namentlich verkehrt gewundene und wendeltreppenartige. Für letztere
liegt die Ursache meistens in irgend einer Verletzung, die das Thier
in seiner Jugend erlitt; wird dadurch das vordere Ende des letzten
Umganges nach unten gedrückt und bleibt etwa noch ein fremder Körper
stecken, der das Thier verhindert, wieder in die normale Richtung zu
gelangen, so muss es von seiner normalen Windungsrichtung abweichen.
Bis zu einem gewissen Grade kann man diess künstlich erreichen, wenn
man die letzte Windung bei jungen Exemplaren etwas nach unten drückt
und dann einen Wachs- oder Siegellacktropfen darüber befestigt.
Es kommen aber auch solche sogenannte ~Scalariden~ vor, bei denen
die Missbildung ohne eine nachweisbare Verletzung schon an den
Embryonalwindungen ihren Anfang nimmt, so dass man also eine angeborene
falsche Richtung annehmen muss. In den höchsten Graden dieser
Missbildung ist das Gehäuse ganz frei gewunden, ohne dass sich die
Umgänge berühren, wie es bei Planorben nicht selten ist und bei einer
Cubaner Deckelschnecke, _Choanopoma echinus Wright_, normal vorkommt,
oder der ganze Kegel ist ohne eine Spur von Windung, in Gestalt eines
Nachtwächterhornes, aufgebaut. -- Mitunter kommen auch umgekehrte
Scalariden vor, d. h. Schnecken, die sonst ein kegelförmiges Gehäuse
zu bilden pflegen, werden durch eine Verletzung veranlasst, eine
flache Scheibe zu bauen, wie ich bei _Helix fruticum_ und _nemoralis_
beobachtet habe.
Sehr interessant ist eine hierhergehörige Beobachtung von ~Sporleder~.
Ein scalar gewundener _Planorbis vortex_, den derselbe in einem Glase
hielt, suchte sich mit einem anderen, normal gebauten, zu begatten, und
von dieser Zeit an begann das normale Exemplar ebenfalls scalar weiter
zu bauen.
Ueberhaupt sind die Planorben besonders geneigt zu den seltsamsten
Windungsanomalien. ~Heynemann~ besitzt ein Exemplar, das wie ein um
einen dünnen Draht, den man später wieder herausgenommen, gewickeltes
Kordel aussieht. In Mengen hat sie einmal ~Hartmann~ in einem mit
Eichenlaub erfüllten Tümpel gefunden; er sucht die Ursache in den
Verletzungen durch die Ränder der harten Blätter. Geringere Grade
findet man sehr häufig bei _Helix lapicida_ und noch häufiger bei
_ericetorum_.
Schwerer zu erklären als die Wendeltreppenform ist die ~abnorme
Windungsrichtung~. Hier hat man die unsinnigsten Erklärungsweisen
versucht und in neuester Zeit noch sogar die Electricität zu Hülfe
genommen. Wenigstens wahrscheinlich ist eine Erklärungsweise, die
mir Herr Professor ~Dunker~ mittheilte, und die meines Wissens noch
nirgends veröffentlicht ist; derselbe nimmt nämlich an, dass die
abnorm gewundenen Exemplare aus Zwillingseiern stammten, bei denen
des Raumes wegen der eine Embryo rechts, der andere links drehen
müsse. Eine entscheidende Beobachtung dürfte sich wohl nur bei den
Arten machen lassen, die, wie manche siebenbürgische und indische
_Bulimus_, normaler Weise bald rechts, bald links gewunden vorkommen.
