Im Wald bei der Gerbermühle unfern des Schindangers und in Hecken am

Hohlweg nach dem alten Gaisberg, an den Burgruinen Sonnenberg und

Scharfenstein (bei Kiedrich), Burg Stein und Nassau, Spurkenburg,

bei der „wilden Scheuer“ zu Steeten bei Runkel, im Hasenbach- und

Wörsbachthale (~Thomae~). Gemein um Wiesbaden, an der Frauensteiner

Burg (~Sandb.~), an der Walkmühle (~Lehr~), Kupfermühle (A. ~Römer~).

Bei Weilburg im Webersberg, bei Kirschhofen im Gebück (~Sandb.~). Bei

Dillenburg an den Schlossmauern, an den Steinkammern bei Erdbach,

Wildweiberhäuschen bei Langenaubach, Feldbacher Wäldchen, Thiergarten

(~Koch~). Im ganzen Taunus (~Speyer~). Königstein, Falkenstein

(~Heyn.~). An der Oberschweinsteige an Buchenstämmen sehr häufig

(~Dickin~). Auf dem Frankenstein häufig (~Ickrath~). Auf dem Malberg

bei Ems und an der Silberschmelze im Emsbachthal (~Servain~). Um

Biedenkopf an Gartenmauern, besonders solchen, die aus Grünstein

bestehen und oben mit einer Hecke bepflanzt sind, am vorderen Theile

des Schlossbergs und den Schlossmauern, sowie den unterhalb derselben

befindlichen moosigen Thonschieferfelsen, junge häufiger auf den

Kirschbäumen an der Vorderseite des Schlossbergs; am Hartenberg bei

Dexbach; meistens immer einige beisammen, doch nicht in grösseren

Mengen.

~Anmerkung.~ Ausser diesen Arten findet sich in Deutschland noch

_Bulimus quadridens_ ~Linné~, mit _tridens_ verwandt, aber links

gewunden. Sie wurde in Nassau noch nicht gefunden, kommt aber nach

~Goldfuss~ (Verh. d. naturh. Ver. Rheinl. Westph. 1856 p. 74) im

Rheinröhrig angeschwemmt, und nach ~Hartmann~ (Gastrop. I. p. 151)

auch lebend bei Neuwied in den Leien ob Friedrichstein vor. Auch bei

Creuznach sammelte sie Herr H. C. ~Weinkauff~.

Elftes Capitel.

IX. CIONELLA ~Jeffreys~.

Achatschnecke.

Gehäuse langeiförmig, gestreift oder glatt, glänzend; 6-7 Umgänge, der

letzte gerundet; Mündung eiförmig, ⅓-½ des Gehäuses ausmachend;

die Spindelsäule kurz, gebogen, mehr oder weniger abgestutzt; Mundsaum

gerade, öfter verdickt.

Thier wie bei Helix, aber mit einfacherem Geschlechtsapparat. Kiefer

wenig gebogen, zart, fein, quergestreift, am concaven Rande kaum

gezahnt. Zunge mit fast quadratischen, in gerade Querreihen geordneten

Zähnen (~Albers~).

Die Cionellen wurden anfangs zu Bulimus, dann zu Achatina, deren Name

ja von ihnen stammt, oder zu Glandina gestellt. Manche machen auch aus

ihnen drei Gattungen, _Cionella_, _Azeca_ und _Acicula_, denen immer je

eine unserer nassauischen Arten angehört. Sie leben in Mulm und Moos

mit den Hyalinen, Carychien und Vitrinen.

Es kommen in Deutschland drei Arten vor, die sich sämmtlich in Nassau

finden. Sie lassen sich leicht folgendermassen unterscheiden:

a. Gehäuse länglich-eiförmig, glänzend horngelb.

Mit ungezahnter Mündung.

_C. lubrica_ ~Müller~.

Mit gezahnter Mündung.

_C. Menkeana_ C. ~Pfeiffer~.

b. Gehäuse sehr klein, spindelförmig, glashell, nach dem Tode des

Thieres milchweiss.

