Als Hauptvarietät wird gewöhnlich _Unio crassus_ ~Retzius~ angeführt,

eine Form mit dickerer Schale, wenig aufgetriebenen, weiter nach hinten

stehenden Wirbeln und stärkeren Zähnen, die nach den meisten Angaben

in Main und Rhein eben so häufig sein soll, wie die Stammform. Für den

Rhein kann ich diese Angabe aus Mangel an Material nicht beurtheilen,

aber für den Main ist sie entschieden unrichtig. Man findet allerdings

hier und da grössere, besonders dickschalige Exemplare, deren Zähne

dann natürlich auch dicker sind, aber sie haben ganz die Wirbelstellung

der Stammform und sind wohl nur besonders alte Exemplare derselben; den

ächten _crassus_, wie er in der Elbe und im Neckar vorkommt, habe ich

im Main nie gefunden, und schon oben wurde erwähnt, dass in den Museen

von Frankfurt und Wiesbaden dickschalige Exemplare von _tumidus_ als

_Unio crassus_ ~Retzius~ liegen.

Sehr interessante Formen erhielt ich aus den Bächen am Südabhang

des Taunus, leider zu spät, um sie noch abbilden zu können. In der

Sulzbach und der Wickerbach findet sich eine Muschel, die ich nur mit

Zweifel hierherbringen kann, aber auch nirgends anders unterzubringen

weiss. Sie ist nach hinten auffallend verbreitert, die grösste Breite

liegt am Anfang des Hinterendes; der Oberrand steigt von den Wirbeln

an noch empor, der Unterrand ist seicht eingedrückt. Die Wirbel sind

vollkommen unversehrt, wellig-runzelig, und stehen sehr weit nach

vornen. Die Schale ist stark gewölbt, aber die Höhe der Wölbung liegt

bedeutend hinter den Wirbeln. Zähne wie bei _batavus_, aber kurz und

dünn. Farbe dunkler als bei dem typischen _batavus_, doch die Strahlen

deutlich sichtbar. Perlmutter gelblich weiss. Länge 58 Mm., wovon

42-44 auf’s Hintertheil kommen, Breite am Wirbel (diesen mitgemessen)

28, am Beginn des Hinterrandes 30 Mm., Dicke 24, an den Wirbeln nur

20 Mm. Dass diese Form zum mindestens eine gute Varietät ist, beweist

der Umstand, dass sich die charakteristische Form schon bei ganz

jungen Exemplaren -- meine kleinsten sind 2 Ctm. lang -- deutlich

ausgeprägt findet, und dass in den betreffenden Bächen, soweit ich

sie verfolgte, andere Formen nicht vorkommen. Anfangs glaubte ich

sie für _ater_ Nilsson halten zu können, aber dieser hat ein ganz

anderes Schloss und ist auch nicht so verbreitert. _Unio atrovirens_

~Schmidt~, ~Rossm.~ Icon fig. 206, kommt von allen in der Iconographie

abgebildeten batavusartigen Unionen unserer Form noch am nächsten, aber

er ist hinten zusammengedrückt, nicht aufgetrieben, wie diese. Genauere

Untersuchungen grösserer Quantitäten werden vielleicht später ~Licht~

schaffen; einstweilen mag diese schöne, zuerst von Herrn ~Ickrath~

beobachtete Unio als _var. taunica_ hier stehen bleiben.

Eine andere sehr interessante Form erhielt ich durch Herrn

~Wiegand~ aus Cronthal bei Cronberg. Sie stimmt bis auf die Grösse,

ganz mit ~Rossmässlers~ fig. 212 und der Beschreibung des _Unio

amnicus_ ~Ziegler~ aus Kärnthen; die Farbe ist dunkelbraungrün mit

undeutlichen Strahlen, der Oberrand stark gebogen, der Unterrand

leicht eingedrückt; die Wirbel stehen weit nach vorn und sind stark

angefressen; Zähne stumpf-conisch, nur wenig deutlich gekerbt. Meine

Exemplare unterscheiden sich aber von der citirten Abbildung durch die

bedeutendere Grösse, 56-58 Mm. Länge bei 30-32 Mm. Höhe, und die Farbe

des Perlmutters, die nicht unrein, sondern wunderschön bläulich weiss

ist. Siehe Taf. VI, Fig. 3.