Eine Fortpflanzung zwischen abnorm und normal gewundenen Schnecken
ist wohl unmöglich, da mit der Windungsrichtung sich auch die Lage
sämmtlicher Organe, und also auch der Geschlechtsöffnung, ändert. Aber
auch zwei abnorm gewundene pflanzen, wenn sie sich begatten, ihre
abnorme Richtung nicht fort; ~Chemnitz~ brachte mit grossen Kosten
eine Anzahl linksgewundener _Helix pomatia_ zusammen, erhielt aber von
ihnen stets nur rechtsgewundene Nachkommen. Demgemäss findet man solche
Abnormitäten immer nur einzeln zwischen normalen Exemplaren; unter den
vielen Tausenden von _Helix pomatia_, die jährlich nach Wien gebracht
werden, finden sich nach ~Rossmässler~ höchstens 10-12 linksgewundene,
sogenannte Schneckenkönige. Von häufigerem Vorkommen ist mir nur die
von ~Hartmann~ (Erd- und Süsswassergasteropoden der Schweiz, I, p. 86)
angeführte Beobachtung von ~Mousson~ bekannt, der in einem 3′ breiten,
12′ langen Tümpel bei Wiedikon, Canton Zürich, zwölf linksgewundene
_Limnaea peregra_ beisammen fand.
Eine andere häufige Abnormität ist die ~Albinoform~, der Mangel von
Farbstoff im ganzen Gehäuse oder doch wenigstens in den Bändern; im
ersteren Falle ist auch das Thier farblos. Meistens fehlt es dann
dem Gehäuse auch an Kalk, und besonders die farblosen Binden sind
meistens durchscheinend. Die Ursache suchen manche in Armuth des
Bodens an Kalk, andere, z. B. ~Hartmann~, in Nässe und Feuchtigkeit;
beide Gründe scheinen mir nicht ausreichend, denn man findet sie auch
auf kalkreichem Boden und meistens einzeln unter der Stammform; ich
fand _Helix hortensis_ nirgends häufiger mit durchscheinenden Binden,
als an den trocknen Abhängen des Heidelberger Schlossbergs. Manche
Arten finden sich so constant an bestimmten Orten, dass man eine
Erblichkeit, wie bei den weissen Mäusen, Kaninchen u. dgl. annehmen
muss. Züchtungsversuche fehlen hier noch.
Verwandt mit ihnen sind die Schnecken mit abnorm dünnen Schalen, wie
bei den Varietäten _picea_ und _aethiops_ von _Helix arbustorum_. Hier
ist meistens die Armuth des Bodens an löslichem Kalk die Ursache, doch
kommen mitunter auch an kalkreichen Orten einzelne Exemplare vor, bei
denen man dann eine Krankheit, etwa analog der Rhachitis der Menschen,
annehmen muss.
Eine sehr interessante Missbildung fand ich einmal bei _Helix pomatia_;
das etwa halbwüchsige, sonst ganz normal gebildete Exemplar hatte
nämlich den Winterdeckel nicht ganz ablösen können, es war ein etwa 1½‴
breiter, halbmondförmiger Rand auf der einen Seite stehen geblieben,
und das Thier hatte von dem inneren Rande desselben weiter gebaut.
-- Einmal erhielt ich auch eine Weinbergsschnecke mit perlenartigen
Concretionen in der letzten Windung, und auch bei _Planorbis corneus_
habe ich dergleichen beobachtet.
Wasserschnecken findet man nicht selten mit angefressenem, cariösem
Gehäuse, mitunter so, dass ein Theil des Gewindes verloren gegangen
ist; Planorben werden dadurch ringförmig durchbohrt. Ueber die
Ursachen dieser Erscheinung werden wir weiter unten bei den Muscheln
ausführlicher reden. Landschnecken, die, wie der südeuropäische
_Bulimus decollatus_, die obersten Umgänge ihres Gehäuses in dem
Masse, wie sie weiterbauen, abwerfen, haben wir bei uns freilich
nicht, aber verwandte Erscheinungen sind bei unseren Wasserschnecken
durchaus nicht selten. Namentlich in Gebirgsquellen findet man
_Limnaea peregra_ häufig mit tief ausgefressenen Löchern, die bis auf
die verdickte Perlmutterschicht dringen, und oft sind die obersten
Windungen ganz oder zum Theil verloren. Aber auch in stehenden Wassern
findet man angefressene Exemplare; bei ~Heynemann~ sah ich sehr cariöse
_L. stagnalis_, und ein besonders zerfressenes Exemplar von _L.
palustris_, in einer Lache in der Nähe von Bornheim gefunden, hat Herr
~Dickin~ der Normalsammlung der deutschen malacologischen Gesellschaft
übergeben.
