Gehäuse, das durch einen auf der Rückseite des Fusses befestigten
hornigen Deckel geschlossen wird, sobald sich das Thier in sein
Gehäuse zurückzieht. Die Athmungsorgane gleichen ganz denen der
Lungenschnecken, aber der anatomische Bau des Thieres gleicht so
ganz dem der Kiemenschnecken, dass man es in neuerer Zeit vorgezogen
hat, sie als _~Neurobranchia~_, ~Netzkiemer~, zu diesen zu stellen,
ein Verfahren, das allerdings das System wesentlich vereinfacht,
aber doch kaum berechtigt sein dürfte, da die Athmungsorgane der
Land-Deckelschnecken ganz denen der übrigen Pulmonaten gleichen.
Wie die Kiemenschnecken sind sie getrennten Geschlechtes, haben so den
Mund auf der Spitze einer Schnauze und eine lange schmale bandförmige
Zunge, mit nur wenig Platten in einer Querreihe. Kiefer fehlt. Die
Männchen haben äussere Begattungswerkzeuge. Die beiden Fühler sind
nicht einziehbar.
Es kommen von den zahlreichen, meist tropischen Gattungen nur zwei in
unserem Gebiete vor, die sich folgendermassen unterscheiden:
a. Gehäuse sehr klein, cylindrisch; Mündung mit fast parallelen
Rändern, Deckel dünn, hornig.
_Acme_ ~Hartm.~
b. Gehäuse mittelgross, mit stielrunden Windungen, kreisrunder
Mündung und dickem, kalkigem Deckel.
_Cyclostoma_ ~Lam.~
In Süddeutschland kommt noch eine dritte Gattung vor, _Pomatias_
~Studer~, mit thurmförmigem, geripptem Gehäuse, ausgebreitetem Mundsaum
und hornigem Deckel. Die nördlichsten mir bekannten Fundorte sind der
Kaiserstuhl in Baden und die Felsen am Donauufer um Regensburg.
XX. ACME ~Hartmann~.
_Syn._ _Pupula_ ~Agassiz~. _Acicula_ ~Hartm.~ (_non_ ~Bielz~).
In unserem Gebiete nur eine einzige Art.
113. Acme fusca ~Walker~.
_Syn._ _Auricula lineata_ ~Drap.~
Gehäuse winzig klein, thurmförmig, fast cylindrisch, stumpf, entfernt
stehend fein gestrichelt. 6-7 flache Umgänge. Mündung halbkreisförmig,
oben spitz; Mundsaum verdickt. Deckel hornig, sehr dünn, durchsichtig,
mit wenigen, rasch zunehmenden Windungen. Höhe 3 Mm., Durchmesser
0,5 Mm.
Thier mit zwei schlanken Fühlern und kürzerer Schnauze; die Augen
liegen hinter dem Grunde der Fühler.
Diese niedliche Schnecke ist weit verbreitet, aber überall sehr selten.
Sie lebt unter Laub und Moos an sehr feuchten Stellen. Soviel mir
bekannt, wurde innerhalb unseres Gebietes erst einmal ein Exemplar
dieser Art gefunden, und zwar bei Neu-Isenburg von Herrn ~Dickin~.
Zweiundzwanzigstes Capitel.
XXI. CYCLOSTOMA ~Lamarck~.
Kreismundschnecke.
Diese mehr dem Süden angehörige Gattung ist bei uns, wie in Deutschland
überhaupt, nur durch eine Art vertreten.
114. Cyclostoma elegans ~Draparnaud~.
Zierliche Kreismundschnecke.
Gehäuse conisch-eiförmig, undeutlich genabelt, stumpflich, stark,
gelblich- oder violettgrau oder gelblich fleischfarbig, mitunter
dunkler, fast violett, mit undeutlichen, striegeligen Schattirungen,
die nach dem Wirbel hin deutlicher werden, mitunter mit feinen Binden,
fast glanzlos, von sehr regelmässigen, erhabenen Spirallinien und sehr
feinen, von jenen unterbrochenen Querstreifen sehr zierlich gegittert.
