stark und sehr regelmässig gestreift, Schlossband aussen nicht
sichtbar.
_C. solida_ ~Normand.~
Schale rautenförmig, ziemlich flach, ungleichseitig, dünn,
kaum gestreift.
_C. lacustris_ ~Drp.~
b. Schalen flach mit stark vorspringenden, einen Höcker tragenden
Wirbeln, Schlossband aussen sichtbar.
_C. calyculata_ ~Drp.~
7. Cyclas rivicola ~Lamarck~.
Ufer-Kreismuschel.
Schale kurzeiförmig bis herzförmig, ziemlich bauchig, fast
gleichseitig, mit ziemlich starken, sehr gleichmässigen, regelmässigen
Streifen, die besonders am Rande stark hervortreten, ziemlich fest und
dick, undurchsichtig, glänzend, graubraun oder gelblichbraun, meist mit
gelblichem Saum und mitunter auch mit gelblichen Ring-Binden und fast
stets mit einem oder einigen dunklen Ringen. Wirbel wenig erhoben, so
nahe am Rand, dass sie sich bisweilen berühren. Schlosszähne sehr klein
und dünn, die Seitenzähne grösser und dreieckig, aber ebenfalls sehr
dünn; Schlossband kurz, von aussen sichtbar. Die Muskeleindrücke und
die Mantelbucht sind innen kaum sichtbar; die Perlmutter ist bläulich
weiss. Länge 20-25 Mm., Höhe 15-20 Mm., Dicke 10-15 Mm.
Thier gelblichgrau oder weissgrau, mit kegelförmigem Fuss. Die Siphonen
ziemlich kurz, der untere etwas länger, am Rand vierlappig.
Die Jungen, die man fast das ganze Jahr hindurch in den äusseren Kiemen
antrifft, sind 4 Mm. gross, flach, gelblich. Man findet meistens 4-6
gleichgrosse Junge auf einmal, aber nach ~Jacobson~ gleichzeitig auch
Eier, sie werden durch die Siphonen ausgestossen.
In Rhein, Main und Lahn im Sand gemein; im Gebirge fehlend. Im
Obergraben der Gonzenheimer Mühle bei Homburg (~Trapp~). Im Main ist
sie namentlich im Sand hinter den Krippen gemein; man muss sie mit den
Fingern herauswühlen.
8. Cyclas cornea ~Linné~.
Kugelige Kreismuschel.
Muschel kugelig-bauchig, aufgeblasen, fast ganz gleichseitig, schwach
und unregelmässig gestreift, dünn, zerbrechlich, durchscheinend,
hornfarbig mit gelblichem Rand und meistens mit dunkleren Ringstreifen.
Wirbel stumpf abgerundet, mehr hervortretend, als bei voriger Art.
Vorderrand und Hinterrand gebogen, fast gleich, Oberrand convex,
Unterrand fast gerade. Die Innenseite ist bläulich weiss, der Rand
gelblich; Muskeleindrücke etwas deutlicher, als bei voriger Art. Am
Schloss sind die Innenzähne winzig klein, die beiden Seitenzähne
lamellenartig, dreiseitig, die vorderen grösser, als die hinteren.
Länge 8-10 Mm., Höhe 6-8 Mm., Dicke 4-6 Mm.
Thier weisslich.
Als Varietät kann eine auffallend stark gewölbte, fast rein kugelige
Form gelten, _var. nucleus_ ~Studer~.
In Rhein, Main und Lahn; im Gebirge fehlt sie. Im Main findet man sie
nach ~Noll~ nur an den Einmündungen der Seitenbäche. Die _var. nucleus_
fand sich früher an der Mündung des Metzgerbruch, kommt aber nach
~Dickin~ dort nicht mehr vor. In der alten Nied bei Höchst, in den
Lachen des Nieder Wäldchens.
9. Cyclas solida ~Normand~.
Gerippte Kreismuschel.
