Gehäuse scheibenförmig aufgerollt, wie bei _Planorbis_, klein, flach,

oben ganz platt, nicht eingesenkt, unten weit genabelt, hellhornfarbig

mit schwärzlichem Schlammüberzug, durchscheinend, glänzend, sehr fein

gestreift. Umgänge 3, stielrund, langsam zunehmend. Mündung kreisrund,

etwas erweitert, mit einfachem, nicht umgebogenem Mundsaum. Deckel

hornig, dünn, in die Mündung etwas eingesenkt. Höhe ¾ Mm. Br. 2-3 Mm.

Thier hellgrau mit vorn zweilappigem Fuss und verhältnissmässig kurzen

Kiemen.

In Gräben und schlammigen Flussbuchten. Im Main; einzeln in der Lahn

bei Biedenkopf. Bei Hanau sehr selten im Kohlbrunnengraben, in der

Kinzig im Lamboiwald, und bei Bischofsheim (~Speyer~).

123. Valvata minuta ~Draparnaud~.

Kleinste Kammschnecke.

Gehäuse scheibenförmig, oben ein wenig gewölbt, unten genabelt,

sehr klein, hellhornfarbig, oft mit einem schwärzlichen Ueberzug,

durchsichtig, glänzend, feingestreift. 3 Umgänge. Mündung rund, mit

einfachem Saum. Deckel hornartig, mit concentrischen Ringeln, Höhe

½ Mm. Br. 1 Mm.

Thier ganz dem von _cristata_ ähnlich. Ueberhaupt unterscheidet sich

diese Art nur durch ihre geringere Grösse bei gleicher Windungszahl von

dieser.

In den Wassergräben von Mombach nicht selten, oft an

Phryganeengehäusen. (~Thomae~).

Fünfundzwanzigstes Capitel.

XXVI. Neritina ~Lamarck~.

Schwimmschnecke.

124. Neritina fluviatilis ~Müller~.

Gehäuse ungenabelt, dünn, aber sehr fest, schräg halbeiförmig, glatt,

wenig-glänzend, roth oder schmutzig violett gegittert, dazwischen mit

weissen, verlängerten Tropfenflecken, mitunter mit zwei oder drei

deutlichen Längsstreifen. Gewinde klein, ziemlich in der Mitte der

oberen Hälfte des Gehäuses stehend, flach und nur selten etwas erhoben.

Mündung halbrund. Der Columellarrand bildet eine flache, schräg nach

innen gerichtete Wand, deren Aussenrand etwas wulstig ist, so dass der

Mündungsrand gewissermassen zusammenhängend erscheint. Columellarrand

ungezähnt. Deckel aus Schalensubstanz, rothgelblich mit dunkelrothem,

dünnerem Saum, mit einem kleinen punktförmigen Gewinde und einem

lanzettförmigen Schliesszahn an der unteren Spitze; durch den letzteren

wird der Deckel auch nach dem Tode des Thiers noch an der Schale

festgehalten. Höhe 5-6 Mm. Breite 6-8 Mm.

Thier weisslich mit schwarzem Kopf und Nacken; zwei lange, weisse,

borstenförmige Fühler mit einem schwarzen Strich auf der Oberseite.

Augen auf kleinen Knöpfchen aussen an der Fühlerbasis. Der Fuss

gross, vornen abgerundet, an den Rändern durchscheinend, mitunter mit

einzelnen schwarzen Flecken. Athemöffnung auf der rechten Seite am

Hals. Zunge lang, bandförmig mit drei Mittelplatten, einer kleineren

in der Mitte, die wieder aus zwei seitlichen Hälften zusammengesetzt

ist, und zwei breiteren an der Seite; alle drei sind ganzrandig;

darauf folgt nach aussen jederseits eine ziemlich grosse Platte mit

feingezähntem Rand und dann die aus zahlreichen schmalen, gleichbreiten

Leisten zusammengesetzten Seitenplatten. Die ganze Reihe bildet einen

ziemlich starkgekrümmten Bogen; ich zählte 90-96 solcher Querreihen.

