Die Schnecke ist im Gehäuse durch die Sehne eines starken symmetrisch

aus zwei Hälften zusammengesetzten Muskels, des ~Spindelmuskels~,

befestigt. Derselbe nimmt seinen Ursprung in der Nähe der Mundmasse

und durchsetzt die Haut in der Achse der ersten Windung, um sich dort

mit einem sehnigen Streifen an der Spindel zu befestigen. Bei seiner

Zusammenziehung wird natürlich der Theil des Körpers zuerst nach

hinten gezogen, an welchem er befestigt ist; der Körper knickt bei

den Deckellosen in der Mitte der Sohle der Länge nach zusammen, die

beiden Hälften legen sich aneinander und der Fuss verschwindet von vorn

nach hinten in der Oeffnung des Gehäuses und dem diese auskleidenden

Ringmuskel des Mantelrandes, der dann allein sichtbar bleibt. Bei den

Deckelschnecken dagegen knickt die Sohle der Quere nach ein, die beiden

Querhälften legen sich aneinander und dadurch kommt die Rückenseite

der hinteren Hälfte, welche den Deckel trägt, schliesslich in der

Mündung nach aussen gerichtet zu liegen und schliesst dieselbe. Von

dem Spindelmuskel entspringen noch eine Anzahl kleinerer Muskeln zur

Bewegung einzelner Theile.

Die ~Verdauungsorgane~ sind bei allen Gastropoden sehr entwickelt.

Immer finden wir einen Mund, Schlundkopf, Speiseröhre, Magen und

Darmcanal nebst anhängenden Drüsen, von denen namentlich die Leber

sehr gross ist. Der ~Mund~ ist bei allen ungedeckelten Schnecken

eine einfache Einstülpung der Haut, die unmittelbar in die Höhle des

Schlundkopfes führt; bei manchen Wasserschnecken aber, besonders den

Kiemenathmern, und bei den gedeckelten Landschnecken steht er auf

der Spitze einer Schnauze; ein einstülpbarer Rüssel, wie ihn viele

Seeschnecken haben, kommt bei unseren Binnenconchylien nicht vor.