Mitunter bauen Schnecken, nachdem sie ihr Gehäuse schon abgeschlossen
und den Mundsaum fertig gebildet haben, noch einmal weiter. Besonders
häufig findet man es bei den grossen Limnaeen, bei _auricularia_ und
_ovata_, wo dann der umgewölbte Mundrand als scharfer Grat aus dem
Gehäuse vorspringt, wie es bei manchen Seeschnecken, z. B. _Tritonium_,
_Murex_, Regel ist. Aber auch bei Landschnecken kommt es vor, dann ist
freilich das angebaute Stück fast immer farblos, rauh und krüppelhaft.
Bricht man in das Gehäuse einer Schnecke ein Loch kurz oberhalb der
Mündung, so kann man nicht selten beobachten, dass das Thier dann diese
künstliche Oeffnung zum Aus- und Einkriechen benutzt, und nicht selten
baut es hier auch noch ein Stückchen an. Besonders sicher kann man
diese Missbildung, die früher für eine der grössten Seltenheiten galt,
bei Clausilien erzeugen, wenn man die Mündung mit Wachs verstopft und
etwas weiter oben eine genügend weite Oeffnung bricht.
Drittes Capitel.
Lebensweise der Schnecken.
Die Schnecken lieben im Allgemeinen Wärme und Feuchtigkeit und sind
desshalb am lebhaftesten in der warmen Jahreszeit und bei feuchtem
Wetter. Nur wenige lieben trockene Orte, wie _Helix ericetorum_,
_candidula_, _costulata_, _Bulimus tridens_ und _detritus_; doch sind
auch diese lebhafter Morgens, so lang noch der Thau liegt, und nach
einem Regen. Eine Ausnahme machen die Daudebardien, Vitrinen und
_Cionella acicula_, die nur im Spätherbst und Frühjahr, und in gelinden
Wintern auch den ganzen Winter hindurch zu finden sind, während
sie sich im Sommer, in unseren Gegenden wenigstens, verbergen; im
Hochgebirge, an der Schneegränze, sind sie allerdings den ganzen Sommer
hindurch zu finden.
Alle anderen Landschnecken verkriechen sich im Winter mehr oder weniger
tief, manche an geeigneten Orten mehrere Fuss tief, und schliessen ihre
Mündung mit einem kalkigen, häutigen oder seidenartigen Deckel, dem
Winterdeckel, _Epiphragma_; im Laufe des Winters ziehen sich viele
dann immer weiter zurück und bauen mehrere Scheidewände hintereinander,
die inneren sind aber immer dünn und häutig, auch wenn der erste kalkig
ist. Auch viele der ungedeckelten Wasserschnecken vergraben sich in den
Schlamm und schliessen ihr Gehäuse mit einem dünnen, häutigen Deckel.
Doch geschieht dies durchaus nicht regelmässig; selbst bei der strengen
Kälte im Februar 1870 fand ich die Limnaeen und Planorben meines
Aquariums, von dem ich fast täglich mehrmals das Eis entfernen musste,
zwar ruhig auf dem Boden aufsitzend, aber mit offener Mündung.
Der Beginn des Winterschlafs hängt natürlich von der Temperatur ab, ist
aber bei den verschiedenen Arten sehr verschieden. Im Winter 1869-70
habe ich _Helix ericetorum_, und zwar besonders junge, unausgewachsene
Exemplare, bis nach Weihnachten täglich im Freien und fressend
gesammelt, obwohl mehrmals vorübergehend Schnee fiel.[6] _Helix
pomatia_ dagegen verschwindet schon sehr früh und gräbt sich tief ein,
scheint aber doch mitunter der Kälte zu erliegen, denn man findet
sehr oft todte Exemplare mit Winterdeckel. Im Allgemeinen gehen die
ausgewachsenen Exemplare weit früher zur Ruhe als die noch unfertigen.
