Aktiengesellschaft, der die Deutsche Edison Gesellschaft die ihr von
der Stadt gewährte Konzession zur Einführung des elektrischen Lichts
in einem zentralen Berliner Stadtteil überließ, hatten dafür die
Verpflichtung übernommen, alle Maschinen, Apparate und Utensilien zur
Erzeugung und Verwendung des elektrischen Stroms zu meistbegünstigten
Preisen ausschließlich von der Edison Gesellschaft zu beziehen. Die
Lieferungen hielten sich im Jahre 1884 noch in engen Grenzen, die
Gewinne bei dem Bau der beiden geplanten Zentralen wurden, um den
zukünftigen Nutzen aus den Lieferungen ungeschmälert zu erhalten,
über Handlungsunkosten abgeschrieben. Von den Aktien der Städtischen
Elektrizitätswerke behielt die Edison Gesellschaft nur 560000 Mark
für sich zurück, die übrigen wurden teilweise von den Aktionären
der Edison Gesellschaft bezogen, teilweise zum Parikurse dem
Bankenkonsortium überlassen. Es mag wohl die Aktionäre enttäuscht
haben, daß der „entsprechende Nutzen“, der im vorjährigen Bericht aus
diesen Transaktionen schon für 1884 in Aussicht gestellt worden war,
ausblieb. Auch sonst wickelten sich die Bau- und Installationsarbeiten
bei der Zentralstation nicht ganz glatt ab. Zwar funktionierte der
elektrische Teil der Anlage von Anfang an ohne Tadel, die Durchführung
der Installationen wird als völlig gelungen und als mustergiltig
bezeichnet. Aber die Dampfmaschinen, die die Gesellschaft auf den
Wunsch der Stadtverwaltung, die heimische Industrie bei ihren Aufträgen
zu berücksichtigen, bei der Firma Borsig bestellte, hatten sich bei
Ablauf der kontraktlichen Liefertermine „noch nicht so bewährt, wie das
der Ruf der mit der Konstruktion beauftragten Firma erwarten ließ.“
Die Städtischen Elektrizitätswerke leiteten aus der Verzögerung der
Termine Schadenersatzansprüche gegen die Deutsche Edison Gesellschaft
als Generalunternehmerin der gesamten Anlage her, gegen die diese
Gesellschaft allerdings durch Garantien der Maschinenfabrik gedeckt
war. Nach einiger Zeit wurden die bestehenden Differenzpunkte durch
beiderseitiges Entgegenkommen aus der Welt geschafft. Der mißglückte
Teil der motorischen Anlage mußte unter der direkten Aufsicht der
Edison Gesellschaft einer Remontierung unterzogen werden, die von der
Firma Kuhn in Stuttgart zur Zufriedenheit durchgeführt wurde. Die erste
Zentrale in der Mauerstraße war somit erst in der zweiten Hälfte des
Jahres 1886 in Betrieb gekommen, der sich nach Angabe der Gesellschaft
nunmehr tadellos und regelmäßig abwickelte. Eine der ersten größeren
Aufgaben, die den Städtischen Elektrizitätswerken gestellt wurde, war
die Beleuchtung der beiden königlichen Theater, des Opernhauses und
des Schauspielhauses. Sie wurde nach anfänglichen Schwierigkeiten mit
gutem Gelingen durchgeführt. Es folgten die Reichsbank, das Hotel
Kaiserhof und eine Anzahl von Bankgeschäften im Zentrum der Stadt.
Die elektrische Straßenbeleuchtung machte nur langsame Fortschritte.
Eigentlich wurden in den ersten Jahren nur die von Siemens & Halske
früher angelegten, und bis dahin mit besonderen Antriebsmaschinen
versorgten Straßenbeleuchtungen, also im wesentlichen die in der
Leipziger Straße übernommen, deren Kosten sich durch den Strombezug
aus der Zentralstation in der Mauerstraße erheblich verbilligten,
nämlich von 36 auf 4 Pfennige für die Lampenbrennstunde. Aber auch
dieser Preis war im Vergleich mit dem des Gaslichts noch hoch, und
erst später, als mit der zunehmenden Vergrößerung und der wachsenden
Spannung der elektrischen Maschinen die Ausnutzung der Kohlen beim
elektrischen Licht sich erhöhte, konnten die Preise, die später nicht
mehr nach Lampenstunden, sondern nach Kilowattstunden berechnet wurden,
wesentlich herabgesetzt werden.