Hinter der Mundöffnung kommen wir in die Höhle des ~Schlundkopfes~,

die von einer starken, birnförmigen Muskelmasse umgeben ist und die

Fresswerkzeuge enthält. Diese bestehen aus Zunge und Kiefer. Der

~Kiefer~ fehlt nur wenigen Gattungen aus der Gruppe der Testacelliden,

die bei uns nur durch die Gattung _Daudebardia_ vertreten werden; alle

anderen haben einen oder mehrere, von so verschiedener Form, dass

man sie mit dem besten Erfolg zur Eintheilung der Schnecken benutzen

kann. Er liegt an der oberen Wand des Schlundkopfes, unmittelbar

hinter der Mundöffnung und besteht aus einer hornigen Verdickung

der Epithelzellen, meist von brauner Farbe, und in Aetzkali nur bei

längerem Kochen löslich. Bei den ungedeckelten Landschnecken finden wir

immer nur einen ziemlich langen, nach vorn convexen Kiefer, der quer

an der oberen Wand des Schlundkopfes liegt; die Limnäen und Planorben

dagegen haben drei Kiefer, von denen einer in der Mitte, die beiden

anderen an den Seitenwänden liegen; _Physa_ hat nur ein Mittelstück,

_Ancylus_ einen Halbring von kleinen Hornstückchen. Die Deckelschnecken

haben zwei seitliche, meist nur kleine Plättchen. Aber auch im

Einzelnen ist die Form sehr verschieden. Alle Arten der Gattung _Helix_

haben z. B. vorspringende Leisten auf dem Kiefer, die nahe verwandten

Hyalinen dagegen haben einen ganz platten Kiefer mit einem zahnartigen

Vorsprung in der Mitte, und dieser Unterschied gibt den Hauptgrund

zur Trennung beider Gattungen. Von den Nacktschnecken hat _Arion_ den

Kiefer wie _Helix_, _Limax_ wie _Hyalina_. Im Allgemeinen hängt dies

auch direct mit der Lebensweise zusammen; die Pflanzenfresser haben die

stärksten Rippen auf dem Kiefer, die von faulenden Substanzen, Mulm

und Moder lebenden haben einen schwächeren, die Fleischfresser gar

keinen Kiefer; die Benutzung des Kiefers zur systematischen Eintheilung

ist demnach durchaus gerechtfertigt. Ein System freilich, das nur auf

den Kiefer ohne Berücksichtigung anderer Verhältnisse begründet ist,

wie das von ~Mörch~, ist ebensowenig ein natürliches, wie ~Linné~’s

Eintheilung der Pflanzen.

Auch zur Unterscheidung der Untergruppen, und selbst einzelner Species,

kann man mitunter die Kiefer benutzen, wie z. B. bei _Succinea putris

L._ und _Pfeifferi Rossm._, doch muss man hier sehr vorsichtig sein,

da bei einer und derselben Art die Form des Kiefers mitunter sehr

schwankt. So fand ich bei _Hel. nemoralis_ die Anzahl der Kieferleisten

von 2-9 schwankend.[2]

Die untere Seite der Schlundhöhle nimmt das andere Fresswerkzeug, die

~Zunge~, ein, eine längliche, dicke Masse aus Muskeln und Knorpeln,

mit einer feinen Membran, der ~Reibplatte~, überzogen. Die Muskeln

bestehen aus zwei starken Bündeln, die einen dreieckigen Raum zwischen

sich lassen; in diesem liegen die Knorpel, und das Ganze ist von einer

dünnen, aus faserigem Bindegewebe und Muskelfasern bestehenden Haut,

der ~Zungenhaut~, bedeckt, welche dann die Reibplatte, den wichtigsten

Theil des Schneckengebisses, trägt.

Diese ~Reibmembran~, _~Radula~_, besteht aus einer dünnen Grundmembran,

auf der eine Menge von Zähnen, in Längs- und Querreihen angeordnet,

sitzen. Sie überzieht die ganze Zunge, auch an den Seitenflächen, wo

allerdings die Zähne wenig oder gar nicht entwickelt sind, und verliert

sich nach hinten in eine knorpelige Umhüllung, die Zungenscheide. In

chemischer Beziehung besteht sie aus Chitin; sie ist in concentrirtem

Kali nur nach sehr langem Kochen löslich; durch concentrirte Säuren

wird sie braun gefärbt, und man kann die anorganischen Bestandtheile,

die freilich nur 5-6 % ausmachen, dadurch ausziehen. Eine Behauptung,

dass die Zähne aus Kieselsäure beständen, hat bis jetzt noch keine

Bestätigung gefunden.

Die Zungenzähne sind in äusserst regelmässige Längs- und Querreihen

angeordnet. Immer kann man an den Querreihen die Mittellinie erkennen,

indem der mittelste Zahn kleiner oder doch strenger symmetrisch ist,

als die fast immer etwas schiefen Seitenzähne. Am wenigsten deutlich

ist dies bei den _Helices_, am deutlichsten bei den Kiemenschnecken,

wo man Mittel- und Seitenplatten unterscheiden muss. Die Querreihen

verlaufen nur bei wenigen Arten, z. B. bei manchen Planorben,

vollständig horizontal über die Radula; meistens bilden sie einen nach

hinten, seltener nach vorn offenen Winkel, oder es ist ein gerader

Mitteltheil, an den sich die beiden Seitentheile in schräger Richtung

anschliessen.