In dem Zustand des Winterschlafs steht der Stoffwechsel fast still;
das Herz schlägt statt 20-30mal in der Minute nur 2-3mal, die Athmung
ist fast gleich Null, um so geringer, je niedriger die Temperatur ist;
einiger Austausch von Sauerstoff und Kohlensäure findet aber doch immer
statt; es dient dazu die in der Lungenhöhle enthaltene Luft.
In diesem Zustand können die Schnecken niedere Frostgrade, nach
~Gaspart~ 4-5°, ohne Schaden ertragen, aber bei 8-10° sterben sie
rasch. Wasserschnecken können, ohne Schaden zu nehmen, einfrieren,
sobald aber ihr Körper selbst gefriert, sterben sie. -- In warmen
Wintern schlafen manche Schnecken gar nicht, sondern bleiben unter der
Bodendecke munter, so besonders die Clausilien, _Helix hispida_ und
andere.
Der Winterschlaf dauert meistens bis zum ersten warmen, durchdringenden
Regen, trockene Frühjahre halten die Schnecken lange in ihren
Verstecken zurück. Temperaturen, bei denen sie im Herbst noch munter
sind, scheinen ihnen im Frühjahr noch durchaus nicht zu genügen, und
die meisten Arten erscheinen erst auf dem Platz, wenn die Vegetation
schon ziemlich weit vorgeschritten ist.
Im Sommer, bei dauernder Trockenheit, verbergen sich die Schnecken
ebenfalls an möglichst feuchten und kühlen Orten, die sie mit grossem
Geschick ausfindig zu machen wissen. Es ist merkwürdig, wie diese
anscheinend so stumpfsinnigen Thiere Verstecke zu finden wissen, die
dem eifrig suchenden Sammler entgehen. Am Schlossberg zu Biedenkopf,
wo _Helix pomatia_ und _nemoralis_ auf einem beschränkten Räume zu
Tausenden vorkommen, habe ich bei trockenem Wetter oft stundenlang
gesucht, ohne ein Exemplar zu finden, bis mich ein Zufall auf die
richtige Fährte brachte; es standen dort einzelne Obstbäume, und am
Fusse derselben, in den für die Pfähle in den felsigen Boden gemachten,
mit Steinen und Moos ausgefüllten Löchern sassen die Schnecken in
dichten Klumpen. -- Manche Arten, z. B. _Helix obvoluta_, machen auch
im Sommer einen dünnen, häutigen Deckel, andere ketten sich mit der
Mündung fest an einen Stein oder einen Pflanzenstengel, und bleiben
sitzen, bis wieder Regen fällt.
Die Wasserschnecken graben sich, wenn im Sommer ihre Wohnplätze
austrocknen, in den Schlamm und dauern dort aus, so gut es geht; doch
gehen dann immer grosse Mengen zu Grunde, und mehrere trockene Sommer
hintereinander können ganze Gegenden veröden. -- In ähnlicher Weise
ist auch die Trockenlegung einer Gegend durch Drainirung, Abzugsgräben
u. dgl. im Stande, die Schneckenfauna zu verändern; in hohem Grade ist
dies, wie mir Dr. C. ~Koch~ mittheilte, um Dillenburg der Fall gewesen,
wo in Folge der immer ausgedehnteren Grubenbaue eine Menge Quellen und
mit ihnen eine ganze Anzahl der in seinem Verzeichniss angeführten
Mollusken verschwunden sind.
Viele Schnecken halten sich mit Vorliebe unter Steinen, Balken und
Baumstämmen auf, und in vielen Fällen kann man auch beim genauesten
Nachsuchen keinen Weg finden, auf dem sie darunter gelangt sind. Wie
kommen die Vitrinen und Hyalinen, die bei der geringsten Berührung
zerbrechen, an diese Stellen?
