Exemplare von _hispida_ dafür nimmt, seltener, indem man die ächte
_sericea_ für _hispida_ ansieht. Sie unterscheidet sich von derselben
sicher durch die mehr kugelige Gestalt, den engen, zum Theil bedeckten
Nabel und die weitläufiger stehenden Haare.
An feuchten Wiesen, an Bachufern, in Ruinen unter Gestrüpp. Sie
ist im Allgemeinen selten, und mehrere der angegebenen Fundorte
sind vielleicht noch zu streichen; so z. B. sicher Langenaubach bei
Dillenburg (~Koch~).
Gefunden wurde unsere Schnecke im Nerothal und unterhalb der
Dietenmühle bei Wiesbaden (~Römer~); um Weilburg mit _hispida_
zusammen, selten (~Sandb.~); Ruine Königstein, einzeln am Königsbrunnen
bei Frankfurt, Ruine Falkenstein (~Heyn.~, ~Dickin~); auf feuchten
Wiesen bei Sossenheim (~Ickrath~). Einige todte Exemplare fand ich im
Geniste der Nied bei Höchst.
44. Helix rufescens ~Pennant~.
Berg-Schnirkelschnecke.
_Syn._ _Hel. circinata_ ~Studer~, _montana_ C. ~Pfeiffer~,
_clandestina_ ~Born~.
Gehäuse offen, bald mehr, bald weniger weit genabelt, etwas kugelig
niedergedrückt, schwach gekielt, ziemlich fest, wenig durchscheinend,
fein aber ziemlich stark gestreift, daher sehr wenig glänzend, zuweilen
auch ganz matt und wie bereift; strohgelblich bis braungelb, meist
dunkler rostgelb oder bräunlich, aber unregelmässig gestreift. Die
sechs sehr allmählig zunehmenden Windungen erheben sich nur wenig zu
einem spitzwirbeligen Gewinde und sind durch eine ziemlich vertiefte
Naht vereinigt. Der letzte Umgang hat stets einen stumpfen Kiel, oft
mit einem weissen, durchscheinenden Kielstreifen. Mündung schief,
gerundet mondförmig, ziemlich weit; Mundsaum scharf, etwas erweitert,
am Innenrande zurückgebogen, aussen mit einem rothbraunen Streifen
eingefasst, innen etwas weit hinten mit einer glänzend weissen,
breiten, aber nicht sehr erhabenen Lippe belegt, die besonders auf
dem Spindel- oder Innenrande sehr stark bezeichnet ist. Nabel offen,
bis zur Spitze sichtbar, mitunter jedoch ziemlich eng. Höhe 6 Mm.,
Durchmesser 10-11 Mm.
Thier bald heller bald dunkler aschgrau; Kopf, Fühler und Rücken
dunkler, schiefergrau bis schwarz, mitunter das ganze Thier fast
schwarz, zuweilen sogar vorn fast braunroth. Der Kiefer, den ich nur
an Erdbacher Exemplaren untersuchte, ist nur wenig halbmondförmig
gekrümmt, die Enden ziemlich spitz, der concave Rand etwas verdickt;
24-26 ungleichbreite, nur durch schmale Linien geschiedene Querleisten,
die nur ganz wenig über den concaven Rand vorragen und nach den Seiten
hin etwas gekrümmt sind.
Es herrscht bei dieser Art im Namen eine ziemliche Confusion, die
durch ihre Veränderlichkeit in Grösse und Farbe noch vermehrt wird.
Wir unterscheiden mit ~Rossmässler~ die kleinere, dunkel hornbraune,
weit genabelte Form als _var. montana_. Ad. ~Schmidt~ will sie als
selbstständige Art anerkannt wissen.
Diese Art findet sich nur an wenigen, beschränkten Puncten unseres
Gebietes. Im Genist des Sonnenberger Bachs bei Wiesbaden (~Thomae~),
später auch lebend unter Steinen an der Blumsmühle von A. ~Römer~
gefunden. Am Wildweiberhäuschen und den Steinkammern bei Erdbach,
in den Ritzen der Kalkfelsen verborgen und nur bei Regenwetter zu
erlangen (~Koch~). Auf der Ruine Hattstein im Taunus (~Heynemann~).
