Gehäuse ungenabelt, kugelig oder etwas gedrückt, weiss, röthlich oder

gelb mit scharfen Binden oder einfarbig; fünf Umgänge, der letzte

gewölbt, etwas erweitert, nach der Mündung hinabsteigend; Oeffnung

weit mondförmig, etwas eckig. Mundsaum zurückgebogen, gelippt, mit

verdicktem Spindelrand.

Der Kiefer hat 2-7 starke Querleisten und einen gezähnten Rand. Ein

Liebespfeil mit vier Schneiden.

Die Tacheen leben in Hecken, in ~und~ auf Gebüschen und selbst niederen

Bäumen, mit Vorliebe in der Nähe cultivirter Ländereien; sie lieben das

Licht, ohne sich gerade der Sonne auszusetzen. An feuchten Stellen sind

sie meist lebhafter gefärbt, an sonnigen einfarbig und heller. Unsere

beiden Arten unterscheiden sich wie folgt:

Mundsaum dunkelkastanienbraun, Liebespfeil lang, gekrümmt.

_Hel. nemoralis_ L.

Mundsaum weiss, Gehäuse kleiner und zierlicher, Liebespfeil

kurz, fast gerade.

_Hel. hortensis_ ~Müll.~

51. Helix nemoralis ~Linné~.

Waldschnirkelschnecke.

Gehäuse ungenabelt, kugelig, nicht stark gestreift, zuweilen etwas

runzelig, glänzend, lebhaft citrongelb bis braunroth und von allen

zwischen diesen Farben liegenden Abstufungen, zuweilen selbst

olivengrünlich oder leberbraun, in der Regel mit fünf dunkelbraunen

Bändern, von denen die beiden obersten stets die schmälsten, die

untersten die breitesten sind; durch Zusammenfliessen oder Verschwinden

mancher oder selbst aller Bänder entstehen die mannigfachsten

Combinationen. Naht ziemlich seicht, zuletzt vor der Mündung leicht

herabgekrümmt; Mündung breit und etwas eckig mondförmig; Mundsaum

mit einer starken Lippe belegt; der bogenförmig gekrümmte, ziemlich

stumpfe Aussenrand zurückgebogen, in einem merklichen Winkel mit dem

geraden, wulstigen, ganz zurückgeschlagenen und mit der Columelle

verwachsenen Innenrande sich verbindend. Mundsaum und Mündungswand

dunkelkastanienbraun gefärbt; die Lippe ist heller als der Mundsaum

selbst, der aussen dunkel graubraun gefärbt ist. Vom Nabel ist an

ausgewachsenen Exemplaren nie eine Spur. Höhe 18-25 Mm., Breite

22-28 Mm.

Thier gelblichgrau bis dunkelschwarzgrau, an den Seiten über der Sohle

oft gelb gefleckt; von den langen, dunklen Fühlern laufen über den

Rücken zwei breitere oder schmälere, hellere oder dunklere Streifen,

die meistens zwischen sich eine hellere Linie lassen, mitunter aber

auch zusammenfliessen. Sohle hellgelblichgrau bis fast schwarz. Kiefer

hornbraun mit einem dünnen Saum am concaven Rande und 2-7 starken,

ziemlich gleichbreiten Querleisten, die breiter als die Zwischenräume

sind und am Rande stark vorspringen. Liebespfeil schlank, gekrümmt,

sehr zerbrechlich, mit einer deutlichen Krone, langem, schlankem Hals

und zwei breiten und zwei schmalen Seitenkanten.

~Varietäten.~ Es kommen grössere und kleinere, kegelförmige, kugelige

und fast flach gedrückte Exemplare vor, aber zusammen an denselben

Wohnorten, so dass man sie nicht füglich als Varietäten betrachten

kann. Eher ist dies der Fall mit einer durch rosenrothe Lippe

ausgezeichneten, sehr grossen Form, der _var. roseolabiata_. Ferner

kommen Blendlinge mit durchscheinenden Bändern, wenn auch seltener

als bei _hortensis_, links gewundene und wendeltreppenartige Formen

vor. Die meisten Verschiedenheiten entstehen durch Verschwinden oder

Zusammenfliessen von Bändern; es können dadurch nach ~Heynemann~[9]