Wie die Neritinen durch ihre Zungenbewaffnung ganz isolirt unter

unseren Binnenmollusken stehen, so sind sie auch die einzigen, welche

eine feste Hülle für ihre Eier bauen, wie das so viele Seeschnecken

thun. Es ist eine rundliche Kapsel, die mit der einen Seite an Steinen,

mitunter aber auch an anderen Neritinen befestigt wird; letzterer

Umstand hat G. ~Pfeiffer~ zu der Annahme veranlasst, dass die Neritinen

ihre eigene Brut auf der Schale umhertrügen. Jede Kapsel enthält 40-60

Eier, aber nach ~Claparède~ kommt von denselben immer nur eins zur

Entwicklung, die anderen dienen dem Embryo als Nahrung. Ist derselbe

vollständig entwickelt, so springt die obere Hälfte der Kapsel ab und

das Thier ist frei.

~Varietäten.~ Mit Unrecht hat man die Formen mit deutlichen Streifen

als _var. trifasciata_ abtrennen wollen, man findet dieselben

mitten unter den anderen und durch alle möglichen Uebergänge mit

ihnen verbunden; es hat das nicht mehr Sinn, als wenn man sämmtliche

Bänderspielarten von _Hel. nemoralis_ und _hortensis_ als Varietäten

abtrennen wollte. Dagegen kommt eine kleine Form mit stark vorstehendem

Gewinde vor, von ~Rossmässler~ _var. halophila_ genannt, weil sie

in den Mansfelder Salzseen vorkommt. Sie wurde von ~Römer~ auch in

den Abflüssen der Wiesbadener Thermen, besonders zahlreich an der

Armenruhmühle gefunden; auch hier könnte man das salzige Wasser für

die Ursache ihrer Ausbildung halten. Leider stimmen damit aber andere

Thatsachen nicht überein. Ich fand nämlich dieselbe Form sehr häufig

in dem Wickerbach, der durch die bekannten Flörsheimer Steinbrüche

fliesst, und erhielt sie durch Herrn C. Koch aus der Nied bei Bonames.

Sie scheint mir demnach ~die Form der kleinen Bäche~ zu sein, wie wir

ja auch bei den Najadeen eigenthümliche Bachformen finden. Leider habe

ich noch nicht die Zeit finden können, auch die übrigen Taunusbäche

darauf zu untersuchen.

Die Neritinen sitzen träge an Steinen und unter denselben oder

anderen im Wasser liegenden und mit Algen überzogenen Gegenständen;

an Pflanzen habe ich sie nie gefunden und ebenso habe ich nie eine

Neritine schwimmen sehen; der Büchername Schwimmschnecke passt desshalb

auf unsere Art nicht besonders. Sie scheinen das ganze Jahr hindurch

in Thätigkeit zu sein, denn man findet sie mit _L. ampla_ schon sehr

zeitig im Frühjahr. Sie bevorzugt entschieden die grösseren Gewässer.

Im Rhein und Main ist sie allenthalben häufig, in der Lahn bei Weilburg

findet sie sich nach ~Sandberger~ ebenfalls in Menge, aber weiter

hinauf fehlt sie und auch in der Dill kommt sie nicht vor. Dagegen

findet sich, wie schon erwähnt, in der Salzbach bei Wiesbaden, der

unteren Nied und der Wicker die _var. halophila_. Interessant wäre zu

untersuchen, wie weit sie in den Bächen emporsteigt. In der Wickerbach

an den bekannten versteinerungsreichen Kalkbrüchen von Flörsheim

sammelte ich sie in Menge, aber nur unterhalb einer Mühle, die an dem

Puncte liegt, wo der wasserreiche Bach die Ebene betritt; oberhalb

war kein Exemplar mehr zu finden. In der Salzbach dagegen, einem viel

kleineren Gewässer, steigt sie bis in das Kesselthal von Wiesbaden

empor. In der Nied ist sie sicher bis in die Gegend von Vilbel

gefunden, kommt aber wohl noch weiter nach oben vor, wo freilich bis

jetzt noch _terra incognita_ in conchyliologischer Beziehung ist. Auch

in der untern Kinzig kommt sie nach Speyer vor, doch fehlen auch hier

die Angaben über die Höhe, bis zu welcher sie emporsteigt.

