

Pauspapier auf die Karte und zeichnet nun quadratweise das Kartenbild

auf das Zeichenpapier nach Augenmaß ab. Vorteilhaft ist die Benutzung

eines _Reduktionszirkels_, den man durch einen _Reduktionsmaßstab_ wie

folgt ersetzen kann (Fig. 19).

[Illustration: Fig. 19.]

Man konstruiert ein gleichschenkliges Dreieck mit der Länge _a_ einer

Quadratseite der großen Karte als Seite und der Länge _b_ eines

Quadrats der kleinen Karte. _c_ sei die zu verkleinernde Länge, dann

ist _d_ ihre Verkleinerung, denn

_d_ = _b_ ∙ _c_/_a_;

ist z. B. _b_ = ½_a_, dann ist _d_ = _c_/2. Bei einer Vergrößerung

würde das umgekehrte Verfahren eintreten.

Die in Blei ausgeführten Reduktionen werden ausgezeichnet und

koloriert. Jedem Topograph wird außer den so vorbereiteten Blättern die

Karte 1 : 200000 (Reymannsche Karte) seiner Sektion sowie eine Karte

1 : 100000 oder eine andere ältere zur Orientierung mitgegeben. Alle

Instrumente werden vor der Arbeit im Felde geprüft, für die nötige

Ausrüstung an Zeichengerät ist zu sorgen.

§ 10. =Die Aufnahme der Lage (Situation).= Vor der eigentlichen

Meßtischaufnahme auf den trigonometrischen Punkten muß eine _Erkundung_

der aufzunehmenden Gegend vorgenommen werden. Reichen die gegebenen

trigonometrischen Punkte nicht aus, dann müssen weitere Punkte als

Standpunkte (Stationspunkte) durch Vorwärts- und Seitwärtsabschnitte

oder durch Rückwärtseinschnitte bestimmt werden. Diese Punkte werden

zunächst ausgesucht und signalisiert. In großen Forsten sind die

Endpunkte von _Gestellen_ (Schneisen) möglichst als Stationspunkte

festzulegen; dann können beliebige Punkte in der Verbindungslinie als

Standpunkte benutzt werden. Auch die Zahl der Höhenanschlußpunkte

ist nach Bedarf zu erhöhen. Für jede Station wird dann nach dieser

_allgemeinen_ Erkundung die verkleinerte Katasterkarte mit der

Wirklichkeit verglichen und ergänzt. Auch werden die ausgesprochenen

Bodenformen nach Geripp- und Abfallslinien in die Karte hineinskizziert

und in Gegenwart des Lattenträgers die Lattenpunkte ausgesucht. Von der

richtigen Auswahl derselben nach Zahl und Lage sind Güte und Zeitdauer

der Aufnahme wesentlich abhängig.

[Illustration: Fig. 20.]

Auf dem trigonometrischen Punkt _A_ wird der Meßtisch so aufgestellt,

daß z. B. der Bildpunkt _a_ des trigonometrischen Punktes auf der

Meßtischplatte lotrecht über dem Punkt _A_ der Natur liegt und ferner

die Richtung _a_--_b_ auf dem Blatt übereinstimmt mit der Richtung _A_

nach einem zweiten trigonometrischen Punkt _B_. Dann ist der Tisch

orientiert. Die Nordlinie wird gezogen, indem man die Kippregel mit

der aufgesetzten Orientierbussole so lange dreht, bis die nicht mehr

arretierte Magnetnadel einspielt, und dann an der Linealkante eine

Bleilinie zieht, welche magnetisch Nord angibt. Es ist klar, daß auf

_B_ der Tisch wieder orientiert ist, wenn man ihn so weit dreht, bis

die Nadel der an die Bleilinie angelegten Bussole einspielt. Für das

Festlegen der einzelnen Punkte im Gelände sind folgende Einzelarbeiten

auszuführen: Anlegen des Lineals an den Bildpunkt der Station, Anzielen

der Latte, Einstellen des Fadenkreuzes auf Fernrohrhöhe, Ablesen der

Entfernung, Ziehen einer kurzen Bleilinie an der Linealkante, Eintragen

der Entfernung ins Tagebuch, Abwinken des Lattenträgers, Ablesen des

Winkels am Höhenkreis (Gradbogen), Eintragen desselben ins Tagebuch,

Berechnen der Höhe, Auftragen der Entfernung an der Bleilinie,

Bezeichnen des Punktes durch einen Zirkelstich, Anschreiben der

Höhenzahl an den Punkt. Damit sind alle Arbeiten erledigt, welche zur

Festlegung eines Punktes nach Lage und Höhe gehören. Die _Entfernung_

des Punktes wird erhalten durch das entfernungmessende Fernrohr, bei

dem am Diaphragma drei Fäden in gleichen Abständen angebracht sind.

In Fig. 20 sei _a_ der Abstand der äußeren Fäden. _A_ sei das von

ihnen eingeschlossene, in der Entfernung _E_ vom Objektiv _I_ mit dem

optischen Mittelpunkt 0 abgelesene Lattenstück. _f_ sei die Brennweite

vom Objektiv. Wegen der Ähnlichkeit der Dreiecke verhält sich:

_E_ : _A_ = _f_ : _a_

_E_ = _A_ ∙ _f_/_a_.