Zu _batavus_ gehört auch noch der von ~Sandberger~ und ~Koch~

angeführte _Unio Moquinianus_ Dupuy aus der Nister bei Hachenburg. Nach

den im Wiesbadener Museum befindlichen Originalexemplaren ist es eine

mittelgrosse, stark aufgetriebene Form mit eingebogenem Unterrande

und nicht nur an den Wirbeln, sondern auch über die ganze Schale

angefressen.

Noch ist eine Form aus dem Main zu erwähnen, die mir, wenn auch in

verschiedener Ausbildung, mehrfach vorgekommen ist. Es fehlt hier das

ganze Vordertheil; der Vorderrand beginnt am Wirbel, einen stumpfen

Winkel mit dem Oberrand bildend, und läuft fast in gerader Linie nach

dem Unterrand, so dass die Muschel ganz die Gestalt eines _Donax_

bekommt. Wahrscheinlich ist eine Verletzung des vorderen Manteltheiles

mit nachfolgender Verkümmerung die Ursache, und die Form nur als eine

Missbildung aufzufassen. Schade, dass die Erklärung so nahe liegt;

man könnte sonst einen _Unio donaciformis_ daraus machen, dessen

Artgültigkeit unanfechtbar wäre!

Während des Druckes fand ich am Mainufer noch ein Exemplar von

_batavus_, das sich ausser durch Cariosität und auffallende Auftreibung

(28 Mm. Dicke bei 30 Mm. Breite) besonders durch das nach unten

gekrümmte, schnabelartig verlängerte Hintertheil auszeichnete und

dadurch an _platyrhynchus_ erinnerte. Die Muschel hatte nicht den

Habitus der gewöhnlichen Mainmuscheln und war schwerlich an dem

Fundorte zu Hause; ich vermuthe, dass sie durch den Eisgang aus einem

Seitengewässer oder vom oberen Main hergebracht worden ist.

~Anmerkung.~ ~Thomae~ führt ausser diesen drei Arten noch _Unio

margaritifer_ Retzius aus der Nister bei Hachenburg und aus dem

Main an. Ersteres Vorkommen wird von ~Sandberger~ und ~Koch~ nicht

bestätigt; dagegen führen diese _U. Moquinianus_ von gleichem Fundort

an, und vielleicht haben grosse Exemplare dieser Form von _batavus_ die

Ursache zur Verwechslung gegeben. Im Main innerhalb unseres Gebietes

ist sie weder von ~Speyer~, noch von den Frankfurter Sammlern, noch von

mir aufgefunden worden; es ist auch nach ihrer Lebensweise durchaus

nicht wahrscheinlich, dass sie hier vorkommt, da sie fast nur in den

klaren Bächen des Urgebirgs lebt. Vielleicht kann ich die Entstehung

des Irrthums aufklären. Ich fand nämlich im Main ein Exemplar von

_Anodonta piscinalis var. ponderosa_, die an Grösse, Gestalt und

Farbe so täuschend einer Flussperlmuschel glich, dass ich verschiedene

Freunde im Scherz damit täuschen konnte, natürlich nur, bis sie die

Muschel in die Hand bekamen. Ein ähnliches Exemplar kann den Anlass zu

dieser Angabe, die ~Thomae~ jedenfalls aus zweiter Hand hatte, gegeben

haben. _Unio margaritifer_ unterscheidet sich von sämmtlichen Unionen

dadurch, dass sie zwar Schlosszähne, aber keine Schlossleisten hat,

und bildet desshalb eine eigene Gattung _Margaritana_. Die nächsten

mir bekannten Fundorte sind die Jossa, ein Bach im Hanauischen, die

Gegend der oberen Nahe um Birkenfeld, und ein Bach am Südabhang des

Odenwaldes in der Nähe von Heidelberg. Im oberen Maingebiet ist sie

stark verbreitet und Gegenstand einer sorgfältigen Pflege.

Dreissigstes Capitel.

II. ANODONTA ~Bruguière~.

Teich-Enten- oder Schwimmmuschel.

Thier ganz dem von _Unio_ gleich. Die Muschel dünner und ohne

Schlosszähne, nur mit zwei stumpfen Längslamellen, die unter dem

Schlossband hinlaufen. Wirbel meist niedergedrückt. Schlossband

äusserlich, stark, überbaut.