_C. acicula_ ~Müller~.

58. Cionella lubrica ~Müller~.

Gemeine Achatschnecke.

_Syn._ _Achatina s. Bulimus lubricus_. _Ferrusacia subcylindrica_

~Bourg~.

Gehäuse rechts gewunden, länglich oval, gelb hornfarbig, glänzend,

durchsichtig. Von den 6 ziemlich bauchigen Umgängen ist der letzte fast

ebenso gross, wie alle übrigen zusammengenommen. Mündung oval, oben

und unten etwas spitz. Mundsaum verdickt, röthlich. Spindelsäule nur

undeutlich abgestutzt. Höhe 4-6½ Mm., Breite 2-2½ Mm.

Thier blaugrau, Fühler und Rücken dunkler.

In Gebirgsgegenden findet man eine constant kleinere Form, die

~Ziegler~ als _C. lubricella_ unterschied.

Unter Steinen, Moos und abgefallenem Laube, besonders am Fusse alter

Mauern und an feuchten, moosigen Ruinen allenthalben häufig, doch

fast nie in grösserer Gesellschaft beisammen. In dem ganzen Gebiete

gemein (~Thomae~). Um Weilburg, Diez, Dillenburg, sehr verbreitet, aber

nirgends häufig; eine sehr schöne grosse Form dieser Art, _var. major_,

zwischen Langenaubach und Breitscheid mit der folgenden Art, aber noch

seltener als diese, dieselbe kommt auch öfter mit der Hauptform bei

Wiesbaden vor (~Sandb.~ u. ~Koch~). Bei Hanau, Wächtersbach, Oberzell,

Schwarzenfels (~Speyer~), Frankfurt (~Heyn.~), Homburg (~Trapp~),

Darmstadt (~Ickrath~). Um Biedenkopf allenthalben, aber nur die kleine

Form und ziemlich einzeln. Im Geniste der Flüsse und Bäche überall

häufig.

59. Cionella Menkeana ~C. Pfeiffer~.

Gezahnte Achatschnecke.

_Syn._ _Carychium Menkeanum_ ~C. Pfeiffer~., _Azeca tridens_

~Pulteney~, _Achatina Goodalli_ ~Férussac~, _Azeca Matoni_ ~Leach~.

Gehäuse eirund-elliptisch, zugespitzt, Wirbel stumpflich; horngelb,

stark glänzend, durchsichtig, nach unten fast ebenso wie nach oben

verschmächtigt; Umgänge sieben, wenig gewölbt, Naht sehr wenig

vertieft. Mündung schief birnförmig, durch Zähne und Falten verengt,

senkrecht; Mundsaum durch eine auswärts gebogene Wulstleiste verbunden;

Aussenrand ziemlich gestreckt, zunächst oben eine seichte Bucht

bildend, alsdann etwas vorgezogen und mit einer deutlichen, oben mit

einem Zahne beginnenden, rothgelblichen Lippe belegt; Spindel in eine

zusammengedrückte Lamelle sich erhebend, unten abgestutzt, und mit

einem querstehenden, faltenartigen Zahne versehen; auf der Mitte der

Mündungswand eine erhabene Falte, rechts daneben ein kleines Zähnchen;

am Gaumen meistens drei Zähnchen. Der Spindelrand fehlt gänzlich, indem

sich die Lippe des Aussenrandes unmittelbar mit der Verbindungsleiste

verbindet. Höhe 6½ Mm., Breite 2 Mm.

Thier hellblaugrau mit ziemlich langen oberen und sehr kurzen unteren

Fühlern.

Diese allenthalben seltene Schnecke ist innerhalb Nassau nur in der

Gegend von Dillenburg von ~Koch~ aufgefunden worden, und zwar an einer

sehr sumpfigen, fast unzugänglichen Stelle im Breitscheider Walde sehr

einzeln und selten.

60. Cionella acicula ~Müller~.

Nadelschnecke.