Sechsundzwanzigstes Capitel.

B. MUSCHELN.

$Acephala$ oder $Pelecypoda$.

Die Muscheln zeichnen sich vor den Schnecken durch den Besitz zweier

Schalen und den vollständig symmetrischen Bau aus, der es möglich

macht, den Körper durch einen senkrecht längs der Mitte geführten

Schnitt in zwei fast ganz gleiche Hälften zu theilen. Alle Organe,

ausser dem Darmcanal, sind doppelt vorhanden, eins auf jeder Seite.

Wir finden an den Muscheln zu äusserst die beiden Klappen der Schale,

dann innerhalb derselben die beiden entsprechenden Blätter des Mantels,

dann inwendig jederseits zwei Kiemenblätter, von derselben Gestalt,

aber kleiner, und zu innerst den eigentlichen Körper, ohne Kopf, nur

mit einer Mundöffnung, die von einigen Lippentastern umgeben wird, und

mit einem beilförmigen Fuss zur Fortbewegung.

Die paarigen Organe sind auf der einen Seite mit einander verwachsen,

oder, wie die Schalen, durch besondere Vorrichtungen verbunden, so

dass man das ganze Thier nicht unpassend mit einem eingebundenen Buche

vergleichen kann, dessen Deckel die beiden Schalen bilden.

Wie schon im allgemeinen Theile erwähnt, nennt man den Rand, an

dem die beiden Schalen mit einander verbunden sind, den Oberrand

und unterscheidet demgemäss auch rechts und links. Die beiden

Schalen sind bei unseren Arten wenigstens fast ganz gleich, nur die

Zähne des Schlosses sind an beiden verschieden, und man nennt sie

desshalb gleichklappig; ungleichklappige finden sich nur im Meer.

Sie bestehen, wie die Schneckenschalen, vorwiegend aus Kalk in der

Form des Arragonits; nur 2-4 % sind organischen Ursprungs. Wir finden

an den Schalen zu äusserst eine Oberhautschicht, die bei unseren

Arten sehr entwickelt ist und bei den Unioniden sogar über den

Schalenrand übersteht; dann folgt eine Kalkschicht, die aus kurzen,

senkrecht stehenden Prismen von Arragonit besteht, und zu innerst

die Perlmutterschicht, ebenfalls Kalk, der in dünnen, unendlich

fein gefalteten Lagen abgeschieden wird und durch die Fältelung den

bekannten Perlmutterglanz erhält. Diese innerste Lage wird stets von

der ganzen Manteloberfläche abgeschieden, so dass jede Lage die ganze

Innenfläche der Muschel auskleidet; mit demselben Stoff werden auch

Verletzungen ausgebessert und fremde Körper, die zwischen Mantel und

Schale gerathen, umhüllt.

Die Schalen sind am oberen Rande mit einander verbunden durch ein

mehr oder weniger mit Zähnen versehenes Schloss, das ein seitliches

Auseinanderweichen der beiden Klappen verhindert, und durch das

Schlossband, eine starke knorpelige, mit Epidermis überzogene und

Kalkablagerungen enthaltende Membran, die sich bei unseren Arten aussen

hinter dem Schloss von einer Klappe zur andern erstreckt und durch ihre

Elasticität die Oeffnung der Klappen bewirkt.

Die äussere Schalenfläche zeigt immer concentrische Zuwachsstreifen

um den ältesten Punct, den Wirbel, herum; aus ihrer Anzahl kann man

das Alter der Muschel schätzen, aber durchaus nicht sicher bestimmen,

da wir nicht wissen, wie oft solche Zuwachsstreifen gebildet werden.

Im Innern der Schale sehen wir die Ansätze verschiedener Muskeln,

besonders der Schliess- und Fussmuskeln, und die Linie, welche den

freien Rand des Mantels bezeichnet.

