rippenstreifig, mit weisslichen Fleckchen längs der Naht, bräunlich
oder schwärzlich roth, etwas seidenglänzend; Spitze concav ausgezogen,
ziemlich spitz; die 10-13 Umgänge etwas gewölbt, langsam zunehmend, der
letzte aufgetrieben, nicht eingedrückt, die Mündung rundlich-eiförmig,
meist etwas schräg, mit fast gleichlaufenden Seitenrändern; Mundsaum
zusammenhängend, wenig gelöst, etwas ausgebreitet, weisslich;
Sinulus klein, das Interlamellar gefältelt; die Oberlamelle mit der
Spirallamelle vereinigt, die untere etwas zurückstehend, vornen
häufig gabelförmig getheilt; der Gaumenwulst divergirt meistens
mit dem Mundsaum, ist an der Basis verdickt und trägt ein weisses
Emailpünctchen als Rudiment der unteren Gaumenfalte; die obere
Gaumenfalte ist deutlich, die Subcolumellarfalte vornen gebogen, wenig
erhaben; die Mondfalte etwas gebogen; das Clausilium vornen halbscharf.
Höhe 17 Mm., Br. 4 Mm. Höhe der Mündung 3⅔ Mm., Br. 2¾ Mm. (A.
~Schmidt~).
Lebensweise ähnlich der von _ventricosa_, doch auch an trockneren
Stellen und an Baumstämmen. In den badischen Rheinwaldungen und auch
sonst in Süddeutschland häufig, in unserem Gebiete aber bis jetzt erst
in wenigen Exemplaren von ~Heynemann~ auf dem Hattsteiner Schloss im
Taunus gefunden.
79. Clausilia plicatula ~Draparnaud~.
Gefältelte Schliessmundschnecke.
Gehäuse kaum geritzt, spindelförmig, etwas bauchig, mit mehr oder
weniger verschmälerter Spitze, dunkelrothbraun, fast kirschbraun,
ziemlich glänzend, fest, wenig durchscheinend, fein gerippt; die 11
wenig gewölbten Umgänge durch eine feine Naht vereinigt; Mündung
birnförmig-rund, gross, Schlund meist bräunlich gefärbt; Mundsaum
zusammenhängend, gelöst, zurückgebogen, scharf, weiss oder bräunlich,
zuweilen ziemlich verdickt, und wie gelippt; unten am Gaumen bemerkt
man oft eine flache, weissliche Wulst; obere Lamelle ganz vorn, etwas
verdickt; untere weit hinten, meist vorn abgestutzt oder zuweilen
durch ein Interlamellarfältchen fortgesetzt und ästig, einem liegenden
K ähnlich, wenn auch nicht so deutlich, wie bei _ventricosa_.
Interlamellar mit 2-3 feinen Fältchen; Nacken aufgetrieben, an der
Basis mit einem Höckerchen. Höhe 10-12, Breite 2-3 Mm.
Thier hellgrau, mit schwärzlichem Kopf, Fühlern und Rücken.
Diese sonst sehr häufige Clausilie kommt in unserem Gebiete nur an
wenigen Puncten vor. Von ~Römer~ an alten Weidenstämmen bei Wiesbaden
in der Nähe der Neumühle gefunden (~Sandb.~ und ~Koch~). Burg Stein bei
Nassau; Schloss zu Idstein (~Thomae~). Eppstein (~Dickin~). Bei Mombach
(~Lehr~).
80. Clausilia dubia ~Draparnaud~.
Zweifelhafte Schliessmundschnecke.
_Syn._ _Cl. rugosa_ C. ~Pfeiff.~, _rugosa var._ ~Rossm.~
Gehäuse mit Nabelritz, bauchig-spindelförmig, mit oben rasch
verschmälerten Windungen und zugespitztem Wirbel, gestreift,
seidenglänzend, gelbgrau, gelbbraun bis kirschbraun, dicht weiss
gestrichelt; 10-11 wenig gewölbte, meist durch eine weisse Naht
verbundene Umgänge, von denen der letzte etwas aufgetrieben und am
Grunde gekielt ist. Mündung ei-birnförmig, Mundsaum zusammenhängend,
etwas zurückgeschlagen, gelöst oder angedrückt, weisslich; Sinulus
mittelgross, etwas aufrecht; Interlamellar glatt; Oberlamelle etwas
schief, mit der Spirallamelle verbunden, Unterlamelle zurückstehend,
vorne weiss und ~in zwei längliche Knötchen ausgehend~; Gaumenwulst
breit, dem Mundsaum parallel, unten verdickt, selten fehlend;
zwei Gaumenfalten, die obere deutlich, selten über die, bisweilen
gekrümmte Mondfalte hinausreichend, die untere mitunter sehr stark,
mitunter vornen fehlend. Spindelfalte gerade und vorgestreckt;
Schliessknöchelchen unten stumpf abgerundet; an der Aussenseite etwas
winkelig. Höhe 12, Breite 3 Mm. Die Mündung kaum 3 Mm. hoch und 2 breit.