Manche Arten scheinen in verschiedenen Altersstufen ganz
verschiedene Lebensweisen zu haben. So findet man _Succinea oblonga_
in halbwüchsigem Zustande sehr häufig unter Steinen an dürren
Bergabhängen, weit vom Wasser, z. B. bei Biedenkopf am Abhange des
Eschenbergs, 3-400′ über der Thalsohle; erwachsene Exemplare habe ich
dort nie gefunden, dagegen öfter an feuchten Orten mit den anderen
Succineen, und nach einer Mittheilung von Herrn Professor ~Sandberger~
leben sie besonders an den Blättern von Aspen und Sahlweiden, wo man
wieder keine jungen findet. -- Auch _Buliminus obscurus_ lebt in der
Jugend an Baumstämmen und auf dem Laub, wo er wie eine Knospe oder ein
spitzer Gallapfel aussieht, und im erwachsenen Zustande unter Steinen
und in Mauern. Bei sorgfältiger Beobachtung dürften sich derartige
Beispiele wohl noch mehren.
Viertes Capitel.
Uebersicht der Gattungen.
A. Thiere ohne Deckel, _Inoperculata_.
AA. Die Augen auf den Fühlerspitzen tragend, ~Stylommatophoren~.
a. Ohne Kiefer, _Testacellea_.
Gehäuse klein, ganz hinten auf dem viel grösseren Körper
sitzend und nur einen kleinen Theil desselben bedeckend.
1. _Daudebardia_, ~Hartmann~.
b. Mit hornigem Kiefer, ohne äussere Schale, _Limacea_.
Mantel gekörnelt, Athemöffnung vor der Mitte der rechten
Mantelseite, Körper ungekielt, am Schwanzende eine Schleimdrüse,
keine innere Schale.
2. _Arion_, ~Férussac~.
Mantel gekörnelt, querüber eingeschnürt, die Athemöffnung
hinter der Mitte der rechten Seite, Körper in seiner ganzen
Länge gekielt, keine Schleimdrüse, unter dem Mantel eine innere
Schale.
3. _Amalia_ (~Moquin-Tandon~), ~Heynemann~.
Mantel wellig gerunzelt, aber nicht eingeschnürt, die
Athemöffnung ebenfalls hinter der Mitte, Körper nur hinten
gekielt, ohne Schleimdrüse, unter dem Mantel eine innere
Schale.
4. _Limax_, ~Linné~.
c. Mit hornigem Kiefer und äusserer, gewundener Schale, _Helicea_.
α. Gehäuse ohrförmig, scheiben- bis kugelförmig.
Gehäuse undurchbohrt, durchsichtig, mit nur 2-3 Windungen,
deren letzte den Haupttheil des Gehäuses ausmacht,
im Verhältniss zum Thiere klein; Mündung weit, mit gebogenem
Spindelrand.
5. _Vitrina_, ~Draparnaud~.
Gehäuse durchbohrt oder genabelt, meist flachgedrückt,
mit 5-7 Windungen, glänzend. Kiefer glatt mit einem
Vorsprung in der Mitte.
6. _Hyalina_, ~Albers~.
Gehäuse genabelt, durchbohrt oder undurchbohrt, kugelig,
kegel- oder scheibenförmig, Mündung breiter als hoch, schief;
Thier mit quergeripptem Kiefer und meist mit einem Liebespfeil.
7. _Helix_, ~Linné~.
β. Gehäuse mehr oder weniger länglich, ei-, thurm- oder
spindelförmig.
Mündung höher als breit, der äussere Mundsaum bedeutend
länger, als der innere, Spindel gerade, am Grunde weder
abgestutzt noch ausgeschnitten.
8. _Buliminus_, ~Beck~.
Mündung eiförmig, Spindel unten quer abgestutzt, Gehäuse
langeiförmig oder spindelförmig, glatt, glänzend.