Die fünf beinahe stielrunden Umgänge nehmen ziemlich schnell zu,
laufen sehr tief aufeinander und sind daher durch eine sehr tiefe Naht
bezeichnet; der letzte Umgang ist so gross, wie das Gewinde. Mündung
fast kreisrund, oben etwas eckig und hier mit einem Wulst belegt. Der
Deckel hart und schalenartig, ganz vorn stehend, mit wenigen spiralen
Windungen.
Thier getrennten Geschlechtes, schiefergrau mit zwei walzigen,
stumpflichten Fühlern, die aber nur contractil, nicht retractil
sind, d. h. beim Einziehen werden sie nicht wie ein Handschuhfinger
eingestülpt, sondern nur zu einem kleinen Knöpfchen zusammengezogen.
Die glänzend schwarzen Augen sitzen aussen an der Basis der Fühler.
Kopf rüsselförmig verlängert, vorn abgestutzt. Die Sohle durch
eine tiefe Längsfurche in zwei Wülste getheilt, die das Thier beim
Fortschreiten abwechselnd bewegt, so dass es nicht kriecht, sondern
förmlich geht, eine Bewegung, die es noch durch Ansaugen mit dem Rüssel
zu unterstützen scheint. Das Thier ist äusserst langsam und scheu;
bei der geringsten Erschütterung zieht es sich in sein Gehäuse zurück
und schliesst den Deckel; es bricht dabei die Sohle in der Mitte quer
zusammen, so dass die beiden Hälften aufeinanderzuliegen kommen. Zunge
wie bei den Kiemenschnecken, mit 120-130 Querreihen, von denen jede
aus sieben Zahnplatten besteht. Die Mittelplatte hat drei stumpfe
Spitzen von ziemlich gleicher Grösse, mit je einem zurückgekrümmten
Haken besetzt, von denen der mittelste am grössten ist. Die erste
Seitenplatte hat ebenfalls drei Zähnchen, von denen das innerste
grösser als die beiden anderen ist. Die zweite Platte ist viel kleiner,
mit mehreren stumpfen Zähnchen, die äusserste, schräg gestellte ist wie
ein Sägeblatt mit zahlreichen kurzen Zähnchen besetzt. Die ganze Reihe
bildet einen nach vorn schwach convexen Bogen. Ein Kiefer ist nicht
vorhanden.
Beobachtungen über die Fortpflanzung der Cyclostomen sind, soviel
mir bekannt, noch nicht angestellt worden. Herr Pfarrer ~Sterr~ in
Donaustauf, ein sehr tüchtiger Schneckenzüchter, erwähnt in einem mir
von ~Heynemann~ mitgetheilten Briefe, dass er noch niemals Eier von
_Cyclostoma_ gesehen; sollte sie vielleicht lebendig gebärend sein?
In den Gehörkapseln findet sich jederseits nur ein Otolith, der nur
wenig kleiner als die Gehörkapsel ist (Ad. ~Schmidt~).
Im Nassauischen kommt diese schöne Schnecke nur an sehr wenigen,
isolirten Puncten vor. An steinigen beschatteten Orten um die
Burgruinen Liebenstein und Sternfels (~Thomae~). Zwischen Fachbach
und Ems an einem sonnigen Rain, an der Lahneck (~Sandb.~ und ~Koch~).
Unterhalb des Lurleifelsen bei St. Goarshausen (~Noll~). Alle
Exemplare, die ich von diesen Orten gesehen, sind auffallend dunkel
gefärbt, fast blaugrau. Die hellere Form findet sich an der ganzen
Bergstrasse, von Auerbach ab, sehr häufig an den Waldrändern an
dumpfigen Orten, meist tief unter Laub verborgen.
