Der ~Geschmacksinn~ ist bei allen Schnecken vorhanden, denn sie wählen

ihre Nahrung sehr sorgfältig aus, seinen Sitz hat man aber noch nicht

ausmachen können. Ebenso ergeht es mit dem ~Geruch~. Vorhanden ist er

jedenfalls, denn die Thiere kriechen in ganz gerader Linie auf ihre

Nahrung zu, auch wenn dieselbe so liegt, dass sie nicht gesehen werden

kann; es scheint der Geruch sogar der schärfste Sinn bei den Schnecken

zu sein und ihre Bewegungen vorzugsweise zu leiten; aber über seinen

Sitz ist man durchaus noch nicht einig. ~Moquin-Tandon~ sucht, wie

schon erwähnt, den Geruchsinn in dem Ganglion des Tastnerven, und bei

den Wasserschnecken, denen dieser Knoten fehlt, in der gesammten Haut;

aber seine Beweise dafür, Versuche an Thieren mit abgeschnittenen

Fühlern, sind durchaus nicht beweisend. Wahrscheinlicher ist die

Annahme von ~Semper~, dass ein von ihm entdecktes, in der Haut

unmittelbar hinter der Mundmasse gelegenes, sehr nervenreiches Organ,

der Sitz des Geruches sei. Genauere Untersuchungen bleiben noch

abzuwarten.

Das ~Gefässsystem~ zeigt bei allen Gastropoden die Eigenthümlichkeit,

dass die Röhrenleitung an irgend einer Stelle unterbrochen ist und

hier die Höhlungen des Körpers das freie Blut enthalten. Wir finden

bei allen ein Herz, von dem Herzbeutel umhüllt, Arterien, die sich

in feine Haargefässe auflösen, und Venen, die das Blut wieder in’s

Herz zurückführen. Aber diese Venen stehen überall, oder doch,

wie die Untersuchungen von ~Wedl~ an _Helix pomatia_ beweisen, an

den meisten Stellen nicht in directem Zusammenhang mit den feinen

Arterienverzweigungen, sondern bilden meist stärkere Stämme mit

freien Endigungen. Das Blut ergiesst sich aus den freien Enden der

Arterien in die Hohlräume zwischen den Eingeweiden und fliesst dort,

nur durch die Bewegungen des gesammten Körpers getrieben, weiter, bis

es an bestimmten Stellen durch die Venen aufgesogen und durch die

Athmungsorgane hindurch in’s Herz geführt wird.

Das ~Herz~ liegt meistens in nächster Nähe der Athemorgane, meistens

an dem Rücken des Thiers in der hinteren Ecke der Mantelhöhle,

unmittelbar am Mastdarm, nicht selten, z. B. bei _Neritina_, von

demselben durchbohrt. Es ist immer von einem Herzbeutel umgeben und

besteht aus einem dünnwandigen Vorhof und einer dickwandigen Kammer,

beide sind kegelförmig und mit der Basis auf einander aufgewachsen.

Die Oeffnung zwischen beiden wird durch Klappen geschlossen, die sich

nach der Kammer hin öffnen und also ein Zurückströmen des Blutes nicht

gestatten. Der Vorhof liegt bei allen unseren Schnecken nach vorn

gerichtet.

Aus der Herzkammer entspringt an der kegelförmigen Spitze die

grosse Körperschlagader, bei den Kiemenathmern finden wir hier auch

zwei Klappen als Verschluss, bei den Lungenathmern fehlen sie, bei

_Limax_ sogar auch die an der Oeffnung zwischen Kammer und Vorhof;