9. _Cionella_, ~Jeffreys~.
Mündung halbeiförmig, beide Ränder gleichlang, meist
auf der Spindel und oft auch auf den Mündungsrändern Zähne
und Falten; Gehäuse eiförmig oder cylindrisch.
10. _Pupa_, ~Draparnaud~.
Gehäuse langgestreckt, Mündung rundeiförmig mit schwacher
Lamelle, sonst ohne Falten. Kein Schliessapparat.
11. _Balea_, ~Prideaux~.
Gehäuse langgestreckt, spindelförmig, Mündung ei- oder
birnförmig, mit zwei starken Lamellen, im Inneren ein
Schliessapparat.
12. _Clausilia_, ~Draparnaud~.
Gehäuse eiförmig, undurchbohrt, bernsteinfarbig durchscheinend,
3-4 rasch zunehmende Windungen; Mündung
oval, sehr weit, mit einfachem Mundsaum und einfacher
Spindel.
13. _Succinea_, ~Draparnaud~.
BB. Die Augen nicht auf der Fühlerspitze tragend, ~Basommatophoren~.
a. Landbewohner, _Auriculacea_.
Gehäuse spitzeiförmig, winzig klein, weiss, durchscheinend,
mit Falten an der Spindel und zahnartigen Verdickungen am
Mundsaum.
14. _Carychium_, ~Müller~.
b. ~Wasserbewohner~, _Limnaeacea_.
α. Gehäuse gewunden.
Fühler flach, dreieckig, Gehäuse rechts gewunden.
15. _Limnaea_, ~Draparnaud~.
Fühler borstenförmig, Gehäuse linksgewunden, glänzend.
16. _Physa_, ~Draparnaud~.
Fühler borstenförmig, Gehäuse scheibenförmig.
17. _Planorbis_, ~Müller~.
β. Gehäuse napfförmig, ohne erkennbare Windungen.
18. _Ancylus_, ~Linné~.
B. Thier mit bleibendem Deckel, _Operculata_.
AA. Landschnecken, _Pneumonopoma_.
Gehäuse schmal, cylindrisch, klein, Augen an der inneren
Seite der Fühlerwurzel.
19. _Acme_, ~Hartmann~.
Gehäuse ei-kegelförmig mit stielrunden Umgängen, Deckel
fast rund mit wenigen Spiralwindungen.
20. _Cyclostoma_, ~Lamarck~.
BB. Wasserschnecken, _Prosobranchiata_.
a. Gehäuse thurm- bis kreiselförmig, Mündung und Deckel oben
eckig, Kieme nicht aus der Athemöffnung vorragend, _Paludinacea_.
Gehäuse gross, Deckel hornig mit concentrischen Anwachsstreifen.
21. _Paludina_, ~Lamarck~.
Gehäuse mittelgross, Deckel kalkig mit concentrischen
Anwachsstreifen.
22. _Bithynia_, ~Leach~.
Gehäuse klein, Deckel hornig, spiralgestreift.
23. _Hydrobia_, ~Hartmann~.
b. Gehäuse kreisel- oder scheibenförmig, Mündung und Deckel
rund, hornig mit vielen Windungen, Kiemen zeitweise
federbuschförmig aus der Athemöffnung vorragend.
24. _Valvata_, ~Müller~.
c. Gehäuse halbeiförmig, Mündung halbrund, Deckel mit einem
Fortsatz am unteren Ende der Innenseite.
25. _Neritina_, ~Lamarck~.
Fünftes Capitel.
A. INOPERCULATA, Deckellose.
AA. STYLOMMATOPHORA.
a. TESTACELLEA, Halbnacktschnecken.
Gehäuse klein, nur einen kleinen Theil des Körpers deckend; Thier ohne
Kiefer, die Zunge mit lauter gleichmässigen, stachelförmigen Zähnen
bewehrt.
I. DAUDEBARDIA ~Hartmann~.
Daudebardie.
