schon nicht so häufig, wie bei den Planorben. Auch linksgewundene
kommen vor, doch sind meines Wissens solche in unserem Gebiete noch
nicht aufgefunden worden. Eine sehr häufige Erscheinung, fast normal
zu nennen, sind netz- oder gitterförmige Eindrücke, die über den
letzten Umgang verlaufen und sich auch bei den Planorben finden.
Ihre Entstehung ist noch sehr unklar; Eindrücke von Pflanzenwurzeln
in das frischgebaute, weiche Gehäuse können es nicht sein, da sie
continuirlich über den ganzen letzten Umgang hinlaufen, obschon
dieser gewiss nicht auf einmal gebaut wurde; auch kreuzen sich
die Gitterstreifen fast regelmässig in rechten Winkeln, was für
Pflanzenwurzeln sehr auffallend wäre. Man findet dieses Gitternetz am
häufigsten bei _L. palustris_ und _auricularia_.
Die Limnäen sind sämmtlich Wasserbewohner und bewohnen mit Vorliebe
stehende und langsamfliessende, möglichst reich mit Pflanzen bewachsene
Gewässer. Sie können ziemlich rasch kriechen, aber auch schwimmen, und
zwar schwimmen sie meistens, von der Luft in der Athemhöhle getragen,
mit dem Gehäuse nach unten so, dass die nach oben gerichtete Sohle
in einer Ebene mit dem Wasserspiegel liegt, während die Fussränder
ein wenig darüber emporragen. Es sieht dann aus, als ob sie an der
unteren Fläche der auf dem Wasserspiegel ruhenden Luftschicht kröchen.
Nie sieht man Limnäen in tieferen Wasserschichten sich in gleicher
Weise bewegen, es ist also wahrscheinlich nicht die in der Athemhöhle
befindliche Luft allein, die die Bewegung ermöglicht; vielleicht wirkt
die nach oben gekrümmte Sohle nach Art eines Nachens mit; doch schwimmt
die Schnecke auch noch, wenn man die Höhlung der Sohle mit Wasser füllt.
Die Arten der Limnäen sind sehr schwer zu unterscheiden, da es
sich des scharfen Mundsaumes wegen nur schwer bestimmen lässt,
wann sie ausgewachsen sind, und sie, wie alle Wasserschnecken, in
einem ganz anderen Masse variiren, wie die Landschnecken. Fast nie
findet man in verschiedenen Gewässern dieselben Formen, ja oft sind
sie an verschiedenen Stellen desselben Gewässers ganz verschieden,
und wer einmal anfängt Varietäten aufzustellen, kann kein Ende
mehr finden. Auffallend muss diess erscheinen, da die Planorben
verhältnissmässig nur sehr wenig variiren. In einem mir vorliegenden
Briefe ~Rossmässlers~ an Prof. Alex. ~Braun~ finde ich darüber die
Bemerkung, dass diess durch die verschiedene Art der Windungszunahme
bedingt werde. Dieselbe ist bei _Limnaea_ so rasch, dass schon die
geringfügigste Abweichung an den früheren Umgängen an der Mündung einen
bedeutenden Unterschied macht. Bei den langsam zunehmenden Planorben
ist das natürlich nicht der Fall. Dazu kommt noch, dass der Mantel der
Limnäen schädlichen Einflüssen ungleich mehr ausgesetzt ist und sich
ihnen weniger entziehen kann, als bei den Landschnecken. Man muss sich
begnügen eine Anzahl Typen statt fester Arten aufzustellen und unter
diese die einzelnen Formen so gut wie möglich unterzuordnen.
Seltene Limnäen gibt es nicht; manche Arten sind vielleicht in den
Sammlungen selten, aber wo sie vorkommen, sind sie häufig, und wenn ich
von einer Limnäe höre, dass sie nur in einzelnen Exemplaren mit anderen
Arten vorkomme, bin ich, wie bei den Unionen, immer geneigt, sie für
eine abnorme Bildung zu halten.
Die Limnäen gehören besonders stehenden Gewässern, und somit vorzüglich
der Ebene an; von den neun nassauischen Arten kommen nur drei im
Gebirge vor. Im Winter sitzen sie an geschützten Stellen ruhig fest,
kriechen aber bei wärmerem Wetter wieder umher; bei strengerer Kälte
vergraben sie sich in den Schlamm und verschliessen die Mündung mit
einem dünnen häutigen Winterdeckel. Auch im Sommer, wenn die Gräben
eintrocknen, vergraben sie sich in den Schlamm, gehen aber, wenn die
Trockenheit andauert, schliesslich doch zu Grunde.