Muschel rundlich-dreieckig, etwas ungleichseitig, ziemlich bauchig,
mit starken, gleichmässigen, sehr regelmässigen Kreisrippen, ziemlich
dick, undurchsichtig, hellbraungelb, nur selten mit dunkleren Ringen,
mitunter hellgelb, besonders jüngere Exemplare. Der hintere Theil
etwas länger ausgezogen, als der vordere, beide abgerundet. Wirbel
ziemlich stark aufgetrieben, stumpf gestreift. Schlossband kurz, von
aussen nicht sichtbar. Die Mittelzähne sind kaum sichtbare Wärzchen,
die Seitenzähne deutlicher, dreiseitig. Muskeleindrücke sichtbar. Die
Innenseite ist milchweiss, mitunter mit einem leichten, bläulichen
Schimmer.
Thier weiss, mit sehr kurzen, durchsichtigen Siphonen von rother
oder orangegelber Farbe. Junge Exemplare wie das von ~Moquin-Tandon~
abgebildete, haben viel Aehnlichkeit mit _Pisidium obliquum_, sind aber
viel mehr gleichseitig. Länge 6-10 Mm., Höhe 5-7½ Mm., Dicke 4-6 Mm.
Im Sande des Maines nicht selten; lebende Exemplare bis jetzt nur von
~Wiegand~ an der Kaisersley oberhalb Frankfurt gefunden, und zwar im
Sande gerade an der Gränze des tiefsten Wasserstandes. Nach mündlichen
Mittheilungen hat Herr W. sie seitdem auch im Sande des Rheins bei
Mainz gefunden; ~Goldfuss~ fand sie bei Bonn und wird sie wohl überall
im Rhein an einzelnen Puncten vorkommen. Bei dem tiefen Wasserstand
1870 fand ich einzelne lebende Exemplare auch bei Schwanheim in den
flachen Anschwemmungen zwischen den Krippen. In die Bäche hinein geht
sie nicht; ~Friedel~ (Mal. Bl. 1870) bemerkt mit Recht, dass sie nur
den Hauptströmen und den grösseren Nebenflüssen nur, soweit dieselben
stromartig sind, angehört.
10. Cyclas lacustris ~Draparnaud~.
Muschel rund-rautenförmig, ungleichseitig, flacher als die vorigen
Arten; sehr zart und zerbrechlich, kaum gestreift, wenig glänzend.
Der obere Rand bildet mit dem hinteren einen stumpfen Winkel;
Vorderrand und Unterrand gerundet. Mittelzähne winzig klein, auch die
schmalen, dreieckigen Seitenzähne mit blosem Auge kaum sichtbar. Farbe
braungelblich mit helleren und dunkleren Ringstreifen; Innenseite
blassblau. Muskeleindrücke kaum sichtbar. Länge 8 Mm., Höhe 6-7 Mm.,
Dicke 4 Mm.
Selten in einer Rheinlache zwischen Biebrich und Schierstein (A.
~Römer~). Ich fand einige leere Schalen, die mit Leipziger Exemplaren
aus ~Rossmässlers~ Hand, nach denen vorstehende Beschreibung entworfen
ist, ganz übereinstimmten, in einer Wiesenlache im Pferdsbach bei
Biedenkopf, konnte aber trotz allen Nachsuchens keine lebenden
Exemplare auftreiben.
Ueber die Selbstständigkeit dieser Art herrschen bedeutende Zweifel;
Ad. ~Schmidt~ erklärt sie kurzweg für junge _rivicola_, ~Bielz~ für
unausgebildete _cornea_. Ich bemerke nur, dass in dem Gebirge, wo ich
diese Art gefunden, weder _rivicola_ noch _cornea_ vorkommen. Auch mit
_calyculata_, besonders mit der Form ohne Höckerchen, wird sie vielfach
verbunden; leider sind die wenigen Exemplare, die ich selbst gefunden,
zerbrochen und zur Untersuchung untauglich geworden.
11. Cyclas calyculata ~Draparnaud~.
Bucklige Kreismuschel.
Muschel zusammengedrückt, rundlich rautenförmig, dünn, durchscheinend,
sehr zerbrechlich, fein und unregelmässig gestreift, glänzend,
aussen hellgrau mit gelblichem Saume, innen dunkelgrau. Wirbel stark
aufgetrieben, nach innen gekrümmt, mit einem stark vorragenden
Höckerchen, der sitzengebliebenen Embryonalschale. Dimensionen wie bei
der vorigen.