Die Anodonten bewohnen mit Vorliebe stehendes oder langsam fliessendes

Wasser mit schlammigem Grund, finden sich aber auch in kleinen

Bächen bis hoch in’s Gebirge hinauf. Ihre Unterscheidung ist noch

viel schwieriger, als bei den Unionen, da die beiden wichtigsten

Anhaltspuncte, die Schlosszähne und die Sculptur der Wirbel, hier

wegfallen, und auch die Grösse uns durchaus im Stiche lässt, denn wir

haben kein Mittel, um zu erkennen, ob eine Muschel ausgewachsen ist

oder nicht. Demgemäss herrschen auch hier verschiedene Ansichten.

Am bequemsten machen es sich die Engländer; sie nennen einfach jede

Anodonte _An. cygnea_; ~Küster~ und ~Held~ dagegen unterscheiden 26

Arten, davon eine mit 11 Formvarietäten. Die gewöhnliche Annahme ist

6-8 Arten, von denen fünf aus Nassau angeführt werden. Ausserdem führt

~Thomae~ noch _A. intermedia Lam._ an, nennt aber dabei als synonym

_A. piscinalis Nilss._, so dass also diese Art wegfällt. Es bleiben

mithin noch _An. cygnea_, _cellensis_, _piscinalis_, _anatina_ und

_ponderosa_. Letztere ist entschieden keine gute Art, sondern nur eine

dickschaligere Form, die je nach der Gestalt zu _piscinalis_ oder

_cellensis_ gehören kann, ähnlich wie bei _Unio batavus_ und _tumidus_

eine _var. crassus_ vorkommt. Es ist somit diese Form zu streichen. Von

den vier noch übrigen halte ich _An. anatina_, ~wenigstens was im Main

vorkommend~ man so zu nennen pflegt, nicht für eine eigene Art, sondern

nur für eine mehr oder weniger unausgewachsene _piscinalis_, und es

kommt somit auch diese Form wenigstens vorläufig in Wegfall.

Es bleiben mithin für Nassau noch die drei Formen _Anod. cygnea_,

_piscinalis_ und _cellensis_ übrig, und diese unterscheiden sich wie

folgt:

Muschel ~breit-eiförmig~, dünn, hellgelb mit lebhaft

grünen Streifen, tiefgefurcht, Perlmutter rein milchweiss oder

mit rothgelblichem Schein; Thier blassgelb, Fuss mennigroth.

_A. cygnea L._

Muschel ~rauten-eiförmig~, ziemlich dickschalig, braungelb

mit ziemlich lebhaften grünen Streifen, glatt; Perlmutter

rein weiss oder etwas bläulich. Thier blass gelblichgrau mit

gelblichweissem Fuss.

_A. piscinalis Nilss._

Muschel ~länglich-eiförmig~, bauchig, dünn, olivengrün

ohne deutliche grüne Streifen, gefurcht; Perlmutter milchbläulich,

lebhaft irisirend.

_A. cellensis Schrött._

4. Anodonta cygnea ~Linné~.

Schwanenmuschel.

Muschel sehr gross, breit-eiförmig, bauchig, voll tiefer

ungleicher Furchen und Rippen, ziemlich dünn, glänzend. Grundfarbe

schmutzig-gelblich, mit abwechselnd grünen, gelbbräunlichen und

gelblichen concentrischen Streifen, meist deutlich, besonders nach

hinten zu, mit feinen, dichtstehenden, grüngrauen, vom Wirbel

ausgehenden Strahlen bezeichnet; da, wo das Schild sich an die Wölbung

der Schalen anschliesst, befinden sich drei dunkle, grüne Strahlen. Die

Muschel ist für ihre Grösse dünn und leicht zu nennen; innen sind die

äusserlich befindlichen Rippen und Furchen ebenfalls deutlich sichtbar;

der Oberrand ist etwas gekrümmt, doch fast horizontal; Vorder- und

Unterrand gerundet, Hinterwand etwas verlängert, von oben und unten

sich verschmälernd, in einen kurzen, stumpfen Winkel auslaufend; Schild

wenig zusammengedrückt, Kiel desselben in einem stumpfen, undeutlichen

Winkel mit der oberen Hälfte des Hinterrandes sich vereinigend; die

untere Gränze desselben ist beiderseits durch eine seichte Furche

bezeichnet. Die Leisten unter dem Schlossbande sind häufig, bei alten

Exemplaren fast stets, zu monströsen Wülsten verwachsen. (_Anod.

dentiens Mke._); das Schlossband ist sehr stark, wenig überbaut; Wirbel

meist nur wenig abgerieben, etwas aufgeschwollen, ziemlich weit nach

der Mitte des Oberrands hin stehend. Perlmutter glänzend, milchweiss

oder mit einem rothgelblichen Schein, unter den Wirbeln und in den

Muskelbahnen fast stets mehr oder weniger fleischfarben oder rosenroth

gefärbt, während es am Hinterende meist lebhaft irisirt.