Die Stadtverwaltung, die die anfänglichen Hemmnisse vielleicht etwas
stutzig gemacht hatten, die vielleicht auch die Zeit gekommen glaubte,
die Werke zu günstigen Bedingungen an sich zu bringen, verlangte
die Errichtung zweier weiterer Zentralen, abgesehen von den beiden
schon erbauten, und finanzielle Garantien für die Fähigkeit der
Gesellschaft, diese Aufgabe durchzuführen. Insbesondere wurde die
Erhöhung des Grundkapitals von 3 auf 6 Millionen Mark gefordert.
Da in den ersten Jahren die Werke mangels jeglicher Erfahrungen
im Zentralenbetrieb mit Verlust arbeiteten, und die ersten beiden
Zentralen in der Markgrafenstraße mit 6 Dampfmaschinen und in der
Mauerstraße mit 3 Dampfmaschinen, jede nach Edisonschem Vorbild mit
nur 150 PS ausgestattet, über die Voranschläge hinausgehende Summen
verschlangen, war die Situation für die Städtischen Elektrizitätswerke
und die hinter ihr stehende Edison Gesellschaft eine sehr heikle. Der
damalige Direktor Geh. Postrat Ludewig wurde damit beauftragt, ein
Gutachten abzufassen, ob die Gesellschaft die neue Finanzbelastung
ertragen könnte und wie sich bei Erfüllung der von der Stadt
geforderten Garantien die Lage der Werke gestalten würde. Ludewig kam
zu einem niederschmetternden Ergebnis. „Erfüllen wir die Forderungen
der Stadt, so sind wir bankerott.“ Dieses Gutachten rief unter den
Aktionären und den Geldleuten eine wahre Panik hervor, und es mußte
unbedingt etwas geschehen, wenn der Zusammenbruch, der nicht nur für
die Städtischen Werke, sondern auch für die gesamte Zentralen-Idee
von den verhängnisvollsten Folgen begleitet gewesen wäre, verhütet
werden sollte. Rathenau, der die Gefahr erkannte, innerlich aber in
dem festen Glauben an seine Sache keinen Augenblick wankend geworden
war, bewies zum ersten Male die Unbeirrbarkeit, die ihn in kritischen
Lagen stets auszeichnete. Er, der in weniger zugespitzten Situationen
die Vorsicht selbst war, setzte alles auf eine Karte. Es blieb ihm
allerdings wohl auch keine andere Wahl, da eine weniger entschlossene
Haltung wahrscheinlich den Zusammenbruch nicht nur der Städtischen
Werke, sondern auch der Deutschen Edison Gesellschaft, jedenfalls aber
seine Ausschaltung aus beiden Unternehmungen herbeigeführt hätte. Als
Aufsichtsrat und Aktionäre ihn mit Vorwürfen bestürmten, erklärte er
sich bereit, 1.500.000 Mark Aktien der Städtischen Elektrizitätswerke
zum Kurse von 95% zurückzuerwerben. Man ging gern auf sein Angebot ein.
Was damals als tollkühnes Wagnis erschien, hat sich später als ein sehr
gutes Geschäft erwiesen, ja es ist der A. E. G. später noch häufig zum
Vorwurf gemacht worden, daß sie zuviel an den B. E. W. verdiene und
daß sie sich bei der Aktienübernahme zuviel Vorteile in vertraglicher
und verwaltungstechnischer Hinsicht habe zusichern lassen. Zu
diesen späterhin besonders scharf bekämpften Vorteilen gehörte die
Einführung der sogenannten Verwaltungsgemeinschaft zwischen der Edison
Gesellschaft und ihrem Tochterunternehmen, ferner die Einräumung von
Gründerrechten in der Art, daß die Gesellschaft bei Kapitalserhöhungen
die Hälfte der neuen Aktien zum Parikurse beziehen durfte. Man kann
es Rathenau indes nicht verdenken, daß er sich das Risiko, das er
ganz allein zu tragen bereit war, gehörig bezahlen lassen wollte. Der
Geh. Oberpostrat Ludewig, der sich der Situation so wenig gewachsen
gezeigt hatte, wurde mit einer angemessenen Abfindung aus seinem Amt
entfernt, und Emil Rathenau, Oscar v. Miller sowie der inzwischen zum
Vorstandsmitglied der Edison Gesellschaft aufgerückte Felix Deutsch
übernahmen die Leitung der Gesellschaft, die dem Mutterunternehmen
aus ihren Einnahmen einen bestimmten Betrag als Beisteuer zu den
Verwaltungskosten zahlte, wogegen die Verwaltung von der Edison
Gesellschaft geführt und bestritten wurde.