Thier weisslich, durchscheinend, mit kurzen Siphonen.
Als Varietät zu betrachten ist _Cyclas Steinii_ ~Schmidt~,
ausgezeichnet durch das Fehlen der Höckerchen auf den Wirbeln. Ob
sie in unserem Gebiete vorkommt, weiss ich nicht, da diese kleinen
Cyclasarten noch ebenso wenig untersucht sind, wie die Pisidien.
Mehr in stehendem Wasser, in Gräben und Lachen, selbst in kleinen
Wiesengräben. In der Lahn bei Weilburg (~Sdbrg.~). Im Abfluss des
unteren Schlossgartenteichs zu Biebrich (~Th.~). In der alten Nied
bei Höchst, in den Lachen des Nieder Wäldchens, im Hauptgraben
der Schwanheimer Wiesen; im Teiche der Balbach’schen Brauerei zu
Biedenkopf einzeln. Nicht selten bei Hanau im Ausfluss der Fischteiche,
Lamboibrücke, Ehrensäule, Puppenwald, Hochstadt, Bischofsheim; in
schlammigen Gräben bei Hausen (~Speyer~). Im Amosenteich bei Darmstadt
(~Ickrath~).
Ausser diesen vorstehenden Arten führt ~Speyer~ noch eine _Cyclas
perpusilla_ ~Gärtner~ an; dieselbe ist aber keine Muschel, sondern die
Schale einer zu den Krebsen gehörigen Cypris und ~Kreglinger~[13] zieht
sie mit Unrecht zu _Pisidium obtusale_.
Zweiunddreissigstes Capitel.
IV. Pisidium ~C. Pfeiffer~.
Erbsmuschel.
Muschel sehr klein, rundlich eiförmig, stets ungleichseitig. Wirbel
mehr oder weniger aufgeblasen. Schloss mit einem Mittelzahn an der
rechten und zwei Hauptzähnen an der linken Schale, und mit länglichen,
lamellenartigen Seitenzähnen, im Verhältniss stärker, als bei Cyclas.
Schlossband sehr klein und stets auf der kurzen Seite befindlich, so
dass also hier die vordere Hälfte länger ist, als die hintere, während
bei den andern Muscheln der Fall umgekehrt ist.
Das Thier gleicht ganz dem von Cyclas, aber seine Athemröhren sind
in ihrer ganzen Länge mit einander verwachsen und bilden einen Sipho
von sehr wechselnder Form, der bei der geringsten Erschütterung
zurückgezogen wird.
Die Jungen entwickeln sich innerhalb der Kiemen des Mutterthiers, aber
nicht in einer besonderen Bruttasche, sie sind verhältnissmässig sehr
gross und man findet nur wenige auf einmal (~Baudon~).
Die Erbsmuscheln finden sich zwar auch im stehenden Wasser und kleinen
Pfützen, aber mit Vorliebe in fliessendem Wasser, in Wiesengräben,
Quellen und deren Abflüssen, im Schlamm verborgen. Sie scheinen
ziemlich lang ohne Wasser aushalten zu können; Dr. C. ~Koch~ theilte
mir mit, dass er sie in Hungerquellen gefunden habe, die 7-8 Monate im
Jahr kein Wasser haben, sie stecken dann oft mit Hydrobien, Carychien
und Vertigo zusammen im feuchten Laub oder Moos. Man sammelt sie am
besten, indem man den Schlamm durchsiebt oder in einem Netz ausspühlt.
~Baudon~ fand sie öfters an todten Thieren, Knochen u. dgl. in Menge
klebend, wahrscheinlich weil sie dem mit Nahrungsstoff gesättigten
Wasser nachgehen, und er hat sie mit Erfolg durch solchen Köder
herbeigelockt.
