oder hellhornbraun, fein gestreift; fünf, zuweilen sechs stark
gewölbte, durch eine tiefe Naht wendeltreppenartig abgesetzte
Umgänge; der letzte, sehr bauchige, ist etwas bedeutender, als das
conisch-spitze Gewinde. Mündung eirund, oben nur leicht stumpfwinkelig;
der Umschlag der Columelle tritt nach unten bald los, wodurch ein
deutlicher Spindelrand gebildet wird und ein deutliches Nabelloch
bleibt. Höhe 3-6 Mm., Breite 2-3 Mm.
Thier dunkelgrau, Sohle heller, Augenpuncte schwarz; Fühler kurz, sehr
zusammengedrückt, durchscheinend.
Man kann, wenn man will, eine _var. major_ und eine _var. minor_
unterscheiden, letztere die in kalten Quellwässern, erstere die in der
Ebene häufigere Form.
Diese kleinste Limnäe ist in unserem Gebiete noch verbreiteter wie
_peregra_, da sie ebenfalls im Gebirge bis zu den Quellen emporsteigt
und sich mit Vorliebe in kleinen Gewässern, besonders in den
Bewässerungsgräben der Wiesen findet. Nicht selten findet man sie auch
ausserhalb des Wassers an feuchten Mauern. Immer lebt sie gesellig.
Besonders schöne grosse Exemplare um Frankfurt am Sandhof und an der
Grüneburg (~Dickin~).
92. Limnaea elongata ~Draparnaud~.
Längliche Schlammschnecke.
_Syn._ _L. glaber_ ~Müll.~, _leucostoma_ ~Lam.~
Gehäuse ohne Nabelritz, gethürmt-verlängert, dünn, durchscheinend,
sehr fein gestreift, gelblich, des Kothüberzugs wegen aber fast
überall braun oder schwarz erscheinend. Die 7-8 durch eine tiefe
Naht vereinigten Umgänge nehmen nur sehr allmählich zu, so dass der
letzte kaum grösser ist, als der vorletzte und der drittletzte, was
dem Gehäuse ein ganz vom Limnäencharacter abweichendes Ansehen gibt.
Mündung auffallend klein, bedeutend weniger als ⅓ des Gehäuses
ausmachend, elliptisch-eiförmig, oben spitz; Mundsaum am Aussenrande
innen stets mit einer schwachen, aber deutlichen weissen Lippe belegt.
Höhe 9-10 Mm., Breite 3-4 Mm.
Thier dunkelstahlgrau, Fühler hellgrau, durchscheinend, Augen schwarz.
Diese Schnecke, die eher einem Bulimus, als einer Limnäe gleicht,
kommt in unserem Gebiete nur im Mainthal vor, wo sie auch zuerst in
Deutschland von C. ~Pfeiffer~ in einem Graben zwischen Bürgel und
Mühlheim gefunden wurde. Soviel mir bekannt findet sie sich nur auf
dem linken Mainufer im Bereich des Frankfurter Waldes in den meisten
Gräben bis nach Schwanheim hin; auch bei Mönchbruch (~Ickrath~).
Eine auffallend lange, 12-14 Mm. lange Form entdeckte ~Dickin~ im
Königsbruch im Frankfurter Wald.
~Thomae~ führt _elongata_ auch aus Wiesengräben um Idstein an; an den
Originalexemplaren im Wiesbadener Museum habe ich mich aber überzeugt,
dass es _fusca_ ist.
93. Limnaea palustris ~Draparnaud~.
Sumpf-Schlammschnecke.
Gehäuse ungenabelt, eiförmig-länglich, ziemlich stark, horngrau, meist
mit einem blaugrauen Schmutzüberzug, dicht, aber fein gestreift,
oft mit den gitterartigen Eindrücken. 7 Umgänge, der letzte wenig
bauchig, kleiner als das Gewinde, das stark und gewölbt, nie, wie bei
_stagnalis_, spitz ausgezogen ist. Mündung spitz-eirund, kürzer als
die halbe Länge des Gehäuses, inwendig dunkel violettbraun mit einer
breiten, dunklen, fast nicht erhabenen Lippe. Umschlag fest auf der
Columelle aufliegend, nur selten eine Spur von einem Nabelritz lassend.
Höhe 12-18 Mm., Breite 4-10 Mm.