Unsere neun nassauischen Arten lassen sich folgendermassen
unterscheiden:
a. Gewinde klein, der Umgang sehr aufgetrieben, über ⅔ des ganzen
Gehäuses ausmachend.
Gehäuse genabelt, Gewinde klein, der letzte Umgang fast
das ganze Gehäuse ausmachend; der Aussenrand der Mündung
bildet an der oberen Einfügung mit dem oberen Theil der
Spindel einen rechten oder spitzen Winkel.
_L. auricularia_ ~Drp.~
Gehäuse kaum geritzt, Gewinde spitz, ziemlich schlank,
höher als bei den anderen Arten, mit sehr tief eingeschnittener
Naht, Mündung kaum ¾ des Gehäuses ausmachend, rund eiförmig,
oben etwas abgestutzt.
_L. vulgaris_ ~Rossm.~
Gehäuse geritzt, Gewinde klein, gerundet, plumper als bei
den anderen Arten, Mündung eiförmig, ¾ des Gehäuses ausmachend;
der Aussenrand bildet an der oberen Einfügung mit
dem oberen Theil der Spindel einen stumpfen Winkel.
_L. ovata_ ~Drp.~
Gehäuse verlängert eiförmig, mit deutlichem Nabelritz,
Mündung länglich eiförmig, kaum ⅔ des Gehäuses ausmachend.
_L. peregra_ ~Drp.~
b. Gewinde hoch, spitz, Mündung kaum halb so hoch, als das Gehäuse,
aa. Der letzte Umgang nicht aufgetrieben.
α. genabelt.
Naht sehr tief, das Gehäuse wendeltreppenartig, klein.
_L. minuta_ ~Drp.~
β. ungenabelt.
Gehäuse gethürmt, Mündung aussen weiss gesäumt,
kaum ⅓ des Gehäuses ausmachend.
_L. elongata_ ~Drp.~
Gehäuse verlängert-eiförmig, stark, undurchsichtig,
18-30 Mm hoch; Mündung weniger als ½ der Höhe.
_L. palustris_ ~Drp.~
Gehäuse verlängert-eiförmig, dünn, durscheinend, 10-15
Mm. hoch; Mündung weniger als ⅓ der Höhe.
_L. fusca_ C. ~Pfr.~
bb. der letzte Umgang stark aufgetrieben.
Gewinde hoch, spitz, sehr schlank, die Mündung über
½ des Gehäuses; Gesammthöhe 30-40 Mm.
_L. stagnalis_ L.
87. Limnaea auricularia ~Draparnaud~.
Ohrförmige Schlammschnecke.
Taf. IV. Fig. 4. 5. 8.
Gehäuse genabelt, aufgetrieben blasenförmig, dünn, durchscheinend,
ziemlich glänzend, gelblichgrau, faltenstreifig bis fast ganz glatt,
oft mit krankhaften gitterförmigen Eindrücken, die dem Gehäuse ein
narbiges Ansehen geben. 4-4½ Umgänge, von denen der letzte fast allein
das Gehäuse bildet; die ersten bilden ein kurzes, spitzes, aber
stets frei und ziemlich stark hervortretendes Gewinde von 3-4 Mm.
Höhe. Mündung sehr erweitert, gross, eiförmig gerundet, oft beinahe
halbkreisförmig, oben stumpfwinkelig, an der Spindelseite durch die
Krümmung der Spindelsäule stark bogig. Mundsaum zusammenhängend; der
obere Rand bildet mit der oberen Hälfte der Spindel einen rechten
oder selbst spitzen Winkel, nie einen stumpfen, und inserirt sich
etwa in der Mitte des vorletzten Umganges ausserhalb einer Linie, die
man senkrecht von der Spitze nach dem unteren Ende der Spindel zieht.