Bei Gelegenheit der finanziellen Stärkung der Städtischen
Elektrizitätswerke, die vielleicht keine offene, wohl aber eine
heimliche Reorganisation bedeutete, wurden die Beziehungen zur
Stadt -- dieses Äquivalent wußte Rathenau immerhin herauszuschlagen
-- gefestigt und für die Gesellschaft im großen und ganzen
verbessert. Die Abgaben vom Reingewinn wurden eingeschränkt, die
vom Installationsgeschäft völlig aufgehoben, wogegen für die
Installationen aber die freie Konkurrenz ausdrücklich zugelassen
werden mußte. Die Straßenbeleuchtung sollte erweitert werden und
zwar besonders durch die Einbeziehung der Straße „Unter den Linden“
(1888). Das Konzessionsgebiet wurde ausgedehnt und umfaßte jetzt einen
Stadtteil, der von der Besselstraße bis zum Oranienburger Tor, von
der Wallner-Theater-Straße bis zum Ende der Bellevue-Straße reichte.
Dieser ganze Stadtteil mußte mit Kabeln ausgerüstet werden. Zwei
neue Zentralstationen, in der Spandauerstraße und am Schiffbauerdamm
waren anzulegen und mit je 2000 Pferdekräften zunächst für je 6000
Lampen, die bis zum Jahre 1892 auf 24000 bezw. 12000 gesteigert werden
sollten, auszustatten. Die Zentrale in der Mauerstraße war erheblich zu
erweitern. Die Maschinen für diese Anlagen wurden bei der belgischen
Fabrik van der Kerkhoven in Gent bestellt. Emil Rathenau benutzte die
Gelegenheit, um von den kleineren Schnellläufermaschinen von nicht
mehr als 150 PS, mit denen die erste Zentrale in der Markgrafenstraße
gegen seinen Willen auf Verlangen des zur Vorsicht mahnenden
Bankenkonsortiums ausgestattet worden war, zu großen „Langsamläufern“
überzugehen, die schnell bis auf 1000 PS gesteigert wurden. Er
stand dabei im Gegensatz zur ganzen Fachwelt, selbst zu Edison, der
die Meinung vertrat, daß die Kraft mehrerer Kleinmaschinen besser
ausgenutzt und den jeweiligen Strombedürfnissen richtiger angepaßt
werden könnte als die einer Großmaschine. Auch die Sachverständigen der
früheren Bankengruppe der Städtischen Elektrizitätswerke hatten sich
von dieser durch die Autorität des Erfinders Edison gestützten Ansicht
nicht abbringen lassen und das war ein weiterer Grund für die Banken
gewesen, Rathenau das Geld für die Erweiterung der Elektrizitätswerke
zu verweigern. Wenn er schon mit den kleinen Maschinen keine
Rentabilität erzielte, so würde er sie -- dies war ihr Argument -- mit
großen sicherlich nicht erreichen. Rathenau war damals der einzige, der
von großen Maschinen das Heil erwartete, nicht nur aus technischen,
sondern auch aus ökonomischen Gründen, denn er hielt es für wichtig,
daß ihre Aufstellung viel weniger Platz in Anspruch nahm als die vieler
Kleinmaschinen, was bei den hohen städtischen Bodenpreisen immerhin
ins Gewicht fiel. Als er bei den Städtischen Werken nun unabhängig
von fremdem Einfluß geworden war, konnte er seine Pläne hinsichtlich
des Großmaschinenbaus unbehindert zur Durchführung bringen und hatte
die Genugtuung, daß sich selbst Edison nach einer Besichtigung der
neuen Zentralen von der Überlegenheit der Neuerung überzeugen ließ.