Thier grünlich schwarzgrau, etwas ins Violette spielend. Sohle am
dunkelsten, der ganze Körper mit gelben Pünctchen bedeckt.
Diese Form variirt noch stärker als _peregra_ und man kann zahllose
Varietäten davon unterscheiden. Zunächst eine riesenhafte, dickschalige
Form, 20-28 Mm. hoch, 9-12 Mm. breit, mit dickschaligem, stark
geripptem Gehäuse und stets mit starken netzartigen Zeichnungen, nur in
Teichen und grösseren Sümpfen vorkommend, _var. corvus_ ~Gmel.~ Dann
eine kleinere, dünnschalige Form aus kleineren fliessenden Gräben, ohne
Gitterzeichnung und sehr fein gestreift. Man bezeichnet diese Form
gewöhnlich als _fusca_ C. ~Pfeiffer~, und wenn dies richtig ist, kann
_fusca_ von _palustris_ nicht getrennt werden. Ich möchte aber _fusca_
für die nachfolgende Form in Anspruch nehmen, die ich für specifisch
verschieden von _palustris_ halte, und die jetzt bald als _fusca_,
bald, wenn auch irrthümlich, als _elongata_ genommen wird.
In den Gewässern der Ebene, besonders in Teichen und den Altwassern der
Flüsse. Beim Turnplatz und auf der Ingelheimischen Aue bei Biebrich
(~Thomae~). Im Metzgerbruch, im Steinbruch; cariöse Exemplare bei
Bockenheim (~Dickin~). In der alten Nied bei Höchst, wo ich Exemplare
von 40 Mm. Höhe fand; in den Sümpfen und Gräben im Ried. Die kleinere,
gewöhnlich _fusca_ genannte Form in allen Gräben des Frankfurter
Waldes. In mehreren Teichen um Darmstadt (~Ickrath~).
94. Limnaea fusca C. ~Pfeiffer~?
Bräunliche Schlammschnecke.
Gehäuse ungenabelt, ziemlich dünn und durchscheinend, hornbraun,
wenig glänzend, dicht und mitunter deutlich gestreift, meist, doch
nicht immer, ohne die Gitternarben von _palustris_. 6-7 nicht sehr
rasch zunehmende Windungen, die letzte weniger aufgetrieben, als
bei _palustris_, desshalb das ganze Gehäuse viel schlanker. Mündung
kaum ⅓ des Gehäuses einnehmend, spitzeiförmig, nur wenig durch die
Mündungswand eingedrückt, Spindelsaum fest anliegend, die Falte weniger
vortretend, wie bei _palustris_, die violette Lippe im Inneren habe ich
bei keinem Exemplar beobachtet. Höhe 12-18 Mm., Breite 5-7 Mm.
Thier wie bei _palustris_.
Wie schon bei voriger Art erwähnt, ist das Recht dieser Art auf den
~Pfeiffer~’schen Namen durchaus nicht unbestreitbar, da seine Abbildung
trotz der schlanken Form die dunkle Lippe in der Mündung zeigt, und
auch seine Beschreibung auf die kleinere Form von _palustris_ passt.
Unsere Art kann aber unmöglich zu _palustris_ gehören; sie steht
zwischen dieser und _elongata_ mitten inne, und ich habe sie öfter
als _elongata_, wie als _fusca_ erhalten. Aber die Abneigung, das
Namenchaos der Limnäen noch mit einer Art zu vermehren, bringt mich zu
dem Entschluss, den ~Pfeiffer~’schen Namen vorläufig beizubehalten und
auf unsere Art zu beschränken.
Was das Vorkommen anbelangt, so kann ich über die älteren Angaben
natürlich nichts sagen; nur die von ~Thomae~ über _L. elongata_,
„Wiesengräben bei Idstein“, gehört sicher hierher. Auch die von
~Speyer~ erwähnte _var. elongata_ von _fusca_ dürfte hierhergehören,
wenigstens sah ich bei D. F. ~Heynemann~ Exemplare die er von Herrn A.
F. ~Speyer~ als _elongata_ ~Drp.~ erhalten hatte. Ich selbst sammelte
sie in den Gräben des Frankfurter und Schwanheimer Waldes nicht selten.