Spindelrand zurückgebogen, gerade, und eine ziemlich lange Nabelrinne
bildend, unten in einem Bogen mit dem sehr erweiterten, etwas auswärts
stehenden, innen oft eine seichte Rinne bildenden Aussenrande
verbunden. Der Rand zeigt eine bedeutende Neigung, sich nach aussen
umzulegen. Grösse sehr wechselnd; mein grösstes Exemplar ist 32 Mm.
hoch.
Thier graugelblich mit gelben Puncten, der Mantel mit dunkleren
Flecken, die durch das Gehäuse durchscheinen.
Ich habe vorstehend die Diagnose der Schnecke gegeben, die ich mit
~Hartmann~ (Erd- und Süsswassergastropoden, I p. 63, Taf. 16) für die
ächte _auricularia_ halte, abweichend von ~Rossmässler~, dessen Form
ich nur für eine Varietät halten kann, die freilich das Ueberwiegen
der Mündung über die Umgänge in noch höherem Grade zeigt. Es ist die
von ~Hartmann~ als _var. ampla_ beschriebene Form, deren Gewinde ganz
kurz, höchstens 2 Mm. lang ist; der Mundrand inserirt sich fast in
der Mittellinie und zwar an der Naht zwischen dem zweiten und dritten
Umgang; er steigt von da nach oben, so dass er das Gewinde bedeutend
überragt, und zeigt eine grosse Neigung, sich flach nach aussen
umzulegen und selbst zurückzubiegen, so dass hinter ihm eine Rinne
entsteht; die Spindelsäule zeigt nicht die starke Biegung, wie bei der
Stammform, sie ist vielmehr fast ganz gerade und hat nur eine schwache
Spindelfalte. _L. ampla_ zeigt schon in früher Entwicklungszeit ihre
characteristische Form und könnte vielleicht mit Fug und Recht als
eigene Art abgetrennt werden.
Bildet sich diese Form noch weiter aus, so erscheint das Gewinde
vollkommen eingesenkt und ist von vornen her durchaus nicht sichtbar;
der Spindelumschlag tritt von dem Gehäuse los und steigt senkrecht in
die Höhe, so dass sich der Aussenrand oberhalb der Spitze und häufig
noch über der Mittellinie drüben ansetzt. ~Hartmann~ beschrieb diese
schöne Form als _L. ~Monnardi~_.
Beide Varietäten finden sich zusammen in den schlammigen Buchten des
Mains sehr häufig, doch _Monnardi_ seltener, als _ampla_; ebenso
am Rhein. Sie kriechen träge an Steinen und im Schlamme umher,
seltener an Wasserpflanzen, etwa noch am ersten an den Dickichten
von _Ceratophyllum_; nie habe ich sie, wie _stagnalis peregra_ und
_palustris_ und auch die Normalform, herumschwimmen sehen. Sie scheinen
nur von Algen zu leben und rühren gesunde Wasserpflanzen nicht an. Die
Durchschnittsgrösse dürfte für den Main 20-24 Mm. sein; aus dem Rhein
erhielt ich durch Herrn ~Ickrath~ Exemplare bis zu 36 Mm. Höhe, aber
dafür flacher, als ich jemals ein Exemplar im Main gefunden. In den
kleineren Flüssen unseres Gebietes scheint sie zu fehlen; doch fand ich
auch in der Wickerbach oberhalb Flörsheim schöne Exemplare.
Die Normalform scheint ihre vollkommene Entwicklung nur in grösseren,
ganz ruhigen, nicht zu stark verwachsenen Teichen zu erreichen. Das
auf Taf. IV. Fig. 4 abgebildete Exemplar erhielt ich mit ca. 100 ganz
gleichen aus einem fast ausgetrockneten Teiche bei Darmstadt. Aehnlich
wird sie wohl auch noch an anderen Puncten in unserem Gebiete vorkommen.
Einen Uebergang von der Normalform zu der _var. ampla_ bildet Taf.
IV. Fig. 8, die häufigste Form in dem oberen Lahnthal, namentlich im
Breidenbacher Grund, von wo auch das abgebildete Exemplar stammt. In
dem harten, schnell fliessenden Wasser ist das ganze Gehäuse fester
und dicker geworden, das meist angefressene Gewinde ragt weniger weit
hervor, der Mundsaum kann sich nicht weit ausbreiten oder gar umlegen,
er verliert seine regelmässige Rundung und bildet nach oben und aussen
einen Winkel und das ganze Thier ist unscheinbarer geworden. Fast
immer findet man auch bei dieser Form das Gitternetz stark entwickelt,
so dass das Gehäuse ganz mit dunklen, quadratischen Flecken bedeckt
erscheint. Ich halte diese Form für die _var. ~angulata~_ ~Hartmann~.