Das Thier ist oben grauschwarz, die oberen Fühler etwas heller mit
schwarzen Augen; die Seiten, das Fussende und die Sohle gelbgrau. (~Ad.
Schmidt~.)
Findet sich wohl allenthalben in Nassau im bewaldeten Hügellande;
in hiesiger Gegend mit Vorliebe an alten Buchenstämmen. In dem
Verzeichniss von ~Sandberger~ und ~Koch~ steckt sie mit _nigricans_
zusammen unter _rugosa_ ~Drp.~, wie Originalexemplare die ich von
~Koch~ aus Dillenburg erhielt, beweisen.
Eine sehr schlanke Form, die ~Schmidt~ als _var. gracilis_ beschreibt,
-- die ächte _Claus. gracilis_ C. ~Pfeiffer~ -- findet sich bei
Marburg. Am Bruchrainweiher an Baumstämmen mit _H. lapicida_
~Heynemann~. Am Auerbacher Schloss und den Darmstädter Steinbrüchen
(~Ickrath~). An Buchenstämmen im weissen Wald am Weg von Biedenkopf
nach Engelbach.
81. Clausilia nigricans ~Pulteney~.
Schwärzliche Schliessmundschnecke.
_Syn._ _Cl. obtusa_ C. ~Pfeiff.~
Gehäuse mit kurzem Nabelritz, cylindrisch-spindelförmig, ziemlich fest,
feingestreift, seidenglänzend, dunkel kirschbraun bis schwärzlich,
an der Naht weiss gestrichelt; die Spindel allmählig verschmälert,
oben spitz zulaufend; die 10-12 kaum gewölbten, fast flachen Umgänge
sind durch eine weissliche Naht vereinigt; der letzte ist an der
Basis mit einer breiten Furche versehen, stumpf gekielt. Mündung ei-
oder rhombisch-birnförmig; Mundsaum zusammenhängend, wenig gelöst und
etwas zurückgeschlagen, gelblich oder weisslich; Sinulus klein, etwas
aufgerichtet; das Interlamellar gefaltet oder glatt; die Oberlamelle
meistens gerade, mit der Spirallamelle verbunden, die untere gebogen,
vornen einfach oder gabelig; der Gaumenwulst divergirt mit dem
Mündungsrand; die obere Gaumenfalte ist deutlich und erstreckt sich bis
über die Mondfalte; die untere ist ebenfalls deutlich und fehlt vornen
niemals; Spindelfalte wenig erhaben; Mondfalte fast gerade; Clausilium
vornen abgerundet oder am äusseren Rande etwas winklig. Höhe 9-12, Br.
2½ Mm. Mündung 2½ Mm. hoch,1⅔-1¾ breit. (~Ad. Schmidt~.)
Von der _Cl. dubia_, deren _var. gracilis_ ihr besonders ähnlich
ist, unterscheidet sie sich immer durch die mehr rhombische Form
ihrer Mündung, die bogige Unterlamelle und den weniger deutlich
ausgesprochenen Kiel.
Sie ist an alten Mauern, Baumstöcken, Felsen etc. allenthalben in
Nassau gemein. Als Fundorte bekannt sind mir Wiesbaden, Cronberg im
Taunus, Frankfurt, Dillenburg, Marburg, Biedenkopf, die Taunusruinen,
Auerbacher Schlossberg, Steinbrüche bei Darmstadt. Eine kleinere
Form, nicht grösser als _parvula_, mit heller Mündung, findet sich
im Taunus; sie stimmt ganz mit _Claus. Villae Porro_, die von Ad.