Thier blassgelb, der Fuss und die dicken Theile der Mantelränder

lebhaft mennig-rothgelb; das ganze Thier sehr strotzend und fleischig

(~Rossm.~).

In grösseren Teichen, Sümpfen und Lachen mit schlammigem Boden.

~Nach Thomae~ nur im Rhein, selten. Im Möttauer Weiher (_Rudio_). In

verschiedenen Teichen um Frankfurt; besonders schöne, grosse Exemplare

in dem Teich am Kühhorns Hof (~Dickin~).

Im Lahngebiet scheint diese Art ganz zu fehlen; ~Sandberger~ und

~Koch~ führen sie nicht an, und auch ich fand im Kreise Biedenkopf nur

_cellensis_.

Von Herrn ~Dickin~ erhielt ich noch eine interessante, wohl hierher

gehörige Form mit dem Beifügen, dass er niemals eine ähnliche im

Main wieder gefunden habe, und kurz nachher fand ich ein gleiches

Exemplar. Es gleicht diese Form in ihren Umrissen ganz der _Anod.

cygnea_, ist aber kaum halb so gross und dickschalig. Sie macht mir

den Eindruck einer _cygnea_, die schon jung aus ihrem Wohnsitz in den

Main verschlagen worden und dort verkümmert ist und die habituellen

Charactere der Mainmuscheln angenommen hat. Ich werde auf diese Form

gelegentlich einer speciellen Bearbeitung der Mainmuscheln wohl näher

eingehen. Einstweilen ist sie auf Taf. IX abgebildet.

5. Anodonta piscinalis ~Nilsson~.

Fluss-Schwimmmuschel.

Muschel von mittlerer Grösse, rauten-eirund, ziemlich dickschalig,

bauchig, nicht stark gefurcht, sondern meist nur gestreift, also mit

ziemlich ebener Oberfläche; braungelb oder grünlich, um die Wirbel

fast stets rostroth und bis zum ersten starken Wachsthumstreifen fast

stets dunkel braungrau oder schiefergrau, meist mit feinen hellgrünen

Strahlen bedeckt; Vorderrand gerundet; Hinterrand in gerader oder

concaver Linie schräg herablaufend und mit dem heraufgekrümmten Ende

des schwach gerundeten Unterrandes einen kurzen, stumpf abgerundeten

oder abgestutzten Schnabel bildend; Oberrand schräg gekrümmt

aufsteigend oder zuweilen auch ziemlich horizontal; Schild sehr

zusammengedrückt, erhaben, beiderseits durch dunkle Strahlen begränzt;

Wirbel aufgetrieben, von dem vorderen Ende ziemlich weit entfernt nach

der Mitte des Oberrandes hinstehend, stets sehr wenig abgerieben;

Perlmutter meist ziemlich rein bläulich weiss, in der Wirbelgegend

meist fleischroth; Muskeleindrücke, besonders die vorderen, wegen der

ansehnlichen Dicke der Schalen ziemlich vertieft; Ligamentalbucht

ziemlich vertieft.

Thier blass gelblichgrau; Kiemen graubraun; Fuss gelblich weiss.

(~Rossm.~)

Als Varietät gehört hierher _~An. ponderosa~_ C. ~Pfeiffer~, eine

dickschaligere, aber sonst in der Gestalt ganz übereinstimmende Form,

die sich besonders im Main sehr zahlreich findet. Wahrscheinlich wohnt

sie mehr im Strome, die Stammform mehr in den ruhigen schlammigen

Buchten, doch habe ich mich noch nicht sicher davon überzeugen können.

Das abgebildete Exemplar stammt aus dem Main bei Schwanheim und wiegt

ca. 6 Loth, also immer noch viel weniger, als ~Pfeiffers~ 10 Loth

schwere Originalexemplare. Die Uebergänge von ihr bis zur gewöhnlichen

dünnschaligen _piscinalis_ kann man aus jedem Muschelhaufen am Mainufer

auslesen, und desshalb kann ich _ponderosa_ C. ~Pfr.~ nur als eine

Varietät von _piscinalis_ ansehen.