Eine andere Form, die ich leider nicht mit abbilden konnte, fand ich
in einigen Exemplaren im Sande des Mains nach den Hochfluthen des
Winters 1869-70, allem Anschein nach aus einem ruhigen, klaren Gewässer
weiter oberhalb herbeigeschwemmt. Sie ist ungeheuer aufgetrieben,
die Umgänge fast so stark gewölbt, wie bei _Paludina vivipara_,
dabei fast vollkommen durchsichtig und nur ganz fein gestreift; der
Mundsaum ist einfach, scharf, nicht umgebogen. ~Hartmann~ hat diese
Form _~ventricosa~_ genannt. Vermuthlich stammt sie aus der Gegend
von Hanau; wenigstens sah ich bei ~Heynemann~ ein ähnliches, dort
gesammeltes Exemplar. Aehnlich gestaltete, aber weniger durchsichtige
Exemplare finden sich mitunter im Main lebend.
An sie schliesst sich eine Form an, die ich, wie so manche andere
schöne, Herrn ~Dickin~ verdanke, aber leider erst nach Beendigung
der Tafeln erhielt. Sie nähert sich in der Form dem _L. ampullaceus_
~Rossm.~, den ich für die correspondirende Varietät von _ovata_
halte, ist aber durch das spitze Gewinde als Form von _auricularia_
characterisirt; besonders ausgezeichnet ist sie durch die auffallend
starke, fast faltenartige Rippenstreifung. Im Museum zu Frankfurt war
sie als ~_L. costellatus_ Mus. franc.~ bezeichnet. Sie stammt aus dem
Main bei Sachsenhausen.
Leider besitze ich zu wenig Material aus unserem Gebiete, um genau
die Verbreitung der einzelnen Formen in unserem Lande anzugeben, und
muss mich begnügen, die Fundortsangaben meiner Vorgänger anzuführen.
Hoffentlich habe ich später einmal Gelegenheit, die nassauischen
Limnäen eingehender zu bearbeiten.
In den Festungsgräben bei Castel und Mainz, in den Buchten des Mains
und Rheins (~Thomae~). Im Braunfelser Weiher und in der Lahn bei
Weilburg (~Sandb.~). In dem nun ausgetrockneten Weiher der Schelder
Hütte (~Koch~). Um Marburg und Giessen. Wahrscheinlich findet sie sich
noch an mehr Puncten, denn es ist unmöglich, anzugeben, welche von
den als _vulgaris_ aufgeführten Formen hierhergehören. Ich werde bei
_ovata_ näher darauf eingehen.
88. Limnaea ovata ~Draparnaud~.
Eiförmige Schlammschnecke.
Taf. IV. Fig. 6. Taf. VIII. Fig. 2.
Gehäuse geritzt, eiförmig, immer höher als breit, zart, durchscheinend,
horngelblich, ziemlich glänzend, fein und schwach gestreift; von den
4-5 schön gewölbten, durch eine stark bezeichnete Naht vereinigten
Umgängen ist der äusserste bauchig aufgetrieben, die übrigen bilden
ein kurzes Gewinde, kürzer als bei den typischen _auricularia_, aber
bei weitem stärker und gerundeter, gedrungener. Mündung eiförmig,
~oben spitz~, unten breit, an der linken Seite leicht ausgeschnitten;
Mundsaum einfach, scharf, etwas auswärts gebogen, doch bei weitem
weniger, als bei _auricularia_, und nie so ganz umgelegt. Spindelrand
mehr senkrecht, Columellarfalte meist ziemlich unmerklich; der
Umschlag lässt noch eine ziemlich bedeutende Nabelspalte offen. Grösse
erreicht nur selten die der vorigen, die Höhe überschreitet gewöhnlich
nicht 10-12 Mm. Durch Herrn ~Dickin~ erhielt die Normalsammlung der
malacologischen Gesellschaft freilich Exemplare von 27 Mm.; ähnliche
sammelte ~Ickrath~ in Menge bei Sossenheim. Nicht selten kommen,
besonders im Gebirge, zwerghafte Formen von nur 3-4 Mm. Höhe vor und
werden solche mitunter für _minuta_ genommen.