Die Erdbacher Exemplare sind ziemlich weit genabelt, sehr dunkel und
ohne merklichen Kielstreifen, können also füglich als _var. montana_
gelten, obwohl sie durch ihr ziemlich erhabenes Gewinde und die weite,
nicht gedrückte Mündung wieder von der topischen, bei Heidelberg
vorkommenden Form abweichen; sie decken ~Rossmässlers~ Fig. 423 ganz
genau. Auf dem Hattstein kommen dunkle und helle, eng und weitgenabelte
Formen durcheinander vor, und wäre eine genaue Untersuchung der
dortigen Verhältnisse sehr zu wünschen.
45. Helix villosa ~Draparnaud~.
Zottige Schnirkelschnecke.
_Syn._ _Hel. pilosa_ ~von Alten~.
Gehäuse offengenabelt, scheibenförmig niedergedrückt, zart und dünn,
leicht zerbrechlich durchsichtig, gestreift, schwach chagrinirt,
gelblich hornfarbig bis braun, zottig, mit langen, steifen, nicht sehr
dicht stehenden Haaren. Gewinde niedrig gewölbt, Umgänge 6, etwas
niedergedrückt; Naht tief; Mündung eirund-mondförmig, breiter als hoch;
Mundsaum kaum etwas erweitert, innen etwas zurück mit einer dünnen,
breiten, glänzend weissen Wulst belegt, die auf dem Spindelrande
deutlicher als Lippe ausgeprägt ist. Höhe 5-6 Mm., Dehm. 10-12 Mm.
Thier meist gelblichgrau mit schwärzlichen Oberfühlern, von denen
aus 2 dunkle Streifen über den Rücken laufen, durch die Schale ist
ein grosser gelber Mantelfleck sichtbar. Die Fusssohle läuft in eine
scharfe Spitze aus (~v. Alten~). Kiefer mit mindestens 6, meistens mehr
flachen, gleichlaufenden Rippen.
Nur an ganz feuchten Stellen und nur bei Regenwetter umherkriechend,
sonst unter abgefallenem Laub verborgen oder an der Unterseite der
Blätter in Brombeergebüschen festsitzend. Ursprünglich in den Alpen
heimisch, ist diese Schnecke mit dem Rhein immer weiter nach Norden
gewandert, und ist, nachdem lange Zeit Speyer und Worms als die
nördlichsten Fundorte galten, in neuerer Zeit von Herrn A. ~Römer~ auch
bei Mombach gefunden worden. Herr ~Wiegand~ will sie auch bei Frankfurt
gefunden haben, doch wird diess von den übrigen Frankfurter Sammlern
entschieden in Abrede gestellt.
~Anmerkung.~ Aus der Gruppe _Fruticicola_ kommen in Deutschland
noch folgende, bis jetzt nicht mit Sicherheit in unserm Gebiete
nachgewiesene Arten vor:
_Hel. umbrosa_ ~Partsch~, der Gruppe von _rufescens_ angehörig,
aber mit stärker gewölbten Umgängen, ohne Innenlippe, der Mundrand
ausgebreitet und das Gehäuse sehr durchscheinend, dass man die
Mantelflecken des Thieres von aussen sieht. Der nächste mir bekannte
Fundort ist Sachsen.
_Hel. cobresiana_ ~von Alten~ (_unidentata_ ~Drp.~), so gross wie
_hispida_, aber eng genabelt, höher gewunden und mit einem Zahn auf dem
Innenrande der Lippe. Von ~Tischbein~ bei Bingen gefunden. (~Thomae~).
Herr Forstmeister Tischbein in Birkenfeld, an den ich desshalb schrieb,
bestätigte mir, dass er im Anfang der vierziger Jahre einmal ein
Exemplar im Rheingeniste bei Bingen, dem Anschein nach noch ziemlich
frisch, gefunden habe; dasselbe kann aber möglicherweise vom Oberrhein
her angeschwemmt gewesen sein.
Die _cobresiana_, die seit ~Römer-Büchner~ und ~Speyer~ aus
dem Frankfurter Gebiete angeführt wird, ist nach ~Heynemann~
(Nachrichtsbl. I, 13) eine _hispida_ mit Andeutung eines Zahns.
~Kreglinger~ (Binnenmollusken p. 87) dagegen versichert, dass er
die ächte _cobresiana_ aus der ~Menke~’schen Sammlung, als von Carl
~Pfeiffer~ bei Hanau gesammelt, erhalten habe. Es bleibt somit noch
zu entscheiden, ob diese Art unserem Gebiete nicht vielleicht doch
angehört.