Durchaus nicht selten sind im Main Exemplare mit schnabelförmig

ausgezogenem Hinterrande, _var. rostrata_, ganz in derselben Weise

ausgebildet, wie die Kärnthener _rostrata_ ~Kokeil~, die freilich

eher zu _cellensis_ gehören dürfte. Sie ist durch alle möglichen

Uebergänge mit der Stammform verbunden und kann desshalb kaum als

eine gute Varietät gelten. Dann finden sich auffallend langgestreckte

Exemplare, deren Form sich der von _cellensis_ nähert, ebenfalls nicht

selten, aber der allgemeine Habitus, auf den ich weit mehr Gewicht

legen zu müssen glaubte, als auf ein einzelnes Kennzeichen, ist der

von _piscinalis_; erst an halbwüchsigen Exemplaren merkt man den

Unterschied von der gewöhnlichen Form, von jüngeren habe ich im Main

~immer nur eine Form~ gefunden.

Mehr in langsam fliessenden Flüssen, doch auch in stehenden Wässern,

besonders in solchen, die immer oder zeitweilig mit Flüssen in

Verbindung stehen. Im Main und wohl auch im Rhein ist sie mit

_ponderosa_ die herrschende Form, dagegen scheint sie im Lahngebiete

ganz zu fehlen. Ob die von ~Thomae~ erwähnte _ponderosa_ aus dem

Maxsainer Weiher hierher oder zu der folgenden Art gehört, kann ich bei

dem Mangel von Originalexemplaren nicht entscheiden. Im Cursaalteich

bei Wiesbaden (~Lehr~).

Die von ~Thomae~ angeführte nierenförmige Form habe ich einigemal im

Main gefunden, immer ganz einzeln unter _ponderosa_ und der Stammform;

sie ist ein Krüppel, entstanden durch Verletzung oder Verkümmerung

einer Stelle des vorderen Mantelrandes, keinesfalls, wie ~Thomae~

vermuthet, eine eigene Art.

Zu _piscinalis_ rechne ich auch die auf Taf. VII, Fig. 2 abgebildete

kleinere Form aus dem Metzgerbruch, einem aus dem Main abgeleiteten

Graben, die dort nicht grösser wird. Sie kommt ähnlich auch in anderen

kleinen Gewässern um Frankfurt vor und ist die _Anodonta anatina_ der

Frankfurter und Hanauer Faunisten und Sammler. Dieselben haben damit

insofern nicht Unrecht, als Carl ~Pfeiffer~ auf Taf. VI Fig. 2 diese

Form unverkennbar als _anatina_ abbildet. Diese _anatina_ ist dann

freilich nur eine Varietät oder wenn man so will eine Hemmungsbildung

von _A. piscinalis_, die unter ungünstigen Verhältnissen nicht zur

vollständigen Entwicklung gelangt. Etwas anderes ist es mit der _A.

anatina_, wie sie ~Rossmässler~ auffasst, und wie sie ~Brot~ in seiner

trefflichen Etude sur les Najades du Leman characterisirt; diese hat

mit _piscinalis_ nichts zu thun, sie ist viel kürzer und breiter, der

Oberrand steigt mehr an und das Perlmutter ist in der vorderen Hälfte

stark verdickt. Es ist nicht zu verkennen, dass unsere Form eine

ziemliche Aehnlichkeit mit Fig. 280 b in ~Rossmässlers~ Iconographie

hat, aber sie ist doch mit _piscinalis_ durch Zwischenformen so

verbunden und jungen Exemplaren so ähnlich, dass ich sie ohne Bedenken

als _var. ~minor~_ hierherstelle.

Auch _~Anodonta ventricosa~_ ~C. Pfeiffer~ dürfte wohl hierher gehören.

Man findet im Main gar nicht selten Exemplare, die mit Beschreibung

und Abbildung dieser Art ganz gut stimmen und doch von der typischen

_piscinalis_ nicht zu trennen sind. Ich möchte sie für Weibchen,

die Auftreibung der Schale, die nie das ganze Gehäuse gleichmässig

betrifft, für Folge der Kiemenanschwellung während der Trächtigkeit

halten.