89 verschiedene Formen, -- wenn man die verschiedenen Grundfarben

berücksichtigt, noch mehr -- entstehen. Nach G. ~von Martens~

schwindet immer zuerst das zweite Band, dann das erste, dann das

vierte, das fünfte, und zuletzt erst das dritte. Solche, bei denen

das dritte Band früher verschwindet, sind im allgemeinen selten; ich

fand indess am Schlossberg bei Biedenkopf solche Formen in allen

möglichen Combinationen nicht selten, mindestens ebenso häufig, als

fünfbänderige. Am häufigsten waren dort dreibänderige mit 3. 4. 5.

oder 3. 4. 5., dann, besonders an sonnigen Hängen, die einfarbigen;

einbänderige, nur mit dem dritten Band, gehörten dort zu den grössten

Seltenheiten.

Wie sich diese Bindenvarietäten bei der Fortpflanzung verhalten, ob sie

erblich sind, und welche Verhältnisse bei der Vermischung verschiedener

Formen eintreten, ist ein ebenso interessantes, wie leicht lösliches

Problem, über welches trotzdem noch durchaus keine Beobachtungen

gemacht sind.

Allenthalben im Lande häufig, an den meisten Orten häufiger, als

_hortensis_; nur um Dillenburg findet nach Carl ~Koch~ das Gegentheil

statt, während sie in dem benachbarten Biedenkopf ganz allein herrscht.

Im Gebirg ist sie meist kleiner und dünnschaliger, als in der Ebene. Am

lebhaftesten gefärbt findet man sie in feuchten Gärten und Waldungen;

sie gibt dort oft den schönsten tropischen Schnecken an Farbenpracht

nicht nach. Die _var. roseolabiata_ findet sich wunderschön bei

Frankfurt, am Südabhang des Sachsenhäuser Mühlbergs; sehr selten sind

Exemplare mit einem durchscheinenden Bande darunter; ein einziges

Exemplar mit drei durchscheinenden Binden, von ebendort stammend, liegt

in ~Rossmässlers~ Sammlung. -- Ein links gewundenes Exemplar und einige

Blendlinge fand ich am Schlossberg bei Biedenkopf.

Sehr selten sind Exemplare mit mehr als fünf Bändern; sie entstehen

indem entweder ein Band, meistens das zweite, sich spaltet, oder ein

sechstes Band in einem Zwischenraume auftritt. Durch Herrn Professor

~Dunker~ erhielt ich unter einer grösseren Quantität _nemoralis_ aus

der Umgegend von Marburg mehrere sechsbänderige und auch ein Exemplar

mit sieben deutlichen Binden.

52. Helix hortensis ~Müller~.

Gartenschnirkelschnecke.

Gehäuse fast ganz dem von _nemoralis_ gleich, nur kleiner und zarter,

und die Lippe des Mundsaums weiss. Meistens sind alle fünf Bänder

vorhanden, oder sie fehlen sämmtlich; Verschwinden einzelner Bänder

ist selten, häufiger das Zusammenfliessen und nicht selten findet man

sämmtliche Bänder zusammengeflossen.

Thier heller als das von _nemoralis_, aber ihm sonst vollkommen gleich.

Da beide sich nicht selten fruchtbar begatten, hat man sie lange

Zeit für Varietäten einer Art erkennen wollen, bis Adolf ~Schmidt~

im Liebespfeil einen constanten Unterschied nachwies. Kiefer im

ganzen zarter und zierlicher, als bei _nemoralis_, meist nur mit

zwei Querleisten, doch auch bis zu 6 und 7 steigend, wie der von

_nemoralis_, der meistens vier Hauptleisten trägt. Liebespfeil ziemlich

gerade und viel kürzer, als bei _Hel. nemoralis_.

Von Varietäten ist besonders die Form mit brauner Lippe zu

bemerken, _var. fuscolabiata_ oder _hybrida_, von den Belgiern

sehr unnöthigerweise als _Helix Sauveuri_ ~Colbeau~ als eigene Art

unterschieden. Sie wird von vielen für einen Bastard von _hortensis_

und _nemoralis_ gehalten, doch sind entscheidende Versuche meines

Wissens noch nicht gemacht worden. Ueber sonstige Varietäten gilt

ganz dasselbe, wie über die von _nemoralis_, nur sind Exemplare mit

durchscheinenden Bändern weit häufiger.