Das Verhältnis _f_ : _a_ wird vom Mechaniker zu 100 oder zu 200

gemacht, so daß also im letzten Falle

=_E_ = 200 _A_=,

d. h. man hat das abgelesene Lattenstück nur mit 200 zu multiplizieren,

um die Entfernung _E_ zu erhalten. Die 3 m lange Latte sei in 60 Teile

zu 5 cm geteilt, dann gilt für einen Teil

_E_ = 200 ∙ 5 cm = 10 m,

also _E_ = _A_ ∙ 10 m, wenn _A_ ein Vielfaches von 5 cm bedeutet.

Dies gilt für horizontale Sichten. Bei gegen den Horizont geneigten

Sichten ist der Höhenwinkel am Höhenkreis der Kippregel abzulesen. Die

Reduktion der Sicht auf den Horizont erfolgt nach Tafeln, in denen für

die einzelnen Höhenwinkel die Korrektionen angegeben sind.

[Illustration: Fig. 20 a.]

In der angegebenen Weise werden von einer Station aus sämtliche

vorher ausgesuchten Lattenpunkte aufgenommen. Außerdem werden aber

auch Richtungslinien nach allen wichtigen Punkten im Umkreis der

Station gezogen, wie nach Häusern, Brücken, Wald-, Wiesenecken,

Schornsteinen, Fahnenstangen usw. Wichtig ist es, auch in Aussicht

genommene Aufstellungspunkte (Stationen) anzuschneiden, denn die

trigonometrischen Punkte werden nicht immer genügen (Fig. 20 a). Für

die Neubestimmung von Standpunkten gelten folgende Verfahren:

1. Das _Vorwärtsabschneiden_: Es seien _A_ und _B_ zwei gegebene

trigonometrische Punkte, _a_ und _b_ die entsprechenden Bildpunkte auf

der Meßtischplatte. In _A_ wird bei orientiertem Tisch durch _a_ eine

Visierlinie nach dem signalisierten Neupunkt _P_ gezogen, und ebenso in

_B_ eine Visierlinie durch _b_. Der Schnittpunkt der beiden Bleilinien

ist der Bildpunkt _p_.

2. _Seitwärtsabschneiden._ _A_ und _B_, _a_ und _b_ seien wieder

gegeben. In _A_ wird durch _a_ eine Visierlinie nach _P_ gezogen. Jetzt

stellt man sich in _P_ selbst auf und zieht durch _b_ bei der Sicht

nach _B_ eine Linie rückwärts, deren Schnitt mit der vorher gezogenen

Linie _p_ ergibt. Orientierung des Tisches ist auch hier Bedingung.

3. _Rückwärtseinschneiden._ _A_, _B_, _C_ seien drei bereits bestimmte

Festpunkte, _a_, _b_, _c_ die entsprechenden Bildpunkte auf der Platte.

_D_ sei der Neupunkt. Aufstellung in _D_ und Annahme eines beliebigen

Punktes _d_ auf der Platte. Von diesem aus zieht man auf Pauspapier die

Strahlen nach den Punkten _A_, _B_, _C_ in der Natur und verschiebt

dann das Pauspapier so lange, bis die drei Linien durch _a_, _b_, _c_

gehen. Der Punkt _d_ auf der Pause wird nun durchgestochen, wodurch _d_

auf der Platte bestimmt ist. Jetzt wird der Tisch orientiert. Statt

des Pauspapiers kann man auch einen dreibeinigen Zirkel oder einen

Einschneidetransporteur mit drei Linealen benutzen.

Am Schluß der Arbeit auf einer Station fertigt man eine Pause oder

eine Kopie der Punktaufnahme an und begeht das ganze Gelände, um alles

einzuzeichnen, was für die Situation und die Geländedarstellung wichtig

ist. Zweckmäßig ist es, die Kopie so groß zu wählen, daß die Aufnahmen

mehrerer Stationspunkte auf ihr Platz finden. Die Zeichnung der Pause

oder Kopie wird auf das Meßtischblatt übertragen und möglichst in

Tusche ausgezogen. Zur Situation gehören Wege und Eisenbahnen, Boden

und Wald, Gewässer, Ortschaften nebst Umgebungen. Eigentumsgrenzen

werden nicht aufgenommen, nur Landesgrenzen.

[Illustration: Fig. 21.]

§ 11. =Die Aufnahme der Höhen des Geländes.= Für die Darstellung der

Bodenformen, d. h. der Unebenheiten und der ganzen Gestaltung der

Erdoberfläche ist es nötig, zunächst die einzelnen Punkte nicht nur der

Lage, sondern auch der Höhe nach festzulegen. Durch die Höhenmessung

mit horizontaler Sicht (Nivellieren) waren bereits Höhenanschlußpunkte

bestimmt worden. Von diesen ausgehend werden die Lattenpunkte und nach

Bedarf auch Stationspunkte durch trigonometrische Höhenmessung bestimmt

(Fig. 21). Das Instrument stehe über Station _S_, die durch einen

Stein bezeichnet sei. _r_ sei die Instrumentenhöhe von Steinoberfläche

bis zur Fernrohrdrehachse (Horizont). α sei der abgelesene Höhenwinkel,

_d_ die Entfernung von der Latte _L_. _m_ sei die Ablesung an derselben

für den Mittelfaden. Die Höhe von _S_ = _H_S_ sei bekannt. Gesucht ist

_H_P_.

_H_P_ = _H_S_ + _r_ + _d_ ∙ tg α – _m_.

Wird die Ablesung am Mittelfaden so gewählt, daß _m_ = _r_, so bleibt

_H_P_ = _H_S_ ± _d_ ∙ tg α = _H_S_ ± _h_

Karte und Kroki · 第 1 / 5 段