_Hel. rubiginosa_ ~Ziegler~, zunächst mit _sericea_ verwandt, aber ohne
Schmelzleiste am Basalrand und mit dichteren, kürzeren Haaren, auch
anatomisch dadurch unterschieden, dass sie nur einen Pfeil besitzt. Sie
lebt nur an sehr feuchten Stellen, meistens gesellig. Der nächste mir
bekannte Fundort ist an der Einmündung der Sieg in den Rhein.
_Hel. carthusiana_ ~Müller~ (_carthusianella_ ~Drp.~), weiss mit
röthlichem Mundrand, starker Innenlippe und halb bedecktem Nabel.
Nächste Fundorte Kehl am oberen, Bonn am unteren Rhein.
Aus der nahe verwandten Gruppe _Petasia_ ~Beck~, kommt noch in
Mitteldeutschland die schöne kegelförmige _Helix bidens_ ~Chemnitz~
(_bidentata_ ~Gmel.~) vor, ausgezeichnet durch ihre Form, die ganz eine
Vergrösserung der _Hyalina fulva_ darstellt, und durch zwei starke,
weisse Zähne in der Mündung. Sie ist am oberen Maine durchaus nicht
selten und dürfte vielleicht bald auch Bürgerin unseres Gebietes
werden, da zwei lebende Exemplare schon von Herrn ~Kretzer~ im
Maingenist bei Mühlheim a. M. gefunden worden sind.
G. Untergattung $Xerophila$ ~Held~.
Gehäuse weit genabelt, flachgedrückt oder gedrückt kugelig, kalk- oder
kreideartig, nur an der Spitze glänzend und die Embryonalwindungen
stets dunkel, selbst schwarz; 5-6 langsam zunehmende Umgänge; Mündung
rundmondförmig oder fast kreisförmig; Mundsaum scharf, innen gelippt.
Thier mit 1-2 Liebespfeilen; Kiefer mit 6-10 starken Querleisten.
Die Arten dieser Gattung leben mit Vorliebe an trocknen, der Sonne
ausgesetzten Rainen, immer in grossen Gesellschaften, meistens zwei
Arten zusammen, und mit ihnen _Bulimus detritus_ und _tridens_.
Sie sitzen bei trocknem Wetter Tags über an Grashalmen u. dgl.
festgekittet; Nachts und bei Regenwetter kriechen sie herum. Alle
finden sich fast nur auf Kalkboden.
In unserem Gebiete finden sich drei Arten, die sich folgendermassen
unterscheiden lassen:
a. Gewinde flach, Durchmesser 14-20 Mm.
_Hel. ericetorum_ ~Müll.~
b. Gewinde mehr erhoben, Durchmesser unter 12 Mm.
Nabel enger, Umgänge sehr langsam zunehmend, glatt
oder nur fein gestreift; ein langer Liebespfeil.
_Hel. candidula_ ~Stud.~
Nabel weiter, Umgänge rasch zunehmend, stark gerippt;
zwei kurze Liebespfeile.
_Hel. costulata_ ~Zgl.~
46. Helix ericetorum ~Müller~.
Haideschnirkelschnecke.
Gehäuse sehr weit genabelt, niedergedrückt, etwas scheibenförmig,
aus sechs walzenförmigen, durch eine tiefe Naht vereinigten Umgängen
bestehend, die sich nur wenig zu einem ganz flachen Gewinde oder gar
nicht erheben. Farbe entweder gelblichweiss, nie rein porcellanweiss,
was sie von _Hel. obvia_ unterscheidet -- oder braungelblich, mit oder
ohne Bänder, unregelmässig, aber zuweilen auf den oberen Umgängen
sehr deutlich gestreift, undurchsichtig, wenig glänzend, sehr fest.
Mündung fast rund, etwas mondförmig ausgeschnitten; Mundsaum gerade,
scharf, innen etwas zurück mit einem undeutlich begränzten, weissen
Wulst belegt, dem an braungelblichen Exemplaren aussen am Nacken ein
rothgelblicher Saum entspricht. Mundränder einander sehr genähert;
Nabel sehr weit, perspectivisch das ganze Gewinde zeigend. Höhe
8-9 Mm., Durchmesser 13-20 Mm.