der Verschluss wird dann durch einen Ringmuskel bewirkt. Die

Schlagader giebt zunächst einen starken Ast an die Leber und die

Geschlechtsorgane, weiterhin an die Verdauungsorgane ab und verzweigt

sich dann in Kopf und Fuss. Aus den freien Enden der feinsten

Zweige tritt das Blut in die schon erwähnten Hohlräume, Lacunen

oder Sinus genannt, und wird dann von den Venen theils mit ihren

freien Enden, theils durch Oeffnungen in ihren Stämmen aufgesogen

und den Athmungsorganen zugefügt. Bei den Lungenathmern bilden die

Lungengefässe einen Ring um den Lungensack, aus dem zahlreiche

Stämmchen entspringen und sich netzartig verzweigen, um sich dann

wieder zu einem grossen Stamm zu sammeln, der in die Spitze des

Vorhofes mündet. -- Bei den Kiemenathmern dagegen strömt das Blut

frei durch den Raum innerhalb der Kieme und wird am Ende derselben

wieder von einem Stamme aufgenommen, der in’s Herz führt. Daneben

führen aber andere Stämme das Blut, ohne die Kiemen zu berühren, direct

in’s Herz. Es muss also bei den Lungenathmern das sämmtliche Blut die

Athmungsorgane passiren, um wieder in’s Herz zu gelangen, bei den

Kiemenathmern nur ein Theil.

Bei den Kiemenathmern findet sich seltsamer Weise innerhalb der Nieren

eine Oeffnung in einer Venenwand, durch die das Blut mit Wasser

verdünnt werden kann.

Das Blut selbst besteht aus einer bläulich oder röthlich gefärbten

Flüssigkeit, in der zahlreiche, farblose Blutkörperchen schwimmen.

Im Gegensatz zu dem Blute der höheren Thiere ist also hier die

Blutflüssigkeit Trägerin der Farbe. Die Blutkörperchen haben einen

deutlichen Kern und sehr häufig blasse, sternförmige Ausläufer. Die

Quantität des Blutes wechselt nach dem Fütterungszustande sehr; bei

hungernden Schnecken nimmt zunächst immer die Blutmenge ab, während der

übrige Körper unberührt bleibt.

Die ~Athmungsorgane~ sind, wie schon oben erwähnt, nach zwei

verschiedenen Typen gebaut, entweder ~Lungen~ zum Athmen der Luft

oder ~Kiemen~ zum Wasserathmen. Doch darf man sich den Unterschied

nicht entfernt so gross vorstellen, wie zwischen Wirbelthierlunge

und Fischkieme. Es ist vielmehr wesentlich derselbe Typus: ist nur

eine Stelle in der Wand des Lungensacks besonders gefässreich, ohne

sonst hervorzutreten, so nennt man sie Lunge, erhebt sie sich zu

einer gefässreichen Falte, so nennt man sie Kieme. Gewöhnlich benutzt

man diesen Unterschied als Haupteintheilungsgrund, aber dann hat

man den Uebelstand, dass man die gedeckelten Landschnecken, deren

Athmungsorgane ganz den Bau der Lungenschnecken haben, auch zu diesen

ziehen muss, obwohl sie in ihrem sonstigen Bau vollkommen mit den

Kiemenschnecken übereinstimmen. Manche helfen sich nun damit, dass sie

die Athmungsorgane derselben trotz ihres Baues für Kiemen ansehen, aber

das ist doch wohl eine etwas starke Entstellung des Thatbestandes, wenn

sie auch das System sehr vereinfacht.

Die ~Lungen~ bestehen also einfach aus einer gefässreichen Stelle

an der Decke der Mantelhöhle, die durch einen starken Muskel

verengert und erweitert werden kann; sie erhalten die Luft durch

die Athemöffnung, welche ebenfalls durch einen eigenen Ringmuskel

geöffnet und geschlossen werden kann. In ihren Gefässen kann man zwei

Netze unterscheiden, ein gröberes, aus stärkeren, mit Flimmerepithel

ausgekleideten Stämmen bestehendes, und ein feineres aus dünnen,

epithellosen Gefässchen, nach ~Semper~ sogar aus wandungslosen Lacunen.

Die ~Kiemen~ sind einfache oder verästelte Falten der Haut, in deren

Zwischenräumen das Blut ohne eigentliche Gefässe von einem Venenstamm

in den anderen übertritt. Bei _Paludina_ ist die Kieme dreieckig,

ziemlich lang, aber noch innerhalb der Mantelhöhle verborgen, bei

_Valvata_ dagegen steht sie als ein verästelter Federbusch aus dem

Athemloche hervor. Eine Verlängerung des Athemlochrandes zu einer

Athemröhre, wie bei so vielen See-Kiemenschnecken, kommt bei unseren

Arten nicht vor.

Alle Schnecken haben ~Absonderungsorgane~ zur Entfernung der

verbrauchten Körpersubstanz. Vor allen Dingen gehört hierher die

~Niere~, eine grosse Drüse mit einem Hohlraum im Inneren, die ebenfalls

wie Lunge und Herz an der Decke der Mantelhöhle liegt, meistens

zwischen diesen beiden Organen. Sie mündet entweder direct in die

Mantelhöhle, wie bei _Arion_, oder durch einen kürzeren oder längeren

Gang, den ~Ureter~, vornen in der Nähe der Afteröffnung. Die Mündung

ist fast immer von einem kräftigen Schliessmuskel umgeben. Die Niere

bildet einen weiten Sack, in dessen Innerem sich eine Menge häutiger

Falten erheben und die absondernde Oberfläche vergrössern. Das ganze

Innere ist mit einer Schicht cylindrischer Zellen mit flimmernden

Fortsätzen ausgekleidet; der Inhalt ist harnsaures Ammoniak, meistens

in festen Concretionen, die ~Swammerdam~, der Entdecker, für Kalk

ansah. ~Cuvier~ erklärte die Niere für eine Schleimdrüse, und das

Gewicht seines Namens hielt diese Ansicht gegen die richtigere von

~Wilbrand~ aufrecht, bis 1820 ~Jacobson~ die chemische Beschaffenheit

des Inhalts nachwies.

Bei den Kiemenschnecken, insbesondere bei _Paludina_, von der wir

~Leydig~[5] eine ausgezeichnete Anatomie zu verdanken haben, hat die

Niere und der dort sehr stark erweiterte Ausführungsgang wahrscheinlich

noch eine andere Verrichtung. Wie schon oben erwähnt, hat hier das

Gefässsystem in der Niere eine Lücke, durch die das Blut in die

Nierenhöhle hineintreten und sich dort mit dem eingedrungenen Wasser

vermischen kann. In welcher Weise das Blut hier verändert wird, ob eine

Veränderung regelmässig oder nur in Ausnahmsfällen stattfindet, weiss

man noch nicht.

Ausser der Niere finden wir noch bei vielen Schnecken ~Schleimdrüsen~.

Am entwickeltsten sind sie bei den nackten Landschnecken. Wir finden

hier meistens eine lange, bandförmige Drüse, die ~Fussdrüse~, die

sich innerhalb des Fusses durch den ganzen Körper hin erstreckt und

mit einer weiten Oeffnung zwischen Kopf und Fuss mündet. Ausserdem

haben viele Schnecken noch eine ~Schwanzdrüse~, die unmittelbar auf

der Schwanzspitze liegt; diese sondert, namentlich bei der Begattung,

grosse Quantitäten Schleim ab, den die Schnecken, nach ~Bouchard~, vor

der eigentlichen Begattung sehr begierig fressen.

Die ~Geschlechtsorgane~ sind bei den Lungenschnecken wesentlich anders

gebaut, als bei den Kiemenschnecken. Während nämlich die letzteren fast

sämmtlich getrennten Geschlechtes sind, sind die Pulmonaten sämmtlich

Zwitter, und zwar Zwitter in der höchsten Ausbildung, da Samen und Eier

von einer Drüse producirt werden. Nach dem Vorgange ~Meckels~ suchte

man dies dadurch zu erklären, dass man zwei ineinandergeschachtelte

Drüsen annahm, von denen die äussere Eier, die innere Samen absondere.

Es ist eine solche Einschachtelung aber nicht zu finden und neuere

Untersuchungen haben auch die Unrichtigkeit dieser Theorie direct

nachgewiesen. Eine und dieselbe Drüse, die ~Zwitterdrüse~, sondert in

ihren fingerförmigen Lappen Samen und Eier ab, ohne dass man sagen

könnte, welcher Theil besonders Eier und welcher Samen abscheide.

Von der Drüse aus gehen beide gemeinsam durch den sogenannten

~Zwittergang~ bis zu einer, an seinem Ende befindlichen Erweiterung,

der ~Samentasche~. Hier beginnt die Trennung. Die Eier, bis dahin nur

aus einem Dotter bestehend, bekommen eine Eiweisshülle und gehen durch

einen weiten Gang, den ~Eileiter~, nach unten. Im Verlaufe dieses

Ganges liegen eine Anzahl Drüsen, die den Eiern der Landpulmonaten ihre

Kalkschale liefern. In der Nähe des Ausganges verschwinden die Drüsen

und der Eileiter wird zur ~Scheide~, in die bei der Begattung der Penis

eingeführt wird.

Der Samen wendet sich von der Samentasche aus nach dem ~Samengang~,

der Anfangs nur eine enge, mit Flimmerepithel ausgekleidete Rinne

in der Wand des Eileiters darstellt, sich aber bald als freier Gang

davon loslöst und nach dem Penis führt. Auch seine Wand ist mit

zahlreichen, kleinen Drüsen besetzt, der untere Theil ist aber frei

und geht allmählig in den _Penis_ über, eine musculöse Erweiterung des

Samenganges, die durch den Blutandrang ausgestülpt und durch einen

eigenen Muskel wieder zurückgezogen werden kann.

Die äussere Geschlechtsöffnung liegt bei allen rechtsgewundenen Arten

an der rechten Seite des Halses, bei den linksgewundenen, auch wenn es

abnorme Exemplare von sonst rechtsgewundenen Arten sind, an der linken

Seite.

Bei den meisten Heliceen hat der Penis hinten einen peitschenförmigen

Anhang, das _~Flagellum~_, der mitunter länger als der Körper des

Thieres ist. In ihm und in dem hinteren Theile des Penis wird Schleim

abgesondert, der, zu einem Pfropf erhärtet, bei allen Landpulmonaten

als Samenträger, ~Spermatophore~, dient, d. h. er nimmt in eine kleine

Höhlung im Inneren den Samen auf und wird mit demselben in die Scheide

hineingeschoben.

Ausser diesen wichtigsten Bestandtheilen des Geschlechtsapparates

finden wir bei vielen Gattungen noch eine Anzahl ~Anhangsdrüsen~, über

deren Bedeutung man noch nicht im Klaren ist. Bei den meisten Arten der

Gattung _Helix_ finden wir als Anhang der Scheide einen musculösen,

ziemlich grossen Sack, der uns beim Seciren sofort in’s Auge fällt; er

enthält im Inneren ein kalkiges, pfeil- oder lanzenförmiges Gebilde,

den ~Liebespfeil~, das den inneren Raum vollständig ausfüllt. Beim

Vorspiel der Begattung wird derselbe durch Ausstülpung der an seinem

Grunde befindlichen Papille herausgetrieben und mit einer gewissen

Gewalt in die Haut der anderen Schnecke hineingestossen. Welche

Bedeutung dieser Vorgang hat, ist ganz unklar; nöthig für die Begattung

ist er sicherlich nicht, da jede Schnecke nur einmal den Pfeil

ausstösst, sich aber sehr häufig mehrfach begattet. Die Liebespfeile

zeigen sich so constant in der Form, dass man sie als werthvolles

Unterscheidungskennzeichen nahe verwandter Arten, z. B. _Helix

nemoralis_ und _hortensis_, _costulata_ und _candidula_ verwenden

kann. Man erhält sie am sichersten unzerbrochen, wenn man den ganzen

Pfeilsack ausschneidet und in einem Reagenzgläschen in Aetzkalilauge

kocht; es bleibt dann nur der Pfeil übrig.

Viele Helices haben ausserdem noch einen Anhang am Stiele der

Samenblase, das ~Divertikel~; es übertrifft mitunter an Länge die

Samenblase, sein Zweck ist aber noch unklar; bei manchen Arten nimmt

es die Spermatophore auf, aber nahe verwandte Arten haben wieder kein

Divertikel.

Ausserdem finden wir noch viele Schleimdrüsen, die besonders bei der

Begattung sehr lebhaft absondern.

Die einzelnen Theile sind bei den verschiedenen Gattungen so

verschieden gebaut, dass sie höchst wichtige Anhaltspuncte für die

Unterscheidung der Gattungen und Arten darbieten. Beobachtungen

darüber finden wir besonders in dem Werke von Adolf ~Schmidt~: der

Geschlechtsapparat der Stylommatophoren, und bei ~Moquin-Tandon~,

Histoire des mollusques terr. et fluv. de la France.

Weit einfacher ist der Bau des Geschlechtsapparates bei den

~Kiemenschnecken~. Männliche wie weibliche Organe bestehen hier aus

einer in die Lebersubstanz eingebetteten, keimbereitenden Drüse,

die immer auf der rechten Seite des Thieres liegt, und einem langen

Ausführungsgang. Bei dem Weibchen erweitert sich derselbe dicht vor

seiner Mündung zu einem _Uterus_, zu dem bei _Paludina_ noch eine

Samentasche, bei _Neritina_, nach ~Claparède~, eine Nebendrüse mit

fettigem Secret kommt. Vor dem Uterus liegt noch eine kurze Scheide,

die in die Mantelhöhle links hinter dem After einmündet. -- Bei dem

Männchen läuft der Ausführungsgang ganz auf dem Boden der Mantelhöhle

nach dem Penis zu, entweder als geschlossenes Rohr, wenn der Penis hohl

ist, oder als offene Rinne bis zur Spitze desselben, wenn er solide

ist. Der Penis liegt immer am Kopfe, dicht hinter dem rechten Fühler,

oder, wie bei _Paludina_, in einer Rinne desselben; er kann nicht

eingezogen, aber doch unter dem Mantel verborgen werden.

Die gedeckelten Landschnecken verhalten sich auch hierin ganz wie die

Kiemenschnecken.

Sämmtliche Theile des Geschlechtsapparates bestehen aus einer äusseren

Muskelschicht und einer inneren Zellenschicht mit stark flimmerndem

Epithel.

Zweites Capitel.

Entwicklung der Schnecken.

Nicht nur bei den Getrenntgeschlechtigen, sondern auch bei den Zwittern

ist zur Befruchtung eine Begattung nöthig. Nur in Ausnahmsfällen ist

eine Selbstbefruchtung, wie sie zuerst K. E. ~von Bär~ bei _Limnaea

auricularia_ beobachtete, möglich. Bekannt ist, dass ~Czermak~ von

einer _Limnaea_, die er schon als Ei isolirte, befruchtete Eier und

Nachkommen erhielt.

Bei unsern Kiemenschnecken hat man, soviel mir bekannt, eine Begattung

noch nicht beobachtet, um so häufiger bei den Pulmonaten, wo sie

entweder wechselseitig, wie bei den Heliceen, oder abwechselnd, wie bei

den Limnäen, erfolgt.

Wo die Befruchtung der Eier erfolgt, ist noch nicht ermittelt,

wahrscheinlich im oberen Theile der Saamenblase, ehe sie von Eiweiss

und Schale umhüllt sind. Eine Anzahl unserer Schnecken, _Paludina

vivipara_, _Helix rupestris_, _Balea fragilis_, _Clausilia ventricosa_,

_biplicata_, sind lebendiggebärend, d. h. die Eier werden im unteren

Theile des Uterus so lange behalten, bis das Eiweiss vollständig

aufgezehrt ist und das Junge die Eihülle verlässt. Alle anderen legen

Eier, aber in sehr verschiedener Weise. Die Landpulmonaten legen

meistens Eier mit kalkartiger Schale, die bei einigen tropischen

Arten (_Bulimus ovatus_ und _oblongus_) die Grösse eines Taubeneies

erreichen; sie sind meist kugelförmig, bisweilen auch oval oder in

zwei Spitzen ausgezogen und dann mitunter in perlschnurartige Reihen

geordnet, sonst fast immer isolirt zu kleinen Häufchen gruppirt. Ihre

Zahl ist sehr bedeutend, _Limax agrestis_ z. B. legt im Laufe eines

Sommers 3-500 Eier. Meistens werden sie in feuchter Erde, unter Laub,

Moos und Steine u. dgl. ohne weitere Sorgfalt abgesetzt; nur _Helix

pomatia_ gräbt eine kellerartige Höhle und wölbt sie oben wieder zu,

wenn die Eier abgesetzt sind. Die Wasserpulmonaten und auch _Succinea_

legen eine grössere Anzahl Eier, durch Schleim zu einem gemeinsamen

Laich zusammengeklebt, an die Blätter der Wasserpflanzen. _Neritina_

setzt ihre Eier in einer aus zwei Halbkugeln zusammengesetzten Kapsel

ab, die sie auf Steinen oder anderen Schnecken befestigt, die erste

Andeutung der oft so wunderbar complicirt gebauten Eierkapseln der

Seeschnecken.

Die Entwicklung der Eier hat man besonders bei den Wasserschnecken,

wo sie blos von dem durchsichtigen Eiweiss umgeben sind, beobachtet.

Lungenschnecken und Kiemenschnecken zeigen hier eine durchgreifende

Verschiedenheit. Bei _Limnaea_ beginnt alsbald nach der Absetzung des

Laiches die Furchung des Dotters; schon am zweiten Tage zeigen sich

die ersten Spuren des Embryos, der Fuss entwickelt sich und der Embryo

beginnt sich langsam um sich selbst zu drehen. Es bildet sich dann

der anfangs geradlinige Darmcanal mit Mund und After, der Mantel, und

auf oder vielmehr in ihm die erste Anlage der Schale; dann bilden sich

Fühler und Augen, Nervensystem, Athmungs- und Kreislaufsorgane, und

nach circa 20 Tagen sprengt der Embryo die Eihülle.

Etwas complicirter ist der Entwicklungsgang bei den Landpulmonaten, wo

man ihn, durch die Durchsichtigkeit der Eischale begünstigt, besonders

bei _Limax_ verfolgt hat. Es bilden sich hier nämlich, ausser den

bleibenden Organen, am Nacken und am Schwanzende zwei contractile

Blasen aus, die ~Nackenblase~ und die ~Schwanzblase~, und vermitteln

durch ihre Zusammenziehungen eine Art Kreislauf; mit der Entwicklung

des Herzens bilden sie sich wieder zurück. Ausserdem finden wir in der

Athemhöhle noch ein S-förmig gebogenes Organ, das Harnstoff ausscheidet

und somit als Niere dient; man nennt es die ~Urniere~; auch es

verschwindet, wenn sich die bleibenden Nieren ausbilden.

Von den Kiemenschnecken kennen wir durch ~Leydig~ sehr genau die

Entwicklung von _Paludina vivipara_; dieselbe ist unschwer zu

verfolgen, da man im Uterus stets die verschiedenen Entwicklungsstadien

beisammen findet. Characteristisch ist für dieselbe ein eigenes

Bewegungsorgan, das später wieder schwindet, das ~Segel~ oder ~Velum~,

ein mit Wimpern besetzter Wulst, mit dessen Hülfe der Embryo langsam

rotirt. Bei _Neritina_, wo sich aus vielen Eiern in einer Kapsel

immer nur ein Embryo entwickelt, dient das Segel demselben, um die

anderen Eier in die Nähe seiner Mundöffnung zu bringen, damit er sie

verschlingen kann. Nach dem Segel bilden sich dann die anderen Organe

in folgender Reihenfolge: Darm, Leber, Fuss, Sinnesorgane, Mantel,

Schale, Nervensystem, Herz, Kiemen. Wie schon oben erwähnt, ist die

Schale der Kiemenschnecken zu keiner Zeit eine innere, während die der

Pulmonaten im Ei von einem Mantellappen bedeckt wird, der später wieder

schwindet.

Die meisten Eier werden natürlich im Sommer abgesetzt, doch findet man

sie auch noch im Herbst; eine Ueberwinterung gehört aber, wenn sie

überhaupt vorkommt, zu den Seltenheiten. Viele Schnecken scheinen bald

nach beendigtem Eierlegen zu sterben; man findet, wenigstens im Sommer,

sehr häufig frisch gestorbene Schnecken. Bei _Physa_ beobachtete

es schon ~von Alten~; da diese Schnecke nach ihrem Tode sehr rasch

aus dem Gehäuse herausfällt, nahm er an, sie verlasse dasselbe vor

dem Eierlegen freiwillig und sterbe dann, ein Irrthum, den schon

Carl ~Pfeiffer~ berichtigt hat. -- Doch ist das Verhältniss durchaus

nicht so, wie bei vielen Insecten, besonders den Schmetterlingen, die

unmittelbar nach dem Eierlegen sterben; viele Schnecken legen mehrmals

Eier, und selbst in mehreren Jahren nach einander, wie es wenigstens

~Sporleder~ bei _Helix cingulata_ beobachtet hat. Es sind über diesen

Punct noch viel zu wenig Beobachtungen gemacht.

Ihre vollständige Grösse scheinen die meisten Schnecken innerhalb

eines Jahres, die Winterruhe mit eingerechnet, zu erreichen. Unter

günstigen Verhältnissen bauen viele noch im Herbst ihr Gehäuse fertig,

die anderen müssen es bis in’s Frühjahr aufschieben. Irrthümlich ist

es, aus den Wachsthumstreifen, die man mitunter am Gehäuse findet,

aufs Alter schliessen zu wollen, da dieselben durchaus nicht der Zahl

der Jahre entsprechen; die Schnecken vergrössern ihr Gehäuse mehrmals

im Jahre, so oft sie Kalk genug angesammelt haben. Der Mundsaum mit

seinen Verdickungen, Lippen und Falten ist das Letzte, was gebaut wird,

so dass man daran das fertige Gehäuse leicht erkennen kann. Doch ist

dies nicht immer der Fall. Bei _Helix personata_ habe ich beobachtet,

dass sie die Mündungslamellen schon bildet, wenn unter der Oberhaut

erst eine ganz dünne Kalkschicht vorhanden ist; es muss also hier nach

Vollendung der Mündung noch eine Verdickung der Schale stattfinden,

und zwar wahrscheinlich während der Winterruhe, denn ich fand die

dünnschaligen, durchsichtigen Exemplare noch im Spätherbst, aber nicht

mehr im Frühjahr.

Der Weiterbau des Gehäuses erfolgt, indem das Thier aus dem vorderen

Theile der Mantelfläche eine dünne Haut ausscheidet, durch die man die

Mantelgefässe sehr stark entwickelt durchscheinen sieht. In dieselbe

lagert sich dann der Kalk ab und zuletzt wird der Farbstoff von den

Drüsen des Mantelrandes ausgeschieden. Während des ganzen Vorganges

sitzt das Thier unbeweglich still, auf die Unterseite eines Blattes

oder an einen Stamm angekittet. Natürlich hängt die Grösse des

angebauten Stückes mit dem Blutreichthum, also auch mit der Art und

Menge der Nahrung zusammen.

Ueber die Dauer der normalen Entwicklung wären genauere Untersuchungen

noch sehr zu wünschen. ~Sporleder~ hat Clausilien in 4 Monaten, und

andere unter denselben Bedingungen erst in 9 Monaten ihre volle Grösse

erreichen sehen. Am schnellsten scheinen sich die Wasserschnecken zu

entwickeln; _Planorbis leucostoma_ und _Limnaea peregra_ sind schon

nach drei Monaten fortpflanzungsfähig; _Limnaea stagnalis_, die ich in

einem Aquarium zog, begattete sich zum ersten Mal in einem Alter von 4

Monaten.

Im Allgemeinen haben die Landschnecken ein bestimmtes Grössenmass,

das sie auch unter den günstigsten Lebensverhältnissen nicht leicht

überschreiten, auch wenn sie nach seiner Erreichung noch lange

leben. Wasserschnecken, und besonders einzelne Limnäen dagegen, _L.

auricularia_, _ovata_, scheinen zu wachsen, so lange sie leben, und

erreichen nicht selten eine die normale weit übertreffende Grösse.

Fauna der Nassauischen Mollusken · 第 4 / 25 段