Die Form und Grösse der Zungenzähne scheint äusserst constant;

wenigstens fand ich bei meinen Zählungen derselben, die ich bei

_Hel. nemoralis_, _hortensis_ und _sylvatica_ an einer grösseren

Anzahl von Zungen vornahm, für jede Art innerhalb eines und desselben

Gesichtsfeldes immer dieselbe Zahl Längs- und Querreihen. Doch muss ich

hier erwähnen, dass man kaum eine Schneckenzunge genauer untersuchen

kann, ohne Abnormitäten der Zähne zu finden. Bald schmelzen zwei

Längsreihen zu einer zusammen, bald schiebt sich zwischen zwei Längs-

oder Querreihen an einem beliebigen Punkte eins dritte ein; man

muss also auch hier äusserst vorsichtig mit der Verwerthung für die

Artunterscheidung sein.

Die Zahl der Längsreihen ist sehr verschieden; bei den Deckelschnecken

beläuft sie sich im Allgemeinen nur auf sieben, aber die einzelnen

Zähne sind sehr gross und mit mehreren, mitunter mit sehr vielen

Spitzen versehen. Bei den Pulmonaten dagegen sind die einzelnen Spitzen

alle selbstständig, höchstens findet man an einem Zahn noch eine

oder zwei kleine Nebenspitzen, und die Zahl der Längsreihen ist viel

bedeutender. Dementsprechend ist auch die Zunge der Deckelschnecken

bandförmig, lang und schmal, bei den Pulmonaten kürzer und bedeutend

breiter. Die grössten Schnecken haben auch die meisten Zähne.

Nachstehend gebe ich einige, auf eigenen Zählungen beruhende Zahlen,

die natürlich nur annähernde Werthe geben, da man sich leicht verzählt

und die abgenutzten Zahnreihen der Zungenspitze gar nicht zu zählen

sind.

Längsreihen. Querreihen. Summe.

_Neritina fluviatilis_ 7 90-96 650

_Paludina vivipara_ 7 100-112 750-800

_Cyclostoma elegans_ 7 120-130 8-900

_Hyalina cellaria_ 58 60-65 3700

_Limnaea peregra_ 72-75 120-125 8800

_Succinea putris _ 96 90-92 8700

_Helix rufescens_ 80-82 124-126 10000

_Helix sylvatica_ 76-80 150-155 12000

_Helix nemoralis_ 88-90 180 16000

_Helix pomatia _ 140 195-200 27-28000

Wie schon angedeutet, werden die Zungenzähne, besonders die am meisten

gebrauchten, am vorderen Ende stark abgenutzt und müssen von Zeit zu

Zeit erneuert werden. Ueber die Art und Weise dieser Erneuerung sind

die Ansichten noch verschieden. Nach ~Keferstein~ rücken Radula und

Zungenhaut gleichmässig zusammen vor, und es kommen so immer neue Zähne

an den vorderen Rand, während die Neubildung nur am hintern Ende in

der Zungenscheide stattfindet. ~Semper~ dagegen (Zum feinern Bau der

Molluskenzunge. Zeitschr. für wissensch. Zoologie IX, 1858) nimmt an,

dass von Zeit zu Zeit die Radula abgestossen werde und sich eine neue

darunter bilde, also eine vollständige Häutung stattfinde. Im letzteren

Falle wäre es aber auffallend, dass man nie eine Radula findet, die

nicht vornen abgenutzt wäre.

Wie bei dem Kiefer lässt sich auch bei der Radula ein Zusammenhang

zwischen der Form der Zungenzähne und der Lebensweise der Schnecken

nachweisen. Die Pflanzenfresser haben viereckige Zähne mit starken,

umgeschlagenen Haken, bei den Fleischfressern sind sie spitz, nadel-

oder dolchförmig, und die von Mulm und faulenden Vegetabilien lebenden

Arten stehen in der Mitte.