Wiederholen will ich noch einmal, dass ich diese Form von sehr
verschiedenen Puncten als _L. elongata_ ~Drp.~ erhalten habe, aber
stets nur von solchen, wo diese selbst nicht vorkommt; denn wenn man
beide neben einander hat, ist eine Verwechslung mit der Bulimusartigen
_elongata_ nicht mehr möglich; die Enge der Mündung und die geringe
Verschiedenheit des letzten und des vorletzten Umganges lässt sie nicht
verkennen.
95. Limnaea stagnalis ~Müller~.
Grosse Schlammschnecke.
Gehäuse ungenabelt, gestreckt-eirund mit mehr oder weniger thurmförmig
ausgezogenem, schlankem, in eine scharfe Spitze auslaufendem Gewinde,
gelblich hornfarbig, aber fast immer mit einem Kothüberzug bedeckt,
zerbrechlich, unregelmässig gestreift, auf dem letzten Umgang meist
mehr oder weniger narbig-runzelig. Von den 6-8 Umgängen ist der letzte
sehr aufgetrieben, bauchig, grösser als die übrigen zusammen, oben
mit einer stumpfen Kante und von da an oft senkrecht eingedrückt. Die
Umgänge des Gewindes sind ganz flach, das Gewinde selbst sehr schlank,
fast ausgehöhlt, mit einer sehr flachen, fast kantigen Naht. Mündung
undeutlich eirund, an der Spindelseite durch die Falte der Spindelsäule
herzförmig ausgeschnitten, unten breit gerandet. Aussenrand bogig
ausgeschweift, bei ausgebildeten Gehäusen sehr vorgezogen, selbst
umgeschlagen; der breite Umschlag der Spindel, der die beiden Ränder
verbindet, liegt dicht auf und lässt nur eine ganz unbedeutende
Nabelspalte. Von unten her kann man die ganze Spirale bis zur Spitze
übersehen und einen Draht in fast gerader Richtung bis zur Spitze
durchführen; es fehlt demgemäss die untere Naht. Höhe 40-70 Mm., Breite
22-28 Mm., doch kommen stellenweise auch viel kleinere Formen vor.
Thier schmutzig gelblichgrau bis dunkel olivengrün, mit gelblichen
Pünctchen bestreut; Sohle stets dunkler mit hellerem Rand. In
Mainlachen am rothen Hamm fand ich im Herbst 1870 ganz auffallend gelb
gefärbte Exemplare; auch die Sohle war auffallend hell mit einem
hochgelben Ring; vielleicht war hier die Nahrung Ursache, da die Thiere
nur von rothen Algen leben mussten. Bei Sossenheim in Wiesengräben fand
~Ickrath~ das Thier fast rein weiss.
Das Gehäuse variirt sehr. Am auffallendsten ist die kurze, gedrungene
Form der Schweizer Seen, fast gebaut wie _auricularia_, aber immer
sicher durch das ausgehöhlte, spitze Gewinde und die eigenthümliche
Spira erkennbar, man hat sie als _L. lacustris_ ~Studer~ unterschieden;
sie kommt nur in Seen vor und fehlt desshalb in unserem Gebiete;
dagegen haben wir die Form, welche sie an den typischen _stagnalis_
anknüpft und von ~Hartmann~ _var. media_ genannt wurde.
Ferner kann man zwei Grundformen unterscheiden, je nach dem Vorwalten
der Kante auf dem letzten Umgang oder deren Fehlen, in Folge dessen
bei der einen die Mündung viereckig, bei der anderen mehr rundlich
ist. Erstere nennt ~Hartmann~ _var. turgida_ ~Menke~, letztere
_vulgaris_ ~Leach~. Eine schlanke Form mit sehr dünnem Gehäuse ist
_var. roseolabiata_ ~Sturm~; junge Exemplare davon, vielleicht auch von
anderen Formen, veranlassten die Aufstellung einer _L. fragilis_.
~Bourguignat~, welcher aus dieser Art acht verschiedene gemacht hat,
von denen freilich drei auf Missbildungen und zwei auf unausgewachsene
Exemplare kommen, unterscheidet eine kurze, gedrungene Form als _L.