Ziemlich allenthalben in Nassau, doch nur um Dillenburg und Nassau

an der Lahn häufiger, als _nemoralis_. ~Thomae~ nennt sie sparsam

verbreitet und führt als besondere Fundorte an: alter Todtenhof,

Geisberg, Clarenthal bei Wiesbaden, Liebenstein und Sternberg,

Oranienstein, Gutenfels. Um Biedenkopf kommt sie nur an wenigen Puncten

und ganz einzeln vor; am Schlossberg habe ich sie nie gefunden, aber

ein paar hundert ausgesetzt, die sich wohl einbürgern werden. Auch im

Garten des Breidenbacher Pfarrhauses habe ich eine Anzahl Exemplare

ausgesetzt, die sich seit mehreren Jahren fortpflanzen.

Um Frankfurt kommt sie an den meisten Puncten vor, stellenweise nur

ungebändert; hinter Oberrad am Weg nach dem Schiessplatz in den Hecken

ist etwa ein Drittel mit rosa Lippe und gebräuntem Gaumen, aber alle

ungebändert. ~Koch~ fand die _var. fuscolabiata_ auch bei Burg und

im Feldbacher Wäldchen bei Dillenburg, mit ihnen auch Exemplare mit

dunkelgelber Lippe.

~Anmerkung.~ Eine dritte Form dieser Gruppe, _Hel. sylvatica_

~Drp.~, soll nach dem Verzeichniss von ~Speyer~ auch in der Wetterau

vorkommen; es ist das jedenfalls ein Irrthum, da diese Art nördlicher

als Carlsruhe nicht vorkommt. Wahrscheinlich haben Exemplare von

_nemoralis_, bei denen die Bänder, wie bei _sylvatica_, in Flecken

aufgelöst waren, Anlass zu der Verwechslung gegeben.

53. Helix pomatia ~Linné~.

Weinbergsschnecke.

Gehäuse bedeckt durchbohrt, kugelig, bauchig, stark, doch

unregelmässig gestreift, zuweilen fast gefaltet und auf den oberen

Umgängen mit feinen Spirallinien versehen; gelblich oder bräunlich mit

schmäleren oder breiteren, dunkleren oder helleren Bändern, von denen

zuweilen einige zusammenfliessen oder verschwinden; selten sind alle

fünf Bänder vorhanden; mitunter kommen auch bänderlose Blendlinge vor.

Die fünf Umgänge nehmen schnell an Weite zu und sind durch eine stark

bezeichnete Naht vereinigt. Mündung weit, fast eirund; Mundsaum etwas

nach aussen gebogen, an ausgewachsenen Exemplaren etwas verdickt,

röthlich oder violett lederfarben; Spindelrand als eine breite

Lamelle vor den engen Nabel gezogen, der dadurch fast bedeckt wird.

Winterdeckel hart, kalkig, stark, aussen gewölbt, innen ausgehöhlt,

ganz vorn in der Mündung stehend, dahinter ist noch eine dünne,

durchsichtige Haut ausgespannt. Höhe 30-40 Mm., Breite etwa ebensoviel.

Thier schmutzig-gelblichgrau, Kopf und Fühler fein, die übrige

Oberseite des Thieres grob gekörnelt; die Zwischenräume der Körner

bilden ein vertieftes schwarzes Netz; die Augen auffallend klein.

Kiefer stark lichtbraun, mit 4-10, in der Regel 6 starken Querleisten,

die durch weite, ebene Zwischenräume getrennt sind und am Rande als

spitze Zähnchen vorspringen. Zunge 11-12 Mm. lang mit etwa 124 Längs-

und 230 Querreihen, also etwa 26000 Zähnchen. Liebespfeil 8-10 Mm.

lang, mit deutlich unterscheidbarer Krone, Kopf, Hals und Spitze.

Die Weinbergsschnecke legt mehrmals im Jahre erbsengrosse Eier mit

weisser, häutiger Schale in kleinen Häufchen in eine Höhlung, die sie

sich selbst in die feuchte Erde gräbt und dann wieder mit Lehmklümpchen

zuwölbt.