Bei der Wichtigkeit, die Zunge und Kiefer für die Systematik haben,

scheint mir eine genauere Angabe über die Art der Präparation nicht

unwichtig. Die des Kiefers ist am einfachsten. Man isolirt den

Schlundkopf und zieht mit einer Nadel den Kiefer davon ab, was bei

allen grösseren Arten keine Schwierigkeit hat; auch bei kleinen

gelingt es unter der Stativloupe unschwer. Ich halte die mechanische

Isolirung immer für besser, als das Kochen in Aetzkali, obwohl man

dann den Kiefer weit weniger rein bekommt, denn das Aetzkali greift

die Hornsubstanz doch immer mehr oder weniger an. Den isolirten

Kiefer reinigt man erst auf dem Finger oder unter der Loupe von dem

anhängenden Bindegewebe, bringt ihn einen Augenblick in möglichst

starken Weingeist, um das Wasser auszuziehen, und legt ihn dann in

einen Tropfen rectificirtes Terpentinöl, um den Alcohol zu verdrängen.

In diesem lässt man ihn einige Augenblicke liegen und reinigt

mittlerweile den Objectträger. Dann erwärmt man diesen etwas, bringt

einen Tropfen Canadabalsam darauf und legt den Kiefer vorsichtig in

denselben. Das Präparat bedeckt man mit einem Deckgläschen und kann es

dann aufheben, so lange man will. Damit keine Luftbläschen bleiben, die

das Bild unter dem Microscope stören, erwärmt man auch das Deckgläschen

etwas oder bestreicht es mit Terpentinöl. Bleiben doch einige Bläschen

im Balsam, so legt man das Präparat, vor Staub geschützt, einige

Stunden auf den Herd oder den warmen Ofen, doch so, dass es nicht zu

stark erhitzt wird, denn sonst beginnt der Balsam zu kochen und das

Uebel wird ärger.

Umständlicher ist die Präparation der Zunge, besonders wenn man das

Präparat aufbewahren will. Man isolirt sie am besten, indem man

den ganzen Schlundkopf in Aetzkali kocht; ich benutze dazu einen

Reagenzcylinder, aber nicht zu kurz, damit die Lauge nicht überkocht

und das Glas für die Finger nicht zu heiss wird. Sobald die Radula

allein herumschwimmt, schütte ich die gesammte Flüssigkeit in eine

weisse Untertasse, fische die Zunge heraus, neutralisire das Kali

durch einen Tropfen Salpetersäure und wasche dann die Radula in

Wasser aus. Zum Untersuchen ist sie dann fertig; will man aber das

Präparat aufbewahren, so muss man sie in ein der Zersetzung nicht

unterworfenes, nicht leicht austrocknendes Medium bringen und

hermetisch von der Luft abschliessen. Zu ersterem Zwecke hat man die

verschiedenartigsten Mischungen; ich benutze meistens eine Mischung

von Arseniklösung oder von salpetersaurer Magnesia mit Glycerin; beide

brechen das Licht weniger stark, als reines Glycerin, die Magnesia

am schwächsten, aber dafür hat sie die unangenehme Eigenschaft, sehr

rasch zu schimmeln und lässt sich nicht aufbewahren. Andere legen

die Zungen in eine Gummilösung, dann halten sie sich eine Zeit lang

ganz gut, bis das Gummi austrocknet und zu springen beginnt. In

Canadabalsam, wie gleichfalls empfohlen wird, darf man die Zungen

unserer Binnenconchylien durchaus nicht legen, da sie darin fast ganz

unsichtbar werden.

Um eine Zunge zum Aufheben zu präpariren, bringt man auf den

sorgfältig gereinigten Objectträger zunächst einen winzigen Tropfen

der Farrand’schen Lösung, -- ein Gemenge von Arseniklösung, Glycerin

und Gummilösung --, und legt die Zunge möglichst trocken mit der

rauhen Seite nach oben darauf. Die Lösung klebt etwas, und es ist

desshalb nicht schwer, die Zunge unter der Stativ-Loupe auszubreiten

und Unreinigkeiten zu entfernen. Dann bringt man vorsichtig einen

Tropfen der Conservirflüssigkeit darauf und bedeckt ihn mit dem durch

Weingeist vorsichtig gereinigten Deckgläschen. Bei einiger Uebung

lernt man leicht die richtige Menge Flüssigkeit treffen, damit nichts

an den Rändern überfliesst und das Ankleben des Lackes verhindert.