In der ~Wiegand~’schen Sammlung im Senckenbergischen Museum liegen
einige Exemplare mit dem Fundort „Bockenheimer Berg“; die Frankfurter
Sammler stellen aber dieses Vorkommen entschieden in Abrede.
Die Cyclostomen leben immer gesellig und sammeln sich auch zum
Winterschlaf in grösseren Haufen, mitunter hunderte an einer Stelle
zusammen. Gefangene Exemplare rührten keine andere Nahrung an, als
Gurkenschalen; sie haben aber, nur in ein Papier gewickelt, den
strengen Winter von 1869-70 in einem kalten Zimmer gut überstanden.
Dreiundzwanzigstes Capitel.
~2. Gedeckelte Wasserschnecken.~
$Aquatilia$ seu $Prosobranchia$.
Die gedeckelten Wasserschnecken athmen durch Kiemen, d. h. durch
sehr gefässreiche Hautfalten, welche sich im Innern der Athemhöhle
erheben und von einem Theil des Blutes durchströmt werden. Unsre
Arten haben eine kurze Schnauze, schwach entwickelte Kiefer und
eine lange bandförmige Zunge, die bei der einen Gruppe sieben, bei
der anderen weit mehr Längsreihen von Zähnen trägt. Alle sind wie
die Land-Deckelschnecken, getrennten Geschlechts und mit äusseren
Begattungswerkzeugen versehen, manche lebendig gebärend. Den inneren
Bau werden wir bei der am genauesten bekannten Art, _Paludina
vivipara_, genauer besprechen.
Gewöhnlich unterscheidet man nach dem Bau der Kiemen zwei
Hauptgruppen, die ~Kammkiemer~, _Pectinibranchiata_, mit einer kamm-
oder baumförmigen Kieme, und die ~Schildkiemer~, _Scutibranchiata
s. Aspidobranchia_, mit einer dreiseitigen, aus zwei Blättern
zusammengesetzten Kieme. Der Name Schildkiemer dürfte aber schon
desshalb nicht zu empfehlen sein, weil er nicht etwa bedeuten soll,
dass das Thier eine schildförmige Kieme habe, sondern dass die
betreffende Gattung -- _Neritina_ -- ein schildförmiges Gehäuse habe
und durch Kiemen athme. Ich ziehe desshalb vor, die Namen der beiden
Abtheilungen von den ganz verschiedenen Zungen zu nehmen und nach
~Troschel~’s Vorgang die Kammkiemer als _Bandzüngler_, _Taenioglossa_,
die Schildkiemer als ~Fächerzüngler~, _Rhipidoglossa_, zu bezeichnen.
Die in unserem Gebiete vorkommenden Gattungen lassen sich
folgendermassen unterscheiden:
A. Gehäuse gewunden mit rundlichem oder ganz rundem Deckel.
a. Deckel nicht ganz rund, Kieme nicht aus der Athemöffnung
hervorragend.
Gehäuse gross, Deckel hornig mit concentrischen Ansatzstreifen.
_Paludina_ ~Lam.~
Gehäuse mittelgross, Deckel kalkig, concentrisch gestreift
mit spiraler Embryonalwindung.
_Bithynia_ ~Leach~.
Gehäuse sehr klein, Deckel hornig.
_Hydrobia_ ~Hartm.~
b. Deckel kreisrund, Kieme baumförmig aus der Athemöffnung
vorragend.
_Valvata_ ~Müller~.
B. Gehäuse halbkugelig, mit halbrundem, an der Basis eingelenktem
Deckel.
_Neritina_ ~Lamarck~.
XXII. PALUDINA ~Lamarck~.
Sumpfschnecke.
Gehäuse gedeckelt, genabelt, eiförmig oder kugelig-conisch; die
Umgänge stark gewölbt, durch eine tiefe Naht vereinigt; Mündung
rundeiförmig, an der Mündungswand abgeschnitten und oben einen stumpfen
Winkel bildend; Mundsaum einfach, scharf, zusammenhängend. Deckel mit
concentrischen Anwachsstreifen ohne spirale Embryonalwindung.