Unter den Schalen liegt zunächst der den ganzen Körper der Muschel

umhüllende ~Mantel~, ebenfalls aus zwei, an der Oberseite mit einander

verwachsenen Blättern bestehend, die genau der inneren Form der Schalen

entsprechen. Sie sind bei unseren Arten gar nicht verwachsen, oder nur

an einem so kleinen Theile ihrer Ränder, dass eine Cloaken- und eine

Athemöffnung von dem übrigen Theile der Mantelspalte abgetrennt werden.

Bei den Unioniden ist diese Oeffnung nur von einem wenig vorgezogenen,

meist mit Tentakeln besetzten Rande umgeben, bei den Cycladeen ist

sie in zwei Röhren, die sogenannten Siphonen, verlängert. Der Mantel

besteht aus einem besonders am freien Rande von Muskeln durchsetzten,

äusserst gefässreichen Bindegewebe, welches aussen und innen von einem

einfachen Epithelium überzogen ist, das innen häufig flimmert. An den

Cloakenöffnungen und den Siphonen finden sich eigene Schliessmuskeln.

Die Verdauungsorgane bestehen aus einem einfachen ~Mund~, der am

vorderen Ende des Thieres liegt; er ist von zwei Hauptfalten der Ober-

und Unterlippe, umgeben und auf diesen stehen noch zwei Paar dreieckige

Taster, die mit einer Ecke angewachsen und auf der Innenfläche mit

Flimmerepithelium überzogen sind. Sie dienen theils zum Herbeiführen

der Nahrung, theils zum Abhalten unbrauchbarer Substanzen. Eine kurze

Speiseröhre führt dann in den rundlichen, sehr einfachen Magen; der

Darm ist bei unseren Arten ebenfalls sehr einfach; er verläuft bei den

Najadeen erst eine Strecke weit nach unten, macht eine Biegung bis

fast wieder an den Magen und verläuft dann als Dickdarm und Mastdarm

gerade nach hinten. Bei den Najadeen hängen Dünndarm und Dickdarm

an der Umbiegungsstelle nur durch zwei enge Canälchen, in deren

Umgebung sich noch einige Blindsäcke finden, zusammen. Der Mastdarm

mündet durch das Herz hindurch in den Cloakenraum. Von Anhangsdrüsen

finden wir eine starke Drüse, die den Magen umhüllt und mit mehreren

Ausführungsgängen in ihn mündet, man hält sie für die Leber, hat aber

noch keinen Gallenstoff darin nachweisen können. Speicheldrüsen fehlen

unseren Arten; dagegen findet sich bei den meisten am unteren Ende

der Speiseröhre ein oft ziemlich langer, blinder Anhang, der einen

structurlosen, cylindrischen, durchsichtigen Körper, den sogenannten

~Crystallstiel~ enthält, von dessen Bedeutung man noch keine Idee hat.

Da alle Kauapparate fehlen, können die Muscheln nur ganz fein

zertheilte Nahrung, die ihnen mit dem Wasser zugeführt wird, geniessen.

Grössere, ungeniessbare Gegenstände werden durch die Lippentaster

und die Anhänge im Umfang der Cloakenöffnung wie durch ein Sieb

zurückgehalten. Nach den im Darm gefundenen Resten scheinen die

microscopischen Algen den Hauptbestandtheil der Nahrung auszumachen.