Luftbläschen entfernt man durch vorsichtiges Klopfen oder Erhitzen über

einer Spiritusflamme. Eine grosse Erleichterung gewähren Objecthalter,

zwei Korkstopfen, der untere breit, der obere an der Unterfläche

ziemlich spitz, die durch einen gebogenen, federnden Messingdraht

gegeneinander gedrückt werden und auf einem Brettchen befestigt

sind. Man bringt das Präparat dazwischen und kann dann in aller Ruhe

die überschüssige Flüssigkeit mit einem Pinsel oder einem feinen

Leinwandläppchen entfernen. Dann umzieht man den Rand des Deckgläschens

mit einer Auflösung von Siegellack in Weingeist, und überstreicht

diesen nach einigen Tagen mit schwarzem Militärlack. Solche Präparate

halten sich viele Jahre lang ohne die geringste Veränderung.[3]

Um die Präparate auf einander legen zu können, klebe ich an beide

schmale Seiten des Objectträgers ein paar Cartonstreifen, auf die ich

zugleich Namen etc. schreiben kann; zum Aufkleben bediene ich mich

einer mit französischem Terpentin versetzten Schellaklösung; nimmt

man reine Schellaklösung oder Gummi, so springen die Leisten alle

Augenblicke ab.

Aus dem hinteren, oberen Theile der Mundmasse entspringt die

~Speiseröhre~, ein enges, mitunter in Längsfalten liegendes Rohr,

das sich entweder schon nach kurzem Lauf allmählig, wie bei _Helix_

und _Limax_, oder nach langem Lauf plötzlich, wie bei _Limnaea_ und

_Planorbis_, zu einem mehr oder minder geräumigen ~Magen~ erweitert.

Meist der Einmündungsstelle des Schlundes gegenüber entspringt aus dem

Magen dann der Darm; nur bei den Kiemenschnecken erscheint der Magen

mehr zusammengebogen und die beiden Oeffnungen liegen nahe bei einander.

Der ~Darmcanal~ bildet meistens zwei starke Schlingen, die innerhalb

der Lebermasse verlaufen, und geht dann in den kurzen, geraden

~Mastdarm~ über, der an der rechten Seite, zunächst an oder in der

Athemhöhle, nach aussen mündet. Die Wand des Darmes besteht aus einer

dicken Muskelhaut mit besonders starken Längsmuskeln, und einem inneren

Ueberzug von cylindrischen Zellen; Drüsen finden sich in derselben

nirgends.

Dagegen findet man einige starke Drüsen ausserhalb des Darms, aber in

ihn einmündend. Immer sind zwei starke ~Speicheldrüsen~ vorhanden,

die zu beiden Seiten des Schlundes liegen und in ihn einmünden. Den

hintern Theil des Körpers füllt die ~Leber~ aus, aus mehreren Drüsen

bestehend, die den Darm und die Fortpflanzungs-Organe umhüllen und

in den Magen oder den obersten Theil des Darmcanals, jede mit einem

eigenen Ausführungsgange, einmünden.

Das ~Nervensystem~ ist ziemlich einfach. Wir finden weder ein in

ähnlicher Weise wie bei den Wirbelthieren die andern Nervencentren

überwiegendes Gehirn, noch eine Längsreihe strangförmig vereinigter

Nervenknoten, wie bei den Gliederthieren. Das Centralorgan ist ein

Nervenring, der unmittelbar hinter der Mundhöhle, bei den Kiemenathmern

hinter der Schnauze, den Anfang der Speiseröhre umgiebt. Er besteht aus

drei Paar Nervenknoten oder Ganglien, die durch mehrere Nervenfäden

unter einander verbunden sind. Ein Ganglienpaar liegt auf der

Oberseite des Schlundes, es giebt die Nervenäste für den Kopf und

die Sinnesorgane ab und wird das ~Hirnganglion~ genannt. Von den

beiden auf der Unterseite liegenden Paaren versorgt das eine den Fuss

und die Bewegungsorgane, ~Fussganglion~, das andere die Eingeweide,

~Visceralganglion~. Wo besonders starke Organe zu versorgen sind,

finden wir meistens noch einzelne Nervenäste zu Knoten anschwellend,

besonders im Mantel. Die Ganglien bestehen aus ziemlich grossen Zellen

mit mehreren Ausläufern, sogenannten multipolaren Ganglienzellen;