Gehäuse klein, spindel-walzenförmig mit verschmälertem,

stumpfwirbeligem Gewinde, dünn, durchsichtig, fast glashell, nach

dem Tode des Thieres rasch kreideweiss und undurchsichtig werdend;

6 langsam zunehmende, wenig gewölbte Umgänge. Naht wenig vertieft;

Mündung lanzettlich, spitz, schmal, Mundsaum durch einen Umschlag der

Mündungswand zusammenhängend, geradeaus, einfach, scharf; Aussenrand

convex. Höhe 5½ Mm., Breite 1 Mm.

Thier schlank, sehr zart, schwefelgelb, Kopf und Fühler weiss; vier

walzenförmige Fühler, die oberen an der Spitze stumpf, ohne Knopf und

ohne Augen. Kiefer nicht aus einem Stück, sondern aus schmalen Lamellen

zusammengesetzt.

Allenthalben wahrscheinlich gemein, da man sie im Geniste aller Bäche

in Menge findet. Lebend trifft man sie freilich nur selten, die sich

im Sommer unter der Erde aufhält und nur im Winter, selbst bei Schnee,

hervorzukommen scheint. Ausführliche Verhandlungen über Vorkommen und

Lebensweise finden sich im ersten Jahrgange des Nachrichtsblattes der

deutschen malacozoologischen Gesellschaft.

In allen Anschwemmungen; lebend nur von ~Sandberger~ im Haingarten

bei Weilburg und von ~Koch~ im Aubachthale zwischen Langenaubach und

Rabenscheid gefunden.

Zwölftes Capitel.

X. PUPA ~Draparnaud~.

Windelschnecke.

Gehäuse nie gross, bei unseren Arten höchstens 10 Mm. hoch, meist

kleiner, bei vielen fast microscopisch, meist geritzt, zuweilen

durchbohrt, nie mit einem erweiterten Nabelloch, zuweilen ganz

ungenabelt. Gestalt walzenspindelförmig oder verlängert eiförmig,

seltener vollkommen walzen- oder eiförmig; zahlreiche Umgänge, der

letzte nicht oder nur wenig grösser, als der vorletzte. Oberfläche

glatt, gestreift oder regelmässig gerippt, meist einfarbig, grau

oder braun, nie glänzend. Mündung halbeiförmig oder eckig, oft von

Falten oder Zähnen verengert und daher buchtig. Mundsaum einfach oder

ausgebreitet, mit gleichen, fast parallelen, häufig durch einen Wulst

auf der Mündungswand verbundenen Rändern.

Thier dem von Helix sehr ähnlich, generisch kaum zu unterscheiden,

klein, schlank, mit 4 Fühlern, von denen aber die unteren sehr klein

sind und bei einer Anzahl, der Untergruppe _Vertigo_, ganz fehlen.

Athem- und Geschlechtsöffnung liegen bei den rechtsgewundenen auf der

rechten, bei den linksgewundenen auf der linken Seite. Kiefer zart,

nur wenig gebogen, feingestreift, ohne Zähne am concaven Rand, nur

zuweilen mit einem feinen Vorsprung in der Mitte. Die Zungenzähne

bilden einen nach vorn schwach convexen Bogen, der Mittelzahn ist

kleiner, als die anderen. Bei _Vertigo_ sind sie nach ~Heynemann~

dreilappig. Der Geschlechtsapparat ist einfacher, als bei den Heliceen,

ohne Anhangsdrüsen. Die Pupen legen ihre Eier in eine kleine,

selbstgegrabene Höhlung des Bodens. Einige Arten sind auch lebendig

gebärend.

Die Pupen vermitteln den Uebergang zwischen _Buliminus_ und

_Clausilia_. Von den Clausilien unterscheiden sie sich durch den Mangel

des Schliessknöchelchens und der Spindelfalte, von den Bulimusarten

durch die fast gleichlangen Mundränder und die Gestalt des Kiefers.

Doch ist hier die Gränze ziemlich unbestimmt, und manche Arten mit

gezahnter Mündung, namentlich solche, deren Thier man noch nicht

genauer kennt, schwanken noch zwischen beiden.

Die Lebensweise ist bei den verschiedenen Arten verschieden. Die

grösseren aus der ersten Unterabtheilung leben an Felswänden oder auf

dem Boden, die anderen in Mulm, in hohlen Bäumen, auf feuchten Wiesen,

unter Laub und Moos. Zu ihnen gehören unsere kleinsten Schnecken. Um

sie bequemer sammeln zu können, legt man an Stellen, wo sie häufiger

sind, halbfaule Breter oder Steine aus, unter denen sie sich sammeln;

auch kann man sie bei feuchtem Wetter mit einem engmaschigen Netz

von den Wiesen abkätschern. Nach einer von ~Scholtz~ mitgetheilten

Beobachtung von ~Charpentier’s~, die ~Heynemann~ und ich bestätigen

können, kann man sie auch in Menge erhalten, wenn man Heuhaufen, die

eine Zeit lang auf Wiesen gelegen haben, über einem weissen Tuche

ausklopft und dann den Staub untersucht. Todte Exemplare findet man in

Menge im Genist der Flüsse nach den Winterfluthen.

Will man diese winzigen Thiere microscopisch untersuchen, so zerdrückt

man das Gehäuse und spült die Scherben mit Wasser ab, oder (nach

~Heynemann~) man nimmt das Gehäuse zwischen zwei Finger und wartet

geduldig ab, bis das Thierchen hervorkommt und mit lang ausgestrecktem

Körper nach einem Ruhepuncte umher tastet; dann schneidet man mit einer

Scheere den Kopf ab und bringt ihn mit einem Tropfen Glycerin zwischen

zwei Glasplatten; ein gelinder Druck macht ihn durchsichtig genug zur

microscopischen Betrachtung.

In unserem Gebiete sind bis jetzt 12 Arten aufgefunden, die sich

folgendermassen unterscheiden:

A. Gehäuse 8-10 Mm. hoch, länglich, ei-spindelförmig mit spitzem

Wirbel (Gruppe _Torquilla_ ~Studer~).

9 Umgänge, Nacken weiss mit vier durchscheinenden Strichen,

Mündung eiförmig mit 8 Falten.

_P. frumentum_ ~Drp.~

9 Umgänge, Gehäuse schlanker, hellbraun, verwittert violettgrau,

Nacken nicht weiss, nur drei durchscheinende Striche,

in der Mündung nur sieben Falten.

_P. secale_ ~Drp.~

B. Gehäuse cylindrisch mit stumpfem oder abgerundetem Wirbel,

5-9 Umgänge, die Mündung rundlich mit wenig oder gar keinen

Zähnen (Gruppe _Pupilla_ ~Leach~).

9 Umgänge, die oberen dicker als die unteren, in der

Mündung drei wenig entwickelte Falten; Höhe 5-7 Mm.

_P. doliolum_ ~Brug.~

6-7 Umgänge, im Nacken ein dicker weisser Wulst, auf

der Mündungswand ein Zähnchen. Höhe 3-4 Mm,

_P. muscorum_ L.

6 Umgänge, Gehäuse vollständig cylindrisch, zierlich gestreift,

Mündung rundlich, zahnlos, Höhe nur 1½-2 Mm.

_P. minutissima_ ~Hartm.~

5 Umgänge, Gehäuse mehr eiförmig, ganz glatt, etwas

glänzend, Mündung zahnlos; Höhe 2-3 Mm.

_P. edentula_ ~Drp.~

C. Gehäuse winzig klein, mit fünf rasch zunehmenden Umgängen,

Mündung buchtig mit 5-7 Falten; Thier ohne Unterfühler (Gruppe

_Vertigo_ ~Müll.~).

a. Gehäuse rechts gewunden.

Gehäuse ziemlich bauchig, Mündung mit 5 Zähnchen und

zwei langen Gaumenfalten.

_P. septemdentata_ ~Fér.~

Gehäuse schlanker, Mündung mit nur vier Zähnchen und

einer Gaumenfalte.

_P. pygmaea_ ~Drp.~

Gehäuse sehr bauchig, der letzte Umgang grösser, als

die drei ersten zusammengenommen; in der Mündung 6, mitunter

nur 5 Zähne.

_P. ventrosa_ ~Heyn.~

Gehäuse ziemlich cylindrisch mit stumpfer Spitze; Mündung

halbeiförmig mit 4 Zähnchen.

_P. Shuttleworthiana_ ~Charp.~

b. Gehäuse links gewunden.

Gehäuse eng durchbohrt, Mündung halbeiförmig, im

Schlund 6 Zähnchen.

_P. pusilla_ ~Müll.~

Gehäuse kaum geritzt, Mündung fast herzförmig, im

Schlunde nur 4 Zähnchen.

_P. Venetzii_ ~Charp.~

61. Pupa frumentum ~Draparnaud~.

Achtzähnige Windelschnecke.

Gehäuse schief geritzt, ziemlich walzenförmig, mit kegelförmig

ausgezogenem, ziemlich spitzem Wirbel, dicht und sehr zart gestreift

oder vielmehr sehr fein und schräg gerippt; wenig glänzend,

braungelblich, der letzte Theil des letzten Umganges hinter der

Mündung weiss. Die 9 wenig gewölbten Umgänge sind durch eine feine,

scharfbezeichnete Naht vereinigt, an Höhe sehr allmählig zunehmend, die

beiden letzten fast gleich hoch. Mündung halbeiförmig, oben durch die

Mündungswand in einer fast geraden Linie schräg abgestutzt, verengert.

Mundsaum hufeisenförmig, wenig nach aussen gebogen, aussen mit einer

breiten, oft ziemlich dicken und erhabenen Wulst eingefasst, von der

aus auf dem Nacken nach hinten ~vier~ feine, weisse Linien -- die

durchscheinenden Gaumenfalten -- auslaufen. Inwendig ist der Mundsaum

ringsum mit 8 Falten besetzt, die in das Innere des Schlundes laufen;

vier davon stehen auf der Spindelsäule und zwei auf der Mündungswand;

von diesen letzteren steht die linke ganz tief in der Mündung, die

rechte, eigentlich aus zwei verschmolzenen bestehend, ganz vorn neben

der Einfügung des Aussenrandes, der hier einen kleinen Bogen macht und

mit dem sie zusammenhängt. Nabelritz gerade, fein, mit dem Spindelrand

einen Winkel beschreibend. Höhe 6-9 Mm., Durchmesser 2-3 Mm.

Thier oben schwärzlichgrau, Fusssohle hellgrau mit schwärzlichen

Puncten.

Gesellig an sonnigen Abhängen auf frischem, sandigem oder kalkhaltigen

Boden, im Grase und an Graswurzeln, auf und unter Steinen. Das

Vorkommen ist meist auf einen kleinen Umkreis beschränkt. Dem oberen

Lahngebiet und überhaupt den gebirgigen Theilen unseres Gebietes fehlt

sie ganz. Zwischen Fachbach und Ems (~Schenkel~ bei ~Thomae~). Auf

der Mombacher Haide; an Graswurzeln im Erbenheimer Thälchen; um die

Kalksteinbrüche von Flörsheim und Hochheim (A. ~Römer~). An letzterem

Fundorte sammelte ich sie ebenfalls sehr häufig in schattigen Parthieen

der Steinbrüche unter kleinen flachen Steinen und im Moos der sonnigen

Abhänge. Bei Rossdorf in der Wetterau (~Heyn.~). An der Ebersbacher

Papiermühle bei Darmstadt (~Ickrath~). Häufig im Geniste des Main und

Rhein. Sämmtliche mir bekannte Fundorte befinden sich auf Kalkboden

oder kalkreichem Lehm (Löss).

62. Pupa secale ~Draparnaud~.

Gerstenkorn-Windelschnecke.

Gehäuse deutlich geritzt, fast walzenförmig, nach oben zu verschmälert

und mit einem stumpflichen Wirbel endend, hellbraun, im leeren,

verwitterten Zustande violettgrau, sehr fein gestreift, ohne Glanz,

schlanker als _frumentum_; 9 sehr allmählig zunehmende, wenig gewölbte

Umgänge; Mündung halbeiförmig; Mundsaum weiss, zurückgebogen.

Aussenrand etwas eingedrückt, etwas länger als der Spindelrand; von

den 7 Falten stehen drei innen auf dem Aussenrande, und je zwei auf

der Spindel und der Mündungswand; von den letzteren ist die eine

tief eingesenkt, die andere ganz vorgerückt, mit der Einfügung des

Aussenrandes verbunden, und besteht eigentlich aus zwei Falten, einer

kleineren und einer grösseren. Aeusserlich am Nacken scheinen die

drei Falten des Aussenrandes als feine Striche durch. Um den deutlich

punctförmigen Nabelritz herum ist die Basis des letzten Umganges

kielförmig zusammengedrückt. Höhe 7 Mm., Breite 2 Mm.

Thier bräunlichgrau, Kopf, Hals und Fühler schwarzgrau, Augen schwarz.

Vorzugsweise auf Kalkboden, unter Laub und Moos am Boden. Von Herrn

Dr. ~Noll~ bei St. Goar häufig gefunden. Nach A. ~Römer~ auch auf

den bemoosten Kalkhügeln von Hochheim; aber die von dort stammenden

Exemplare in dem Wiesbadener Museum sind, wie ich mich selbst

überzeugte, nur eine schlankere Form von _frumentum_.

63. Pupa doliolum ~Bruguière~.

Fässchenschnecke.

Gehäuse mit schiefem, seichtem Nabelritz, verkehrt eiförmig-walzig,

oben breiter als unten, mit ganz abgerundeter Spitze, graugelb,

durchsichtig, ziemlich glänzend, auf den oberen Umgängen ziemlich

regelmässig rippenstreifig, auf den unteren fast glatt. Umgänge 9,

wenig gewölbt, sehr langsam zunehmend; Naht wenig vertieft; Nacken

gewölbt; Mündung halbeiförmig gerundet; Mundsaum zurückgebogen,

schwach weisslippig; auf der Mündungswand eine ziemlich erhabene,

lamellenartige Falte, welche schon an jungen Exemplaren vorhanden ist.

An der Spindel 2 Falten, davon eine ziemlich verkümmert. Höhe 5-6 Mm.,

Breite 2½ Mm.

Thier hellbraungraulich, Rücken ziemlich dunkel schwarzbraun; untere

Fühler äusserst kurz.

Unter der Bodendecke, besonders unter Steinen, mitunter sehr tief

im Boden. Sie scheint nur den gebirgigen Gegenden anzugehören. Auf

der Ruine Falkenstein bei Cronberg, (~Menke~, ~Rossmässler~); im

Sandberger’schen Garten in Weilburg, an der Lahneck (~Sandb.~),

bei Schlangenbad (C. ~von Heyden~), auf der Burg Sickingen und an

der wilden Scheuer bei Steeten (A. ~Römer~). Leere Gehäuse in den

Anspülungen des Sonnenberger Baches bei Wiesbaden (~Thomae~). Erdbach

bei Dillenburg (~Koch~), Spurkenburg, Lahneck (~Servain~).

64. Pupa muscorum ~Linné~.

Moosschraube.

Gehäuse eirund-walzenförmig, stumpf, braunroth, fast glatt, wenig

glänzend; 6-7 wenig gewölbte, sehr langsam zunehmende Umgänge; Mündung

halbrund, frei oder mit einem Zähnchen auf der Mündungswand; Mundsaum

zurückgebogen, aussen mit einem schmalen, weisslichen Wulst umgeben;

Nabel bald mehr bald weniger bezeichnet, meist ein ziemlich deutliches,

enges Loch. Höhe 3½-4 Mm., Breite 1 Mm.

Thier blassgrau, Hals, Rücken und Fühler schwärzlich.

Unter Laub, Moos und Steinen, am Fusse alter Mauern fast überall, doch

mit Vorliebe an nicht zu feuchten Stellen. Allenthalben, jedoch nicht

häufig (~Thomae~). Bei Weilburg sehr häufig (~Sandb.~). Bei Dillenburg

häufig in den Anschwemmungen der Dill (~Koch~). Häufig im Frankfurter

Wald unter Steinen und altem Holz, besonders um das Forsthaus und

an der Mörfelder Chaussee (~Dickin~). Am Kugelfang des Darmstädter

Exercierplatzes (~Ickrath~). An moosigen Grünstein-Mauern auf der

Ostseite des Biedenköpfer Schlossberges, im Moos im Pfarrgarten zu

Breidenbach. Am Bahndamm unterhalb Flörsheim. Im Geniste der Flüsse ist

_Pupa muscorum_ eine der häufigsten Schnecken; trotzdem findet sie sich

nur äusserst selten lebend im Moos des Ufers, die Feuchtigkeit scheint

ihre Ansiedelung zu hindern.

65. Pupa minutissima ~Hartmann~.

Kleinste Windelschnecke.

_Syn._ _Vertigo cylindrica_ ~Fér.~

Gehäuse winzig klein, walzenförmig, stumpf, gelblich, unter der Loupe

sehr zierlich gestreift, die drei letzten der 5-6 stark gewölbten

Umgänge einander fast gleich und durch eine ziemlich tiefe Naht

vereinigt; Mündung fast rund, Mundsaum etwas zurückgebogen; Seitenrand

etwas buchtig, oben in einem Bogen angeheftet; Nabelspalte deutlich

bezeichnet. Höhe 1½ Mm., Breite ½ Mm.

Thier gelbgrau.

Unter Moos und Steinen ziemlich verbreitet, aber ihrer Kleinheit

wegen häufig übersehen. Zwischen dem Canstein’schen Garten und dem

neuen Palais in Wiesbaden, nicht selten (~Thomae~; jetzt ist freilich

der Platz verbaut). An der Armenruhmühle bei Wiesbaden und in den

Rheinanschwemmungen zwischen Biebrich und Schierstein (A. ~Römer~).

Königstein am Taunus (~Speyer~). Im Moos an Felsen des Weilweges bei

Weilburg sehr selten; an moosigen Mauern bei Schlangenbad (~Sandb.~).

Im Lahngenist bei Biedenkopf leere Gehäuse und ein lebendes Exemplar

von mir gefunden. Nicht häufig auf der Ruine Stein (~Servain~).

66. Pupa edentula ~Draparnaud~.

Zahnlose Windelschnecke.

Gehäuse sehr klein, engdurchbohrt, walzenförmig-eirund, stumpf,

gelbbräunlich, glänzend, glatt, durchscheinend, die 5-6 Umgänge

etwas gewölbt, Naht seicht; Mündung halbeiförmig; Mundsaum getrennt,

geradeaus, scharf, einfach, zahnlos. Höhe 2 Mm., Breite ¾ Mm.

Thier?

Unter abgefallenem Laub einzeln hier und da, besonders im Herbste

zu finden. Im Feldbacher Wäldchen (~Koch~). Am Bach an der

Oberschweinsteige (~Dickin~). Nicht selten unter abgefallenem Laub

unter einzeln im Nadelholz stehenden Eichenbüschen an der Goldküste bei

Biedenkopf, aber nur im Herbst; im Frühjahr konnte ich trotz eifrigen

Suchens kein Exemplar auftreiben. Ziemlich selten an Baumwurzeln an der

Burg Nassau (~Servain~).

67. Pupa septemdentata ~Férussac~.

Siebenzähnige Windelschnecke.

_Syn._ _Vertigo antivertigo_ ~Drp.~

Gehäuse rechts gewunden, sehr klein, kaum deutlich geritzt, eiförmig,

stumpf, aus wenigen Umgängen rasch entwickelt, lebhaft braungelb,

durchsichtig, glatt, stark glänzend; Mündung etwas herzförmig durch den

an den beiden Zähnen stark eingedrückten Aussenrand. Schlund verengert,

mit sieben Zähnen; von diesen stehen zwei auf der Mündungswand, drei

auf der Spindel, und zwar der oberste kleinste genau im Winkel der

Mündungswand und der Columelle, und zwei im Gaumen, und zwar der

untere längere, faltenförmige etwas tiefer eingesenkt, als der obere,

etwas kürzere, der genau auf der Stelle steht, welche einem äusserlich

befindlichen strichförmigen Eindrucke entspricht. Mundsaum etwas

zurückgebogen; Nacken wulstartig aufgetrieben. Höhe 2 Mm., Breite

1,2 Mm.

Thier schwarzgrau, ohne Unterfühler.

Diese Schnecke lebt mit Vorliebe an feuchten Stellen mitunter fast im

Wasser, unter Laub, Moos und Steinen. Um den Canstein’schen Garten

und im Dambachthal bei Wiesbaden (~Thomae~). Am Zimmerplatz bei Burg

selten unter altem Holz (~Koch~). Am Metzgerbruch bei Frankfurt auf

feuchten Wiesen (~Speyer~). Im Moos am Rand von Gräben in der Umgebung

des Sandhofes häufig. Um Biedenkopf auf feuchten Wiesen unter Steinen

und in feuchten Waldthälchen überall gemein; ich habe nicht selten

_Hydrobia Dunkeri_ und _Pisidium fontinale_ mit ihr zusammen, mitunter

an demselben Blatte sitzend gefunden, besonders im Badseiferthälchen.

68. Pupa pygmaea ~Draparnaud~.

Zwergwindelschnecke.

_Syn._ _Vertigo vulgaris_ ~Jeffr.~

Gehäuse sehr klein, rechts gewunden, etwas schlanker, als die

vorige, walzig-eiförmig mit stumpfem Wirbel, glatt, matt glänzend,

durchscheinend, gelbbraun; 5 gewölbte Umgänge; Nacken mit einer

starken Wulst und dahinter eingedrückt; Nabel punctförmig; Mündung

halbeiförmig, fünfzähnig, ein Zahn steht auf der Mündungswand, zwei

auf dem Gaumen, wovon einer fast auf dem Mundsaum, und zwei auf der

Spindel, davon der untere sehr klein, aber nie ganz fehlend. Mundsaum

getrennt, etwas zurückgebogen, Nacken dicht hinter dem Mundsaum

wulstartig aufgetrieben. Höhe 2 Mm., Durchmesser 1 Mm.

Thier blaugrau, der obere Theil des Halses und die Fühler schwarz.

Sie gleicht in der Lebensweise der vorigen, mit der man sie häufig

zusammen findet; sie kommt aber auch an trocknen Stellen vor und ist

überhaupt viel häufiger und verbreiteter, wie sie denn auch eine der

häufigsten Arten im Geniste ist. Nicht selten findet man sie auch im

Inneren hohler Baumstämme und unter der losgesprungenen Rinde.

Um den Canstein’schen Garten in Wiesbaden, auf der Feldwiese am

Schiersteiner Weg, im Erbenheimer Thälchen, an dem Schloss Dehrn im

Lahnthale (~Thomae~). Bei Weilburg am Gänsberg und Schellhof nicht

selten im Grase (~Sandb.~). Am Burger Zimmerplatz (~Koch~). Am Wege vor

dem Forsthaus bei Frankfurt (~Dickin~). Um Biedenkopf unter Steinen und

Hecken und auf Wiesen mit der vorigen allenthalben nicht selten.

69. Pupa ventrosa ~Heynemann~.

Bauchige Windelschnecke.

Fauna der Nassauischen Mollusken · 第 12 / 25 段