Die Pisidien sind bei ihrer Kleinheit natürlich noch viel schwerer
zu unterscheiden, als die Unionen, denen sie an Wandelbarkeit nicht
nachstehen. Dazu kommt, dass es noch immer an einer eingehenden
Bearbeitung der deutschen Pisidien fehlt, wie sie den englischen durch
~Jenyns~, den schwedischen durch ~Malm~, den französischen durch
~Baudon~, dessen Essai monographique ich hauptsächlich folge und auch
die Abbildungen entlehnt habe, zu Theil geworden ist. Die deutschen
Faunisten begnügen sich damit, die herkömmlichen Arten aufzuführen, und
ich kann leider von diesem Brauche nicht abweichen, da mein Material zu
unbedeutend ist und sich wesentlich auf die Umgebung von Frankfurt und
einige Puncte um Biedenkopf beschränkt.
Mit Sicherheit kommen bei uns vier Arten vor, die sich folgendermassen
unterscheiden:
a. Schale 7-12 Mm. lang, stark gerippt, sehr ungleichseitig,
Wirbel nach vorn geneigt.
_P. amnicum_ ~Müll.~
b. Schale unter 6 Mm. lang.
α. Schalen ziemlich gleichseitig.
Muschel sehr bauchig, aufgetrieben, Wirbel vorstehend,
Dim. ziemlich gleich, 2½-3 Mm.
_P. obtusale_ ~C. Pfr.~
Muschel weniger bauchig, fast ganz gleichseitig, blassgelb,
Wirbel rundlich, vorspringend.
_P. pusillum_ ~Jen.~
β. Schale sehr ungleichseitig, mit kaum vorspringenden Wirbeln.
_P. casertanum_ ~Poli.~
Eine Bereicherung unserer Fauna ist sicher zu erwarten, sobald man
anfängt, diese kleinsten Muscheln etwas mehr als bisher zu beachten.
12. Pisidium amnicum ~Müller~.
Schiefe Erbsmuschel.
_Syn._ _P. obliquum_ C. ~Pfr.~, _Cyclas obliqua_ ~Lam.~
Muschel beinahe eiförmig, ungleichseitig, bauchig, doch weniger
gewölbt, als die andern Arten, unregelmässig dreieckig, wenig glänzend,
zierlich gestreift, fast gerippt, äusserlich gelblichgrau, innen
bläulich. Wirbel wenig erhaben, nach vorn geneigt. Der Hauptzahn des
Schlosses gespalten, daneben jederseits ein paar kaum wahrnehmbare
Nebenzähne, an die sich die sehr dünnen Schlossleisten anschliessen.
Länge 7-12 Mm., Höhe 6 Mm., Dicke 4-6 Mm.
Thier etwas durchscheinend, weisslich oder graulich, mit kurzem,
breiten Fuss. Athemröhre kurz, kegelförmig, am Ende schräg abgestutzt.
Die grösste unserer Erbsmuscheln liebt fliessendes Wasser, kommt aber
auch im stehenden vor; sie scheint in Nassau nicht eben häufig zu sein.
Im Sonnenberger Bach bei Wiesbaden (~Thomae~). In Wiesengräben bei
Idstein (A. ~Römer~). In der Lahn bei Marburg, selten (C. ~Pfeiffer~).
Bei Cronberg (~Dickin~). Nicht häufig bei Hanau: Bulauwald, Lamboiwald,
Ehrensäule, Wilhelmsbader Wald (~Speyer~). In der Sulzbach (~Ickrath~).
Besonders schöne, grosse Exemplare, bis zu 12 Mm. lang, fand ich in der
Wickerbach oberhalb der Flörsheimer Kalksteinbrüche sehr zahlreich.
Selten in der Rutzebach bei Darmstadt. (~Ickrath~).
13. Pisidium obtusale C. ~Pfr.~
Stumpfe Erbsmuschel.
Muschel schief herzförmig, bauchig, nur wenig ungleichseitig, sehr
fein, kaum bemerklich gestreift, glänzend, durchsichtig, gelblichweiss.
Der Unterrand scharf, die Wirbelspitzen vorstehend, sehr stumpf,
gerundet, der Wirbel ziemlich nahe an der Mitte stehend. Länge und Höhe
gleich, 2-4 Mm., Dicke 1½-3 Mm.