~Schmidt~ als _var. minor_ zu _rugosa_ gezogen wird, dürfte aber dem
Fundorte nach unbedingt zu _nigricans_ zu rechnen sein. Sie findet
sich auch im Lahnthal unterhalb Biedenkopf in der Nähe der Karlshütte
an Grünsteinfelsen, nicht aber an den Thonschiefern, die mit denselben
wechsellagern.
82. Clausilia parvula ~Studer~.
Kleinste Schliessmundschnecke.
Gehäuse klein, geritzt, walzen-spindelförmig, sehr stumpf, dunkelbraun,
sehr fein und schwach gestreift, glänzend; Nacken fein rippenstreifig,
ziemlich eingedrückt, ziemlich unten mit einem Höcker, zwischen
welchem und dem noch tiefer liegenden kielförmigen anderen Höcker
sich eine seichte Furche befindet; Umgänge 10-11, wenig gewölbt, Naht
sehr fein, Mündung birnförmig, gelbbraun; Mundsaum zusammenhängend,
stark lostretend, zurückgebogen, einen feinen Lippensaum bildend,
gelblich-weiss; Sinulus mittelmässig, aufgerichtet; die Oberlamelle
klein, mit der Spirallamelle vereinigt, die untere tiefstehend,
mitunter vorn gabelig oder dreieckförmig; das Interlamellar glatt,
bisweilen mit einem Fältchen, Gaumenwulst oben stark, fast parallel
mit dem Mündungsrand; obere Gaumenfalte stark, bis über die deutliche,
gekrümmte Mondfalte verlängert, die untere stark, die Spindelfalte
vornen etwas gekrümmt, kaum erhaben. Clausilium vorn mit einer stumpfen
Spitze. Höhe 7-10½ Mm., Breite 1⅔-2½ Mm. Höhe der Mündung 2 Mm.,
Breite 1⅔. (A. ~Schmidt~).
Thier dunkelgrau; Hals und Fühler schwarzgrau; Fusssohle hellgrau, der
obere Theil fein gekörnt; Augen schwarz.
Lebt an Baumstämmen, alten Mauern, auch am Boden unter Laub und
Moos und ist sehr verbreitet, wenn auch nur an einzelnen Orten, wo
sie dann meist in Menge vorkommt. Oft findet sie sich mit _dubia_
und _nigricans_ zusammen. Häufig um Dillenburg (~Koch~), Weilburg
(~Sandb.~), Wiesbaden (~Römer~), Ruine Hattstein; einzeln im
Frankfurter Wald am Bruchrainweiher (~Heyn.~). Um Wiesbaden an der
Mauer unter der Schwalbacher Chaussee, bei der Gerbermühle im Nerothal,
an der Burg Stein, Gutenfels und Sickingen, an Felsen bei Dehrn,
Steeten, Villmar (~Thomae~). Doch wäre es nicht unmöglich, dass an
einigen Puncten Verwechslungen mit _Claus. nigricans var. minor (Villae
Porro)_ unterliefen.
Sehr häufig auf dem Frankenstein bei Darmstadt (~Ickrath~).
Fünfzehntes Kapitel.
XIII. SUCCINEA ~Draparnaud~.
Bernsteinschnecke.
Gehäuse ungenabelt, zart, durchsichtig, wachs- oder bernsteingelb,
oval, aus 3-4 Umgängen bestehend, von denen der letzte den grössten
Theil des Gehäuses einnimmt. Mündung gross, lang, oval, oben spitz;
die Columelle tritt frei an die Stelle des fast ganz fehlenden
Spindelrandes.
Thier fleischig, im Verhältniss zum Gehäuse sehr gross; die unteren
Fühler sehr kurz, die oberen an der hinteren Hälfte verdickt, an der
vorderen mit einer kolbigen Spitze, auf der die Augen stehen. Kiefer
glatt, halbmondförmig, mit flügelartig verbreitertem Fortsatz und einem
starken Zahn in der Mitte des concaven Randes; an den convexen Rand
schliesst sich ein quadratischer, hornartiger Fortsatz, an den sich
die Muskeln ansetzen. Die Zähne der Zunge sitzen auf quadratischen
Erhöhungen; sie gleichen im allgemeinen denen von _Helix_, die des
Mittelfeldes sind lanzettförmig, mit einem seitlichen Einschnitt,
der Mittelzahn etwas kleiner; die Seitenzähne sind mehrspitzig. Die
Athemöffnung liegt auf der rechten Seite, ziemlich hoch am Halse.
Geschlechtsapparat einfach gebaut, ohne die Anhangsdrüsen von Helix.