Auch in den vom Südabhang des Taunus kommenden Bächen findet sich eine

Anodonte, die ich nur für eine eigenthümliche, durch die veränderten

Lebensbedingungen bewirkte Ausprägung von _piscinalis_ halte und als

die Form der kleinen Bäche, als _var. ~rivularis~_ bezeichnen möchte.

Leider erlaubte der Raum nicht, diese Anodonte noch abzubilden. Sie

ist auffallend lang und schmal, nur 40 Mm. an den Wirbeln breit bei

90 Mm. Länge, ein Verhältniss, das sich bei _A. piscinalis_ im Main

nur ganz ausnahmsweise findet und dann immer mit auffallender Dicke

vergesellschaftet ist, -- mässig gewölbt, die Wirbel sehr weit nach

vornen stehend, so dass sich die Länge von Vorder- und Hintertheil fast

wie 1:4 verhält; der Oberrand steigt ziemlich stark an, der untere

verläuft fast ganz horizontal und krümmt sich gegen den Hinterrand

nur leicht empor; die Wirbel sind unversehrt. Farbe ziemlich lebhaft

blaugrün mit dunkelgrünen Strahlen und dunkelbraunen Zuwachsstreifen,

Perlmutter schön bläulich weiss, nach vornen stark verdickt und fast

rein weiss.

Die Exemplare, die ich bis jetzt gesehen habe, stammten aus dem in der

Ebene verlaufenden unteren Theile der Sulzbach; ob sie im oberen Laufe

dieselbe Form behalten, konnte ich nicht untersuchen, habe auch noch

keine Anodonten aus dem eigentlichen Taunusgebiet erhalten können.

6. Anodonta cellensis ~Schrötter~.

Zellische Teichmuschel.

Muschel gross, eiförmig-länglich, bauchig, dünn, zerbrechlich,

gefurcht, olivengrün und braungestreift oder einfarbig

dunkel-olivengrün (namentlich halbwüchsige Exemplare) oder grünbraun,

nie so schön grüngestreift, wie _cygnea_, hinten vom Wirbel aus mit den

gewöhnlichen drei braungrünen Strahlen, wodurch der Schild begränzt

wird; Vorderrand gerundet, Ober- und Unterrand meist ziemlich parallel,

gestreckt, letzterer oft etwas eingedrückt, ersterer seltener etwas

ansteigend; Hinterrand schräg ablaufend und mit dem sich aufbeugenden

hinteren Ende des Unterrandes die abgestumpfte Schnabelspitze bildend;

Schild zusammengedrückt, kielförmig, nicht sehr erhaben, meist

horizontal; Wirbel wegen der sehr verlängerten hinteren Schalenhälfte

weit nach vorn stehend, ziemlich flach, meist sehr stark abgerieben,

wellig; Schlossband mittelmässig, verlängert; Ligamentalbucht

eirund, Perlmutter düster milchbläulich mit grünlichgrauem oder

schieferbläulichem Schimmer, oft mit hellölgrünen Wolkenflecken, meist

stark glänzend und blauirisirend. Die Grösse gibt der von _cygnea_ an

günstigen Orten, was die Länge betrifft, nichts nach.

Thier gelblich mit hell mennigrothem Fusse (~Rossm.~).

Ausser Exemplaren, welche dieser Beschreibung ~Rossmässlers~ vollkommen

entsprechen, findet sich noch eine andere Form, in den äusseren

Umrissen völlig gleich, wie die Abbildung auf Taf. VIII zeigt, welche

~Rossmässlers~ Fig. 280 vollkommen deckt und nur durch den mehr

herabgekrümmten Schnabel des hinteren Endes abweicht; sie zeichnet

sich aber besonders durch die Dicke ihrer Schalen aus, während die

Normalform immer sehr dünn und zerbrechlich ist; das abgebildete

Exemplar wog 5 Loth. Es ist dies eine correspondirende Form zu der

_piscinalis var. ponderosa_ ~C. Pfr.~, mit der sie wohl nicht selten

verwechselt wird, und man kann sie mit demselben Rechte _~cellensis

var. ponderosa~_ nennen. Ihr ganz ähnliche, nur stärker gewölbte, an

die _var. cordata_ ~Rossm.~ erinnernde Exemplare erhielt ich in sehr

grosser Anzahl durch Herrn Forstmeister ~Tischbein~ aus einem Teiche

bei Schaumburg; ob sie aber wirklich hierher gehören, wage ich nicht

zu behaupten, denn es finden sich darunter auch sehr viele, deren Form

mehr rautenförmig ist und sich der _ponderosa_ ~C. Pfr.~ nähert; eine

Entscheidung wird sich nur durch Untersuchung der Jugendformen, die mir

leider nicht zu Gebote stehen, treffen lassen.