Das Gefässsystem der Muscheln ist sehr complicirt, da es nicht nur

zur Circulation, sondern auch zur Vergrösserung und Verkleinerung der

Organe durch die sogenannten Schwellgefässe dient. Alle haben ein von

einem Herzbeutel umhülltes ~Herz~, das ganz oben am Rücken dicht am

Mastdarm liegt und dasselbe mit zwei Fortsätzen umfasst; es besteht aus

einer Herzkammer und zwei Vorhöfen und giebt zwei grosse Schlagadern,

eine nach vorn und eine nach hinten ab. Ausserdem kommt aber noch ein

eigenthümliches Organ in Betracht, das nach seinem ersten Beschreiber

der ~Bojanus’sche Körper~ genannt wird und das unmittelbar unter

dem Herzbeutel liegt; es besteht aus einem doppelten Paar Röhren,

die in verschiedener Weise unter einander, mit dem Herzbeutel und

den in denselben mündenden Capillarien, sowie andererseits mit dem

freien Raum zwischen den Mantelblättern durch das sogenannte Athemloch

communiciren. Auch hängen sie mit einem in der Mittellinie unmittelbar

darunter liegenden venösen Sinus aufs innigste zusammen.

Im Gegensatz zu den Schnecken, bei denen das Blut aus den Arterien in

die Venen durch wandlose Räume, Lacunen, übergeht, haben die Muscheln

sehr ausgebildete Capillarien, welche aber zum Theil weniger dem

Kreislauf, als dem An- und Abschwellen der Theile dienen; in diesem

Falle münden noch ziemlich starke Zweige von Arterien in die Netze ein,

während sie sich bei den der Ernährung dienenden erst baumförmig auf’s

Feinste verzweigen. Die Capillarien sammeln sich nachher in Venen, die

theils in den grossen venösen Sinus, theils in das Bojanus’sche Organ,

theils direct in den Herzvorhof münden.

Aus den Gefässnetzen des Bojanus’schen Körpers sammelt sich dann die

Kiemenarterie und tritt zwischen die beiden Blätter jeder Kieme; in

denselben verzweigt sich dieselbe vielfach und sammelt sich dann an

den oberen Rand zu den Kiemenvenen, die unmittelbar in die Vorhofe

einmünden. Das Gefässsystem hängt ausser durch das Bojanus’sche Organ

und seinen Ausführungsgang auch noch durch eine, für gewöhnlich durch

einen Muskel verschlossene Oeffnung am Mantelrande in der äusseren

Kiemenvene und durch wasserführende Canälchen, die im Fusse verlaufen

und an dessen unterer Kante nach aussen münden, mit dem freien Raum

innerhalb der Schale und dem dort befindlichen Wasser zusammen, so

dass das Blut jederzeit beliebig mit Wasser verdünnt werden kann. Ob

diess im Leben regelmässig oder nur in besonderen Fällen geschieht,

ist noch zu entscheiden. Das Blut selbst ist farblos, bläulich oder

röthlich, mit farblosen, mitunter zackigen Blutkörperchen und enthält

nach C. ~Schmidt~ bei _Anodonta_ etwa 9 pro Mille, nach ~Voith~ bei

_Margaritana_ nur 3,1 pro Mille feste Bestandtheile.

Die ~Athmungsorgane~ bestehen überall in ~Kiemen~, meistens zwei

Blättern jederseits, die innerhalb des Mantels gelegen sind und ebenso

wie dieser den ganzen Körper umhüllen. Sie sind hinten unmittelbar mit

einander eine Strecke weit, soweit das Schloss reicht, verwachsen, am

deutlichsten bei den Siphonen tragenden Cycladeen, wo dann die eine

Röhre mit der Cloakenkammer über, die andere mit der Kiemenkammer unter

der Kieme zusammenhängt. Jede Kieme besteht aus zwei mit einander

verwachsenen Blättern, zwischen denen die Blut- und Wassergefässe

verlaufen. Wo die beiden Blätter am Körper angewachsen sind, weichen

sie etwas von einander und lassen einen dreieckigen Raum zwischen sich.