die Ausläufer gehen unmittelbar in die ziemlich breiten, blassen

Nervenfasern über, die aber nicht, wie bei den höheren Thieren, aus

Scheide und Inhalt, sondern nur aus einer gleichartigen Masse bestehen.

Die beiden unteren Ganglien sind bei den Lungenschnecken meist mit

einander verschmolzen, doch kann man an den austretenden Nerven die

Bedeutung der einzelnen Theile leicht erkennen. Bei den Kiemenathmern

sind sie weiter von einander entfernt, bei manchen Seeschnecken liegen

sie sogar, durch lange Nervenfäden verbunden, in ganz verschiedenen

Körpertheilen. Die Farbe des Nervensystems ist meist ein blasses Weiss;

bei _Limnaea_ und _Planorbis_ aber sind alle Theile gelb oder roth

gefärbt.

Die ~Sinnesorgane~ finden wir bei den Gastropoden alle fünf mehr

oder weniger entwickelt. Das ~Gefühl~ scheint seinen Hauptsitz in

den Fühlern zu haben, doch sind auch die anderen Körpertheile mehr

oder weniger empfindlich. Die Fühler oder Tentakel geben durch ihren

sehr verschiedenen Bau wichtige Anhaltspuncte für die Eintheilung.

Bei den lungenathmenden Landschnecken finden wir hohle, im Innern mit

Blut erfüllte Fühler, die wie Handschuhfinger aus- und eingestülpt

werden können. Das Einstülpen geschieht durch einen eigenen Muskel,

der, von dem Spindelmuskel ausgehend, sich kurz vor der Spitze des

Fühlers, aber noch unterhalb des Auges und des Tastorganes, ansetzt;

der vorderste Theil des Fühlers wird also bei seiner Zusammenziehung

nur in die Fühlerröhre hineingezogen, nicht in sich selbst eingestülpt;

dadurch sind die Sinnesorgane vor Zerrung geschützt. Die Ausstülpung

erfolgt ohne Muskelwirkung nur durch den Blutandrang. In die Fühler

tritt von dem Hirnganglion aus ein starker Nervenast, der unmittelbar

jenseits des Muskelansatzes zu einem Nervenknoten anschwillt, von dem

aus feine Fädchen nach der Haut gehen. ~Moquin-Tandon~ will hierin das

Geruchsorgan erkennen.

Die Landschnecken haben meistens vier Fühler, von denen aber die

unteren kleiner und einfacher gebaut zu sein pflegen; bei der zu _Pupa_

gehörigen Gattung _Vertigo_ verkümmern dieselben sogar ganz. Die

Wasserschnecken haben meistens nur zwei Fühler, und sind dieselben nur

einfache, lappen- oder borstenförmige, inwendig solide Hautlappen, die

nicht eingezogen, sondern nur zurückgezogen und unter den Mantelrand

verborgen werden können; sie enthalten auch keinen besonderen

Nervenknoten. Die gedeckelten Landschnecken haben ebenfalls nur zwei,

nicht einziehbare Fühler und gleichen hierin ganz den Kiemenschnecken.