Thier getrennten Geschlechts, mit einer nicht einziehbaren Schnauze;
Fühler borsten-pfriemenförmig, wenig retractil; die Augen sitzen aussen
etwas über ihrem Fusse auf einer besonderen Anschwellung.
Von den beiden deutschen Arten kommt bei uns nur die eine vor, nämlich
115. Paludina vivipara ~Müller~.
Lebendiggebärende Sumpfschnecke.
_Syn._ _Pal. contecta_ ~Millet~, _communis_ ~Dup.~, _Pal. Listeri_
~Forbes~. _Vivipara vera_ ~Frauenfeld~.
Gehäuse genabelt, unten kugelig, oben rundlich kegelförmig, mit spitzem
Wirbel, dünn, durchscheinend, fein gestreift, schmutzig olivengrün,
bauchig. Die 7 Umgänge sind bauchig und durch eine sehr tiefe Naht
vereinigt; oben bei der Naht sind sie etwas flach; der letzte Umgang
besonders bauchig mit drei schmutzig braunrothen Binden, die sich bis
auf den viertletzten Umgang fortsetzen und hier durch eine stumpfe
Kante, die beim Embryo eine Reihe häutiger Franzen trägt, bezeichnet
sind. Wirbel sehr fein zugespitzt; auf dem letzten Umgang eine Anzahl
dunkler Wachsthumstreifen; der Mundsaum schwarz eingefasst, einfach,
gerade. Mündung etwas schräg gerundet, eiförmig, oben stumpf winkelig.
Das Gehäuse ist stets mit einer fest aufsitzenden, grauen Schmutzkruste
überzogen. Deckel hornartig, das Centrum der Ringe etwas nach links,
aussen mehr, innen weniger concav eingedrückt. Höhe 24-40 Mm., Durchm.
16-30 Mm.
Thier sehr plump und träge, hellbraun, mit Ausnahme der Sohle ganz
mit gelben Pünctchen übersäet. Fuss breit, vorn abgestumpft, hinten
schmäler und gerundet. Kopf mit kurzer Schnauze, Kiefer aus zwei
länglichen, schmalen Hornplättchen bestehend. Zunge analog der
von Cyclostoma, lang, bandförmig, mit einer Mittelplatte und drei
Seitenplatten.
Der Magen ist eine einfache, spindelförmige Erweiterung des Darms, nur
durch die Einmündung der Lebergänge als Magen kenntlich; man kann nach
~Leydig~ drei Abtheilungen darin unterscheiden, die hinter einander
liegen.
Die Fühler sind kurz, dick, pfriemenförmig; aussen etwas über der
Basis sitzen auf einer besonderen Anschwellung die Augen; hinter jedem
Fühler ist noch ein ohrförmiger Lappen. In den Gehörkapseln hunderte
von kleinen, säulenförmigen Crystallen. Das Gefässsystem bietet nichts
besonderes, das Blut ist bläulich; wie schon im allgemeinen Theil
erwähnt, findet in der Niere eine offene Communication zwischen den
Gefässen und der Nierenhöhle, also auch ein Austausch zwischen Blut und
Wasser statt. Das Athemorgan ist eine auf der rechten Seite in einem
eigenen Sacke gelegene Kieme von dreieckiger Form mit drei Blättchen am
oberen Rande. Geschlechtsorgane einfacher als bei den Lungenschnecken;
beim Weibchen findet man eine grosse Eiweissdrüse, die dem Embryo den
zu seiner Entwicklung nöthigen Nahrungsstoff liefert; der Uterus ist
sehr stark ausgedehnt, und in ihm findet man immer Junge in allen
Stadien der Entwicklung. Die männlichen Organe bestehen nur aus der
keimbereitenden Drüse, dem Ausführungsgang und dem im rechten Fühler
verborgenen männlichen Glied; auffallend ist die Existenz von zweierlei
Arten Samenthierchen, die beide zur Befruchtung zu dienen scheinen. Die
Entwicklung haben wir schon genauer betrachtet.
Das Weibchen zeichnet sich durch Grösse und stärkere Wölbung vor dem
Männchen aus. In ihnen findet man fast den ganzen Sommer hindurch
Junge in allen Stadien der Entwicklung. Die reifen haben schon vier
Windungen; die letzte hat an der Stelle der beiden oberen Binden
häutige Franzen; das ganze Gehäuse ist kugelig und durchscheinend.
Die Schnecke ist sehr träg, selten streckt sie mehr als die Spitze
des Kopfes und den Fuss aus dem Gehäuse; sie ist auch weniger
gefrässig als die anderen grossen Wasserschnecken und kann desshalb
eher als Bewohnerin des Aquariums verwendet werden. Sie findet sich
nur in weichen, schlammigen Gewässern der Ebene und fehlt desshalb
im grösseren Theile unseres Gebietes; nur in den grösseren stehenden
Gewässern zwischen Mombach und Budenheim (~Thomae~) und der Nähe
von Frankfurt im Metzgerbruch (~Heyn.~). Häufig in den Sümpfen der
Riedgegend. Im Judenteich bei Darmstadt; früher sehr häufig in dem
jetzt fast ausgetrockneten Bessunger Teich; bei Mönchbruch (~Ickrath~).
Die zweite deutsche Art, _Pal. fasciata_ ~Müller~ (_achatina Brug._)
kommt zwar schon am Niederrhein und in der Mosel vor, ist aber in
unserem Gebiete noch nicht beobachtet worden. Sie unterscheidet sich
durch die mehr kegelförmige Gestalt, weniger gewölbte Windungen, engen,
kaum sichtbaren Nabel und hellere Farbe mit deutlichen Bändern.
XXIII. BITHYNIA ~Leach~.
Gehäuse ganz eine Paludine im kleinen, ungenabelt oder kaum geritzt,
eiförmig, Windungen stark gewölbt; der Mundsaum zusammenhängend, wenig
verdickt. Deckel kalkig, ziemlich dick, concentrisch gestreift, aber
mit einer embryonalen Spiralwindung in der Mitte.
Thier dem von Paludina sehr ähnlich.
Wir haben in unserem Bezirke zwei Arten:
a. Gehäuse undurchbohrt, eiförmig oder lang-kegelförmig, mit
ziemlich flacher Naht und 5-7 Umgängen.
_B. tentaculata_ L.
b. Gehäuse mit kleinem Nabelritz, bauchiger, die 5-6 Umgänge
stark gewölbt, die Naht tiefer.
_B. Leachii_ ~Shepp.~
116. Bithynia tentaculata ~Linné~.
Unreine Sumpfschnecke,
_Syn._ _Palud. impura_ ~Lam.~
Gehäuse ungenabelt, eiförmig, bauchig, spitz, durchscheinend, glänzend,
glatt, gelblich, aber immer mit einer Schmutzkruste überdeckt. Die
Umgänge mit Ausnahme des letzten bilden ein spitzes, conisches Gewinde;
der letzte ist stark bauchig und fast so hoch, wie das Gewinde. Naht
ziemlich tief, doch seichter, als bei der folgenden Art; Mündung
eiförmig, oben spitz, wenig schief. Mundsaum etwas zurückgebogen,
fein schwarz gesäumt, innen stets mit einer deutlichen, schmalen,
weissen Lippe belegt. Nabel ganz verdeckt. Deckel stark, eiförmig, oben
zugespitzt. Höhe 6-8 Mm., Breite 3-5 Mm.
Thier violett-schwärzlich mit unzähligen goldgelben Puncten; Fuss
vorn breit, zweilappig, hinten verschmälert, zugespitzt. Fühler lang,
borstenförmig, Augen schwarz. Kiefer zwei zu beiden Seiten liegenden
Hornplättchen. Zunge mit 7 Platten in jeder Querreihe, die am Rande
eine grössere oder geringere Anzahl Zähne tragen. Sie sind ebenfalls
getrennten Geschlechts, legen aber Eier.
Die Schnecke ist sehr scheu und furchtsam und schliesst bei der
geringsten Erschütterung ihren Deckel. Sie ist gemein in allen
stehenden Wassern der Ebene; auch in langsam fliessenden Flüssen
und Bächen. In der Lahn steigt sie bis Limburg und Weilburg hinauf
(~Sandb.~). Im Rhein- und Mainthal gemein, sowohl in Gräben und Lachen,
als im Main selbst. Im Gebirge fehlt sie.
117. Bithynia Leachii ~Sheppard~.
Bauchige Sumpfschnecke.
_Syn._ _B. Troschelii_ ~Paasch~, _ventricosa_ ~Gray~, _similis_
~Speyer~.
Gehäuse kegelförmig, unten bauchig, dünn, fest, wenig glänzend, schwach
durchscheinend, gelblich hornfarben. 5-6 sehr gewölbte Umgänge, nach
der sehr tiefen Naht hin leicht zusammengedrückt; der letzte macht etwa
die Hälfte des Gehäuses aus. Mündung eiförmig gerundet, oben einen
leichten Winkel bildend; Mundsaum zusammenhängend, am Spindelrande
nicht zurückgeschlagen, der Aussenrand fast gerade. Nabel fast ganz
bedeckt. Deckel ziemlich dünn, mit sehr deutlichen concentrischen
Streifen, die paar äussersten braun. Höhe 5-10 Mm., Durchmesser 3-6 Mm.
Thier weisslich mit schwarzen Flecken und goldgelben Tüpfeln, die durch
die Schale durchscheinen, und fast farblosen, durchsichtigen Fühlern
(~Moquin-Tandon~).
Zu dieser Art gehört eine Schnecke, die sich sehr selten im
Metzgerbruch findet und dort von Herrn Dickin aufgefunden wurde. Nach
~Heynemann~ (Nachrichtsbl. I. 1869 p. 189) ist diess dieselbe Schnecke,
die ~Speyer~ in seinem Verzeichniss als _Paludina similis_ ~Férussac~
anführt.
XXIV. HYDROBIA ~Hartmann~.
118. Hydrobia Dunkeri ~Frauenfeld~.
Dunker’s Quellenschnecke.
Gehäuse abgestutzt, ziemlich gedrungen, ganz eine Paludine im Kleinen
vorstellend. Vier Windungen, die ersten nur wenig vortretend, die
vierte gross, gewölbt, an der Naht jedoch kaum eingezogen. Mündung
eiförmig, kaum gewinkelt, der rechte Mundrand nicht vorstehend.
Spindelrand kaum anliegend, nach unten leicht umgebogen; Nabelritz
mittelmässig, doch deutlich vertieft. Schale nicht sehr durchsichtig,
olivengrün, anwachsstreifig, Mündung weisslich. Länge 2,4 Mm. Breite
der letzten Windung 1,4 Mm. (Ffld.)
Thier mit breiten Fühlern, nahe deren Spitze die Augen sitzen. Fuss
gross.
Diese kleine, von ~Sandberger~ und ~Koch~ als _Paludina viridis_
angeführte Schnecke findet sich in grosser Menge in den Quellen und
deren Abflüssen im ganzen rheinisch-westphälischen Schiefergebirge,
aber nicht im Taunus und auch nicht in der Ebene; schon im Gebiet des
bunten Sandsteins bei Marburg fehlt sie. Sie sitzt mit Vorliebe an den
Blättern und in den Blattachseln von _Chrysosplenium_, _Myosotis_ und
_Beccabunga_; man findet sie den ganzen Winter hindurch. Quellwasser
scheint ihr unbedingt nöthig zu sein, denn schon wenige Schritte
von der Quelle findet man sie nicht mehr, und im Aquarium konnte
ich sie nie erhalten. Dagegen findet man sie nicht selten zwischen
durchfeuchtetem Laub nicht eigentlich mehr im Wasser; ich habe oft an
demselben Blatt mit ihr _Carychium minimum_ und _Vertigo septemdentata_
gefunden. Sie scheint von den Tritonen sehr gern gefressen zu werden.
In Quellen bei Dillenburg im Thiergarten und Aubachthale häufig; auch
bei Siegen (~Koch~). In allen Quellen um Biedenkopf in Menge (!) Bei
Elberfeld (~Goldfuss~).
Vierundzwanzigstes Capitel.
XXV. VALVATA ~Müller~.
Kammschnecke.
Gehäuse kugelig, kreisel- bis scheibenförmig, meist genabelt, mit
stielrunden Windungen, kreisförmiger Mündung und zusammenhängendem
scharfem Mundsaum. Deckel kreisrund mit vielen spiraligen Windungen.
Thier mit rüsselförmiger Schnauze, langen cylindrischen Fühlern,
welche hinten am Grunde die Augen tragen. Kiemen lang, federartig, mit
einem fadenförmigen Anhang am Grunde, den manche für eine Nebenkieme
halten, aber wohl mit Unrecht, da er keine Gefässe enthält; beim Athmen
treten beide aus der Kiemenhöhle heraus. Die beiden Kiefer sind kleine
rundliche Hornschüppchen, die, besonders am vordern Rande, gelb gefärbt
sind. Nach ~Moquin-Tandon~ findet sich zwischen beiden noch eine
rudimentäre Oberplatte.
Die Valvaten sind Zwitter, das männliche Glied liegt hinter dem
rechten Fühler, die weibliche Oeffnung auf derselben Seite unter
dem Mantelrand. Die Eier werden, von einem Laich umhüllt, von den
verschiedenen Arten in verschiedener Weise abgesetzt.
Diese Schnecken leben am liebsten in stehendem oder langsam fliessendem
Wasser mit schlammigem Grunde; die Thiere halten sich meistens im
Schlamme auf. Im Glase gehalten sind sie sehr scheu und ziehen sich bei
der geringsten Erschütterung in ihr Gehäuse zurück.
C. ~Pfeiffer~, dem wir die erste genaue Beschreibung der
deutschen Valvaten verdanken, unterscheidet fünf Arten; über die
Selbstständigkeit der beiden ersten kann man freilich im Zweifel sein
und ~Moquin-Tandon~ erklärt ohne weiters _depressa_ für eine junge
_piscinalis_. Alle fünf Arten finden sich in Nassau und lassen sich
folgendermassen unterscheiden:
a. Gehäuse kreiselförmig, mit erhobenem Gewinde.
Gehäuse kugelig-kreiselförmig, Deckel ganz vorn an der
Mündung, durchbohrt genabelt.
_V. piscinalis_ ~Müll.~
Gehäuse flacher und kleiner, offen und weit genabelt,
Deckel weiter in die Mündung eingesenkt.
_V. depressa_ C. ~Pfeiff.~
b. Gehäuse scheibenförmig.
Gehäuse oben und unten genabelt, Mundsaum etwas zurückgebogen.
_V. spirorbis_ ~Drp.~
Gehäuse nur unten genabelt, oben flach, Mundsaum einfach,
geradeaus.
_V. cristata_ ~Müll.~
Gehäuse nach oben etwas convex, sehr klein, nur 1¼ Mm.
Durchm., Mundsaum einfach.
_V. minuta_ ~Drp.~
Eine genaue Untersuchung dieser Familie wäre sehr zu wünschen.
119. Valvata piscinalis ~Müller~.
Stumpfe Kammschnecke.