~borealis~_; sie soll besonders im Norden Europas vorkommen. Ich
erhielt Exemplare, welche seiner Abbildung vollkommen entsprechen, aber
etwas kleiner sind, durch Herrn ~Ickrath~ aus den Abflüssen kalter
Quellen bei Sossenheim, gemischt mit anderen Formen. Ihr Aufenthaltsort
sind dichtbewachsene, kleine Gräbchen mit etwa 8-9° R. Auch hier fand
ich vielfach das Thier gelb, vielleicht auch in Folge des der Art sonst
nicht zusagenden Aufenthaltsortes, an welchem sie gleichwohl sehr
häufig ist.
Eine interessante Form, die soviel mir bekannt noch nirgend beschrieben
ist, habe ich in hiesiger Gegend gefunden; es ist eine ziemlich
kantenlose Form, deren äusserer Mundsaum auffallend weit nach aussen
vorgezogen ist und sehr bedeutende Neigung zeigt, sich nach aussen
umzulegen. An ruhigen Stellen und ganz besonders im Aquarium geht die
Umbiegung so weit, dass der Rand die Aussenwand des Gehäuses berührt
und so eine 2-3 Mm. breite Hohlrinne längs des ganzen Mundsaumes
bildet; bei besonders exquisiten Exemplaren biegt er sich sogar
noch einmal weiter. Da diese Form an ihrem Fundorte ausschliesslich
und in Menge vorkommt, kann man sie nicht wohl als krankhafte Form
betrachten, sondern muss sie als ächte Varietät anerkennen, und als
solche nenne ich sie _~reflexa~_.
Als Missbildung kommen sehr lang ausgezogene Scalaridenformen mit
tiefer Naht vor.
Nur in der Ebene und besonders in grösseren Gewässern; im Gebirge
fehlt sie ganz, und im Lahnthal tritt sie erst unterhalb Limburg auf.
Im Rhein- und Mainthal ist sie dagegen allenthalben nicht selten;
so in den Festungsgräben bei Mainz und Castel (~Thomae~), im ganzen
Ried, in mehreren Teichen um Darmstadt (~Ickrath~), bei Frankfurt
(~Heynemann~, ~Dickin~), in den Lachen des Nieder Wäldchens (!);
Hanau (~Speyer~). Die _var. media_ fand Herr ~Dickin~ in mehreren
Exemplaren bei Frankfurt, sie scheint aber in den heissen Sommern
des letzten Jahrzehntes ausgegangen zu sein. Die _var. roseolabiata_
in einem Sumpfe bei Limburg (~Liebler~ bei ~Sandb.~ und ~Koch~), an
der Lamboibrücke (~Speyer~); auch hier und da in klaren Gräben der
Mainebene. Die _var. reflexa_ fand ich zuerst im Bassin des botanischen
Gartens zu Frankfurt, später in Menge in der alten Nied bei Höchst,
mit _palustris_ zusammen. In einem zum Theil durch Quellen gespeisten
Teiche vor Niederrad sind fast sämmtliche Exemplare angefressen, aber
weniger an der Spindel, als am letzten Umgang.
Achtzehntes Capitel.
XVI. PHYSA ~Draparnaud~.
Blasenschnecke.
Muntere, rasch bewegliche Thierchen mit dünnen, langen Fühlern, an
deren Grunde nach innen die Augen sitzen. Die Oeffnungen für die
Athemhöhle und die Geschlechtswerkzeuge liegen auf der linken Seite.
Mantel entweder gezackt und um den Rand des Gehäuses geschlagen, oder
einfach; der Fuss nach hinten schmal und schlank.
Gehäuse links gewunden, dünn und zerbrechlich, durchsichtig, glänzend,
ungenabelt; Mündung länglich-eiförmig, höher als breit, nach oben
verengt; Mundsaum gerade, scharf, Spindel gedreht, ohne Falten.
Sie legen durchsichtige Eier, 15-20 Stück zu einem wurmförmigen Laich
vereinigt, an Wasserpflanzen. Die irrige Angabe ~von Altens~, dass sie
dabei ihr Gehäuse verliessen, ist schon von Carl ~Pfeiffer~ widerlegt
und erklärt worden.
Die Blasenschnecken leben besonders in stehenden, reich bewachsenen
Gewässern und gehören desshalb vorwiegend der Ebene an. Im Gebirge um
Dillenburg und Biedenkopf kommen sie gar nicht vor.
Wie in ganz Deutschland kommen in Nassau auch nur zwei Arten vor,
die so verschieden sind, dass man zwei verschiedene Gattungen daraus
gemacht hat. Sie unterscheiden sich folgendermassen:
Gewinde spitz, 6 Umgänge.