Thier dem von _auricularia_ sehr ähnlich, doch mehr einfarbig grau und
weniger lebhaft gefleckt, der Fuss ringsum lappig gekerbt.
Diese Art variirt nicht minder stark, als _auricularia_, und es kommen
Formen genug vor, die man nicht ohne Willkür herüber oder hinüber
bringen kann. Noch schlimmer ist es nach _vulgaris_ hin. Dennoch
kann ich mich nicht entschliessen, die drei Formen zu einer einzigen
Form zusammenzuziehen, da jede wieder ihren Varietätenkreis hat und
die Varietäten mitunter correspondirende sind. So kommt von _ovata_
eine stark aufgetriebene Form in stillen Teichen vor, die sich zu der
Grundform ebenso verhält, wie _ventricosa_ ~Hartm.~ zu _auricularia_,
und ähnlich auch eine Form die man mit _ampla_ vergleichen kann.
Im Laufe dieses Sommers, nachdem der Druck der Tafeln und mein
Manuscript grösstentheils abgeschlossen war, erhielt ich durch Herrn
~Dickin~ noch zwei äusserst interessante hierhergehörige Formen.
Die eine ist die ächte ~_ampullacea_ Rossm.~; das mir vorliegende
Exemplar könnte als Original zu ~Rossmässlers~ Fig. 114 gedient
haben. Die andere ist eine weitere Ausbildung der auf Taf. VIII. Fig.
2 abgebildeten, schon durch das hohe Gewinde auffallenden Form, mit
stark aufgetriebenem, dünnen, durchsichtigen, stark gestreiftem, sehr
zerbrechlichem Gehäuse; das grösste Exemplar misst 28 Mm. Höhe, die
Mündung 20 Mm., das Gewinde also fast ⅓ der Gesammthöhe. Ich nenne
diese Varietät nach ihrem Entdecker _var. ~Dickinii~_. Sie kommt mit
_ampullacea_ zusammen in Wiesengräben bei Sachsenhausen vor; auch aus
der Umgebung von Bockenheim erhielt ich jüngere Exemplare, die schon
deutlich den Typus dieser Varietät zeigten.
Vorkommen. In Gräben und Teichen, weniger in Flüssen. Im Main habe ich
sie nie beobachtet[10]. In fast allen Bächen, zumal in den Mühlteichen
(~Thomae~). In der Weil bei Weilburg (~Sandb.~). In der Aubach bei
Dillenburg, selten (~Koch~). Sehr schön in den Wiesengräben bei
Frankfurt und auch sonst in der Mainebene. Bei Erfelden im sog. Ried.
Die Zwergform bei Breidenbach, Kr. Biedenkopf. Die stark aufgetriebene
Form (Taf. VIII. Fig. 2) in Wiesengräben bei Sachsenhausen (~Dickin~).
Eine Varietät, die an _Succinea putris_ erinnert, sammelte ~Ickrath~ in
Menge bei Mönchbruch.
89. Limnaea vulgaris ~Rossmässler~.
Gemeine Schlammschnecke.
Taf. VIII. Fig. 3.
Gehäuse kaum bemerkbar geritzt, eiförmig, ziemlich bauchig, dünn,
feingestreift, hornfarbig, durchscheinend, glatt; der letzte der 4-5
Umgänge setzt sich den übrigen nicht so deutlich als Bauch entgegen,
wie bei _auricularia_ und _ovata_; Gewinde spitz und schlank, wie bei
_auricularia_, aber weit höher ausgezogen, 3-5‴ hoch, nicht so plump,
wie bei _ovata_; Naht sehr tief eingeschnitten, was dem Gehäuse fast
das Ansehen einer Scalaride gibt. Mündung eiförmig, oben abgestutzt,
sonst regelmässig und nur an der Spindelseite ein wenig durch die
Spindelfalte ausgebogen, nicht ganz ¾ der ganzen Höhe ausmachend.
Mundsaum geradeaus, einfach; an seinem oberen Ansatz, der immer weit
tiefer unter der Naht liegt, als bei _auricularia_, bildet er anfangs
einen rechten Winkel mit der Spindelsäule, wendet sich aber dann, wie
bei _auricularia_, rasch in einem fast rechten Winkel nach unten; bei
alten Exemplaren legt er sich eher nach innen, als nach aussen um.