Die Geschlechtsöffnungen liegen dicht übereinander hinter dem rechten
Oberfühler, die weibliche oben, die männliche dicht darunter. Sie
begatten sich wechselseitig und legen Eier, die im Gegensatz zu denen
der übrigen Heliceen durch eine gemeinsame Schleimmasse umhüllt sind
und keine Kalkschale haben. Sie bilden also auch hierin den Uebergang
zu den Limnaeen.
Die Bernsteinschnecken leben an sehr feuchten Orten, an den Rändern
von Teichen und Flüssen und mit Vorliebe auf den aus dem Wasser
emporwachsenden Pflanzen. Sie gehen gern und oft ins Wasser und
schwimmen darin gerade wie die Limnäen. In ihren Bewegungen sind sie
ziemlich rasch und keck. Eine Ausnahme von der Lebensweise bildet _S.
oblonga_, von der ich die Jungen stets, Erwachsene mitunter, weit vom
Wasser an ganz trocknen Plätzen unter Steinen traf, mit Koth bedeckt,
wie _Bul. obscurus_. Diese Lebensweise scheint Regel zu sein; denn auch
~Scholz~, ~Hensche~ u. A. erwähnen sie als Ausnahme, und ich erhielt
mehrmals Exemplare zur Bestimmung, die so gefunden waren.
Die Unterscheidung der einzelnen Arten ist ebenso schwer, als die
Veränderlichkeit gross, und die Gattung ist desshalb ein Paradies für
Faunisten, die ihrer Arbeit durch eine neue Art erhöhtes Interesse
verleihen wollen.
Die Succineen leben von Pflanzenstoffen und sind sehr gefrässig.
Es kommen in Nassau drei von den 4 deutschen Arten vor, die sich
folgendermassen unterscheiden:
A. Gehäuse gelblich, Gewinde nur einen kleinen Theil des Gehäuses
ausmachend, 3 Umgänge mit kaum vertiefter Naht, Mündung
⅔-¾ des Gehäuses einnehmend.
a. Mündung etwa ⅔ des Gehäuses, breit eirund, Thier gelblich
mit zwei dunklen Rippenstreifen; Kiefer am concaven Rand mit
einem Mittelzahn und zwei Seitenzähnen.
_S. putris_ L.
b. Mündung etwa ¾ des Gehäuses, länglich eiförmig. Thier
dunkel, Kiefer blos mit einem Mittelzahn am concaven Rand.
_S. Pfeifferi_ ~Rossm.~
B. Gehäuse grüngrau, 4 Umgänge mit sehr vertiefter Naht, Gewinde
grösser, Mündung nur die Hälfte des Gehäuses einnehmend.
_S. oblonga_ ~Drap.~
Die vierte Art, _S. arenaria_ ~Bouch.~, schliesst sich zunächst an
_oblonga_ an, sie ist aber grösser und bauchiger, bräunlich gefärbt.
Der nächste Fundort ist Westphalen (~Goldfuss~).
83. Succinea putris ~Linné~.
Gemeine Bernsteinschnecke.
_Syn._ _Succ. amphibia_ ~Drp.~
Gehäuse eiförmig, bauchig, wachs- bis rothgelb, fettglänzend, innen und
aussen gleichfarbig, unregelmässig gestreift, der letzte Umgang bildet
fast das ganze Gehäuse; Naht kaum vertieft; Mündung wenig schief, breit
eirund, oben spitz. Mundsaum scharf und einfach. Dimensionen sehr
wechselnd, da man des scharfen Mundsaums wegen nicht bestimmen kann, ob
das Thier ausgewachsen. Höhe 15-24 Mm., Durchmesser 9-12.
Thier dick, gelblich mit zwei schwarzen Strichen über den Rücken, die
bei zurückgezogenem Thiere durchscheinen und dem Gehäuse ein fleckiges
Ansehen geben. Kiefer am concaven Rand mit einem Mittelzahn und zwei
Seitenzähnen.
Allenthalben in Nassau am Rande von Gewässern zu finden. Eine
weissliche, durch Grösse ausgezeichnete Art bei Mombach (~Thomae~).
Besonders schöne Exemplare im Scheldethale an der Hasenhütte (~Koch~).
84. Succinea Pfeifferi ~Rossmässler~.
Pfeiffers Bernsteinschnecke.
