An feuchten, schattigen Stellen, besonders den Ufern von Bächen,

Flüssen und Teichen, aber auch fern vom Wasser, unter Steinen, Laub

und Bretern, meist in grösserer Gesellschaft. An den Ufern des Nero-

und Wellritzbaches bei Wiesbaden (~Thomae~). Im Gebück bei Weilburg

(~Sdbrg.~). An der Burger Brücke bei Dillenburg, selten. Häufig auf den

Wiesen des Nanzenbachthals (~Koch~). Am Metzgerbruch (~Heynemann~). Am

Mainufer unter Steinen und im Gras überall in grosser Menge. Ebenso um

Hanau, Gelnhausen, Wächtersbach, Schlüchtern und Steinau (~Speyer~).

Auffallend ist dagegen ihre Seltenheit in der Umgegend von Darmstadt,

wo sie ~Ickrath~ nur am Ufer des Stützebachs unfern des Kranichsteiner

Jagdschlosses einzeln fand. Im oberen Lahnthal und seinen Seitenthälern

um Biedenkopf nirgends selten.

26. Hyalina crystallina ~Müller~.

Crystall-Glanzschnecke.

Gehäuse durchbohrt, niedergedrückt, mit nur sehr wenig erhabenem

Gewinde, glashell, ganz durchsichtig, fast farblos mit einem schwachen

grünlichen Schein, glatt, starkglänzend, sehr zart; Umgänge 4½,

der letzte merklich breiter, als der vorhergehende; Naht ziemlich

vertieft, Mündung mondförmig, Mundsaum geradeaus, einfach. Höhe 1¼ Mm.,

Durchmesser 3½-4 Mm.

Thier sehr schlank, Fuss, Seiten und Sohle weisslich, Rücken und Mantel

schwarz.

An feuchten Orten im Moos, mit Vorliebe unter faulem Holz, durch

dessen Auslegen man sie leicht in Menge erhalten kann. Im Nerothal

bei Wiesbaden, selten (A. ~Römer~). Bei Weilburg im Gebück, Gänsberg,

Harnisch (~Sdbrg.~). Bei Dillenburg im Breitscheider Wald bei

Oberdresselndorf und im Aubachthale, verbreitet und ziemlich zahlreich

(~Koch~). Im Frankfurter Wald nur an der Oberschweinsteige im Moose am

Bach häufig (~Dickm.~). Um Biedenkopf an allen geeigneten Plätzen in

Menge; sehr häufig im Badseiferthal; eine grosse Anzahl fand ich einmal

mit _Hyal. nitida_ und _Hel. rotundata_ zusammen unter einem halbfaulen

Bret, das als Brücke über den Obergraben der Wallauer Papiermühle

diente.

27. Hyalina subterranea ~Bourguignat~.

Unterirdische Glanzschnecke.

Gehäuse genabelt, klein, stärker gewölbt, als _crystallina_, mit

der sie im Uebrigen sehr viel Aehnlichkeit hat, glashell, fast

farblos, glatt, stark glänzend, sehr zart. Umgänge 5, der letzte

merklich breiter, als der vorletzte; Naht stärker vertieft, als bei

_crystallina_; Mündung mondförmig, innen mit einer weisslichen Lippe

belegt; Mundsaum geradeaus, einfach, scharf. Dimensionen die einer

grossen _crystallina_.

Thier von dem von _crystallina_ durchaus nicht verschieden.

Diese Art wurde bisher immer mit _crystallina_ zusammengeworfen,

unterscheidet sich aber von ihr sicher durch die grössere Dicke und den

weiteren Nabel, ½ Umgang mehr, die tiefere Naht und die Lippe in der

Mündung. In Deutschland wurde sie zuerst durch ~Reinhardt~ in Berlin

nachgewiesen und bestimmte mir dieser auch einen Theil der von mir bei

Biedenkopf und von ~Dickin~ um Frankfurt gesammelten _crystallina_ als

diese Species. Sie kommt demnach mit _crystallina_ zusammen vor und

vielleicht gehören ihr die meisten Fundorte derselben ausschliesslich

an. Am Mainufer bei Schwanheim fand ich nur _subterranea_, im

feuchten Moos zahlreich umherkriechend, und allem Anschein nach ist

sie weit häufiger, als die ächte, enggenabelte _crystallina_. Eben

dieser Umstand macht mich zweifelhaft, ob sie nicht die eigentliche

_crystallina_ ~Müll.~ ist, denn die Worte O. F. ~Müllers~ passen

ebensogut auf sie und es wäre sonderbar, wenn er durch einen Zufall

gerade die in Norddeutschland sehr seltene, enggenabelte Form vor sich

gehabt hätte.