Thier gelblichgrau mit kleinen gelblichweissen Puncten besät.
_L. vulgaris_ ist wahrscheinlich die Form unter den Limnäen, über die
am meisten Unklarheit herrscht; gewöhnlich dient sie als Rumpelkammer,
in der man alle Formen unterbringt, die man zu keiner der beiden
anderen bringen kann. _L. vulgaris_ C. ~Pfeiffer~ ist, wie schon
~Rossmässler~ nachgewiesen, nur eine junge _auricularia_ und desshalb
ganz aus der Reihe der Arten zu streichen. Dagegen ist _vulgaris_,
wie ihn ~Rossmässler~ unter Fig. 53 der Iconographie beschreibt,
entschieden eine gute und scharf characterisirte Art; die Höhe des
Gewindes und die Richtung des Mundsaumes unterscheiden ihn leicht von
_auricularia_, das schlanke Gewinde von dem plumperen _ovata_. Leider
ist Fig. 53 nicht von ~Rossmässler~ selbst lithographirt und lässt alle
möglichen Deutungen zu; auch in der Diagnose vermisse ich die Betonung
der tief eingeschnittenen Naht, die unsre Form alsbald auffallen lässt.
Wirklich habe ich mich auch nachträglich an den Originalexemplaren
der ~Rossmässler~schen Sammlung von der Richtigkeit meiner Ansicht
überzeugen können.
Demnach glaube ich diese Form entschieden als die von ~Rossmässler~
gemeinte Schnecke ansehen zu müssen, auch der schlanken Spitze und der
Glätte des Gehäuses wegen, das nur selten mit Schlamm überzogen ist und
fast nie die gitterartigen Eindrücke zeigt, die bei _auricularia_ fast
Regel sind. Auch diese Art ist variabel, wie alle Limnäen und es finden
sich Uebergänge nach allen Richtungen hin, sowohl nach _auricularia_
und _ovata_ als auch ganz besonders nach _peregra_ hin. Hier ist es in
der That nicht möglich eine Gränze zu ziehen, und die auf Taf. VIII.
Fig. 4 und 5 abgebildete Form kann ich nicht anders bezeichnen, als
wie sie auch in der ~Rossmässler~schen Sammlung bezeichnet war, als
_peregro-vulgaris_. Aber soll man desshalb alle die vier Arten zu einer
zusammenwerfen, in der man dann doch die vier Haupttypen nebst ihren
Varietätenreihen unterscheiden muss? Ich denke, nein! denn dann muss
überhaupt aller Artunterschied aufhören.
Was das Vorkommen unserer Art anbelangt, so kenne ich sie mit
Sicherheit nur aus der Salzbach bei Wiesbaden und aus mehreren Gräben
der Mainebene um Frankfurt, besonders characteristisch und schön aus
einem Graben in der Nähe des Offenbacher Bahnhofs (~Dickin~). Im oberen
Lahnthal kommt sie nicht vor. Was von den als _vulgaris_ angeführten
Formen hierher und was zu _auricularia_ und _ovata_ gehört, kann ich
natürlich nicht entscheiden; ich glaube aber kaum, dass die ächte
_vulgaris_ sehr verbreitet ist.
90. Limnaea peregra ~Draparnaud~.
Wandernde Schlammschnecke.
Taf. IV. Fig. 12.
Gehäuse ungenabelt oder mit einem deutlichen Nabelritz, verlängert
eiförmig, spitz, etwas bauchig, ziemlich dünn, fein und dicht
gestreift, hornbraun, rostgelb oder rostroth, in eisenhaltigen Quellen
und Gräben wohl auch schwarz, mattglänzend oder glanzlos. Von den
4-5, durch eine tiefe Naht vereinigten Umgängen ist der letzte viel
grösser, als das Gewinde, doch nicht in dem Masse wie bei _auricularia_
und _ovata_. Gewinde ziemlich kurz, spitz, oft der Wirbel oben
abgebrochen oder angefressen, in kohlensäurereichen Quellen oft auch
der letzte Umgang; die defecten Stellen sind aber immer durch eine Lage
Perlmuttersubstanz wieder ausgebessert. Mündung spitz eirund, oben
allmählich verschmälert. Mundsaum innen meist mit einer deutlichen
weissen Lippe belegt. Spindelrand halb so lang, als der Aussenrand.