~Gesichtsorgane~ finden sich bei allen Gastropoden, mit Ausnahme

einiger Arten, die in dem ewigen Dunkel grosser Tropfsteinhöhlen, fast

nur im Krain, leben. Sie sind sehr vollkommen gebaut, ganz ähnlich

denen der höheren Thiere. Zu äusserst liegt eine feste, bindegewebige

Haut, die sich vornen zu einer durchsichtigen Hornhaut verdünnt;

dahinter liegt eine ziemlich kugelige Linse, und den Rest des Auges

füllt die Netzhaut aus, an der man aber wieder eine innere faserige und

eine äussere körnige Schicht unterscheiden kann, zwischen denen eine

dünne Schicht farbstoffhaltiger Zellen, der Aderhaut der höheren Thiere

entsprechend liegt. Nur die unterirdisch lebende _Cionella acicula_

hat auch keine ausgebildete Augen, mindestens keine Pigmentschicht

darin. Genauere Untersuchungen an dieser Art sind mir nicht bekannt.

Die Nerven kommen nicht von dem Ganglion des Tastnerven, obwohl das

Auge der Landschnecken unmittelbar auf demselben aufsitzt, sondern von

einem eigenen Nerven, der sich schon ziemlich nahe am Gehirnganglion

von dem Tastnerven abzweigt. Ueber seine Endigungen in der Netzhaut

ist man noch nicht einig, da die schwarzgefärbte Zellenschicht eine

Untersuchung dieser Verhältnisse ausserordentlich erschwert.

Die Lage der Augen gibt für unser System einen sehr wichtigen

Eintheilungsgrund ab. Bei allen lungenathmenden Landschnecken, mit

Ausnahme der Auriculaceen und Cyclostomaceen, stehen die Augen auf der

Spitze der oberen Fühler und der ~Schmidt~’sche Name Stylommatophoren

ist davon abgeleitet. Bei den lungenathmenden Wasserschnecken sitzen

sie meistens innen neben der Fühlerbasis, bei den gedeckelten

Wasserschnecken aussen, bei den gedeckelten Landschnecken ebenfalls

aussen oder hinter der Fühlerwurzel.

Die Schärfe des Gesichtes scheint nicht sehr bedeutend zu sein; doch

können sie immerhin einige Fuss weit sehen. Ich habe oft beobachtet,

dass kriechende Schnecken ihre Fühler einzogen, sobald ich, mehrere

Fuss von ihnen entfernt stillestehend, die Hand nach ihnen ausstreckte.

Auch das ~Gehörorgan~ findet sich bei allen Gastropoden; es besteht

aus zwei kugeligen oder halbkugeligen Bläschen, die beiderseits auf

der Hinterseite der Fussganglien aufsitzen und einen oder einige

steinartige Körperchen, die Hörsteine oder Otolithen, enthalten,

die beständig in schwingender, zitternder Bewegung sind. Sie wurden

zuerst von ~John Hunter~ erkannt, und dann von v. ~Siebold~, und

besonders in neuerer Zeit von Ad. ~Schmidt~[4], genauer untersucht. Bei

kleinen Schnecken kann man leicht die zitternde Bewegung der Otolithen

beobachten, wenn man der lebenden Schnecke den Kopf abschneidet, ihn

mit einem Tropfen Wasser zwischen zwei Objectträgern presst und dann

unter das Microscop bringt; die Bewegung dauert dann ¼-½ Stunde.

Form und Zahl der Gehörsteinchen sind sehr verschieden; _Cyclostoma_,

_Hydrobia_, _Bithynia_ haben nur einen, _Neritina_ viele hunderte. Man

nimmt meistens an, dass sie aus kohlensaurem Kalk (Arragonit) bestehen,

da sie sich in Essigsäure ohne Rückstand auflösen; ~Schmidt~ macht aber

darauf aufmerksam, dass auch in dem Glycerin microscopischer Präparate,

welche längere Zeit der Wärme ausgesetzt waren, die Gehörsteinchen sich

auflösen, was mit dem chemischen Verhalten des Kalkes nicht stimmt.

Bei einigen Schnecken, _Helix_, _Limax_, _Physa_, beobachtete Ad.

~Schmidt~ einen Gang, der von der Gehörblase nach der äusseren Haut

verläuft und vermuthlich als äusserer Gehörgang die Zuleitung des

Schalles vermittelt.

Fauna der Nassauischen Mollusken · 第 3 / 25 段