Im Moos an Grabenrändern in der Umgebung des Sandhofes bei Frankfurt.

28. Hyalina hyalina ~Férussac~.

Dichtgewundene Glanzschnecke.

Gehäuse im ausgewachsenen Zustand ungenabelt, klein, niedergedrückt,

mit ganz flachem Gewinde, glashell, fast farblos, ganz durchsichtig,

stark glänzend; die 5-6 Umgänge sind sehr dicht gewunden und nehmen

oben sehr gleichmässig an Dicke zu, nur der letzte ist etwas erweitert.

Naht ziemlich stark vertieft; Mündung sehr eng, mondförmig, Mundsaum

geradeaus, einfach; die Gegend um den ganz geschlossenen Nabel

ist trichterförmig eingesenkt. Dimensionen etwas grösser wie bei

_crystallina_.

Thier weisslich durchscheinend, Rücken und obere Fühler schwärzlich,

Leber fleischroth.

Diese seltene Schnecke wird mitunter mit _crystallina_ verwechselt, ist

aber leicht zu unterscheiden durch die grössere Zahl der Windungen,

die bei weitem engere Mündung und den Mangel des Nabels. Sie wurde in

Nassau lebend nur von Herrn A. ~Römer~ im Adamsthal in feuchtem Boden

unter Hecken an den Wurzeln von _Sphagnum_ u. dgl. gefunden. Leere

Gehäuse finden sich selten im Geniste der Flüsse.

29. Hyalina fulva ~Müller~.

Kreiselförmige Glanzschnecke.

Gehäuse sehr klein, kaum durchbohrt, kreiselförmig, kuglig, horngelb,

sehr dicht und fein gestreift, daher seidenglänzend, durchsichtig.

Umgänge 5-6, etwas niedergedrückt, mit der schwachen Andeutung eines

Kiels; Naht ziemlich tief; Mündung niedergedrückt, mondförmig, breiter

als hoch; Mundsaum geradeaus, einfach, scharf. Höhe und Durchmesser

gleich, 3-3½ Mm.

Thier schwarzbraun bis schwarz, unten heller; Fühler lang und

cylindrisch, die unteren verdickt; Fuss schmal und zugespitzt. Kiefer

oben etwas gekielt, in der Mitte mit einem kurzen, stumpfen Zähnchen.

In Waldgegenden auf feuchtem Boden in der Nähe von Gewässern, unter

Steinen und faulendem Laub; auch unter der losen Rinde am Boden

liegender Stämme. An der wilden Scheuer zu Steeten bei Runkel, selten;

in der Nähe des Adamsthales, selten (A. ~Römer~). Bei Dillenburg

mit _crystallina_; ausserdem im Feldbacher Wäldchen, im Thiergarten

und bei Oberscheld, vereinzelt (~Koch~). Ein Exemplar im Moose des

Bessunger Teiches (~Ickrath~). Am Beilstein, im Mombacher Kieferwald,

im Maingenist (~Heyn.~) An der Oberschweinsteige (~Dickin~). Einzeln

fand ich sie lebend am Mainufer bei Schwanheim. Um Biedenkopf ist sie

durchaus nicht selten in allen feuchten Thalgründen unter Steinen und

verwesendem Buchenlaub, doch meistens einzeln; in grösserer Anzahl fand

ich sie nur an der Goldküste, am Wege nach Eifa.

~Anmerkung.~ Ausser diesen Arten findet sich in Deutschland noch

eine der _nitidosa_ nächstverwandte Art, _Hyal. radiatula_ ~Alder~

(_Hammonis_ ~Ström~). Sie unterscheidet sich von ihrer Verwandten durch

die gestreifte Schale und den engeren Nabel. In Nassau ist sie meines

Wissens noch nicht gefunden worden, kommt aber nach ~Goldfuss~ im

Siebengebirge vor.