Thier grau, mitunter gelblich oder röthlich, mit ziemlich langem,
spitzem Fuss. Athemröhre etwas kegelig, kurz, abgestutzt, mit kleiner
ganzrandiger Oeffnung (~Moq.-Tand.~).
Im Schlamme kleinerer Wassergräben, aber auch in den Buchten des Mains.
In der Tränke bei Wiesbaden. (~Thomae~). In Lachen an der Lamboibrücke
bei Hanau (~Speyer~). Im Schwanheimer Hauptgraben. -- Ueber die
Exemplare aus dem Main bemerkt mir Herr ~Clessin~ in Dinkelscherben,
dass die Wirbel für diese Art zu weit nach vornen stehen und zu spitz
sind, sie desshalb wahrscheinlich eher zu _Pisid. conicum Baud._
gehören dürften.
14. Pisidium pusillum ~Jenyns~.
Kleinste Erbsmuschel.
Muschel sehr klein, dünn, fast gleichseitig, nur wenig bauchig, mit
rundlichen, vorspringenden Wirbeln; die Streifen sind an den Wirbeln
stärker und dichter als am übrigen Theil der Schale, so dass man zwei
deutlich abgegränzte Parthieen der Schale unterscheiden kann; glänzend,
blassgelb, die Wirbel grau. Der Hauptzahn der rechten Klappe springt
ein wenig nach Innen vor; er ist flach zusammengedrückt und zeigt
eine Furche, als ob er aus zweien zusammengeschmolzen sei; die beiden
Zähne der linken Klappe sind ebenfalls nur durch eine sanfte Furche
geschieden.
Thier weisslich, helldurchsichtig, sehr klein, der Fuss lang und
schmal, die Athemröhre kurz, fast kegelförmig. (~Baudon~).
Ich erhielt diese Art aus einigen Teichen des Taunus durch Herrn
~Dickin~. In den Waldquellen des Gebirgs, selbst im feuchten Moos
austrocknender Hungerquellen um Biedenkopf und Dillenburg.
15. Pisidium casertanum ~Poli~.
Quellen-Erbsmuschel.
_Syn._ _Pisid. fontinale_ C. ~Pfeiffer~.
Gehäuse schief herzförmig, bauchig, ungleichseitig, fein gestreift,
durchscheinend, glänzend, gelblichweiss, der untere Rand scharf. Die
Wirbel weniger erhaben. Schloss jederseits mit ~drei~ gegen einander
geneigten Hauptzähnen, von denen der mittelste sehr klein ist. Grösse
nach dem Fundorte sehr wechselnd; Länge 4-6 Mm.
Thier weisslich, durchscheinend; Fuss verlängert; Athemröhre kurz, von
sehr wechselnder Gestalt. (~Baudon~).
In stehenden und fliessenden Gewässern, besonders aber in Quellen,
allenthalben verbreitet und häufig.
Dreiunddreissigstes Capitel.
Tichogoniacea.
Muschel nachenförmig, gekielt, Buckel ganz am einen, schmalen Ende,
Schloss mit nur einem Zahn. Das Thier befestigt sich durch einen Byssus.
16. Tichogonia Chemnitzii ~Rossmässler~.
Eckwandmuschel.
_Syn._ _Mytilus Wolgae_ ~Chemn.~, _Chemnitzii_ ~Fér.~, _polymorpha_
~Pallas~, _Dreissena polymorpha_ v. ~Ben.~
Muschel nachenförmig, aufgetrieben, jede Schale von dem spitzen Wirbel
aus in einen sanften Bogen gekielt; Oberseite aufgetrieben, Unterseite
flach; von den 4 Rändern, die man an andern Muscheln unterscheiden
kann, fehlt der Vorderrand ganz; der Oberrand ist kurz, gerade, der
Unterrand fast gerade, vom Wirbel aus in geneigter Richtung nach rechts
und unten verlaufend, der Hinterrand leicht gekrümmt. Am Unterrand
schliessen die Schalen nicht ganz, so dass ein Spalt für den Byssus
bleibt. Farbe und Zeichnung sehr verschieden, meist schmutzig gelb mit
Zickzackstreifen, die an jungen Exemplaren besonders deutlich sind,
mit dem Alter verschwinden. Wirbel spitz, gegen einander gekrümmt;
Schlossband fast ganz innerhalb der Schalen in einer Rinne liegend.