_Ph. hypnorum_ L.
Gewinde kurz, abgestumpft, Gehäuse blasenartig aufgetrieben
mit nur 3-4 Windungen.
_Ph. fontinalis_ L.
96. Physa hypnorum ~Linné~.
Moosblase.
Gehäuse langeiförmig mit spitzigem Gewinde, dünn, durchsichtig,
feingestrichelt, sehr glänzend, gelblich-hornfarben bis bernsteingelb;
6 Umgänge, von denen der letzte stark vergrössert ist. Mündung
spitz-eiförmig, ungleichseitig; Mundsaum scharf, der Spindelsäulenrand
etwas zurückgeschlagen, etwas ausgeschweift und schwielig,
röthlichweiss. Höhe 10-15 Mm.
Thier schwärzlich mit einfachem, ungelapptem Mantel, 8-10 Mm. lang, die
Fühler 3-4½ Mm. lang.
In Nassau bis jetzt nur an wenigen Puncten gefunden, aber dann immer
in grösserer Gesellschaft. In einem Graben an der Taunusbahn zwischen
Castel und Hochheim (~Thomae~). In einem Wiesengraben unterhalb
des Löhnberger Schlosses (~Sandb.~). Im Lamboiwald bei Hanau und
bei Bergen (~Speyer~). Im Metzgerbruch (~Heyn.~). Ich fand sie im
Hauptabzugsgraben der Schwanheimer Waldwiesen, jedoch nicht häufig. Bei
Mönchbruch (~Ickrath~).
97. Physa fontinalis ~Linné~.
Quellen-Blasenschnecke.
Gehäuse eiförmig, blasenartig aufgetrieben, blassgelblich bis
hornfarbig, glänzend, durchsichtig, sehr zart und zerbrechlich, der
Länge nach fein gestreift; 3-4 Umgänge, von denen der letzte sehr
bauchig aufgetrieben ist und fast das ganze Gehäuse ausmacht, während
die oberen ein kurzes, stumpfes Gewinde bilden. Mündung weit, länglich
eiförmig, nach oben zugespitzt, unten abgerundet; Mundsaum einfach,
scharf, geradeaus, gegen die Spindel etwas schwielig verdickt und
weisslich. Höhe 6-12 Mm., Breite 5-7 Mm.
Thier in ausgewachsenem Zustande schwärzlich violett mit
weisslichgelben Fühlern; Mantel schmutziggelb, durch zahlreiche dunkle
Puncte zierlich netzartig gezeichnet; der durchscheinende Mantel gibt
dem lebenden Thiere ein ganz nettes Aussehen. Der Mantelrand besteht
aus zwei fingerförmig geschlitzten Lappen, die das Thier für gewöhnlich
um den Schalenrand schlägt und so die ganze Schale so einhüllt, so
dass das Thier einem Schmutzklümpchen gleicht. Die Zunge ist sehr dünn
und desshalb nur sehr schwer unzerrissen zu präpariren. Sie ist vorn
zweitheilig und läuft in zwei nach Aussen gebogene Spitzen aus; der
Mittelzahn ist anscheinend aus zweien zusammengesetzt. Die Seitenzähne
sind alle gleich, sehr breit, mit 6-8 Zähnchen an einer Seite, einem
Sägeblatt ähnlich; sie stehen in schiefen Reihen, die in der Mitte in
einem sehr spitzen Winkel zusammentreffen und dadurch der Zunge ein
gefiedertes Ansehen geben. Der Kiefer ist eine schmale, dünne, in einem
Winkel gebogene Hornplatte mit undeutlicher Streifung, die bei starker
Vergrösserung durch Reihen von rundlichen Hornschüppchen hervorgebracht
erscheint.
Es gleicht diese Schnecke in ihrer Lebensweise der vorigen, findet sich
aber auch in fliessendem Wasser und ist sehr flink in ihren Bewegungen,
was sie zu einer besonderen Zierde für Aquarien, in denen sie sich sehr
gut hält, macht.