Dann die zunächst mit _cellaria_ verwandte _Hyalina glabra_ ~Studer~,

durch den engeren Nabel und stärkeren Glanz von ihr unterschieden; auch

sie ist in Nassau noch nicht aufgefunden worden.

Neuntes Capitel.

VII. HELIX ~Linné~.

Gehäuse rund, scheibenförmig bis kegel- und selbst kugelförmig; Mündung

breiter als hoch, schief, am Grunde nicht ausgeschnitten und durch das

Hereintreten der letzten Windung fast mondförmig.

Thier schlank, nicht übermässig gross im Verhältniss zum Gehäuse, so

dass es sich ganz in dasselbe zurückziehen kann; der Mantel bleibt

immer im Gehäuse eingeschlossen. Vier walzenförmige, stumpfe Fühler;

die oberen bedeutend länger als die unteren, am Ende knopfartig

verdickt, die Augen tragend.

Der innere Bau ist der oben geschilderte typische der Gastropoden.

Die Mundhöhle ist weit nach innen geschoben, kropfartig erweitert;

in ihr liegt der einfache, hornige Kiefer, halbmondförmig gebogen

und mit einer Anzahl Leisten an der convexen Seite, die am convexen

Rande Vorsprünge bilden; nie ist ein kegelförmiger Mittelzahn, wie bei

_Limax_ und _Hyalina_, vorhanden. Zunge sehr musculös; die Radula nicht

deutlich in drei Längsfelder geschieden; die Zähne kurz, in der Mitte

dreispitzig, nach den Seiten hin zweispitzig. Die Speiseröhre erweitert

sich alsbald zu einem länglichen, dünnwandigen, innen mit Drüsen und

Längsfalten bekleideten Magen. Hinter dem Pförtner münden die zwei

Ausführungsgänge der grossen, meist vierlappigen Leber. Der Darm bildet

zwei Windungen und geht dann in den Mastdarm über, der am hinteren,

oberen Rande der Mantelhöhle nach aussen verläuft und neben dem Kopfe

mündet. Auf der oberen Seite des Magens liegen zwei grosse, platte

Speicheldrüsen, deren Ausführungsgänge hinten in die Mundhöhle münden.

Die Athemhöhle ist sehr gross, dreiseitig, in der unteren Windung des

Körpers vorn und unten gelegen. In einem besonderen Behälter in ihrem

oberen Theile liegt das Herz. Die Niere liegt vor demselben, sie ist

dreieckig und aus dem oberen Ende entspringt der Ausführungsgang, der

dem Mastdarm entlang verläuft und neben oder über ihm mündet. Die

Geschlechtsorgane haben wir schon oben genauer beschrieben; sie sind

durch viele Anhangsdrüsen äusserst complicirt und münden mit einer

Oeffnung hinter dem Kopfe auf der rechten Seite. Die meisten Arten

haben einen, manche auch zwei Liebespfeile, deren Gestalt so constant

ist, dass man sie mit Erfolg für die Trennung nahe verwandter Arten

benutzen kann.

Das Nervensystem bietet nichts Auffallendes.

Alle Helices sind Zwitter: sie begatten sich meistens im Vorsommer

wechselseitig, und legen dann eine grössere oder geringere Anzahl

runder Eier mit kalkartiger Hülle, in unzusammenhängenden losen

Häufchen. Von unseren Arten ist bis jetzt nur _H. rupestris_ als

lebendiggebärend beobachtet worden.

Die Helixarten verschliessen im Winter, manche Arten, z. B. _H.

obvoluta_, auch im Sommer bei anhaltender Dürre, die Mündung ihres

Gehäuses mit einem kalkigen oder papier- oder seidenartigen Deckel;

manche Arten legen sogar mehrere hintereinander an. Es können diese

Deckel nicht den Zweck haben, die Kälte abzuhalten, da die Schale ein

ganz guter Wärmeleiter ist und also die Schnecken trotz dem Deckel

erfrieren, wenn sie nicht genügend frostfreie, sichere Winterquartiere

haben. Auch die Sommerdeckel beweisen, dass Schutz gegen die Temperatur

nicht der einzige Zweck sein kann. Es scheinen mir die Deckel vielmehr

dazu zu dienen, die Feuchtigkeit des Thieres zu erhalten, resp. die in

den Lungensäcken enthaltene Luft nicht austrocknen zu lassen. Sobald

der erste warme Regen fällt, stösst die Schnecke den Deckel, der mit

ihrem Körper in gar keinem Zusammenhang steht, ab. Entfernt man ihn im

Herbst, so machen die meisten Arten einen neuen, der aber schwächer

ausfällt, als der erste; bei öfterer Wiederholung des Versuches

verlieren sie die Kraft zur Neubildung und gehen zu Grunde.