Thier gelblich, auf dem Rücken mit zwei breiten bräunlichen Streifen,
die von der Grundfarbe nur wenig erkennen lassen; auch die Sohle ist
von zwei breiten, nach aussen dunkler werdenden, braunen Streifen
eingefasst; dieselben werden nach hinten schmäler und erscheinen nicht
selten unterbrochen, wenn das Thier kriecht. Obere Fühler schwärzlich
grau. Es hat zwei lange, gekrümmte Liebespfeile und ist dadurch immer
von der verwandten _Hel. obvia_ ~Zgl.~ zu unterscheiden, deren Pfeile
kurz und gerade sind. Bei der Begattung wird, wie ich mich in meinem
Terrarium überzeugte, von jedem Thier nur ein Liebespfeil ausgestossen.
Auffallend ist bei dieser Form die Neigung, beim Bau des letzten oder
schon des vorletzten Umganges von der normalen Windungsebene nach unten
abzuweichen, eine Erscheinung, auf die mich ~Heynemann~ aufmerksam
machte, die aber schon dem scharfen Auge ~Hartmanns~ nicht entgangen
ist. Man kann kaum eine grössere Anzahl sammeln, ohne einige darunter
zu finden, die diese Missbildung zeigen, und gar nicht selten findet
man halbscalaride Formen, bei denen der letzte Umgang ganz unter den
vorletzten herabgeht.
An sonnigen Rasenplätzen, besonders gern an Rainen und Böschungen,
und, wo sie vorkommt, immer in grösseren Mengen. Sie scheint den
Kalkboden, und zwar nur die leichter auflöslichen jüngeren Kalke,
zu bevorzugen und kommt desshalb in vielen Gegenden gar nicht, oder
nur an beschränkten Stellen vor. Lössboden verhält sich wie Kalk.
Ihr Winterquartier bezieht sie ziemlich spät, ich fand sie im Winter
1869-70 trotz der frühzeitigen Schneefälle und Fröste noch nach
Weihnachten in grosser Anzahl munter fressend und weiterbauend. In
meinem Terrarium im geheizten Zimmer blieben sie den ganzen Winter
hindurch munter und vermehrten sich. Auch im Winter 1870-71 beobachtete
ich diese Erscheinung. Im Dillthal und im oberen Lahnthal auf Schiefer
und Stringocephalenkalk kommt sie nicht vor. In der Umgebung von
Wiesbaden häufig, zumal auf den Feldern und Wegrainen nach Bierstadt,
Erbenheim und Mosbach, an der Tränke, der Schwalbacher und Platter
Chaussee; an beiden Rheinufern; bei der Schlossruine Lahneck.
(~Thomae~). Am Schellhof, Webersberg, bei Kirschhofen, am Löhnberger
Wege; gemein. Ebenso bei Diez, Oranienstein und an der unteren Lahn,
meistens grauweiss mit und ohne Bänder; die grosse gelbliche Form bei
Diez nicht selten. (~Sandbrg.~). An mehreren Puncten um Frankfurt, an
der Salpeterhütte eine constant kleinere Form, höchstens 12 Mm. im
Durchmesser (~Heyn.~). Am Auerbacher Schlossberg eine sehr grosse Form,
kleinere im Mühlthal und am Bahndamm zwischen Arheilgen und Darmstadt
(~Ickrath~). Am Eisenbahndamm vor Höchst; bei Flörsheim. Eine kleine,
ungebänderte, stark rippenstreifige Form fand ich ganz isolirt in dem
Sande der Umgebung der chemischen Fabrik Griesheim, auf einem stark mit
Sodagyps gedüngten Kleeacker nah am Main. Mit derselben kommt noch eine
grössere vor, die auf fast reinweissem Grund meistens nur ein breites,
oberhalb der Mittellinie verlaufendes Band zeigt. Sie ist jedenfalls
vom Main angeschwemmt worden, in dessen Geniste man sie häufig lebend
findet. Desshalb kommt sie auch hier und da längs des ganzen unteren
Mains auf den Wiesen vor, ohne sich jedoch auf die Dauer auf dem
kalkarmen Boden -- Alluvialthon, kein Löss -- halten zu können.
Die von ~Thomae~ unter Nr. 42 angeführte _Hel. neglecta_ vom Damm bei
Mombach ist nach ~Heynemann~ (Nachr. Bl. I, 13) nur eine etwas enger
genabelte _ericetorum_, die hier und da einzeln unter der Stammform
vorkommt.
Nabelweite und Höhe der Windungen sind überhaupt bei unserer Form sehr
wechselnd; mit dem höheren Gewinde wird der Nabel enger, und umgekehrt,
und ich habe hier Formen gefunden, die sehr stark an _variabilis_
erinnerten.
47. Helix candidula ~Studer~.
Quendelschnecke.
_Syn._ _H. thymorum_ ~von Alten~; _Hel. unifasciata_ ~Poiret~.
Gehäuse durchbohrt bis ziemlich offen genabelt, kugelig niedergedrückt,
meist kalkweiss, selten rein, dagegen meist mit feinen, zuweilen in
Flecken oder gemeinsam in Querstrahlen -- besonders auf der Unterseite
-- aufgelösten Bändern; ziemlich stark, fast undurchsichtig, wenig
glänzend, sehr fein gestreift bis glatt. Umgänge 4½-5, unten mehr
als oben gewölbt, ein gewölbtes, oben stumpfes Gewinde bildend;
Naht mittelmässig; Mündung gerundet, meist etwas gedrückt, von der
Mündungswand etwas mondförmig ausgeschnitten, kaum breiter als hoch;
Mundsaum geradeaus, scharf, innen mit einer weissen, meist ziemlich
starken Lippe belegt. Höhe 3½-6 Mm., Durchmesser 4½-9 Mm.
Thier aschgrau, Fühler und Hals dunkler. Es hat nur einen, ziemlich
langen Liebespfeil, was sie von der folgenden, mit zwei kurzen Pfeilen
versehenen Art, scheidet.
Sie kommt fast immer mit der vorigen Art zusammen vor. An den
Sandhügeln bei Mosbach und dem Hessler, bei der Hammermühle, häufig
(~Thomae~). Am Schellhofe, Webersberg und bei Kirschhofen, gemein;
ebenso bei Diez, Oranienstein und an der unteren Lahn (~Sandb.~). Bei
Frankfurt an mehreren Puncten, am Sandhof, bei Cronthal, Flörsheim. Am
Eisenbahndamm bei Nied. Ziemlich selten um Oberlahnstein (~Servain~).
Am Auerbacher Schlossberg; eine grössere Form mit bedeutend höherem
Gewinde (_var. gratiosa_ ~Stabile~) am grossen Kugelfang des
Darmstädter Exercierplatzes (~Ickrath~).
48. Helix costulata ~Ziegler~.
Rippenstreifige Schnirkelschnecke.
_Syn._ _Hel. striata_ bei ~Thomae~.
Gehäuse genabelt, gedrückt kugelig, glänzend, stark rippenstreifig,
gelblich oder gelblichweiss, meist mit mehreren schwärzlichen Binden,
die mitunter zusammenfliessen und nur um den Nabel herum einen hellen
Streifen lassen. Umgänge 5, etwas gewölbt, ziemlich rasch zunehmend,
schneller als bei _candidula_, der letzte vornen kaum herabgezogen.
Mundöffnung erweitert, gerundet, mondförmig, der Mundsaum dünn, scharf,
innen kaum gelippt. Höhe 6½ Mm., Durchmesser 8½-9½ Mm.; doch kommen
häufig kleinere Exemplare vor.
Thier mit zwei kurzen Liebespfeilen.
Auf Sandfeldern in der Nähe des Lahndammes zwischen Eberstadt und
Darmstadt (~Noll~). Auf der Mombacher Haide leere unausgewachsene
Gehäuse überall in Menge umherliegend, lebende Thiere nur an den
Abhängen der Schiessplätze und alten Schanzen an der Unterseite
der Blätter von _Verbascum_, _Potentilla_ u. dgl. (~Heyn.~). Auf
Sandfeldern bei Castel, in der Nähe von _Salsola_ einzeln (~Sandb.~)
Aus dieser Gruppe sind ferner noch zwei Arten zu erwähnen, die
allerdings nicht zu unserer Fauna gehören, aber durch Zufall
eingeschleppt wurden und sich eine Zeit lang lebend erhielten. Die eine
_Hel. candicans_ ~Zgl.~, kam vor mehreren Jahren mit ungarischem Waizen
an und soll sich, absichtlich oder unabsichtlich ausgesetzt, mehrere
Jahre lang am Bahndamm der Mainneckareisenbahn erhalten haben, ist aber
nun wieder ausgegangen. Die andere, _Hel. acuta_ ~Müll.~, kam 1870 in
einer Menge meist junger Exemplare an zwei Dattelpalmenstämmen aus
Alexandria in die Palmengärten; ob sie sich dort länger erhalten wird,
bleibt abzuwarten; den Winter 1870-71 hat sie glücklich überstanden.
H. Untergattung $Arionta$ ~Leach~.
49. Helix arbustorum ~Linné~.
Gefleckte Schnirkelschnecke.
Gehäuse bedeckt durchbohrt, kugelig, bauchig, glänzend, etwas gestreift
und auf den oberen Umgängen mit dichten, feinen Spirallinien umzogen.
Grundfarbe kastanienbraun mit einem schmalen, dunkelbraunen Bande, das
etwas über der Mitte des letzten Umgangs, und dann bis an die Spitze
über die Naht hinläuft, bei manchen Formen aber auch fehlt; ausserdem
ist das Gehäuse mit zahlreichen unregelmässigen, zuweilen in Querreihen
gestellten, strohgelben Stricheln bedeckt oder besprengt und zeigt
meist mehrere deutliche Zuwachsstreifen; die oberen Umgänge sind
meist fleckenlos und einfarbig dunkelbraun, und bilden ein stumpfes,
sich wenig erhebendes Gewinde; Mündung gerundet mondförmig; Mundsaum
zurückgebogen, ganz frei, aussen schmutziggelb gesäumt, innen mit einer
glänzendweissen Lippe belegt. Nabel eng, von einer lamellenartigen
Verbreiterung des Spindelrandes oft fast ganz verdeckt. Naht
mittelmässig, zuletzt sehr herabgekrümmt. Höhe 12-24 Mm., Durchmesser
15-27 Mm.
Thier graublau bis schwarz, über den Rücken mit zwei dunkleren
Streifen, an der Sohle braungrau, die Oberfühler an der Spitze heller.
Kiefer hornbraun mit 4-6 stark vorspringenden, ungleichen Querleisten,
die durch tiefe Zwischenräume getrennt sind und am Rande Vorsprünge
bilden; der concave Rand ist nicht verdickt. Liebespfeil 4½ Mm. lang,
mit trichterförmiger Basis, langem gekrümmtem Hals und lancettförmiger,
breitgedrückter Spitze mit zwei stumpfen Kanten.
Man kann vor allem eine flachere und eine mehr kugelige oder
kegelförmige Form unterscheiden; sie kommen zusammen vor und sind durch
Zwischenformen mit einander verbunden. Ferner kommt sie, je nachdem die
braune Grundfarbe oder die helleren Flecken überwiegen, heller oder
dunkler, und beide Farben mit und ohne Band vor. Formen mit mehreren
Bändern, wie sie ~Hartmann~ beschreibt, habe ich aus Nassau noch nicht
gesehen; auch weicht keine der Formen genügend ab, um eine der von
~Albers~ angeführten Varietäten darin zu erkennen.
In Ebenen und Vorbergen an den Ufern der Gewässer, an feuchten Stellen
und in Gärten. In Nassau ist sie nur sehr wenig verbreitet. Sie fehlt
ganz im Lahngebiet, mit Ausnahme der nächsten Umgegend von Marburg
auf buntem Sandstein, wo sie aber nach ~Dunker’s~ Ansicht absichtlich
angepflanzt ist; es kommen dort mitunter Exemplare vor, die fast
nur aus Epidermis bestehen und sich sehr der _var. picea_ nähern.
Am Rheinufer; bei Wiesbaden selten, nur im Wellritzthal (~Thomae~).
An verschiedenen feuchten Puncten in der Umgegend von Frankfurt; im
Weidengestrüpp am Main bei Oberrad (~Römer-Büchner~), im Frankfurter
Wald, am Mühlberg ohne Band (~Dickin~). Im Schwanheimer Wald nur
am Wurzelborn; am Mainufer oberhalb Nied sehr dunkel und ziemlich
dünnschalig. Im Rödelheimer Wäldchen und am grossen Rebstock häufig.
Im Herrngarten und auf der grossen Woogswiese bei Darmstadt
(~Ickrath~). Von Langenbrombach im vorderen Odenwald erhielt ich sie
durch Herrn Lehrer ~Buxbaum~. -- Mönchbruch (~Ickr.~)
Im Maingenist sind leere Gehäuse sehr häufig und manche Fundorte mögen
durch Verpflanzung mit dem Geniste bei Sommerfluthen entstanden sein.
I. Untergattung $Chilotrema$ ~Leach~.
50. Helix lapicida ~Linné~.
Steinpicker.
Gehäuse offen und ziemlich weit genabelt, linsenförmig niedergedrückt,
scharf gekielt, fest, wenig durchsichtig, sehr fein, aber vollkommen
deutlich gekörnelt, daher nur matt gelbglänzend, gelblich hornfarbig,
oben mit unregelmässigen rostbraunen Flecken, unten mit eben solchen
Streifen; die fünf platten Umgänge erheben sich nur sehr wenig und sind
durch eine seichte von dem Kiele gebildete Naht vereinigt; bei der
Mündung krümmt sich der letzte Umgang weit unter den Kiel herab und
beide Mundränder fliessen auf der Mündungswand in eine freie, gelöste
Lamelle zusammen, wodurch der Mundsaum ein zusammenhängender, gelöster
wird. Mündung quereirund, sehr schief, gedrückt; Spindelrand bis an den
Kiel zurückgebogen, weiss und scheinbar gelippt; Aussenrand erst herab
und dann ein wenig nach aussen gebogen, bei der Vereinigung mit dem
Innenrand an dem Kiel eine kleine Bucht bildend; Nabel offen, weit und
bis zur Spitze sichtbar. Höhe 8 Mm., Durchmesser 14-16 Mm.
Thier graubräunlich, fein gekörnelt; von den Oberfühlern aus gehen zwei
dunkle Linien über den Rücken; Augenpuncte schwarz, Sohle schmutzig
gelblich. Kiefer mit 4-8 starken, parallelen Rippen und gezahntem Rand.
Ein gekrümmter, an der Basis zweischneidiger Liebespfeil mit verdickter
Spitze.
Allenthalben im Gebirge verbreitet in den Fugen der Mauern, unter
Steinen, an Felsen, mitunter auch an Baumstämmen; in der Ebene seltener
und fast nur in Waldungen an Buchenstämmen. Im ganzen Gebiete gemein,
besonders an den Burgen Sonnenberg, Frauenstein, Idstein, Eppstein,
Königstein, Cronberg, Hohenstein, Adolphseck, Katz, Liebenstein,
Sternberg, auf Rheineck, Kammerburg, Sauerburg, Stein und Nassau, an
Felsen im Lahnthal bei Runkel, an der Leichtweisshöhle bei Wiesbaden
(~Thomae~). Bei Weilburg und Dillenburg gemein (~Sdbrg. Koch~). Auf
allen Ruinen des Taunus; am Bruchrainweiher an Baumstämmen (~Dickin~).
Längs der ganzen Bergstrasse häufig (~Ickrath~). Um Biedenkopf an allen
Mauern und Felsen (besonders den aus Grünstein bestehenden) gemein; an
Baumstämmen nur im Hambachskopf bei Breidenbach.
Eine constant weisse Form fand ~Koch~ bei Burg. -- _Hel. lapicida_
scheint überhaupt sehr zu Missbildungen geneigt, obwohl sie sonst den
Typus der Art ganz ungemein festhält und keine Varietäten bildet. Ich
fand sehr häufig Exemplare, bei denen der Kiel nicht ganz genau mit
der Naht zusammenfiel, sondern über dieselbe emporstand, einmal ein
solches, bei dem der letzte Umgang vollständig unter den vorletzten
herabging, so dass das Gehäuse doppelt erschien. Ein anderes Exemplar,
das ich gleichfalls bei Biedenkopf fand, zeichnete sich durch den
gänzlichen Mangel jeder Wölbung aus; die obere Fläche war platt, wie
ein Tisch.
In Folge des Aufenthaltes findet man die Gehäuse nicht selten
beschädigt und ausgebessert, und im Frühjahr, wenn sie ihre
Schlupfwinkel verlässt, sind sie mit Koth und Spinnweben überzogen, wie
_Bulimus obscurus_ und _Succinea oblonga_, bei denen man eine besondere
Absicht darin finden will.
K. Untergattung $Tachea$ ~Leach~.