In Nassau nur wenig verbreitet. ~Thomae~ führt sie gar nicht an. Häufig
im Braunfelser Weiher (~Sandb.~). In der Umgegend von Frankfurt ist sie
nicht selten, im Metzgerbruch, in den Altwassern des Mains, wo ich sie
besonders am rothen Hamm zahlreich fand und in einem quelligen Teiche
dicht vor Niederrad. Sehr schöne Exemplare, zu denen das abgebildete
gehört, erhielt ich durch Herrn ~Wiegand~ aus Wiesenquellen bei
Sossenheim. Bei Hanau nicht selten im Lamboiwald, Bulauwald, Sumpf
hinter Rückingen; bei Dietesheim, Mühlheim, Bürgel (~Speyer~).
Neunzehntes Capitel.
XVII. PLANORBIS ~Müller~.
Tellerschnecke.
Gehäuse in eine flache, meist oben und unten vertiefte oder oben
flache und unten vertiefte Scheibe aufgerollt, so dass oben wie unten
alle Umgänge sichtbar sind. Mündung durch die Mündungswand stets mehr
oder minder mondförmig ausgeschnitten, nie kreisrund, was sie von den
Valvaten unterscheidet; Mundsaum einfach scharf, meist durch einen
flachen Wulst auf der Mündungswand verbunden, der Aussenrand stets
mehr als der Innenrand vorgezogen; daher die Mündung in Beziehung zur
Axe stets schief. Die Umgänge können stielrund, von der Seite her
bandförmig zusammengedrückt, wie bei _Pl. contortus_ sein, sind aber
meist von oben her zusammengedrückt und mehr oder weniger deutlich
gekielt.
Thier ziemlich schlank, der Kopf endet nach vorn in einen ausgerundeten
Lappen; die Fühler sind lang, borstenförmig, an der Basis etwas
verbreitert, innen neben der Basis sitzen die Augen. Fuss ziemlich
kurz, gleichbreit, vorn abgestutzt, hinten gerundet. Das ganze Thier
meistens dunkel gefärbt.
Der innere Bau gleicht im Ganzen dem der Limnäen. Der Kiefer ist
ebenfalls aus drei Stücken zusammengesetzt, aber das Mittelstück ist
im Verhältniss zu den beiden Seitenstücken weit kleiner, als bei den
Limnäen. Die Zungenzähne bilden ganz gerade Reihen über die Zungenhaut;
der Mittelzahn ist schmäler, aber nicht kürzer, als die Seitenzähne,
und fällt desshalb weniger ins Auge, als bei den Limnäen. Das Blut, das
manche Arten, z. B. der grosse _Pl. corneus_, schon bei der geringsten
unsanften Berührung von sich geben, ist röthlich. Das Nervensystem
ist, wie bei den Limnäen, gelb gefärbt, aber die Ganglien sind weniger
zahlreich.
Geschlechtsöffnung und Athemöffnung liegen auf der linken Seite,
während dem Gehäuse nach das Thier rechts gewunden ist und man
sie desshalb auch auf der rechten Seite erwarten sollte. Diese
eigenthümliche Abweichung veranlasst manche Naturforscher, die
Tellerschnecken im Gegensatz zu den Rechts- oder Linksgewundenen
als Geradeausgewundene, _Rectorsae_ zu bezeichnen. Begattung und
Entwicklung erfolgt ganz in derselben Weise, wie bei den Limnäen; die
Eier werden in ovalen Laichen abgesetzt.
Nach den Angaben von ~Ficinus~ (Zeitschr. f. d. ges.
Naturwissenschaften XXX. p. 363) zeigen die Planorben im Bau ihrer
Geschlechtstheile zwei wesentlich verschiedene Typen: die einen haben
im männlichen Glied einen durchbohrten Kalkstachel, durch welchen
das _var. deferens_ hindurchgeht, die anderen nicht. Zu den ersteren
gehören _vortex_, _leucostoma_, _contortus_, _albus_ und _spirorbis_,
zu den letzteren _corneus_, _marginatus_, _carinatus_, _complanatus_
und _nitidus_. Für die Scheidung in Unterabtheilungen scheint dieser
Unterschied nicht recht verwendbar zu sein.
Die Planorben kommen meistens mit den Limnäen zusammen vor und scheuen,
wie diese, die harten, kalten Gebirgswässer. Im Bezirk Biedenkopf fand
ich nur zwei Arten, _albus_ und _leucostoma_, und beide nicht häufig,
während die Mainebene 13 Arten beherbergt, die alle schlammigen,
bewachsenen Gräben bevölkern.