Bei den Najadeen ist jede Kieme noch durch Verwachsungen in Fächer

getheilt, die als Bruttaschen für die Jungen dienen; dieselben münden

durch enge Oeffnungen in eine flimmernde Rinne am freien Rande der

Kiemen. Auf den sehr complicirten microscopischen Bau, wie wir ihn

besonders durch ~Langer~[11] bei _Anodonta_ genauer kennen gelernt

haben, näher einzugehen, verbietet der Raum. Im allgemeinen hat jedes

der beiden Blätter seine eigene Arterien und Venen, die mit denen des

damit verwachsenen Blattes nicht communiciren; sie sind ausserdem von

Chitinstäbchen durchsetzt, zwischen denen Oeffnungen bleiben, die dem

Wasser freier Durchtritt gestatten. Es tritt dann in die Kiemenfächer

und aus diesen durch den Wassercanal am oberen Rande in den Cloakenraum

und so nach aussen. Es macht also das zum Athmen verbrauchte Wasser

diesen bestimmten Weg, so lange Vorrath genug da ist; nimmt man aber

die Muschel aus dem Wasser, so kann kein neues Wasser zugeführt werden,

und das verbrauchte Wasser dringt dann wieder durch einige enge sonst

unbenutzte Oeffnungen in die Kiemenhöhle, um seinen Kreislauf von neuem

zu beginnen, bis aller Sauerstoff verbraucht ist und das Thier stirbt.

Die Bewegung des Wassers innerhalb der Schalen wird für gewöhnlich

durch die Flimmerbewegung der Epithelien, welche den ganzen

Athemapparat auskleiden, bewirkt. Alle paar Minuten kommt aber dazu

noch ein allgemeiner Wasserwechsel, indem das Thier plötzlich seine

Schalen schliesst und das darin befindliche Wasser austreibt; öffnet es

dann wieder die Klappen, so strömt ganz frisches Wasser nach.

Einen Unterschied zwischen arteriellem und venösem Blute hat man bis

jetzt noch nicht nachweisen können.

Die Secretionsorgane sind nur wenig entwickelt. Die Schale wird ohne

besondere Drüsen von der ganzen äusseren Fläche des

Mantels abgesondert; der Rand bildet besonders die Prismenschicht, die

übrige Oberfläche die Perlmutter. Verletzungen des Mantels bedingen

meist Verkümmerung der Schale oder einzelnen Parthieen. Ausserdem

kommt als Secretionsorgan noch die Bojanus’sche Drüse in Betracht,

doch ist man noch weit entfernt davon, einen klaren Begriff von ihrer

Function zu haben; manche halten sie für eine Niere; da man aber nie

Harnstoffverbindungen, sondern nur Kalk in ihr gefunden hat, ist es

wahrscheinlicher, dass sie den zum Schalenbau nöthigen Kalk bereitet,

vielleicht in Form einer Verbindung von Kalk und Eiweiss, oder dass sie

zur Bildung des Pigmentes in Beziehung steht.

Das Nervensystem zeigt zunächst dieselben drei Paar Ganglien, wie bei

den Schnecken, aber weit von einander entfernt liegend und nur durch

Nervenfäden verbunden. Das erste Paar, die Mundganglien, versorgt den

vorderen Theil des Körpers, das mittlere, die Fussganglien, den Fuss

und das Gehörorgan, aber nicht die Eingeweide, und das dritte Paar,

die Kiemenganglien, die Kiemen und den hinteren Theil des Mantels.

Ausserdem finden sich aber noch eine Anzahl Ganglien, die, vom Willen

unabhängig, dem Sympathicus der höheren Thiere entsprechen und mehrfach

mit den anderen Ganglien zusammenhängen; sie versorgen die Eingeweide.

Die Sinnesorgane sind bei unseren Arten nur wenig entwickelt.

Gesichtsorgane fehlen gänzlich, während viele Seemuscheln sehr schön

entwickelte, zahlreiche Augen am Mantelrande haben; doch scheinen die

Unionen manchen Beobachtungen nach nicht ganz unempfindlich gegen das

Licht zu sein. Ob Geschmacksorgane vorhanden, ist nicht zu entscheiden;

dagegen scheint das Gefühl sehr entwickelt zu sein, und seinen

Sitz nicht nur in den Mundtastern und den Tastern am Mantelrande,

sondern auch ganz besonders im Fusse zu haben. Endlich sind bei allen

Gehörorgane vorhanden, zwei Kapseln mit je einem grossen Gehörsteine,

die bei den Cycladeen unmittelbar auf dem Fuss-Nervenknoten aufsitzen,

bei den Najadeen in einiger Entfernung davon und durch Nerven damit

verbunden, liegen.