Hierher gehört vielleicht auch die von ~Thomae~ angeführte _An.

ponderosa_ aus dem Maxsainer Weiher.

_An. cellensis_ scheint in unserem Gebiete die verbreitetste Form zu

sein. Die Stammform findet sich in dem unteren Teich des Biebricher

Schlossgartens (~Thomae~); in den Lehmgruben bei Darmstadt,

wunderschöne grosse Exemplare im Altrhein bei Stockstadt (~Ickrath~);

in den Bächen und Mühlgräben der Umgebung von Homburg (~Trapp~). Bei

Hanau (~Heynemann~, ~Speyer~). Im Lahngebiet ist sie die herrschende

Form. ~Sandberger~ führt sie von Weilburg aus der Lahn, ~Koch~ von

Dillenburg aus der Dill und den Mühlgräben an, doch ohne nähere Angabe

über ihre Beschaffenheit. Ich fand sie im Kreise Biedenkopf in allen,

selbst den kleineren Bächen, aber fast immer nur die dickschalige Form;

besonders schön und gross in dem mit der Lahn zusammenhängendem Teiche

an der Amalienhütte zwischen Biedenkopf und Laasphe, aus welchem auch

das abgebildete Exemplar stammt. Aus dem unteren Main ist mir nie ein

Exemplar vorgekommen, wohl aber nicht selten schmale, lange Exemplare

von _piscinalis_, die ganz die gewöhnlich als characteristisch

angenommene Gestalt von _cellensis_ haben, für mich ein Beweis, dass

man unmöglich aus den Umrissen eines einzelnen Exemplares oder gar

einer Abbildung mit Sicherheit die Art bestimmen kann zu der es gehört.

Ausser diesen drei Arten und der schon erwähnten _anatina_ kommt

in Deutschland noch eine fünfte, sehr gut characterisirte Art vor,

_Anodonta complanata_ ~Zgl.~, ausgezeichnet durch die flache Form und

die auffallende Verschmälerung des vorderen Endes. Im Elbgebiete sehr

häufig, ist sie in Nassau meines Wissens noch nicht aufgefunden worden.

Einunddreissigstes Capitel.

Cycladea.

Thiere getrennten Geschlechtes mit Siphonen zum Athmen, meist im

Schlamm steckend, können aber auch kriechen, klettern und selbst

schwimmen.

III. CYCLAS ~Bruguière~.

Kreismuschel.

Muschel gleichklappig, rundlich, fast gleichseitig, jedoch nicht ganz,

da das hintere Ende ein wenig länger ist, als das vordere. Die Schalen

sind dünn, mit starker, sehr festsitzender Epidermis überzogen. Schloss

fast in der Mitte, rechts mit zwei, links mit einem Hauptzahn.

Thier getrennten Geschlechtes, ziemlich grosse, lebendige Junge,

die man beim oberflächlichen Betrachten leicht für Pisidien halten

kann, gebärend. Der Mantel ist fast ganz verwachsen, mit zwei langen,

am Rücken verwachsenen, am vorderen Ende aber getrennten Siphonen

und einem Schlitz für den schmalen, langen Fuss. Der obere Sipho ist

kürzer, am Ende zugespitzt, der untere walzenförmig mit stumpfem Ende.

Unsere vier Arten bewohnen alle Sorten von Gewässern, sowohl

schnellfliessende, als stagnirende und selbst Wiesengräben. Sie

unterscheiden sich, wie folgt:

a. Gehäuse bauchig bis kugelig.

Schalen eiförmig, ziemlich dünn, sehr regelmässig fein

gestreift, ziemlich bauchig, Schlossband aussen sichtbar.

_C. rivicola_ ~Lam.~

Schalen fast kreisrund, gleichseitig, nur wenig und unregelmässig

gestreift, gleichseitig, fast kugelig.

_C. cornea_ ~Pfeiff.~

Fauna der Nassauischen Mollusken · 第 22 / 25 段