Gehäuse länger und schlanker, auch weniger durchsichtig und
stärker gestreift als bei der vorigen; der letzte Umgang weniger
stark aufgetrieben. Farbe aussen braungelb oder wachsgelb, innen
perlmutterglänzend. Mündung schief zur Axe stehend, oft mit deutlichem
Spindelumschlage.
Thier dunkelgrünbraun oder schwärzlich, unten und an den Seiten
gelblichgrau, kaum im Gehäuse Platz findend, sehr dick und schleimig.
Kiefer nur mit einem schwachen Zahn in dem sehr stark ausgeschnittenen
concaven Rande.
Vorkommen: An der Mainspitze, wo auch eine grössere weissliche Varietät
vorkommt (A. ~Römer~). Um Frankfurt (~Heyn.~). Sie soll den meisten
Angaben zu Folge besonders im Schilf an den Rändern von Teichen
vorkommen; ich fand sie bei Biedenkopf in Menge an Grünsteinen in dem
Bette des kleinen Baches, der vom Badseifertriesch nach der Billerbach
herabfliesst, ausserhalb des Wassers; dann einzeln in einem Graben
an der Ludwigshütte. An der Dietenmühle bei Wiesbaden (A. ~Römer~
b. ~Thomae~). In Unmasse am Mainufer auf dem Boden kriechend, aber
gegen den Herbst wieder verschwindend. Im Bessunger Teich und an der
Rutzebach bei Darmstadt (~Ickrath~). An der Wickerbach oberhalb der
Flörsheimer Steinbrüche.
Ob diese beiden Arten wirklich als verschiedene Arten auseinander
gehalten werden können, dürfte trotz der von Ad. ~Schmidt~ entdeckten
Verschiedenheit der Kiefer noch nicht über allen Zweifel erhaben
sein; ich habe von ~Heynemann~ eine Form aus den Rheinwaldungen bei
Knielingen erhalten, die die Gestalt von _putris_ mit der dunklen Farbe
des Thiers von _Pfeifferi_ verband und in der Gestalt des Kiefers
ungefähr in der Mitte stand.
85. Succinea oblonga ~Draparnaud~.
Längliche Bernsteinschnecke.
Gehäuse länglich eiförmig, zugespitzt, grünlich gelb oder grau,
zart, durchsichtig, wenig glänzend; 4 Umgänge, durch eine tiefe Naht
getrennt, stark gewölbt, der erste ganz winzig, punctförmig, der letzte
sehr bauchig, doppelt so gross als das Gewinde. Mündung sehr schief,
gerundet eiförmig, aber nicht so spitz, wie bei _Pfeifferi_. Höhe 3½‴.
Breite 2‴.
Thier hellgrau, Kopf und Hals dunkler, Augen schwarz; die oberen Fühler
am Grunde verdickt, an der Spitze mit einem Knöpfchen (~Pfeiffer~), der
Kiefer trägt blos in der Mitte des concaven Randes ein Zähnchen.
Lebensweise: Scheint im ganzen weniger ans Wasser gebunden, als die
vorigen Arten. Man findet sie häufig in Gärten und an Rainen, und
zwar habe ich sie nicht nur, wie ~Bielz~ (sieb. Fauna) angiebt, an
feuchten Orten, sondern viel häufiger an trockenen sonnigen Hängen, an
der Unterseite von Steinen festklebend und meist mit Schmutz bedeckt
gefunden. Auffallend war mir die Seltenheit ausgewachsener Exemplare;
die wenigen, die ich fand, waren in Hecken und an feuchten Puncten mit
anderen Succineen zusammen, wo ich fast nie junge Exemplare fand.
Bei Dillenburg an Brückenmauern, im Grase und unter Steinen, lebend bei
Burg und Haiger, jedoch nur in wenigen Exemplaren gefunden (~Koch~).
Bei Biedenkopf allenthalben, aber immer einzeln, und fast nur junge
Exemplare. Um Frankfurt (~Heyn.~). Bei Wiesbaden im Thälchen von der
Hammermühle nach Erbenheim hin und im Nerothal (~Thomae~). Einzeln am
Mainufer.
Eine eingehende Besprechung des Vorkommens siehe im Nachr. Bl. 1871 Nr.
3.
Sechzehntes Capitel.
XIV. CARYCHIUM ~O. F. Müller~.
86. Carychium minimum ~Müller~.
Zwerghornschnecke.