Gehäuse ohrförmig, durchbohrt, sehr glänzend, weniger leicht
zerbrechlich, als die Vitrinen, flach, wenig gewunden, der letzte
Umgang sehr rasch an Weite zunehmend, die Mündung schief, sehr weit.
Thier unverhältnissmässig gross im Verhältniss zum Gehäuse, so dass es
sich zu keiner Zeit in dasselbe zurückziehen kann, in der Ruhe, wo man
das ganz auf dem Ende des Körpers getragene Gehäuse leicht übersieht,
täuschend einer Nacktschnecke ähnlich, mit langem Hals, Fuss kurz,
nur wenig aus der Schale vorragend; im Gewinde scheint durch die sehr
durchsichtige Schale die gelbbraune Leber durch (~Hartm.~). Der Kiefer
fehlt ganz, die Zunge ist mit lauter gleichen, dornförmigen, nicht
gebogenen Zähnen besetzt. Der Geschlechtsapparat zeichnet sich durch
eine starke Blase aus, die mit einem kurzen, starken Stiel in die sehr
aufgetriebene Scheide mündet; die Ruthe ist stark, ohne Flagellum (Ad.
~Schmidt~).
Die Daudebardien leben namentlich in bergigen Gegenden unter Laub und
Steinen, meist einzeln; sie sind in unseren Gegenden nur im Spätherbst
und ersten Frühjahr zu finden, auf höheren Bergen den ganzen Sommer
hindurch. Häufig sind sie nirgends. Ihre Nahrung besteht in anderen
Schnecken, besonders Vitrinen, Hyalinen und Hel. rotundata; doch
scheuen sie auch Ihresgleichen nicht. Ihre Bewegungen sind sehr rasch
und lebhaft, aber nur bei feuchtem Wetter; Trockenheit können sie
durchaus nicht vertragen und man kann sie nur lebend nach Hause
bringen, wenn man sie in frisches, lebendes Moos setzt.
In Nassau haben wir die beiden deutschen Species, aber sie scheinen
zu den grössten Seltenheiten zu gehören und es sind von beiden erst
einzelne Exemplare aufgefunden worden. Nur bei St. Goar hat Dr.
~Noll~ die zweite Art nicht allzuselten gefunden. Die beiden Arten
unterscheiden sich folgendermassen:
a. Gewinde die Hälfte des Gehäuses bildend,
_D. rufa_ ~Drp.~
b. Gewinde noch nicht ein Drittel des Gehäuses bildend,
_D. brevipes_ ~Drp.~
Ich muss aber hier noch bemerken, dass mir die deutschen Daudebardien
dringend einer Revision zu bedürfen scheinen, für die freilich mein
Material nicht ausreicht. Schon ~Rossmässler~ macht darauf aufmerksam,
dass _Daud. brevipes_ der meisten Autoren nur eine junge _rufa_ sei;
der Umstand, dass meistens beide Arten zusammen vorkommen sollen, lässt
dies schon vermuthen.
1. Daudebardia rufa ~Draparnaud~.
Rothe Daudebardie.
_Syn. Helicophanta rufa_ C. ~Pfeiff.~, ~Fér.~ --
Gehäuse durchbohrt, niedergedrückt, in die Quere verbreitert, aber
nicht in dem Grade, wie bei _brevipes_; drei Windungen, von denen die
beiden ersten etwa die Hälfte des Querdurchmessers einnehmen. Mündung
gerundet. Farbe braunröthlich oder gelblich. Höhe 1,5 Mm. Grosser
Durchmesser 5,5, kleiner 4 Mm.
Thier in der Jugend rein weiss, später obenher bläulichgrau mit
schwarzen Fühlern und braunem, punctirtem Mantel. Fuss kurz, weiss
(~Hartm.~) Bis jetzt nur ein leeres Gehäuse von Thomae bei der Ruine
Stein bei Nassau gefunden und irrthümlich für _brevipes_ gehalten.