Sämmtliche Helixarten unsrer Gegend suchen sich, sobald es anfängt

kalt zu werden, frostfreie Winterquartiere, je nach der Art mehr oder

weniger tief. Während ich _Hel. hispida_ häufig mitten im Winter bei

gelindem Wetter nahe der Oberfläche unter dem Laub gefunden habe,

geht die grosse _Hel. pomatia_ so tief wie möglich, namentlich in

Ruinen findet man sie oft mehrere Fuss tief. Meistens sind eine

Anzahl beisammen. Auch im Sommer verbergen sich die meisten Arten bei

anhaltend trocknem Wetter, und es ist merkwürdig, mit welchem Geschick

diese anscheinend so stumpfsinnigen Thiere Verstecke aufzufinden

wissen, die dem Sammler trotz des aufmerksamsten Suchens entgehen.

Alle Helices sind auf Pflanzennahrung angewiesen, verschmähen aber auch

gelegentlich animalische Kost, besonders kleinere Schnecken, nicht.

Auffallend war mir immer, dass die jungen, unausgewachsenen Schnecken

später ihre Winterquartiere beziehen und sie früher wieder verlassen,

als die ausgewachsenen. Ist vielleicht ihre Schale für die Feuchtigkeit

durchgängiger, oder können sie weniger Luft in die Athemhöhle aufnehmen?

Was den Umfang der Gattung Helix anbelangt, so fassten unter diesem

Namen ~Linné~ und O. F. ~Müller~ alle Schnecken zusammen, die ein

äusseres Gehäuse tragen und vier Fühler haben, von denen die oberen mit

Augen versehen sind. Diese Gattung enthielt aber bald so viele und so

verschieden gestaltete Arten, dass es unmöglich war, eine Art darin zu

beschreiben oder aufzusuchen. Schon ~Bruguière~ trennt desshalb alle

Arten mit langgezogenem Gehäuse, deren Mündung länger als breit ist,

unter dem Namen _Bulimus_ ab. Später erhoben ~Draparnaud~ die Vitrinen,

~Gray~ und ~Desmoulins~ die Naninen zu selbstständigen Gattungen

und in neuerer Zeit hat man noch _Hyalina_, _Zonites_, _Sagda_ und

_Leucochroa_ als Genera ausgeschieden. Trotzdem enthält die Gattung

noch so ungeheuer viele und so verschiedene Arten, dass eine fernere

Trennung in Unterabtheilungen unbedingt nothwendig erscheint. ~Lamarck~

hat schon frühe eine solche Trennung, aber auf rein willkürliche

äussere Merkmale hin unternommen, man hat sie desshalb bald wieder

aufgegeben. Besser ist das ebenfalls auf die Schalen gegründete System

von ~Pfeiffer~, nach dem man sich doch orientiren und unbekannte Arten

einordnen kann.

In der neuesten Zeit scheint man aber durch die genauesten anatomischen

Untersuchungen und die sorgfältigste Würdigung aller Verhältnisse der

richtigen natürlichen Anordnung näher zu kommen, und in Kurzem wird

vielleicht die ganze Gattung Helix in eine Anzahl selbstständige Genera

aufgelöst werden. Bis dahin müssen wir uns mit der Unterscheidung von

Untergattungen, die namentlich von ~Albers-Martens~ durchgeführt ist,

begnügen.

Zur Erleichterung der Bestimmung geben wir in Folgendem eine kurze

Characteristik der in Nassau vertretenen Untergattungen und lassen die

Bestimmungstafeln immer nur für die einzelnen Gruppen folgen.

A. Gehäuse offen genabelt, niedergedrückt bis kreiselförmig; Mundsaum

geradeaus, einfach, scharf.

_Patula_ ~Held~.

B. Gehäuse durchbohrt, sehr klein, kugelig-kreiselförmig, mit

rippenartig gefalteter, an den Rändern stachelig hervortretender

Oberhaut.