Gehäuse winzig klein, mit schwachem Nabelritz, oval, fast gethürmt,
wasserhell, durchscheinend, mit einem gelblichen Schein, glänzend,
sehr fein gestreift; die 5 Umgänge sind stark gewölbt, daher die Naht
stark vertieft; Mündung eiförmig; Mundsaum zurückgebogen, mit einer
feinen, aber deutlichen Lippe belegt; Aussenrand eingedrückt und
innen mit einem zahnartigen Höckerchen; auf der Mündungswand und auf
dem Spindelrande steht je ein kleiner Zahn, von denen der letztere
bedeutend grösser, als der andere ist. Höhe 1,5 Mm., Durchm. 0,5-0,8 Mm.
Thier weiss, sehr zart, schleimig, durchscheinend; nur zwei Fühler,
die kurz, unten breit, fast dreieckig sind. Die Augen stehen hinter
denselben und sind schwarz. Kiefer nach ~Moquin-Tandon~ nur wenig
gebogen und am Rande kaum gestreift. Die Geschlechtsöffnungen sind nach
demselben getrennt, die männliche liegt vor dem rechten Fühler, die
weibliche rechts an der Basis des Halses.
Diese kleine Schnecke findet sich allenthalben an feuchten Stellen,
im Moos oder unter Holzstückchen und Steinen, mitunter fast im Wasser
mit Paludinellen und Pisidien zusammen. Ihre helle Farbe lässt sie
trotz der geringen Grösse nicht leicht übersehen werden. Nach dem Tode
wird das Gehäuse schnell trüb und undurchsichtig, in diesem Zustande
findet man es in Menge im Geniste der Flüsse und Bäche. Sie dürfte wohl
nirgends in Nassau fehlen.
Siebzehntes Capitel.
Limnaeacea, luftathmende Wasserschnecken.
Die Limnaeaceen sind sämmtlich Wasserbewohner, athmen aber wie die
Landschnecken, durch Lungen. Die Augen sitzen am Grunde der Fühler, die
entweder die Gestalt von dreieckigen Lappen oder von Borsten haben.
Das Gehäuse ist ei- oder scheibenförmig und hat niemals Falten auf der
Spindel.
Sie athmen, trotz ihres Wasseraufenthaltes, Luft, und müssen demgemäss
öfter an die Oberfläche kommen, um die Luft in ihren Athemhöhlen zu
erneuern. Auch können sie eine Zeit lang ausserhalb des Wassers
aushalten, und manche Arten thun diess sehr gern; in der Trockenheit
aber gehen sie schliesslich zu Grunde. Bei trocknem Wetter und im
Winter vergraben sie sich in den Schlamm; manche Arten verwahren dann
die Mündung ihres Gehäuses mit einem Deckel, analog dem Epiphragma der
Landschnecken. Gegen Frost sind sie ziemlich unempfindlich und können
sogar ohne Schaden einfrieren, sobald nur die Kälte nicht so stark ist,
dass ihr ganzer Körper erstarrt; sobald das Eis aufthaut, kriechen sie
wieder munter umher.
Ihre Eier legen sie in grösseren oder kleineren Mengen, von Schleim zu
einem Laich zusammengekittet, an Stengel und Blätter von Wasserpflanzen.
Von den vier europäischen Gattungen sind drei auch in Nassau
aufgefunden worden; dieselben characterisiren sich folgendermassen:
Gewinde schraubig erhoben, rechts gewunden.
_Limnnaea_ ~Lam.~
Gewinde schraubig erhoben, links gewunden.
_Physa_ ~Drp.~
Gewinde scheibenförmig aufgerollt.
_Planorbis_ ~Müll.~
Die vierte deutsche Gattung, _Amphipeplea_ ~Nils.~, von _Limnaea_ durch
den mangelnden Umschlag auf der Spindelsäule und den grossen Mantel,
der für gewöhnlich das ganze Gehäuse umhüllt, unterschieden, wurde
bis jetzt noch nicht in Nassau aufgefunden; der nächste mir bekannte
Fundort ist Rinteln (~Dunker~).
XV. LIMNAEA ~Lamarck~.
Schlammschnecke.
Gehäuse mit ritzförmigem, seltener lochförmigem Nabel, eirund oder
eirund-verlängert, mit spitzem, zuweilen thurmförmigem Gewinde,
meist ziemlich, oft sehr dünn, selten stark; die Umgänge erweitern
sich sehr schnell, der letzte ist meist der bedeutendste Theil des
Gehäuses und bildet es zuweilen fast allein. Mündung der Länge nach
eiförmig, oben fast stets spitz und an der Spindelseite ausgebogen.