Schloss nur aus einem schwachen Zahne der rechten Schale bestehend,
der in eine Grube der linken passt. Der Muskel heftet sich an eine
dreieckige Perlmutterwand, die quer in dem Winkel angebracht ist und
den Namen für unsere Art (von τειχος, Wand und γονος, Ecke) gegeben
hat. Länge 20-40 Mm.
Ich kann mich nicht entschliessen, den Rossmässler’schen Namen, der
zugleich die Hauptkennzeichen der Gattung enthält, zu Gunsten des
allerdings etwas älteren Namens Dreissena oder Dreissensia van Beneden
aufzugeben; die Priorität darf nicht die einzige Rücksicht sein, die
wir bei der Auswahl der Namen nehmen, und es ist unmöglich, die Gattung
besser, als durch den Rossmässler’schen Namen zu bezeichnen.
Es ist diese seltsame Muschel, die trotz ihres Byssus sich sehr rasch
verbreitet, zuerst 1780 von ~Pallas~ in der Wolga entdeckt worden und
hat sich seitdem sehr rasch über Europa verbreitet. Im Rhein wurde sie
nach ~Thomae~ zuerst bei Walluf gefunden und ist nun sehr häufig. Ueber
ihr Vorkommen im Main hat ~Noll~ die ersten Funde zusammengestellt, das
erste Exemplar hat ~Heynemann~ in den ersten fünfziger Jahren bei Hanau
gefunden, die ersten lebenden Thiere ~Mandel~ bei Frankfurt 1855. Jetzt
ist sie stellenweise ganz häufig und kommt z. B. bei Höchst in Masse
vor. Anführen will ich noch, dass nach einer Angabe des Herrn ~Kretzer~
in Mühlheim a./M., die mir ~Heynemann~ mittheilte, alte Schiffsleute,
welche die zum Füttern gebrauchten Muscheln genau kennen, unsere
Muschel für eine schon sehr lange im Main vorkommende Art erklären. Den
Schwanheimer Muschelsammlern dagegen ist sie erst in den letzten Jahren
bekannt geworden.
Seit etwa 6 Monaten habe ich zwei Exemplare aus dem Main auf einem
_Unio batavus_ sitzend in meinem Aquarium, wo sie sich sehr wohl zu
befinden scheinen.
Die Wanderung scheint meistens eine passive zu sein; die Muschel
hängt sich in Menge an Schiffe und Flösse, nach einer Beobachtung
~Rossmässler~’s auch an Krebse und wahrscheinlich auch an andere
Wasserthiere und wird so aus einem Flussgebiet in’s andere verschleppt.
Dem Anschein nach schadet ihr auch ein kurzer Aufenthalt im Salzwasser
nicht, denn in die untere Donau ist sie wahrscheinlich über das
schwarze Meer aus den russischen Flüssen eingeschleppt worden.
Im Rhein findet sie sich in Unmasse; ~Noll~ sah einen Tümpel unterhalb
der Lurley bei St. Goar wie gepflastert mit ihnen, und die darin
befindlichen Unionen und Anodonten mit so dichten Klumpen bedeckt, dass
sie sich nicht mehr in den Boden eingraben konnten.
Schlusscapitel.
Nassau ist nicht gross genug, um in seinen Gränzen verschiedenartige
Faunengebiete einzuschliessen; die Unterschiede der Fauna in seinen
verschiedenen Theilen können daher nicht von der geographischen Lage,
sondern nur von den Unterschieden der Bodenbeschaffenheit abhängen.
Kalkreicher und kalkarmer Boden, Ebene oder Hügelland, das sind die
Hauptfactoren, welche für die Vertheilung der Arten massgebend sind.
