auch in Nassau gemein sind, eine stark gerippte Form, _Hel. costata_
~Müll.~, und eine glatte Form, _Hel. pulchella_ ~Müll.~ Sie werden
der gemeinsamen Lebensweise wegen von vielen für Varietäten einer
Art gehalten, z. B. von ~Rossmässler~, ~von Martens~, ~Bielz~.
Dagegen trennt sie L. ~Pfeiffer~ und auch Ad. ~Schmidt~ macht darauf
aufmerksam, dass trotz des gemeinsamen Vorkommens Zwischenformen sehr
selten oder nie gefunden werden. Wären sie grösser, so würde Niemand
auf die Idee kommen, sie für eine Art zu halten, und ich ziehe desshalb
auch vor, sie als getrennte Arten zu betrachten.
34. Helix costata ~Müller~.
Gerippte Schnirkelschnecke.
Gehäuse sehr klein, weit genabelt, gelblichweiss, halbdurchscheinend,
mit häutigen Rippen. Windungen 3½, mässig gewölbt, regelmässig
zunehmend, die letzte vornen etwas nach unten gebogen, nicht erweitert.
Mündung etwas schräg, fast cirkelrund, nur sehr wenig durch die
Mündungswand ausgeschnitten. Mundsaum weiss, zurückgebogen, fast
zusammenhängend, mit einer glänzendweissen Lippe. Höhe 1,5 Mm.,
grösster Durchmesser 3, kleinster 2,5 Mm.
Thier weiss, durchsichtig, schleimig, mit dunklen Augenpuncten auf den
deutlich unterscheidbaren Oberfühlern; die Unterfühler klein, kaum
sichtbar.
Allenthalben unter Moos und Steinen gemein, auch an trocknen Orten,
wo _pulchella_ nicht vorkommt. Bei Wiesbaden, an Felsen im Rhein- und
Lahnthal, in den Ruinen daselbst überall häufiger als die glatte Form
(~Thomae~). Ebenso im Dillthale (~Koch~), um Frankfurt und am Taunus
(~Heyn.~) und bei Biedenkopf. Bei Weilburg fand ~Sandberger~ immer nur
die glatte Form.
35. Helix pulchella ~Müller~.
Niedliche Schnirkelschnecke.
_Syn._ _Hel. costata var. pulchella_ ~Rossm.~, ~Icon.~
Gehäuse weisslich, glänzend, durchsichtig, glatt, weitgenabelt. Der
letzte der 3½ Umgänge an der Mündung nicht heruntergebogen. Mündung
schief, fast kreisförmig. Der Mundsaum zurückgebogen, mit schwächerer
weisser Lippe; die Ränder nur genähert, nicht zusammenhängend.
Dimensionen und Thier wie bei voriger Art.
Allenthalben, aber nur an feuchten Orten, namentlich an Flussufern.
Nach ~Sandberger~ kommt bei Weilburg nur sie vor, auch bei Schwanheim
am Mainufer fand ich nur _pulchella_.
Fossil im Diluvialsand von Mossbach und in den Miocänschichten von
Wiesbaden und Hochheim (~Sdbrg.~).
D. Untergattung $Gonostoma$ ~Held~.
36. Helix obvoluta ~Müller~.
Eingerollte Schnirkelschnecke.
Gehäuse offen und weit genabelt, scheibenförmig, oben und unten platt,
dunkel rothbraun, glanzlos, ziemlich fest, undurchsichtig, behaart
mit ziemlich weitläufig stehenden, einfachen, geraden, ziemlich
langen Haaren. Die sechs seitlich gedrückten, dicht gewundenen,
durch eine tiefe Naht vereinigten Umgänge bilden ein ganz flaches
oder selbst etwas concaves Gewinde. Mündung stumpf dreieckig oder
seicht dreibuchtig; Mundsaum bogig zurückgebogen, wulstig, mit einer
schmutzig-lilafarbnen oder braunröthlichen Lippe, aussen mit zwei
Eindrücken. Nabel bis zur Spitze offen. Höhe 6 Mm., grosser Durchmesser
13-14, kleiner 10-12 Mm.
Thier stark gekörnt, grau, Kopf, Oberfühler und zwei von ihnen
ausgehende Rückenstreifen schwärzlich, Fuss hellgrau, lang und spitz.
Mantel gelblichweiss mit grauschwarzen Flecken; die Unterfühler sehr
kurz. Kiefer mit 10-12 wenig vorspringenden Leisten. Nach Ad. ~Schmidt~
hat das Thier eine dicke Ruthe ohne Flagellum, kein Divertikel am
Blasenstiel und einen verkümmerten Pfeilsack ohne Pfeil.
Diese schöne Schnecke findet sich an dumpfen, feuchten Orten unter
Laub und Steinen ziemlich weit verbreitet, aber häufig nur local. Sie
scheint die hügeligen Gegenden vorzuziehen, und namentlich in Ruinen
wird man sie nicht leicht vermissen. Nur bei sehr feuchtem Wetter
findet man sie an Steinen und Grashalmen umherkriechend; bei anhaltend
trocknem Sommer verschliesst sie ihr Gehäuse, wie im Winter, mit
einem pergamentartigen Deckel. Sie ist eine der ersten Schnecken, die
Winterquartiere aufsuchen, und verkriecht sich an passenden Plätzen
mehrere Fuss tief unter Geröll und Steine.
Vereinzelt im Nerothal, häufiger auf den Ruinen Katz, Liebenstein,
Sternberg, Gutenfels, Sickingen, Waldeck, Lahneck, Marxburg,
Spurkenburg, in verschiedenen Thälern um Nassau, im Wisperthal, an
vielen Plätzen im Lahnthal (~Thomae~). Im Forstorte Hain bei Schloss
Schaumburg häufig (~Tischbein~). Um Weilburg nicht selten (~Sdbrg.~).
Bei Diez (~Schübler~). Um Dillenburg bei Oberscheld und Erdbach selten
(~Koch~). In den Ruinen des Taunus, bei Cronthal, aber nicht im
Frankfurter Wald (~Heyn.~, ~Dickin~). Nicht selten am Schlossberg bei
Biedenkopf und am Hartenberg bei Dexbach.
~Varietäten.~ ~Gärtner~ führt von Steinau bei Hanau eine Form mit
gezahnter Mündung an; dieselbe Form erhielt ich auch durch Herrn
~Becker~ vom Auerbacher Schlossberg; die beiden Wülste, welche auf dem
Mundsaum stehen und die Mündung stumpf dreibuchtig machen, sind bei ihr
stärker als normal entwickelt, doch durchaus nicht in dem Grade, wie
bei _holoserica_.
Ferner kommen mitunter Exemplare vor, die kaum die Hälfte der normalen
Grösse erreichen, aber sonst durchaus in Nichts von der Stammform
abweichen.
~Anmerkung.~ Aus dieser Gruppe kommt in Deutschland noch vor die sehr
ähnliche _Hel. holoserica_ ~Stud.~; sie gleicht unserer Art ganz in der
Form, ist aber durch die Zähne in der Mündung leicht zu unterscheiden.
Sie findet sich in den Alpen und in den schlesischen und sächsischen
Gebirgen.
E. Untergattung $Triodopsis$ ~Rafinesque~.
37. Helix personata ~Lamarck~.
Maskenschnecke.
Gehäuse bedeckt durchbohrt, gedrückt kugelig, zart, zerbrechlich,
durchscheinend, glanzlos, hornbraun, ganz und gar mit unendlich feinen
Höckerchen besetzt, die unter dem Microscop ein sehr zierliches Bild
geben, dadurch fein chagrinirt, ausserdem noch mit kurzen, geraden,
nicht sehr dicht stehenden Härchen bedeckt. Die fünf convexen, sehr
allmählich sich entwickelnden, durch eine ziemlich vertiefte Naht
vereinigten Umgänge erheben sich nur wenig zu einem abgerundeten, ganz
stumpfen Gewinde. Mündung eckig dreibuchtig, verengert; Mundsaum breit
zurückgeschlagen, scharf, aussen tief eingekerbt und am Spindelrande
auf den Nabel, der dadurch fast ganz verdeckt wird, zurückgeschlagen,
am Aussenrand etwas ausgehöhlt und mit einer stark zusammengedrückten,
braungelblichen Lippe belegt; jeder der Ränder, die in einem fast
rechten Winkel aufeinanderstossen, trägt ein kleines, weisses Zähnchen,
und auf der Mündungswand steht quer von einem Rande zum andern eine
glänzendweisse, erhabene Leiste, durch welche die Mündung sehr verengt
wird. Höhe 6 Mm., grosser Durchmesser 11-12, kleiner 9-10 Mm. Exemplare
aus Südöstreich sind mitunter bedeutend grösser.
Thier grau, Kopf, Rücken und Fühler schwarz, Sohle grau. Kiefer mit
3-5 vorspringenden Leisten und gezahntem Rand. Die Organisation
des Geschlechtsapparates nähert sich nach ~Ad. Schmidt~ auffallend
der der Campyläen, aber auch _Hel. holoserica_ zeigt, trotz ihrer
Schalenähnlichkeit mit _obvoluta_, grosse Uebereinstimmung mit dem Bau
von _personata_. Ein verhältnissmässig langer, fast kegelförmiger,
wenig gebogener Liebespfeil.
Diese schöne Schnecke steht in der deutschen und selbst der
europäischen Fauna ganz isolirt; Verwandte finden sich nur in Amerika.
Sie hält sich an denselben Fundorten auf, wie _obvoluta_, und gleicht
ihr auch in der Lebensweise, nur dass sie um vieles lebhafter ist und
bei feuchtem Wetter lustig an Steinen und Grashalmen emporkriecht.
Der Winterdeckel ist pergamentartig, weiss. Aufgefallen ist mir
immer, dass frische Exemplare im Spätherbst so ganz dünnschalig, fast
nur aus Epidermis bestehend, waren, dass man sie ohne weiteres zu
microscopischen Präparaten verwenden konnte, obwohl die Mündungszähne
fertig gebildet waren, während ich sie im Frühjahr an derselben Stelle
viel dickschaliger fand, dass sie also erst nach Vollendung der Mündung
und im Laufe des Winters die inneren Schalenschichten ablagern. Das
Gehäuse verwittert nach dem Tode sehr rasch, so dass fast nie ein
leergefundenes für die Sammlung brauchbar ist; bei _obvoluta_ ist diess
viel weniger der Fall.
Man findet sie meist nur an isolirten Puncten, aber dann stets in
grösserer Gesellschaft. Um die Ruinen Stein und Nassau (~Tho.~). Am
Webersberg bei Weilburg (~Sdbrg.~). Im Aubachthal zwischen Langenaubach
und Rabenscheid und bei Oberscheld (~Koch~). Sehr häufig im Forstorte
Hain bei Schloss Schaumburg (~Tischbein~). Ich sammelte sie in Menge am
Schlossberg bei Biedenkopf, wo sie weit häufiger als _obvoluta_ ist. Im
Taunus ist sie von den Frankfurter Sammlern noch nicht gefunden worden,
nur Herr ~Wiegand~ will ein todtes Exemplar auf der Ruine Reiffenstein
gefunden haben; doch scheint mir diess zweifelhaft, da unsre Schnecke,
wie schon erwähnt, immer in Gesellschaft vorkommt und sich also wohl
auch dort mehr Exemplare hätten finden müssen.
F. Untergattung $Fruticicola$ ~Held~.
Gehäuse genabelt oder durchbohrt, gedrückt kugelig, bisweilen behaart;
5-7 ziemlich gewölbte Umgänge; Mündung weit oder rundmondförmig;
Mundsaum scharf, innen mit einer Lippe versehen; der Basalrand
zurückgeschlagen.
Kiefer mit zahlreichen schwachen Leisten, bis zu 20, am Rande
feingezähnt, ziemlich dünn. Liebespfeile 1 oder 2, conisch oder
gekrümmt, mit mehrschneidiger Spitze.
Die Fruticicolen oder Laubschnecken leben im Gegensatz zu den vorigen
nicht auf der Erde, sondern mit Vorliebe auf Laub und Kräutern, _Hel.
hispida_ besonders auf Brennesseln. Nur _Hel. incarnata_ macht hierin,
wie in manchen anderen Puncten eine Ausnahme, sie findet sich mit den
vorigen Gruppen unter Laub und Steinen. Alle Arten lieben dunkle,
schattige Stellen, um so mehr, wie Ed. ~von Martens~ treffend bemerkt,
je dunkler sie sind. Im Allgemeinen scheinen sie mehr dem Flachland
als den Gebirgen anzugehören; im Lahnthal oberhalb Marburg fand ich
ausser _incarnata_ nur _depilata_ an einzelnen Stellen, während in dem
benachbarten, aber tiefer gelegenen und kalkreichen Dillthal, fünf, in
der Maingegend acht Arten vorkommen.
Unsere Arten lassen sich unterscheiden, wie folgt:
A. Gehäuse kegelförmig, enggenabelt.
Oberhaut wie bereift aussehend, die Mantelflecken des Thieres
durch das Gehäuse durchscheinend, Mündung stark gelippt, Höhe
9-10 Mm., Durchmesser 12-14 Mm.
_Hel. incarnata_ ~Müll.~
B. Gehäuse fast kugelig.
a. Nabel ziemlich weit, Mundsaum innen kaum gelippt, Gehäuse 16-18
Mm. hoch, 18-20 Mm. breit.
_Hel. fruticum_ ~Müll.~
b. Nabel sehr weit, Mundsaum innen gelippt, Gehäuse flacher, 9-10
Mm. hoch, 13-15 breit.
_Hel. strigella_ ~Drp.~
C. Gehäuse niedergedrückt.
a. Nabel ziemlich weit, Gehäuse haarig, Mündung rund, innen
stark gelippt. Höhe 5-6 Mm., Breite 9-10 Mm.
_Hel. hispida_ L.
b. Nabel weit, Gehäuse unbehaart, glänzend, Mündung mehr
niedergedrückt, als bei voriger Art. Dimensionen dieselben.
_Hel. depilata_ C. ~Pfr.~
c. Nabel eng, halb vom umgeschlagenen Mundsaume bedeckt, Gehäuse
behaart. Höhe 4 Mm., Breite 6-7 Mm.
_Hel. sericea_ ~Drp.~
d. Nabel weit, Gehäuse glatt, schwach gekielt, der letzte Umgang
mit einer weisslichen Gürtelbinde. Höhe 6-8 Mm., Breite
10-14 Mm.
_Hel. rufescens_ ~Penn.~
e. Nabel offen, Gehäuse zottig behaart; Höhe 5-6 Mm., Breite
10-12 Mm.
_Hel. villosa_ ~Drp.~
Die Unterscheidung ist durchaus nicht leicht, und namentlich die
kleineren Arten werden vielfach verkannt und verwechselt.
38. Helix incarnata ~Müller~.
Röthliche Schnirkelschnecke.
_Syn._ _Hel. sylvestris_ ~Hartmann~.
Gehäuse durchbohrt, flach kegelförmig mit wenig erhabenem, aber doch
spitz endendem Gewinde, stumpf gekielt; Farbe hellröthlichbraun bis
dunkelrothbraun mit einem weissen, durchscheinenden Kielstreifen; ein
feiner, aus winzigen Schüppchen bestehender Ueberzug lässt frische
Gehäuse wie bereift, und desshalb matt und glanzlos erscheinen; er
wischt sich aber sehr leicht ab und dann wird das Gehäuse glänzend.
Unter der Loupe erscheint es wenig gestreift, feingekörnelt. Sechs
ziemlich gewölbte, sehr allmählich zunehmende, durch eine tiefe Naht
vereinigte Umgänge. Mündung gedrückt mondförmig, Mundsaum scharf,
zurückgebogen, aussen braunroth gesäumt, innen mit einer fleischrothen,
besonders am Spindelrande stark entwickelten Lippe. Nabel sehr
eng, aber fast bis zur Spitze offen, etwas von einer Verbreiterung
des Spindelrandes bedeckt. Höhe 9-10 Mm., Breite 14-16 Mm. Die
Gebirgsexemplare sind meistens bedeutend kleiner.
Thier sehr schlank, in der Farbe veränderlich, gelbroth, schmutzig
fleischfarben, rothbraun bis schwärzlich, Fühler dunkelbraun, Augen
schwarz, Mantel mit schwarzen Flecken, die durchs Gehäuse durchscheinen
und dem lebenden Thiere ein Ansehen geben, das von dem des leeren
Gehäuses sehr verschieden ist. Kiefer stark halbmondförmig gebogen, am
concaven Rande verdickt, mit 23-30 ziemlich gleichbreiten Querleisten,
die nur durch feine Linien von einander getrennt, zu beiden Seiten
etwas gebogen sind und nicht über den concaven Rand vorragen.
Liebespfeil gekrümmt, lang, die Spitze schraubenartig rechts gewunden
mit zwei breiten Schneiden.
Eine kleine Form mit fast ganz bedecktem Nabel nannte ~Ziegler~ _Hel.
tecta_ (~Pfeiffer~; nach Ad. ~Schmidt~ ist _Hel. tecta_ ~Zgl.~ =
_vicina_ ~Rossm.~). _Hel. sericea_ ~Müll.~, nicht zu verwechseln mit
_sericea_ ~Drp.~, ist nach ~Beck~ nur eine junge _incarnata_. Im Taunus
und bei Biedenkopf findet sich eine kleine Form, die aber bis auf die
Grösse ganz mit der Stammform übereinstimmt und also nicht als eine
besondere Varietät angesehen werden kann.
Diese Schnecke findet sich ziemlich überall in unserer Provinz,
mit _Hel. obvoluta_ als regelmässige Bewohnerin der Ruinen, und
in Gebirgswaldungen unter Laub und Steinen. Sie bezieht ihre
Winterquartiere ziemlich spät; ihr Winterdeckel ist häutig mit Spuren
von Kalk, und liegt ziemlich weit zurück in der Mündung.
Gefunden wurde sie bis jetzt im Nerothal und am Kieselborn bei
Wiesbaden, auf den Ruinen Frauenstein, Adolphseck, Kammerburg,
Rheineck, Katz, Liebenstein, Sternberg, Spurkenburg, Stein, Dehrn, bei
Steeten, Runkel, Villmar, im Mühlbach-, Wörsbach- und Hasenbachthal
(~Thomae~). Bei Schloss Schaumburg (~Tischbein~). Am Karlsberge
bei Weilburg (~Sdbrg.~). Nicht häufig bei Limburg (~Liebler~). In
schattigen Wäldern auf Kalkboden um Dillenburg bei Oberscheld, Eibach,
Rabenscheid, Breitscheid und Langenaubach (~Koch~). Im Frankfurter
Wald, besonders am Königsbrunnen häufig; in den Wäldern und Ruinen des
Taunus (~Heyn.~, ~Dickin~). Um Biedenkopf fast überall ziemlich gemein,
besonders häufig um die Schlossruine. Im Schwanheimer Wald nicht häufig.
39. Helix fruticum ~Müller~.
Stauden-Schnirkelschnecke.
Gehäuse offen und tief genabelt, aus 5-6 stark gewölbten, durch eine
ziemlich tiefe Naht vereinigten Umgängen bestehend, durchscheinend,
ziemlich stark, sehr fein quergestreift und mit äusserst feinen
Spirallinien dicht umzogen, daher fast ohne Glanz, gelblichweiss oder
röthlich bis braunroth, zuweilen auf der Mitte der Umgänge mit einem
schmalen, nicht scharfbegränzten, dunkelbraunrothen Bande, Mündung
gerundet mondförmig, ziemlich weit; Mundsaum etwas nach Aussen gebogen,
besonders der Spindelrand; innen meist eine sehr flache weisse oder
bläulich irisirende schwache Lippe. Nabel bis zur Spitze offen. Höhe
16-18 Mm., Durchmesser 18-20 Mm.
Thier je nach der Farbe der Gehäuse verschieden gefärbt, in den dunklen
braunröthlich bis dunkelrothbraun, in den helleren gelblichweiss oder
fleischröthlich. Von den Fühlern laufen zwei kurze graue Striche über
den Rücken. Mantel schwarzbraun oder blauschwarz gefleckt, durch
den letzten Umgang durchscheinend, der desshalb bei dem lebenden
Thiere schön gefleckt erscheint. Liebespfeil nur 2 Mm. lang, gerade,
kegelförmig zugespitzt; an der Ruthe kein Flagellum. Kiefer hell
hornfarbig, mit 4-5, durch tiefe Zwischenräume getrennten Querleisten,
die als Zähne bedeutend über den nicht verdickten, concaven Rand
hinaustreten. Der Kiefer weicht von dem der anderen Fruticicolen so
weit ab, dass in einem darauf gegründeten System _Hel. fruticum_
von den nach ihr genannten Fruticicolen weit getrennt werden müsste,
während andererseits dann _Bul. montanus_ hierhergehören würde.
Sie findet sich in dichten Büschen und Vorhölzern, unter und auf
Stauden und Gesträuchen. Im Winter schliesst sie ihr Gehäuse durch 2-3
papierartige Deckel, die im Inneren je 2-3″, hinter einander angebracht
werden. Im Nothfall scheint sie auch animalische Nahrung nicht zu
verschmähen, denn Ad. ~Schmidt~ fand in ihrem Magen Reste eines jungen
Exemplars derselben Art, ein Cannibalismus, den ich aber auch bei
anderen grösseren Schnecken beobachtet habe.
Man kann der Farbe nach drei Varietäten unterscheiden, die einfarbig
weisse oder gelbweisse, die einfarbig rothe oder rothbraune, und die
seltnere gebänderte.
Auf dem alten Todtenhof und in der Dambach bei Wiesbaden, Lahneck, auf
dem Judentodtenhof oberhalb Nassau, in einer Schlucht unter Schadeck
bei Runkel (~Tho.~). Bei Weilburg im Frühjahr überall gemein, beide
einfarbige Varietäten ziemlich gleichmässig verbreitet (~Sdbrg.~). Bei
Sinn in Hecken nicht häufig; am Schlossberg und in der Marbach bei
Dillenburg häufig, aber nur die rothbraune Form (~Koch~). Bei Mombach
(~Lehr~). Um Frankfurt besonders häufig am Röderberg, bei Oberrad und
am Königsbrunnen. Bei Sossenheim auf Lössboden die helle Form sehr
häufig; die helle Form an Achens Mühle, die rothbraune am Steinbrücker
Teich bei Darmstadt (~Ickrath~). Im Lahnthal kommt sie noch bei Marburg
in der Marbach auf Buntsandstein ziemlich häufig vor, findet sich aber
oberhalb im Kreise Biedenkopf nicht mehr.
Die gebänderte Form bei Wiesbaden und Mombach einzeln unter der
Stammform (~Lehr~); ebenso bei Darmstadt (~Ickrath~).
Exemplare mit mehreren Bändern, wie sie ~Hartmann~ aus der Schweiz
beschreibt, sind meines Wissens in unserem Gebiete noch nicht
aufgefunden worden.
40. Helix strigella ~Draparnaud~.
Gestreifte Schnirkelschnecke.
Gehäuse offen und weit genabelt, gedrückt kugelig, aus 6 gewölbten,
durch eine ziemlich tiefe, am Ende sehr herabgebeugte Naht vereinigten
Umgängen bestehend, gestreift, wenig glänzend, hell hornbräunlich,
auf der Mitte des letzten Umgangs mit einem weisslichen Bande; oft
weichhaarig, doch mit äusserst kurzen und leicht löslichen Härchen;
Mündung etwas gedrückt, gerundet mondförmig; Mundsaum am Innenrand
zurückgebogen, innen mit einer flachen, weissen oder violetten Lippe
belegt, aussen röthlichgelb oder braunroth gesäumt, Aussenrand dem
Innenrand sich sehr nähernd; Nabel ziemlich offen, bis zur Spitze
gehend. Höhe 9-10 Mm., Breite 13-15 Mm.
Thier graugelblich mit schwärzlichen Fühlern, Mantel schwärzlich
gefleckt, ein Liebespfeil ist nicht vorhanden.
Sie gleicht in ihrer Lebensweise der vorigen, ist aber viel seltner
und scheint für gewöhnlich nur einzeln vorzukommen. Im Mühlthal bei
Wiesbaden, an der Ringmauer bei Flörsheim, bei der Marxburg zu Braubach
unter Gebüschen, Brennesseln und Gras (~Tho.~). Am Johannisberg bei
Nauheim (~Heyn.~). Einzeln am Auerbacher Schlossberg (~Ickrath~). Bei
Sossenheim (~Ickrath~). Einzeln im Frankfurter Wald. Nicht selten in
dem die Flörsheimer Kalksteinbrüche durchschneidenden Thälchen. (!)
41. Helix hispida ~Müller~.
Borstige Schnirkelschnecke.
Gehäuse offen und ziemlich weit genabelt, fast scheibenförmig
niedergedrückt mit convexem Gewinde, gelbgrau, hornfarbig bis
hellrothbraun, oft mit rothbraunen Querstreifen, meist mit einem
hellen, durchscheinenden Kielstreifen, mit kurzen, ziemlich dicht
stehenden gekrümmten Härchen bedeckt, ziemlich deutlich gestreift,
wenig glänzend; Umgänge 5-6, niedergedrückt, der letzte mit einem
schwach angedeuteten, abgerundeten Kiel. Mündung breit mondförmig,
gedrückt, breiter als hoch; Mundsaum schwach erweitert, in der Nähe des
Nabels selbst schwach zurückgebogen, scharf, innen mit einer glänzend
weissen Wulst belegt, die am Spindelrande eine stärker ausgeprägte
Lippe bildet, der aussen ein gelblichweisser Saum entspricht. Höhe
3-3½ Mm., Breite 7 Mm.
Thier gelbgrau bis schiefergrau mit zwei schwärzlichen Rückenstreifen,
schlanker, nach hinten stark zugespitzter Sohle und dünnen Oberfühlern.
Es hat zwei ¾ Mm. lange Liebespfeile, die kegelförmig zugespitzt,
an der Spitze stark ausgezogen und bisweilen etwas gekrümmt sind.
Der Kiefer ist stark halbmondförmig gebogen und am convexen Rande
verdickt; seine Querleisten, die nur durch feine Linien von einander
getrennt sind, ragen nicht über diesen Rand hinaus; die äusseren
Querleisten sind etwas gekrümmt.
In Hecken und Gestrüpp an Bachufern überall gemein. Ueberall in Nassau
(~Thomae~). Gemein um Weilburg (~Sdbrg.~), Dillenburg (~Koch~),
Frankfurt (~Heyn.~), Hanau (~Speyer~). Im oberen Lahnthal kommt sie nur
ganz isolirt vor; ich fand sie um Biedenkopf nur an dem Chausseedamm
bei Wolfgruben und erhielt sie durch meinen Bruder von dem alten
Schloss zu Breidenstein.
Nach ~von Martens~ (_Alb. Hel. H._) war sie in der Diluvialzeit
häufiger und verbreiteter, als jetzt; das häufige Vorkommen im Diluvium
beweist aber nur, dass sie schon damals mit Vorliebe an Bächen und
Flüssen lebte und desshalb häufig in deren Anschwemmungen gerieth, in
denen sie auch jetzt noch häufig ist; ein Schluss auf die relative
Häufigkeit lässt sich aber aus dem fossilen Vorkommen so wenig wie aus
dem im heutigen Geniste ziehen.
42. Helix depilata ~C. Pfeiffer~.
Haarlose Schnirkelschnecke.
Gehäuse sehr weit genabelt, gedrückt-kugelig, gestreift, glänzend,
hornfarbig. Sechs enggewundene, starkgewölbte Umgänge, der letzte mit
einer schwachen, stumpfwinkligen Kante und weisslichem Kielstreifen;
Nabel weit, durchgehend; Mündung gedrückt mondförmig; Mundsaum scharf,
gerade, innen mit einer weissen Lippe belegt; Basalrand gerade,
bildet mit dem kurzen Spindelrande einen Winkel. Höhe 4 Mm., grosser
Durchmesser 8, kleiner 7 Mm. (L. ~Pfeiffer~, ~Mon.~).
Thier von dem der _Hel. hispida_ nicht verschieden, auch die Pfeile
gleich.
Diese Art ist jedenfalls die streitigste unter unseren Fruticicolen;
man hält mitunter abgeriebene Exemplare von _sericea_, _hispida_
und selbst _rufescens_ für die ~Pfeiffer~’sche _depilata_ und
bestreitet ihr demgemäss die Artgültigkeit. Die ächte, obiger Diagnose
entsprechende _depilata_, bei der selbst mit der stärksten Loupe
Haarwurzeln nicht zu finden sind, unterscheidet sich durch den weiten
Nabel, das höhere Gewinde und die gedrücktere Mündung genügend von
_hispida_ und _sericea_, um als eigene Art angesehen zu werden.
~Varietät.~ Am Mainufer findet man mitunter eine besonders
hochgewundene und in Folge davon auch enggenabelte Form, die leicht für
eine abgeriebene _sericea_ gehalten werden kann, doch ist der Nabel
immer noch weiter und weniger bedeckt, als bei dieser Art.
Im Nerothal, Wellritzthal und um Sonnenberg bei Wiesbaden (~Thomae~).
Im Gebück bei Weilburg (~Sandb.~). Bei Diez (~Schübler~). Im Hofe
des Marstalls zu Dillenburg (~Koch~). Um Frankfurt am Mainufer nicht
selten; eine besonders grosse Form am Wendelweg. (~Dickin~).
43. Helix sericea ~Draparnaud~ (non ~Müller~).
Seidenglänzende Schnirkelschnecke.
Gehäuse durchbohrt, fast kugelig, etwas niedergedrückt, hornbraun bis
horngrau, wenig glänzend, feinbehaart mit kleinen, dichtstehenden,
weisslichen Härchen, oft mit einem schwachen Kiel und dann mit
einem weisslichen, durchscheinenden Kielstreifen. Umgänge 5, etwas
niedergedrückt, Naht ziemlich tief, Mündung gerundet, breit,
mondförmig, wenig breiter als hoch. Mundsaum kaum etwas erweitert,
fast geradeaus, höchstens der innere mit einer schmalen Lippe belegt.
Spindelrand etwas zurückgebogen, halb den Nabel deckend. Höhe 4-5 Mm.,
Breite 6-7 Mm.
Thier sehr schlank, hellschiefergrau bis gelbweisslich, mit sehr
schlanken, dunkleren Fühlern. Kiefer mit 12-14 gleichen etwas gebogenen
Leisten. Zwei kleine, stielrunde, wenig gekrümmte Pfeile.