Mundsaum einfach, scharf, durch einen lamellenartigen Umschlag der
Spindelsäule gewissermassen zusammenhängend; Spindelsäule oft frei
hervorstehend, bogig und mit einer Falte versehen; unter dem Umschlag
der Spindelsäule bleibt oft noch ein ziemlich bedeutender Nabelritz.
Thier ziemlich dick, braungelblich bis dunkel olivengrünlich, meist
gelb punctirt, glatt; der den Mund bedeckende Lappen ist vorn
ausgerandet; die beiden contractilen Fühler sind zusammengedrückt
dreieckig; innen an ihrer Basis sitzen die Augen. Fuss keilförmig, vorn
abgestutzt, hinten spitz abgerundet. Mantel ganz eingeschlossen, mit
dunklen Flecken, die meist durch den letzten Umgang hindurchschimmern.
Der Kiefer besteht aus einem Oberkiefer, einer einfachen, ziemlich
viereckigen Hornmasse ohne Leisten oder Zähnchen, und zwei lanzett-
oder halbmondförmigen Seitenkiefern, die zu seinen beiden Seiten liegen
und durch dünne Häutchen mit ihm verbunden sind. Die Zungenplatte hat
einen durch seine Kleinheit auffallenden Mittelzahn; die Zähne des
Mittelfeldes haben jederseits einen Seitenzahn und sind meistens an
der Basis sehr breit. Die Zähne der Seitenfelder sind zackig, mitunter
handförmig. Alle sind im Verhältniss zur Länge breiter als die Heliceen
und bilden eine nur wenig nach vorn gebogene Reihe.
Die Speiseröhre ist lang und dünn und erweitert sich plötzlich zu
einem nicht grossen Magen, der durch eine Quereinschnürung in zwei
Abtheilungen geschieden ist. Der Darm enthält in seiner äusseren Haut
Ablagerungen von Kalkkörnchen und Bindegewebszellen; sonst ist sein Bau
der der Pulmonaten im Allgemeinen.
Das Nervensystem ist complicirter, als bei den anderen Gattungen;
es schieben sich zwischen die drei Ganglienpaare noch einige andere
ein, und auch die normalen Ganglien zerfallen noch einmal durch
Einschnürungen, so dass jeder Nerv aus einem besonderen Knoten zu
entspringen scheint. Die Ganglien sind roth oder bläulich.
Dass Gefässsystem bietet nichts Auffallendes; das Blut ist bläulich.
Die Athemhöhle ist gross, das Loch durch einen kräftigen Ringmuskel
verschliessbar. Die eingeschlossene Luft dient nicht nur zum Athmen,
sondern auch, um, wie die Schwimmblase der Fische, das Schwimmen zu
erleichtern. Berührt man eine an der Oberfläche schwimmende Limnäe
etwas unsanft, so lässt sie einige Luftblasen entweichen, was bei den
grösseren Arten mit einigem Geräusche geschieht, und sinkt unter.
Die Geschlechtsorgane sind einfacher gebaut, als bei den Heliceen;
Pfeilsack, Schleimdrüse, Flagellum fehlen. Die männliche
Geschlechtsöffnung liegt hinter und unter dem rechten Fühler, die
weibliche in der Nähe der Athemöffnung. Sie können sich, da diese
beiden Theile zu weit von einander entfernt sind, nicht wechselseitig
begatten, sondern nur abwechselnd; häufig findet man aber ganze Ketten
zusammenhängend, wo nur das erste und das letzte Individuum nicht
gleichzeitig als Männchen und Weibchen fungiren. Es sollen mitunter
auch ringförmig geschlossene Ketten vorkommen. ~Karsch~ hat bei
_Limnaea palustris_ eine wechselseitige, ~Bär~ bei _auricularia_ eine
Selbstbefruchtung beobachtet.
Die Eier sind von einer grossen Menge klaren Eiweisses umgeben
und durch Schleim zu länglichen, raupenförmigen oder ringförmigen
Massen zusammengeklebt, die an die Blätter von Wasserpflanzen, die
untere Blattseite der Nymphäen und dgl. abgesetzt werden. Ueber die
Entwicklung siehe den allgemeinen Theil.