Eigentliche grössere Ebenen hat Nassau nicht; nur im unteren Theile
des Mainthals und hier und da am Rhein kommen einige Strecken flachen
Landes vor, die wir den gebirgigen Theilen in Beziehung auf die
Molluskenfauna als Ebenen gegenüber stellen können. Am bedeutendsten
ist die ~Mainebene~. Sie beginnt ungefähr bei Hanau und erstreckt
sich von da in zunehmender Breite mainabwärts, um im sogenannten
Riede mit der grossen Rheinebene zu verschmelzen. In alten Zeiten
ein Theil des Meeres, das sich von der Nordsee bis an die Alpen
erstreckte und später, als die Gebirgsdurchbrüche des Basaltes die
Verbindung unterbrochen und einen Binnensee daraus gemacht hatten,
ein Theil des Mainzer Beckens, gehört der Boden in seinen tieferen
Schichten ganz der Tertiärformation an, ist aber mit diluvialem Löss,
Kiesablagerungen, altem Dünensand und den alluvialen Anschwemmungen
der Flüsse überlagert und fast nur an den Rändern treten die
characteristischen Littorinellenkalke, aus zahllosen Exemplaren der
Hydrobien, die einst hier im brackischen Wasser lebten, gebildet, auf.
Entgegen dem eigentlichen Begriff müssen wir das gesammte Gebiet der
Tertiärschichten der Fauna nach noch zur Ebene rechnen.
Dieses Gebiet wird anfangs nördlich von den Ausläufern der Rhön,
südlich von denen des Spessart und dann des Odenwaldes begränzt.
Dann verliert es sich nach Norden in die sanfthügelige, noch aus
Tertiärschichten bestehende Wetterau, die in conchyliologischer
Beziehung noch dazu zu rechnen ist, aber leider noch eine _terra
incognita_ genannt werden muss. Der Ostrand des Taunus begränzt die
Westseite dieses von der Nidda durchflossenen Ländchens und tritt dann
dicht an den Main, bis nach Mainz hin kaum einen stundenbreiten Raum
zwischen sich und dem Flusse lassend. Noch schmäler wird der Raum
längs des Rheingaues, wo die Berge dicht an den Strom herantreten
und nur an wenigen Puncten Raum für eine Ebenenfauna bleibt. Nach
Süden geht die Ebene längs der Vorberge des Odenwaldes in die grosse
Rheinebene über, deren Fauna die unsere vollständig gleicht. Jenseits
des Rheines schliesst sich das hügelige Rheinhessen an, das wie in der
Bodenbeschaffenheit so wohl auch in der Fauna unserem Gebiete ähnlich
ist. Leider gilt hier in conchyliologischer Beziehung das von der
Wetterau gesagte: es ist noch _terra incognita_.
Im eigentlichen Rheinthal, der romantischen Rheinschlucht von Bingen
bis Lahnstein, ist nur an wenigen Puncten die Entwicklung einer
Ebenenfauna möglich und ebenso im unteren Lahnthal; der ganze Rest des
Gebietes gehört den Gebirgen an.
Zwischen Lahn, Rhein und Main erhebt sich der ~Taunus~, ziemlich
schroff aus der Mainebene aufsteigend und sich nach der Lahn hin
langsam abflachend. Quarzite und Taunusschiefer bilden die Hauptmasse
der Höhen, die im Feldberg und Altkönig sich bis zu 2700′ erheben.
An ihn schliessen sich von Giessen bis Marburg die Ausläufer des
basaltischen ~Vogelsberges~. Auf der nördlichen Seite der Lahn erhebt
sich das basaltische Hochplateau des ~Westerwaldes~, an seinen Abhängen
einzelne Tertiärschichten einschliessend. Das Dillthal trennt ihn von
den Ausläufern des grossen ~rheinisch-westphälischen Schiefergebirges~,
in denen die Quellen der Lahn, der Dill, der Eder und Sieg nachbarlich
zusammenliegen.
Der Zufall hat mir Gelegenheit gegeben, sowohl die Fauna des Gebirges
als die der Ebene durch mehrjähriges Sammeln genauer kennen zu lernen,
erstere in der Umgebung von Biedenkopf an der oberen Lahn, letztere
in Schwanheim am Main unterhalb Frankfurt. Eine Schilderung der Fauna
an diesen beiden Orten wird besser als alles Andere die Unterschiede
zwischen Gebirgs- und Ebenenfauna vor die Augen führen.