_Acanthinula_ ~Beck~.

C. Gehäuse sehr klein, genabelt, niedergedrückt, durchscheinend,

Mündung fast kreisrund mit umgeschlagenem Mundsaum.

_Vallonia_ ~Risso~.

D. Gehäuse bedeckt durchbohrt, Mündung gezahnt, auch auf der

Mündungswand ein Zahn.

_Triodopsis_ ~Rafinesque~.

E. Gehäuse genabelt, kreisförmig niedergedrückt, behaart, Mündung

engmondförmig mit verdicktem Mundsaum.

_Gonostoma_ ~Held~.

F. Gehäuse genabelt oder durchbohrt, gedrückt-kugelig, häufig behaart;

Mündung weit oder gerundet mondförmig, Mundsaum scharf,

etwas ausgebreitet, innen meist gelippt und am Basalrand

umgeschlagen; Farbe braun.

_Fruticicola_ ~Held~.

G. Gehäuse weit genabelt, niedergedrückt, weiss oder gelbweiss, meist

mit dunklen Bändern, und mit dunklem Wirbel; Mündung gerundet

mondförmig oder fast kreisförmig, Mundsaum scharf.

_Xerophila_ ~Held~.

H. Gehäuse gross, durchbohrt genabelt, gedrückt kugelig, mit

mondförmiger Oeffnung und breitgelipptem Mundsaum, dessen Basalrand

den Nabel fast ganz verdeckt.

_Arionta_ ~Leach~.

I. Gehäuse ziemlich gross, weit genabelt, flach, der letzte Umgang

stark herabgebogen, Mündung sehr schief, gerundet mondförmig,

mit gelipptem, umgeschlagenem ganz lostretendem Mundsaum.

_Chilotrema_ ~Leach~.

K. Gehäuse gross, ungenabelt, kugelig, die Umgänge gewölbt, mässig

erweitert; Mündung stark schief und in die Quere gezogen, Mundsaum

zurückgebogen.

_Tachea_ ~Leach~.

L. Gehäuse sehr gross, bedeckt genabelt, kugelig, der letzte Umgang

gross und bauchig; Mündung schief, herabgezogen, gerundet

mondförmig; Mundsaum umgeschlagen.

_Pomatia_ ~Beck~.

Die 24 in Nassau vorkommenden Helixarten vertheilen sich auf diese

Untergruppen so, dass _Acanthinula_, _Gonostoma_, _Triodopsis_,

_Arionta_, _Chilotrema_ und _Pomatia_ je einen, _Tachea_ und _Vallonia_

je zwei, _Patula_ und _Xerophila_ je drei, und _Fruticicola_ acht

Vertreter haben.

In der Nähe unseres Gebietes, aber bis jetzt noch nicht innerhalb

desselben, findet sich noch ein Repräsentant der Untergattung _Petasia_

~Beck~, zunächst mit _Fruticicola_ verwandt, aber mit Zähnen in der

Mündung.

A. Untergattung $Patula$ ~Held~.

Kleine, flach gewundene Schnecken mit offenem Nabel; die 4-6

Umgänge gleich stark oder langsam zunehmend, mehr oder weniger

stark rippenstreifig. Mundsaum geradeaus, scharf, einfach. Kiefer

mit zahlreichen, wenig vorspringenden Rippen, schwach und dünn.

Geschlechtsapparat ohne Schleimdrüsen, ohne Liebespfeil und ohne

Flagellum. Sie bilden eine sehr wohl umgränzte natürliche Gruppe und

haben die gegründetste Aussicht, bald Gattungsrechte zu erlangen.

Unter Steinen und Holz, im Mulm fauler Bäume und in Spalten der

Felswände, allgemein verbreitet, die erste Art jedoch nur auf Kalk.

Unsere drei Arten lassen sich folgendermassen unterscheiden:

a. Gehäuse kreiselförmig, dunkelbraun, 1,5 Mm. im Durchmesser.

_Hel. rupestris_ ~Drp.~

b. Gehäuse niedergedrückt, hellbraun,

4 Umgänge, Durchmesser nur 1 Mm.

_Hel. pygmaea_ ~Drp.~

6 Umgänge, dunkelgefleckt, stumpf gekielt, Durchmesser

6-7 Mm.