Findet sich ausserhalb unseres Gebietes im Siebengebirge und bei Bonn,
(~Goldfuss~), sowie bei Würzburg (~Sdbrg.~), bei Heidelberg. Sehr
selten bei Wächtersbach (~Speyer~).
2. Daudebardia brevipes ~Draparnaud~.
_Syn. Helicophanta brevipes_ C. ~Pfeiff.~
Gehäuse durchbohrt, niedergedrückt, sehr in die Quere verbreitert,
fast ohrförmig, aus drei Umgängen bestehend, von denen die zwei ersten
das kleine punctförmige Gewinde, der dritte fast allein das ganze
Gehäuse bilden, durchsichtig, zart, grünlichbraun, glatt, Mündung
sehr weit, fast ganz horizontal, eiförmig; Aussenrand weit vorgezogen
und stark gekrümmt, Innenrand unten etwas vor den ganz engen Nabel
zurückgebogen.
Thier in ausgewachsenem Zustande von _rufa_ nicht verschieden.
(~Hartm.~)
An der Ruine Lahneck von ~Rath~ 1851 gefunden. Bei St. Goar (~Noll~).
Bei Bonn. ~Goldfuss.~
Sechstes Capitel.
b. LIMACEA, Nacktschnecken.
Thiere ohne äussere Schale, nur mit einem schildartig ausgebreiteten,
einen Theil des Körpers deckenden Mantel.
II. ARION ~Férussac~.
Wegschnecke.
Thier nackt und träge, der Körper halbstielrund oder cylindrisch, vorn
und hinten verschmälert, unten platt. Fühler cylindrisch-kegelförmig.
Schild mässig lang, ~gekörnt~, vornen und hinten abgerundet.
Athemöffnung rund, auf der rechten Seite des Schildes vor seiner
Mitte, dicht darunter die Geschlechtsöffnung. In dem Schilde liegen
in grösserer oder geringerer Zahl zerstreute Kalkkörnchen, aber ohne
eine eigentliche Schale zu bilden; nur bei _Arion hortensis_ ~Fér.~
(_fuscus_ ~Müll.~) treten sie zu einer unvollkommenen Schale zusammen
und ~Moquin-Tandon~ stellt desshalb denselben als Untergattung
_Prolepis_ den anderen, die die Untergattung _Lochea_ bilden,
gegenüber. Die Fusssohle ist in ihrer ganzen Länge gleichbreit, hinten
und vorn abgerundet und nicht wie bei _Limax_ in drei deutliche Felder
geschieden. Am Ende des Schwanzes findet sich eine starke Schleimdrüse,
die besonders zur Begattungszeit sehr stark secernirt.
Der Kiefer ist halbmondförmig, hornig, am concaven Rande etwas
verdickt, auf der oberen Fläche mit 8-15 starken Leistchen,
die den concaven Rand zahnartig überragen. Zunge mit einem
symmetrischen, dreispitzigen Mittelzahn, der etwas kleiner ist, als
die nebenstehenden anderen Zähne des Mittelfeldes. Seitenzähne
messerförmig, etwas gekrümmt. Die gesammte Verdauung ist auf
Vegetabilien eingerichtet; der innere Bau ist ganz der im ersten
Capitel beschriebene der Gastropoden. Das Genitalsystem ist einfach
gebaut, ohne die Anhangsdrüsen von _Helix_.
Sämmtliche Arten sind träge, sehr gefrässige Thiere, die nur bei
feuchtem Wetter und Nachts umherkriechen, sonst ruhig unter Steinen,
feuchtem Holz u. dgl. sitzen. Sie sondern sehr viel Schleim ab. Die
Begattung erfolgt in derselben Weise, wie bei _Helix_; die Eier werden
zu 50-60 Stück lose unter Moos und Laub den ganzen Sommer durch
abgelegt, die Jungen erscheinen nach 4-6 Wochen.
Es kommen in Nassau vier Arten vor, die sich unterscheiden wie folgt: