Gehäuse kaum durchbohrt, kurzeiförmig, sehr bauchig, glatt, glänzend,

kastanienbraun. Vier ziemlich gewölbte, sehr rasch zunehmende Umgänge,

der letzte bedeutend grösser, als die drei ersten zusammengenommen,

an der Basis ein klein wenig zusammengedrückt. Die Mündung schief

herzförmig mit sechs oder fünf Zähnen, von denen zwei am Spindelrand

und zwei am Aussenrand immer vorhanden sind. Der fünfte ist eine hohe,

in der Mitte der Mündungswand ganz vorn stehende Falte, die alsbald

auffällt; der sechste, an der Aussenseite dicht daneben stehende Zahn

fehlt häufig. Höhe 2,5-3 Mm., Durchm. 1,5-2 Mm.

Von ~Heynemann~ am Schilfe des Oberhorstweihers bei Frankfurt entdeckt

und dort früher häufig, jetzt aber ausgestorben. In 1869 fand sie

~Ickrath~ häufig am Schilfe des Bessunger Teiches bei Darmstadt, 2-3′

über dem Schlamm munter umherkriechend, aber nur Abends zu finden;

am Tag fand man nur bei sehr genauem Nachsuchen hier und da ein

Stück unter modernden Schilfblättern am Boden; auch Morgens war sie

nicht zu finden. Seitdem hat sie ~Heynemann~ auch wieder unter einem

Heuhaufen in der Nähe des Wassers am Enkheimer Fusspfade gefunden,

und wahrscheinlich kommt sie noch an mehr Punkten in der Mainebene

vor, wohl auch sonst in Deutschland, denn ich erhielt sie aus Dänemark

und Kärnthen. Sie wird meistens für synonym mit _Vert. Moulinsiana_

gehalten, ist aber davon sehr verschieden.

70. Pupa Shuttleworthiana ~von Charpentier~.

Gehäuse tief geritzt, eiförmig, leicht gestreift, glänzend,

durchsichtig, gelbhornfarben, die Spitze wenig verschmälert, sehr

stumpf; die fünf Umgänge wenig gewölbt, der letzte am Nabelritz

etwas zusammengedrückt; Mündung halbeiförmig mit vier Zähnen, einem

zusammengedrückten auf der Mündungswand, einen spitzen am Spindelrand

und zwei kürzeren im Gaumen. Mundsaum weiss, am rechten Rande etwas

eingebogen, sehr schmal ausgebreitet, am Spindelrande etwas breiter.

Höhe 2 Mm., Durchmesser 1¼ Mm., Höhe der Mündung ⅔ Mm. (~L.

Pfeiffer~).

Selten in alten Mauern, an den nassauischen Fundorten immer mit _Balea

fragilis_ zusammen. Ich fand sie nicht ganz selten in der Mauer des

alten Kirchhofes zu Buchenau bei Biedenkopf. Am Beilstein (~Heyn.~).

Nach ~Heynemann~ gehört hierher auch die von ~Koch~ angeführte Varietät

von _pygmaea_ aus dem Breitscheider Walde und von Burg.

71. Pupa pusilla ~Müller~.

Kleine Windelschnecke.

Gehäuse sehr klein, linksgewunden, eng durchbohrt, horngelb, glänzend,

dünn, durchsichtig, äusserst fein gestreift; fünf ziemlich gewölbte

Umgänge. Naht tief; Mündung halbeiförmig; Schlund durch 6 Zähne

verengert, von denen je zwei auf Spindel, Mündungswand und Gaumen

stehen. Mundsaum fein zurückgebogen, der Nacken dahinter, namentlich

unten, wulstartig aufgetrieben. Höhe 2,2 Mm., Breite 1 Mm.

Thier weiss, der obere Hals und die Fühler aschgrau.

Ziemlich selten; an trockenen Stellen unter Steinen. Selten im

Erbenheimer Thälchen der Hammermühle gegenüber; an der Gartenmauer des

Holzhackerhäuschens bei Wiesbaden (A. ~Römer~). An der Grüneburg bei

Frankfurt (~Speyer~). Häufig am Forsthaus (~Dickin~). Am Beilstein

(~Heynemann~). Ich fand sie nicht selten mit _pygmaea_ zusammen unter

kleinen flachen Steinen in den Hecken am Südabhang des Kratzenbergs bei

Biedenkopf, und mit der vorigen in der Mauer des alten Kirchhofs in

Buchenau. Ruine Nassau (~Servain~). Bei Mönchbruch (~Ickrath~).

72. Pupa Venetzii ~von Charpentier~.

Schlanke Windelschnecke.

_Syn._ _P. angustior_ ~Jeffreys~.

Gehäuse winzig klein, linksgewunden, ziemlich schlank, mit kaum

vertieftem Nabelritz, gelb, deutlich gestreift, durchsichtig, glänzend,

Nacken in der Mitte mit einer ziemlich vertieften Längsfurche, an der

Basis höckerig; Mündung wegen eines Eindrucks der Aussenwand fast

herzförmig; Schlund verengert; auf der Mündungswand zwei ziemlich

egale Zähne, auf dem Gaumen, entsprechend der Nackenfurche, eine lange

Leiste, hinten herabgekrümmt, unter ihrem Vorderende ein kleines

Zähnchen; Spindel mit einer stark entwickelten Lamelle. Höhe 1½ Mm.,

Breite ¾ Mm.

Thier bläulichweiss, durchscheinend, Fühler graublau mit schwarzen

Augen; von ihnen aus gehen zwei graublaue Streifen über den Rücken.

Diese kleine Schnecke lebt auf moosigen Wiesen, ist aber lebend in

Nassau noch nicht gefunden worden. Ein leeres Gehäuse fand ~Koch~ am

Ufer des Aubachs bei Dillenburg. Im Maingenist findet sie sich auch,

aber selten (~Heyn.~).

Dreizehntes Capitel.

XI. BALEA ~Prideaux~.

Die Baleen gleichen an Gestalt, innerem Organismus und Lebensweise

vollkommen den Clausilien und unterscheiden sich von ihnen nur

durch den Mangel des Schliessknöchelchens und der Spirallamelle. In

Deutschland kommt nur eine Art vor.

73. Balea fragilis ~Draparnaud~.

_Syn._ _Cochlodina perversa_ ~Fér.~

Gehäuse links gewunden, geritzt, spindelförmig gethürmt, der

letzte Umgang am breitesten, olivengrünlich, hornbraun, dünn,

zart, durchsichtig, sehr fein rippenstreifig, seidenglänzend. Neun

Umgänge, sehr langsam zunehmend, gewölbt; Naht ziemlich vertieft;

Nacken aufgetrieben. Mündung gerundet birnförmig, höher als breit;

Mundsaum zusammenhängend, wenig lostretend, sehr fein weiss gesäumt,

etwas zurückgebogen. Spindel einfach, nur selten mit der Andeutung

einer Falte; auf der Mündungswand eine kleine, mit dem Mundsaum

zusammenhängende Falte. Höhe 9-11 Mm., Breite 2 Mm.

Thier bläulichgrau, Hals und Fühler dunkler, fein gekörnt, Fusssohle

gelblich, Augen schwarz, Kiefer wenig gebogen, fein gestreift, in der

Mitte etwas vorspringend. Nach den Beobachtungen von ~Sporleder~ (Mal.

Bl. VII. p. 116) bringt diese Schnecke lebendige Junge zur Welt, die

bei der Geburt schon etwas mehr als zwei Umgänge haben.

An bemoosten Mauern in den meisten Gegenden, aber stets nur auf

engbegränzten Fundorten, so dass sie häufig übersehen wird. Am

Idsteiner Schloss (~Thomae~). Beim Kalkbruch unterhalb Steeten im

Lahnthal; an Mauern bei Sonnenberg (~Römer~). Bei Dillenburg an der

Brückenmauer bei Burg (~Koch~), am Schlossberg hinter der Kirche

(~Trapp~). Reiffensteiner Schloss (~Heynemann~). Im Kreis Biedenkopf

an der Mauer des Pfarrgartens zu Breidenbach und an der alten

Kirchhofsmauer zu Buchenau, sowie auf dem Breidensteiner Schloss.

~Servain~ führt von den Mauern der Burg Nassau noch eine _Balea

Rayana_ ~Bourg.~ an; dieselbe ist für ein deutsches Auge so wenig

zu unterscheiden, wie viele andere, von Herrn ~Bourguignat~ als neu

beschriebene Arten.

Vierzehntes Capitel.

XII. CLAUSILIA ~Draparnaud~.

Gehäuse schlank, spindelförmig, meist linksgewunden, mit mehr

oder weniger spitzem Wirbel; 9-14 meist wenig gewölbte, glatte,

gestreifte oder gerippte Umgänge. Die Mündung ist unregelmässig,

eiförmig, birnförmig oder fast rund, durch Lamellen verengt und oft

gezähnt oder gefaltet, der Mundsaum zusammenhängend, meist gelöst.

Im Schlunde ein kalkiges Deckelchen auf elastischem Stiele, das sog.

~Schliessknöchelchen~, _Clausilium_.

Thier schlanker als das von _Helix_ und im Verhältniss zum

Gehäuse auffallend klein, aber sonst ihm vollkommen ähnlich. Die

Athemöffnung liegt an der linken Seite des Halses, die gemeinsame

Geschlechtsöffnung hinter dem linken Oberfühler. Der Kiefer ist

gebogen, fein quergestreift, häufig mit einem kleinen zahnförmigen

Vorsprung in der Mitte. Die Zungenzähne sind stumpf lanzettförmig, ohne

deutlichen Mittelzahn; die Zähne des Mittelfeldes haben nur schwache

Zahneinschnitte, die der Seitenfelder 2-3 kleine seitliche Zähnchen

neben dem Hauptzahn. Der Geschlechtsapparat unterscheidet sich von dem

von _Helix_ nach Adolf ~Schmidt~ fast nur durch das fehlende Flagellum

der Ruthe. Viele Arten bringen lebende Junge zur Welt.

Die Clausilien bilden eine der artenreichsten Gattungen, während

gleichzeitig der Gattungstypus von ihnen im höchsten Grade festgehalten

wird. L. ~Pfeiffer~ zählt im sechsten Bande seiner _Monographia

Heliceorum viventium_ 563 Arten auf, die Gesammtzahl dürfte sich

vielleicht auf 600 belaufen, zu denen aus den noch wenig durchforschten

Theilen des Orientes alljährlich noch eine gute Anzahl hinzukommt.

Die Unterscheidung ist natürlich nicht leicht und erfordert ein

ganz besonderes Studium; dem entsprechend haben wir auch für die

Beschreibung der Clausilien eine ganz eigene Kunstsprache. Man legt

dabei besonderes Gewicht auf die in der Mündung sichtbaren Falten

und Lamellen, die bei den einzelnen Arten merkwürdig constant sind.

Adolf ~Schmidt~ schlägt in seinem „System der europäischen Clausilien,

Cassel 1868“ vor, ein für allemal den Namen Lamellen auf die auf der

Mündungswand befindlichen Erhebungen zu beschränken, die anderen als

Falten zu bezeichnen. Wir haben dann drei Lamellen: die Oberlamelle,

die Unterlamelle und die Spirallamelle; verschiedene kleinere kommen

bei unseren Arten nicht in Betracht. Die Oberlamelle verläuft dicht

unter der Naht und parallel mit derselben, die Unterlamelle etwa in

der Mitte der Mündungswand; die Spirallamelle ist eine mit der Naht

parallele Leiste, die bald mit der Oberlamelle zusammenhängt, bald von

ihr getrennt ist. Herr ~von Vest~ bemerkt in seiner ausgezeichneten

Arbeit über den Schliessapparat der Clausilien, dass auch bei den

Arten, wo die beiden Lamellen verbunden sind, sie in der Jugend

getrennt erscheinen.

Ausserdem finden wir noch im Gaumen mehrere Falten, die ~Gaumenfalten~,

meist 1-4, und unten an der Spindel, ihren Windungen folgend, aber

häufig nicht bis in die Mündung vortretend, die immer vorhandene

~Spindelfalte~, welche als Stützpunct für den Schliessapparat von

grösster Wichtigkeit ist. Endlich haben wir noch eine im letzten

Umgang an den Gaumenfalten quer verlaufende, halbmondförmig gekrümmte,

meist von aussen als hellerer Strich erkennbare Falte zu erwähnen,

die ~Mondfalte~, an welche sich das Schliessknöchelchen anlegt; sie

findet sich übrigens nicht bei allen Arten. Den Raum zwischen Ober- und

Unterlamelle nennt man das ~Interlamellar~; es trägt bei einigen Arten

noch mehrere Fältchen.

Ueber den eigentlichen ~Schliessapparat~, der für die Gruppirung der

Clausilien sehr wichtig ist, hat namentlich Wilhelm ~von Vest~ in

seiner schon oben erwähnten Arbeit genauere Untersuchungen angestellt.

Er kommt zu der Ansicht, dass das Schliessknöchelchen nicht nur zum

Schutz gegen Feinde diene, sondern noch mehr um das Austrocknen des

Thieres zu verhüten, in ähnlicher Weise, wie nach meiner Ansicht der

Winterdeckel der Helices. Er macht darauf aufmerksam, dass die Arten,

welche nebelige Höhen und die Meeresküsten bewohnen, das schmälste

Clausilium haben. Damit stimmt eine Beobachtung überein, die ich zu

machen Gelegenheit hatte: nach dem furchtbar trocknen Sommer von 1868

hatte an dem Schlossberg zu Biedenkopf die Zahl der Helices, besonders

_nemoralis_ und _incarnata_, in sehr auffallender Weise abgenommen,

aber _Clausilia laminata_ und _nigricans_ fand ich an denselben Stellen

in unverminderter Anzahl.

In einer anderen Beziehung ist freilich das Clausilium kein Vortheil

für das Thier, wie ich an meinem Aquarium oft genug zu beobachten

Gelegenheit hatte. Fiel nämlich eine Helix vom Felsen ins Wasser, so

machte sie stunden- und tagelang alle möglichen Rettungsversuche und

rettete sich auch nicht selten auf Wasserpflanzen oder an die Wandungen

des Gefässes; Clausilien dagegen schlossen sofort ihre Mündung und

blieben unbeweglich, bis sie erstickten. Es mag damit im Zusammenhang

stehen, dass eine Verbreitung von Clausilien längs eines Flusses eben

so selten ist, wie die von Helix häufig.

Das Schliessknöchelchen ist bei den meisten Arten von aussen nicht

sichtbar; um es zu finden, muss man der Mündung gegenüber einen Theil

des letzten Umganges abbrechen. Das Schliessknöchelchen besteht aus

einem langen, dünnen, elastischen Stiel, der vornen in ein birnförmiges

oder gelapptes Blättchen übergeht. In geschlossenem Zustand stützt

es sich auf die Gaumenfalten, die Mondfalte, wenn diese vorhanden

ist, und die Spindelfalte. Kriecht das Thier heraus, so legt sich das

Knöchelchen in den Raum zwischen der Unterlamelle und der Spindelfalte,

die sogenannte ~Nische~; zieht sich das Thier zurück, so klappt es

durch die Elasticität des Stieles von selber zu. Es schliesst aber den

Raum fast bei keiner Art vollkommen ab, sondern lässt immer an der

Spindelseite etwas Raum frei.

Die Clausilien sind vorzugsweise Gebirgs- und Felsenbewohner; in der

Ebene findet man sie besonders an Steinen, alten Mauern und bemoosten

Baumstämmen. Einige Arten halten sich auch auf dem Boden unter Laub

und Moder auf. Am zahlreichsten findet man sie auf Ruinen, und hier

mitunter ganz isolirt Arten, die sonst auf viele Meilen in die Runde

nicht vorkommen, wie z. B. _Cl. lineolata_ ~Held~ auf der Ruine

Hattstein im Taunus. Wie alle Schnecken erscheinen sie auch besonders

bei feuchtem Wetter; nach einem tüchtigen Regen findet man hunderte

an Mauern, die vorher ganz unbelebt schienen. Im Sommer muss man sie

Abends spät und Morgens früh suchen. Winterquartiere beziehen sie sehr

spät, in milden Wintern gar nicht; ich habe sowohl _Claus. laminata_

als _dubia_ mitten im Winter unter der Bodendecke munter gefunden.

Ihre höchste Entwicklung erreichen sie in den südöstlichen Ausläufern

der Alpen, in Kärnthen, Krain und Dalmatien, überhaupt im Orient. Bei

uns kommen nur neun Arten vor, deren Unterscheidung, obschon nicht

immer leicht, doch nicht die Schwierigkeiten bietet, wie in reicheren

Gegenden. Besonders sind es die kleineren, von den älteren Autoren als

_rugosa_ ~Drp.~ und _obtusa_ ~Pfr.~ erwähnten Arten, deren Formenchaos

zu sichten selbst ~Rossmässler~ sich für unfähig erklärte. Dem

scharfen Auge Adolf ~Schmidts~ ist es dennoch gelungen, und seine, auf

ein wahrhaft colossales Material gestützten „Kritische Gruppen der

europäischen Clausilien“ gewähren uns einen festen Anhalt. Demgemäss

treten an die Stelle der oben genannten Arten die Namen _Claus. dubia_

~Drp.~ und _nigricans_ ~Pult.~, und kommt zur nassauischen Fauna eine

Art, _lineolata_ ~Held~, neu hinzu.

Ueber die Anordnung der Clausilien in natürliche Gruppen gehen die

Ansichten noch weit auseinander, je nachdem man das eine oder das

andere Merkmal in den Vordergrund stellt. Am natürlichsten scheint sie

durch die Berücksichtigung der Gestalt des Schliessknöchelchens sich

zu geben, aber wo es sich, wie hier, hauptsächlich um Erleichterung

der Bestimmung handelt, hält man sich am besten an die in die Augen

fallenden und ohne mühsame Präparation erkennbaren Unterschiede, wie

sie Gestalt, Sculptur und Mündungsfalten darbieten.

Nach folgendem Schema lassen sich unsre nassauischen Arten leicht

bestimmen:

A. Gehäuse glatt, 15-20 Mm. gross, keine Mondfalte.

_Cl. laminata_ ~Mont.~

B. Gehäuse rippenstreifig, Mondfalte ausgebildet.

a. Spirallamelle nicht mit der Oberlamelle verbunden, eine mittlere

Gaumenfalte vorhanden, Streifung stark, Grösse 15-18 Mm.

α. Mundsaum ohne Fältchen.

_Cl. biplicata_ ~Mont.~

β. Mundsaum mit zahlreichen kleinen Fältchen.

_Cl. plicata_ ~Drp.~

b. Spirallamelle mit der Oberlamelle verbunden, nur eine obere

Gaumenfalte vorhanden.

aa. Höhe 15-20 Mm., Streifung stark, keine weisse Strichelung.

α. Mündungsachse senkrecht, Interlamellar ohne Falten, die

Lamellen in der Mündung ein sehr deutliches liegendes K

bildend.

_Cl. ventricosa_ ~Drp.~

β. Mündungsachse schief, Interlamellar gefältelt, auf dem

Gaumenwulst ein in die Augen fallendes weisses

Emailpünctchen.

_Cl. lineolata_ ~Held~.

bb. Höhe unter 12 Mm., Gehäuse mehr oder weniger glänzend,

α. Interlamellar mit 2-3 deutlichen Falten.

_Cl. plicatula_ ~Drp.~

β. Interlamellar fast stets glatt, höchstens mit kleinen

Fältchen; Gehäuse mit weissen Strichelchen an der weissen

Naht.

αα. Gehäuse mehr bauchig, Mündung ei-birnförmig, senkrecht.

_Cl. dubia_ ~Drp.~

ββ. Gehäuse schlanker, kleiner, Mündung rhombisch,

schiefstehend.

_Cl. nigricans_ ~Pult.~

γ. Interlamellar glatt, Gehäuse nur ganz fein gestreift, ohne

weisse Strichelchen, klein, höchstens 8 Mm. hoch; Mondfalte

in Gestalt eines C.

_Cl. parvula_ ~Drp.~

74. Clausilia laminata ~Montagu~.

Zweizähnige Schliessmundschnecke.

_Syn._ _Cl. bidens_ ~Drp.~ (non L.).

Gehäuse kaum geritzt, spindelförmig, etwas bauchig, nicht schlank, mit

wenig verschmälerter abgestumpfter Spitze, gelbroth oder rothbraun,

ziemlich glänzend, fast durchscheinend, aber leicht verwitternd und

dann undurchsichtig; die 10-11 ziemlich gewölbten, sehr langsam

zunehmenden Umgänge sind durch eine stark bezeichnete Naht vereinigt;

Mündung ei-birnförmig, innen bei dunklen Exemplaren rothbraun,

fast stets mit einer deutlichen, bei hellen Exemplaren weisslichen

Gaumenwulst; Mundsaum nicht gelöst; durch eine mehr oder minder

starke Wulst auf der Mündungswand verbunden, wenig zurückgebogen;

die Lamellen laufen hinten sehr dicht zusammen, die oberste ist

scharf zusammengedrückt, hängt vorne mit der Verbindungswulst der

Mundränder zusammen, ist aber von der Spiral-Lamelle getrennt; die

untere sehr zusammengedrückt, bogig und steht weit nach vorn; unter

den vier Gaumenfalten, von welchen die erste, dritte und vierte in der

Gaumenwulst entspringen, ist die oberste die längste, dicht unter ihr,

an ihrem hinteren Ende steht die zweite, sehr kurze, die dritte und

vierte stehen, durch einen breiten Zwischenraum getrennt, tief unten.

Mondfalte fehlt, die Spindelfalte tritt etwas vor, bleibt jedoch immer

hinter der Unterlamelle zurück; Schliessknöchelchen vor der Spitze tief

ausgebuchtet. Höhe 12-16 Mm., Breite 3-4.

Thier grau, Kopf, Fühler und Rücken schwärzlich.

Sie lebt fast immer unter dem abgefallenen Laub, seltener an Bäumen

und Steinen und dürfte sich fast überall in Nassau finden. Bei

Biedenkopf ist sie häufig im Schlossberg und auf der Ruine Hohenfels.

Im Frühjahr fand ich immer nur stark verwitterte Exemplare; vermuthlich

rührt es daher, dass sie im Winter sich nicht tief verkriecht und bei

warmem Wetter unter dem Laub zu jeder Zeit lebendig ist. Ferner wurde

sie gesammelt von ~Sandberger~ in der Umgegend von Weilburg an mehreren

Orten, von ~Koch~ bei Dillenburg am Haunstein, bei Oberscheld, Erdbach

und Langenaubach, von ~Heynemann~ in der Umgegend von Frankfurt, von

~Thomae~ an der Lohmühle im Wolkenbruch bei Wiesbaden, an der wilden

Scheuer bei Runkel, an der Waldschmiede im Hasenbachthal. Im Taunus nur

einzeln (~Wiegand~). Am Auerbacher Schlossberg (~Ickrath~).

75. Clausilia biplicata ~Montagu~.

Gemeine Schliessmundschnecke.

_Syn._ _Cl. similis_ v. ~Charp.~

Gehäuse kaum geritzt, spindelförmig, schlank, selten etwas bauchig,

mit oben schlank ausgezogenen Windungen und etwas abgestumpfter

Spitze, ziemlich stark, wenig durchsichtig, wenig glänzend, gelblich

oder röthlich-hornbraun, dicht rippenstreifig mit weissen Fleckchen

an der Naht; 11-13 Umgänge, ziemlich gewölbt und durch eine seichte

Naht vereinigt. Mündung länglich birnförmig, schmal, an der Basis

mit einer Rinne, die dem Kamm des Nackens entspricht; am Gaumen

eine längslaufende weisse Falte; Mundsaum zusammenhängend, gelöst

vortretend, zurückgebogen, weisslich, entweder einfach oder mit einer

schwachen, selten bedeutenderen Lippe belegt; die obere Lamelle

vortretend, zusammengedrückt, stark ausgedrückt, die untere weit hinten

stehend, nicht sehr erhaben; Interlamellar nackt, selten mit einigen

Fältchen. Nacken eingedrückt, dann weiter unten etwas wulstig und ganz

unten mit einem deutlich ausgedrückten Kamm oder Kiel, der sich hinter

dem Spindelrande um die Nabelgegend, die dadurch deutlich bezeichnet

wird, herumlegt. Höhe 12-18 Mm., Breite 2½-3 Mm.

Thier gelblich- bis schwarzgrau.

Findet sich in den meisten Theilen Nassaus gemein an alten Mauern,

unter Steinen, an Baumstämmen, in Hecken und unter der Bodendecke.

In der Umgegend von Biedenkopf ist sie äusserst selten; ich fand nur

einmal einige junge Exemplare an einem gefällten Weidenstamm im Thale

von Brungershausen nach Watzenbach.

76. Clausilia plicata ~Draparnaud~.

Faltenrandige Schliessmundschnecke.

Gehäuse kaum geritzt, spindelförmig mit sehr schlank ausgezogener

Spitze, hornbraun, sehr fein rippenstreifig, oft mit eben solchen

Flecken, wie _biplicata_; die 12-14 wenig gewölbten Umgänge durch

eine scharf bezeichnete Naht vereinigt; Mündung länglich-birnförmig,

ziemlich gerundet; Mundsaum zusammenhängend, gelöst, zurückgebogen,

innen weisslich oder rothbräunlich und ~mit kleinen Fältchen

eingefasst~. Obere Lamelle gewöhnlich, untere weit hinten stehend,

nicht scharf ausgedrückt; Gaumen mit mehreren Längsfalten, von

denen man aber innen meist nur eine sieht; Nacken stärker und

schärfer gerippt, oben etwas eingedrückt, dann weiter unten ziemlich

aufgetrieben und ganz unten mit einem deutlichen Kiel oder Kamm, der

sich, wie bei _biplicata_, um die Nabelgegend schlingt und diese

dadurch genau bezeichnet. Höhe 12-16; Br. 2-3 Mm.

Sie unterscheidet sich von _biplicata_, der sie sonst, auch durch

Gestalt und Farbe des Thieres, vollkommen gleicht, durch die schlankere

Gestalt, die feinere Streifung und die Fältchen der Mündung.

Die Lebensweise gleicht vollkommen der von _biplicata_; nur ist unsere

Art weit weniger verbreitet. Von ~Heynemann~ auf dem Hattsteiner und

von ~Speyer~ auf dem Königsteiner Schloss im Taunus gefunden. Ich

besitze sie von Büdesheim bei Bingen. Schloss Idstein (~Thomae~).

Mombach (~Lehr~).

77. Clausilia ventricosa ~Draparnaud~.

Bauchige Schliessmundschnecke.

Gehäuse kaum geritzt, bauchig-spindelförmig, schwärzlich rothbraun,

wenig glänzend, schwach rippenstreifig. Spitze schlank ausgezogen;

11-12 wenig gewölbte Umgänge, die ersten 5 kaum zunehmend, der letzte

mit angeschwollenem Nacken und schwach gekielter Basis. Die Mündung

eiförmig-rund, gerade, mit fast parallelen Seitenrändern. Mundsaum

zusammenhängend, wenig gelöst, weisslich. Der Sinulus nicht gebogen;

das Interlamellar ohne Falten. Die Lamellen mittelmässig, die obere

gerade, mit der Spiralfalte verbunden, die untere vornen in zwei Aeste

gegabelt, so dass sie ein deutliches liegendes K bilden. Gaumenwulst

schwach, kirschbraun, schräg nach unten verlaufend. Im Gaumen nur

eine obere Falte, die bis über das Clausilium hinaufgeht. Mondfalte

bogenförmig. Clausilium vornen stumpfwinklig. (A. ~Schmidt~).

Höhe des Gehäuses 20 Mm., Breite 4½ Mm. Höhe der Mündung 4½ Mm., Breite

3 Mm.

Thier hellschiefergrau, auf dem Rücken dunkler, mitunter

hellbräunlichgelb.

Von der verwandten _biplicata_ unterscheidet sie sich durch die

bauchigere Gestalt, die schwächere Streifung, dunklere Farbe und

das K in der Mündung, von _plicata_ durch den Mangel der Falten. Am

nächsten verwandt und vielfach verwechselt mit ihr ist die bis jetzt

in Nassau noch nicht aufgefundene _Cl. ~Rolphii~_ ~Leach~., die sich

im Siebengebirge findet und auch dem Rheinthal nicht fehlen dürfte;

sie ist bedeutend kleiner, nur 12-15 Mm. hoch und 3½ breit, heller

braun und glänzender, meist mit einigen Fältchen am Mundsaum, wie

_plicatula_, der Nacken weniger aufgetrieben, weitläufiger gestreift,

als der vorhergehende Umgang, der Sinulus höher hinaufgezogen.

_Cl. ventricosa_ lebt unter der Bodendecke in feuchten Waldungen,

meistens am Rande von Quellen. In Nassau wurde sie bis jetzt nur

von ~Heynemann~ und ~Dickin~ äusserst selten am Bruchrainweiher im

Frankfurter Wald gefunden.

78. Clausilia lineolata ~Held~.

Rippenstreifige Schliessmundschnecke.

Fauna der Nassauischen Mollusken · 第 13 / 25 段