_Syn._ _V. obtusa_ C. ~Pfr.~, _Cyclostoma obtusum_ ~Drp.~
Gehäuse kreiselförmig, etwas kugelig, schmutzig gelb, durchsichtig,
wenig glänzend, fein gestreift. Das Gewinde mit 4 stark gewölbten
Umgängen, der letzte bauchig, die übrigen schnell abnehmend, eine
stumpfe Spitze bildend. Mündung beinahe kreisrund. Mundsaum einfach.
Deckel hornartig, mit einer Spirallinie bezeichnet, von aussen etwas
vertieft, matt, von innen in gleichem Verhältniss erhaben, sehr
glänzend. Nabel tief, durch den Umschlag des Spindelrands ein wenig
verdeckt. (C. ~Pfeiff.~). Höhe und Breite gleich, 6-8 Mm.
Thier weisslich oder graugelb, durchscheinend, Fühler unten verdickt;
Fuss gross, vorn in zwei Lappen gespalten, hinten abgerundet, bedeutend
länger als die Schale. Kieme 3 Mm. lang mit 14 gefiederten Seitenfasern
auf jeder Seite, die nach der Spitze hin immer kürzer werden.
Sie legt 12-20 Eier, zu einem kugeligen, trüb durchsichtigen Laich
vereinigt, von grüner oder hochgelber Farbe, die nach 26-28 Tagen
ausschlüpfen.
In schlammigen Gräben bei Mombach und in schlammigen Buchten des
Mains; selten; leere Gehäuse in den Anspülungen des Mains häufiger.
(~Thomae~). An der Mainspitze selten. (A. ~Römer~). Häufig im Hanauer
Stadtgraben und an der Ehrensäule, selten im Main (~Speyer~). Im
Dietzischen Graben bei Hanau (~Heyn.~). In der Sulzbach sehr häufig
(~Ickrath~). Eine besonders schöne Form fand ich in Masse in der
Wickerbach kurz oberhalb der Flörsheimer Kalksteinbrüche, darunter
einzelne, welche sich sehr der _contorta_ nähern; sie ist mit der
gewöhnlichen Mainform abgebildet. Häufig im Main bei Schwanheim unter
Steinen; todte Exemplare im Sande in Menge.
120. Valvata depressa C. ~Pfeiffer~.
Niedergedrückte Kammschnecke.
Gehäuse flachkugelig, etwas kreiselförmig, hellhornfarbig,
durchscheinend, wenig glänzend, fein gestreift. Gewinde wenig erhoben,
eine abgestumpfte Spitze bildend. Umgänge 3½, durch eine tiefe Naht
vereinigt, Mündung vollständig kreisrund, etwas erweitert, Mundsaum
zusammenhängend, Nabel offen und tief. Deckel hornartig, dünn, etwas in
die Mündung eingesenkt. Höhe 3-4 Mm., Breite 4-5 Mm.
Thier hellgrau, durchsichtig, Kieme kürzer wie bei der vorigen Art.
Mit _piscinalis_ in schlammigen Gräben und Lachen. Nicht selten in
schlammigen Gräben bei Mombach. (~Thomae~). Bei Bischofsheim und
Enkheim (~Speyer~).
121. Valvata spirorbis ~Draparnaud~.
Gekräuselte Kammschnecke.
Gehäuse scheibenförmig, oben wenig, unten stark vertieft, viel weiter
genabelt als _cristata_, hornfarbig, etwas durchscheinend, fein
gestreift, wenig glänzend. 3 Umgänge, Mündung völlig rund, Mundsaum
einfach, etwas zurückgebogen. Deckel concentrisch gestreift, innen
etwas erhaben, aussen eingedrückt und etwas in der Mündung eingesenkt.
Höhe 1 Mm. Breite 2-3 Mm. (C. ~Pfeiffer~).
Thier von dem der anderen Valvaten nicht abweichend.
In Gräben am Kohlbrunnenwald bei Hanau (~Heyn.~).
122. Valvata cristata ~Müller~.
Scheibenförmige Kammschnecke.
_Syn._ _V. planorbis_ ~Drp.~