_Hel. rotundata_ ~Müll.~

30. Helix rupestris ~Draparnaud~.

Felsen-Kreiselschnecke.

_Syn._ _H. umbilicata_ ~Mont.~

Gehäuse sehr klein, nur 2 Mm. hoch und 1,5 Mm. breit, offen und

ziemlich weit genabelt, mit mehr oder weniger erhobenem Gewinde,

kreiselförmig, dunkelbraun, sehr fein und dicht gestreift,

seidenglänzend, dünn, etwas durchsichtig; vier ziemlich gedrückte

Umgänge; Naht sehr vertieft; Mündung gerundet; Mundsaum geradeaus,

einfach, scharf, mit etwas genäherten Rändern.

Thier blauschwarz, nach unten zu heller; obere Fühler sehr kurz,

verdickt und stumpf, die unteren sehr klein und kaum sichtbar.

Diese Schnecke findet sich nur auf Kalkboden. Gefunden wurde sie von

A. ~Römer~ am Fusse der Kalkfelsen der wilden Scheuer bei Runkel unter

faulem Laub, und im Geniste der Rambach bei Wiesbaden. Auch ~Speyer~

fand sie im Maingenist bei Hanau. Nicht häufig an den Felsen zwischen

Ems und Oberlahnstein (~Servain~).

31. Helix pygmaea ~Draparnaud~.

Winzige Schnirkelschnecke.

Gehäuse winzig klein, nur 1 Mm. im Durchmesser bei 0,5 Mm. Höhe, weit

genabelt, scheibenförmig, hellrothbraun, sehr fein und dicht gestreift,

daher seidenglänzend, durchsichtig, dünn, zerbrechlich. 3½-4 Umgänge,

sehr langsam zunehmend, der letzte kaum breiter als der vorletzte,

so dass das Gehäuse aussieht, als sollte es der Anfang zu einem viel

grösseren sein; Naht sehr vertieft, Mündung mondförmig; Mundsaum

scharf, einfach, geradeaus.

Thier hellgrau, Fühler und Rücken dunkler; Oberfühler lang und schlank.

Augen deutlich, schwarz; Fuss kurz, die Endspitze von der Schale

bedeckt. Das Thierchen ist munter und kriecht schnell.

An feuchten, schattigen Stellen in Gesellschaft von Hyalinen und

kleinen Pupen; wohl allenthalben nicht selten, aber ihrer Kleinheit

wegen häufig übersehen. Am leichtesten erhält man sie noch aus dem

Geniste.

Gefunden wurde sie bis jetzt im Wald unter der Platte; auf einer Wiese

bei Schierstein (~Thomae~). Weilburg, im Harnisch, am Odersbacher

Weg (~Sandbrg.~). Im Feldbacher Wäldchen und im Breitscheider Wald

(~Koch~). Auf einer feuchten Wiese im Erbenheimer Thälchen an

Holzstückchen (A. ~Römer~). Um Frankfurt hier und da (~Heynemann~).

Bei Biedenkopf am Abhange des Kratzenbergs unter Steinen; im

Badseiferthälchen häufig im feuchten Moos; einzeln in allen

Waldthälchen. In den Anschwemmungen von Rhein, Main und Lahn.

32. Helix rotundata ~Müller~.

Knopfschnecke.

Gehäuse perspectivisch genabelt, 6-7 Mm. im Durchmesser,

3-4 Mm. hoch, niedergedrückt, oben gewölbt, mit strahlenförmig

geordneten, hellrothbraunen Flecken, zierlich und fein gerippt,

dünn, durchscheinend, stumpf gekielt. Umgänge reichlich 6, dicht

gewunden, sehr langsam zunehmend, über dem stumpfen, zuletzt fast

verschwindenden Kiel schwach, unter demselben stark gewölbt; Naht

ziemlich vertieft; Mündung gerundet mondförmig; Mundsaum geradeaus,

scharf, einfach.

Thier hellschieferblau bis ziemlich dunkel blaugrau, durchscheinend;

Oberfühler schlank, Fussende sehr spitz.