Erst durch das von Rathenau gegen die ganze damalige übrige Fachwelt
durchgesetzte Prinzip der Großmaschinen ist die Grundlage für die
gewaltige Entwickelung des Zentralenbaus gelegt worden.
Die Kosten des Bauprogramms wurden auf 9 Millionen Mark berechnet,
die zur Hälfte in Aktien, zur Hälfte in Obligationen aufzubringen
waren. Die Firma der Gesellschaft wurde umgewandelt in +Berliner
Elektrizitätswerke+. Durch die Forderungen der Stadt war die
Tragfähigkeit der ersten großen Elektrizitätszentrale auf eine harte
Probe gestellt worden. Nachdem diese aber bestanden war, schlug die
Belastungsprobe zum Segen für das Unternehmen aus, das dadurch in
seinem Wachstum und seiner Stärke in einer Weise gefördert wurde, die
es wahrscheinlich, sich selbst überlassen, nicht so schnell erreicht
haben würde.
An den Schluß dieses Kapitels sei der Wortlaut der Rede gesetzt,
die Emil Rathenau am Vorabend der Einführung des elektrischen
Lichtbetriebes in der Straße „Unter den Linden“ hielt:
„Es ist uns ein Bedürfnis, im Namen der Berliner Elektrizitätswerke
den Spitzen der Städtischen Verwaltung unseren Dank dafür
auszusprechen, daß Sie uns gestattet haben, an einer Schöpfung
mitzuwirken, deren epochemachende Bedeutung weit über die Grenzen
dieser Stadt hinaus greift und deren Vollendung überall mit Freuden
begrüßt werden wird. Diese Schöpfung beweist aufs neue, mit
welchem Verständnis die Stadt Berlin jede neue Errungenschaft der
Wissenschaft und Technik dem Wohle der Bürgerschaft dienstbar zu
machen weiß. Das „lichtvolle“ Werk, dessen Generalprobe Sie soeben
beigewohnt haben, tritt würdig in die Reihe der schon bestehenden
Wohlfahrtseinrichtungen, welche der Erleichterung des Verkehrs,
der Befriedigung der Lebensbedürfnisse und der immer weiteren
Ausgestaltung des täglichen Komforts zu dienen berufen sind. Die
Naturkraft des neunzehnten Jahrhunderts, welche im Telegraphen und
im Telephon sich bereits überall das Bürgerrecht erworben hat, soll
in Zukunft der gesamten Bevölkerung zugängig gemacht werden, dem
Wohlhabenden in der Form strahlenden Lichts, dem Handwerker als
Werkzeug des täglichen Gebrauches.
Unsere Stadt tritt mit dem heutigen Tage in eine neue
Entwickelungsphase ihres Beleuchtungswesens ein; neben das
Gaslicht, das bisher die Alleinherrschaft behauptete, tritt heute
gleichzeitig das elektrische Licht, und die Zukunft wird lehren,
welchem von beiden der Sieg gehört.
80 Jahre sind es her, daß in dieser selben Straße „Unter den
Linden“ das bescheidene Öllämpchen von der ersten Gasflamme
verdrängt wurde und es wird vielleicht nicht weiterer 80 Jahre
bedürfen, um, wie damals die erste, so dereinst die letzte
Gasflamme als staunenswerte Kuriosität betrachtet zu wissen.
Nicht leicht war die Entscheidung, auf welchem Wege am raschesten
und sichersten das erstrebte Ziel zu erreichen sei, zumal
da städtische Interessen hinzuweisen schienen, welche schon
in Gasanstalten, den Wasserwerken und last not least, der
unübertroffenen Kanalisation zu unbestrittenem Erfolge verholfen
hatten. Die Erkenntnis aber, daß die junge Industrie sich frei
entfalten müsse, bevor sie völlig in den Dienst des städtischen
Ärars treten durfte, hat Früchte gezeitigt, welche die Bewunderung
aller Nationen erregen. Und in dieser Entwicklung betätigt sich
gleichzeitig das Walten ausgleichender Gerechtigkeit, denn an
seiner Geburtsstätte hat der elektrische Strom seine größte
Verbreitung gefunden, obgleich es eine Zeitlang schien, als ob die
neue Welt uns diesen Ruhm streitig machen wolle.
Weit hinter dieser zurück steht das übrige Europa; in England
erschwert der Wille des Parlaments die Errichtung elektrischer
Zentralstationen und Frankreich konnte, trotz des hohen Fluges,
den es in der Ausstellung des Jahres 1881 zu nehmen schien, weder
in der Städtebeleuchtung noch in der elektrotechnischen Industrie
mit uns Schritt halten. So können wir mit Stolz behaupten, daß wir
an der Spitze aller Kulturvölker marschieren, die in erster Linie
berufen waren, das Prinzip der elektrischen Beleuchtung zu fördern
und sich nutzbar zu machen.
Diese Erfolge verdanken wir nicht zum wenigsten der Weisheit und
Einsicht unserer Behörden, welche der Privatindustrie freien
Spielraum ließen, und sie vor allen schädlichen Hemmnissen und
Beschränkungen bewahrten. So konnten wir in freier Entfaltung aller
unserer Kräfte das große Werk fördern helfen, das, noch früher als
gehofft und beabsichtigt war, als fertiges und vollendetes Ganzes
vor Ihnen stehen wird. Ein hoher Wille, dem wir uns in Ehrfurcht
beugen, hat uns diese Beschleunigung unserer Arbeiten nahe gelegt,
und wir sind stolz darauf, daß wir diesem Willen trotz mancher
entgegenstehender Hindernisse gerecht werden konnten.
So wird denn die elektrische Beleuchtung der prächtigsten Straße
der Reichshauptstadt schon mit dem morgigen Abend definitiv
beginnen.
Freilich konnten wir, die wir an der Lösung dieser gewaltigen
Aufgabe mitzuwirken das Glück hatten, nicht immer gleich allen
Wünschen in dem Umfange Rechnung tragen, wie es das Publikum, das
nach elektrischem Licht sich sehnt, in seiner leicht erklärlichen
Ungeduld beanspruchte, und auch dem Maß des zunächst Erreichbaren
entsprach. Vielleicht nicht immer den weitgehenden Erwartungen, die
gerade auf diesem Gebiet der Technik mehr als auf jedem anderen
sich geltend zu machen pflegen. Das Publikum steht eben unserer
Aufgabe im allgemeinen zu fern, um deren ganze Schwierigkeit voll
ermessen zu können, und es vergißt leicht, wie neu die Sache
eigentlich noch ist, deren Ausbildung und Realisierung wir uns
gewidmet haben. Es vergißt dies um so eher, als die Elektrizität,
trotz der ihr noch anhaftenden Jugendfehler uns schon jetzt ganz
unvergleichliche Dienste leistet. So mag man denn das immer noch
unvermeidliche Mißverhältnis zwischen unserem Wollen und unserem
Vollbringen in der Überzeugung entschuldigen, daß die Naturkraft,
die schon in ihren Kinderjahren so Gewaltiges zu leisten vermochte,
zu noch Größerem berufen ist, wenn Sie derselben Ihren Schutz mit
wohlwollender Nachsicht so lange angedeihen lassen, bis sie völlig
erstarkt ist und in freiem Fluge ihre Schwingen zu regen vermag.
Wir aber, die wir den Berliner Elektrizitätswerken vorstehen,
werden, wie bisher, so auch in Zukunft mit redlichem Eifer
bemüht bleiben, die neue Schöpfung zu einer der Reichshauptstadt
würdigen Stellung emporzuheben und dafür zu sorgen, daß die
führende Stellung in der Elektrotechnik, die Deutschland in beiden
Hemisphären einnimmt, ihm dauernd erhalten werde.
Das Verdienst für diese Führerschaft gebührt, wie nochmals
betont sei, in erster Reihe den Leitern unserer Stadt, die
mit weitsichtigem Blick, trotz der Bedenken vieler, daß die
Elektrizität andere städtische Unternehmen beeinträchtigen werde,
den Mut besaßen, für die Verwirklichung jener Ideen einzutreten,
welche die Bürgerschaft von Berlin schon jetzt als weise und
wohltätig erkannt hat.
Darum bitte ich Sie, Ihr Glas mit mir zu erheben, und einzustimmen
in den Ruf: Berlin, die Stadt der Intelligenz, die darum auch die
Stadt des Lichtes werden müßte, sowie die Verwaltung derselben, sie
lebe hoch!“
Achtes Kapitel
A. E. G.