~Varietäten.~ Man kann zwei Hauptformen unterscheiden, eine mehr

kugelige, wie sie die Abbildung nach einem Exemplar aus Biedenkopf

darstellt und eine mehr kegelförmige. ~Hartmann~ nennt die erstere

_var. rustica_. Ueber die Vertheilung beider Formen in Nassau ist mir

nichts Näheres bekannt. Auf Kalkboden sind die Exemplare viel grösser

und lebhafter gefärbt, als auf Schiefer und Sandboden.

Allenthalben an sonnigen Rainen, in Hecken und Vorhölzern, aber

im Gebirge mit Vorliebe in der Nähe der Wohnungen oder an Ruinen,

wenigstens um Biedenkopf. Auffallend war mir ihr gänzliches Fehlen im

sogenannten Breidenbacher Grund.

Im Frankfurter Wald ist sie auch auf Sandboden häufig längs aller

Chausseen, welche mit Kalksteinen gedeckt werden, aber sie entfernt

sich nur selten weiter davon, als der Kalkstaub vom Winde getrieben

wird. An den mit Basalt gedeckten Chausseen habe ich sie nicht in

dieser Weise beobachtet.

Missbildungen sind nicht selten. Linksgewundene Exemplare fanden

~Sandberger~ bei Weilburg und ~Koch~ bei Dillenburg. Eine sehr schöne

Scalaride erhielt ich leer bei Biedenkopf. Noch weit häufiger findet

man Krüppel und ausgebesserte Exemplare, denn die Weinbergsschnecke

ist durch ihre Grösse und Schwere vielen Verletzungen ausgesetzt, wo

sie, wie um Biedenkopf, an steilen, steinigen Gehängen lebt; sobald sie

durch irgend einen Zufall ihren Halt verliert, kommt sie ins Rollen und

stösst nicht selten mit solcher Gewalt an, dass die Schale zerbricht.

An manchen Stellen habe ich vergeblich nach einem unverletzten

Exemplare gesucht.

Soviel mir bekannt, werden die Weinbergsschnecken in unsrer Provinz

nirgends gewerbsmässig gesammelt oder gemästet, wie es in der Umgegend

von Ulm und in den Schweizer Klöstern geschieht. Dort werden die

Weinbergsschnecken in eignen Zwingern, die mit Mauern von Sägespänen

umgeben sind, -- das Wasser scheut _Hel. pomatia_ nicht sehr, --

gemästet und, wenn sie im Winter eingedeckelt sind, versandt oder

verspeisst. Schon die Römer hatten eigene Schneckenbehälter; im

Mittelalter waren besonders die Mönche dieser Speise hold und führten

sie in Livland, Norwegen und England, wo sie früher nicht vorkam,

ein. In ähnlicher Weise ist die verwandte _Hel. aspersa_ ~Müll.~ aus

Südeuropa an verschiedenen Puncten ausserhalb ihres eigentlichen

Verbreitungsbezirkes verwildert und _Hel. punctata_ ~Müll.~ von den

baskischen Einwanderern in die Laplatastaaten eingeführt worden.

Zehntes Capitel.

VIII. BULIMINUS ~Ehrenberg~.

Frassschnecke.

Unter dem Namen _Bulimus_, wörtlich Vielfrassschnecke, aber entstanden

aus der Verketzerung von _Bulin_, womit ~Adanson~ eine Physaart

benannte, und eben so unpassend, wie der obenstehende deutsche

Büchername, fasste ~Bruguière~ alle Gehäuseschnecken zusammen, deren

Mündung höher als breit ist, also ausser den gar nicht zu den Heliceen

gehörigen Gattungen _Limnaea_, _Physa_, _Auricula_ und _Melania_ auch

_Clausilia_, _Pupa_, _Achatina_ und _Succinea_. Mit dem Bekanntwerden

grösseren Materials musste hier eine Scheidung eintreten und

~Draparnaud~ und ~Lamarck~ trennten die genannten Arten ab. Es blieb

dann der Name nur noch den Arten mit ganzrandiger, ungleichseitiger

Mündung, die höher als breit ist, und mit nicht abgestutzter Spindel.

Sie bilden aber immer noch eine ungeheure Gruppe, in der sich kaum

zurechtzufinden war, und man muss es mit Freude begrüssen, dass die

anatomische Untersuchungen der Neuzeit in diesem Chaos verschiedene

Typen, besonders durch die Kieferbildung getrennt, nachwies. Gestützt

darauf hat man die europäischen Arten, die sämmtlich einen schmalen,

nur schwach gestreiften Kiefer haben, als _Buliminus_ abgetrennt und

lässt den alten Namen den tropischen Formen mit starkgeripptem Kiefer.

Ein neuer deutscher Name wäre ebenfalls wünschenswerth, denn es ist

komisch, eine Schnecke als Vielfrassschnecke zu bezeichnen, die

durchaus nicht mehr frisst, als andere Schnecken, und wohl nirgends in

genügender Menge vorkommt, um ernstlichen Schaden zu thun. Der Form

nach könnte man sie vielleicht nicht unpassend ~Thurmschnecken~ nennen.

In der dermaligen Umgränzung stellt sich nun der Gattungscharacter, wie

folgt:

Gehäuse länglich eiförmig oder thurmförmig, die Mündung ganz, höher als

breit, der äussere Mundsaum weit länger, als der innere; die Spindel

ist gerade, am Grunde weder abgestutzt noch ausgeschnitten; Mundsaum

bald gerade und schneidend, bald verdickt oder umgeschlagen; Mündung

mit oder ohne Zähne. Keine unserer Arten überschreitet die Höhe von

20-25 Mm.

Thier dem von Helix sehr ähnlich, aber der Geschlechtsapparat einfacher

gebaut, ohne die zahlreichen Anhangsdrüsen und ohne Liebespfeil. Kiefer

halbmondförmig, schmal, mit zahlreichen flachen, streifenartigen

Querleisten.

Von den fünf deutschen Arten kommen vier in Nassau vor; sie lassen sich

leicht nach folgendem Schema unterscheiden:

a. Mündung mit Zähnen.

_Bul. tridens_ ~Müll.~

b. Mündung ungezähnt.

Gehäuse kalkig, weiss oder mit braunen Streifen.

_Bul. detritus_ ~Müll.~

Gehäuse braun, gekörnelt, 20 Mm. hoch.

_Bul. montanus_ ~Drp.~

Gehäuse braun, nur seicht gestreift und höchstens 10 Mm.

hoch.

_Bul. obscurus_ ~Müll.~

54. Buliminus tridens ~Müller~.

Dreizähnige Thurmschnecke.

_Syn._ _Pupa tridens_ ~Drp.~

Gehäuse mit einem feinen, schiefen, oft stark bezeichneten Nabelritz,

eiförmig-länglich, Gewinde zugespitzt, in eine stumpfe Spitze

endend, unregelmässig feingestreift, wenig glänzend, gelbbraun oder

schmutziggelblich. Die 6-7 sehr wenig gewölbten Umgänge sind durch

eine stark bezeichnete Naht vereinigt; Mündung buchtig, oben mit einem

spitzen Winkel; Mundsaum getrennt oder zuweilen durch einen Wulst von

dem Aussenrande bis zum Spindelrand auf der Mündungswand fast oder ganz

verbunden. Mundsaum gelippt mit drei Zähnen, von denen einer auf dem

Aussenrand, einer auf der vortretenden Spindel und einer näher nach dem

Aussenrande hin auf der Mündungswand steht; bei alten Exemplaren bildet

meistens die Verbindungswulst auf der Mündungswand einen vierten Zahn.

Der Lippe entspricht aussen am Mundsaum eine weissliche Einfassung.

Höhe 8-14 Mm., Breite 2½-5 Mm.

Thier leimfarbig, oben schwärzlich, an den Seiten grau. Ruthe mit

winzigem Flagellum und einer kurzen Auftreibung dicht über dem

Zurückziehmuskel; am Blasenstiel ein bis zur Eiweissdrüse reichendes

Divertikel. (Ad. ~Schmidt~). Kiefer gestreift, mit schwachem Vorsprung

in der Mitte (~Moquin-Tandon~).

An trockenen, warmen Abhängen zwischen Kräutern und Moos, oft mit den

Xerophilen zusammen, und wie diese im oberen Lahnthal und an der Dill

fehlend. Sie hält sich bei trockenem Wetter sehr verborgen und man

findet dann trotz allen Suchens nur leere abgebleichte Gehäuse. Auf

dem Hessler bei Wiesbaden, um die Kalksteinbrüche bei Hochheim, auf

Sandhügeln im Mombacher Kieferwald; Burg Stein bei Nassau (~Thomae~).

Bei Hanau am grossen Damm; in Grosssteinheim an der von Stockum’schen

Mauer; an trocknen Ruinen, auch auf Lehmboden bei Dorfelden und

Hochstadt; Schlüchtern, Steinau (~Speyer~). An den verlassenen

Steinbrüchen hinter Offenbach (~Heyn.~). An der Schwedenschanze

oberhalb Frankfurt; häufig an der Bieberer Höhe (~Dickin~). Eberstadt

bei Darmstadt; sehr grosse Exemplare einzeln auf dem Exercierplatz

(~Ickrath~). Am Eisenbahndamm zwischen Höchst und Nied, wahrscheinlich

beim Aufschütten von den Hochheimer Kalkbrüchen her importirt. Bei

Sossenheim auf Löss (~Ickrath~). Bei Ems und an der Lahneck (~Servain~).

55. Buliminus detritus ~Müller~.

Kreideweisse Thurmschnecke.

_Syn._ _Bul. radiatus_ ~Bruguière~.

Gehäuse geritzt, eirund-conisch, bauchig, stark, undurchsichtig,

unregelmässig gestreift, braungrau bis reinweiss, einfarbig oder mit

braunen, unregelmässigen Querstreifen und Flecken, nicht selten der

Wirbel graublau; 7, seltener 8 wenig gewölbte Umgänge, die sehr hoch

auf einander laufen und daher nur durch eine feine Naht bezeichnet

sind; der letzte Umgang macht reichlich die Hälfte des ganzen Gewindes

aus. Mündung senkrecht, ziemlich schmal, spitzeiförmig, innen

graubraun; der nicht zurückgeschlagene Aussenrand fast noch einmal so

lang, als der den Nabel bis auf einen Ritz verdeckende Spindelrand;

Mundsaum ziemlich deutlich weisslippig. Höhe 15-22 Mm., Breite 9 Mm.

Thier gelblich, über den Rücken hin etwas dunkler.

Diese Schnecke ist in Deutschland die einzige Vertreterin der

kreideweissen Bulimusarten, die namentlich im Orient verbreitet

sind. Da sie sich nicht im Löss findet und nur an wenigen Puncten

vorkommt, wo kein Wein gebaut wird, könnte man annehmen, dass sie mit

dem Weinstock aus dem Süden eingeführt worden sei. Dass ein solcher

Transport stattfinden kann, erhellt daraus, dass ich sie in Biedenkopf,

wo sie so wenig, wie um Dillenburg, vorkommt, häufig aus importirtem

Getreide erhalten, mitunter in solchen Mengen, dass die Frucht vor dem

Mahlen gesiebt werden musste.

Sie kommt mit den Xerophilen zusammen an kalkreichen sonnigen Hängen,

Weinbergen und auf Getreidefeldern vor. Ausserordentlich gemein um

Wiesbaden, Hochheim und Flörsheim, doch nicht an der Gebirgsseite von

Wiesbaden (~Thomae~), also nur soweit Löss und Littorinellenkalke

reichen, aber nicht auf den Taunusschiefern. Sehr häufig bei Mombach.

Bei Weilburg nur am Schellhofe auf violettem, nicht sehr kalkreichem

Schalstein, nach einer neueren Mittheilung von Herrn Professor

~Sandberger~ im Aussterben begriffen, weil der früher offene Fundort

mehr und mehr von Gebüsch überwachsen und dadurch feucht wird. Von Diez

bis Lahnstein im ganzen Lahnthale häufig (~Sdbrg.~). Um Hanau fehlt

sie, findet sich dagegen häufiger im oberen Theil der Provinz Hanau,

seltner bei Gelnhausen und Wächtersbach (~Speyer~). Am Mathildentempel

und im Mühlthale bei Darmstadt sehr häufig, meist kalkweiss

(~Ickrath~). Um Frankfurt nur auf Kalkboden (~Heyn.~). Im Ried um

Leeheim und Wolfskehlen in Unmasse auf den Feldern (~Lössboden~) von

mir gefunden; am Eisenbahndamm zwischen Höchst und Nied von Flörsheim

her eingeschleppt. Bei Cronthal (~Wiegand~).

Die Frankfurter Exemplare sind meist ächte _detritus_, rein weiss,

höchstens mit ein paar dunklen Streifen; die gestreifte Form, _var.

radiatus_, findet sich dagegen sehr schön bei Mombach und an der

Erbenheimer Chaussee bei Wiesbaden (~Lehr~). Die ganz durchscheinende,

hornfarbige Form, _var. corneus_, ist meines Wissens in Nassau noch

nicht gefunden worden; sie scheint nur dem Süden anzugehören. Rein

milchweisse Exemplare dagegen finden sich nicht ganz selten an den

Flörsheimer Kalkhügeln.

56. Buliminus montanus ~Draparnaud~.

Berg-Thurmschnecke.

Gehäuse schwach genabelt, länglich conisch, etwas bauchig,

durchscheinend, rothbraun oder braungelb, bei Blendlingen mitunter

grünlich, undeutlich gekörnelt oder eigentlich durch unregelmässige

Streifen und undeutliche, unterbrochene Spirallinien unregelmässig

gegittert; 8 ziemlich gewölbte, sehr langsam zunehmende Umgänge, durch

eine ziemlich tiefe Naht vereinigt; Mündung schief, spitzeiförmig;

Mundsaum stark zurückgebogen, scharf, innen mit einer flachen Lippe;

Aussenrand stärker gebogen, als der Innenrand, der sich vor den

Nabel zieht und nur einen deutlichen Ritz von ihm übrig lässt. Höhe

16-20 Mm., Breite 6-7 Mm.

Thier gelblichgrau, obere Fühler und Rücken schwärzlich, der Mantel

schwarz punctirt und gefleckt; oft ist das ganze Thier dunkelgefleckt.

Kiefer von dem mancher Helices aus der Gruppe Fruticicola kaum zu

unterscheiden, so dass in einem blos auf die Kiefer gegründeten Systeme

unsre Schnecke von den Fruticicolen nicht zu trennen wäre, während Bul.

detritus dann zu den Xerophilen käme.

In Berggegenden in Wäldern an den Stämmen der Bäume. Aus dem Rheinthal

sind mir Fundorte nicht bekannt, aus dem Mainthal nur der Wald am

Buchrainweiher bei Frankfurt (~Dickin~). Ruine Hattstein im Taunus

(~Heyn.~). Bei Dillenburg in den Wäldern von Oberscheld, Langenaubach

und Erdbach auf Kalkboden (~Koch~). Bei Biedenkopf ziemlich selten

am Schlossberg und am Hartenberg bei Dexbach; an letzterem Orte auch

subfossil im Kalktuff.

57. Buliminus obscurus ~Müller~.

Kleine Thurmschnecke.

Gehäuse ganz ein _Bul. montanus_ im kleinen, mit deutlichem Nabelritz,

oval länglich, ziemlich bauchig, mit verschmälerter, abgestumpfter

Spitze, ziemlich glänzend, fein gestreift, nicht gekörnelt wie

_montanus_, gelb oder rothbraun, durchsichtig, dünn; Naht ziemlich

vertieft; Umgänge sieben, gewölbt; Mündung oval, oben links durch die

Mündungswand schräg abgestutzt; Mundsaum leicht zurückgebogen, mehr

oder weniger deutlich weiss oder röthlich gelippt; Aussenrand gebogener

und länger, als der Innenrand. Höhe 8-10 Mm., Breite 3-4 Mm.

Thier heller oder dunkler blaugrau, zuweilen gelbgrau; der Oberfühler

und zwei von ihnen ausgehende Rückenstreifen dunkelgrau. Kiefer sehr

zart, dünn, gestreift, fast hufeisenförmig gebogen.

Ziemlich weit verbreitet an alten Mauern, Felsen, im Moos und Gesträuch

und unter der Bodendecke, im Sommer auch an und auf Bäumen bis ziemlich

hoch hinauf. Junge Exemplare sind fast immer und auch alte häufig mit

Koth und Spinnweben überdeckt; man übersieht sie leicht, besonders an

Bäumen, wo sie Knospen täuschend ähnlich sehen.

Fauna der Nassauischen Mollusken · 第 11 / 25 段