Allenthalben am Fusse schattiger Mauern unter Steinen und Holz, in der

Bodendecke, in alten Stöcken. Häufig auf allen Ruinen. Burg Sonnenberg,

Nerothal, Clarenthal und an vielen anderen Orten um Wiesbaden,

im Biebricher Garten, Ruine Frauenstein, Hohenstein, Adolphseck,

Nassau und Stein, Schloss Idstein (~Thomae~). Häufig um Weilburg

und Diez (~Sandbrg.~), Dillenburg (~Koch~), Frankfurt (~Heynemann~,

~Dickin~), Homburg (~Trapp~). Um Biedenkopf allenthalben. Gemein um

Ems (~Servain~). Albinos sind von dieser Form ziemlich häufig. Im

Feldbacher Wäldchen fand ~Koch~ selten eine einfarbig braune Varietät.

Ein hochgewundenes, der _Hel. conica_ ähnliches Exemplar fand ich im

Schlossberg bei Biedenkopf.

~Anmerkung.~ ~Thomae~ führt in seinem Verzeichniss noch aus dieser

Gruppe die _Hel. ruderata_ ~Stud.~ an und beruft sich dabei auf

~Rossmässler~, der diese Schnecke von Nassau anführt. Es ist dies aber

eine Verwechslung mit Nassau im sächsischen Erzgebirg, bei Frauenstein

im Kreise Dresden. Diese Schnecke unterscheidet sich von _rotundata_,

der sie sonst sehr ähnelt, durch die geringere Zahl ihrer stielrunden

Umgänge, die gewölbte Form, den Mangel der braunrothen Flecke und

die grössere Mündung. Sie findet sich in den Alpen, Sudeten und im

Erzgebirg.

Eine fünfte deutsche Art aus dieser Gruppe, _Hel. solaria_ ~Menke~,

ganz flach und sehr stark gekielt, gehört nur dem südöstlichen

Deutschland bis nach Schlesien herauf an.

B. Untergattung $Acanthinula$ ~Beck~.

33. Helix aculeata ~Müller~.

Stachelige Schnirkelschnecke.

Gehäuse sehr klein, durchbohrt, kugelig kreiselförmig, schmutzig

horngelb, durchsichtig, dünn, wenig glänzend, häutig gerippt oder

lamellenrippig, jede Rippe in der Mitte in eine häutige Wimper

verlängert, wodurch das Gehäuse, von oben oder unten angesehen, einen

strahlig-wimperigen Umkreis zeigt; Umgänge vier, fast walzenförmig;

Naht sehr vertieft; Mündung fast ganz rund, so hoch wie breit;

Mundsaum zurückgebogen, häutig; Mundränder einander genähert. Höhe und

Durchmesser gleich, 1,5-2 Mm.

Thier hellblaugrau, schleimig, Fühler und Rücken stets etwas dunkler,

die Fussspitze sehr kurz; die unteren Fühler etwas länger, als bei der

vorigen Untergattung.

Ziemlich verbreitet, aber allenthalben selten, in schattigen

Buchenwäldern unter der Bodendecke. Bei Weilburg am Gänsberg sehr

selten (~Sdbrg.~). Bei Dillenburg im Feldbacher Wäldchen, in den

letzten Jahren nicht mehr gefunden; im Steinbeul selten (~Koch~). Im

Frankfurter Wald (~Heyn.~, ~Dickin.~). An verschiedenen Puncten um

Biedenkopf in feuchten Waldthälchen (C. ~Trapp~). An der Spurkenburg,

bei Dausenau und in der Umgegend der Stadt Nassau (~Servain~). Im

Norden, in Schweden, auch schon auf Rügen, ist sie stellenweise sehr

häufig.

~Anmerkung.~ In Nordeuropa kommt noch eine andere, nahe verwandte Art

dieser Gruppe vor, _Hel. lamellata_ ~Jeffreys~, die einen Umgang mehr

hat und mit stärkeren häutigen Lamellen besetzt ist. Der nächste mir

bekannte Fundort ist Kiel (~Rossm.~).

C. Untergattung $Vallonia$ ~Risso~.

Kleine, im Mulm, unter Steinen und Moos lebende, flach gewundene

Schnecken, circa 3 Mm. im Durchmesser. Der Kiefer hat zahlreiche, aber

am Rande nur wenig vorspringende Rippen. Ein langer, glatter, conischer

Liebespfeil.

Fauna der Nassauischen Mollusken · 第 8 / 25 段