Nabel oft ganz fehlend, oft auch noch als ein Ritz vorhanden. Höhe
wechselnd; meine grössten nassauischen Exemplare sind 18 Mm. hoch, die
meisten 12-14. Die grösste Form, die ich überhaupt besitze, aus einem
Teiche bei Ebersbach in der Lausitz, ist 23 Mm. hoch.
Thier gelbgrau, Augen schwarz mit weissen Pünctchen umgeben; Mantel
immer kaltgrau mit dunkelgrauen oder schwärzlichen Flecken, nie braun
oder gelblich. Sohle bei manchen Exemplaren hellgrau, fast weiss,
bei anderen ganz dunkelgrau, fast schwarz. Beide Formen fand ich nie
zusammen, konnte aber bis jetzt einen Unterschied weder im Gehäuse noch
in den anatomischen Verhältnissen finden.
Diese Form variirt sehr; selten gleichen sich Exemplare von
zwei Fundorten ganz. Doch fehlt es auch hier noch an genügenden
Untersuchungen, und, mir wenigstens, an genügendem Material, um
haltbare Varietäten aufstellen zu können. Im Allgemeinen lassen
sich zwei Hauptformen unterscheiden, die eine bauchiger, mit kurzem
niedrigem Gewinde und ziemlich dickschalig, die andere schlanker mit
längerem, spitzem Gewinde und dünnschaligem, weniger aufgetriebenem
Gehäuse. Erstere Form gehört mehr dem Gebirge, letztere mehr der Ebene
an, und nur bei ersterer habe ich bis jetzt Decollation und Cariosität
beobachtet. Sie ist im Gebirge um Biedenkopf die herrschende, und nur
an einem Puncte, in einem schlammigen Graben bei Elmshausen, fand ich
bis jetzt die schlankere Form, die dagegen im Mainthal die herrschende
zu sein scheint. Sie wurde von ~Hartmann~ _var. ~excerpta~_ genannt.
Von dieser Schnecke hat sich seit O. F. ~Müller~ und ~Voith~ die
Sage erhalten, auf die auch ihr Name hindeutet, dass sie nämlich im
Winter das Wasser verlasse und auf Bäume steige. Es ist diess bereits
durch ~Hartmann~ widerlegt worden. Im Gebirge um Biedenkopf habe ich
_peregra_ im Winter sehr häufig gesammelt; sie zog sich aus den Bächen
in die Quellen zurück und sass dort im Wasser an den Stengeln und
Wurzeln der perennirenden Wassergewächse; immer habe ich sie munter,
nie mit zugedeckeltem Gehäuse gefunden. Ob sie sich in Gräben, in deren
Nähe keine Quellen sind, im Winter in den Schlamm gräbt und eindeckelt,
kann ich nicht sagen; ich habe sie auch an solchen Puncten schon sehr
frühe im Frühjahr munter gefunden. Im Sommer dagegen graben sie sich in
den Schlamm ein, wenn ihre Wohnstätten austrocknen; ich fand abgelegene
Pfützen, die in jedem Sommer austrocknen, ganz von ihnen erfüllt; doch
gehen in jedem Sommer eine Menge zu Grunde.
Sie steigt hoch in die Gebirge hinauf und scheint das kalte
Gebirgswasser entschieden vorzuziehen. In unserem Gebiete findet
sie sich allenthalben, so dass es unnöthig ist, specielle Fundorte
anzugeben. Besonders schöne Exemplare fand ich in einer Quelle im
Pferdsbach bei Biedenkopf; ähnliche erhielt ich aus einer Pfütze im
Röder Wäldchen durch Herrn ~Dickin~.
Stark angefressene Exemplare erwähnt A. ~Römer~ aus einem Tümpel an
der Platte. Ich fand solche in allen Graden in den Bergquellen des
Hinterlandes; an manchen Exemplaren besteht die ganze Schale ausser
einem schmalen Streifen an der Mündung nur aus Perlmuttersubstanz und
fehlt fast das ganze Gewinde.
91. Limnaea minuta ~Draparnaud~.
Kleine Schlammschnecke.
_Syn._ _L. truncatula_ ~Müll.~