Die Bewegungsorgane sind natürlich mannigfaltiger, als bei den

Schnecken, da zu der Ortsbewegung auch noch das Oeffnen und Schliessen

der Schalen kommt. Für die Ortsbewegung dient, wie bei den Schnecken,

der musculöse ~Fuss~, der beil- oder zungenförmig gestaltet ist,

und sowohl zum Kriechen und zum Eingraben in den Sand, als bei den

Cycladeen auch zum Klettern an Wasserpflanzen und zum Schwimmen

nach Art der Limnaeen dient. Er kann durch die Schwellorgane und

Wassergefässe sehr vergrössert werden, wenn das Thier kriechen oder

bohren will, und schiebt sich dann aus den Schalen heraus, will ihn

das Thier zurückziehen, so verkleinert es ihn, indem es durch ein

rasches Zusammenziehen das Wasser nach aussen spritzt. Das Oeffnen

der Schale bewirkt, wie schon oben erwähnt, das Schlossband, das

Schliessen die beiden, von einer Klappe zur anderen quer durch den

Körper hindurchgehenden Schliessmuskel. Damit aber diese nicht ewig

der Elasticität des Schlossbandes entgegen zu arbeiten brauchen, liegt

jedem ein starker Bindegewebestrang an, der das Oeffnen der Schale nur

bis zu einem gewissen Grade gestattet und von da ab auch noch nach dem

Tode des Thieres dem Schlossbande das Gleichgewicht hält, so dass eine

Ermüdung der Muskeln nicht so leicht eintreten kann.

Die Geschlechtsorgane sind stets paarig, aber bei den verschiedenen

Gattungen sehr verschieden gebaut. Die Cyclasarten und wahrscheinlich

auch die Pisidien sind Zwitter, die Najadeen sind getrennten

Geschlechtes, aber die keimbereitenden Drüsen sind bei Männchen und

Weibchen ganz gleich gebaut, nur, wenn Saamen oder Eier entwickelt

sind, bekommen sie verschiedene Färbung. Nach ~van Beneden~ kommen aber

auch hier Zwitter vor, bei denen ein Theil der Drüse Eier, der andere

Saamen producirt; doch behauptet ~von Hessling~, dass dann immer das

eine Geschlecht überwiege, und entweder Saamen oder Eier nicht völlig

ausgebildet seien. Auch _Tichogonia_ ist getrennten Geschlechtes. Die

engen Ausführungsgänge münden mit einer sehr feinen Oeffnung auf einem

Wärzchen, neben der Mündung des Bojanus’schen Ganges.

Bei einiger Aufmerksamkeit und Uebung soll man schon an den Schalen

die Männchen und Weibchen unterscheiden können. Nach ~von Siebold~

ist bei _Anodonta_ das Männchen breit oder elliptisch eiförmig, die

weibliche Schale länglich-eiförmig und stärker gewölbt. Die stärkere

Wölbung besonders des hinteren Theiles, führt auch ~Küster~ als

Hauptkennzeichen des Najadeenweibchens an.

Begattungswerkzeuge fehlen gänzlich.

Ein besonderes Organ, das von unseren Muscheln im ausgebildeten

Zustande nur _Tichogonia_ zu besitzen scheint, ist die Byssusdrüse,

eine Drüse, durch welche die Fäden abgesondert werden, mit welchen sich

diese Muschel an Steine, Pfähle oder andere Muscheln befestigt. Sie

besteht aus einer rundlichen Höhle, in der sich Drüsen befinden; die

Fäden werden durch einen besonderen zungenförmigen Fortsatz des Fusses,

den sogenannten Spinner, ausgezogen. Uebrigens kann unsere Muschel

jederzeit den Byssus ablösen und sich neu befestigen.

Siebenundzwanzigstes Capitel.

Entwicklung der Muscheln.

Fauna der Nassauischen Mollusken · 第 19 / 25 段