In einem Punct weichen sie aber von den Limnäen sehr ab. Während man
bei diesen, wie wir gesehen haben, kaum von „guten“ Arten sprechen
kann und sich begnügen muss, Typen mit umgebendem Variationsgebiet
aufzustellen, halten die Planorben ihren Artcharacter hartnäckig fest
und variiren kaum nennenswerth. Es ist diess eine natürliche Folge der
langsamen Zunahme der Windungen, während bei den Limnäen die rasche
Zunahme das Gegentheil bedingt.
Sehr häufig sind dagegen Abweichungen von der normalen Windungsebene,
scalare und halbscalare Formen. Man kann sicher annehmen, dass von
allen übrigen Gattungen zusammengenommen nicht soviel ganz freie
Scalariden bekannt sind, als von den kleineren Planorben. ~Hartmann~
fand einmal in einem ganz kleinen, mit Eichenlaub erfüllten Tümpel 26
mehr oder weniger scalare Exemplare von _Plan. lenticularis_. Der Grund
für diese Häufigkeit liegt in den flachen Windungen, die sich nur mit
der schmalen Seite berühren; es kann sich da leicht ein fremder Körper
dazwischen drängen und eine Abweichung verursachen. ~Hartmann~ sucht in
dem angeführten Fall die Ursache gewiss mit Recht in den Verletzungen
der neuangebauten Schalentheile durch die scharfen Ränder der
Eichblätter. Von _Pl. contortus_, dessen bandförmig zusammengedrückte
Umgänge sich mit der breiten Seite berühren, sind mir keine Scalariden
bekannt, auch nicht von _Pl. corneus_. Dagegen findet man von diesem
häufig Exemplare, die bald nach der einen, bald nach der anderen Seite
abweichen, gewissermassen hin und her schwanken und so ein sonderbar
verschrobenes Ansehen bekommen; hier ist die Berührungsfläche schon zu
gross und eine Ausgleichung kleiner Störungen leichter möglich.
Ich möchte bei dieser Gelegenheit bemerken, dass auch bei den
Landschnecken Scalariden vorzüglich bei den Arten mit stielrunden
oder gekielten Umgängen, weniger oder nicht bei den von der Seite
zusammengedrückten vorkommen.
Dass man mitunter cariöse, selbst ringförmig durchbohrte Exemplare
findet, ist bereits in dem allgemeinen Theile erwähnt worden.
In unserem Bezirke kommen dreizehn Arten vor, die sich nach folgendem
Schema bestimmen lassen:
A. Gehäuse gross, 20-30 Mm. breit, Umgänge stielrund.
_Pl. corneus_ L.
B. Gehäuse mittelgross, 8-15 Mm. breit, mehr oder weniger flach,
gekielt oder scharfrandig.
a. mit echtem abgesetztem Kiel, nur 4-5 nicht ganz flache Umgänge.
Kiel am unteren Rand der letzten Windung, nur von unten
her sichtbar, Mündung fast rund.
_Pl. marginatus_ ~Drp.~
Kiel auf der Mitte des letzten Umgangs, von beiden Seiten
her sichtbar, die Mündung nach aussen hin zugespitzt.
_Pl. carinatus_ ~Müller~.
b. ohne ächten Kiel, 7 ganz flach zusammengedrückte Umgänge.
_Pl. vortex_ ~Müller~.
C. Gehäuse klein, 4-6 Mm. breit.
a. Gehäuse ungekielt.
Umgänge 7, von der Seite zusammengedrückt, bandartig aufgerollt,
ziemlich hoch.
_Pl. contortus_ ~Müller~.
Vier stielrunde Umgänge, der letzte nicht erweitert, innen
mit einer weissen Lippe.
_Pl. Rossmässleri_ ~Auersio~.
Umgänge 3-4, der letzte stark erweitert mit netzartigen
Furchen.
_Pl. albus_ ~Müller~.
Vier Umgänge, der letzte wenig erweitert, ohne alle Sculptur.
_Pl. laevis_ ~Alder~.
b. Gehäuse ohne ächten Kiel, aber mit einer stumpfen Kante.
Oben concav, unten flach, 6 halbstielrunde Umgänge, der
letzte nicht erweitert, mit schwacher Lippe.
_Pl. leucostoma_ ~Mich.~